{"id":27377,"date":"2015-08-31T09:56:10","date_gmt":"2015-08-31T07:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27377"},"modified":"2015-10-21T09:40:43","modified_gmt":"2015-10-21T07:40:43","slug":"unterste-schublade-eine-sogenannte-studie-der-otto-brenner-stiftung-ueber-das-angebliche-netzwerk-querfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27377","title":{"rendered":"Unterste Schublade \u2013 eine sogenannte Studie der Otto Brenner Stiftung \u00fcber das angebliche Netzwerk \u201eQuerfront\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als die Metallarbeitgeber im Oktober 2000 die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gr&uuml;ndeten und mit 100 Millionen DM f&uuml;r neoliberale Propaganda ausstatteten, erschien mir die IG Metall als der nat&uuml;rliche Partner zur Umsetzung der Idee, mit einer kritischen Internetseite eine Gegen&ouml;ffentlichkeit aufbauen zu helfen. Die Versuche, zwischen M&auml;rz 2001 und 2003 die IG Metall und dann auch den DGB als Partner zu gewinnen, scheiterten, obwohl es bei einigen Mitarbeiter\/innen der IG Metall, des DGB und auch der Otto Brenner Stiftung (OBS) Sympathien f&uuml;r das geplante Projekt NachDenkSeiten o.&auml;. gab. Immerhin, diese Gespr&auml;chspartner sahen, wie hoffnungslos die Arbeitnehmerschaft den von gro&szlig;en Interessen gesteuerten Medien unterlegen ist und sie hatten verstanden, dass der Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit dringlich ist. Jetzt jedoch polemisiert die Otto Brenner Stiftung mit einer sogenannten Studie gegen den Aufbau von Gegen&ouml;ffentlichkeit und sie besch&ouml;nigt die sozialen Verh&auml;ltnisse. Man k&ouml;nnte die OBS angesichts dieser &bdquo;Studie&ldquo; getrost als eine Au&szlig;enstelle der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft betrachten. Es ist jedenfalls h&ouml;chste Zeit, dass sich Gewerkschafter\/Innen und insbesondere IGMetaller um die Entwicklung dieser Stiftung k&uuml;mmern. Ich will das begr&uuml;nden: <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3795\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27377-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27377-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150831_Unterste_Schublade_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wer die Welt zum Guten ver&auml;ndern will &ndash; was auch von einer Gewerkschaft zu erwarten w&auml;re &ndash; , darf nicht besch&ouml;nigen und muss zwangsl&auml;ufig kritisieren und die Dinge beim Namen nennen.<\/strong><\/p><p>In der Studie der Otto Brenner Stiftung, die sich mit einem sogenannten Netzwerk von Akteuren besch&auml;ftigt, deren angebliche Verbindung allerdings im Text widerspr&uuml;chlich beschrieben wird, hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die hier portr&auml;tierten Akteure verbindet die grunds&auml;tzliche Kritik an den hiesigen Verh&auml;ltnissen. Es f&auml;llt auf, dass positive Anmerkungen &uuml;ber die heutigen Verh&auml;ltnisse in Deutschland oder in der EU, positive Bekenntnisse zur demokratisch-repr&auml;sentativen Gesellschaftsordnung und den ihr zugrunde liegenden Werten fehlen. Diese inhaltliche Ausrichtung l&auml;sst eine grunds&auml;tzliche Gegnerschaft der Akteure zur bestehenden Gesellschaftsordnung vermuten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es interessiert jetzt nicht, dass diese Aussagen f&uuml;r viele der in der Studie genannten &bdquo;Akteure&ldquo; nicht stimmen, sondern einfach erfunden und erlogen sind, hier interessant ist die Tatsache, dass eine Gewerkschaftsstiftung in der heutigen Zeit vor allem das Lob f&uuml;r die Verh&auml;ltnisse in Deutschland und in der EU vermisst . <\/p><p>In welcher Welt leben dieser Autor und seine Auftraggeber? Sie machen den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und allen fortschrittlichen und engagierten Menschen das Leben schwer: Denn bei der Verteilung der Einkommen und der Verm&ouml;gen zum Beispiel gibt es nichts zu loben; sie ist skandal&ouml;s ungerecht und klafft zunehmend weiter auseinander. Der Aufbau eines Niedriglohnsektors ist nicht zu belobigen. Sollen wir die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente, die bewusst betriebene Erosion der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente und damit den Weg vieler Menschen in die Altersarmut feiern? Auch die Krise in der EU ist keineswegs ein Anlass f&uuml;r Lob und Freude. Wie die &bdquo;Heuschrecken&ldquo; in Tausenden deutschen Betrieben und als Eigent&uuml;mer gro&szlig;er Wohnungskomplexe mit Arbeitnehmern in den Betrieben und mit Mietern umgehen, kann kein vern&uuml;nftiger Mensch gut finden und die Betroffenen und ihre Vertrauensleute sowieso nicht.<\/p><p>Dem Autor Storz und dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Otto Brenner Stiftung, Legrand, ist dringend zu empfehlen, sich die Dokumentation des S&uuml;dwestfunks &uuml;ber den sogenannten Investor BlackRock anzuschauen. Es ist eine Doku von Tilman Achtnich und Hanspeter Michel: &bdquo;Geld regiert die Welt. Die Macht der Finanzkonzerne&ldquo;. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Zp7vgOqgpBg&amp;feature=youtu.be\">youtube<\/a><\/p><p>Die Dokumentation enth&auml;lt einen Bericht &uuml;ber den Kampf der Besch&auml;ftigten von WMF in Geislingen. Vielleicht sollten die dortigen Besch&auml;ftigten und insbesondere die betroffenen IGMetaller die Herren in der Otto Brenner Stiftung gelegentlich wissen lassen, wie die Realit&auml;t in den Betrieben aussieht &ndash; insbesondere in solchen, die von Finanzgruppen wie BlackRock aufgekauft und hin und her verscherbelt werden. Wenn dann bei der OBS immer noch die erste Sorge ist, dass wir unsere Verh&auml;ltnisse nicht ausreichend loben, dann wissen wir, wessen Interesse in der Gewerkschaftsstiftung vertreten wird &ndash; jedenfalls nicht jener, die brav ihre Gewerkschaftsbeitr&auml;ge zahlen.<\/p><p>Das gilt auch f&uuml;r die <strong>Besch&ouml;nigung der Medienlage<\/strong> in Deutschland und in der Welt:<\/p><p><strong>Wer die Verh&auml;ltnisse hierzulande wirklich verbessern will und insbesondere die Interessen der abh&auml;ngig Arbeitenden vertreten will, muss erkennen, dass Arbeiter, Angestellte, Arbeitslose und Rentner nicht an den Schalthebeln der publizistischen Macht sitzen. Die &ouml;ffentliche Meinung und vor allem die ver&ouml;ffentlichte Meinung unter den Medienschaffenden wird von den wirtschaftlich M&auml;chtigen gemacht und von ihren Partnern in den Medienkonzernen.<\/strong><\/p><p>In der Studie und im Vorwort des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers der Otto Brenner Stiftung wird sichtbar, dass diese Gewerkschaftsleute weit hinter die Erkenntnis des fr&uuml;heren FAZ-Herausgebers Sehte zur&uuml;ckfallen, wonach &bdquo;Pressefreiheit die Freiheit von 200 reichen Leuten ist, ihre Meinung zu verbreiten&ldquo;. (Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27208\">hier<\/a> mein Artikel vom 13. August.)<\/p><p>Von den traditionellen Medien hei&szlig;t es im Vorwort des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers Legrand von der Otto Brenner Stiftung, sie w&uuml;rden sich der &bdquo;Aufgabe der Qualit&auml;tssicherung und Orientierung zu stellen haben&ldquo; &ndash; im Gegensatz zu den Aktivisten des sogenannten Netzwerkes. Wenn man so etwas liest und dann an die fern jeder Qualit&auml;t operierenden Medien wie die Bild-Zeitung, die kommerziellen Fernsehsender und an viele &ouml;ffentlich-rechtliche Redaktionen denkt, dann verzweifelt man ob der Einfalt der Autoren dieser ehrenwerten gewerkschaftlichen Stiftung. <\/p><p>Um Ihnen, verehrte Herren Storz und Legrand, ein bisschen und auf unterhaltende Weise auf die Spr&uuml;nge zu helfen, machen wir Sie auf einen besonderen Fall der &bdquo;Qualit&auml;tssicherung und Orientierung&ldquo; durch unsere h&ouml;chst potenten Medien aufmerksam. Es ist nur ein Fall von hunderten &ouml;ffentlich-rechtlicher und privater Manipulation: Jauch und die Geschichte des Stinkefingers von Varoufakis. Zur gef&auml;lligen Bedienung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Vx-1LQu6mAE\">hier der Link<\/a> zu &bdquo;Varoufakis and the fake finger #varoufake | NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan B&ouml;hmermann &ndash; ZDFneo<\/p><p><strong>Wie ein roter Faden zieht sich die unterschwellige Kritik am Versuch zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit durch den Text der OBS-&bdquo;Studie&ldquo;. Das betrifft unter anderen die Arbeit der NachDenkSeiten, auch deshalb diese unsere kritische W&uuml;rdigung des Machwerks aus Frankfurt.<\/strong><\/p><p>Dass angesichts der medialen Verh&auml;ltnisse die demokratische Willensbildung nicht mehr funktioniert und nicht mehr funktionieren kann, das m&uuml;sste eigentlich Allgemeingut sein. Wenn selbst Merkel von der &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo; spricht, dann m&uuml;ssten bei Gewerkschaftern und fortschrittlichen Begleitern des Geschehens alle Alarmglocken l&auml;uten, wenn der Zustand unserer Demokratie wie in der Studie der Otto Brenner Stiftung besch&ouml;nigt wird.<\/p><p><strong>Wenn Sie den Text der so genannten Studie lesen wollen, hier ist der Link auf die Datei [PDF &ndash; 266 KB].<\/strong><\/p><p><em><strong>Anmerkung 21.10.2015: Der Link wurde von uns gestrichen, weil die Otto Brenner Stiftung die &ldquo;Studie&rdquo; vom Netz genommen hatte und sie jetzt wieder eingestellt hat, verbunden mit dem Hinweis, auf den NachDenkSeiten sei sie ja noch verlinkt. Einem solch billigen Trick wollen wir keinen Vorschub leisten.<\/strong><\/em><\/p><p><strong>Kritische Betrachtungen<\/strong> erschienen <a href=\"http:\/\/www.broeckers.com\/2015\/08\/26\/der-journalismus-produziert-seine-kritiker-und-gegner-selbst\/\">hier von Mathias Br&ouml;ckers<\/a> und <a href=\"http:\/\/vineyardsaker.de\/analyse\/unlautere-publizistik\/#more-4022\">hier von Dagmar Henn<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45770\/1.html\">hier von Daniel Hermsdorf<\/a> bei Telepolis und <a href=\"http:\/\/www.rtdeutsch.com\/29838\/meinung\/die-querfront-verschwoerung-wie-die-otto-brenner-stiftung-sich-um-ihre-glaubwuerdigkeit-bringt\/\">hier bei RT Deutsch<\/a> &bdquo;Die &bdquo;Querfront-Verschw&ouml;rung&ldquo; &ndash; Wie die Otto-Brenner-Stiftung sich um ihre Glaubw&uuml;rdigkeit bringt. <\/p><p>Es gibt noch einige kritische Stimmen mehr und auch erstaunlich viele, die die Ver&ouml;ffentlichung der Studie mit Applaus begleiten. Die PR-Arbeit von Autor und Stiftung ist vorz&uuml;glich. Und es gilt, dass man aus Mist Marmelade machen kann, wenn man wie im konkreten Fall ausreichend mediale Begleitung findet.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Studie&ldquo; der OBS eignet sich zum Beleg gleich mehrerer Methoden der Manipulation.<\/strong><\/p><p>Ich kann also meine Serie zu den Methoden der Manipulation mithilfe des Textes von &sbquo;&bdquo;Querfront&ldquo; &ndash; Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks&ldquo; weiterf&uuml;hren. Sie bietet Belege und Material f&uuml;r vier neu zu beschreibende Methoden. Die Nummerierung der Manipulationsmethoden orientiert sich an der Abfolge der bisher schon auf den NachDenkSeiten beschriebenen Methoden. Letzte Eintragung dazu war <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27300\">hier<\/a> mit der Beschreibung der Methode Nr. 5. <\/p><p><strong>Methode Nr. 6:<\/strong> Wenn Du die deutschen &bdquo;Qualit&auml;ts&ldquo;medien beeindrucken und f&uuml;r die Weiterverbreitung deiner Thesen gewinnen willst, <strong>dann nenne dein Werk &bdquo;Studie&ldquo; und den Autor einen &bdquo;Wissenschaftler&ldquo;<\/strong>.<\/p><p>Das ist g&auml;ngige Praxis: Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist ein Meister beim Nutzen dieser Methode. Von dort werden st&auml;ndig Auftr&auml;ge an allzeitbereite Wissenschaftler vergeben. Auch die Bertelsmann-Stiftung verf&auml;hrt so. Ein sogenanntes Berlin Institut hat Mitte M&auml;rz 2006 eine Studie zur Bev&ouml;lkerungsentwicklung ver&ouml;ffentlicht. Die NachDenkSeiten haben <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1077\">dar&uuml;ber berichtet<\/a>. Die damalige &bdquo;Studie&ldquo; war &auml;hnlich platziert wie heute das Papier der Otto Brenner Stiftung. Es ging nicht um Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Ver&ouml;ffentlichung diente vor allem zum Ansto&szlig; von vielen PR-gesteuerten Ver&ouml;ffentlichungen mit hilfreichen Botschaften zugunsten der Privatvorsorge und zulasten der gesetzlichen Rente. <\/p><p>Noch bevor das Papier der Otto Brenner Stiftung das Licht der Welt erblickte waren wichtige Medien schon gebrieft: Frankfurter Rundschau, TAZ, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Die Zeit, der Deutschlandfunk usw. &ndash; und dann leider &bdquo;Kontext&ldquo;. Auch dieses ansonsten aufkl&auml;rende Medium &uuml;bernimmt <a href=\"http:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/editorial\/229\/im-hinterland-der-luegenpresse-3084.html\">in seinem Editorial vom 19. August<\/a> ungepr&uuml;ft die Parolen des Autors der Otto Brenner Stiftung.<\/p><p>Die Behauptung, es handle sich um eine Studie und der Autor sei ein Wissenschaftler, hat offenbar beeindruckt. Hinzu kommt, dass der Autor Wolfgang Storz fr&uuml;her ein angesehener Journalist war und wohl einige Kollegen schon aus Solidarit&auml;t mit dem fr&uuml;heren Kollegen positiv auf seine &bdquo;Studie&ldquo; reagiert haben.<\/p><p><strong>Methode Nr. 7:<\/strong> Zun&auml;chst zur Erkl&auml;rung: Wenn neoliberale Ideologen und Bef&uuml;rworter milit&auml;rischer Interventionen Meinung machen wollen, dann macht es wenig Sinn, wenn sie sich zur Weiterverbreitung ihrer Botschaften der &uuml;blichen Verd&auml;chtigen aus dem rechtskonservativen Lager bedienen. Gerade die Meinungsbildung im linken Bereich unserer Gesellschaft kann sehr viel mehr beeinflusst werden, wenn die Absender der Parolen aus eben diesem politischen und gesellschaftlichen Lager kommen. Man k&ouml;nnte die Methode so formulieren: <strong>Wer Fortschrittliche, wer Linke und Linksliberale beeindrucken und zu einer Meinungsver&auml;nderung bringen will, muss Tr&auml;ger der Parolen aus eben diesem Lager finden und nutzen<\/strong>.<\/p><p>Daf&uuml;r gibt es gute Beispiele und Belege aus der Vergangenheit:<\/p><ul>\n<li>Joschka Fischer und Rudolf Scharping waren die richtigen Tr&auml;ger und Motoren zur Durchsetzung des ersten Kriegseinsatzes der Bundeswehr, noch dazu au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs, in Jugoslawien.<\/li>\n<li>Erhard Epplers und G&uuml;nter Grass&rsquo; positive &Auml;u&szlig;erungen zur Agenda 2010 waren Gold wert f&uuml;r die Meinungsbildung und Durchsetzung der Agenda 2010 innerhalb der SPD und anderer linker Kreise.<\/li>\n<\/ul><p>Und so ist im aktuellen Fall der gute Ruf des Otto Brenner bestens geeignet zur Verbreitung der Parole, dass die Welt eigentlich im Gro&szlig;en und Ganzen in Ordnung sei und wir keine Gegen&ouml;ffentlichkeit brauchen, weil die herrschenden Medien sich ja immer wieder der Qualit&auml;tskontrolle unterziehen.<\/p><p><strong>Methode Nr.8: Nutze zur Bewertung von Menschen und ihres Tuns das, was &uuml;ber sie von anderen gesagt wird, betreibe also Etikettenverteilung\/Stigmatisierung auf der Basis von H&ouml;rensagen<\/strong>. Wenn du das massiv, also wiederholend und affirmativ betreibst, dann ersparst du dir die eigentlich notwendigen Belege.<\/p><p>Und gleich noch<\/p><p><strong>Methode Nr. 9: Wenn du jemandem ein negatives Etikett verpassen willst, dir aber die Belege fehlen, dann konstruiere ein Netzwerk und zeige, dass der Anzuklagende schon einmal mit einem der schlimmen Finger aus dem sogenannten Netzwerk gesehen worden ist.<\/strong><\/p><p>Im Papier der Otto Brenner Stiftung machen diese beiden Methoden den Kern der Konstruktion eines angeblichen Netzwerkes aus. Es werden sogenannte Akteure benannt und behauptet, sie seien im Netzwerk verbunden; wie und ob geplant und verabredet, das wird widerspr&uuml;chlich abgehandelt. Einigen dieser Akteure wird anhand schriftlicher Unterlagen und anhand ihrer Aktionen Kritisches unterstellt. Die Berechtigung dieser Wertung m&ouml;ge jeder Leser selbst pr&uuml;fen. Das hier Interessante ist, dass diesem sogenannten Netzwerk Menschen zugeordnet werden, f&uuml;r die man die behauptete Bewertung &ndash; als rechtsradikal, gegen die EU, gegen die parlamentarische Demokratie usw. &ndash; nicht belegen kann. Die kritische Bewertung, die Stigmatisierung und Verteufelung gr&uuml;ndet auf H&ouml;rensagen. Wichtig ist dann noch die Erweiterung des sogenannten Netzwerks; vom Autor Storz werden andere, Au&szlig;enstehende mit in die Verd&auml;chtigung einbezogen. Der markante Satz dazu lautet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das hier angesprochene Netzwerk ist wiederum nur Teil eines sehr viel umfassenderen Milieus.&ldquo;(Seite 6)\n<\/p><\/blockquote><p>Der Autor des OBS-Papiers macht also den Trick, einen weiteren Kreis damit zu verkn&uuml;pfen, so zum Beispiel Daniele Ganser, Andreas von B&uuml;low, Matthias Br&ouml;ckers (richtig geschrieben: Mathias), Werner R&uuml;gemer, Willy Wimmer, Reiner Braun, Albrecht M&uuml;ller, etc.. <\/p><p><strong>Zu beiden Methoden ein paar Beispiele:<\/strong><\/p><p><strong>Zu Daniele Ganser:<\/strong><br>\nDer Schweizer Historiker und Friedensforscher erf&auml;hrt sogar die Ehre, nicht nur zum &bdquo;viel umfassenderen Milieu&ldquo; sondern zum Kreis der &bdquo;Akteure&ldquo; des Netzwerkes gerechnet zu werden. Wie das begr&uuml;ndet wird, bleibt mir schleierhaft, weil ich bisher weder rechte, reaktion&auml;re noch antidemokratische &Auml;u&szlig;erungen von Daniele Ganser kenne. Kann ja sein, dass ich etwas &uuml;berh&ouml;rt oder &uuml;berlesen habe. &ndash; Die Zuweisung Gansers zum Netzwerk wird von Autor Storz so begr&uuml;ndet: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;In diesem Zusammenhang (= Berichte &uuml;ber &bdquo;Gladio&ldquo;, eine geheime paramilit&auml;rische Einheit der NATO, d. Verf. A.M.) stellt er die offizielle Version der Attentate vom 11. September 2001 infrage. Deshalb wird er immer wieder kritisiert.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Deshalb wird er immer wieder kritisiert&ldquo; &ndash; dieses H&ouml;rensagen reicht dem &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; Storz zur Bewertung und Abwertung einer Person. Zweifel an der offiziellen Version zum 11. September m&ouml;gen ja unangebracht sein, aber wieso solche Zweifel Ausweis von rechtsradikalem Denken sein sollen und damit Beleg f&uuml;r die Zuordnung des Daniele Ganser zur &ldquo;Querfront&rdquo;, das ist nicht zu verstehen. <\/p><p><strong>Zu Ken Jebsen und &ndash; im Verbund &ndash; zu mir:<\/strong><\/p><p>Auf Seite 30 kann man nachlesen, wie die Zuordnung praktiziert wird: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Albrecht M&uuml;ller, prominenter linker Buchautor und einer der Herausgeber der linken &ldquo;NachDenkSeiten&rdquo;, gibt Ken Jebsen, den viele f&uuml;r einen Verschw&ouml;rungstheoretiker und Antisemiten halten, ein langes Interview; &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Papier des Herrn Storz liefert keine Belege f&uuml;r die Zuordnung des Ken Jebsen zur sogenannten Querfront und dem dazugeh&ouml;rigen reaktion&auml;ren Denken. Die Otto Brenner Stiftung belegt nicht den Vorwurf des Antisemitismus und des Etiketts &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;. Und dennoch wird diese Behauptung in die sogenannte Studie aufgenommen und auch gleich noch anderen Personen angeklebt, im konkreten Fall mir.<\/p><p>Mehrere Medien, die positiv auf das Machwerk der Otto Brenner Stiftung eingestiegen sind, arbeiten sich wie so oft an Ken Jebsen ab. Ich gewinne den Eindruck, dass die meisten dieser Medienschaffenden einfach nur neidisch sind, weil Ken Jebsen mit dem Einsatz gro&szlig;er intellektueller Kraft und Energie &ndash; neben manchem Verzichtbaren &ndash; gute Medienprodukte geschaffen hat und hohe Klickzahlen erreicht. Klickzahlen, von denen seine Kritiker nur tr&auml;umen k&ouml;nnen.<\/p><p>Auch manche NachDenkSeiten-Leserinnen und Leser werden kritische Fragen zu Ken Jebsen haben. So ist die Atmosph&auml;re. Wenn Sie sich ein besseres Bild verschaffen wollen, dann schauen Sie sich das eine oder andere Interview von ihm an oder sein neues Format, eine Diskussion mit vier Gespr&auml;chspartnern, fast wie in einer Talkshow, aber um vieles interessanter und inhaltsreicher. Siehe hier: KenFM-Positionen #1: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hrU5i_hjDNc\">Krieg oder Frieden in Europa &ndash; Wer bestimmt auf dem Kontinent?<\/a> (&Uuml;brigens: Das in der &bdquo;Studie&ldquo; erw&auml;hnte Gespr&auml;ch zwischen Ken Jebsen und Albrecht M&uuml;ller finden Sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IGWEWeeE_uA\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=B7WA89Y7q20\">hier<\/a>)<\/p><p><strong>Zusammenfassende Anmerkung zum sogenannten Querfront-Netzwerk und der Zuordnung einzelner Personen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Es wird nicht klar, was Netzwerk bedeuten soll, ob enge pers&ouml;nliche Beziehungen und ein gemeinsames Handeln vorhanden sein sollen. Der Autor l&auml;sst sich alle T&uuml;ren offen.<\/li>\n<li>Er ordnet Personen quasi willk&uuml;rlich zu, auch solche die &uuml;berhaupt nichts miteinander zu tun haben oder sogar sehr kritisch miteinander umgehen, wie zum Beispiel Ken Jebsen und Els&auml;sser.<\/li>\n<li>Zur inhaltlichen Orientierung dieser Netzwerk Personen schreibt der Autor im dritten Absatz seiner Zusammenfassung auf Seite 6 des Textes folgendes. Ich zitiere, damit NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser nachvollziehen k&ouml;nnen, warum ich diese Studie ein Machwerk aus der untersten Schublade nenne:<br>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Das Netzwerk eint inhaltlich eine politisch-kulturelle Haltung, die einen m&ouml;glichst homogenen Nationalstaat und tradierte Lebensweisen wertsch&auml;tzt und demokratisch-liberale Gesellschaftsentw&uuml;rfe ablehnt. Bevorzugt wird dagegen das Gesellschaftsbild einer autorit&auml;ren, nicht liberalen &sbquo;Volks-Demokratie&lsquo;, die einerseits von einer starken F&uuml;hrung und andererseits von Plebisziten und weiteren Elementen der direkten Demokratie gepr&auml;gt ist. Liberale Prinzipien wie Pluralismus und Minderheitenrechte werden bestenfalls ignoriert, zumeist jedoch explizit abgewertet.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie bitte? &ndash; Legen Sie diese Me&szlig;latten mal bei den erw&auml;hnten Akteuren Ganser und Ken Jebsen an, oder bei dem ebenfalls zum engeren Netz gerechneten Lars.M&auml;hrholz. Oder gar bei den nur zum &bdquo;Milieu&ldquo; geh&ouml;renden Personen. Man kann die Einzelnen unsympathisch finden. Das sei jedem Beobachter selbst &uuml;berlassen. Aber sie pauschal &bdquo;Anh&auml;nger tradierter Lebensweisen&ldquo; und einer &bdquo;Volksdemokratie und einer starken F&uuml;hrung&ldquo; zu nennen und zu behaupten, sie lehnten &bdquo;demokratisch liberale Gesellschaftsentw&uuml;rfe&ldquo; ab &ndash; das ist unverdauliche Kost.<\/p>\n<p>Der Autor und die Stiftung mussten in einem konkreten Fall, im Fall von Weltnetz TV, die in der &bdquo;Studie&ldquo; ver&ouml;ffentlichte Verd&auml;chtigung l&ouml;schen. Wie zu h&ouml;ren ist, ist Autor Storz auch nicht mehr gl&uuml;cklich mit seinem Text. Dann sollte die Stiftung die &bdquo;Studie&ldquo; in die Tonne werfen.<\/p>\n<p>Ich habe &uuml;brigens beim Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Stiftung nachgefragt, was die Stiftung f&uuml;r dieses Produkt bezahlt hat. Das wollte er mir nicht sagen. Schade. Vielleicht sind einige wache IG-Metaller so nett und bet&auml;tigen sich als Whistleblower. Sie t&auml;ten der vom Autor Storz gew&uuml;nschten Liberalit&auml;t und dem demokratischen Charakter unseres Gemeinwesens einen guten Dienst.<\/p><\/li>\n<\/ul><p><strong>Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Missbrauch des Namens Otto Brenner:<\/strong><\/p><p>Otto Brenner war ein wunderbarer Mensch, ein streitbarer und zugleich sehr sensibler Arbeiterf&uuml;hrer; er hat sich als Freund der ersten Friedensbewegung gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands engagiert, er hat f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne gek&auml;mpft und dann 1972, als andere noch schliefen, seine Organisation f&uuml;r Fragen des Umweltschutzes ge&ouml;ffnet. &bdquo;Aufgabe Zukunft: Qualit&auml;t des Lebens&ldquo;, so lautete das Thema eines Kongresses der IG Metall 1972 in Oberhausen. Jetzt muss er mit seinem guten Namen f&uuml;r eine Stiftung herhalten, die gegen Menschen polemisiert, die sich gegen eine Militarisierung der Politik und gegen die Wiederbelebung des West-Ost-Konfliktes wenden, und es f&uuml;r notwendig halten, eine Gegen&ouml;ffentlichkeit zu den herrschenden Medien aufzubauen. <\/p><p>P.S.: Selbstverst&auml;ndlich bin ich allein f&uuml;r diesen Text verantwortlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Metallarbeitgeber im Oktober 2000 die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gr&uuml;ndeten und mit 100 Millionen DM f&uuml;r neoliberale Propaganda ausstatteten, erschien mir die IG Metall als der nat&uuml;rliche Partner zur Umsetzung der Idee, mit einer kritischen Internetseite eine Gegen&ouml;ffentlichkeit aufbauen zu helfen. 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