{"id":27228,"date":"2015-08-17T09:53:18","date_gmt":"2015-08-17T07:53:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27228"},"modified":"2015-08-17T11:16:17","modified_gmt":"2015-08-17T09:16:17","slug":"das-iran-abkommen-in-der-amerikanischen-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27228","title":{"rendered":"Das Iran-Abkommen in der amerikanischen Politik"},"content":{"rendered":"<p>Hier folgt die neue Kolumne von Professor Norman Birnbaum, unten als Word- und hier als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/150816_cw-birnbaum-the-iranian-agreement-deutsch.pdf\">PDF-Datei [70 KB]<\/a>. Er skizziert die Einstellung zum Iran-Abkommen und weist auf die gro&szlig;en Kampagnen hin, die gegen das Abkommen gefahren werden. Es wird massiver Druck auf Senatoren und Abgeordnete des Repr&auml;sentantenhauses ausge&uuml;bt. Siehe dazu auch eine aktuelle Meldung bei <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-08\/atomabkommen-republikaner-stimmen-dagegen?commentstart=9#comments\">Zeit-online<\/a>: &bdquo;Atomabkommen: Republikaner wollen geschlossen gegen Atomabkommen stimmen&ldquo;. Norman Birnbaum ist verhalten optimistisch, dass das dagegen zu erwartende Veto des Pr&auml;sidenten Obama standh&auml;lt und nicht &uuml;berstimmt wird. &ndash; Wir danken Norman Birnbaum f&uuml;r seinen interessanten Text und wie immer Carsten Weikamp f&uuml;r die auch vom Autor gesch&auml;tzte &Uuml;bersetzung. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Iran-Abkommen in der amerikanischen Politik<\/strong><br>\nvon Norman Birnbaum, Washington, 13. August 2015<\/p><p>Ein abgedroschenes Klischee besagt, dass Diplomaten Menschen sind, die f&uuml;r ihr Land l&uuml;gen. Der sehr intelligente deutsche Botschafter in den USA, Peter Wittig, und sein nicht weniger intelligenter Gesandter, Philipp Ackermann, haben eine noch schwierigere Aufgabe. Sie sprechen mit Mitgliedern des US-Kongresses &uuml;ber das Abkommen mit dem Iran und versuchen ihren Gespr&auml;chspartnern zu vermitteln, was viele von ihnen nicht anerkennen k&ouml;nnen oder wollen. Sie erkl&auml;ren n&auml;mlich, dass Deutschland und die EU das Abkommen f&uuml;r das Optimum halten, das unter den aktuellen Umst&auml;nden m&ouml;glich ist, und dass eine Ablehnung im Kongress das Ende der Zusammenarbeit mit der EU (und auch mit China und Russland) in dieser Sache bedeuten w&uuml;rde. Sie weisen den Kongress darauf hin, dass die &Ouml;ffentlichkeit in der EU und insbesondere in der Bundesrepublik sich nicht daran gebunden f&uuml;hlt, den USA zu folgen, wenn diese den eigenen Pr&auml;sidenten zur&uuml;ckweist und die Krise im Nahen Osten versch&auml;rft.<\/p><p>Pr&auml;sident Obama, gerade im wohlverdienten 14-t&auml;gigen Urlaub auf Martha&rsquo;s Vineyard, der Insel vor Massachusetts, hat unerm&uuml;dlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen versucht, die Nation davon zu &uuml;berzeugen, dass das Abkommen ein Schritt hin zur Befriedung im Nahen Osten ist. Aktuell werden gro&szlig;e Summen f&uuml;r politische Kampagnen, viele davon verzerrt, gegen das Abkommen ausgegeben. Die &Ouml;ffentlichkeit ist schlecht informiert und viele h&ouml;ren dem Pr&auml;sidenten nicht zu. Es kann also gut zu einer Ablehnung des Abkommens im Kongress kommen. In dem Fall wird der Pr&auml;sident sein Veto gegen den entsprechenden Kongress-Beschluss einlegen und abwarten, wie der unvermeidliche Versuch ausgehen wird, sein Veto f&uuml;r nichtig zu erkl&auml;ren. Dazu bed&uuml;rfte es einer Zweidrittel-Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat. Das Wei&szlig;e Haus glaubt im Moment, dass ausreichend Senatoren das Veto unterst&uuml;tzen werden (37 Stimmen sind n&ouml;tig), um die Opposition zu &uuml;berstimmen. Genauso zuversichtlich ist man, im Repr&auml;sentantenhaus ausreichend demokratische Stimmen zu haben, um das Veto aufrecht zu erhalten.<\/p><p>Die Opposition ist eine zusammenhangslose Front sehr verschiedener ideologischer und politischer Bl&ouml;cke, die sich die am weitesten verbreiteten Geisteshaltungen im Hinblick auf die Au&szlig;enpolitik zunutze machen: Angst und Unwissenheit. Viele der Anf&uuml;hrer der einzelnen Bl&ouml;cke sind alles andere als unwissend, sie sind im Gegenteil genauso zynisch wie die Koalition, die die aktuelle Phase des Zerfalls im Nahen Osten eingeleitet haben mit der Invasion Afghanistans und des Irak 2002. Der Pr&auml;sident hat darauf hingewiesen, dass in viele F&auml;llen die Gegner des Abkommens mit dem Iran genau die Gruppen und Personen sind, die die Verantwortung f&uuml;r das Chaos im Nahen Osten tragen.<\/p><p>Es geht dabei nicht allein um Geopolitik. Der urspr&uuml;ngliche Aspekt des Widerstands gegen das Abkommen ist die prinzipielle Einstellung der Republikaner, alles zu verneinen, was der Pr&auml;sident vorschl&auml;gt. Das ist die zur Strategie erhobene Taktik der Republikaner im Hinblick auf innen- und au&szlig;enpolitische Themen, seit der Pr&auml;sident im Januar 2009 ins Amt eingezogen ist. Als der republikanische Pr&auml;sidentschaftskandidat Romney den Pr&auml;sidenten 2012 anrief, um die Niederlage anzuerkennen und dem Amtsinhaber zum Sieg zu gratulieren, war seine Botschaft alles andere als vornehm. Er sagte dem Pr&auml;sidenten, er habe ihm erfolgreich seine W&auml;hler in Cleveland abgejagt, der gr&ouml;&szlig;ten Stadt in Ohio. Die Botschaft war eindeutig: Da er mit Hilfe einer gro&szlig;en Mehrheit von Afroamerikanern und Latinos gew&auml;hlt worden sei, kann er nicht damit rechnen, von der wei&szlig;en Mehrheit als legitim anerkannt zu werden. Und in der Tat reagieren 30% der B&uuml;rger positiv auf skeptische und hasserf&uuml;llte Aussagen &uuml;ber den Pr&auml;sidenten. Das ist in vieler Hinsicht der Startpunkt im politischen Diskurs. Die republikanischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten sind sich einig in ihrer obsessiven Wiederholung der Anschuldigung, der Pr&auml;sident sei schwach. Dass weder sie selbst noch ihre Kinder im Milit&auml;r gedient haben, st&ouml;rt sie nicht. Zuk&uuml;nftige Historiker, die sich mit der amerikanischen Kultur des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert befassen, werden die Frage stellen m&uuml;ssen, was es mit diesem einzigartigen Kult milit&auml;rischer Macht bei denen auf sich hat, die selbst nie gedient haben. Die innenpolitische Komponente dieses Komplexes ist die &ouml;ffentliche Toleranz, h&auml;ufig Unterst&uuml;tzung der Gewalt wei&szlig;er Polizisten in afroamerikanischen und Latino-Gemeinden. Die n&uuml;chterne Distanz des Pr&auml;sidenten von dieser Symptomatik best&auml;tigt f&uuml;r viele jedenfalls die &Uuml;berzeugung, dass er irgendwie ein Fremdling ist.<\/p><p>Es gibt eine Verbindung zwischen diesen innenpolitischen Prozessen und der Fortf&uuml;hrung des American Empire. Die Konf&ouml;deration plante, Zentralamerika und die Karibik zu erobern und in eine gro&szlig;e Sklavenplantage zu verwandeln. Wei&szlig;e S&uuml;dstaatler sind besonders eifrige Bef&uuml;rworter des amerikanischen Imperialismus in seinen vielen Auspr&auml;gungen. Gerade seit sie im wei&szlig;en S&uuml;den vorherrschend geworden sind, nachdem die Demokraten den Afroamerikanern B&uuml;rger- und Wahlrechte verschafft hatten, verstehen sich die Republikaner als die Partei der globalen US-Hegemonie. Sie haben die Entscheidung des Pr&auml;sidenten, eine gro&szlig;e Zahl von Truppen aus Afghanistan und dem Irak abzuziehen, und seine Weigerung, Bodentruppen in den Irak und nach Syrien zu entsenden, als Beweis f&uuml;r seine Schw&auml;che, gar Sympathie f&uuml;r den muslimischen Protest ausgelegt. Seine Weigerung, den Iran und dessen Volk zu d&auml;monisieren, bringt seine Kritiker in Rage.<\/p><p>Der Pr&auml;sident hat die &Ouml;ffentlichkeit gebeten, dar&uuml;ber nachzudenken, warum es f&uuml;r alle Probleme eine milit&auml;rische L&ouml;sung geben soll, und ist dabei h&auml;ufig von seinen eigenen Milit&auml;rbefehlshabern unterst&uuml;tzt worden. Die haben klar gemacht, dass sie aus unterschiedlichsten Gr&uuml;nden dagegen sind, im Iran milit&auml;risch zu intervenieren. Sie bef&uuml;rchten unsichere milit&auml;rische Folgen und sind intelligent genug, zu fragen, was danach folgt, politisch betrachtet, selbst, wenn die USA den Iran verw&uuml;sten w&uuml;rden. Der Pr&auml;sident konnte sich in der Diskussion &uuml;ber das Abkommen auf ihre Unterst&uuml;tzung verlassen, h&auml;ufig ganz explizit. Eine Gruppe angesehener pensionierter Diplomaten sowie Nachrichtendienst- und Milit&auml;roffiziere haben sich gerade erst f&uuml;r das Abkommen ausgesprochen. Es erf&auml;hrt auch gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung von vielen Naturwissenschaftlern und auch den reflektierteren Unternehmern. Als der Pr&auml;sident das Abkommen in einer kraftvollen Rede an der American University verteidigte, erinnerte er daran, dass genau dort am 10. Juni 1963 Pr&auml;sident John F. Kennedy zu einem Waffenstillstand im Kalten Krieg aufgerufen und einen Vorschlag pr&auml;sentiert hatte, aus dem dann als erster Schritt ein Vertrag zum Verbot von Atomtests in der Atmosph&auml;re wurde.<\/p><p>Die Partei der globalen amerikanischen Hegemonie besteht zum Teil aus berechnenden Eliten und zum Teil aus ungebildeten Primitiven, ein bisschen wie der reiche republikanische Pr&auml;sidentschaftskandidat Trump. Seine Au&szlig;enpolitik besteht aus &Auml;u&szlig;erungen dar&uuml;ber, wie er Arabern, Chinesen, Europ&auml;ern, Iranern, Lateinamerikanern und Russen &ndash; und &uuml;berhaupt, dem Rest der Welt &ndash; befehlen w&uuml;rde, zu tun, was er verlangt. Das Spektakel ist offensichtlich absurd &ndash; aber es hat seine Wurzeln in einer Vorstellung amerikanischer Omnipotenz, die noch weit und tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Das f&uuml;hrt Gruppen zusammen, die so unterschiedlich sind wie die universit&auml;tsgebildeten und weitgereisten Eliten, die Foreign Affairs lesen und sich zwischen Forschungszentren, Regierung, Milit&auml;r, Medien und den Universit&auml;ten hin und her bewegen, und ihre provinziellen Mitb&uuml;rger. Obama selbst geh&ouml;rte seit seiner Wahl zum Senator 2004 zu dieser Gruppe. Es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, dass er die Pr&auml;sidentschaftswahl 2008 mit dem Versprechen gewonnen hat, die Kriege in Afghanistan und im Irak zu beenden. Als Pr&auml;sident hat er mit der enormen Tr&auml;gheit der Kriegsf&uuml;hrungsmaschinerie zu k&auml;mpfen, mit den akkumulierten &ouml;konomischen und politischen Interessen des imperialistischen Projekts. Es kommen auch Erinnerungen an das Schicksal der Kennedys und Martin Luther Kings hoch.<\/p><p>Einige Dinge, die er gemacht oder zugelassen hat, sind so schlimm wie die Taten seines direkten Vorg&auml;ngers, des zweiten Bush: Ausweitung der &Uuml;berwachung von B&uuml;rgern Zuhause und im Ausland, Entf&uuml;hrungen und au&szlig;ergerichtliche T&ouml;tungen eigener und fremder Staatsb&uuml;rger, die des &ldquo;Terrors&rdquo; (einer immer weiter und dadurch immer unbrauchbar werdenden Kategorie) beschuldigt wurden, die aktive und passive Unterst&uuml;tzung widerlicher Regimes. Er hat jedoch, unterst&uuml;tzt von kritischen Elementen in der demokratischen Partei und in der au&szlig;enpolitischen Elite, hin und wieder andere Wege beschritten. Denken Sie an die ziemlich bemerkenswerte Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Kuba und den Versuch, der US-Pr&auml;senz in Afrika eine Dimension wirtschaftlicher Entwicklung und von B&uuml;rgerrechten hinzuzuf&uuml;gen. Es gibt auch Dinge, die er trotz gro&szlig;en Drucks nicht getan hat, die erw&auml;hnenswert sind: die Marine-Konfrontation Chinas direkt vor dessen K&uuml;ste, und eine milit&auml;rische Konfrontation Russlands in der Ukraine. Von ziemlicher Wichtigkeit und direkt verbunden mit dem Ringen um das Abkommen mit dem Iran ist auch sein allm&auml;hliches Abstandnehmen von Israel. Weder haben die USA aufgeh&ouml;rt, Israels Bewaffnung zu zahlen, noch, es im UN-Sicherheitsrat zu st&uuml;tzen, und dennoch zeigt die israelische Regierung dem Pr&auml;sidenten offen ihre Respektlosigkeit, mitunter aktive Feindseligkeit. Premierminister Netanjahu hat sich gro&szlig;e M&uuml;he gegeben, seine Wahlempfehlung f&uuml;r die Pr&auml;sidentenwahl 2012 abzugeben: Obamas Konkurrent, Romney. In den letzten Wochen war Netanjahu in den amerikanischen Medien omnipr&auml;sent mit Einw&auml;nden gegen das Abkommen.<\/p><p>Viele der leidenschaftlichsten Unterst&uuml;tzter Israels in den USA sind gar keine Juden. Darunter sind unz&auml;hlige Politiker (die nichts gegen gro&szlig;e finanzielle Zuwendungen von Israel-Freunden haben, die j&uuml;disch sind). Sie betrachten Israel als ein geopolitisches Kapital, als verl&auml;sslichen Alliierten im Kampf gegen den muslimischen &ldquo;Terror&rdquo;. Sie sind bereit, die Besetzung Pal&auml;stinas und alles, was damit zusammenh&auml;ngt, als etwas zu interpretieren, zu dem Israel in seinem &Uuml;berlebenskampf gezwungen ist in &bdquo;einer &uuml;blen Nachbarschaft&ldquo;, wie es in Anlehnung an Beschreibungen urbaner Probleme in Amerika formuliert wird. W&auml;hrend ich dies schreibe, reist eine gro&szlig;e Anzahl Kongressmitglieder durch Israel als G&auml;ste amerikanischer j&uuml;discher Organisationen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie mit Pal&auml;stinensern sprechen werden. Die Frage wird sein, ob und wie es der israelischen Regierung gelingen wird, sie von den vielen israelischen Sicherheitskr&auml;ften fernzuhalten, die meinen, dass das Abkommen mit dem Iran ein Unternehmen ist, das den Versuch lohnt. Einige der republikanischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten haben gelobt, dass ihre erste Amtshandlung, wenn sie 2017 das Amt &uuml;bernehmen, sein wird, das Abkommen aufzuk&uuml;ndigen. Ein paar andere haben versprochen, dass sie am ersten Tag im Amt die US-Streitkr&auml;fte anweisen werden, den Iran zu bombardieren. Es ist zwar schwer zu glauben, dass die Israelis, &uuml;ber das ganze politische Spektrum gesehen, diese waghalsigen Ank&uuml;ndigungen f&uuml;r bare M&uuml;nze nehmen. Sie sind allerdings Zeichen daf&uuml;r, welch gro&szlig;e Rolle Israel in der geopolitischen Welt der amerikanischen Rechten spielt.<\/p><p>Das ist nicht zuletzt den apokalyptischen Vorstellungen jenes betr&auml;chtlichen Segments des amerikanischen Protestantismus (vielleicht 20% der Gesamtbev&ouml;lkerung) geschuldet, das glaubt, dass die Errichtung des J&uuml;dischen Staates der Beweis f&uuml;r die unmittelbar bevorstehende R&uuml;ckkehr von Jesus sei. Viele glauben, dass zwar Millionen von Juden in Israel in den letzten Tagen zugrunde gehen, eine bestimmte Zahl aber konvertieren und in ein gl&uuml;ckliches zuk&uuml;nftiges Leben her&uuml;bergerettet werden. Die amerikanischen j&uuml;dischen Organisationen, die Israel unterst&uuml;tzen, ziehen es vor, sich nicht in diesen ziemlich zweischneidigen Vorstellungen zu ergehen. Sie sind dankbar f&uuml;r die Stimmen der gew&auml;hlten Vertreter in Kongress und Senat, die wie sie davon &uuml;berzeugt sind, dass Obama ein Agent einer fremden Macht ist und der Klimawandel eine Phantasiegeschichte, die sich Wissenschaftler ausgedacht haben. Deren Unterst&uuml;tzung wird von den pro-israelischen j&uuml;dischen Organisationen umso mehr begr&uuml;&szlig;t, denn gro&szlig;e und einflussreiche Gruppen des amerikanischen Christentums (inklusive der Katholiken) kritisieren immer offener und zunehmend strenger die Besetzung Pal&auml;stinas.<\/p><p>Nat&uuml;rlich sind die meisten j&uuml;dischen Organisationen gegen das Abkommen mit dem Iran. Einige reiche j&uuml;dische Unterst&uuml;tzer Israels geben Millionen f&uuml;r Kampagnen dagegen aus und versprechen die Finanzierung von Wahlkampagnen f&uuml;r die Kongressmitglieder, die sich noch nicht entschieden haben. Die j&uuml;dischen Organisationen sprechen allerdings nicht f&uuml;r alle amerikanischen Juden, und viele amerikanische Juden sind der Ansicht, dass die Milliard&auml;re keine moralische Autorit&auml;t besitzen. Die Umfragedaten sind nicht ohne inneren Widerspruch. Denken Sie daran, dass Obama trotz der israelischen Kampagnen gegen ihn 2012 etwa siebzig Prozent der j&uuml;dischen Stimmen bekommen hat. Mindestens die H&auml;lfte der amerikanischen j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung ist nicht der Meinung, dass Netanjahu f&uuml;r sie spricht, und ihre vorrangige Loyalit&auml;t gilt den Vereinigten Staaten. Wie in anderen Fragen sind sie auch in der Iran-Frage auf Seiten des Pr&auml;sidenten. Es gibt zw&ouml;lf j&uuml;dische Senatoren, elf Demokraten und einen j&uuml;dischen Unabh&auml;ngigen. In Summe sind es einhundert Senatoren. Im Repr&auml;sentantenhaus sind neunzehn j&uuml;dische Demokraten und ein Republikaner (von insgesamt 435 Abgeordneten). Einige haben noch nicht bekanntgegeben, wie sie zum Iran-Abkommen abstimmen wollen. Der prominente demokratische Senator aus New York, Charles Schumer, hat angegeben, dagegen zu stimmen &ndash; und damit m&ouml;glicherweise seinen Chancen geschadet, die F&uuml;hrungsrolle unter den demokratischen Senatoren anzunehmen. Die andere Senatorin aus New York, Kirsten Gillebrand, hat angek&uuml;ndigt, den Pr&auml;sidenten zu unterst&uuml;tzen &ndash; sie scheint keine Angst um ihre Wiederwahl in einem Staat mit hoher j&uuml;discher W&auml;hlerschaft zu haben. Am Ende werden vermutlich mindestens die H&auml;lfte der j&uuml;dischen Senatoren und Kongressmitglieder hinter dem Pr&auml;sidenten stehen.<\/p><p>Eine wahrscheinliche Langzeitfolge der Attacke der israelischen Regierung und ihrer amerikanischen Unterst&uuml;tzer auf den Pr&auml;sidenten ist wohl unbeabsichtigt: Die Debatte innerhalb der amerikanischen Juden &uuml;ber Art und Ausma&szlig; ihrer Verpflichtungen gegen&uuml;ber Israel gewinnt an Intensit&auml;t. Angesichts wachsender Zweifel in der amerikanischen Elite und den reflektierteren Segmenten der &Ouml;ffentlichkeit an der milit&auml;rischen und politischen Allianz mit Israel muss Netanjahu vielleicht erkennen, dass er seinen Einfluss massiv &uuml;bersch&auml;tzt hat. Sicher, die Voraussetzung f&uuml;r eine neue amerikanische Politik im Nahen Osten ist deutlich mehr Unparteilichkeit Israel und den Pal&auml;stinensern gegen&uuml;ber. Die israelische Friedenspartei ist momentan in politischer Finsternis. Der Abschluss des Abkommens mit dem Iran k&ouml;nnte ihr helfen, sich zu erholen. Auch das ist Teil der Strategie Obamas.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier folgt die neue Kolumne von Professor Norman Birnbaum, unten als Word- und hier als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/150816_cw-birnbaum-the-iranian-agreement-deutsch.pdf\">PDF-Datei [70 KB]<\/a>. Er skizziert die Einstellung zum Iran-Abkommen und weist auf die gro&szlig;en Kampagnen hin, die gegen das Abkommen gefahren werden. Es wird massiver Druck auf Senatoren und Abgeordnete des Repr&auml;sentantenhauses ausge&uuml;bt. Siehe dazu auch eine aktuelle Meldung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27228\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,170,11],"tags":[1519,1008,1426,951,1557,366,1556],"class_list":["post-27228","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-atomwaffen","tag-birnbaum-norman","tag-hegemonie","tag-iran","tag-israel","tag-obama-barack","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27228"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27230,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27228\/revisions\/27230"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}