{"id":2730,"date":"2007-10-30T10:24:25","date_gmt":"2007-10-30T08:24:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2730"},"modified":"2015-12-13T17:12:08","modified_gmt":"2015-12-13T16:12:08","slug":"schulen-in-freier-traegerschaft-erfreuen-sich-einer-immer-groesseren-beliebtheit-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2730","title":{"rendered":"Schulen in freier Tr\u00e4gerschaft erfreuen sich einer immer gr\u00f6\u00dferen Beliebtheit in Deutschland."},"content":{"rendered":"<p>Im Schuljahr 2006\/2007 besuchten rund 892 000 Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in Deutschland eine Privatschule. Das entspricht 7,3 Prozent der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler insgesamt. Alleine in der Hauptstadt Berlin ist eine Steigerung der Sch&uuml;lerzahlen im Jahr 2006\/2007 um 7,4 Prozent zu verzeichnen.<br>\nDie Entwicklung verdeutlicht, dass Eltern immer st&auml;rker dazu neigen, die Bildungseinrichtungen freier Tr&auml;ger den staatlichen Einrichtungen vorzuziehen. Dabei scheint auch der Glaube an die h&ouml;here Leistungsf&auml;higkeit der Ersatzschulen ma&szlig;geblich zu sein. <a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/16\/065\/1606583.pdf\">So lautet eine Antwort der Bundesregierung [PDF &ndash; 80 KB]<\/a> auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nIn den einzelnen L&auml;ndern f&auml;llt der Anteil der Privatsch&uuml;ler sehr unterschiedlich aus. Die Spanne reicht von 3,6 Prozent der Sch&uuml;ler an privaten allgemein bildenden Schulen in Schleswig-Holstein bis 10,3 Prozent in Bayern. Der Anteil der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler an Privatschulen in den Neuen L&auml;ndern (einschlie&szlig;lich Berlin) hat sich mehr als verdreifacht (1997: 2,5 Prozent, 2006: 8,1 Prozent).<\/p><p>Dass die hohen p&auml;dagogischen Standards und die erbrachte Bildungsleistung Fr&uuml;chte tragen verdeutlicht die Studie &bdquo;Privatschulen in Deutschland, Regulierung &ndash; Finanzierung &ndash; Wettbewerb&ldquo; (IW-Analysen Nr. 25, K&ouml;ln 2007) des Instituts f&uuml;r deutsche Wirtschaft K&ouml;ln. Die Studie belegt eindrucksvoll, dass freie Schulen eine im Durchschnitt deutlich h&ouml;heren Bildungserfolg bei Kindern und Jugendlichen verzeichnen k&ouml;nnen &ndash; und zugleich die staatlichen Ressourcen schonen. Auch in der &bdquo;PISA 2003&ldquo;-Studie finden sich Hinweise dahingehend, dass freie Schulen h&auml;ufig Kinder und Jugendliche besser zu f&ouml;rdern in der Lage sind.<\/p><p>Dabei erhalten die Privatschulen, mit Ausnahme der F&ouml;rderschulen, durchschnittlich einen staatlichen Zuschuss von 3 800 Euro pro Sch&uuml;ler. F&uuml;r &ouml;ffentliche Schulen wurden dagegen laut amtlichen Berechnungen Pro-Kopf-Ausgaben von 4 900 Euro get&auml;tigt. Insgesamt w&uuml;rde der Fiskus aufgrund der Ungleichbehandlung 870 Millionen Euro einsparen, so das Institut f&uuml;r deutsche Wirtschaft K&ouml;ln (IW-Analysen Nr. 25, K&ouml;ln 2007). <\/p><p>Anmerkung: Die Aussage &uuml;ber die &bdquo;Ungleichbehandlung&ldquo; von privaten gegen&uuml;ber den &ouml;ffentlichen Schulen wurde vom Verfasser der Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft  (IW) prompt als <a href=\"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/wirtschaft_finanzen\/bericht-80071.html\">Benachteiligung beklagt<\/a>.<\/p><p>Nahezu &uuml;berall in den industrialisierten L&auml;ndern, wo Privatschulen einen hohen Anteil unter den allgemeinbildenden Schulen ausmachen, tragen sie zu einer hohen sozialen Auslese und zur Elitebildung bei. &bdquo;Die Abschl&uuml;sse dieser Elitebildungsst&auml;tten entscheiden weitgehend &uuml;ber den Zugang zu den Spitzenpositionen in Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Justiz und Wissenschaft und sie sorgen zugleich f&uuml;r eine soziale Selektion zugunsten des Nachwuchses aus dem B&uuml;rgertum.&ldquo; (Michael Hartmann, Elite-Soziologie, 2004, S. 109 ff.).<\/p><p>Im f&uuml;r die Aufstiegschancen besonders relevanten Sekundarbereich liegt der Anteil der Sch&uuml;ler an Privatschulen mit 8,3 Prozent zwar noch weit unter den Werten im Vereinigten K&ouml;nigreich (75,03 %) oder in Frankreich (30,2%), doch scheint sich auch in Deutschland der Trend zu Privatschulen zu verst&auml;rken.<br>\nDas deutsche Schulwesen, so bescheinigen es alle Studien, geh&ouml;rt mit seinem dreigegliederten System weltweit ohnehin zu den sozial selektivsten. Mit Zunahme der Privatschulen wird sich der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Abh&auml;ngigkeit vom Geldbeutel der Eltern noch verst&auml;rken.<br>\nWie &uuml;berall, wo es ein verbreitetes Privatschulwesen gibt, wird die Nachfrage nach solchen Bildungseinrichtungen vor allem dadurch ausgel&ouml;st, dass das &ouml;ffentliche Schulwesen finanziell ausgeblutet wird, dass es zur Restschule f&uuml;r Minderbemittelte und f&uuml;r Kinder mit Migrationshintergrund wird. Dieser Trend ist in den letzten Jahren auch in Deutschland unverkennbar. Familien, die es sich leisten k&ouml;nnen und die &bdquo;bildungsnah&ldquo; sind, dr&auml;ngen mehr und mehr darauf, ihre Kinder auf Privatschulen schicken zu k&ouml;nnen &ndash; egal unter welcher Firma diese auch laufen, ob unter &bdquo;International Schools&ldquo; oder &bdquo;Club of Rome Schulen&ldquo;.<br>\nDer Mechanismus zur Privatisierung ist  &uuml;berall der Gleiche: Der Staat spart die &ouml;ffentlichen Einrichtungen kaputt, es mangelt an personeller Ausstattung und die Geb&auml;ude verrotten, sie werden schlecht geredet und private Einrichtungen gelten als Rettung aus dem &Uuml;bel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Schuljahr 2006\/2007 besuchten rund 892 000 Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in Deutschland eine Privatschule. Das entspricht 7,3 Prozent der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler insgesamt. 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