{"id":27438,"date":"2015-09-04T09:44:08","date_gmt":"2015-09-04T07:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27438"},"modified":"2024-08-28T18:57:45","modified_gmt":"2024-08-28T16:57:45","slug":"die-armutsindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27438","title":{"rendered":"Die Armutsindustrie"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150904_selke.jpg\" alt=\"Stefan Selke\" title=\"Stefan Selke\"><\/div><p>Die Armut im Land steigt weiter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/armutsbericht-deutschland-zerfaellt-in-arm-und-reich-a-1019315.html\">rasant an<\/a>. Anstatt hiergegen jedoch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26257\">wirksam vorzugehen<\/a>, werden die bestehenden Verh&auml;ltnisse entweder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1946\">geleugnet<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nordbayern.de\/ressorts\/armut-wird-schon-geredet-1.739120\/kommentare-7.538894\">sch&ouml;n geredet<\/a> oder einfach so organisiert, dass die Armen sich f&uuml;r ihre Armut auch ja selbst verantwortlich f&uuml;hlen und der unsichtbaren Macht, die sie in dieser h&auml;lt, im Idealfalle f&uuml;r ihre Almosen sogar noch dankbar sind. Derlei Selbstunterwerfung unter ein menschenverachtendes System wird dabei nicht nur mittels der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">Hartz-IV-Ideologie<\/a>, sondern auch und vor allem durch die Tafeln im Lande besorgt &ndash; w&auml;hrend die Wirtschaft das Elend der Armen bereits als <a href=\"http:\/\/www.bmfsfj.de\/RedaktionBMFSFJ\/Broschuerenstelle\/Pdf-Anlagen\/PRM-24388-Faltblatt-Geschafte-mit-der-Ar,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf\">neues Gesch&auml;ftsfeld [PDF]<\/a> zu erschlie&szlig;en begonnen hat. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit Tafelkritiker <strong>Stefan Selke<\/strong> &uuml;ber das &bdquo;Schamland&ldquo; Bundesrepublik.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Selke, Sie haben sich mit verschiedenen &ouml;ffentlichen Beitr&auml;gen und zuletzt auch in Ihrem Buch <a href=\"http:\/\/www.ullsteinbuchverlage.de\/nc\/buch\/details\/schamland-9783548375502.html\">&bdquo;Schamland&ldquo;<\/a> immer wieder kritisch mit den Tafeln im Lande auseinandergesetzt. Wieso? Wo gegen die Armut schon zu wenig getan wird, scheint es doch dringend notwendig, zumindest mehr f&uuml;r die Armen zu tun.<\/strong><\/p><p>Als &Ouml;ffentlicher Soziologe ist es mir wichtig, mich zu Themen zu &auml;u&szlig;ern, die sich nicht in einer Tagesaktualit&auml;t ersch&ouml;pfen. Die Tafeln habe ich eher zuf&auml;llig als Thema &bdquo;entdeckt&ldquo; &ndash; das war 2006. Nachdem ich eine Tafel ein Jahr lang intensiv vor Ort begleitet hatte, wurden mir immer mehr die systematischen Nebeneffekte des Tafelwesens bewusst. F&uuml;r mich sind die Tafeln damit zu einer &bdquo;Signatur der Gegenwartsgesellschaft&ldquo; geworden. <\/p><p>Nach dem Perspektivwechsel vom Lokalen zum Strukturellen war ein weiterer wichtiger Wendepunkt der Wechsel von der Helfer- zur Nutzerperspektive. Diese nehme ich seit circa 2010 konsequent ein. Auch, um denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht geh&ouml;rt werden. Womit wir wieder bei der Aufgabe &Ouml;ffentlicher Soziologie w&auml;ren.<\/p><p>Die Tafeln sind letztlich nur der Prototyp von Institutionen, die den Zeitgeist perfekt verk&ouml;rpern. Meine Tafelkritik habe ich daher immer als exemplarische Gesellschaftskritik verstanden. Und diese Kritik zielt im Kern immer darauf ab, Systeme der Entmenschlichung zu demaskieren. <\/p><p><strong>Was ist denn entmenschlichend daran, wenn jemand, der zu wenig Geld zum Leben und also auch Essenkaufen hat, selbiges dann geschenkt bekommt? Was genau ist das Problem?<\/strong><\/p><p>Probleme gibt es auf mehreren Ebenen. Zum einen wird beim Nachdenken &uuml;ber die Tafeln schnell klar, dass wir in einer Zwei-Klassen-Konsumgesellschaft leben. Armutshandel oder Armuts&ouml;konomie bedeutet ja, dass reiche Konsumenten sich ihren Konsum auf dem R&uuml;cken von armen Konsumenten leisten. Die Textilbranche ist ein Beispiel daf&uuml;r, aber auch das Almosenwesen bei den Tafeln, die die Reste des 1. Konsummarktes einfach weitergeben. Das sind ja Waren, die f&uuml;r die &bdquo;Konsumenten 1. Klasse&ldquo; nicht mehr gut genug sind und dann &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gig&ldquo; an die &bdquo;Konsumenten 2. Klasse&ldquo; gespendet werden. <\/p><p>Zum anderen ist das System selbst ein Problem: Die Tafeln haben sich als &bdquo;Un-Orte&ldquo; mitten in der Gesellschaft platziert und verstetigt. Sie wurden zu einem sozialen Platzanweiser: Wer zu Tafeln geht, der hat ein Problem. Zu dieser &bdquo;individualisierten&ldquo; Schuldzuweisung kommt aber noch ein anderer Aspekt: Die Tafeln schaffen durch die pure Dauer ihrer Existenz &ndash; immerhin schon &uuml;ber 20 Jahre &ndash; einen neuen Typus von Sozialraum. In dieser &bdquo;Zone&ldquo; sammeln sich die Ausgeschlossenen, die Entkoppelten, die &Uuml;berfl&uuml;ssigen, dort sind sie gemeinsam ausgeschlossen. Es handelt sich also keineswegs um eine soziale Utopie, wie etwa Kathrin G&ouml;ring-Eckardt meint, sondern eine Parallelwelt, eine sich verfestigende Dystopie. Und in dieser haben die, die &bdquo;geben&ldquo;, alleinige Macht, w&auml;hrend jene, die blo&szlig; &bdquo;empfangen&ldquo;, letztlich die Ohnm&auml;chtigen sind. Es gibt also strukturelle, zeitliche, sozialr&auml;umliche und situative Elemente der Entmenschlichung &ndash; verstanden als etwas, das auf Dauer und irreversibel die Grund- und Menschenrechte aush&ouml;hlt. Wenn die steigende Zahl der Tafelnutzer &ndash; ca. 1 Million 2008 und 1,5 Millionen 2015 &ndash; inzwischen als &bdquo;Erfolg&ldquo; des Systems gewertet wird, dann stehen die Verh&auml;ltnisse doch komplett auf dem Kopf. <\/p><p><strong>Und wie wirkt derlei Lebenspraxis sich aus, was macht sie mit den Betroffenen? Sie sind ja selbst immer wieder bei Tafeln und also mit deren &bdquo;Nutzern&ldquo; bestens vertraut&hellip;<\/strong><\/p><p>Menschen sind &ndash; in Abh&auml;ngigkeit von der Dauer der Nutzung des Tafelsystems &ndash; unterschiedlich von dieser Entmenschlichung betroffen. &Uuml;ber die Zeiteffekte wissen wir noch zu wenig. Fest steht aber, dass die Nutzung der Tafeln mit einer fast bodenlosen Scham einhergeht. Nicht umsonst verschweigen fast alle meine Gespr&auml;chspartner selbst in ihrem nahen sozialem Umfeld und teils auch in der eigenen Familie die Nutzung der Tafeln. <\/p><p>Die Wirkung der Tafeln ist &uuml;berhaupt nicht zu verstehen, wenn man nur einmalige Situationen der Lebensmittelausgabe in den Blick nimmt. Erst, wenn man dar&uuml;ber nachdenkt, was durch die best&auml;ndige Wiederholung solcher Situationen und also Dem&uuml;tigungen entsteht, merkt man, dass sich das Schamgef&uuml;hl tief in die Psyche der Menschen eingr&auml;bt &ndash; als Selbstabwertung, Selbsthass und mehr. Und dass es die Tafelnutzer zudem gleichzeitig tendenziell zu Abh&auml;ngigen eines fremdbestimmten Versorgungsystems macht, also das Gegenteil von Emanzipation oder Ver&auml;nderung forciert.<\/p><p>Und wir sind &uuml;berhaupt nicht f&auml;hig, diese Entwicklung und deren Folgen f&uuml;r Psyche, Gesundheit und letztlich Gesellschaft ehrlich und angemessen zu bilanzieren. Neben den &bdquo;Gewinnen&ldquo; &ndash; erhaltene Lebensmittel also etwa &ndash; gibt es immer auch &bdquo;Verluste&ldquo; in Form von zus&auml;tzlichen Belastungen, f&uuml;r die wir kaum ein Gef&uuml;hl, kaum eine Sprache haben. Das Erhaltene wiegt das Erlebte dabei nicht unbedingt auf. <\/p><p><strong>Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie die Tafeln in Ihrem Buch als &bdquo;Orte unterschwelliger Gewalt&ldquo; skizzieren &ndash; oder geht diese Beschreibung noch dar&uuml;ber hinaus?<\/strong><\/p><p>Soziologen haben einen umfassenden Begriff von Gewalt, der weit &uuml;ber k&ouml;rperliche Gewaltanwendung hinausgeht. Tafeln sind zum Beispiel Orte <em>symbolischer<\/em> Gewalt, weil sie wie mit sozialer Signalfarbe angestrichen wirken und damit verdeutlichen, auf welcher Stufe der Gesellschaft man angekommen ist. Sie sind zudem Orte <em>struktureller<\/em> Gewalt, weil Macht und Ohnmacht sich gegen&uuml;berstehen: Hilfe wird ja auch bei den Tafeln nicht bedingungslos gew&auml;hrt, sondern ist an offensichtliche &ndash; Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung &ndash; oder latente &ndash; Dankbarkeitspflicht &ndash; Bedingungen gebunden. Auch kommt es zwischen den Nutzern zu einer Art &bdquo;Konkurrenz um die Reste&ldquo;, die den letzten Rest W&uuml;rde dieser Menschen bedroht, einfach weil sie hier in eine Zwangslage gebracht werden, die sich gar nicht gerecht aufl&ouml;sen l&auml;sst.<\/p><p><strong>Manch einer wird, wenn er uns so &uuml;ber Armut und Scham und Ohnmacht sprechen h&ouml;rt, sicher einwenden, es g&auml;be ja gar keine wirkliche Armut im Lande, niemand m&uuml;sse wirklich Hunger leiden und bei den Verh&auml;ltnissen in der sogenannten 3. Welt solle man nicht so viel Jammern etc. Was erwidern Sie hier?<\/strong><\/p><p>Diese Relativierung bringt nicht viel. Armut l&auml;sst sich nur unzureichend in blanken Kennziffern abbilden. Wie bei allen qualitativen Dimensionen des Lebens braucht es dazu vor allem Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen. <\/p><p>Menschen sind &bdquo;differenzempfindliche Wesen&ldquo;, wie Georg Simmel es nennt, und der <em>soziale<\/em> Vergleich zu Bezugsgruppen ist daher wesentlicher als jede Prozentrechnung oder -zahl.<br>\nNoch ein Argument gegen die reine Vermessung der Armut: Was sich in unserer Gesellschaft ver&auml;ndert hat, ist nicht allein die Armut, sondern auch und vor allem die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit#Abwertung_von_Langzeitarbeitslosen\">Bewertung der Armen<\/a>.<\/p><p>Mit &bdquo;Hartz IV&ldquo; haben wir zudem ein kollektives Stigma erschaffen, dass beispiellos ist und Menschen unter fast grenzenlosen Kollektivverdacht stellt. Das hat mit Jammern nichts zu tun, da geht es um knallharte Diskriminierung. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ujTY7HAhWRk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Stefan Selke: &bdquo;Schamland: Die Armut mitten unter uns&rdquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>W&uuml;rden Sie sagen, dass die Tafeln sozusagen Ausdruck daf&uuml;r sind, dass der Kampf gegen Armut staatlicherseits l&auml;ngst aufgegeben wurde und diese L&uuml;cke nun mehr und mehr von freiwilligen und barmherzigen Almosensystemen geschlossen wird?<\/strong><\/p><p>Wir wissen aus den USA und aus Gro&szlig;britannien, dass solche Systeme &ndash; wie &uuml;brigens auch die Sanktionen im Bereich von Hartz-IV &ndash; in die staatliche Sozialpolitik einkalkuliert werden. Dadurch geschieht etwas Schlimmes. Denn erstens wird damit freiwilliges Engagement instrumentalisiert. Und zweitens wird damit der Wert der Freiwilligkeit selbst korrumpiert: Wenn wir zunehmend in einer &bdquo;Freiwilligengesellschaft&ldquo; leben, in der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger L&uuml;ckenb&uuml;&szlig;erfunktionen f&uuml;r staatlicherseits eingestellte allgemeine und nachhaltige Unterst&uuml;tzungen &uuml;bernehmen, dann gew&ouml;hnen wir uns mehr und mehr an einen Zustand, der alles andere als dem sozialen Zusammenhalt zutr&auml;glich ist. Auch das ist wieder eine Diagnose, die erst mit dem Blick auf die Dauerhaftigkeit des Grundzustandes verst&auml;ndlich wird.<\/p><p><strong>Das allein scheint mir dennoch nicht den Boom der Tafeln, aber auch jenen von 1-Euro-Shops und vielem anderen im Lande zu erkl&auml;ren. Vielmehr sieht es so aus, als h&auml;tte der Markt die Armen und ihre Armut sozusagen als Gesch&auml;ftsmodell entdeckt. Kann das wohl sein?<\/strong><\/p><p>Die Grundierung durch Zynismus, der in der Behauptung liegt, dass es empirisch gesehen schon immer Armut gab und immer geben wird, bekommt aktuell eine neoliberale Neu-Lackierung. Und zwar, indem man, ganz wie Sie sagen, zunehmend entdeckt, dass diese Armut ja auch die Grundlage f&uuml;r neue Gesch&auml;ftsmodelle sein kann &ndash; gerade weil sie einfach freiwillig abtreten zu wollen scheint. <\/p><p>Und, ja: Um das Ph&auml;nomen Armut l&auml;sst sich eine ganze Wertsch&ouml;pfungskette installieren und sie wird wohl gerade auch installiert. Angefangen bei mit Steuergeldern bezahlten Besch&auml;ftigungs- und Weiterbildungsangeboten, weiter &uuml;ber einen eigenen Billigsegmentmarkt f&uuml;r Arme in immer mehr Bereichen &ndash; Lebensmittel, Kleidung, Dienstleistungen etc. &ndash; bis hin zu der Veredelung der Armut durch moralische Unternehmen innerhalb der Armuts&ouml;konomie.<\/p><p><strong>Sie meinen, da wird richtig Geld verdient &ndash; auch mit den Tafeln? Wie denn konkret? Wie funktioniert sozusagen &bdquo;das System&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Innerhalb der Armuts&ouml;konomie lassen sich zwei M&auml;rkte unterscheiden. Erstens der Markt, in dem direkt Umsatz mit Armen gemacht wird &ndash; hieran sind auch alle Wohlfahrtsverb&auml;nde beteiligt, die Armut geradezu f&uuml;r ihre Existenz voraussetzen m&uuml;ssen. <\/p><p>Zweitens moralische M&auml;rkte, die ein gutes Gef&uuml;hl und symbolische Reputation f&uuml;r Dritte vermarkten. Die Tafeln sind dabei der Prototyp solcher moralischen Unternehmen. Sie lassen sich von Industriepartnern sponsern und offerieren diesen im Gegenzug den Schein von Moralit&auml;t. Die Unternehmen k&ouml;nnen diese Moralit&auml;t dann in ihre M&auml;rkte und bei ihren Kunden in unterschiedlicher Form &ndash; direkt oder indirekt &ndash; wieder zu Profit machen. In moralischen Unternehmen wird quasi &bdquo;&uuml;ber Bande&ldquo; gespielt, frei nach der Devise: &bdquo;Wir sind gerecht, kauft am besten bei uns.&ldquo;<\/p><p><strong>Und all das erkennen aber nur wenige Betroffene? Will sagen: Gibt es denn bei und an den Tafeln nicht immer auch Kritik?<\/strong> <\/p><p>Was die Betroffenen erkennen, wissen wir nicht, weil sie keine Lobby haben. Anders &uuml;brigens als die ehrenamtlichen Helfer, denen man gerne zuh&ouml;rt &ndash; denn sie produzieren ja Moralit&auml;t. Kritik gibt es jedoch &uuml;berall. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/81NPeF37jOM\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Podiumsdiskussion: &ldquo;Alternativen zur Vertafelung der Gesellschaft&rdquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Die Gr&uuml;nderin der ersten Tafel, Sabine Werth, kritisiert inzwischen selbst Aspekte der Tafeln &ndash; wie etwa den Zukauf von Lebensmitteln -, und auch ehemalige Tafelhelfer geben sich kritisch. Und im <a href=\"http:\/\/www.aktionsbuendnis20.de\/\">&bdquo;Kritischen Aktionsb&uuml;ndnis 20 Jahre Tafeln&ldquo;<\/a> haben sich nun alle m&ouml;glichen Kritiker &ndash; auch aus den Reihen der Wohlfahrtsverb&auml;nde &ndash; zusammengeschlossen und geben der Kritik hierdurch mehr Gewicht. <\/p><p>Was all das aber nicht ausrichten kann, ist, den Zeitgeist zu verscheuchen, der nur das Gute und Hilfreiche an den Tafeln sehen will. Vielleicht m&uuml;ssen wir erst weitere &bdquo;Jubil&auml;en&ldquo; erleben &ndash; 2018: 25 Jahre Tafeln! -, um zu begreifen, dass sich schleichend eine soziale Katastrophe mitten unter uns entwickelt hat. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Stefan Selke<\/strong> ist Professor f&uuml;r Soziologie und gesellschaftlichen Wandel an der Fakult&auml;t Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft der Hochschule f&uuml;r Angewandte Wissenschaften Furtwangen im Schwarzwald. Als Buchautor, Publizist und &ouml;ffentlicher Soziologe wurde Stefan Selke zum zentralen Kritiker der sogenannten &bdquo;Tafelbewegung&ldquo; in Deutschland. In seinem <a href=\"http:\/\/stefan-selke.tumblr.com\/\">Blog &bdquo;Stabile Seitenlage&ldquo;<\/a> &auml;u&szlig;ert sich Selke regelm&auml;&szlig;ig zum gesellschaftlichen Wandel.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><p>Hintergrund: <a href=\"http:\/\/www.tafel.de\/die-tafeln\/zahlen-fakten.html\">&bdquo;Zahlen &amp; Fakten&ldquo; zu den Tafeln vom Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V.<\/a><br>\nInterview: <a href=\"http:\/\/www.spreezeitung.de\/5689\/tafeln-sind-weder-sozial-noch-nachhaltig\/\">&bdquo;Tafeln sind weder sozial noch nachhaltig&ldquo;<\/a><br>\nArtikel: <a href=\"http:\/\/www.prager-fruehling-magazin.de\/de\/article\/955.armut-darf-keine-ware-werden.html\">&bdquo;Armut darf keine Ware werden. 20 Jahre Tafeln in Deutschland und die Folgen&ldquo;<\/a><br>\nArtikel: <a href=\"http:\/\/schnake.square7.ch\/wp\/?p=3778\">&bdquo;Die Scham geht wenn der Hunger kommt&ldquo;<\/a><br>\nArtikel: <a href=\"http:\/\/schnake.square7.ch\/wp\/?p=4128\">&bdquo;Da wird mir schlecht&ldquo;<\/a><br>\nArtikel: <a href=\"http:\/\/schnake.square7.ch\/wp\/?p=9390\">&bdquo;Am Rand der Gesellschaft&ldquo;<\/a><br>\nArtikel: <a href=\"http:\/\/schnake.square7.ch\/wp\/?p=11046\">&bdquo;Hartz IV: Ten Years after. Von Resignation und schlechtem Essen &ndash; der Alltag in der neuen Armut&ldquo;<\/a><br>\nPodcast: <a href=\"http:\/\/schnake.square7.ch\/wp\/?p=4867\">&bdquo;Stefan Selke &uuml;ber die Tafeln&ldquo;<\/a> <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/629dfa4f991c498c8e300c94a64e9ac8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150904_selke.jpg\" alt=\"Stefan Selke\" title=\"Stefan Selke\"\/><\/div>\n<p>Die Armut im Land steigt weiter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/armutsbericht-deutschland-zerfaellt-in-arm-und-reich-a-1019315.html\">rasant an<\/a>. Anstatt hiergegen jedoch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26257\">wirksam vorzugehen<\/a>, werden die bestehenden Verh&auml;ltnisse entweder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1946\">geleugnet<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nordbayern.de\/ressorts\/armut-wird-schon-geredet-1.739120\/kommentare-7.538894\">sch&ouml;n geredet<\/a> oder einfach so organisiert, dass die Armen sich f&uuml;r ihre Armut auch ja selbst verantwortlich f&uuml;hlen und der unsichtbaren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27438\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,146,132,154],"tags":[882,1558,308,890,1511,636,291],"class_list":["post-27438","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-soziale-gerechtigkeit","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wichtige-debatten","tag-armutsgefaehrdung","tag-armutsindustrie","tag-existenzminimum","tag-menschenwuerde","tag-selke-stefan","tag-tafeln","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27438"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120358,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27438\/revisions\/120358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}