{"id":27588,"date":"2015-09-17T09:07:36","date_gmt":"2015-09-17T07:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27588"},"modified":"2019-04-29T12:23:53","modified_gmt":"2019-04-29T10:23:53","slug":"zehn-jahre-marienhof-skandal-neoliberalismus-in-deutschen-fernsehserien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27588","title":{"rendered":"Zehn Jahre &#8220;Marienhof&#8221;-Skandal: Neoliberalismus in deutschen Fernsehserien"},"content":{"rendered":"<p>Vor genau zehn Jahren, am 17. September 2005, wurde bekannt, dass die &ldquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&rdquo; (INSM) so genannte &ldquo;Themenplacements&rdquo; in der ARD-Serie &ldquo;Marienhof&rdquo; gekauft hatte. Gegen Geld wurden in mehreren F&auml;llen Dialoge entsprechend der neoliberalen Vorstellungen und Forderungen der INSM gestaltet. Ein R&uuml;ckblick von <strong>Patrick Schreiner<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27588#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Jahrf&uuml;nft der absoluten neoliberalen Dominanz<\/strong><\/p><p>Die fr&uuml;hen 2000er Jahre erscheinen heute in gewisser Hinsicht wie eine andere Zeit. Nach mittlerweile acht Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise erscheint manches, was damals normal war, heute nur noch l&auml;cherlich. Es war die Zeit der Agenda 2010, die Zeit des Leipziger Programms der CDU, die Zeit der Finanzmarkt-Expansion und die Zeit der Patriotismus-trunkenen Vorfreude auf die Fu&szlig;ball-WM 2006 im eigenen Land. Es war die Zeit, in der Arbeitslose einerseits in &ldquo;Kunden&rdquo; umbenannt, andererseits noch sch&auml;rferen Repressionen ausgesetzt wurden. Es war die Zeit von Sabine Christiansen, Wolfgang Clement, Gerhard Schr&ouml;der, Friedrich Merz und Oswald Metzger. Und es war die Zeit, in der neoliberale &ldquo;Reforminitiativen&rdquo; wie &ldquo;Du bist Deutschland&rdquo; oder offensichtliche neoliberale Lobbyorganisationen wie die &ldquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&rdquo; in Medien, Politik und &Ouml;ffentlichkeit als akzeptabel und seri&ouml;s galten. <\/p><p>Die INSM wurde im Jahr 2000 vom Metall-Arbeitgeberverband gegr&uuml;ndet, bis heute wird sie finanziell von Arbeitgeberverb&auml;nden getragen. Sie versteht sich nach <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm\/FAQ.html\">eigener Aussage<\/a> als Organisation, die sich &ldquo;f&uuml;r fairen Wettbewerb, unternehmerische Freiheit, sozialen Ausgleich, Chancengerechtigkeit und eine verantwortungsvolle, generationengerechte Politik&rdquo; einsetzt. Faktisch vertritt sie die Interessen ihrer Geldgeber: Sie fordert niedrigere Sozialleistungen und Lohnzur&uuml;ckhaltung, Privatisierungen und Deregulierungen, Steuersenkungen und eine an den W&uuml;nschen der Unternehmen orientierte Bildungspolitik ein. Zu ihrer Strategie geh&ouml;rt es, &ouml;ffentlich bekannte Pers&ouml;nlichkeiten f&uuml;r sich sprechen zu lassen &ndash; als so genannte <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=227\">INSM-&ldquo;Botschafter&rdquo;<\/a>. Dies sind etwa Mainstream-Wissenschaftler, Unternehmer, vor allem in den ersten Jahren aber durchaus auch prominente Schauspieler, Sportstars und Politiker aller Parteien (mit Ausnahme der Linkspartei bzw. PDS). Auch durch vermeintlich wissenschaftliche Studien, die die INSM bei ihr nahestehenden Einrichtungen oder ihren Botschaftern in Auftrag gibt, setzt sie erfolgreich ihre Themen. <\/p><p>Im Jahrf&uuml;nft der absoluten neoliberalen Dominanz zwischen 2000 und 2005 spielte die INSM in &Ouml;ffentlichkeit, Medien und Politik eine enorme Rolle: Ihre &ldquo;Botschafter&rdquo; traten reihenweise in TV-Talkshows auf, wurden von Zeitungen als vermeintlich seri&ouml;se Experten interviewt, von Politikern als vermeintlich neutrale Ratgeber herangezogen (wenn sie nicht gar selbst Politiker waren). Ihre tendenzi&ouml;sen Studien galten als zitierf&auml;hig. Diese absolut dominante Position im &ouml;ffentlichen und politischen Diskurs hat die INSM mittlerweile zumindest teilweise eingeb&uuml;&szlig;t, wozu auch die Geschehnisse rund um die Seifenoper &ldquo;Marienhof&rdquo; beigetragen haben m&ouml;gen.<\/p><p><strong>&ldquo;Marienhof&rdquo;-Skandal<\/strong><\/p><p>Am 17. September 2005 berichtete &ldquo;epd medien&rdquo; &uuml;ber acht F&auml;lle von so genannten &ldquo;Themenplacements&rdquo; in der ARD-Serie &ldquo;Marienhof&rdquo;, die von der INSM gekauft wurden. (Andere Quellen sprechen von sieben F&auml;llen.) Vermittelt wurde der Deal &uuml;ber die M&uuml;nchner H.+S. Unternehmensberatung. Insgesamt hat die INSM 58.670,14 Euro an die Produktionsfirma Bavaria Sonor gezahlt, die diese &ldquo;Seifenoper&rdquo; f&uuml;r die ARD produzierte. F&uuml;r das Geld wurden Seriendialoge im INSM-eigenen &ndash; neoliberalen &ndash; Sinne gestaltet und damit entsprechende politische Inhalte vermittelt.<\/p><p>Obwohl die INSM nach Bekanntwerden der Themenplacements zun&auml;chst versuchte, ein eigenn&uuml;tziges politisches Anliegen hinter ihren Schleichwerbungs-Aktivit&auml;ten zu leugnen (s.u.), war ein solches doch deutlich erkennbar. Die &ldquo;Marienhof&rdquo;-Dialoge vermittelten unmissverst&auml;ndlich und unmittelbar neoliberale Arbeitgeber-Positionen. Die lobbykritische Organisation LobbyControl hat schon wenige Tage nach Ver&ouml;ffentlichung des epd-Artikels die betreffenden Stellen <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/download\/insm-marienhof-bewertung.pdf\">analysiert [PDF &ndash; 73,4 KB]<\/a>. Ihre Schlussfolgerung:<\/p><blockquote><p>\nDie Analyse weiterer Aktivit&auml;ten der Initiative 2002 und danach zeigt, dass die in Marienhof platzierten Themen politische Botschaften transportieren und Themen fortf&uuml;hren, die die INSM auch mit anderen Kommunikationsinstrumenten beworben hat. Die Analyse macht deutlich, dass die Schleichwerbung im Marienhof keine neutrale Information war, sondern klar in die Arbeitgeber-PR der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft eingebunden war.\n<\/p><\/blockquote><p>Es waren im Wesentlichen drei Zielstellungen, die sich in den &ldquo;Marienhof&rdquo;-Dialogen erkennen lassen: Leiharbeit als normales und positives Arbeitsverh&auml;ltnis darzustellen, Unternehmen und unternehmerischem Denken in der Schule breiteren Raum zu verschaffen und Steuern und Abgaben als zu hoch zu verunglimpfen.<\/p><ul>\n<li>So verk&uuml;ndet eine arbeitslose ehemalige Kleinunternehmerin in &ldquo;Marienhof&rdquo;-Folge 1936, dass sich mit entsprechender Eigeninitiative ohne Weiteres Arbeit finden lasse. Womit sie umgekehrt Arbeitslosigkeit als selbstverschuldet brandmarkt &ndash; dass Arbeitslose sich schlicht nicht genug um einen Job bem&uuml;hten, ist ein neoliberales Standardm&auml;rchen. In Folge 1938 findet diese Serienfigur schlie&szlig;lich tats&auml;chlich einen Arbeitsplatz bei einer Leiharbeitsfirma. Als frischgebackene Leiharbeiterin schildert sie ausf&uuml;hrlich und im Sinne der INSM die angeblichen Vorteile dieses Arbeitsverh&auml;ltnisses, das Neoliberale zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts f&uuml;r unverzichtbar halten. In Folge 1974 bekommt sie von ihrem Chef im Einsatzbetrieb eine Festanstellung in Aussicht gestellt, aber nur, wenn die alleinerziehende Mutter zweier Kinder ein hohes Ma&szlig; an zeitlicher Flexibilit&auml;t an den Tag legt: &ldquo;Wenn sie immer nur Dienst nach Vorschrift schieben, dann werden sie es nie weit bringen! Und das ausgerechnet jetzt, wo ich mir &uuml;berlege, sie von der Zeitarbeitsfirma in eine Festanstellung zu &uuml;bernehmen!&rdquo; Sowohl die Forderung nach zeitlicher Flexibilit&auml;t von Arbeitnehmern als auch die Falschbehauptung, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4453\">Leiharbeit<\/a> sei ein guter Einstieg in ein regul&auml;res Arbeitsverh&auml;ltnis, geh&ouml;ren zum neoliberalen Standardprogramm.<\/li>\n<li>In den &ldquo;Marienhof&rdquo;-Folgen 1940 und 1942 planen eine Lehrerin und ein Lehrer, einen &ldquo;Arbeitskreis Schule und Wirtschaft&rdquo; zu gr&uuml;nden. Damit wollen sie den Sch&uuml;lern unternehmerisches Denken und Kalkulieren nahebringen; im Austausch mit Unternehmen wollen sie neue Themen f&uuml;r den Unterricht finden. Sie sind sich einig, dass sich nicht nur bei den Unterrichtsinhalten, sondern auch bei den Arbeitsverh&auml;ltnissen der Lehrer etwas &auml;ndern muss: &ldquo;Leistungsorientiertes Arbeiten und leistungsorientierte Bezahlung!&rdquo; Auch diese Dialoge st&uuml;tzen allesamt Anliegen der Neoliberalen. Die INSM unterhielt selbst lange eine Webseite &ldquo;Wirtschaft und Schule&rdquo;. Die Webseite gibt es nach wie vor, sie wird aber seit Januar 2014 vom arbeitgebernahen &ldquo;Institut der Deutschen Wirtschaft&rdquo; betrieben. Die dort vermittelten Inhalte haben sich gleichwohl nicht ver&auml;ndert: Ziel ist es, neoliberale und arbeitgebernahe Inhalte und Forderungen &ndash; etwa zu Steuern, zur Staatsverschuldung, <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/1566\">zur Lohnpolitik oder zum Mindestlohn<\/a> &ndash; in Unterricht und Unterrichtsmaterialien unterzubringen.<\/li>\n<li>In der &ldquo;Marienhof&rdquo;-Folge 1961 bekommt eine neu eingestellte Verk&auml;uferin (wohl erstmals) eine Lohnabrechnung. Sie &auml;rgert sich &uuml;ber die zu zahlenden Steuern und Abgaben, spricht gar von Wucher. Ihr Chef verweist sie an den &ldquo;Finanzminister&rdquo;. Eine Folge sp&auml;ter bietet die Angestellte ihrem Chef gar an, sie k&ouml;nne ja schwarz f&uuml;r ihn arbeiten. Er findet das Angebot &ldquo;verlockend&rdquo; und lehnt es lediglich wegen der m&ouml;glichen Strafverfolgung ab. Hier wird der Staat in neoliberaler Manier als das B&ouml;se schlechthin beschrieben, das Unternehmen wie auch Arbeitnehmern an den Geldbeutel wolle. Die Frage, ob nicht schlicht h&ouml;here L&ouml;hne angebracht w&auml;ren, um von Arbeit anst&auml;ndig leben zu k&ouml;nnen, wird hingegen nicht thematisiert. &ndash; Um Steuern schlechtzureden, f&uuml;hrt die INSM durchaus auch <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/523\">manipulative Umfragen<\/a> durch.<\/li>\n<\/ul><p>Die &ldquo;Marienhof&rdquo;-Schleichwerbung war sicherlich der &ouml;ffentlichkeitswirksamste, aber keineswegs der einzige Versto&szlig; der INSM gegen Regeln und Anstand im Bereich der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit. So unterst&uuml;tzte sie 2002 drei dokumentarische Filme des Journalisten G&uuml;nter Ederer, die 2003 in der ARD ausgestrahlt wurden. Die Titel der Filme bed&uuml;rfen wohl keiner weiteren Erl&auml;uterung: &ldquo;Das M&auml;rchen von der gerechten Steuer&rdquo;, &ldquo;Das M&auml;rchen von der sicheren Rente&rdquo; und &ldquo;Das M&auml;rchen vom bl&uuml;henden Arbeitsmarkt&rdquo;. <\/p><p>Es war dem Journalisten Volker Lilienthal zu verdanken, dass beide Skandale &ndash; &ldquo;Marienhof&rdquo; und &ldquo;Ederer&rdquo; &ndash; aufgedeckt werden konnten. Zumindest im Fall &ldquo;Marienhof&rdquo; sah er sich dabei schon kurz nach Beginn seiner Recherche <a href=\"http:\/\/www.carta.info\/8355\/ard-schleichwerbeskandal\/\">massiver Repression der Gegenseite ausgesetzt<\/a>: <\/p><blockquote><p>\nIm Mai 2003 erwirkte die M&uuml;nchner Schleichwerbe-Agentur H. + S. eine einstweilige Verf&uuml;gung gegen mich und klagte sp&auml;ter auch auf Unterlassung der Recherche. Erst Anfang 2005 wies das Oberlandesgericht M&uuml;nchen alle Anspr&uuml;che gegen mich zur&uuml;ck. In der Zwischenzeit durfte ich nicht frei recherchieren.\n<\/p><\/blockquote><p>Lilienthal recherchierte weiter, er ver&ouml;ffentlichte seinen Artikel &ndash; und einer der gr&ouml;&szlig;ten Skandale der deutschen Mediengeschichte zog seine Kreise. Medien und &Ouml;ffentlichkeit wurden aufmerksam und berichteten. Der &ldquo;Deutsche Rat f&uuml;r Public Relations&rdquo; sprach eine &ldquo;Ratsr&uuml;ge&rdquo; gegen die INSM aus. Die ARD sah sich gezwungen, ihre internen Prozesse und Regularien anzupassen. <\/p><p>Die INSM selbst versuchte zun&auml;chst noch, ihr Agieren zu rechtfertigen. Gegen&uuml;ber LobbyControl &auml;u&szlig;erte sie, es sei lediglich um die Vermittlung von Grundkenntnissen gegangen. Die Themenwahl sei ideologiefrei gewesen. Nicht zu Unrecht konnte die INSM dabei darauf verweisen, dass die in &ldquo;Marienhof&rdquo; vermittelten Informationen sowohl von der damaligen (rot-gr&uuml;nen) Bundesregierung als auch der damaligen (schwarz-gelben) Opposition vertreten worden seien.<\/p><p>Wenngleich die INSM sich in sp&auml;teren Stellungnahmen defensiver zeigte, ist doch festzuhalten: Ihre Hoffnung, die neoliberalen &ldquo;Marienhof&rdquo;-Inhalte w&uuml;rden gemeinhin als objektiv und neutral angesehen, war damals nicht unbegr&uuml;ndet. Im Jahrf&uuml;nft der absoluten neoliberalen Dominanz waren Dinge denkbar und sagbar, die es heute in dieser Form und in dieser Radikalit&auml;t sicherlich nicht mehr sind. Letzteres mag &ndash; neben dem offensichtlichen Scheitern des Neoliberalismus in und mit der aktuellen Krise &ndash; ein St&uuml;ck weit auch dem &ldquo;Marienhof&rdquo;-Skandal zu verdanken sein. <\/p><p><strong>Neoliberalismus in TV-Serien &ndash; weitere Beispiele<\/strong><\/p><p>Womit allerdings keineswegs behauptet werden soll, dass der Neoliberalismus verschwunden w&auml;re. Es ist noch heute die dominierende politische Ideologie, wie sich etwa an &ldquo;Schuldenbremse&rdquo; und Fiskalpakt, an der Austerit&auml;tspolitik in Griechenland oder an der deutschen und europ&auml;ischen Bildungspolitik zeigt. Nach wie vor sitzen Neoliberale an den entscheidenden Schaltstellen in Parteien und Beh&ouml;rden, Medien und Hochschulen. Und auch in erz&auml;hlerischen Fernseh-Formaten hat er nach wie vor seinen Platz: Serienfiguren werden dort nach wie vor regelm&auml;&szlig;ig als Menschen beschrieben, die sich den Anforderungen einer neoliberalen Gesellschaft stellen m&uuml;ssen und wollen; diese Anforderungen erscheinen damit als normal und richtig. Dies soll abschlie&szlig;end an drei Beispielen kurz aufgezeigt werden soll:<\/p><ul>\n<li>Die k&uuml;rzlich vorzeitig eingestellte Sat.1-Serie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25771\">&ldquo;Newstopia&rdquo;<\/a> wurde beworben mit der Behauptung, es ginge um den Aufbau einer g&auml;nzlich neuen Gesellschaft. Tats&auml;chlich aber reproduzierte sie die neoliberale Marktgesellschaft im Kleinen. 15 Kandidatinnen und Kandidaten wurden im Februar in eine einsame brandenburgische Scheune verfrachtet. Mit einem kleinen Startkapital ausgestattet, sollten diese &ldquo;Pioniere&rdquo; ihr Auskommen selbst erwirtschaften. Sie waren damit von Beginn an in kapitalistische Markt- und Verwertungsprozesse eingebunden; mehr noch: Die Zuschauer konnten Tag f&uuml;r Tag beobachten, ob die &ldquo;Pioniere&rdquo; kreativ, diszipliniert und flei&szlig;ig genug sind, um dort zu bestehen.<\/li>\n<li>Das ZDF (seltener die ARD) sendet regelm&auml;&szlig;ig romantisierende Schmonzetten mit fast immer gleicher Handlung: Eine Frau (jung, gutaussehend, anst&auml;ndig, selbst&auml;ndig und\/oder mit kreativem Beruf) mit Freund (jung, gutaussehend, moralisch verlottert, selbst&auml;ndig und\/oder mit kreativem Beruf) kommt aus einer Gro&szlig;stadt alleine aufs Land, wo sie einen anderen Mann (jung, gutaussehend, zun&auml;chst scheinbar einfach gestrickt, am Ende aber tats&auml;chlich verm&ouml;gend und\/oder sehr gebildet) kennenlernt. F&uuml;r den &ldquo;neuen&rdquo; Mann verl&auml;sst sie den &ldquo;alten&rdquo;. In diesen Serien finden sich durchaus sozialkritische Ankl&auml;nge, etwa Kritik an Gro&szlig;st&auml;dten und Gro&szlig;konzernen, bisweilen sogar an &uuml;bertriebenem Arbeitsflei&szlig; und veralteten Geschlechterrollen. Diese &ldquo;Sozialkritik&rdquo; aber wird zugleich mit neoliberaler Ideologie vers&ouml;hnt: Die Serienfiguren bem&uuml;hen sich aktiv um Anerkennung und einen hohen sozialen Status, sie zeigen sich trotz aller Gef&uuml;hle als zielstrebig, kreativ und diszipliniert. Das &ldquo;Happy End&rdquo; bedeutet f&uuml;r die Frauen regelm&auml;&szlig;ig nicht nur eine neue Liebesbeziehung, sondern dank eigener Anstrengungen auch beruflichen Erfolg bzw. Erfolg am Markt.<\/li>\n<li>Seit Beginn der 1990er Jahre (genauer: seit &ldquo;Gute Zeiten, schlechte Zeiten&rdquo;) haben sich Seifenopern <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/1491\">radikal gewandelt<\/a>. Serien der 1980er Jahre waren noch sozialkritisch und konnten gar in der Arbeiterklasse spielen (&ldquo;Lindenstra&szlig;e&rdquo;), oder sie waren traditionell-konservativ mit einem Patriarchen im Zentrum der Handlung (&ldquo;Schwarzwaldklinik&rdquo;). Seit &ldquo;Gute Zeiten, schlechte Zeiten&rdquo; aber zeigen &ldquo;Seifenopern&rdquo; &ldquo;ideale&rdquo; neoliberale Lebensverh&auml;ltnisse: Die Serienfiguren sind jung und gutaussehend, haben kreative Berufe und folgen stets den neuesten Moden und Trends. Sie tun dies, um Anerkennung und soziale Bindungen zu erlangen &ndash; was ihnen aber stets nur auf Zeit gelingt. Das Leben erscheint so als eine permanente Bew&auml;hrungsprobe, als permanenter Wettlauf um einen hohen sozialen Status, als permanentes Sich-Thematisieren, Sich-Optimieren, Sich-Darstellen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund konnte &ldquo;Marienhof&rdquo; f&uuml;r die INSM so attraktiv sein.<\/li>\n<\/ul><p>Diese Beispiele zeigen: Vom Ende des Neoliberalismus in TV-Serien kann auch zehn Jahre nach dem &ldquo;Marienhof&rdquo;-Skandal und acht Jahre nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht die Rede sein.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/c26769642ebe421bb2c58afdc96ad1b1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Patrick Schreiner lebt und arbeitet als hauptamtlicher Gewerkschafter in Hannover. Er schreibt regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r die NachDenkSeiten zu wirtschafts-, sozial- und verteilungspolitischen Themen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau zehn Jahren, am 17. September 2005, wurde bekannt, dass die &ldquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&rdquo; (INSM) so genannte &ldquo;Themenplacements&rdquo; in der ARD-Serie &ldquo;Marienhof&rdquo; gekauft hatte. Gegen Geld wurden in mehreren F&auml;llen Dialoge entsprechend der neoliberalen Vorstellungen und Forderungen der INSM gestaltet. Ein R&uuml;ckblick von <strong>Patrick Schreiner<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27588#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,41,11],"tags":[1546,284,288,312,413,278,508],"class_list":["post-27588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-ard","tag-deregulierung","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-schlanker-staat","tag-steuersenkungen","tag-wirtschaft-in-der-schule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27588"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51290,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27588\/revisions\/51290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}