{"id":27317,"date":"2015-08-25T10:11:07","date_gmt":"2015-08-25T08:11:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27317"},"modified":"2024-08-28T19:00:56","modified_gmt":"2024-08-28T17:00:56","slug":"die-boell-stiftung-betreibt-eine-gefaehrliche-nebenaussenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27317","title":{"rendered":"\u201eDie B\u00f6ll-Stiftung betreibt eine gef\u00e4hrliche Nebenau\u00dfenpolitik\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150825_cremer.jpg\" alt=\"Uli Cremer\" title=\"Uli Cremer\"><\/div><p>Mit dem Fall der Mauer hatten viele von uns die Hoffnung verbunden, die Konfrontation zwischen Ost und West werde ein Ende finden. Diese Hoffnung hat leider getrogen. Es gab damals schon Interesse daran, die Konfrontation mit Russland wieder neu aufzunehmen und Milit&auml;reins&auml;tze auch unter Beteiligung Deutschlands m&ouml;glich oder sogar &uuml;blich zu machen. Selbst der fr&uuml;here Bundeskanzler Helmut Kohl berichtete schon Anfang der neunziger Jahre nach Besuchen in den USA mit Sorge von dieser Umorientierung. Wenn man, wie einflussreiche Kreise in den USA, diese Umorientierung erreichen will, dann muss man sich Lobbyisten in den betroffenen L&auml;ndern besorgen. Dazu geh&ouml;ren Politiker, Journalisten, NGOs und offensichtlich auch politische Stiftungen. Als fortschrittlich geltende Personen und Institutionen sind f&uuml;r die Lobby zugunsten von Milit&auml;reins&auml;tzen und den neuen Kalten Krieg besonders geeignet. Dazu geh&ouml;ren auch die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26380\">Gr&uuml;nen<\/a> sowie die ihnen nahestehende Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit <strong>Uli Cremer<\/strong> von der <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/\">Gr&uuml;nen Friedensinitiative<\/a> zu den Entwicklungen in Stiftung und Partei.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Cremer, Sie sind einer der Initiatoren der <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/\">Gr&uuml;nen Friedensinitiative<\/a>. Die Gr&uuml;nen, die ja einmal als Friedenspartei starteten, werden inzwischen von der Friedensbewegung scharf kritisiert. Die Informationsstelle Militarisierung etwa wirft der Partei aktuell <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2015\/05\/29\/die-gruenen-moralbemaentelte-geopolitik\/\">vor<\/a>, hinter moralgeschw&auml;ngerten Phrasen knallharte Geopolitik zu betreiben. Wie stehen Sie zu derlei Kritik?<\/strong><\/p><p>Erst einmal ist solche Kritik ja wirklich nicht neu. Als 1999 die Mehrheit der Gr&uuml;nen Partei den Kosovokrieg unterst&uuml;tzte und als Robin-Hood-Einsatz darstellte, hatte die Friedensbewegung das zu Recht auch scharf kritisiert. Au&szlig;erdem wurde und wird identische Kritik auch aus den Reihen der Gr&uuml;nen selbst erhoben. 1999 votierten etwa &uuml;ber 40 Prozent auf dem Bielefelder Parteitag gegen den Kosovokrieg der NATO und die deutsche Beteiligung daran. Danach sind die kritischen Stimmen innerhalb der Gr&uuml;nen allerdings schw&auml;cher geworden, zumal mehrere Tausend wegen des Kosovokrieges die Partei verlassen haben.<\/p><p><strong>F&uuml;r Sie war das aber keine Option? Den Austritt, meine ich&hellip;<\/strong><\/p><p>Nein, ich habe ein pragmatisches und kein religi&ouml;ses Verh&auml;ltnis zu meiner Partei. Damit das friedenspolitische Erbe nicht immer weiter erodiert, habe ich zu Ostern 2007 mit einigen anderen Gr&uuml;nen die <em>Gr&uuml;ne Friedensinitiative<\/em> gegr&uuml;ndet. Die GFI verortet sich in der deutschen Friedensbewegung und versteht sich als friedenspolitischer Think-Tank. Damit tritt sie der dominierenden milit&auml;rpolitischen Ausrichtung der eigenen Partei entgegen, erarbeitet Analysen und formuliert Alternativen. <\/p><p>In den letzten Jahren sind nicht nur viele kluge Artikel entstanden, sondern es wurden auch Aufrufe Gr&uuml;ner Mitglieder gegen den Afghanistankrieg, die Stationierung der Patriot-Raketen in der T&uuml;rkei sowie f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren im Ukrainekonflikt gestartet. Und nat&uuml;rlich haben wir immer wieder Antr&auml;ge mit friedenspolitischen Alternativen auf Parteitagen eingebracht, sei es zum Syrienkrieg oder zuletzt zum <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/uli-cremer-ukraine-rede-hamburger-bdk\/\">Ukraine-Konflikt<\/a>.<\/p><p>Obwohl aktuell nur 5 bis 10 Prozent der Delegierten derlei Positionen unterst&uuml;tzen, ist es wichtig, dass es sichtbare Alternativen &uuml;berhaupt noch gibt.<\/p><p><strong>Und wie vollzog sich dieser Wandel von der Friedens- &ndash; und so das historisch &uuml;berhaupt haltbar ist &ndash; hin zur &bdquo;Wir sagen Frieden und meinen Krieg&ldquo;-Partei? <\/strong><\/p><p>Erstens gibt es ein reichhaltiges friedenspolitisches Erbe der Gr&uuml;nen, von dem auch heute noch Menschen profitieren k&ouml;nnen, wenn sie sich f&uuml;r den Frieden engagieren. Denken Sie nur an die Ideen und Aktivit&auml;ten von Petra Kelly in den 1980er Jahren. Nicht zuf&auml;llig gr&uuml;ndete sich im M&auml;rz 2015 innerhalb der Gr&uuml;nen ein <a href=\"http:\/\/groups.petra-kelly-kreis.de\/\">Petra-Kelly-Kreis<\/a>, der dem aktuellen Kriegsgeschrei etwas entgegensetzen will. Zweitens werden &bdquo;eigene&ldquo; Kriege heutzutage nicht nur von der Mehrheit der Gr&uuml;nen, sondern auch von allen anderen Pro-NATO-Politikerinnen und -Politikern mit edlen Motiven bem&auml;ntelt. Die Idee etwa der &bdquo;humanit&auml;ren Intervention&ldquo; ist also weder exklusiv gr&uuml;n, noch wirklich neu. Sie ist schon Jahrzehnte alt, auch wenn sie heute in neuem Gewande der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18547\">Schutzverantwortung<\/a>&ldquo;, der <em>Responsibility to Protect<\/em>, daherkommt. Dazu hat die Gr&uuml;ne Partei 2012 einen verh&auml;ngnisvollen Beschluss gefasst. <\/p><p>Und gr&uuml;n-spezifisch ist auch nicht die komplette Ignoranz gegen&uuml;ber geopolitischen Hintergr&uuml;nden. Die kann man auch bei anderen deutschen Politikakteuren und in bekannten deutschen Medien finden. Wenn es irgendwo um &bdquo;Schutzverantwortung&ldquo; f&uuml;r &Ouml;l, also um die Sicherung von Rohstoffquellen und Handelswegen, oder die &bdquo;Schutzverantwortung&ldquo; f&uuml;r Einflusszonen geht, wird das eben heute als Schutzverantwortung f&uuml;r Menschen verkauft. Wegen der Menschenrechte und um Unterdr&uuml;ckung oder Diktatur zu beseitigen, m&uuml;sse man milit&auml;risch t&auml;tig werden. Das ist aber in der Regel nichts anderes als Kriegspropaganda bzw. -PR. <\/p><p><strong>Gibt und gab es denn treibende Kr&auml;fte hinter dieser Entwicklung in der Partei? Und wie betreiben diese ihr Gesch&auml;ft und welche Interessen bedienen sie hierbei?<\/strong><\/p><p>Je nach Konflikt sind es unterschiedliche Akteure, die ein &bdquo;Eingreifen&ldquo; fordern und vorantreiben. Bei der Ukraine ist zum Beispiel die Vorsitzende der Gr&uuml;nen Fraktion im Europaparlament, Rebecca Harms, eine wichtige Protagonistin. Sie hat seit Tschernobyl Kontakte in die Region und ging auf dem Maidan ein und aus. Heute ist sie eben zur F&uuml;rsprecherin des ukrainischen Nationalismus geworden und agiert quasi als Pressesprecherin der Kiewer Regierung. Ihr zur Seite stehen die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck und Ihr Mann, Ralf F&uuml;cks, der Chef der B&ouml;ll-Stiftung ist. Die beiden sind allerdings immer ganz vorne dabei. Sie unterhalten auch gute Kontakte in die USA, etwa zu der bekannten Scharfmacherin Victoria Nuland, die mit ihrem &bdquo;Fuck the EU&ldquo;-Zitat einiges an Aufmerksamkeit auf sich zog, und die &uuml;berdies mit dem bekannten Neokonservativen Robert Kagan verheiratet und auf einer politischen Wellenl&auml;nge ist. Die B&ouml;ll-Stiftung betreibt gerade im Ukraine-Konflikt und im Syrien-Krieg mit ihren finanziellen Mitteln sowie den Regionalb&uuml;ros in Kiew und in Beirut eine aktive <a href=\"http:\/\/robert-zion.de\/?p=281\">gr&uuml;ne Nebenau&szlig;enpolitik<\/a>, die man gar nicht anders als gef&auml;hrlich nennen kann. <\/p><p><strong>Und diese Kr&auml;fte aus der gr&uuml;n-nahen Stiftung, die von einigen ihrer Stipendiaten inzwischen &uuml;brigens als &bdquo;B&ouml;ller-Stiftung&ldquo; karikiert wird &hellip; ist bekannt, in welche Kl&uuml;ngel und Netzwerke sie eingebunden sind, die sie und ihre Positionen so NATO-freundlich stimmen? Ich denke da etwa an die <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/\">Atlantik-Br&uuml;cke<\/a>, deren Einfluss auf die deutsche Politik- und Medienlandschaft ja <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21214\">beachtlich<\/a> zu sein scheint&hellip;<\/strong><\/p><p>Sicher mischen einige Gr&uuml;ne Prominente in solchen Netzwerken mit. Aber man darf sich das nicht als einseitigen Prozess vorstellen. Man plappert nicht einfach das nach, was irgendwelche US-Thinktanks ausgeheckt haben. So l&auml;uft das nicht. <\/p><p>Ralf F&uuml;cks tritt beispielsweise immer wieder mit eigenen Ideen auf, die andere dann aufgreifen. Und wenn Cem &Ouml;zdemir US-Luftangriffe und deutsche Waffenlieferungen verlangt, weil die Kurden sich nicht mit der Yogamatte unterm Arm verteidigen k&ouml;nnten, hat ihm nicht der German Marshall Fund den Text geschrieben, sondern wird er bzw. sein B&uuml;ro das schon selbst gemacht haben.<\/p><p><strong>Und warum gibt es bei derlei Entwicklung keinen Protest? Wickelt die Rhetorik von &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44035\/1.html\">neuer Verantwortung<\/a>&ldquo; und anderem weite Teile der Partei wom&ouml;glich einfach ein?<\/strong><\/p><p>Dass es keinen Protest gibt, ist nat&uuml;rlich Unsinn. Aber die Kritikerinnen und Kritiker haben weder die Mehrheit in der Partei noch die Millionen der B&ouml;ll-Stiftung zur Verf&uuml;gung. Wir freuen uns jedenfalls, dass unsere <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\">Internetseite<\/a> so h&auml;ufig aufgerufen wird. Das Thema &bdquo;Neue Verantwortung&ldquo; ist im &Uuml;brigen mehr als nur Rhetorik. Den entsprechenden Diskussionsprozess hat, wie man wei&szlig;, der schon erw&auml;hnte German Marshall Fund mitfinanziert. Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass wir von der <em>neuen<\/em> &bdquo;Neuen Verantwortung&ldquo; reden m&uuml;ssen. Denn der Erfinder der &bdquo;Neuen Verantwortung&ldquo;, Volker R&uuml;he, hatte dazu in den 1990er Jahren bereits ein ganzes Buch geschrieben. Neu am aktuellen Diskurs ist aber, dass es um den Anspruch auf eine <em>F&uuml;hrungsrolle<\/em> Deutschlands in Europa geht, der sich hinter dieser Chiffre verbirgt. Mittels der EU kann dann globale Ordnungspolitik betrieben werden. Und das ist ein erheblicher qualitativer Unterschied zum &bdquo;Neue-Verantwortungs&ldquo;-Diskurs von vor 20 Jahren. Damals war es mehr das olympische Motto &bdquo;Dabei sein ist alles&ldquo;. Heute aber fordert Deutschland sozusagen die <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/neue-verantwortung-deutschland-fordert-die-eu-kapitaensbinde\/\">Kapit&auml;nsbinde<\/a>.<\/p><p><strong>Haben Sie hierzu ein konkretes Beispiel zur Hand? Wie muss ich mir das vorstellen, wenn so ein Diskurs Krieg zu Friedenssicherung und Gro&szlig;machtphantasien zu &bdquo;weltweiter Verantwortung&ldquo; erkl&auml;rt &ndash; wird dann, um &bdquo;die Frauen zu retten&ldquo;, &bdquo;die Schwulenrechte zu verteidigen&ldquo;, &bdquo;den n&auml;chsten Hitler zu verhindern&ldquo;, &hellip;wird durch derlei ideologische Verk&uuml;rzungen die Solidarit&auml;t der Parteimitglieder schlicht gen &bdquo;Um Frieden zu schaffen brauchen wir Krieg&ldquo; kanalisiert?<\/strong><\/p><p>Dass das nicht nur Anspruch, sondern auch schon Wirklichkeit ist, zeigt sich bei der neuen <a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/59085\">NATO-Interventionstruppe<\/a>, der &bdquo;Speerspitze&ldquo;. Die wird &uuml;brigens in den Niederlanden ganz wundersch&ouml;n &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/supersnelle-flitsmacht-der-nato-nimmt-konturen-an\/\">Supersnelle Flitsmacht<\/a>&ldquo; genannt. Diese superschnelle Eingreiftruppe der NATO soll einmal aus drei Brigaden bestehen und damit 15.000 bis 21.000 Mann stark sein. M&ouml;gliche Einsatzgebiete sind &uuml;brigens nicht nur der Osten Europas, sondern auch der globale &bdquo;S&uuml;den&ldquo;. Beim beschleunigten Aufbau der Truppe hat Deutschland als Rahmennation die F&uuml;hrungsrolle f&uuml;r ein wichtiges milit&auml;risches Projekt &uuml;bernommen. Es ist aber keineswegs so, dass die deutsche Regierung versessen darauf w&auml;re, die Bundeswehr &uuml;berall einzusetzen. Die Merkel-Doktrin besagt ja gerade, dass man andere Staaten oder neuerdings auch Milizen wie im Nordirak bef&auml;higen will, Kriege selbst erfolgreich zu f&uuml;hren. Dazu liefert man Waffen und schickt Milit&auml;rausbilder. Personalintensive Milit&auml;reins&auml;tze wie in Afghanistan werden auch in Zukunft eher die Ausnahme sein. Aber wenn es dazu kommt, dann wird es vermutlich wieder viele Gr&uuml;ne geben, die einen <em>Regime Change<\/em> mit dem Schutz von M&auml;dchenschulen usw. rechtfertigen werden. Dabei wird die Solidarit&auml;t vieler Basis-Parteimitglieder nicht vom Spitzenpersonal kanalisiert, sondern da kommen die oft schon selbst drauf. Es w&auml;re zu einfach, die Verantwortung nur bei den Promis zu suchen.<\/p><p>Auch beim <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zNOiNSw5jMY\"><em>Regime Change<\/em> in der Ukraine<\/a> im letzten Jahr blendeten Gr&uuml;ne F&uuml;hrung <em>und<\/em> Mehrheit der Partei die geopolitische Dimension schlicht komplett aus. <\/p><p><strong>Da Sie die Ukraine ansprechen: Wie lief das Ganze hier denn genau ab? Wie wurde die ideologische bzw. moralische Rechtfertigung der gr&uuml;nen Geopolitik inszeniert?<\/strong><\/p><p>Man versteht sich als Solidarit&auml;tsbewegung mit der von Russland bedrohten Ukraine und behauptet, dort w&uuml;rden die westlichen Werte verteidigt. W&auml;hrend vor einer Querfront von Putin bis LePen gewarnt wird und man den russischen Nationalismus richtigerweise gei&szlig;elt, wird die Kiewer Querfront von Poroschenko und Jazenjuk mit Svoboda und Rechtem Sektor ignoriert. Man ist quasi auf dem nationalukrainischen Auge blind. Es gibt daher kein einziges offizielles Gr&uuml;nes Dokument, dass die Beteiligung v&ouml;lkischer Minister in der Kiewer Regierung 2014 kritisiert. Die Parteinahme <em>f&uuml;r<\/em> Kiew geht sogar so weit, dass f&uuml;hrende Gr&uuml;ne die so genannte Anti-Terror-Operation mit Luftangriffen auf die eigene  Bev&ouml;lkerung rechtfertigen. Wenn das Assad-Regime Entsprechendes in Syrien macht, hei&szlig;t es dagegen sofort: &bdquo;Assad muss weg!&ldquo;<\/p><p>Was die Geopolitik betrifft: Da ist die g&auml;ngige Erz&auml;hlung, diese sei total retro und werde von den modernen westlichen Staaten nicht mehr betrieben, das machten nur die anderen, in diesem Fall: Russland. Es sei die Ukraine, die nach Westen strebe und sich der EU und der NATO anschlie&szlig;en wolle. Und diese habe das Recht auf freie B&uuml;ndniswahl. Russland ginge das nichts an. <\/p><p>Richtig ist zwar, dass die EU ein attraktives Imperium ist, dem sich die Regierungen und Bev&ouml;lkerungsteile vieler L&auml;nder gerne anschlie&szlig;en w&uuml;rden. Daraus aber zu schlie&szlig;en, dass die EU mit ihrer &Ouml;stlichen Nachbarschaftspolitik keine eigene Geopolitik betreiben w&uuml;rde, ist nat&uuml;rlich kompletter Unfug. <\/p><p>Die EU ist &uuml;brigens nicht das erste Imperium, dessen &bdquo;Soft Power&ldquo; gro&szlig;e Ausstrahlungskraft besitzt: Das R&ouml;mische Imperium war vor &uuml;ber 2.000 Jahren so attraktiv, dass die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Italiker\">Italer<\/a> sogar einen Krieg gegen Rom begannen, um das vollst&auml;ndige r&ouml;mische B&uuml;rgerrecht f&uuml;r ihre B&uuml;rger zu erreichen&hellip; Und die &bdquo;Soft Power&ldquo; Russlands ist auch nicht zu untersch&auml;tzen: &Uuml;ber 2 Millionen Menschen sind seit 2014 aus der Ukraine nach Russland geflohen!<\/p><p>Beim europapolitischen Sprecher der Gr&uuml;nen Bundestagsfraktion, Manuel Sarrazin, hei&szlig;t Geopolitik &uuml;brigens &bdquo;wertegebundene Interessenspolitik&ldquo;. Er fordert immer wieder, L&auml;ndern wie der Ukraine oder Moldawien den EU-Beitritt anzubieten. Das ist aber ein brandgef&auml;hrlicher Vorschlag, auch weil die jeweiligen Gesellschaften zerrissen sind. Es gibt keine belastbaren Mehrheiten f&uuml;r einen EU-Beitritt. Beim Ukraine-Konflikt bin ich inzwischen sogar oft in der Situation, dass ich Au&szlig;enminister Steinmeier oder Kanzlerin Merkel gegen die eigenen Gr&uuml;nen Parteifreunde <a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/containment-politik-durch-eu-beitrittsangebote\/\">verteidigen<\/a> muss!<\/p><p><strong>Eine abschlie&szlig;ende Frage noch: Was raten Sie jenen, die derlei Entwicklungen nicht l&auml;nger tatenlos zusehen wollen? Was k&ouml;nnte man, k&ouml;nnte ggf. ein jeder von uns gegen immer mehr Militarisierung im Lande tun?<\/strong><\/p><p>Meinungsumfragen zeigen immer wieder, dass es gesellschaftliche Mehrheiten gegen Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr gibt. Leider repr&auml;sentiert der Bundestag bei solchen Entscheidungen meist nicht die eigene W&auml;hlerschaft. Ich sage nur: Afghanistan. Und auch die Sanktionspolitik gegen Russland und den Kalten Krieg 2.0 halten viele Menschen in Deutschland f&uuml;r falsch. Das Problem ist aber, dass &bdquo;meinen&ldquo; noch nicht &bdquo;machen&ldquo; ist. <\/p><p>Wer wirklich Ver&auml;nderungen m&ouml;chte, muss gerade in au&szlig;en- und milit&auml;rpolitischen Fragen sehr, sehr aktiv sein. Denn Richtungsentscheidungen in diesen Bereichen trifft die politische Elite lieber allein, ohne sich um die Auffassungen der Bev&ouml;lkerungsmehrheit zu scheren. <\/p><p>Den Gr&uuml;nen Parteimitgliedern kann ich nur raten, Scharfmacherinnen wie Marieluise Beck und andere nicht wieder f&uuml;r Bundestagskandidaturen oder andere wichtige &Auml;mter zu nominieren. <\/p><p>Und mein Rat an die B&ouml;ll-Stiftung w&auml;re, sich endlich anstelle von Ralf F&uuml;cks eine integrative Person als Vorstand zu suchen, am besten eine, die mit dem friedenspolitischen Erbe der Gr&uuml;nen auch etwas anfangen kann.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Uli Cremer<\/strong> ist Initiator der Gr&uuml;nen Friedensinitiative und Autor des Buches &bdquo;Neue NATO: Die ersten Kriege&ldquo;. Er ist ehemaliger Sprecher des Fachbereichs Au&szlig;enpolitik bei B&Uuml;NDNIS90\/DIE GR&Uuml;NEN.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>NachDenkSeiten-Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24220\">Chodorkowski ruft zur Revolution auf<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26380\">Nie wieder Krieg (ohne uns)! Zur Rolle von Gr&uuml;nen, Sozialdemokraten und Medien im Kosovo-Krieg<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22292\">Deutsche Eliten setzen auf aggressivere Au&szlig;enpolitik, Militarisierung und Krieg<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/58903\">Die Eliten wollen mehr<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44278\/1.html\">Die Gr&uuml;nen: Parteiferne Anstiftung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/963689.putin-stalin-vergleiche-erwuenscht.html\">B&ouml;ll-Stiftung: Putin-Stalin-Vergleiche erw&uuml;nscht<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gr&uuml;ne Friedensinitiative: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/supersnelle-flitsmacht-der-nato-nimmt-konturen-an\/\">Supersnelle Flitsmacht der NATO nimmt Konturen an<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gr&uuml;ne Friedensinitiative: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/gruener-friedenspolitischer-kongress\/\">Auf dem Weg in neue Auslandseins&auml;tze und kein kritischer Blick zur&uuml;ck<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gr&uuml;ne Friedensinitiative: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/militaerpolitische-vision-europaeische-armee-revisited\/\">Milit&auml;rpolitische Vision &sbquo;Europ&auml;ische Armee&lsquo; revisited<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gr&uuml;ne Friedensinitiative: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/ukraine-konflikt-keine-chance-fuer-minsk-ii\/\">Ukraine-Konflikt: Keine Chance f&uuml;r Minsk-II?<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gr&uuml;ne Friedensinitiative: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gruene-friedensinitiative.de\/cms\/den-ukraine-konflikt-deeskalieren-den-kalten-krieg-2-0-beenden\/\">Den Ukraine-Konflikt deeskalieren! Den Kalten Krieg 2.0 beenden!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Buch: Uli Cremer: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.vsa-verlag.de\/index.php?id=6576&amp;tx_ttnews[tt_news]=9953\">Neue NATO: die ersten Kriege. Vom Milit&auml;r- zum Kriegspakt<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/08d62326fa044fb0b737283a8e603628\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150825_cremer.jpg\" alt=\"Uli Cremer\" title=\"Uli Cremer\"\/><\/div>\n<p>Mit dem Fall der Mauer hatten viele von uns die Hoffnung verbunden, die Konfrontation zwischen Ost und West werde ein Ende finden. Diese Hoffnung hat leider getrogen. Es gab damals schon Interesse daran, die Konfrontation mit Russland wieder neu aufzunehmen und Milit&auml;reins&auml;tze auch unter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27317\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,194,209,129],"tags":[1120,1533,432,466,1418,1553,1338,260],"class_list":["post-27317","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-gruene","category-interviews","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-friedensbewegung","tag-heinrich-boell-stiftung","tag-kosovo","tag-nato","tag-regime-change","tag-syrien","tag-transatlantiker","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27317"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120361,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27317\/revisions\/120361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}