{"id":27211,"date":"2015-08-14T09:08:05","date_gmt":"2015-08-14T07:08:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27211"},"modified":"2015-08-14T15:20:38","modified_gmt":"2015-08-14T13:20:38","slug":"kita-streik-wie-die-erzieherinnen-von-politik-medien-und-ihrer-eigenen-gewerkschaft-verraten-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27211","title":{"rendered":"Kita-Streik &#8211; wie die Erzieherinnen von Politik, Medien und ihrer eigenen Gewerkschaft verraten wurden"},"content":{"rendered":"<p>Die streikenden Kita-Erzieherinnen verpassten ihrer eigenen Gewerkschaft diese Woche eine schallende Ohrfeige, als sie den von Bsirske und Co. mit ausgehandeltem Schlichterspruch mit gro&szlig;er Mehrheit ablehnten. Die Zeiten scheinen sich zum Gl&uuml;ck ge&auml;ndert zu haben &ndash; kampfbereite Arbeiter und Angestellte akzeptieren heute nicht mehr jeden kargen Brocken, den ihnen Arbeitgeber und Gewerkschaften als &uuml;ppiges Festmahl verkaufen wollen. Das ist schon mal ein Lichtblick. Gro&szlig;e Hoffnungen auf einen Sieg im Arbeitskampf d&uuml;rfen sich die Streikenden jedoch leider nicht machen. Denn nach wie vor m&uuml;ssen sie gegen die geschlossenen Reihen aus verlogenen Politikern, angepassten Journalisten und lammfrommen Gewerkschaftsfunktion&auml;ren antreten &ndash; ein ungleicher (Arbeits)Kampf. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4783\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27211-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150814_Kita-Streik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150814_Kita-Streik_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150814_Kita-Streik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150814_Kita-Streik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27211-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150814_Kita-Streik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150814_Kita-Streik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als die ersten Streiks der Kita-Erzieherinnen im Mai starteten, sah die Lage der Streikenden eigentlich recht hoffnungsvoll aus. Sowohl Medien als auch die gro&szlig;e Politik erkl&auml;rten sich weitestgehend solidarisch mit dem ausgegebenen Ziel, das Berufsbild der Erzieher aufzuwerten. Auch SPD-Chef Gabriel erkl&auml;rte sich <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/karriere\/tarife-spd-chef-gabriel-kita-beschaeftigte-besser-bezahlen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-150613-99-02985\">umgehend solidarisch<\/a>. Lauwarme Worte und blumig formulierte Solidarit&auml;tsbekundungen kosten halt nichts und dass Gabriels Solidarit&auml;t genau so lange anh&auml;lt, bis es um konkrete Angebote der Arbeitnehmerseite geht, war absehbar.  <\/p><p>Auch die Medien fuhren damals noch mit angezogener Handbremse. Kein Wunder &ndash; schlie&szlig;lich streikten damals parallel ja auch noch die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23772\">&bdquo;b&ouml;sen&ldquo; Lokf&uuml;hrer<\/a>, auf die sich nun die geballte Kritik b&uuml;ndeln konnte. Und selbst f&uuml;r hartgesottene Auftragsschreiber ist es nicht eben einfach, wirklich schlecht bezahlte Kita-Erzieherinnen als habgierige Widerlinge darzustellen. Zumindest daran hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert. Stattdessen nimmt man lieber Einfluss auf den Arbeitskampf, in dem man die unvermeidlichen Benachteiligten des Streiks, also die Eltern, mit teils grotesken Mitteln als Opfer der k&auml;mpfenden Erzieherinnen darstellt. Auf die Idee, dass die Eltern (auch) ein Opfer der Arbeitgeber, also in diesem Falle der Kommunen und St&auml;dte, sein k&ouml;nnten, kommt ein deutscher Journalist freilich nicht. Ebenso wenig wie auf die Idee, dass die Arbeitgeber sehr wohl die &bdquo;&uuml;berzogenen&ldquo; Forderungen der Arbeitnehmer bezahlen k&ouml;nnten. Hier wird nahezu 1:1 wiedergegeben, was die Arbeitgeberseite den Journalisten in den Block diktiert.<\/p><p>Aus dem anf&auml;nglichen R&uuml;ckenwind wurde so ziemlich schnell ein kalter Gegenwind. Nachdem der Streik von den Medien entweder falsch kommuniziert oder gleich ganz ignoriert wurde, und die Politik es bei verlogenen Solidarit&auml;tserkl&auml;rungen belie&szlig;, bewegte sich auch die Arbeitgeberseite nur im Schneckentempo, ohne dabei auf die grundlegenden Forderungen einzugehen. Den Erzieherinnen geht es ja nicht um ein, zwei, drei oder vier Prozent mehr Lohn, sondern um eine grunds&auml;tzliche Sache &ndash; die Eingruppierung in einer h&ouml;heren Tarifgruppe, die in puncto Ausbildung und Verantwortung auch dem Berufsprofil entspricht. <\/p><p>Davon ist jedoch noch nicht einmal im Schlichterspruch die Rede. Stattdessen lie&szlig;en sich die Gewerkschaften mit einem alten Trick kaufen &ndash; das ausgehandelte Ergebnis stellte vor allem die &auml;lteren Arbeitnehmer besser, blieb aber am unteren Rand und in der Mitte weit unter den Forderungen zur&uuml;ck. Von einer h&ouml;heren Eingruppierung war schon gleich gar nicht mehr die Rede. Die Hoffnung der Arbeitgeber und Gewerkschaftsfunktion&auml;re war, dass die gewerkschaftlich organisierten Streikenden, die heute meist der &auml;lteren Generation angeh&ouml;ren, sich von diesem Lockangebot kaufen lassen. Doch diese Hoffnung erwies sich als Trugschluss. Die streikenden Erzieherinnen lehnten den Schlichterspruch, den Frank Bsirske ihnen als Erfolg schmackhaft gemacht hat, ab. Sehr sch&ouml;n. Und nun?<\/p><p>Medien und Politik sind schon wieder dabei, Einfluss zu nehmen &ndash; man solle den Schlichterspruch doch akzeptieren oder zumindest als Grundlage f&uuml;r einen neuen schnell und ohne Beteiligung der Streikenden ausgehandelten Kompromiss nehmen. Ein bisschen was geht ja schlie&szlig;lich noch. Doch mit &bdquo;ein bisschen was&ldquo; wollen sich die Streikenden nicht zufrieden geben. Doch wer soll ihre Forderungen verhandeln und durchbringen? Die Verdi-Spitze, die ohnehin nicht viel von diesem Streik h&auml;lt und ihn lieber heute als morgen durch einen halbgaren Kompromiss abwenden w&uuml;rde? Frank Bsirske ist nun mal kein Claus Weselsky mit Cojones und dem unnachgiebigen Wunsch, f&uuml;r seine Kollegen das Beste herauszuholen.<\/p><p>Eins ist klar &ndash; das Land braucht mehr Weselskys, wenn wir endlich etwas an der katastrophalen Spreizung zwischen Arm und Reich &auml;ndern und in Deutschland L&ouml;hne und Geh&auml;lter durchdr&uuml;cken  wollen, die volkswirtschaftlich unabdingbar sind, um die andauernde Eurokrise zu entsch&auml;rfen. Mit Frank Bsirske ist das nicht zu machen. Er ist ein Mann der Nullrunden und der Zwei-Prozent-Kompromisse. Nur woher soll ein echter Arbeiterf&uuml;hrer bei den lammfrommen Gewerkschaften kommen? Man kann sich nun mal keinen zweiten Weselsky backen. Und daher ist der zweite Verrat von Verdi an seinen Mitgliedern vorprogrammiert. Das ist tragisch f&uuml;r die streikenden Kita-Erzieherinnen, sollte aber auch ein Warnsignal f&uuml;r Gewerkschaftsfunktion&auml;re sein &ndash; nehmt endlich Eure Kollegen ernst oder Ihr werdet &uuml;ber kurz oder lang von Eurer Basis abgew&auml;hlt. Denn mittel- bis langfristig werden auch echte K&auml;mpfernaturen ihren Weg in die Vorst&auml;nde der Gewerkschaften finden. So viel ist klar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die streikenden Kita-Erzieherinnen verpassten ihrer eigenen Gewerkschaft diese Woche eine schallende Ohrfeige, als sie den von Bsirske und Co. mit ausgehandeltem Schlichterspruch mit gro&szlig;er Mehrheit ablehnten. 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