{"id":27695,"date":"2015-09-25T08:52:16","date_gmt":"2015-09-25T06:52:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27695"},"modified":"2019-07-09T11:21:54","modified_gmt":"2019-07-09T09:21:54","slug":"die-angst-vor-islamfeinden-ist-berechtigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27695","title":{"rendered":"Die Angst vor Islamfeinden ist berechtigt"},"content":{"rendered":"<p>In <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/daniel-bax-angst-ums-abendland.html#.VgTjH7SGXpA\">&bdquo;Angst ums Abendland&ldquo;<\/a> erl&auml;utert der Journalist Daniel Bax ausf&uuml;hrlich, warum man sich nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden f&uuml;rchten sollte. Das Ergebnis ist ein Einblick in die islamfeindliche Szene, die weit &uuml;ber die Grenzen Deutschlands hinausgeht und oftmals ignoriert wird. Von <strong>Emran Feroz<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5305\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27695-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27695-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150925_Angst_vor_Islamfeinden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der niederl&auml;ndische Rechtspopulist Geert Wilders trat einmal daf&uuml;r ein, den Koran, den er mit Adolf Hitlers &bdquo;Mein Kampf&ldquo; verglich, zu verbieten. Heinz Christian-Strache, Vorsitzender der &ouml;sterreichischen FP&Ouml;, die teils immer noch als &bdquo;rechtspopulistisch&ldquo; relativiert wird, fuchtelt gerne mit einem Kreuz in der Hand herum und warnt vor einer &bdquo;schleichenden Islamisierung des Abendlandes&ldquo;. W&auml;hrenddessen gibt Marine Le Pen, F&uuml;hrerin des franz&ouml;sischen Front National vor, f&uuml;r Freiheit und Demokratie einzutreten, w&auml;hrend sie und ihre Parteigenossen fortw&auml;hrend gegen die muslimische Minderheit im Land hetzen und unter anderem fordern, in allen Schulkantinen Schweinefleisch zu servieren. Es sind diese Pers&ouml;nlichkeiten, um die es in Daniel Bax&rsquo; erstem Buch &bdquo;Angst ums Abendland&ldquo;, das den Untertitel &bdquo;Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden f&uuml;rchten sollten&ldquo; tr&auml;gt, geht. Der Frage nach diesem Warum geht der taz-journalist auf 262 Seiten ausf&uuml;hrlich nach. Dabei widmet er sich nicht nur den Galionsfiguren der europ&auml;ischen Rechten, sondern auch ihren deutschen Anh&auml;ngern, Stichwortgebern und Kronzeugen. <\/p><p>Konkret handelt es sich hierbei haupts&auml;chlich um Thilo Sarrazin, der sich selbst in j&uuml;ngsten Interviews immer noch als vermeintlicher Gen-Forscher, der seri&ouml;s argumentiert, pr&auml;sentieren will, um Heinz Buschkowsky, dessen permanente Panikmache um das &bdquo;Problemviertel&ldquo; Neuk&ouml;lln schnell in sich zusammenbricht, wenn man die zahlreichen Erfahrungen von muslimischen und j&uuml;dischen Neuk&ouml;llnern liest, oder um Alice Schwarzer, der bekanntesten Kopftuchfeindin der Bundesrepublik,  die sich im &bdquo;Kampf gegen die Islamisierung&ldquo; nicht selten an Menschen anbiedert, die alles andere als feministisch sind, etwa an evangelikale Fanatiker. Erw&auml;hnenswert ist hierbei die Tatsache, dass der Autor mit den genannten Personen nicht auf irgendeine Art und Weise &bdquo;abrechnet&ldquo;, sondern all ihre populistischen Argumente n&uuml;chtern ad absurdum f&uuml;hrt. <\/p><p>Selbiges betrifft auch die Kronzeugen der islamfeindlichen Szene, auf die sich nur nur Sarrazin und Co. beziehen, sondern auch die Hetzer des Hassblogs &bdquo;Politically Incorrect&ldquo; sowie weitere rechte Hassprediger. Bax l&auml;sst hier niemanden aus &ndash; vom Deutsch-&Auml;gypter Hamed Abdel-Samad, der in alles und jedem die islamistische Gefahr sieht und in letzter Zeit &ndash; so scheint es zumindest &ndash; als inoffizieller Sprecher des &auml;gyptischen Diktators Abdel Fattah al-Sisi fungiert, dessen zahlreiche Verbrechen, etwa das Massaker auf dem  Raba-El-Adwyia-Platz in Kairo im Jahr 2013, verharmlost und ihn sogar, man will es kaum glauben, als Reformer des Islams betrachtet, bis hin zu Necla Kelek, die einst neben Sarrazin auf dessen Buchvorstellung sa&szlig; und sich ansonsten in den Feuilletons diesen Landes, allen voran in jenem der F.A.Z., &uuml;ber jedes T&uuml;chlein und T&uuml;rmchen, aufregt. Die Kopftuchfrauen werden unterdr&uuml;ckt und die Minarette sind Symbole der Eroberung und Unterwerfung, so ihr Tenor. <\/p><p>Auch auf internationaler Ebene nimmt Bax die Islamhasser-Szene kritisch unter die Lupe. Eine besondere Rolle spielen hierbei die urspr&uuml;nglich aus Somalia stammende Ayaan Hirsi-Ali, die seit einiger Zeit in den USA lebt und dort neokonservative Kriegstreiber um sich geschart hat, sowie die sogenannten &bdquo;Neuen Atheisten&ldquo; um den Neurowissenschaftler und Philosophen Sam Harris, der zwar irgendwie in allen Religionen eine Gefahr sieht, den Islam allerdings als besonders bedrohlich betrachtet und deshalb &auml;hnlich wie Ali f&uuml;r eine aggressive Nahost-Politik eintritt &ndash; Guatanamo-Folter, Drohnen-Angriffe und der politische R&uuml;ckhalt von brutalen Diktatoren &agrave; la &Auml;gyptens al-Sisi inklusive. Eine &auml;hnliche Haltung vertreten Harris und Ali auch zu Israel. So schlug Ali nach dem letzten Massaker im Gaza-Streifen im Sommer 2014 den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu f&uuml;r den Friedensnobelpreis vor. W&auml;hrend des 51-t&auml;gigen Angriffs wurden &uuml;ber 2.100 Pal&auml;stinenser, haupts&auml;chlich Zivilisten, get&ouml;tet. W&auml;hrenddessen meint Harris, dass Israel ohnehin im Recht sei, egal, was es mache. Bez&uuml;glich der Rolle der Pal&auml;stinenser kreiert der Philosoph immer wieder das Bild der &bdquo;r&uuml;ckst&auml;ndigen Barbaren&ldquo;, denen der Westen moralisch &uuml;berlegen sei und die man bek&auml;mpfen m&uuml;sse. <\/p><p>Ein weiterer Akteur, der den Islamhass in Deutschland sch&uuml;rt und das Bild des &bdquo;Abendlandes&ldquo;, dieses ideologisch aufgeladenen und kulturk&auml;mpferischen Begriffs, konstruiert, sind f&uuml;hrende Medien. Jahrelang &uuml;bernahmen diese die Rolle des Scharfmachers. Dies betrifft nicht nur Boulevard-Bl&auml;tter wie die BILD, sondern auch das Springer-Flaggschiff WELT oder andere namhafte Medien wie die F. A. Z. oder den Spiegel. Selbiges betrifft zahlreiche Talkshows auf &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. Die Kritik ist mehr als berechtigt, denn wenn das neueste Buch des Islamhassers Udo Ulfkotte den gleichen Titel tr&auml;gt wie eine Spiegel-Ausgabe vor wenigen Jahren &ndash; n&auml;mlich &bdquo;Mekka Deutschland &ndash; Die stille Islamisierung&ldquo; &ndash; dann l&auml;uft, gelinde gesagt, irgendetwas falsch. Bax stellt richtigerweise fest, dass viele Medien in erster Linie an ihre Verkaufszahlen und Einschaltquoten denken. Was sie damit in der Gesellschaft anrichten, ger&auml;t in den Hintergrund.<\/p><p>Die Sache mit der Meinungsfreiheit, vor allem seit dem Anschlag auf die Redaktion von &bdquo;Charlie Hebdo&ldquo;, ist ein zentrales Thema des Buches. Dabei wird erl&auml;utert, warum man nicht unbedingt Charlie sein muss, um f&uuml;r dieses fundamentale Recht einzutreten. Denn auch nach Charlie Hebdo wurde die Heuchelei sowie das Messen mit zweierlei Ma&szlig; ein weiteres Mal deutlich. Das begann schon mit dem medial inszenierten Protestmarsch einer Polit-Elite, die gro&szlig;teils selbst keinen Wert auf Meinungsfreiheit legt und gelang bis in die Redaktionsr&auml;ume von Charlie Hebdo, wo eindeutig antisemitische Karikaturen nicht geduldet wurden, w&auml;hrend bei islamfeindlichen und rassistischen Zeichnungen das Gegenteil der Fall war. Auch gegenw&auml;rtig, nachdem Charlie Hebdo eine Karikatur des ertrunkenen Fl&uuml;chtlingskindes Alan Kurdi ver&ouml;ffentlicht hat, steht das Magazin in der Kritik.<\/p><p>Wie die Zukunft des &bdquo;Abendlandes&ldquo; aussehen wird, l&auml;sst sich gegenw&auml;rtig schwer absch&auml;tzen. Die mediale Panikmache sowie die Dominanz der europ&auml;ischen Rechten hat Feindbilder gesch&uuml;rt, die sich nicht schnell aufl&ouml;sen lassen. Pegida-konforme Ansichten sind nicht nur am rechten Rand pr&auml;sent, sondern auch in der gutb&uuml;rgerlichen Mitte der Gesellschaft. Islamophobie, Islamfeindlichkeit oder antimuslimischer Rassismus &ndash; Begriffe, die im Grunde genommen allesamt dasselbe Ph&auml;nomen beschrieben &ndash; lassen sich mittlerweile nicht nur auf der Stra&szlig;e finden, sondern auch in politischen Institutionen. Dies wurde zum Beispiel vor wenigen Monaten in &Ouml;sterreich deutlich, wo ein neues, sehr umstrittenes Islamgesetz erlassen wurde, welches eine Ungleichbehandlung der Religionen im Land deutlich macht &ndash; und mit dem schon f&uuml;hrende deutsche Politiker lieb&auml;ugeln.<br>\n&#8232;Nichtsdestotrotz wird nicht die schwache Rolle der muslimischen Minderheit wahrgenommen, sondern permanent der vermeintliche &bdquo;Untergang des Abendlandes&ldquo; herbeigeredet. Auch wenn die Zahlen und Fakten eine v&ouml;llig andere Sprache sprechen &ndash; Muslime werden auch in den n&auml;chsten Jahrzehnten eine eindeutige Minderheit bleiben &ndash; stellt man sich manchmal die Frage, ob in einem Europa, in dem immer mehr Moscheen brennen, der Zerfall dieses omin&ouml;sen Abendlandes nicht besser w&auml;re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/daniel-bax-angst-ums-abendland.html#.VgTjH7SGXpA\">&bdquo;Angst ums Abendland&ldquo;<\/a> erl&auml;utert der Journalist Daniel Bax ausf&uuml;hrlich, warum man sich nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden f&uuml;rchten sollte. Das Ergebnis ist ein Einblick in die islamfeindliche Szene, die weit &uuml;ber die Grenzen Deutschlands hinausgeht und oftmals ignoriert wird. 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