{"id":2756,"date":"2007-11-09T08:44:35","date_gmt":"2007-11-09T07:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2756"},"modified":"2015-12-10T11:23:35","modified_gmt":"2015-12-10T10:23:35","slug":"beitragsfreie-entgeltumwandlung-zugunsten-der-betriebsrente-fuer-die-solidargemeinschaft-problematisch-fuer-kuenftige-rentnerinnen-nicht-generell-vorteilhaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2756","title":{"rendered":"Beitragsfreie Entgeltumwandlung zugunsten der Betriebsrente \u2013 f\u00fcr die Solidargemeinschaft problematisch, f\u00fcr k\u00fcnftige RentnerInnen nicht generell vorteilhaft"},"content":{"rendered":"<p>Braucht dieses Thema &Auml;ltere nicht besonders zu interessieren? Ist das eine Sache derer, die ihre Altersversorgung erst aufzubauen haben und daf&uuml;r die &bdquo;zweite S&auml;ule&ldquo; Betriebsrente neben der gesetzlichen Rente nutzen wollen?<br>\nNein &ndash; denn alles, was das Beitragsaufkommen vermindert, den &bdquo;F&uuml;llstand&ldquo; der Rentenkassen schm&auml;lert, ist sch&auml;dlich f&uuml;r die Sicherheit der gesetzlichen Renten. Ein Beitrag von Kurt Pittelkau, Arbeitskreis Alterssicherung ver.di-Berlin.<br>\n<!--more--><br>\nEtliche gesetzgeberische Ma&szlig;nahmen der letzten Jahre haben sich an den Rentenkassen vergangen. Die letzten Bundesregierungen &bdquo;haben in gro&szlig;em Stil sozialversicherungsfreie Besch&auml;ftigung erm&ouml;glicht &ndash; ein Angebot, das die privaten wie die &ouml;ffentlichen Arbeitgeber zu Lasten der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten ausnutzten&ldquo; (ver.di NEWS). An der Beitragsh&ouml;he der Arbeitslosen f&uuml;r die Rente (zu zahlen von den Arbeitsagenturen) und der verschiedenen Arten prek&auml;r Besch&auml;ftigter wurde immer mal wieder herummanipuliert. All das mit dem Ergebnis, dass zeitweilig sogar totale Ebbe in den Rentenkassen eintrat. Auch da gingen die Rentenzahlungen freilich weiter, indem Bundeszusch&uuml;sse vorgezogen wurden. Doch die Situation diente dazu, die Politik der Rentensenkungen zu rechtfertigen.<\/p><p><strong>Soweit zum Contra. Und das Pro &ndash; was spricht daf&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich das Bestreben, die gesetzliche Rente erg&auml;nzt durch die Betriebsrenten auf ein erkleckliches Niveau zu bringen. Vom Gesetzgeber werden damit Anreize zum Aufbau von Betriebsrentenanwartschaften geschaffen.<\/p><p>Doch Optimierungsmodelle der Deutschen Rentenversicherung (R. Thiede \/ G. Krokat) haben die Resultate durchaus in Frage gestellt. Ist die Beitragsfreiheit der Entgeltumwandlung tats&auml;chlich f&uuml;r Bezieher von Betriebsrenten vorteilhaft? Ist das Gesamt-Alterseinkommen im Ergebnis h&ouml;her? Das ist nach den DRV-Untersuchungen nur f&uuml;r jene heutigen Versicherten zu bejahen, die sp&auml;ter Altersrente beziehen (nicht f&uuml;r die Bezieher von Erwerbsminderungsrente) &ndash; und dann auch noch vorausgesetzt (!), sie beginnen im fr&uuml;hen oder mittleren Lebensalter (vor etwa 35 Jahren) mit der Entgeltumwandlung.<\/p><p><strong>Aber die Gewerkschaften behandeln die Sache unterschiedlich:<\/strong><\/p><p>Der DGB bef&uuml;rwortet die Entscheidung der Bundesregierung zur Fortf&uuml;hrung der Entgeltumwandlung. ver.di hat seine Mitglieder anders eingestimmt, wie in den &bdquo;Sozialpolitischen Informationen&ldquo; (2\/07) nachzulesen ist.<br>\nLaut &bdquo;Financial Times Deutschland&ldquo; (6.5.07) nutzen derzeit knapp 6 Mio. Arbeitnehmer die Entgeltumwandlung. &bdquo;Sie sparten damit j&auml;hrlich bis zu 4 % ihres Einkommens, &hellip; das hei&szlig;t, sie zahlen darauf weder Steuern noch Sozialbeitr&auml;ge.&ldquo;<br>\nAuch f&uuml;r die Arbeitgeber ist die Umwandlung attraktiv, denn f&uuml;r sie entf&auml;llt grunds&auml;tzlich ebenfalls der Anteil an den Sozialbeitr&auml;gen. Allerdings h&auml;ngt das von den geltenden Tarifvertr&auml;gen ab, die in dieser Hinsicht unterschiedlich gestaltet sind: Erfolgt keine &bdquo;Weitergabe&ldquo; der Sozialversicherungsersparnis (wie in der MetallRente), erspart sich der Arbeitgeber bisher bei der Umwandlung von zum Beispiel 100 &euro; rund 20 &euro; Lohn(neben)kosten. <\/p><p>Bei der Entscheidung der Bundesregierung waren also durchaus unterschiedliche Interessen im Spiel. Was sich auf die Haltung der Koalitionspartner ausgewirkt hat. Es ging beileibe nicht nur um das Interesse der Arbeitnehmer, die eine erg&auml;nzende Altersvorsorge anstreben. <\/p><p>Der Arbeits- und Sozialminister lehnte noch im Mai die Beitragsfreiheit strikt ab. &bdquo;Die F&ouml;rderung der Betriebsrente auf Kosten der sozialen Sicherungssysteme darf nicht verl&auml;ngert werden&ldquo;, forderte k&uuml;rzlich Dr. A. Bauer, Pr&auml;sident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Er verlangt vielmehr, die Betriebsrente k&uuml;nftig aus Steuergeldern zu f&ouml;rdern.  Auch die Volkssolidarit&auml;t &uuml;bt heftige Kritik: &bdquo;&hellip; es kann nicht sein, dass die Rentner die entsprechenden Beitragsausf&auml;lle mit geringeren Rentenanpassungen bezahlen sollen.&ldquo;<\/p><p>Aber die Entscheidung ist gefallen. Mit den Stimmen von CDU\/CSU, SPD und FDP verabschiedete der Bundestag am 8.11.07 ein Gesetz, wonach die Beitr&auml;ge zu Betriebsrenten auch in Zukunft von Sozialabgaben befreit bleiben.<\/p><p>Dieses Gesetz entzieht den Sozialversicherungen auch &uuml;ber das Jahr 2008 hinaus Einnahmen von mehr als 2 Mrd. &euro; j&auml;hrlich.<br>\nWie l&auml;sst sich der Schaden noch begrenzen?<\/p><p>Der ver.di-Gewerkschaftsrat hat dazu auf dem eben beendeten Bundeskongress mit dem Beschlussantrag &bdquo;Alterssicherung &ndash; zukunftssicher, sozial und solidarisch&ldquo; Vorschl&auml;ge formuliert.<\/p><ul>\n<li><strong>Variante 1:<\/strong> Die Sozialversicherungsfreiheit bleibt mit Ausnahme (!) der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. (Diese Variante ist mit der Verabschiedung es Gesetzes obsolet.)<\/li>\n<li><strong>Variante 2:<\/strong> Die Sozialversicherungsfreiheit bleibt f&uuml;r ArbeitnehmerInnen bestehen. Doch Arbeitgeber zahlen ihren h&auml;lftigen Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag. (Das w&auml;re bestenfalls noch durch Tarifvertr&auml;ge zu regeln.)\n<\/li>\n<\/ul><p>M. Frieling hat in den &bdquo;NachDenkSeiten&ldquo; mit einer Beispielrechnung belegt: <a href=\"?p=2542\">&bdquo;Betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung ist eine Mogelpackung&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Nicht nur die Rente wird geschm&auml;lert &ndash; betroffen sind auch:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Arbeitslosengeld I<\/li>\n<li>Krankengeld (auch bei Betreuung eines kranken Kindes)<\/li>\n<li>Mutterschaftsgeld<\/li>\n<li>Elterngeld<\/li>\n<\/ul><p>In den sozialen Sicherungssystemen tritt infolge der Beitragseinbu&szlig;en durch die abgabenfreie Entgeltumwandlung einerseits tendenziell ein Beitragsmehrbedarf auf. Anderseits dr&uuml;ckt der beschriebene Wirkungszusammenhang auf das Rentenniveau der Versicherten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Braucht dieses Thema &Auml;ltere nicht besonders zu interessieren? Ist das eine Sache derer, die ihre Altersversorgung erst aufzubauen haben und daf&uuml;r die &bdquo;zweite S&auml;ule&ldquo; Betriebsrente neben der gesetzlichen Rente nutzen wollen?<br \/> Nein &ndash; denn alles, was das Beitragsaufkommen vermindert, den &bdquo;F&uuml;llstand&ldquo; der Rentenkassen schm&auml;lert, ist sch&auml;dlich f&uuml;r die Sicherheit der gesetzlichen Renten. 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