{"id":2769,"date":"2007-11-15T09:19:52","date_gmt":"2007-11-15T08:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2769"},"modified":"2015-12-09T16:20:51","modified_gmt":"2015-12-09T15:20:51","slug":"koalitionsausschuss-merkel-fuehrt-die-spd-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2769","title":{"rendered":"Koalitionsausschuss: Merkel f\u00fchrt die SPD vor"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Als einen &ldquo;gro&szlig;en Erfolg&rdquo; hat der SPD-Vorsitzende Kurt Beck die Einigung zwischen SPD und Union auf geringere Beitr&auml;ge zur Arbeitslosenversicherung und eine l&auml;ngere Zahlung von Arbeitslosengeld f&uuml;r &uuml;ber 50-J&auml;hrige bezeichnet. Entt&auml;uscht zeigte er sich &uuml;ber die Weigerung der Union, Briefzusteller vor Lohndumping zu sch&uuml;tzen&ldquo;, so lautet das <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/menu\/1732942\/\">Res&uuml;mee von Kurt Beck &uuml;ber die Ergebnisse des Koalitionsausschusses<\/a>. Schaut man sich die Ergebnisse etwas genauer an, dann muss man feststellen, dass die Kanzlerin gegen ihren fast gleich starken Koalitionspartner einen regelrechten Kantersieg erzielt hat. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nDer Reihe nach: <\/p><p><strong>Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes f&uuml;r &Auml;ltere<\/strong><\/p><p>Gestartet war die SPD mit dem vom Bundesparteitag abgesegneten Beck-Vorschlag, den Bezug des Arbeitslosengelds I nach Vollendung des 45. Lebensjahres auf bis zu 15 Monaten und nach Vollendung des 50. Lebensjahres auf bis zu 24 Monaten zu erm&ouml;glichen. Die Kosten sollten aus den &Uuml;bersch&uuml;ssen der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit finanziert werden.<br>\nGelandet ist der <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/show\/1732970\/131107_Aktuell_Koalitionsausschuss.pdf\">Koalitionsausschuss [PDF &ndash; 48 KB]<\/a>: Arbeitslose ab 50 Jahren erhalten eine Zahlung von 15 Monaten (bei 30 Monaten Vorversicherungszeiten innerhalb der letzten 5 Jahre), von 18 Monaten ab 55 Jahren (bei 36 Monaten Vorversicherungszeit) und von 24 Monaten ab 58 Jahren (bei 48 Monaten Vorversicherungszeit).<br>\nAlso Verbesserungen erst ab 50 statt ab 45 Jahren, bei 55-J&auml;hrigen &auml;ndert sich zur gegenw&auml;rtigen Situation gar nichts und bis zu 24 Monate Bezugsm&ouml;glichkeit (also 6 Monate l&auml;nger als bisher) ab 58 statt ab 50 Jahren.<\/p><p>Die SPD Seite musste eben einen Kompromiss schlie&szlig;en, k&ouml;nnte man sagen, ob wohl die CDU-Seite schon auf ihrem Dresdener Parteitag 2006 eher l&auml;ngere Bezugsfristen beschlossen hatte:<br>\nWer 15 Jahre Beitr&auml;ge gezahlt hat, soll 15 statt 12 Monate ALG I beziehen. Bei 25 Jahren Einzahldauer erh&ouml;ht sich der Leistungsanspruch auf 18 Monate, bei 40 Jahren auf 24 Monate.<br>\nFazit: Die Kanzlerin hat sich noch nicht einmal an die Beschl&uuml;sse ihrer eigenen Partei gebunden gesehen. Wo bleibt da eigentlich der Protest von Herrn R&uuml;ttgers?<\/p><p>Man f&uuml;hre sich nur einmal vor Augen, welche politische Energie verpufft wurde und vor allem welcher &ouml;ffentliche Wirbel darum gemacht worden ist, dass gerade mal <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/11\/14\/arbeitslosen-versicherung\/netto-tabelle.html\">57.000 Arbeitnehmer<\/a> gegebenenfalls (sieh unten) ein paar Monate l&auml;nger Arbeitslosengeld I beziehen k&ouml;nnen sollen.<\/p><p>Kompromisse machen hei&szlig;t eigentlich geben und nehmen. Verhandlungsmasse w&auml;re die H&ouml;he der Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge gewesen. Nachdem der Beitrag schon von 6,5 auf 4,2 Prozent des Bruttolohns gesenkt worden ist und ab 2008 eine weitere Senkung auf 3,9 beschlossene Sache war, wollte es Kurt Beck urspr&uuml;nglich dabei belassen. Ohne weitere Begr&uuml;ndung hat der Hamburger SPD-Parteitag eine Senkung auf 3,5 Prozent angeboten.<br>\nDoch das war der Union immer noch nicht genug, der Koalitionsausschuss landete nun bei 3,3 Prozent. Das nenne ich einen Kompromiss nach Art der &bdquo;Merkel-Steuer&ldquo;: Die SPD wollte vor der Wahl keine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer, die Union wollte um zwei Prozentpunkte zulegen, die Gro&szlig;e Koalition landete bei 3 Prozentpunkten.<\/p><p>Aber bei den Beitragss&auml;tzen, war die SPD ohnehin nicht mehr kampff&auml;hig, ist sie doch mit ihrem freiwilligen Angebot einer Senkung auf 3,5 Prozent ohnehin einmal mehr das Opfer des Mythos von den angeblich zu hohen Lohnnebenkosten geworden, da konnten weitere 0,2 Prozent Abschlag klaglos nur noch als Erfolg gefeiert werden.<\/p><p>Nun geht es ja bei der H&ouml;he der Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge nicht um eine heilige Kuh.<br>\nAber was ist vom &ldquo;mehr Netto vom Brutto&rdquo;, wie das der neue CSU-Chef Huber stolz verk&uuml;ndete, zu halten?<br>\nZun&auml;chst einmal bedeutet die Beitragssenkung von 4,2 auf 3,3 Prozent nach Angaben der Bundesagentur einen Einnahmeausfall von knapp 7 Milliarden Euro. Man k&ouml;nnte einwenden bei 11 Milliarden &Uuml;berschuss der BA im letzten Jahr und gesch&auml;tzten 6 bis 7 Milliarden in diesem Jahr w&auml;re das doch locker zu verkraften.<br>\nIm Hintergrund dieser &bdquo;Sparbem&uuml;hungen&ldquo; bei der Bundesagentur stand jedoch von Anfang an die mit den Hartz-Gesetzen verfolgte politische Absicht, das Vertrauen der Arbeitnehmer in &bdquo;ihre&ldquo; Arbeitslosenversicherung gr&uuml;ndlich zu zerst&ouml;ren. Die Logik ist: K&uuml;rzung als Druckmittel auf die Arbeitnehmer, jede Arbeit anzunehmen, egal zu jedem Preis und zu welchen Bedingungen, wenn die Entlassenen nicht nach Ablauf der Fristen des Arbeitslosengeldes I und nach der Aufzehrung des Angesparten in die Bed&uuml;rftigkeit, d.h. in die Sozialhilfe fallen wollen.<\/p><p>Vom Gesetzesauftrag her ist es immer noch Aufgabe der Bundesagentur &bdquo;f&uuml;r Arbeit&ldquo;, Arbeitslose und Ausbildungswillige in Arbeit oder Ausbildung zu bringen. Dieses Ziel wurde jedoch schon dadurch verletzt, als man die Erh&ouml;hung des Beitrags zur Pflegeversicherung von 0,3 Prozent mit der Senkung der Beitr&auml;ge f&uuml;r die Arbeitslosenversicherung verrechnete.<br>\nJeder Euro f&uuml;r die &Uuml;bersch&uuml;sse und jeder Euro Einnahmeausfall steht f&uuml;r die gesetzliche Aufgabe nicht mehr zur Verf&uuml;gung.<br>\nDie Bundesagentur hat in den letzten Jahren durch den sog. Aussteuerungsbetrag den Bundeshaushalt mit j&auml;hrlich etwa 10 Milliarden subventioniert und ihre &Uuml;bersch&uuml;sse vor allem durch K&uuml;rzungen bei den sog. arbeitsmarktpolitischen Ma&szlig;nahmen erzielt. Insbesondere bei der gro&szlig;en Gruppe der schwer vermittelbaren Menschen besteht inzwischen erheblicher Nachholbedarf und bei Notprogrammen f&uuml;r den anwachsenden Berg von jungen Leuten in der Warteschleife auf eine berufliche Ausbildung best&uuml;nde ein dramatischer Handlungsbedarf. Aber nichts dergleichen geschieht. Man r&uuml;hmt sich lieber der &Uuml;bersch&uuml;sse und bietet dem Gesetzgeber Vorlagen f&uuml;r weitere Senkungen der Beitr&auml;ge.<br>\nDie Klage des Bundesverbandes der Tr&auml;ger der beruflichen Bildung ist durchaus berechtigt: Diese weitere &bdquo;Absenkung gef&auml;hrdet auf absehbare Zeit eine sinnvolle Arbeitsmarktpolitik, durch die sowohl die Langzeitarbeitslosigkeit deutlich reduziert als auch dem Fachkr&auml;ftemangel begegnet werden k&ouml;nnte.&ldquo;<\/p><p>Was bei der Bundesagentur an Einnahmen ausf&auml;llt, steht auch als Finanzreserve nicht mehr zur Verf&uuml;gung. Was passiert, wenn es zu einer Rezession kommen sollte und wieder mehr Arbeitslose finanziert werden m&uuml;ssen? Das Szenario l&auml;sst sich leicht prognostizieren: Wenn die zur&uuml;ckgegangenen Einnahmen f&uuml;r die Finanzierung nicht mehr ausreichen sollten, ist der Ruf nach einer weiteren Verk&uuml;rzung der Leistungen an die Arbeitslosen mit der jetzt beschlossenen Halbierung der Beitr&auml;ge von 6,2 auf 3,3 Prozent vorprogrammiert. Das hat &uuml;brigens gerade der Ausschuss f&uuml;r Arbeit und Soziales laut Pressedienst des Deutschen Bundestages schon vorsorglich beschlossen: Falls der beschlossene  &bdquo;Beitragssatz bis 2011 nicht ausreicht, solle die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit (BA) keinen Bundeszuschuss als Ausgleich bekommen.&ldquo;<br>\nVor allem dieser weitere Abbau der Arbeitslosen-&bdquo;Versicherung&ldquo; und nicht die Senkung der &bdquo;Lohnebenkosten&ldquo; steht als Paradigma hinter dem Beitragssenkungswahn. Die Lohnnebenkostendebatte dient nur der ideologisch verbr&auml;mten Verschleierung, der tats&auml;chlichen Auswirkungen.<\/p><p>Auf rund 400 Euro bezifferte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) in der FTD das Plus f&uuml;r den Durchschnittsverdiener. Mit dieser Falschbehauptung hat ihn selbst die <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/11\/14\/arbeitslosen-versicherung\/netto-tabelle.html\">BILD-Zeitung<\/a> blo&szlig; gestellt. Selbst bei einem Bruttogehalt von 5.300 Euro bleibt im Monat ein Plus von 22,80 Euro und im Jahr von 273.60 Euro.  &bdquo;Endlich mehr Netto f&uuml;r alle in der Tasche&ldquo; titelt die Bildzeitung. (Dass Rentner, Studierende oder Niedrigl&ouml;hner nicht zu den &bdquo;allen&ldquo; geh&ouml;ren, lassen wir mal beiseite.) BILD entbl&ouml;det sich nicht ihren Lesern als Erfolgsmeldung zu verkaufen, wenn ein bei einem mittleren Bruttogehalt von 2000 Euro im Monat gerade mal 9 Euro &bdquo;netto &uuml;brig&ldquo; bleiben.<br>\nAlle Umfrage best&auml;tigen es: Die Arbeitnehmer w&uuml;rden liebend gerne auf dieses &bdquo;Geschenk&ldquo; verzichten, wenn sie daf&uuml;r wieder eine bessere solidarische Risikoabsicherung bek&auml;men.<\/p><p>Unsere Kanzlerin hat nach der Koalitionsrunde auf beim <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/nn_1264\/Content\/DE\/Rede\/2007\/11\/2007-11-13-merkel-hde.html\">Hauptverband des deutschen Einzelhandels erkl&auml;rt<\/a>: &bdquo;Die Senkung von Lohnzusatzkosten ist f&uuml;r die inzwischen gl&uuml;cklicherweise &uuml;ber 27 Millionen sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten eine reale Entlastung, genauso wie sie f&uuml;r Sie als Unternehmer eine reale Entlastung ist &ndash; mit der gleichen Wirkung wie Steuersenkungen.&ldquo; (Abweichend vom Manuskript hat sie von einem Entlastungsvolumen von 6 Milliarden Euro gesprochen (es sind eher 7 Milliarden)).<br>\nFrau Merkels Rechenk&uuml;nste d&uuml;rften wohl ausreichend genug sein, dass sie selbst nicht daran glauben kann, dass zwischen 3,60 und 22,80 im Monat mehr im Geldbeutel der Arbeitnehmer wirklich als eine Entlastung erfahren werden. In Wirklichkeit geht es um die &bdquo;reale Entlastung&ldquo; der Unternehmer um weitere 3,5 Milliarden Euro &ndash; und das zus&auml;tzlich zur ab 1.1.2008 in Kraft tretenden und jetzt <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/Kapitalgesellschaften-Unternehmenssteuer;art271,2418230\">schon wirkenden<\/a> Steuerreform mit einer realen Entlastung von mindestens 6 Milliarden. Das macht dann schon 9,5 Milliarden Entlastung f&uuml;r die Wirtschaft.<\/p><p>Davon, dass diese reale Entlastung von den effektiven Lohnkosten (letztlich also eine Lohnk&uuml;rzung) bei den Unternehmen durch die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge etwa den L&ouml;hnen der Arbeitnehmer zugute kommen k&ouml;nnte, spricht nicht einmal mehr die SPD. Man kann nur hoffen, dass das die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen in ihre Rechenmodelle einbeziehen.<\/p><p>Der &bdquo;Kompromiss&ldquo; bei der Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes hat dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r die betroffenen &Auml;lteren noch einen teuflischen Pferdefu&szlig;: &bdquo;Wer Anspruch auf ein verl&auml;ngertes Arbeitslosengeld hat, bekommt einen Eingliederungsgutschein, entweder gekoppelt mit einem konkreten Arbeitsangebot oder mit dem Auftrag, sich um dessen Einl&ouml;sung zu bem&uuml;hen&ldquo;, so hei&szlig;t es in der Zusammenfassung der SPD. Deutlicher wird da Volker Kauder: Die Arbeitslosen erhalten einen Eingliederungsschein <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,516982,00.html\">&ldquo;den sie dann in einer konkreten Besch&auml;ftigung einl&ouml;sen m&uuml;ssen&rdquo;<\/a>. <\/p><p>Erst wenn also kein Arbeitsangebot da ist oder die Einl&ouml;sung des Eingliederungsgutscheins nicht gelingt, erh&auml;lt der betreffende Arbeitslose das verl&auml;ngerte Arbeitslosengeld. Einen &auml;hnlichen Vorschlag von Franz M&uuml;ntefering hatte Kurt Beck noch k&uuml;rzlich strikt zur&uuml;ckgewiesen. Das erzielte Ergebnis bedeutet letztlich das Vorziehen des Drucks zur Annahme jeder angebotenen Arbeit in den Rechtsbereich des Arbeitslosengeldes I. Motto: Entweder Du nimmst die angebotene Arbeit zu jedem Lohn und zu jeder Bedingung an, oder das Arbeitslosengeld wird nicht verl&auml;ngert.<\/p><p>Ob es allerdings &uuml;berhaupt zu der angeblich beschlossenen Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes f&uuml;r &Auml;ltere Arbeitnehmer kommt, steht noch in den Sternen. Bei der Finanzierung gibt es n&auml;mlich noch erhebliche Ungereimtheiten. Laut <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/verabredungen-mit-union-gelten-nichts\/?src=AR&amp;cHash=ef251a0713\">Presseberichten<\/a> sollen 270 Millionen Euro j&auml;hrlich zur Finanzierung der h&ouml;heren Kosten aus dem Bundeshaushalt flie&szlig;en, rund 500 Millionen Euro soll die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit aus ihrem Topf f&uuml;r die Wiedereingliederung von Arbeitslosen dazugeben. <\/p><p>Die SPD spart in ihrer Darstellung des &bdquo;Erfolges&ldquo; die Finanzierung komplett aus. Umso mehr betonten die Unionisten, dass sie sich die CDU mit der Forderung durchgesetzt habe, dass die Verl&auml;ngerung keine Mehrkosten bei der Bundesagentur verursachen soll.<br>\nEs soll wohl einen Verschiebebahnhof geben: Der Bund transferiert, die Mittel die er beim Arbeitslosengeld II durch die Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes I (bezahlt durch die Bundesagentur) spart. Ob diese Berechnungen tats&auml;chlich in einem Nullsummenspiel aufgehen ist noch v&ouml;llig offen.<br>\nEs w&auml;re nicht das erste Mal in der Gro&szlig;en Koalition, dass die Union einen beschlossenen &bdquo;Kompromiss&ldquo; mit der SPD an der Finanzierung wieder platzen lie&szlig;e.<br>\nDas Scheitern des sogar schon im Kabinett beschlossenen Mindestlohns f&uuml;r die Briefzusteller in der letzten Koalitionsrunde ist nur das j&uuml;ngste Beispiel f&uuml;r einen solchen &bdquo;Wortbruch&ldquo; (Andrea Nahles) der Kanzlerin.<\/p><p>Beim <strong>Mindestlohn<\/strong> zeigen die Union und die Kanzlerin wie dogmatisch verbohrt sie sind. Vielleicht h&auml;tte Angela Merkel sich einmal bei ihrem Besuch auf der Ranch von Bush &uuml;ber den Mindestlohn in den USA schlau machen k&ouml;nnen.<br>\nAber warum sollte sich Frau Merkel auch die Gunst des Springerverlages verderben, der zu 65 Prozent an der PIN-AG beteiligt ist?<br>\n&Uuml;ber diese br&uuml;ske Abfuhr in der Koalitionsrunde schreibt die SPD beleidigt: &bdquo;Die Kanzlerin hat ihre Zusage aus dem letzten Koalitionsausschuss gebrochen, das Auslaufen des Briefmonopols hinauszuschieben, falls es bis zum Ende des Jahres keinen Mindestlohn f&uuml;r die Briefdienstbranche gibt.&ldquo;<br>\nWarum hat eigentlich die SPD nicht ihre Zustimmung zum Auslaufen des Briefmonopols in Frage gestellt, wenn ihr dieses Thema wirklich ernst ist?<\/p><p>Als &bdquo;Erfolg&ldquo; gibt die SPD aus, dass im Haushalt der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit 1 Mrd. Euro f&uuml;r den <strong>&bdquo;Bonus f&uuml;r Arbeit&ldquo;<\/strong> eingestellt werden. Letztlich soll damit verhindert werden, dass Niedriglohn-Besch&auml;ftigte einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II erhalten. Man spart also Mittel des Fiskus zu Lasten der Bundesagentur und finanziert aus den Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;gen eine Art &bdquo;Kombilohn&ldquo;. Die Arbeitnehmer finanzieren also mit ihren Beitr&auml;gen eine Lohnsubvention an die Unternehmen mit. Sarkastisch k&ouml;nnte man dazu sagen: Das kommt der Idealvorstellung, dass die Arbeitnehmer ihre L&ouml;hne selbst subventionieren schon ziemlich nahe. <\/p><p>Auch bei mit ihrem Vorschlag einer Regelung zur Vermeidung der Zwangsverrentung mit Rentenabschl&auml;gen beim Auslaufen der sog. <strong>58er-Regelung<\/strong> zum 1.1.2008 ist Franz M&uuml;ntefering an der Blockade der Kanzlerin gescheitert. Geschieht nicht noch ein Wunder so werden die Betroffenen &auml;ltere Arbeitslose k&uuml;nftig zwangsweise mit erheblichen Abschl&auml;gen in Rente geschickt.<\/p><p>Bei der <strong>Bahnreform<\/strong> war keine Einigung im Koalitionsausschuss zu erwarten, diese Angelegenheit ist zu komplex. Hier macht es sich die Union und die Kanzlerin ziemlich einfach:<br>\nSie k&ouml;nnen die Widerst&auml;nde in den eigenen Reihen, insbesondere der Ministerpr&auml;sidenten gegen die Bahnprivatisierung gem&uuml;tlich aussitzen und den schwarzen Peter auf die SPD schieben, die sich nach aller Erfahrung (z.B. bei der Gesundheitsreform) nun um einen &bdquo;Kompromiss&ldquo; bem&uuml;hen wird, mit dem man den Parteitagsbeschluss in Hamburg am besten umgehen oder aushebeln kann.<\/p><p>Es gibt allerdings auch etwas Erfreuliches aus der Koalitionsrunde: &bdquo;F&uuml;r die Weiterentwicklung des <strong>Kinderzuschlags<\/strong> werden im Bundeshaushalt bis zu 200 Mio. Euro zus&auml;tzlich bereitgestellt.&ldquo;<br>\nDer Kinderzuschlag soll Eltern mit geringem Einkommen, die in ihrem Haushalt unverheiratete Kinder unter 25 Jahre versorgen m&uuml;ssen, das Existenzminimum sichern, ohne sich dem finanziellen Striptease bei einer Hartz IV-Aufstockung unterziehen zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Bis zu 200 Millionen Euro gegen Kinderarmut und bis zu 3,5 Milliarden Euro Entlastung f&uuml;r die ach so armen Unternehmen, das ist das zahlenm&auml;&szlig;ige Ergebnis der Beschl&uuml;sse des Koalitionsausschusses. So liegen also die Verh&auml;ltnisse f&uuml;r das &bdquo;soziale Deutschland&ldquo; in der Gro&szlig;en Koalition. In der in der Politik ach so beliebten Fu&szlig;ballersprache, k&ouml;nnten man von einer Niederlage des Sozialen von 1 : 17 sprechen &ndash; wieder einmal ein Kantersieg f&uuml;r die Wirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Als einen &ldquo;gro&szlig;en Erfolg&rdquo; hat der SPD-Vorsitzende Kurt Beck die Einigung zwischen SPD und Union auf geringere Beitr&auml;ge zur Arbeitslosenversicherung und eine l&auml;ngere Zahlung von Arbeitslosengeld f&uuml;r &uuml;ber 50-J&auml;hrige bezeichnet. Entt&auml;uscht zeigte er sich &uuml;ber die Weigerung der Union, Briefzusteller vor Lohndumping zu sch&uuml;tzen&ldquo;, so lautet das <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/menu\/1732942\/\">Res&uuml;mee von Kurt Beck &uuml;ber die Ergebnisse<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2769\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,167,140],"tags":[1011,459,858,1707,317,309,271],"class_list":["post-2769","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-familienpolitik","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","tag-beck-kurt","tag-bild","tag-kauder-volker","tag-kinderzuschlag","tag-mindestlohn","tag-repressionen","tag-springer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2769"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29475,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2769\/revisions\/29475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}