{"id":27755,"date":"2015-09-30T09:17:55","date_gmt":"2015-09-30T07:17:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27755"},"modified":"2019-01-31T10:14:07","modified_gmt":"2019-01-31T09:14:07","slug":"gewerkschaften-leben-offensichtlich-noch-lebendig-und-interessant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27755","title":{"rendered":"Gewerkschaften leben offensichtlich noch. Lebendig und interessant."},"content":{"rendered":"<p>Das ist jedenfalls der Eindruck vom Ver.di-Bundeskongress, der vom 20.-26. September in Leipzig stattfand. In deutschen Medien wurde davon kaum oder kampagnenartig falsch berichtet. Deshalb haben wir eine Delegierte um einen Bericht gebeten. <strong>Anette Sorg<\/strong> ist ehrenamtlich mit Ver.di verbunden; sie ist nicht mit gro&szlig;en Erwartungen nach Leipzig gefahren und war dann &uuml;berrascht von der Qualit&auml;t und dem sp&uuml;rbaren Kampfgeist. Im folgenden Bericht finden Sie die Links auf Reden und Beitr&auml;ge. Bei als wichtig erachteten Reden hat die Autorin einige Zeilen zum Inhalt hinzugef&uuml;gt, sodass Sie sich leicht orientieren k&ouml;nnen. Manches, wie etwa der Auftritt und Empfang von Angela Merkel, ist m&ouml;glicherweise zu optimistisch gesehen. Dennoch, auch dies ist berichtenswert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Totgesagte leben l&auml;nger!<\/strong><\/p><p><strong>Ein Bericht vom Ver.di-Kongress in Leipzig<br>\nVon Anette Sorg<\/strong> <\/p><p>Wenig einfallsreich scheint der Focus zu sein, wenn er den Zustand der Gewerkschaften in Deutschland beschreibt. Bereits 1995 titelte er: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/gewerkschaften-der-koloss-wankt_aid_153222.html\">&bdquo;der Koloss wankt&ldquo;<\/a> und prophezeite das nahe Ende des DGB.<\/p><p>Im Jahre 2015, 20 Jahre sp&auml;ter, sieht der Focus erneut einen Koloss wanken, dieses Mal die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Ein Koloss wankt<br>\nDie Gro&szlig;gewerkschaft ver.di zerbr&ouml;selt. Ihr Vorsitzender, Frank Bsirske&ldquo; ist angez&auml;hlt und fl&uuml;chtet sich in Streiks. Den KITAS drohen deshalb wieder Schlie&szlig;ungen&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Autor des Artikels scheint nicht in Leipzig gewesen zu sein, wo vom 20.9.-26.9. der Bundeskongress von ver.di stattfand. Wer daran teilgenommen hat, hat einen anderen Kongress wahrgenommen, n&auml;mlich eine lebendige, motivierende und k&auml;mpferische Gewerkschaft. Frank Bsirkse hat am Ende der Konferenz auf den Focus-Artikel Bezug genommen und den Focus zu Recht als &bdquo;Tendenzpresse&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/ueber-uns\/bundeskongress-2015\/videos\">bezeichnet<\/a> (unter &bdquo;mitgeschnitten&ldquo; bitte zu Video 3 bl&auml;ttern).<\/p><p>Dies vorweg zur seltsamen Wahrnehmung eines Mediums und jetzt zum Geschehen auf dem Kongress:<\/p><p>Der Besuch der Kanzlerin am Er&ouml;ffnungsabend war f&uuml;r ver.di ein wichtiges Signal. Mit ihrer Aussage: &bdquo;an Ihnen kommt man nicht vorbei&ldquo; fand sie den richtigen Ton und erhielt nicht nur Pflichtbeifall. Das Thema TTIP und der Begriff &bdquo;Wirtschaftsfl&uuml;chtlinge&ldquo; wurden jedoch von Missfallens&auml;u&szlig;erungen begleitet.<\/p><p>Der kulturelle Teil fand mit dem Jugendchor St. Stefan aus K&ouml;ln den ersten und mit dem Kabarettisten Abdel Karim den n&auml;chsten H&ouml;hepunkt. Beide machten mit ihren Beitr&auml;gen eindrucksvoll klar, dass in dieser Gesellschaft kein Platz f&uuml;r Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist. Dieses Bekenntnis zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Kongress.<\/p><p>Auch Leipzigs Oberb&uuml;rgermeister Burkhard Jung (SPD) fand mit seinem <a href=\"https:\/\/www.verdi.de\/++file++55ffc8d26f6844756d0000df\/download\/Tag%201%20-%20Textauszug%20Jung.pdf\">Gru&szlig;wort [PDF]<\/a> Zustimmung.<\/p><p>Er wies auf die Situation der ca. 2000 Fl&uuml;chtlinge hin, die in einer identisch gro&szlig;en Halle, nur  200 m vom Kongressort entfernt, untergebracht sind: <\/p><blockquote><p>&bdquo;(&hellip;) Mir ist wichtig, etwas zu sagen jenseits aller Schw&auml;rmerei f&uuml;r meine Stadt. Das Erste und das Wichtigste, was wir sagen m&uuml;ssen, ist: Menschen in Not, egal, woher sie kommen, welchen Antrieb sie haben, ob sie wirtschaftliche Gr&uuml;nde haben, politisch oder sonst verfolgt wurden  &hellip;.  Sie brauchen und verdienen unsere Hilfe. Das ist das Erste. Und wenn jemand das nicht akzeptiert, habe ich keine Lust, weiter mit ihm zu reden. Ich wei&szlig;, dass es nicht immer einfach ist. In meiner eigenen Partei und &ndash; ich behaupte auch mal in gewerkschaftlichen Kreisen &ndash; das ist auch ein Abbild dieser Gesellschaft &ndash; gibt es auch andere Stimmen. Lasst uns zusammenstehen. Lasst uns klar und deutlich zusammenstehen und Kante zeigen gegen Rechts und braunen Bl&ouml;dsinn und widerw&auml;rtige Kampagnen. (&hellip;)&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Internationale Solidarit&auml;t<\/strong><\/p><p>Dass ver.di innerhalb der europ&auml;ischen Gewerkschaftsbewegung und dar&uuml;ber hinaus einen guten Ruf hat, zeigten die vielen angereisten Vertreter, allen voran <strong>Philipp Jennings, Vorsitzender von UNI Global Union<\/strong>, der eine starke und gleichzeitig humorvolle Rede in deutscher Sprache hielt. <a href=\"https:\/\/www.verdi.de\/verditv?mivstoredata=bf949bb2d3YToyOntzOjc6ImNtZF92aWQiO2k6OTM4NTk4O3M6MTE6ImNtZF9leGVjdXRlIjtpOjE7fQ%2C%2C\">Sehr sehenswert.<\/a><\/p><p>Lesenswert sind auch die folgenden drei Texte:<\/p><p><strong>Maria Clara Baquero, Pr&auml;sidentin der Gewerkschaft Asodefensa, Kolumbien<\/strong> hielt eine <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++56044b166f6844756e0006e6\/download\/Tag%205%20-%20Textauszug%20Baquero.pdf\">bewegende Rede [PDF]<\/a> und schilderte wie lebensbedrohend Gewerkschaftsarbeit in Kolumbien ist. Auch sie bedankte sich f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung durch ver.di:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Zum Schluss werde ich den Gegenpunkt ansprechen, die Bedeutung des Kampfes f&uuml;r den Respekt gegen&uuml;ber dem Streikrecht und den Tarifverhandlungen. Sie haben den frontalen Kampf gegen die Verletzung eines der wichtigsten Rechte aufgenommen, die wir Gewerk-schafter haben, den Streik und den Mechanismus, der es uns erlaubt, Druck gegen&uuml;ber den Regierungen zu machen, um uns Geh&ouml;r zu verschaffen. Wenn die Dinge schon f&uuml;r die Kolleginnen und Kollegen von ver.di schwer sind, wie viel schwieriger ist es f&uuml;r uns kolumbianische Gewerkschafter; denn ein gro&szlig;er Teil unserer Arbeiter hat nicht das Recht, auf die Stra&szlig;e zu gehen, um zu protestieren, und die, die es machen, werden verfolgt und als Kriminelle abgestempelt. Aber ver.di ist uns ein Vorbild im Kampf. Daraus sch&ouml;pfen wir Kraft, und das gibt uns Mut, die Dinge in Kolumbien zu ver&auml;ndern.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Wolfgang Katzian, Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (&Ouml;sterreich):<\/strong><\/p><p>Katzian besch&auml;ftigt sich in seiner <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++56057003bdf98d11b6000497\/download\/Tag%206%20-%20Textauszug%20Katzian.pdf\">Rede [PDF]<\/a> unter anderem mit der Sozialpartnerschaft. 97 Prozent aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in &Ouml;sterreich arbeiteten unter verbindlichen Tarifvertr&auml;gen. Und das solle auch so bleiben.<\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++5603cb226f6844756d0003dc\/download\/Tag%204%20-%20Textauszug%20Shelton.pdf\">Chris Shelton [PDF]<\/a>, Pr&auml;sident der Communication Workers of America (CWA):<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Gemeinsam haben wir 2008 die TU, eine Gewerkschaft als Plattform f&uuml;r T-Mobile-Besch&auml;ftigte, die noch keine gewerkschaftliche Anerkennung bei der T-Mobile durchsetzen konnten, gegr&uuml;ndet.<br>\nTU ist die Gewerkschaft der T-Mobile-Besch&auml;ftigten in den USA, und TU wurde gemeinsam von ver.di und CWA gegr&uuml;ndet. Frank Bsirske und Lothar Schr&ouml;der haben beide realisiert, dass wahre internationale Solidarit&auml;t die einzige Antwort ist auf die Probleme, die von der Globalisierung geschaffen werden. Durch die Verkn&uuml;pfung von amerikanischen und deutschen Besch&auml;ftigten im selben internationalen Unternehmen, die durch den Atlantik getrennt sind und absolut gegens&auml;tzliche Arbeitsbedingungen haben, ist TU die innovativste und effektivste Antwort auf die Teile-und-herrsche-Mentalit&auml;t der Globalisierung. ver.di-Mitglieder, die bei der Deutschen Telekom arbeiten, geben T-Mobile-Besch&auml;ftigten in den USA unglaublich viel Hoffnung, St&auml;rke und den Mut, zur&uuml;ckzuschlagen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Fl&uuml;chtlinge und Legida und ver.di-Jugend<\/strong><\/p><p>Wenngleich das Zeitkorsett eng war, wurden Bez&uuml;ge zum aktuellen Geschehen hergestellt. So nahmen die ver.di-Jugend und weitere Delegierte an zwei Gegendemonstrationen zur Leipziger Legida teil. Die ver.di-Jugend stellte auch den Antrag, ein paar der Fl&uuml;chtlinge von nebenan &uuml;ber ihre konkrete Situation berichten zu lassen. Zwei junge M&auml;nner fanden mit ihren Schilderungen in deutscher (!) und englischer Sprache die ungeteilte Aufmerksamkeit der Delegierten. Mit emotionalen Beitr&auml;gen bedankten sie sich f&uuml;r die Aufnahme und Hilfsbereitschaft, haderten jedoch mit der Informationspolitik, der als &bdquo;Kasernierung&ldquo; empfundenen Unterbringung und den hygienischen Zust&auml;nden.<\/p><p><strong>Inhalte, Antr&auml;ge<\/strong><\/p><p>Mehr als 1300 Antr&auml;ge aus den ver.di-Gliederungen und ihren 13 Fachbereichen standen auf der Tagesordnung. F&uuml;r einige Themenbl&ouml;cke waren kompetente Referentinnen und Referenten  als InputgeberInnen  eingeladen worden.  Eine von Ihnen war Jutta Schmitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f&uuml;r Soziologie der  Universit&auml;t Duisburg-Essen. Sie nahm sich des <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++56056f60bdf98d11b70003d8\/download\/Tag%206%20-%20Textauszug%20Schmitz.pdf\">Themenkomplexes &bdquo;Altersarmut&ldquo; [PDF]<\/a> an:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Hier vielleicht ein paar ganz kleine Details, insbesondere aus der Rentenberechnung: Die Leistungsbemessung in der gesetzlichen Rentenversicherung war eigentlich dadurch gepr&auml;gt, dass es das Prinzip der Teilhabe&auml;quivalenz geben sollte: Ich bekomme eine Rente in Abh&auml;ngigkeit von dem, was ich vorher an Beitr&auml;gen gezahlt habe.<br>\nDieses Prinzip wird durch die zur&uuml;ckliegenden Reformen in der Rentenversicherung immer weiter verw&auml;ssert. Denn es sind D&auml;mpfungsfaktoren eingezogen worden. Hier muss man nicht in die versicherungsmathematischen Details gehen. Das sind namentlich der Riester-Faktor und der Nachhaltigkeitsfaktor, die insgesamt nur eines bedeuten, dass n&auml;mlich das Rentenniveau sinken wird, und das auch sehr bewusst. Denn man hat sich im Reformprozess entschieden, das Ziel der Beitragssatzstabilit&auml;t in den Mittelpunkt zu r&uuml;cken.<br>\nEs h&auml;tte Alternativen gegeben. Man h&auml;tte auch weiter am Leistungsziel festhalten k&ouml;nnen, m&ouml;glicherweise die Beitr&auml;ge erh&ouml;hen m&uuml;ssen oder den Bundeszuschuss erweitern m&uuml;ssen, die Arbeitgeber vor allen Dingen weiterhin an der Finanzierung der Rente beteiligen m&uuml;ssen, aber davon ist man sozusagen abger&uuml;ckt durch das Ziel der Beitragssatzstabilit&auml;t. Dieses Ziel entlastet Arbeitgeber von der Verantwortung der Altersvorsorge, entlastet Arbeitnehmende aber nicht in gleicher Weise. Von den Arbeitnehmenden wird erwartet, dass sie nun privat vorsorgen. Sie sollen 4 Prozent ihres Einkommens anlegen, und das zu deutlich ung&uuml;nstigeren Bedingungen des Kapitalmarkts und ohne Beteiligung der Arbeitgeber, sodass sich hier die Situation drastisch verschlechtert hat. Bemerkbar macht sich dann insgesamt das Absenken des Rentenniveaus. Die gesetzliche Rente leistet nur noch eine Basis in der Versorgung, die kompensiert werden soll durch die anderen S&auml;ulen.<br>\nDiese Entwicklung wirft mehrere Fragen auf. Nat&uuml;rlich ist es die Frage danach, wie diese Rentenl&uuml;cke eigentlich geschlossen werden kann, aber vor allen Dingen auch die Frage, wie legitim ein System eigentlich ist, bei dem nach langj&auml;hriger Beitragszeit ein Rentenanspruch entsteht, der m&ouml;glicherweise nur geringf&uuml;gig &uuml;ber dem eh vorleistungsunabh&auml;ngigen Grundsicherungsbedarf liegt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Relevante  gesellschaftspolitische Themen wurden angesprochen, diskutiert oder dazu Resolutionen verabschiedet. In anderen Gewerkschaften mag der neoliberale Zeitgeist Einfluss genommen haben, bei ver.di nicht. Dort wird die Verteilungsfrage noch als Gerechtigkeitsfrage gestellt, Erbschaftsteuer, Verm&ouml;genssteuer und  Finanztransaktionssteuer als unabdingbar angesehen, TTIP, CETA und TISA  werden abgelehnt, die drohende Altersarmut wird als Problem erkannt und die neuen Strategien der Arbeitgeberseite im Kampf gegen die Besch&auml;ftigten und die Gewerkschaften werden offen gelegt und angeprangert.<br>\nLesen Sie hierzu auch den <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++56005e2b6f6844756d0001c5\/download\/Tag%202%20-%20Textauszug%20Bsirske.pdf\">Rechenschaftsbericht [PDF]<\/a> des Vorsitzenden Frank Bsirske.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Und immer wieder ging es in Arbeitsk&auml;mpfen um die Tarifbindung von Unternehmen. Der Tarifbindungsgrad in unserem Land ist &uuml;ber viele Jahre zur&uuml;ckgegangen. 2014 waren nur noch 60 Prozent der Besch&auml;ftigten im Westen und 47 Prozent im Osten tarifgebunden. Auseinandersetzungen zur Abwehr von Tarifflucht und Arbeitsk&auml;mpfe zur Wiederherstellung der Tarifbindung geh&ouml;ren vor diesem Hintergrund seit Langem zum Tarifalltag. Oft werden sie mit besonders gro&szlig;er H&auml;rte ausgetragen&hellip;&hellip;&hellip;..Im Krankenhausbereich fand auch eine der sch&auml;rfsten Konfrontationen der letzten vier Jahre statt. 2012 hat der Helios-Konzern, mittlerweile der gr&ouml;&szlig;te Krankenhauskonzern in Europa, nach der &Uuml;bernahme des Klinikbetriebs Damp mitten im Tarifkonflikt 1.000 streikenden Servicebesch&auml;ftigten gek&uuml;ndigt, bei einer zu 80 Prozent gewerkschaftlich organisierten Belegschaft.Massenk&uuml;ndigungen als Mittel des Arbeitskampfes das hatte es in Deutschland seit 1947 nicht mehr gegeben. Mit einer beeindruckenden Welle der Solidarit&auml;t, mit gro&szlig;er Unterst&uuml;tzung auch aus der Politik und von den Landesregierungen in Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern hat ver.di die R&uuml;cknahme dieser offenkundig rechtswidrigen K&uuml;ndigungen sowie eine 18-monatige Lohn- und Besch&auml;ftigungssicherung erreicht. Gegen die anschlie&szlig;enden Ma&szlig;nahmen des Unternehmens half das Streikrecht allerdings nicht mehr. Helios teilte die Damp-Servicegesellschaft in unz&auml;hlige kleine Serviceunternehmen auf. Das zerlegte die Belegschaft und hat die weitere Tarifarbeit ungemein erschwert. Da sind die Grenzen tariflicher Auseinandersetzungen deutlich geworden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Arbeitsministerin <strong>Andrea Nahles (SPD)<\/strong> hat in ihrer <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/++file++5602dde1bdf98d11b70000f5\/download\/Tag%204%20-%20Textauszug%20Nahles.pdf\">Rede [PDF]<\/a> die Mindestlohnkampagne von ver.di gelobt, ein Gesetz zur Bek&auml;mpfung von Missbrauch bei Leiharbeit und Werkvertr&auml;gen angek&uuml;ndigt und die wichtige Rolle von Gewerkschaften herausgestellt:<br>\n<em>((A.M.: Na ja. Kann man dem glauben?))<\/em><\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich sage, ich bin so was von froh, dass wir gerade noch rechtzeitig den gesetzlichen Mindestlohn in diesem Land eingef&uuml;hrt haben. Ihr seid die Gewerkschaft, die gemeinsam mit der NGG die erfolgreichste politische Kampagne der deutschen Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten ins Rollen gebracht hat. Nur durch euren Druck und eure Beharrlichkeit haben wir es am Ende geschafft, gerade noch rechtzeitig&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;..Aber ich sage auch: Mindestlohn ist kein guter Lohn. Er ist nicht meine Messlatte f&uuml;r gute L&ouml;hne. Nicht Mindestl&ouml;hne, sondern gute L&ouml;hne m&uuml;ssen wieder der Normalfall werden. Darum brauchen wir starke Gewerkschaften. Wir brauchen das, was wir in den letzten Monaten auch angepackt haben. Ich sage es an dieser Stelle sehr klar: Die Tarifautonomie ist wichtig. Wir haben mit der Erleichterung der Allgemeinverbindlichkeitserkl&auml;rung von Tarifvertr&auml;gen ein wichtiges Instrument geschaffen. Ich habe auch geh&ouml;rt, Frank, dass du dazu aufgerufen hast, das jetzt zu nutzen. Ich bitte darum, weil ich glaube, es ist eine M&ouml;glichkeit, Tarifflucht zu stoppen. Ich bin bereit, mit Euch hier Hand in Hand zu arbeiten, um die Tarifflucht in diesem Land wieder zur&uuml;ckzudr&auml;ngen, liebe Kolleginnen und Kollegen&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;&hellip;<br>\nWenn ich sage, gute L&ouml;hne m&uuml;ssen wieder Normalfall werden, dann ist das eine Aufgabe, die an die Tarifpartner geht. Aber es ist auch eine Aufgabe, die ich als Arbeitsministerin gesetzlich begleite. Ich sage deswegen: Ich will, dass in einem Betrieb nicht Besch&auml;ftigte erster, zweiter und dritter Klasse arbeiten, sondern dass alle zu guten Bedingungen besch&auml;ftigt sind. Leiharbeit und Werkvertr&auml;ge d&uuml;rfen nicht dazu genutzt werden, um Stammarbeitspl&auml;tze abzubauen, Druck auf L&ouml;hne zu machen und die Arbeitsbedingungen sp&uuml;rbar zu verschlechtern. Deswegen werde ich noch im Oktober ein Gesetz zur Bek&auml;mpfung des Missbrauchs bei Leiharbeit und Werkvertr&auml;gen vorlegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.<br>\nMich besch&auml;ftigt nicht zuletzt die Frage der Solo-Selbstst&auml;ndigen. Ich meine damit nicht nur Cloudworker; das ist, ehrlich gesagt, zurzeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine ziemlich kleine Gruppe. Aber die Zahl der Solo-Selbstst&auml;ndigen nimmt zu. Ungesicherte Selbstst&auml;ndigkeit ist ein breites Ph&auml;nomen. Frank wei&szlig; das aus dem Bereich, den er bearbeitet, sehr intensiv. Ich glaube, dass wir an dem Punkt sagen k&ouml;nnen: Altersarmut kann man da riechen. Man kann dagegen aber auch jetzt etwas unternehmen. Entweder wir &ouml;ffnen die Deutsche Rentenversicherung f&uuml;r die Kleinstselbstst&auml;ndigen, oder wir finden einen eigenst&auml;ndigen Weg. Das ist jetzt nicht mein Hauptpunkt. Aber wir m&uuml;ssen das in diesem und in den n&auml;chsten Jahren anpacken und l&ouml;sen. Sonst laufen wir in eine prek&auml;re Altersarmut hinein, die wir verhindern k&ouml;nnten. Und das m&ouml;chte ich mir nicht vorwerfen lassen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall) F&uuml;r alles das brauchen wir gerade jetzt Gewerkschaften, vor allem starke Gewerkschaften.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Ver.dis Spitze<\/strong><\/p><p>Die Delegierten haben, anders als der Focus, keinen angez&auml;hlten Frank Bsirske erlebt. Sie haben einen selbstkritischen, k&auml;mpferischen, inhaltlich starken Vorsitzenden wahrgenommen. Die Tatsache, dass er in seiner vierten Amtsperiode noch fast 90 Prozent Zustimmung erhalten hat, spricht nicht gegen, sondern f&uuml;r ihn. Und es spricht auch f&uuml;r die Delegierten, die zwar kritisch, aber nicht gnadenlos sind. Der Tarifabschluss bei der Post und der  abgelehnte Schlichtungsvorschlag beim Sozial- und Erziehungsdienst wurden schlie&szlig;lich nicht von allen Mitgliedern gut gehei&szlig;en.<\/p><p>Um eine Nachfolge in vier Jahren muss es der Basis nicht bange sein. Sowohl Andrea Kocsis, als auch Frank Wernecke, die neuen und alten Stellvertreter Bsirskes, haben sich mit ihren Bewerbungsreden und mit ihren inhaltlichen Beitr&auml;gen als potentielle Nachfolger pr&auml;sentiert. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong><\/p><p><strong>Ver.di motiviert ihre Mitglieder und ihre Mitstreiter, diese Gewerkschaft ist vielf&auml;ltig, sie ist stark und sie hat Zukunft. Diszipliniert, k&auml;mpferisch und hochpolitisch ist sie sowieso.<\/strong><\/p><p><strong>Unter <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/ueber-uns\/bundeskongress-2015\">diesem Link<\/a> finden Interessierte eine &Uuml;bersicht des gesamten Kongresses.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist jedenfalls der Eindruck vom Ver.di-Bundeskongress, der vom 20.-26. September in Leipzig stattfand. In deutschen Medien wurde davon kaum oder kampagnenartig falsch berichtet. Deshalb haben wir eine Delegierte um einen Bericht gebeten. <strong>Anette Sorg<\/strong> ist ehrenamtlich mit Ver.di verbunden; sie ist nicht mit gro&szlig;en Erwartungen nach Leipzig gefahren und war dann &uuml;berrascht von der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27755\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,109,39],"tags":[635,773,317,830,324,281,291],"class_list":["post-27755","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-gewerkschaften","category-rente","tag-altersarmut","tag-bsirske-frank","tag-mindestlohn","tag-nahles-andrea","tag-tarifvertraege","tag-verdi","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27755"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48923,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27755\/revisions\/48923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}