{"id":27578,"date":"2015-09-16T09:43:16","date_gmt":"2015-09-16T07:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27578"},"modified":"2024-08-28T18:56:18","modified_gmt":"2024-08-28T16:56:18","slug":"geplanter-verschleiss-als-organisierter-betrug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27578","title":{"rendered":"Geplanter Verschlei\u00df als organisierter Betrug"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150916_kreiss.jpg\" alt=\"Christian Krei&szlig;\" title=\"Christian Krei&szlig;\"><\/div><p>Ob Drucker, Mobiltelefon oder Fernseher &ndash; bereits kurz nach Ablauf der Garantie sind viele Ger&auml;te reif f&uuml;r den M&uuml;ll. Eine Reparatur lohnt sich nicht oder ist gar nicht erst m&ouml;glich. Kalkuliert sorgen die Hersteller daf&uuml;r, dass ihre Produkte fr&uuml;hzeitig kaputtgehen, damit wir Verbraucher mehr konsumieren. Sinnlose M&uuml;llberge und ein enormer Ressourcenverbrauch sind die Folge.&nbsp;<strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit <strong>Christian Krei&szlig;<\/strong>, der seit Langem zum Thema forscht und publiziert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Krei&szlig;, das Thema &bdquo;Geplante Obsoleszenz&ldquo; geistert immer wieder einmal durch die Medien, dennoch wissen wir viel zu wenig hiervon. Sie sind Autor eines der wichtigsten <a href=\"http:\/\/www.europa-verlag.com\/Buecher\/19\/Geplanter-Verschlei%C3%9F.html\">B&uuml;cher<\/a> zum Thema. Um was geht es bei dieser &bdquo;Obsoleszenz&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Es geht darum, dass Hersteller verdeckt die &ouml;konomische Haltbarkeit von Produkten verk&uuml;rzen, so dass wir als Kunden vorzeitige Ersatzk&auml;ufe machen m&uuml;ssen. Das ist ein sehr effektives Absatzinstrument und eine Spielart der verdeckten Produktverschlechterung. <\/p><p>Wenn wir Kunden ein Produkt kaufen, erwerben  wir im Normalfall die Nutzung des Gutes f&uuml;r eine bestimmte Zeit. Gelingt es dem Hersteller, die Haltbarkeit des Produktes zu verk&uuml;rzen, ohne dass der Preis entsprechend gesenkt wird, steigt der Preis pro Nutzung. So eine verdeckte Preiserh&ouml;hung hat f&uuml;r den Hersteller den gro&szlig;en Vorteil, dass wir Kunden sie normalerweise nicht so leicht erkennen, weil es oft Jahre dauert, bis man es merkt. <\/p><p><strong>Verstehe ich recht: Die Verbraucher werden also &hellip; raffiniert behumst?<\/strong><\/p><p>Ja, betrogen, mittels eines ganz legalen Betrugssystems. Seit ungef&auml;hr 90 Jahren bekommen wir beispielsweise minderwertige Gl&uuml;hbirnchen, werden seit drei Generationen also mit schlechter Qualit&auml;t &uuml;ber den Tisch gezogen. Denn 1926 beschlossen alle namhaften Gl&uuml;hbirnenhersteller in einem internationalen Kartell in Genf, die Lebensdauer der Gl&uuml;hbirnen ungef&auml;hr zu halbieren. Das hat &uuml;ber ein internes Kontroll- uns Strafensystem auch perfekt funktioniert und funktioniert auch heute noch. Die Vorgehensweise dazu kann man in den Akten nachlesen, das ist ganz offen bewiesen. Und dieses System wird auf ganz vielen Gebieten bis heute angewandt. <\/p><p>Fr&uuml;her hat man ganz anders dar&uuml;ber gesprochen. Zum Beispiel sagte ein f&uuml;hrender Manager des gro&szlig;en US-Autobauers General Motors in den 20er Jahren: &bdquo;Our big job is to hasten obsolescence&ldquo;, unsere gro&szlig;e Aufgabe ist die Verk&uuml;rzung der Lebensdauer. Und bei General  Electric hie&szlig; es in den 30er Jahren zur heimlichen Reduzierung der Produktlebensdauer etwa: &bdquo;We are giving no publicity whatever to the fact&ldquo;. Na logisch, wer wirbt schon mit: &bdquo;Neu, unser neuestes Produkt h&auml;lt jetzt k&uuml;rzer!&ldquo; ?<br>\nAlso die Strategie war ganz klar: Machen, aber ja nicht dar&uuml;ber reden, das w&uuml;rde den Umsatz killen. Einer der f&uuml;hrenden US-Entwicklungsingenieure, Brooks Stevens,  sagte schon 1958: &bdquo;Our whole economy is based on planned obsolescence&ldquo;. Das Betrugssystem ist also alt, etabliert und funktioniert bis heute einwandfrei.<\/p><p><strong>Und wie m&uuml;ssen wir uns das genau vorstellen? K&ouml;nnen Sie bitte beschreiben, wie derlei organisiert wird?<\/strong><\/p><p>Ganz einfach. Angenommen im Markt f&uuml;r elektrische Rasierapparate gibt es zwei gro&szlig;e Anbieter. Anbieter A hat die Idee, bei einer neuen Modellreihe billigeres Material zu verwenden, zum Beispiel Plastik statt Stahl. Das bringt ihm zwei Vorteile: 1. Kosteneinsparungen durch die billigeren Materialien: Dadurch gehen die Gewinne hoch. 2. Die Lebensdauer verk&uuml;rzt sich um vielleicht ein Zehntel, also vielleicht um ein Jahr &ndash; das merkt kein Mann: oder wissen Sie noch, wann Sie Ihren Rasierer gekauft haben? &ndash; und wir M&auml;nner m&uuml;ssen uns fr&uuml;her einen Ersatzrasierer anschaffen. Dadurch geht der Umsatz hoch und die Gewinne steigen nochmal.<\/p><p>Ein Zahlenbeispiel dazu: Angenommen, ein elektrischer Rasierer kostet 100 Euro und hat eine Laufzeit von 2.000 Rasuren, dann kostet einmal rasieren 5 Cent. Wird die Laufzeit um 20 Prozent auf 1.600 Rasuren reduziert, dann steigt der Preis f&uuml;r einmal rasieren um satte 25 Prozent auf 6,25 Cent. Bei gleichbleibenden oder gar sinkenden Herstellkosten bedeutet das einen riesigen Anstieg der Gewinne. Das ist ein gigantischer Anreiz f&uuml;r Hersteller.<\/p><p>Konkurrent B sieht den Erfolg von Anbieter A und macht dasselbe. So wird das Spiel und werden dessen Regeln zum Normalfall und jeder konkurriert mit jedem um das beste Mitspiel-Ergebnis. F&uuml;r uns bedeutet das, dass &uuml;ber viele Jahre hin die Lebensdauer der Produkte st&auml;ndig leicht abnimmt, sodass sie sich zum Beispiel &uuml;ber einen Zeitraum von 20 Jahren halbiert.<\/p><p><strong>Ja, aber auf sowas Primitives fallen die Kunden doch nicht herein &ndash; die wandern doch sofort ab zur Konkurrenz!<\/strong><\/p><p>Es funktioniert nat&uuml;rlich nur, wenn wir Kunden es nicht merken, genauer: wenn wir nicht gescheit vergleichen k&ouml;nnen. <\/p><p>Stellen wir uns mal vor, wir wollen einen Staubsauger in einem gro&szlig;en Elektromarkt einkaufen. Wir schauen sie uns an und fragen uns, ob auf den Staubsaugern draufsteht: <\/p><ol>\n<li>Wie lange halte ich? <\/li>\n<li>Kann man mich reparieren (bin ich verklebt oder verschraubt)?<\/li>\n<li>Gibt es f&uuml;r mich nach 3 Jahren noch Ersatzteile? <\/li>\n<li>Was kosten meine Ersatzteile? <\/li>\n<li>Was kostet meine Reparatur in 3 Jahren? <\/li>\n<\/ol><p>Das m&uuml;ssten wir n&auml;mlich alles wissen, damit wir herausbekommen, was eigentlich eine Stunde staubsaugen tats&auml;chlich kosten wird &ndash; wie hoch also die so genannten <em>Total Costs of Ownership<\/em> sind. Und nur wenn wir den Preis pro Nutzung wissen, k&ouml;nnen wir uns &uuml;berhaupt vern&uuml;nftig entscheiden und ggf. zur Konkurrenz abwandern. Wir wissen es aber nicht &ndash; und vom Konkurrenten wissen wir es genauso wenig. Der schreibt es ja auch nicht drauf. Und wo das Wasser so tr&uuml;be ist, funktioniert die Strategie der verdeckten Preiserh&ouml;hung durch verdeckte Produktverk&uuml;rzung eben wunderbar; weil wir Kunden ja sozusagen wehrlos dagegen sind.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie denn belegen, dass das irgendwer macht? Ein Beispiel, ein nachweisbares, w&auml;re gut&hellip;<\/strong><\/p><p>Na, nichts leichter als das. Schrauben Sie mal einen Laserdrucker auf und sehen sich den Toner bzw. den eingebauten Chip an. Der signalisiert zum Beispiel nach 2.500 Druckseiten &bdquo;Toner leer&ldquo; und druckt daher nicht weiter. Stimmt aber gar nicht. Der Toner hat dann oft noch Saft f&uuml;r weitere 2.500 oder 5.000 Seiten. Man braucht nur den Chip neu zu programmieren, schon findet ein kleines Druckwunder statt. Zufall? <\/p><p>Oder versuchen Sie mal den Akku aus einer elektrischen Zahnb&uuml;rste oder so manchem anderen Elektroger&auml;t auszubauen, wenn er seinen Geist aufgegeben hat. Ger&auml;t funktioniert noch tadellos, da der Akku aber in aller Regel nicht austauschbar ist, liegt ein Totalschaden vor. Dummer Zufall? Zuf&auml;llig wirken alle diese Ph&auml;nomene immer zugunsten der Gewinne der Hersteller und zulasten der Geldbeutel der Verbraucher.<\/p><p>Eine kleine Anekdote hierzu auch noch: Auf einer wissenschaftlichen Tagung zu geplanter Obsoleszenz, auf der ich anwesend war, wurde der Vertreter der Stiftung Warentest gefragt, ob denn Stiftung Warentest diesen Vorw&uuml;rfen mit den Chips nachgehe und einfach einmal Drucker aufschraube und nachsehe. Die Antwort war sinngem&auml;&szlig;: Solchen unhaltbaren Ger&uuml;chten w&uuml;rde man aus Prinzip nicht nachgehen. Man hat also nichts aufgeschraubt. Dabei sind diese sogenannten Ger&uuml;chte hundertfach belegt, auch durch Reparatur-Profis. Merkw&uuml;rdig. Und das von sogenannten Verbrauchersch&uuml;tzern&hellip;<\/p><p><strong>Und um was f&uuml;r Produkte geht es dabei?<\/strong><\/p><p>Haupts&auml;chlich um Haushalts-Elektroprodukte wie K&uuml;hlschr&auml;nke, B&uuml;geleisen, Gl&uuml;hbirnen oder Fernseher. Aber auch andere Produkte wie Kleidung, M&ouml;bel oder Schuhe sind davon betroffen. Ein Beispiel: Wenn Sie ein Sofa kaufen: Wissen Sie, wie viele Sitzstunden das h&auml;lt? Oder bei einem Paar Schuhe? Oder beim Kauf einer Hose? Und solange wir das nicht wissen, ist es f&uuml;r den Hersteller im Zweifelsfall kl&uuml;ger, ein k&uuml;rzer haltendes, billiger herzustellendes Produkt anzubieten. Der Hersteller darf nat&uuml;rlich nicht so dumm oder dreist sein, dass er sich durch Kurzlebigkeit von der Konkurrenz abhebt. Dann wird er durch Kundenabwanderung bestraft. Aber solange er diesen Fehler nicht macht, ist es eine lohnende Strategie.<\/p><p><strong>Geben Sie doch bitte noch ein wenig &bdquo;Butter zu die Fische&ldquo;&hellip; Hat man Hersteller schon bei derlei &bdquo;ertappt&ldquo;? Was ist in Summe bekannt und nachweisbar? Gibt es Beispiele von verschiedenen Ger&auml;ten, bei denen die Problematik besonders deutlich wird?<\/strong><\/p><p>Das Problem ist: Die <em>Absicht<\/em> kann man dem Hersteller  nie nachweisen, nur die Ergebnisse ihres Tuns. Und sie behaupten nat&uuml;rlich stets, wenn es einmal zum Thema kommt, dass alles eben <em>keine<\/em> Absicht sei; das m&uuml;ssen sie auch, denn sonst w&uuml;rden sie verknackt.<\/p><p>Zus&auml;tzlich zu den Gl&uuml;hbirnen und Druckern mit den eingebauten Chips, zu nicht auswechselbaren Akkus und horrend teuren oder sogar verunm&ouml;glichten Reparaturen gibt es als Beispiel vor allem noch die geplante und gemachte &bdquo;Inkompatibilit&auml;t&ldquo; unter Produkten, wie sie etwa Wolfgang Heckl, der Chef des Deutschen Museums, humorvoll in seinem Buch &bdquo;Die Kultur der Reparatur&ldquo; skizziert.  Geplante Inkompatibilit&auml;t hei&szlig;t, dass nachfolgende Produktgenerationen nicht mit den vorherigen zusammenpassen, dass zum Beispiel die Bauteile der neuen Produkte nicht zum Reparieren der alten verwendet werden k&ouml;nnen &ndash; mit Absicht laut Heckel.<\/p><p>Und erw&auml;hnenswert in diesem Kontext ist auch noch die Resolution der 140 deutschen Repair-Caf&eacute;s vom 11. Oktober 2014 in M&uuml;nchen, in der es hei&szlig;t:  &bdquo;Geplanter Verschlei&szlig; ist kein Mythos. Bei&nbsp; jeder Reparatur-Aktion entdecken wir Schwachstellen an elektrischen und&nbsp; elektronischen Ger&auml;ten, ebenso an Geh&auml;usen, die nicht oder nur sehr schwer zu &ouml;ffnen sind.&ldquo; Damit ist gemeint, dass gewollt falsch dimensionierte beziehungsweise fehlplatzierte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elektrolytkondensator\">Eletrolytkondensatoren<\/a> f&uuml;r sch&auml;tzungsweise zwei Drittel aller Bildschirmausf&auml;lle verantwortlich sind. Eine Tatsache, die zigfach nachgewiesen worden ist.<\/p><p><strong>Die Debatte zum Thema wird ja wirklich hei&szlig; gef&uuml;hrt und Kritiken wie der Ihren dabei ein Denken in &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo; testiert &ndash; ein Stigma, nachdem weiteres Argumentieren in aller Regel gar nicht mehr lohnt, da man sozusagen als Spinner diskreditiert worden ist. So <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geplante_Obsoleszenz\">bezeichnete<\/a> etwa Andreas Hirstein in der NZZ &bdquo;geplante Obsoleszenz im Sinne einer gezielten Produkte-Selbstzerst&ouml;rung zur Ankurbelung des Konsums&ldquo; als moderne Legende. Er argumentiert, dass Hersteller eine Abw&auml;gung zwischen Lebensdauer und Preis auf der einen sowie Zahlungsbereitschaft der Kunden auf der anderen Seite treffen m&uuml;ssten. Und auch eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kam zu dem Schluss, dass derlei Probleme &hellip; nun ja, eigentlich <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Obsoleszenz-Studie-Smartphones-und-TVs-als-Modeartikel-2468179.html\">nicht wirklich vorhanden<\/a> seien.<\/strong><\/p><p>Das stimmt leider. Marktgl&auml;ubige Menschen wie Andreas Hirstein gehen dabei implizit von transparenten M&auml;rkten aus, die es in Wirklichkeit jedoch kaum jemals gibt. Eliminiert man diese Voraussetzung aber &ndash; was die Realit&auml;t de facto deutlich besser beschreibt -, bricht auch schon die ganze Argumentation in  sich zusammen &ndash; genau wie die des f&uuml;hrenden wissenschaftlichen Referenzartikels zu geplanter Obsoleszenz von Jeremy Bulow aus dem Jahre 1986: Eine v&ouml;llig weltfremde Theorie mit v&ouml;llig falschen Ergebnissen, die jedoch st&auml;ndig zitiert wird und dazu f&uuml;hrt, dass man geplanten Verschlei&szlig; als &bdquo;Legende&ldquo; und also M&auml;rchen abstempelt. Sehr praktisch f&uuml;r die Gewinnlage der Gro&szlig;konzerne. <\/p><p>Zur Studie des Umweltbundesamtes nur soviel: Ich kann Ihnen gern einmal ein paar Zitate aus der 104 Seiten umfassenden Studie vom Februar 2015 vorlesen, die man eben auch ganz anders zu lesen vermag als dies &uuml;blicherweise geschieht: &bdquo;Das Durchschnittsalter &sbquo;kaputter Ger&auml;te&lsquo; betr&auml;gt in den Jahren 2012\/113 12,5 Jahre, in den Jahren 2004 und 2008 lag dies noch bei 13,9 bzw. 13,5 Jahren.&ldquo; Oder: &bdquo;Au&szlig;erdem kann der Tabelle 8 entnommen werden, dass alle Haushaltsgro&szlig;ger&auml;te (&hellip;) in 2012\/13 etwas fr&uuml;her aufgrund eines Defektes (&hellip;) getauscht werden mussten als im Jahre 2004.&ldquo; Und noch eindeutiger: &bdquo;Zwischen 2004 und 2012 stieg der Anteil der Haushaltsgro&szlig;ger&auml;te, die nach weniger als 5 Jahren aufgrund eines Defektes ausgetauscht werden mussten, von 3,5 Prozent auf 8,3 Prozent der Gesamtersatzk&auml;ufe&ldquo;. Das zeigt doch deutlich, dass die Qualit&auml;t von Neuger&auml;ten deutlich gesunken ist: Statt 3,5 Prozent wie 2004 gehen acht Jahre sp&auml;ter bereits mehr als doppelt so viele in den ersten 5 Jahren kaputt. Qualit&auml;tsoase Deutschland? Made in Germany? Ein Witz.<\/p><p><strong>Wer genau gewinnt eigentlich durch geplante Obsoleszenz?<\/strong><\/p><p>Durch gezielte, verdeckte Verk&uuml;rzung der Produktlebenszeit steigen, wie oben erw&auml;hnt, die Konzerngewinne und damit die Rendite auf das eingesetzte Kapital. Nutznie&szlig;er sind deshalb vor allem die Aktion&auml;re der Gro&szlig;unternehmen. Das Eigentum an Unternehmen ist sehr ungleich verteilt. So sind beispielsweise nur 10 Prozent der deutschen Bev&ouml;lkerung im Besitz von Betriebsverm&ouml;gen, nur etwa 11&nbsp;Prozent der deutschen Haushalte besitzen Aktien. Dabei ist die Eigentumskonzentration an der Spitze besonders stark. So kontrollieren in Deutschland laut dem Historiker Wehler 7700 Haushalte, das sind 0,02 Prozent aller deutschen Haushalte, &uuml;ber die H&auml;lfte des deutschen Betriebsverm&ouml;gens. &Auml;hnlich ungleiche Verteilungsverh&auml;ltnisse finden sich in fast allen anderen L&auml;ndern der Erde.<\/p><p>Die Vertriebsstrategie &bdquo;Geplante Obsoleszenz&ldquo; k&ouml;nnte man daher als eine Besteuerung aller Verbraucher zu Gunsten der kleinen Schicht der Kapitaleigent&uuml;mer von Gro&szlig;unternehmen ansehen, das erhebliche Kollateralsch&auml;den f&uuml;r die Umwelt bewirkt. Ein absurdes, aber sehr stabiles System.<\/p><p><strong>Und was tun wir als Verbraucher nun am besten? Was raten Sie?<\/strong><\/p><p>Nicht nur auf den Preis schauen, weniger &bdquo;Geiz ist geil&ldquo;-Mentalit&auml;t, sich auf Internet-Portalen und in Fachzeitschriften informieren. Aber gute Infos &uuml;ber die tats&auml;chlichen Nutzungskosten pro Einheit gibt es fast nirgends. <\/p><p>Und: Jeder von uns hat im Durchschnitt an die 10.000 Produkte zu Hause. Da k&ouml;nnen wir uns fragen: Brauche ich die wirklich? Man k&ouml;nnte etwa sinnieren &uuml;ber dem Satz: &bdquo;Wo kann ich auf Unn&ouml;tiges verzichten?&ldquo; Wenn man das lange Zeit &uuml;ber macht, kann langsam eine neue Kultur im Umgang mit den uns anvertrauten Dingen entstehen. Das w&auml;re wunderbar.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Christian Krei&szlig;<\/strong>, Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte in M&uuml;nchen &uuml;ber die Gro&szlig;e Depression 1929 bis 1932. Nach neun Jahren Berufst&auml;tigkeit als Bankier in verschiedenen Gesch&auml;ftsbanken, davon sieben Jahre als Investment Banker, unterrichtet er seit 2002 als Professor an der Hochschule Aalen Finanzierung und Wirtschaftspolitik. Er ist Autor dreier B&uuml;cher und zahlreicher Ver&ouml;ffentlichungen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/ct\/ausgabe\/2012-15-Wirkprinzipien-der-geplanten-Obsoleszenz-2342907.html\">Verstecktes Verfallsdatum<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen: <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/fileadmin\/media\/gruenebundestag_de\/themen_az\/umwelt\/PDF\/Studie-Obsoleszenz-aktuell.pdf\">&bdquo;Geplante Obsoleszenz&ldquo; [PDF &ndash; 2.3 MB]<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/876c7a7aa00a473fbd5abf39f70a1b47\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150916_kreiss.jpg\" alt=\"Christian Krei&szlig;\" title=\"Christian Krei&szlig;\"\/><\/div>\n<p>Ob Drucker, Mobiltelefon oder Fernseher &ndash; bereits kurz nach Ablauf der Garantie sind viele Ger&auml;te reif f&uuml;r den M&uuml;ll. Eine Reparatur lohnt sich nicht oder ist gar nicht erst m&ouml;glich. 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