{"id":2723,"date":"2007-10-26T12:26:32","date_gmt":"2007-10-26T10:26:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2723"},"modified":"2015-12-14T15:20:36","modified_gmt":"2015-12-14T14:20:36","slug":"die-lange-lunte-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2723","title":{"rendered":"Die lange Lunte der \u201eZEIT\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Albrecht von Lucke, Redakteur der <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\">&bdquo;Bl&auml;tter&ldquo;<\/a> analysiert den zwiesp&auml;ltigen Umgang mit Kurt Beck und der SPD in der &bdquo;Zeit&ldquo;. Wir teilen zwar nicht das Vertrauen von Albrecht von Lucke in die <a href=\"?p=2664\">Glaubw&uuml;rdigkeit des Schwenks von Kurt Beck<\/a>, obwohl wir das von Herzen gerne t&auml;ten. Aber der Beitrag von Luckes ist lesenswert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Albrecht von Lucke:<\/strong><\/p><p>In der Regel deckt der Wirtschaftsteil einer Zeitung den eher rechten, ihr Politikteil den eher linkeren Fl&uuml;gel des Blattes ab. Bei der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo; ist dies so, bei der FAZ durchaus auch. Anders dagegen &bdquo;Die Zeit&ldquo;. Schon seit Jahren spielt deren politische Redaktion mit Begeisterung die Begleitmusik f&uuml;r die Herzog-K&ouml;hlersche Zumutungsrhetorik und versucht jetzt ebenso zielstrebig, Angela Merkel auf &bdquo;Reform&ldquo;-Kurs zu halten. Am meisten Spa&szlig; hat das Blatt jedoch immer dann, wenn es die SPD wieder einmal gei&szlig;eln kann &ndash; f&uuml;r ihren Wankelmut, ihre Orientierungslosigkeit, ihre Stimmverluste und was auch immer. <\/p><p>Mit gro&szlig;em Aplomb wird denn auch in der aktuellen Ausgabe und vor dem kommenden SPD-Parteitag vom stellvertretenden Chefredakteur Bernd Ulrich Kurt Becks &bdquo;unerh&ouml;rte politische Volte&ldquo; kritisiert, sprich: dessen Pl&auml;doyer f&uuml;r die Verl&auml;ngerung des ALG I f&uuml;r &auml;ltere Arbeitslose. Dieses sei schlichte &bdquo;Anbiederung an Volkes Stimme&ldquo; (vgl. Moses war gestern, in: &bdquo;Die Zeit&ldquo; v. 25.10.2007 (44\/2007), S. 1). Gewiss, auch Bernd Ulrich muss wohl oder &uuml;bel eingestehen, dass &bdquo;fast zwei Drittel der Menschen gegen die Politik der grundlegenden Reformen sind&ldquo; und &bdquo;diese &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit nur von etwa zehn Prozent der Abgeordneten repr&auml;sentiert&ldquo; wird. Sein durchaus treffendes Fazit: &bdquo;Der Wille des Volkes wurde im Bundestag also nicht vertreten, sondern blockiert.&ldquo; Das aber ist halb so wild, jedenfalls wenn es nach der &bdquo;Zeit&ldquo; geht, da einfach &bdquo;sachlich richtig&ldquo;, wenn auch, zugegebenerma&szlig;en, &bdquo;demokratisch schwierig.&ldquo; Mit dieser Nonchalance l&auml;sst sich ein doch eher irritierendes Demokratieverst&auml;ndnis durchaus auch zum Ausdruck bringen &ndash; dass aber von der b&uuml;rgerlichen Leserschaft gewiss nicht weiter &uuml;belgenommen wird. <\/p><p>Kurt Beck hingegen wird vieles &uuml;belgenommen, vor allem dass er, wie Tina Hildebrandt nur zwei Seiten sp&auml;ter mit Mi&szlig;fallen feststellt, die Wirklichkeit &bdquo;immer da w&auml;hnt, wo er ist, bei den Menschen&ldquo; &ndash; und nicht bei den klugen Autoren der &bdquo;Zeit&ldquo;, m&ouml;chte man hinzuf&uuml;gen. Beck jedenfalls, dieser &bdquo;ideelle Geamtbetriebsratsvorsitzende der Republik&ldquo; (Hildebrandt) und &bdquo;Buddha mit Z&uuml;ndschnur&ldquo;, hat schlie&szlig;lich doch noch Feuer gefangen und &ndash; durchaus im Namen und ganz im Sinne der unvertretenen &bdquo;zwei Drittel&ldquo; der Bev&ouml;lkerung &ndash; die SPD vor den vorentscheidenden Wahlen im Januar in Hessen und Niedersachsen das Thema Gerechtigkeit entdecken lassen. <\/p><p>Endlich, endlich m&ouml;chte man sagen &ndash; und muss, um zu dieser Meinung zu kommen, nur in die Innereien derselben &bdquo;Zeit&ldquo;-Ausgabe schauen. Dort hei&szlig;t es im Wirtschaftsaufmacher unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Reich von Geburt&ldquo; regelrecht anklagend: &bdquo;J&auml;hrlich werden in Deutschland fast 200 Milliarden Euro vererbt. Nur ein kleiner Kreis profitiert davon, und der Staat geht nahezu leer aus. Ein klarer Fall von Ungerechtigkeit? Nicht f&uuml;r die Regierung.&ldquo; Und weiter kann man lesen, als w&auml;re dies eine sensationelle Neuentdeckung (oder sollte man &bdquo;Die Zeit&ldquo; gar des nachholenden &bdquo;Populismus&ldquo; zeihen m&uuml;ssen?): &bdquo;Nie zuvor war der Abstand zwischen oben und unten in der Bundesrepublik so gro&szlig;. Die Erbschaftswelle der n&auml;chsten Jahre wird ihn noch vergr&ouml;&szlig;ern.&ldquo; Der geneigte Leser f&uuml;hlt sich angesichts derart himmelschreiender sozialer Ungerechtigkeit fast verleitet, umgehend die Mitgliedschaft in der Beck-SPD zu beantragen &ndash; oder doch besser gleich in der Linkspartei? &bdquo;Eigentlich&ldquo; jedenfalls, so kann er Marc Brost und Wolfgang Uchatius nur zustimmen, &bdquo;ein guter Grund f&uuml;r jeden Politiker, eine Erh&ouml;hung der Erbschaftssteuer zu fordern.&ldquo;<\/p><p>Aber warum nur, m&ouml;chte man fragen, geschieht dies nicht? Die Antwort der &bdquo;Zeit&ldquo;-Autoren ist denkbar schlicht: &bdquo;Die Deutschen m&ouml;gen sie nicht&ldquo;. Nun ist, wenn von &bdquo;den Deutschen&ldquo; die Rede ist, immer Mi&szlig;trauen angebracht &ndash; zumal dann, wenn auf den anderthalb Seiten zuvor gerade deutlich gemacht wurde, dass es &bdquo;die Deutschen&ldquo; schon lange nicht mehr gibt, sondern sich die Gesellschaft immer weiter aufspaltet &ndash; n&auml;mlich in Reiche von Geburt und lebenslange Habenichtse. Wenn also die Mehrheit der Deutschen tats&auml;chlich die hochgradig gerechte Erh&ouml;hung der Erbschaftssteuer derzeit noch ablehnt, dann &ndash; so kommt dem Leser der Verdacht &ndash; dann mag das vielleicht auch daran liegen, dass auf den vorderen Seiten der &bdquo;Zeit&ldquo; diese Steuer all die Jahre viel zu selten thematisiert wurde. <\/p><p>Deshalb unser Fazit: Es ist ja durchaus erfreulich, liebe Wirtschaftsredakteure der &bdquo;Zeit&ldquo;, wenn Sie auf Ihren Innenseiten die Gerechtigkeitsfrage entdecken. (Fr&uuml;her gab es daf&uuml;r &uuml;brigens auch in b&uuml;rgerlichen Kreisen durchaus ein Publikum.) Noch sch&ouml;ner w&auml;re es allerdings, wenn Sie davon auch Ihren Leitartiklern Mitteilung machen k&ouml;nnten. <\/p><p>Albrecht von Lucke ist Redakteur der renommierten Monatszeitschrift &ldquo;Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik&rdquo; (<a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\">www.blaetter.de<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albrecht von Lucke, Redakteur der <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\">&bdquo;Bl&auml;tter&ldquo;<\/a> analysiert den zwiesp&auml;ltigen Umgang mit Kurt Beck und der SPD in der &bdquo;Zeit&ldquo;. Wir teilen zwar nicht das Vertrauen von Albrecht von Lucke in die <a href=\"?p=2664\">Glaubw&uuml;rdigkeit des Schwenks von Kurt Beck<\/a>, obwohl wir das von Herzen gerne t&auml;ten. Aber der Beitrag von Luckes ist lesenswert. 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