{"id":2736,"date":"2007-10-31T15:50:14","date_gmt":"2007-10-31T14:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2736"},"modified":"2015-12-13T12:16:35","modified_gmt":"2015-12-13T11:16:35","slug":"zumutungen-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2736","title":{"rendered":"Zumutungen ohne Ende"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben eine ernste &ouml;konomische Situation. Die Binnenkonjunktur schw&auml;chelt deutlich. Schon im August war beim Vergleich von Juli 2007 zu Juli 2006 festgestellt worden, dass die Einzelhandelsums&auml;tze real um 1,5% gesunken waren. Das ist alles andere als ein Zeichen von Boom. Jetzt deuten die Daten f&uuml;r September auf eine Versch&auml;rfung hin: -2,2%. Die Sparquote steigt. Siehe unten. W&uuml;rde bei uns eine von Vernunft geleitete Wirtschaftspolitik betrieben, w&uuml;sste man, dass man umschalten muss. Nichts davon und auch die Wissenschaft beharrt auf der Richtigkeit des Kurses. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst zur Meldung des Statistischen Bundesamtes &uuml;ber die<\/p><blockquote><p><strong>Einzelhandelsumsatz im September 2007 real um 2,2% gesunken <\/strong><\/p>\n<p>WIESBADEN &ndash; Nach vorl&auml;ufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes setzte der Einzelhandel in Deutschland im September 2007 nominal 1,2% und real 2,2% weniger um als im September 2006. Der September 2007 hatte allerdings mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag weniger als der September 2006. Dieses vorl&auml;ufige Ergebnis wurde aus Daten von sieben Bundesl&auml;ndern berechnet, in denen circa 76% des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel get&auml;tigt werden.\n<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2007\/10\/PD07__435__45241,templateId=renderPrint.psml\">DISTATIS<\/a><\/p><p>Das ist kein Wunder: Anders als von &Ouml;konomen und Politikern zu Jahresanfang noch eifrig und gegen jede wirtschaftliche Vernunft behauptet, wirkt sich die Mehrwertsteuererh&ouml;hung aus. Sie belastet die Kaufkraft wie auch die Kauflust der Mehrheit der Menschen, deren Einkommen real seit Jahren stagnieren beziehungsweise zur&uuml;ckgehen. Hinzukommen als Ursachen einer Reihe weiterer Faktoren: der Zuwachs von allerlei prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen, von Leiharbeit, Minijobs und &uuml;berhaupt das Auseinanderdriften der Einkommensverteilung zwischen oben und unten.<\/p><p>Hinzu kommt die von den Regierenden subventionierte h&ouml;here Sparneigung eines Teils der Menschen. Die F&ouml;rderungen f&uuml;r Riester-Rente, R&uuml;rup-Rente und betriebliche Altersvorsorge f&uuml;hren zu h&ouml;heren Sparquoten, weil jene, die in diese Anlageform gehen beziehungsweise gehen k&ouml;nnen, Verm&ouml;gen ja nicht nur umschichten sondern offenbar zus&auml;tzlich sparen. In der Regel sind das Besserverdienende, die etwas auf der hohen Kante haben. F&uuml;r jeden nachdenkenden &Ouml;konomen, der nicht ideologisch fixiert ist, ist diese Tendenz in der jetzigen Situation kontraproduktiv. Wir k&ouml;nnen alles andere gebrauchen als eine weitere Schw&auml;chung des Konsums und damit eine weitere St&auml;rkung des Sparens.<br>\nDennoch beharren die &Ouml;konomen der Institute auf der Richtigkeit des eingeschlagenen Kurses. Siehe Bericht des Handelsblatts. Nicht zu fassen:<\/p><blockquote><p><strong>&Ouml;konomen l&auml;sst die gestiegene Sparquote kalt<\/strong><\/p>\n<p>Die wieder steigende Bereitschaft der Bundesb&uuml;rger zum Sparen bedeutet derzeit keine Gefahr f&uuml;r das Wirtschaftswachstum. Obwohl die Bundesb&uuml;rger mehr Geld beiseite legen, rechnen die Institute mit einer Konsumbelebung im n&auml;chsten Jahr &ndash; denn insgesamt steht ihnen mehr Einkommen zur Verf&uuml;gung.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/Konjunktur-%d6konomie\/Konjunktur\/_pv\/_p\/200053\/_t\/ft\/_b\/1344908\/default.aspx\/oekonomen-laesst-die-gestiegene-sparquote-kalt.html\">Handelsblatt<\/a><\/p>\n<p>Gro&szlig;e Hoffnungen, dass die Sparquote kr&auml;ftig sinkt, haben die Instituts&ouml;konomen aber ohnehin nicht, schon weil sich 2008 nochmals die F&ouml;rderung der Riester-Rente erh&ouml;ht. Roland D&ouml;hrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westf&auml;lischen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung, erl&auml;utert: &bdquo;Den B&uuml;rgern wird zu Recht seit Jahren nahe gelegt, f&uuml;r das Alter privat vorzusorgen. Dies ist als Beitrag zur Bew&auml;ltigung der demographischen Probleme auch unverzichtbar. Und falls dies zu einem Anstieg der Sparquote f&uuml;hrt, ist dies auch politisch gewollt.<\/p><\/blockquote><p>Diese &Auml;u&szlig;erungen belegen den offensichtlichen Niedergang der &ouml;konomischen Wissenschaft in unserem Land in gleich mehrerer Hinsicht:<\/p><p>Offenbar herrscht dort eine permanente Wahrnehmungsschw&auml;che. Denn wer behauptet, es bestehe keine Gefahr f&uuml;r das Wirtschaftswachstum, der nimmt ja nicht einmal wahr, dass die Prognosen daf&uuml;r selbst von der Bundesregierung gerade zur&uuml;ckgenommen wurden. Von 2,4 Prozent f&uuml;r 2008 auf 2,0 Prozent . Was sind 2%, was sind 2,4%? Bei gleichzeitigem Anstieg der Arbeitsproduktivit&auml;t um 1,9% in 2006 und vermutlich einem Prozent in diesem Jahr bleiben dann nur noch minimale Effekte f&uuml;r den Bedarf neuer Arbeitskr&auml;fte. Nur in der Propaganda der Vertreter der Agenda 2010 und der Hartz-Gesetze erscheint die heutige Entwicklung als Boom. Die Propaganda macht blind f&uuml;r die Gefahren, die aus der Schw&auml;che des Konsums folgen. Darauf weisen wir in der NachDenkSeiten permanent hin. Nicht erst nachtr&auml;glich.<br>\nEine von wenigen Stimmen der Vernunft zu diesem Thema finden Sie hier: <\/p><blockquote><p><strong>Verteilt Schecks an die B&uuml;rger!<\/strong><br>\nDie deutsche Politik muss den Konsum stimulieren. Aktiv. Am besten sofort, bevor Amerika, Finanzkrise, Euro und &Ouml;lpreis der Wirtschaft die letzten Wachstumskr&auml;fte rauben.<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_inc\/_globals\/print.php?em_cnt=1232891&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare&amp;em_ivw=fr_kommentar&amp;em_client=fr&amp;em_site_color=1&amp;em_site_style=1&amp;em_site_template=1&amp;em_site_text=1\">fr-online<\/a><\/p><p>Und hier noch einmal ein Hinweis auf den hellen Wahnsinn, indem wir immer wieder ausgesetzt sind:<\/p><blockquote><p><strong>Das Gespenst und die Altersarmut<\/strong><br>\nNach einer repr&auml;sentativen Umfrage sprechen sich 43 Prozent der Deutschen f&uuml;r eine private Zwangsvorsorge aus &ndash; trotz Riester-Boom. Doch nicht nur deshalb steht f&uuml;r Postbank-Chef Wolfgang Klein fest, die Diskussion um dieses Thema geh&ouml;rt wieder auf die politische Agenda. Genau davor aber warnen viele Experten.\n<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/geldanlage\/0,2828,514519,00.html\">manager-magazin<\/a><\/p><p>Der Postbank-Chef hat nicht nur wenig Ahnung von makro&ouml;konomischen Zusammenh&auml;ngen. Er ist auch beachtlich dreist, denn was er hier verlangt, ist schlicht eine gesetzliche Regelung, die der Finanzindustrie, den Versicherungen, den Banken und Finanzdienstleistern, die Vertriebsarbeit abnehmen soll.<\/p><p>Sein Begehren ist jedoch auch aus marktwirtschaftstheoretischer Sicht, man k&ouml;nnte auch sagen: angebots&ouml;konomischer Sicht, h&ouml;chst fragw&uuml;rdig. Denn selbst aus angebots&ouml;konomischer Sicht w&auml;re es angebracht, darauf zu achten, dass die einzelnen Produktionen und Dienstleistungen m&ouml;glichst effizient organisiert werden. Nur dann kann man davon sprechen, dass die Produktionsfaktoren einer Volkswirtschaft optimal allokiert sind.<br>\nWenn ich aber die Privatvorsorge zur Pflicht mache statt die gesetzliche Rente auszubauen, dann mache ich ein System zur Pflicht, das heute das F&uuml;nf- bis Zehnfache dessen an Kosten zum Betrieb und Vertrieb des Produktes Altersvorsorge (&uuml;ber die Kapitaldeckung) verbraucht als die gesetzliche Rente &uuml;ber das so genannte Umlaufverfahren. Der Betrieb des Umlageverfahrens kostet ungef&auml;hr 1,5% der j&auml;hrlich gezahlten Renten-Beitr&auml;ge. Der Betrieb der Riester-Rente kostet mindestens 10%, andere Privatvorsorgesysteme sind noch teurer. Und ein solch teures Verfahren soll zur Pflicht gemacht werden?<br>\nWirklich eine Zumutung. Da wir aber Zumutungen st&auml;ndig erdulden m&uuml;ssen, gew&ouml;hnen wir uns schon daran. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben eine ernste &ouml;konomische Situation. Die Binnenkonjunktur schw&auml;chelt deutlich. Schon im August war beim Vergleich von Juli 2007 zu Juli 2006 festgestellt worden, dass die Einzelhandelsums&auml;tze real um 1,5% gesunken waren. Das ist alles andere als ein Zeichen von Boom. Jetzt deuten die Daten f&uuml;r September auf eine Versch&auml;rfung hin: -2,2%. Die Sparquote steigt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2736\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[132,30],"tags":[290,689,288,1714,405,449,291],"class_list":["post-2736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-konsumlaune","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-sparquote","tag-statistisches-bundesamt","tag-umsatzsteuer","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2736"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29539,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2736\/revisions\/29539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}