{"id":27511,"date":"2015-09-10T13:40:40","date_gmt":"2015-09-10T11:40:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27511"},"modified":"2019-06-02T11:25:10","modified_gmt":"2019-06-02T09:25:10","slug":"werner-ruegemer-antwortet-auf-die-kritik-von-kai-ruhsert-an-europa-im-visier-der-supermacht-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27511","title":{"rendered":"Werner R\u00fcgemer antwortet auf die Kritik von Kai Ruhsert an \u201eEuropa im Visier der Supermacht USA\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. September 2015 brachten die NDS <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27465\">Kai Ruhserts Kritik<\/a> an Werner R&uuml;gemers Vortrag beim Pleisweiler Gespr&auml;ch. Jetzt antwortet Werner R&uuml;gemer. Wir stellen auch diesen Text ohne Kommentierung ein. Sie enth&auml;lt etwa in der Mitte allerdings eine Bedingung zur Fortsetzung des Disputs. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Dr. Werner R&uuml;gemer an Kai Ruhsert am 9.9.2015:<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Ruhsert,<\/p><p>Sie verteidigen das M&auml;rchen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine Organisation sind, die durch Kriege und Beteiligung an (Welt)Kriegen und durch Kreditvergabe und Investitionen anderen, zum Beispiel Deutschland und Europa, etwas Gutes tun will. Sie liegen mit Ihren Behauptungen und Ihren biederen  &amp; befangenen Quellen neben der umfangreichen, faktenreichen Forschung, die vor allem in den USA schon in den 1950er bis 1990er Jahren und dann wieder verst&auml;rkt im Laufe des letzten Jahrzehnts gemacht wurde. Schauen Sie sich beispielsweise die Literaturliste an in Panitch \/ Gindin: The Making of Global Capitalism. The Political Economy of American Empire. Ein aktuelles Nachschlagewerk zum M&auml;rchen vom guten Uncle Sam ist in deutscher Sprache z.B. &bdquo;Die Weltbeherrscher&ldquo; von Armin Wertz, der die (Un)Taten seitens des Komplexes USA seit Staatsgr&uuml;ndung im 18. Jahrhundert chronologisch Jahr f&uuml;r Jahr auflistet. Schauen Sie z.B. auch mal bei Autoren rein wie Anthony Sampson, Christopher Simpson, Ron Chernow, Ben Urwand, Adam Tooze, Adam Lebor, Anthony Sutton, Edwin Black, Gabriel Kolko, Jacques Pauwels, Charles Higham sowie deren Literaturlisten. Von diesen und weiteren Autoren werden auch Archive der US-, britischen, deutschen, franz&ouml;sischen usw. Regierungen\/Ministerien und von US-Pr&auml;sidenten ausgewertet, Archive des American Red Cross. Lesenswert auch die faktenreichen, unbek&uuml;mmerten Selbstdarstellungen, Tageb&uuml;cher und die Biografien von Beteiligten wie den Dulles-Br&uuml;dern, Averell Harriman und Henry Morgenthau.<\/p><p><strong>Gro&szlig;britannien als Hauptkreditgeber der Alliierten im 1. Weltkrieg?<\/strong><\/p><p>Herr Ruhsert, Sie behaupten: Nicht die USA, sondern Gro&szlig;britannien sei der Hauptkreditgeber der Alliierten gewesen. Da bleiben Sie an der Oberfl&auml;che. Richtig ist: Wall Street &uuml;berlie&szlig; (&bdquo;special relationship&ldquo;) das Management der Kreditvergabe an die Alliierten gro&szlig;enteils der City of London. Sie hatte etablierte Beziehungen und wollte mitverdienen. Aber die Kredite, die aus London nach Frankreich usw. vergeben wurden, wurden durch Kredite in New York refinanziert.  Barclays Bank, Westminster Bank, Lazard Brothers usw. waren also selbst in den USA bei Morgan, Chase Manhattan, Kuhn Loeb, Dillon Reed, Lee Higginson, Goldman Sachs usw. verschuldet.<br>\nDadurch wurden die USA real vom gr&ouml;&szlig;ten Schuldnerstaat vor dem Krieg zum gr&ouml;&szlig;ten Gl&auml;ubigerstaat nach dem Krieg. Und Gro&szlig;britannien, Frankreich, Italien, Belgien und weitere Staaten waren im Krieg und danach real bei den USA verschuldet, dann auch Deutschland.<br>\nDas Schuldenmanagement ging nach dem Krieg deshalb auf die USA &uuml;ber. Sie richteten 1924 &ndash; 1930 in Berlin die mit hundert Mitarbeitern ausgestattete Stelle des Reparations-Generalagenten ein. Er &uuml;berpr&uuml;fte die Zahlungs- und Devisenfl&uuml;sse. Er dr&auml;ngte u.a. bei der Reichsregierung auf K&uuml;rzung der Staatsausgaben. (vergleichbar der heutigen Troika f&uuml;r Griechenland)<br>\nAls Kenner der britischen Verschuldung haben Sie, Herr Ruhsert, sicher folgendes mitbekommen: 2015 zahlte Gro&szlig;britannien eine Anleihe zur&uuml;ck, die 1932 an 120.000 Anleger verkauft worden war, und zwar um Kredite aus dem 1. Weltkrieg in den USA zur&uuml;ckzuzahlen. Das brachte den Anlegern bzw. ihren Erben heute 2,9 Mrd. Euro ein. Sie sehen, der von Ihnen bestrittene Mechanismus &ndash; Refinanzierung britischer Weltkriegskredite in den USA &ndash; wirkt noch heute. <\/p><p><strong>Warum traten die USA milit&auml;risch in den Krieg ein?<\/strong><\/p><p>Die USA traten als Finanzier und Lieferant von Kriegsmaterial ab 1914 in den Krieg ein. Auch die Regierung von Pr&auml;sident Woodrow Wilson wusste, dass dies ein Kriegseintritt war. Er fand aber, um entsprechende Gesetze zu umgehen, in Absprache mit der Wall Street die Formel: Die Kredite f&ouml;rdern den internationalen Handel.<br>\nDie Kredite waren mit der Auflage verbunden, das Kriegsmaterial, die Dosennahrung usw. in den USA zu kaufen. Krieg ist ein gutes Gesch&auml;ft, und der 1. Weltkrieg entwickelte sich zum bisher weitaus besten Gesch&auml;ft der US-Wirtschaft &uuml;berhaupt. Das wurde auch politisch genutzt, denn vor dem Krieg waren die USA in einer Wirtschaftskrise, die damit (f&uuml;r ein paar Jahre) &bdquo;gel&ouml;st&ldquo; wurde, Arbeitspl&auml;tze wurden geschaffen.  Und das Gesch&auml;ft sollte m&ouml;glichst lange dauern, das liegt doch f&uuml;r moralisch indifferente Banker und Industrielle nahe. Oder machen die in den USA hier eine Ausnahme?<br>\nWarum sind die USA milit&auml;risch erst 1917 in den Krieg eingetreten? Herr Ruhsert, Sie argumentieren, die USA seien vorher eben nicht vorbereitet gewesen. Das stimmt nat&uuml;rlich, aber dazu hatten sie ja auch keinen Grund, der Krieg lief aus US-Sicht bestens. Aber die urpl&ouml;tzlich aus dem Boden gestampfte Mobilisierung 1917 von &uuml;ber einer Million Soldaten und der dazugeh&ouml;rigen Infra- und transatlantischen Transportstruktur &ndash; Regierung, Verwaltung, Milit&auml;r, Banken, Unternehmen, Medien &ndash; zeigt die F&auml;higkeit der USA, wie schnell das gehen kann, wenn der Wille da ist. Das war wieder ein gro&szlig;es Gesch&auml;ft. Siehe auch die kurzfristig aufgebaute Propaganda-Beh&ouml;rde Committee on Public Information, CPI (Creel commission), die die pazifistische Mehrheitsstimmung der Bev&ouml;lkerung mit gigantischem Aufwand kippen sollte.<br>\nAber dann m&uuml;ssen Sie erkl&auml;ren, warum die USA auch noch milit&auml;risch in den Krieg eingegriffen haben. Denn die USA waren in keiner Weise bedroht, es ging also nicht um die vielbeschworene &bdquo;nationale Sicherheit&ldquo;. Es ging also um etwas anderes.<br>\nDemokratie und Frieden k&ouml;nnen die Gr&uuml;nde nicht gewesen sein. Seit Pr&auml;sident Theodor Roosevelt und auch unter Wilson verletzten die USA w&auml;hrend ihrer kriegerischen und Kapital-Expansion in ihrem Hinterhof und auf den Philippinen usw. st&auml;ndig Demokratie und Frieden, z.B. 1915\/16 in Mexiko.<br>\nWilson hatte 1916 erkl&auml;rt, dass ein &bdquo;Friede der Ersch&ouml;pfung&ldquo; zwischen den europ&auml;ischen Kriegsgegnern, also ein Kriegsende ohne Sieger und ohne Verlierer, das Beste f&uuml;r eine anschlie&szlig;ende Friedensordnung sei. Das war richtig. Es wurde aber nicht danach gehandelt. Sonst w&auml;re das Gesch&auml;ft zu Ende gewesen.<br>\nDie USA subventionierten auch deshalb z.B. die &Uuml;bergangs-Regierung in Russland, damit das ersch&ouml;pfte Zarenreich nicht aus dem Krieg ausstieg.<br>\nDass Russland unter Lenin und Trotzki dann tats&auml;chlich aus dem Krieg ausstieg, passte den USA auch wieder nicht, weswegen US- und alliierte Truppen milit&auml;risch in Russland einfielen und den Krieg nochmals verl&auml;ngerten. Und die bisherigen Kriegsfinanziers Morgan und National City Bank finanzierten in Russland dann auch die Konterrevolution etwa des Admirals Koltschak.<\/p><p><strong>Versailler Vertrag<\/strong><\/p><p>Sie f&uuml;hren an, Herr Ruhsert: &bdquo;Auch die durch den Versailler Friedensvertrag erfolgte &sbquo;Bestrafung&lsquo; Deutschlands, auf der vor allem Frankreich bestand, widersprach dem Grundsatz der Selbstbestimmung, denn Deutschland war mittlerweile demokratisiert worden, auch deshalb, weil man so &ndash; auf die 14 Punkte Wilsons vertrauend &ndash; g&uuml;nstigere Friedensbedingungen erhoffte.&ldquo; Wer hoffte da was genau? W&auml;re es nach dem Willen der USA gegangen, h&auml;tte es den Versailler Vertrag so nicht gegeben, sagen Sie.<br>\nDie USA als Siegermacht des 1. Weltkriegs leiteten mit Pr&auml;sident Wilson pers&ouml;nlich und der gr&ouml;&szlig;ten Delegation zwar die Versailler Verhandlungen. Sie haben aber das Ergebnis nicht ratifiziert. Sie sind nicht Mitglied des V&ouml;lkerbundes geworden (den sie selbst vorgeschlagen hatten), sie traten nicht dem Internationalen Gerichtshof bei (sp&auml;ter erst mit Vorbehalten, die eine Verurteilung der USA unm&ouml;glich machten), sie schlossen nach dem Friedens- und Reparations-Vertrag separate Friedens- und Kreditvertr&auml;ge mit allen einzelnen Staaten ab, so auch mit Deutschland.<br>\nDie USA wollten sich keiner internationalen Institution eingliedern, sondern bauten weiter z.B. mit Dawes- und Young-Plan in Deutschland ihr eigenes Instrumentarium aus, neben ihren &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo;. Sie haben auch damit nicht eine Friedensordnung in Europa gef&ouml;rdert.<br>\nDemokratisierung haben die USA nach dem Krieg als Argument genutzt, um Druck auszu&uuml;ben, wo es gerade passte, vor allem in Deutschland. Sie haben aber gleichzeitig auf Demokratie gepfiffen, wenn ihnen ein faschistischer Diktator wie Mussolini und Franco als sichere Alternative gegen&uuml;ber der &bdquo;roten Gefahr&ldquo; erschien. Und auch die US-Delegation in Versailles hat die Kolonien der Verb&uuml;ndeten Frankreich und Gro&szlig;britannien gegen anderslautende Vorschl&auml;ge gesch&uuml;tzt und die dort f&uuml;r nationale Selbstbestimmung  k&auml;mpfenden Befreiungsbewegungen abgewiesen.<\/p><p><strong>Waren die Wall Street-Kredite ein Verlustgesch&auml;ft?<\/strong><\/p><p>Herr Ruhsert, Sie sagen, dass die Verb&uuml;ndeten und auch Deutschland ihre Schulden bei den USA nicht, jedenfalls nur zu kleinem Teil zur&uuml;ckgezahlt haben und dass die USA deshalb am 1. Weltkrieg doch nicht verdient haben.<br>\nRichtig: Die Schulden wurden gro&szlig;enteils nicht zur&uuml;ckgezahlt. &bdquo;Die USA&ldquo; haben so nicht viel verdient. Aber bestimmte Leute in den USA haben sehr wohl viel verdient: Die US-Unternehmen bekamen ihre Kriegslieferungen voll bezahlt. Die Banken wurden nach dem Crash an der Wall Street (&bdquo;Schwarzer Freitag&ldquo;) staatlich gerettet. Anleger, denen die Wall Street Anleihen f&uuml;r Deutschland verkauft hatten, gingen leer aus. Verluste wurden also auf Anleger und Steuerzahler &uuml;berw&auml;lzt. Das ist nun wirklich nix Neues.<br>\nEine solche Verlust-&Uuml;berw&auml;lzung ist auch an der oben genannten, 2015 erfolgten R&uuml;ckzahlung der britischen Anleihe von 1932 zu erkennen: Die 2,9 Mrd. Euro fehlen nun im Staatshaushalt 2015, weswegen die Vasallen-Regierung von David Cameron einen weiteren Grund hat, um bei den Sozialausgaben noch weiter zu k&uuml;rzen<\/p><p><strong>K&ouml;ln als Opfer der Wall Street?<\/strong><\/p><p>Herr Ruhsert, Sie bem&uuml;hen &bdquo;notwendige&ldquo; Kredite f&uuml;r die Renommierprojekte des K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeisters Konrad Adenauer, anders seien sie eben nicht finanzierbar gewesen. Das sei doch gut gewesen, und noch heute ehren &bdquo;die K&ouml;lner&ldquo;, wie Sie behaupten, ihren &bdquo;erfolgreichsten Oberb&uuml;rgermeister&ldquo;.<br>\nNun ja, er war erfolgreich, er sicherte sich 1929 damit seine Wiederwahl. Es gibt solche K&ouml;lner, die ihn immer noch ehren, ich kenne sie. Wenn die Wall Street-Banken damals dann den Anlegern, denen sie die Anleihen verkauft hatten, mitteilen mussten &bdquo;&Auml;tsch, die b&ouml;sen Deutschen zahlen nicht zur&uuml;ck&ldquo;, dann machte das den Bankern genauso wenig aus wie dem K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeister.<br>\nBei jedem Kredit hat irgendwer immer einen Vorteil, auch wenn er nicht zur&uuml;ckgezahlt werden kann, wie jetzt z.B. in Griechenland und der Ukraine.<br>\n&bdquo;Erfolg&ldquo; nach Ihrem Muster, Herr Ruhsert, ist es also, wenn die Kollateralsch&auml;den auf andere, die mit der Kreditvergabe nichts zu tun haben, abgew&auml;lzt werden.<br>\nK&ouml;ln ist also kein &bdquo;Opfer der Wall Street&ldquo;, sondern erst mit dem christlichen Komplizen Adenauer wird das Bild vollst&auml;ndig. Der Mitt&auml;ter war &uuml;brigens nicht nur K&ouml;lns Oberb&uuml;rgermeister, sondern auch Pr&auml;sident des Preu&szlig;ischen Staatsrats und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, die die Renommierprojekte ebenfalls mitkreditiert hatte.<br>\nAdenauer hatte auch pers&ouml;nliche Kontakte zur Wall Street. John McCloy von der Wall Street-dominierten Weltbank wurde auch deshalb 1949-1952 Hochkommissar f&uuml;r die von ihm beaufsichtigte Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik, deren Bundeskanzler Adenauer werden durfte. Der hatte an der Wall Street Schulden gemacht und nicht zur&uuml;ckgezahlt und war Wachs in den H&auml;nden seines m&auml;chtigen Freundes &bdquo;Jack&ldquo;, wie er den Hochkommissar liebevoll nennen durfte. Nach Beendigung seiner Aufgabe in Deutschland wurde McCloy Chef der Chase Manhattan Bank.<\/p><p><strong>Hat die Wall Street  Hitlers Aufstieg mitfinanziert?<\/strong><\/p><p>Sie haben recht, wenn Sie anmerken, dass auf Initiative der USA das Deutsche Reich schon vor Hitler schrittweise Schulden nicht mehr r&uuml;ckzahlen musste, und dass die Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, Bank for International Settlements) von der Wall Street mit den europ&auml;ischen Zentralbanken und der japanischen Zentralbank schon vor 1933 gegr&uuml;ndet wurde. Ich habe in meinem Vortrag das Gr&uuml;ndungsjahr genannt: 1930. Richtig ist: Hitler war noch nicht an der Regierung.<br>\nDie Feinheit, die Sie &uuml;bersehen, besteht in folgendem: Mit dem Hoover-Schulden-Moratorium (1930\/31) und der nachfolgenden Verl&auml;ngerung wurde die R&uuml;ckzahlung f&uuml;r das Deutsche Reich ausgesetzt, aber nicht erlassen, sondern bis 1986 gestreckt. Zu dieser langfristigen Abwicklung wurde ja die BIZ gegr&uuml;ndet: Was h&auml;tte sie sonst f&uuml;r einen Sinn gehabt (zun&auml;chst)? Erst Hitler hat definitiv gesagt: Deutschland anerkennt auch diese Schuldenstreckung nicht, es werden niemals Reparationen gezahlt.<br>\nSo stellt die BIZ die Fortsetzung des Young-Plans, des Hoover-Moratoriums und der R&uuml;ckzahlungs-Streckung dar. Bekanntlich hat die nach 1945 gegr&uuml;ndete Bundesrepublik Deutschland die Verpflichtungen wieder anerkennen m&uuml;ssen, als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches. Auf Initiative der USA wurden sie allerdings noch weiter reduziert und gestreckt, der Zins noch weiter abgesenkt, sodass die BRD 2010 ziemlich unbemerkt die letzte kleine Zahlung geleistet hat.<br>\nSo hat also die BIZ nicht den Aufstieg Hitlers finanziert, wie Sie mir als Aussage unterstellen. Den Aufstieg haben bekanntlich Henry Ford und andere aus den USA, vor allem aus Deutschland, aus der Schweiz usw. finanziert, also Personen aus der damaligen transatlantischen kapitalistischen Klasse.<br>\nDie wichtige, ganz andere Funktion &uuml;bernahm die BIZ mit Sitz in der &bdquo;neutralen&ldquo; Schweiz erst mit Beginn des 2. Weltkriegs. Sie &uuml;bernahm einen wichtigen Teil an der Finanzierung der Hitler&rsquo;schen Kriegsf&uuml;hrung, durch Raubgoldw&auml;sche, Devisenbeschaffung. Chef der Bank war der Wall Street-Banker Thomas McKittrick, von 1940 bis 1945. <\/p><p><strong>Amerikanische Investitionen als fr&uuml;he Form der Besatzung?<\/strong><\/p><p>Sie sagen, Herr Ruhsert, ich lie&szlig;e die zahlreichen Unternehmensaufk&auml;ufe und die Gr&uuml;ndung von Niederlassungen durch US-Konzerne &bdquo;in einem schlechten Lichte&ldquo; erscheinen. Und dies sei eine Kritik, die in der Tradition &bdquo;nationalsozialistischer Publizistik und auch linksradikaler Seite&ldquo; stehe. Da haben Sie ja freih&auml;ndig ein widerliches Querfront-Klischee zu Hilfe geholt! Ihre Denunziation l&auml;sst Sie selbst in einem &bdquo;schlechten Licht&ldquo; erscheinen. Ich f&auml;nde es anst&auml;ndig, wenn Sie sie zur&uuml;cknehmen. Ich mache das zur Bedingung daf&uuml;r, ob ich die Diskussion mit Ihnen weiterf&uuml;hre, falls sie sich ergeben sollte.<br>\nDie US-Investitionen in Deutschland w&auml;hrend der Weimarer Republik in Verbindung mit dem Dawes-Kredit-Plan (1925) dienten der Ausweitung US-amerikanischen Privateigentums und Marktes. Sie waren mit g&uuml;nstigen Bedingungen verbunden, z.B. Steuererleichterungen. Das ist zwar keine &bdquo;Besatzung&ldquo;, wie Sie mir unterstellen. US-Eigentum im Ausland soll aber bekanntlich nicht diesem Ausland &bdquo;helfen&ldquo;, sondern naturgem&auml;&szlig; den US-Interessen.<br>\nErstens: Die Investitionen waren nicht am <em>volkswirtschaftlichen<\/em> Erfolg Deutschlands oder Europas orientiert.<br>\nZweitens geschahen sie vielfach in enger Verbindung von US- und deutschen Konzernen, etwa General Electric und AEG, deutsche Chemieindustrie unter dem IG Farben-Dach mit den US-Chemiekonzernen usw.; d.h. es wurde auch in den USA investiert. Ich mache also keine &bdquo;USA-Anklage&ldquo;, wie Sie mir vorwerfen, sondern ich benenne die gemeinsame Verantwortung von Privatunternehmen, die ihren Sitz auf deutschem wie US-amerikanischem Territorium hatten.<br>\nDrittens: Auch diese Investitionen wie auch die Nichtr&uuml;ckzahlung der Kriegskredite an die Wall Street f&uuml;hrten nicht nur zu den von Ihnen gelobten &bdquo;Goldenen Zwanziger Jahren&ldquo;, sondern auch zur Banken- und Weltwirtschaftskrise und zur politischen Krise. <\/p><p><strong>&Ouml;l f&uuml;r den F&uuml;hrer<\/strong><\/p><p>Ihre Kritik, Herr Ruhsert, hat sich daran entz&uuml;ndet, dass ich die Verminderung und den Stopp der US-&Ouml;l-Lieferungen w&auml;hrend des deutschen Russland-&Uuml;berfalls nicht klar benannt habe. Ihr Hinweis ist zahlenm&auml;&szlig;ig richtig, die Lieferungen dieser Art gingen stark zur&uuml;ck und wurden eingestellt. Aber Sie &uuml;bersehen folgendes:<br>\nErstens: Das war nur das Ende der Lieferungen, die offiziell und direkt zwischen den USA und Deutschland abgewickelt worden waren. &Ouml;l wurde dann inoffiziell und indirekt geliefert, z.B. &uuml;ber das auch von den USA gesch&auml;tzte Franco-Spanien, das formal neutral blieb. US-Konzerne (wie andere auch) hielten und halten sich nicht unbedingt an US- (und andere) Gesetze, weder im Frieden noch vor allem im Krieg und in der Kriegsvorbereitung.<br>\nZweitens: Wesentlicher aber ist: Durch die Lieferungen in den 1930er Jahren und insbesondere in den Jahren unmittelbar vor dem Krieg wurde Hitler-Deutschland in die Lage versetzt, &uuml;berhaupt die Blitzkriege 1939\/1940 zu f&uuml;hren. Sie erm&ouml;glichten der Wehrmacht, die &Ouml;lvorr&auml;te und &ndash;quellen der besetzten Staaten, dann auch in Osteuropa an sich zu rei&szlig;en und auch damit, wie geschehen, ganz Europa einschlie&szlig;lich der Sowjetunion mit Krieg zu &uuml;berziehen.<br>\nDrittens: Es kommt hinzu, dass durch die engen vertraglichen Verbindungen (Patente, Ethyle) zwischen dem deutschen Chemiekartell IG Farben (Hoechst, Bayer, BASF, Agfa) und den US-Konzernen Standard Oil und DuPont  Deutschland seit Kriegsbeginn in einem guten Dutzend Werken w&auml;hrend des ganzen Krieges in die Lage versetzt worden ist, synthetisches &Ouml;l und Benzin aus Braunkohle zu produzieren. Der gr&ouml;&szlig;te Teil der deutschen Luftwaffe w&auml;re sonst am Boden geblieben &ndash; was sehr gut gewesen w&auml;re, meinen Sie, Herr Ruhsert, nicht auch?<br>\n4. Die Rolle der USA wird erst verst&auml;ndlich, wenn Sie die anderen Lieferungen von Hochtechnologie durch z.B. durch IBM, ITT, Pratt &amp; Whitney, General Electric und die auf Bestellung und Vorgaben der Wehrmacht produzierten LkW-Produktionen von Ford, General Motors in den unmittelbaren Vorkriegsjahren und auch danach einbeziehen. Diese Konzerne produzierten &uuml;brigens gleichzeitig f&uuml;r die US-Army, nat&uuml;rlich.<\/p><p><strong>US-Neutralit&auml;ts-Gesetze<\/strong><\/p><p>Sie beziehen sich, Herr Ruhsert, auf Neutralit&auml;ts-Gesetze der Roosevelt-Regierung. Schon der von Ihnen angef&uuml;hrte Friedenspolitiker Woodrow Wilson f&uuml;hrte aber w&auml;hrend seiner beiden Pr&auml;sidentschaften ab 1912 und 1916 heftige internationale Milit&auml;reins&auml;tze in Mittelamerika, lie&szlig; Diktatoren einsetzen, Staaten und Territorien &uuml;berfallen, auch w&auml;hrend Wilson in Versailles die Verhandlungen f&uuml;hrte. US-Banken &uuml;bersch&uuml;tteten das Italien Mussolinis sofort nach dem Schwarzhemden-Putsch 1922 mit Krediten, US-Konzerne investierten zu g&uuml;nstigsten Bedingungen, kauften Unternehmensanteile und gr&uuml;ndeten Niederlassungen, wie in Deutschland. F&uuml;hrende US-Medien lobten Mussolini als &bdquo;Politiker des Jahres&ldquo;, wie man ihn auch in den USA brauche. Putschist Franco wurde unter Roosevelt (trotz Neutrality Act) mit &Ouml;l beliefert und nach dem Sieg &uuml;ber die gew&auml;hlte Regierung sofort diplomatisch anerkannt. <\/p><p><strong>Zwangsarbeiter in US-Niederlassungen<\/strong><\/p><p>Herr Ruhsert, Sie gestehen bedauernd ein, dass US-Firmen in Deutschland Zwangsarbeiter eingesetzt haben. Sie meinen aber, die Firmen h&auml;tten unter deutscher Zwangsverwaltung gestanden, und auch von US-Seite sei der Kontakt der US-Zentralen zur Niederlassung untersagt worden.<br>\nErstens: Schon vor den Zwangsarbeitern vollzogen die US-Firmen die NS-Vorgaben gerne mit. Das F&uuml;hrer-Prinzip war ihnen von zuhause vertraut. Die Zerschlagung der Gewerkschaften, die Abschaffung von Betriebsr&auml;ten &ndash; da kam kein Protest, w&auml;hrend die US-Filialen in Deutschland sich doch auf Roosevelts New Deal h&auml;tten berufen k&ouml;nnen, in dem Gewerkschaften und Belegschaftsvertretungen gesetzlich gef&ouml;rdert wurden. Aber auch Roosevelt protestierte nicht.<br>\nZweitens: Die Firmen arbeiteten nach der US-Kriegserkl&auml;rung im Rahmen der deutschen Kriegswirtschaft mit, was sie auch vor der Kriegserkl&auml;rung in den 1930er Jahren getan hatten. Das betraf auch die Firmen, in denen US-Aktion&auml;re nicht Alleineigent&uuml;mer, sondern Miteigent&uuml;mer waren, so wie General Electric an AEG.<br>\nDrittens: Gerade bei kriegswichtigen US-Unternehmen bedeutete &bdquo;Zwangsverwaltung&ldquo; nicht das, was man darunter verstehen konnte oder sollte. Die deutsche und die US-Seite verstanden sich. Bei Opel, im Eigentum von General Motors, wurde das Mitglied des Aufsichtsrats  Carl L&uuml;er, in Absprache mit der GM-Zentrale 1941 kurzfristig zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden berufen und dann als Zwangsverwalter eingesetzt. L&uuml;er war auch stellvertretender Leiter der Reichswirtschaftskammer. Opel wurde nicht enteignet, GM bzw. seine Aktion&auml;re blieben Eigent&uuml;mer. Die Gewinne wurden zum Aufkauf weiterer Unternehmen in Deutschland verwandt. In den USA gestand die US-Regierung gleichzeitig GM eine Steuerminderung wegen entgangener Gewinne zu. Nach dem Krieg wurden blockierte Dividenden an die Aktion&auml;re ausgezahlt. GM erhielt Entsch&auml;digung f&uuml;r Kriegssch&auml;den. So also sah die &bdquo;Zwangsverwaltung&ldquo; aus.<br>\nWenn es keinen Kontakt und Einfluss von US-Seite gegeben hat, warum haben gerade dann die US-Aktion&auml;re und US-Zentralen und die US-Regierung nicht dagegen protestiert, dass die Firmen in Deutschland Zwangsarbeiter, auch j&uuml;dische, besch&auml;ftigen? Herr Ruhsert: Erkl&auml;ren Sie es uns!<\/p><p>Werner R&uuml;gemer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. September 2015 brachten die NDS <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27465\">Kai Ruhserts Kritik<\/a> an Werner R&uuml;gemers Vortrag beim Pleisweiler Gespr&auml;ch. Jetzt antwortet Werner R&uuml;gemer. Wir stellen auch diesen Text ohne Kommentierung ein. Sie enth&auml;lt etwa in der Mitte allerdings eine Bedingung zur Fortsetzung des Disputs. 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