{"id":27591,"date":"2015-09-17T10:38:08","date_gmt":"2015-09-17T08:38:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27591"},"modified":"2019-05-22T13:45:49","modified_gmt":"2019-05-22T11:45:49","slug":"das-geschaeft-mit-der-angst-mathias-broeckers-bespricht-das-buch-von-pulitzer-preistraeger-james-risen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27591","title":{"rendered":"\u201eDas Gesch\u00e4ft mit der Angst\u201c \u2013 Mathias Br\u00f6ckers bespricht das Buch von Pulitzer-Preistr\u00e4ger James Risen"},"content":{"rendered":"<p>Der Bericht &uuml;ber das Milliardengesch&auml;ft des Kriegs gegen den Terror kl&auml;rt auf und macht Angst. Es ist nicht nur ein Gesch&auml;ft mit der Angst. Wenn man sich vergegenw&auml;rtigt, wie sinnlos dieser Krieg ist und welche gro&szlig;en wirtschaftlichen Interessen ihn antreiben und &ndash; vor allem &ndash; wie weitgehend dieser Krieg inzwischen in privaten H&auml;nden liegt, dann muss man zwingend auch daran denken, dass die gro&szlig;en privaten Interessen und Interessenten an diesem Krieg weitgehend unkontrolliert gegen jene vorgehen k&ouml;nnen, die sich diesem Krieg entgegenstellen. Wer sch&uuml;tzt den unbequemen Kritiker gegen die physische Bedrohung durch Handlanger der Milit&auml;rkonzerne? Wer sch&uuml;tzt die aufkeimende Friedensbewegung gegen die von diesen Interessen finanzierte PR-Maschinerie? Es gibt Menschen, auch in meinem Umfeld, die diese Sorgen nicht haben. Ich bewundere sie ob ihrer Sorglosigkeit. Folgen kann ich dieser Unbek&uuml;mmertheit nicht mehr. &ndash; Es folgt die Besprechung des Buches von James Risen durch den Journalisten und Autor Mathias Br&ouml;ckers. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Gesch&auml;ft mit der Angst &ndash; James Risens Report &uuml;ber das Milliardenbusiness des &bdquo;War On Terror&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dass der &bdquo;Krieg gegen Terror&ldquo; nicht zu gewinnen ist, weil &bdquo;Terror&ldquo; eine Strategie ist, gegen die &bdquo;Krieg&ldquo; nichts ausrichten kann &ndash; zu dieser Einsicht konnte man schon kommen, als Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach dem 11. September 2001 ank&uuml;ndigte, dass der &bdquo;Great War On Terror&ldquo;, den man begonnen habe, sich &uuml;ber &bdquo;mehrere Generationen&ldquo; hinziehen w&uuml;rde. Vierzehn Jahre, also etwa eine halbe Generation sp&auml;ter, l&auml;sst sich nun feststellen, dass dieser Krieg nicht nur nichts gegen den Terror ausrichten konnte, sondern im Gegenteil immer mehr und immer neuen Terror produziert.  Nicht in den USA, die in Bezug auf heimischen Terrorismus eines der ruhigsten Jahrzehnte &uuml;berhaupt erlebten &ndash; in den 60er und 70er Jahren gab es im Zuge der B&uuml;rgerrechts- und Anti-Kriegs-Bewegung deutlich mehr Anschl&auml;ge als seit 9\/11 &ndash; sondern &uuml;berall dort, wo der &bdquo;War On Terror&ldquo; gef&uuml;hrt wurde und weiter gef&uuml;hrt wird. In Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Syrien  hat dieser Krieg nicht dazu gef&uuml;hrt, dass der Terror besiegt wurde, sondern vielmehr dazu, dass wie jetzt mit dem &bdquo;Islamischen Staat&ldquo; terroristische Milizen ganze Regionen regieren. <\/p><p>Wenn man dem Imperium in Washington nicht die Absicht unterstellen will,   die Entstaatlichung ganzer Regionen nach der Strategie &bdquo;Teile und Herrsche&ldquo; bewusst  zu betreiben, um dank  Krieg und Terror in den Peripherien als globaler Hegemon unangefochten zu bleiben &ndash; wenn also dieser &bdquo;War On Terror&ldquo; tats&auml;chlich zur Jagd auf internationale Terroristen gedacht war, dann h&auml;tte man bei dieser verheerenden Bilanz sp&auml;testens nach der Erledigung des vermeintlichen Ober-Terroristen Osama Bin Laden den Sieg und das Ende dieses Kriegs verk&uuml;nden k&ouml;nnen. Das geschah bekanntlich nicht, der Friedensnobelpreistr&auml;ger Obama hakte weiter an jedem &bdquo;Terror Tuesday&ldquo; auf der Liste die per Drohne (und oft von deutschem Boden via Rammstein)  zu erledigenden &bdquo;Terroristen&ldquo; ab und  f&uuml;hrt den ungewinnbaren Krieg unbeirrt weiter. Wenn es nun aber kaum eine bessere Methode gibt, neue Terroristen und &bdquo;Feinde der Freiheit&ldquo; zu produzieren, als Predator-Raketen auf Hochzeitsgesellschaften zu feuern, wenn es milit&auml;risch also &uuml;berhaupt keinen Sinn macht, auf diese Art den Terrorismus zu bek&auml;mpfen, warum wird dieser absurde Krieg nicht beendet?<\/p><p>Eine wenig erfreuliche Antwort auf diese Frage liefert der &bdquo;New York Times&ldquo;- Reporter und zweifache Pulitzer-Preistr&auml;ger James Risen  schon mit dem Titel seines neuen Buchs: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/krieg-um-jeden-preis-james-risen.html#.Vfp2vs4bryg\">Krieg um jeden Preis &ndash; Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengesch&auml;ft mit dem Kampf gegen den Terror<\/a>&ldquo; (Westend Verlag, 312 Seiten, 17,99). In einem rasanten Ritt beschreibt er den Goldrausch, den der am 11. September 2001 begonnene Anti-Terror-Kampf ausl&ouml;ste und ganze Heere von Gesch&auml;ftemachern an die &uuml;berquellenden F&uuml;llh&ouml;rner des Pentagon und des neuen Heimatschutz-Ministeriums lockte.<\/p><p>Der Mega-Skandal, den Donald Rumsfeld noch einen Tag vor 9\/11 enth&uuml;llt hatte und der im Horror der Attacken dann unterging &ndash; dass das Verteidigungsministerium f&uuml;r 2.300 Milliarden (!) Dollar seiner Ausgaben keine Quittungen finden konnte &ndash; erh&auml;lt mit Risens Buch in gewisser Weise seine Fortsetzung: &bdquo;Der gesamte Krieg gegen den Terror hat sch&auml;tzungsweise vier Billionen Dollar gekostet. Das ist ein enormer Geldtransfer in einen neuen Wirtschaftssektor, die Sicherheitsindustrie.&ldquo; Und dieser wirkte wie ein Magnet, nicht nur auf Gauner und Gl&uuml;cksritter, die das Gesch&auml;ft mit der Angst nutzten, um den Sicherheitsbeh&ouml;rden Millionen aus der Tasche zu ziehen, sondern auch auf gro&szlig;e Milit&auml;rkonzerne wie KBR und Blackwater. So klar es ist, dass die F&auml;lle von Betrug, Verschwendung und Vertuschung, die Risen anekdotisch schildert, nur die Spitze eines Eisbergs darstellen, so deutlich wird auch, wie der Lockruf des gro&szlig;en Etats jede Ethik au&szlig;er Kraft setzt. Etwa bei den Psychologen, Verhaltenswissenschaftlern und &Auml;rzten, die sich mit neuartigen Foltermethoden bei Milit&auml;rs und Geheimdiensten andienten &ndash; und diese Methoden dann mit ihren privaten Firmen auch anwendeten. Die Dreht&uuml;ren, in der die neue Sicherheitselite zwischen Staatsapparat, Auftragsfirmen, Denkfabriken und TV-Studios rotiert, sind be&auml;ngstigend &ndash; und werden weiter daf&uuml;r sorgen, dass Milliarden f&uuml;r &bdquo;die Sicherheit&ldquo; niederregnen, um jeden Preis. Dem pessimistischen Ausblick des Autors kann man sich daher nur anschlie&szlig;en: &bdquo;Dank des partei&uuml;bergreifenden Anstrichs, den er unter Bush und Obama bekommen hat, befindet sich Washingtons globaler Krieg gegen den Terror nunmehr in seinem zweiten Jahrzehnt. Es gibt keine Anzeichen, dass er sich abschw&auml;cht; Gauner und Freibeuter schlachten ihn weiter nach Herzenslust aus, und immer mehr unbeabsichtigte Konsequenzen dieses Kriegs t&uuml;rmen sich auf.&ldquo;<\/p><p>Mathias Br&ouml;ckers<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150917-Das-der-Krieg-gegen-terror.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>James Risen: &bdquo;Krieg um jeden Preis &ndash; Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengesch&auml;ft mit dem Kampf gegen den Terror&ldquo;, Westend Verlag, 312 Seiten, 17,99<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bericht &uuml;ber das Milliardengesch&auml;ft des Kriegs gegen den Terror kl&auml;rt auf und macht Angst. Es ist nicht nur ein Gesch&auml;ft mit der Angst. 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