{"id":27770,"date":"2015-10-01T10:14:18","date_gmt":"2015-10-01T08:14:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27770"},"modified":"2019-01-19T16:54:12","modified_gmt":"2019-01-19T15:54:12","slug":"eine-interessante-sicht-auf-die-entstehung-des-nach-1990-wiederbelebten-konfliktes-zwischen-west-und-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27770","title":{"rendered":"Eine interessante Sicht auf die Entstehung des nach 1990 wiederbelebten Konfliktes zwischen West und Ost"},"content":{"rendered":"<p>Peter Becker, Rechtsanwalt und Co-Pr&auml;sident der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Text verfasst. Er schildert die Entstehung der vertrackten Situation der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen, mit besonderem Augenmerk auf dem Geschehen um die Ukraine. Hier ist sein Beitrag. Lesenswert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Biederm&auml;nner und der Brandstifter<br>\nvon Peter Becker<\/strong> [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/p><p>Das amerikanische Repr&auml;sentantenhaus beschloss am 04.12.2014 mit einer Mehrheit von 411 : 10 Stimmen eine einmalige Resolution: Sie z&auml;hlte eine Vielzahl russischer Verhaltensweisen auf, die angeblich der Kriegsvorbereitung dienten, und fordert den amerikanischen Pr&auml;sidenten zu weitreichenden Gegenma&szlig;nahmen auf, beginnend mit einer Verst&auml;rkung der Medienarbeit gegen Russland, &uuml;ber eine Versch&auml;rfung von Sanktionen bis hin zu milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen wie eine Aufr&uuml;stung der Ukraine, um der &bdquo;milit&auml;rischen Intervention der russischen F&ouml;deration in der Ukraine&ldquo; entgegenzutreten. General Breedlove, NATO-Oberbefehlshaber in Europa, stellte Behauptungen &uuml;ber russische Aggressionen auf, die in Berlin &bdquo;immer wieder Kopfsch&uuml;tteln&ldquo; (Der SPIEGEL 11\/2015) erzeugten. General Dunford, designierter US-Generalstabschef, sah in &bdquo;Russland die gr&ouml;&szlig;te Gefahr&ldquo; (SZ, 11.07.2015). <\/p><p>Stimmt das?<\/p><p>Nein. Wir stehen vielmehr vor einer erstaunlich erfolgreichen politischen Kampagne, die von einigen Medien aufgegriffen wird, um die amerikanische Sicht der Dinge zu best&auml;rken. Sie erinnert an die deutschen und &ouml;sterreich-ungarischen Verhaltensweisen vor Beginn des Ersten Weltkriegs, die von vielen Medien unterst&uuml;tzt wurden, wie auch heute wieder. Man spricht bereits vom Wiederaufleben des &sbquo;Kalten Krieges&lsquo;. <\/p><p>Der SPIEGEL hat vor einiger Zeit (48\/2014) eine akribische Recherche &uuml;ber die &Auml;u&szlig;erungen h&ouml;chst-rangiger Politiker zur Frage der NATO-Osterweiterung anl&auml;sslich der Verhandlungen &uuml;ber die Deutsche Einigung 1990 ver&ouml;ffentlicht. Der amerikanische Au&szlig;enminister Baker, der deutsche Au&szlig;enminister Genscher und der franz&ouml;sische Au&szlig;enminister Dumas h&auml;tten Moskau versprochen, auf eine NATO-Osterweiterung zu verzichten. Der russische Pr&auml;sident Putin erinnerte in seiner interessanten Rede auf der M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz 2007 an die Erkl&auml;rung des damaligen NATO-Generalsekret&auml;rs W&ouml;rner am 17. Mai 1990 in Br&uuml;ssel: &bdquo;Schon der Fakt, dass wir bereit sind, die NATO-Streitkr&auml;fte nicht hinter den Grenzen der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien.&ldquo; Die Sowjets vertrauten auf die Seriosit&auml;t dieser Zusicherungen, was wohl etwas leichtfertig war, stimmten dem Zwei+Vier-Vertrag und der Deutschen Einigung zu. Und &ndash; was man heute gerne vergisst &ndash; sie l&ouml;sten den Warschauer Pakt auf. <\/p><p>Aber was geschah dann? Im Jahr 1999 bombardierte die NATO unter Anf&uuml;hrung der USA und mit Unterst&uuml;tzung der Bundeswehr ganz Jugoslawien, vor allem die Infrastruktur, angeblich zum Schutz der kosovarischen Zivilbev&ouml;lkerung. Der Krieg ermangelte einer zustimmenden Resolution des UN-Sicherheitsrates und war daher nach herrschender Meinung der V&ouml;lkerrechtslehre rechtswidrig. Der mit dem Krieg angestrebte &bdquo;regime-change&ldquo;, der Sturz des jugoslawischen Pr&auml;sidenten Milo&scaron;evi&amp;cacute;, wurde allerdings nicht erreicht. Die USA setzten jedoch ihre &ndash; nach Ansicht des langj&auml;hrigen CDU-Bundestagsabgeordneten und Staatssekret&auml;rs im Bundesministerium der Verteidigung Willy Wimmer &ndash; Hauptabsicht durch, auf dem Territorium des Kosovo eine gro&szlig;e Milit&auml;rniederlassung mit 6.000 Soldaten, das &sbquo;Camp Bondsteel&lsquo; einzurichten. <\/p><p>Russland nahm das hin, wie an der Rede von Putin vor dem Deutschen Bundestag am 25.09.2001 erkennbar, in der er an Gorbatschows Vision vom &sbquo;Europ&auml;ischen Haus&lsquo; erinnerte. Das Protokoll vermerkte: &bdquo;Die Abgeordneten erheben sich.&ldquo;<\/p><p>2004, US-Pr&auml;sident war nunmehr George W. Bush, nahm die NATO Polen, Tschechien, die Slowakei, die baltischen Staaten sowie Bulgarien und Rum&auml;nien auf. Schon 1997 war das von der NATO gesponserte Sicherheitsb&uuml;ndnis GUAM (Georgien, Ukraine, Aserbaidschan, Armenien und Moldau) gebildet worden. Die USA errichteten weitere Milit&auml;rbasen in Georgien, Aserbaidschan, Kirgisien, Tadschikistan und beschlossen, Raketenabwehrbasen in Polen und in Rum&auml;nien zu bauen, angeblich zum Schutz vor Raketen aus dem Iran. Daf&uuml;r wurde von Pr&auml;sident George W. Bush am 13.12.2001 der ABM-Vertrag gek&uuml;ndigt, der 1972 geschlossen worden war, um Raketenabwehrsysteme zu verhindern. Er hatte das Abschreckungssystem begr&uuml;ndet (&bdquo;Wer angreift, stirbt als Zweiter.&ldquo;). Russland wurde umzingelt. <\/p><p>Eine besondere Rolle spielt die Ukraine. In seinem grundlegenden Werk &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; (im Original: &bdquo;The Grand Chessboard&ldquo;, 1997) erkl&auml;rte Zbigniew Brzezi&#324;ski, Berater vieler amerikanischer Pr&auml;sidenten: &bdquo;Die Ukraine ist der Dreh- und Angelpunkt. Ohne die Ukraine ist Russland keine eurasische Gro&szlig;macht mehr.&ldquo; Die Ukraine unterhielt seit Beginn ihrer Unabh&auml;ngigkeit Beziehungen zur NATO und trat 1994 der NATO-Partnerschaft f&uuml;r den Frieden bei. 1999 er&ouml;ffnete die NATO ein Verbindungsb&uuml;ro in Kiew. Schon vorher hatte die Ukraine regelm&auml;&szlig;ig an Man&ouml;vern der NATO im Schwarzen Meer teilgenommen. <\/p><p>Im Jahr 2004 kam es zur &sbquo;Orangenen Revolution&lsquo;, ausgel&ouml;st durch eine tiefsitzende und begr&uuml;ndete Unzufriedenheit in der Bev&ouml;lkerung (dazu und zum Folgenden: Rudolf Bachmaier, Die Strategie der Spannungen, Zeit-Fragen Nr. 10\/2014). Die ukrainische Regierung hatte schon 1992 einen Beitritt zum IWF und 2004 zur WTO beschlossen. Die Bedingungen daf&uuml;r waren die Freigabe der Preise und des Wechselkurses, die &Ouml;ffnung der Grenzen f&uuml;r ausl&auml;ndisches Kapital, Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung. Die gesamte Wirtschaft des Landes wurde versteigert. Von etwa 500.000 Betrieben wurden 50 Prozent geschlossen, andere von ausl&auml;ndischen Konzernen und inl&auml;ndischen Oligarchen erworben. Die neu entstandene Oligarchie wurde zum bestimmenden Faktor. Die Kluft zwischen der Oligarchie und der Masse der Bev&ouml;lkerung ist die gr&ouml;&szlig;te in Europa. Die Bev&ouml;lkerung verarmte.<\/p><p>Die Aktivisten der Orangenen Revolution wurden von zahlreichen westlichen Regierungen, Agenturen und Organisationen finanziert und unterst&uuml;tzt, z.B. durch das US-State Department, USAID, das National Democratic Institute, das International Republic Institute, die Freedom House NGO und den Milliard&auml;r George Soros mit seinem &bdquo;Open Society Institute&ldquo;. Der nach einer Wiederholungswahl gew&auml;hlte Pr&auml;sident Juschtschenko und seine Kreise erhielten allein aus den USA mindestens 65 Mio. USD (Die ZEIT, 02.12.2004). <\/p><p>Der Massenaufstand 2004 endete damit, dass Kutschma, ukrainischer Pr&auml;sident von 1994 bis Anfang 2005, abgel&ouml;st wurde. An seine Stelle trat Juschtschenko, der im Januar 2005 die Regierung unter Julija Tymoschenko installierte, die es in der Umbruchphase zur reichsten Frau der Ukraine gebracht hatte. Zu ihr geh&ouml;rte Arseni Jazenjuk, der seit dem 27.09.2005 zun&auml;chst Wirtschafts- und seit dem 21. M&auml;rz 2007 auf Vorschlag Juschtschenkos Au&szlig;enminister war. Die im Jahr 2007 von Jazenjuk mitgegr&uuml;ndete Open Ukraine Foundation f&uuml;hrte auf ihrer Webseite die Embleme des amerikanischen Au&szlig;enministeriums, der NATO, des German Marshall Fund und des National Endowment for Democracy, das von der amerikanischen Regierung finanziert wird. Im Januar 2008 l&ouml;ste Jazenjuk eine politische Krise aus, als er gemeinsam mit Staatspr&auml;sident Juschtschenko und Ministerpr&auml;sidentin Tymoschenko einen Brief an die NATO unterschrieb, in dem um die Aufnahme der Ukraine auf dem anstehenden NATO-Gipfel in Bukarest gebeten wurde. Angela Merkel verhinderte auf diesem Gipfel in letzter Minute einen Beschluss &uuml;ber den Beitritt der Ukraine zur NATO.<\/p><p>Pr&auml;sident Juschtschenko unterzeichnete am 20. Mai 2008 einen Ukas &uuml;ber die Beendigung des russisch-ukrainischen Abkommens &uuml;ber die Stationierung der Schwarzmeerflotte Russlands in Sewastopol im Jahr 2017. Anfang 2010 wurde Wiktor Janukowytsch, unterst&uuml;tzt von der ost-ukrainischen Oligarchie, zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Am 21. November 2013 erkl&auml;rte die Regierung, dass sie den Assoziierungsvertrag mit der EU nicht unterschreiben wolle, in dem &bdquo;eine enge milit&auml;rische Kooperation und Einbindung der ukrainischen Streitkr&auml;fte in taktische EU-Kampftruppen&ldquo; vorgesehen war. Andererseits wurde der Vertrag mit Russland &uuml;ber die Stationierung der Schwarzmeerflotte um 20 Jahre verl&auml;ngert. <\/p><p>Die K&uuml;ndigung des Assoziierungsabkommens f&uuml;hrte zu den &ndash; zun&auml;chst friedlichen &ndash; Protesten auf dem Maidan nach dem 21. November 2013, die von der amerikanischen Botschaft in Kiew unterst&uuml;tzt wurden. Zahlreiche amerikanische und pro-amerikanische Politiker hielten Reden auf dem Maidan, wie John Kerry, John McCain, Victoria Nuland, aber auch Guido Westerwelle und Elmar Brok. <\/p><p>Nachdem das ukrainische Parlament am 16. Januar Gesetze zur Eind&auml;mmung der Proteste erlassen hatte, kam es in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar zu gewaltsamen Protesten der Opposition, an ihrer Spitze der &bdquo;rechte Sektor&ldquo;, der zuvor auf Kosten des polnischen Au&szlig;enministeriums in einem Ausbildungszentrum der Polizei in der N&auml;he von Warschau im September 2013 vier Wochen lang f&uuml;r den Aufstand trainiert worden war. Am Morgen des 20. Februar &ndash; Janukowytsch war gerade bereit, auf die Forderungen der parlamentarischen Opposition einzugehen &ndash; schossen Scharfsch&uuml;tzen wohl aus dem Hotel Ukraine und aus dem Konservatorium, beide in der Hand des rechten Sektors (Der Freitag, 19.02.2015), sowohl auf Oppositionelle als auch auf Demonstranten. Rund 80 Menschen starben. Auch der estnische Au&szlig;enminister Paet &auml;u&szlig;erte in einem abgeh&ouml;rten Telefongespr&auml;ch mit der EU-Au&szlig;enbeauftragten Ashton den Verdacht, das Maidan-Lager habe selbst Scharfsch&uuml;tzen engagiert (t-online vom 07.03.2014). Am 21. Februar schlug eine Vermittlungsmission der EU unter der F&uuml;hrung des deutschen, franz&ouml;sischen und polnischen Au&szlig;enministers unter Teilnahme eines Abgesandten der russischen Regierung ein Abkommen vor, nach dem die alte Verfassung von 2004 wiederhergestellt, eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, die Polizei und die bewaffneten Demonstranten zur&uuml;ckgezogen und vorgezogene Neuwahlen durchgef&uuml;hrt werden sollten. <\/p><p>Aber einen Tag nach der Unterzeichnung dieses Kompromissabkommens kam alles anders. Am 22. Februar wurde in Kiew ein Putsch durchgef&uuml;hrt. Der &bdquo;rechte Sektor&ldquo; besetzte das Parlament und &uuml;bernahm die Kontrolle in Kiew. Bei der Abstimmung wurde Pr&auml;sident Janukowytsch abgesetzt. Der Abgeordnete Turtschinow wurde zum neuen Staatspr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Abgeordnete der &sbquo;Partei der Regionen&lsquo;, die von den Oligarchen bezahlt wurden, wechselten die Seiten. Das Parlament w&auml;hlte den Vorsitzenden der &sbquo;Vaterlandspartei&lsquo;, Jazenjuk, zum Ministerpr&auml;sidenten. Er war Wunschkandidat des amerikanischen Au&szlig;enministeriums und der Vize-Staatssekret&auml;rin Victoria Nuland. Das wissen wir aus einem abgeh&ouml;rten Telefonat von ihr mit dem ukrainischen US-Botschafter Pyatt am 28.01.2014. Nuland &auml;u&szlig;erte ihren Unwillen &uuml;ber die Vermittlungspolitik der EU (&bdquo;Fuck the EU&ldquo;). Sie nannte die Summe von 5 Mrd. USD zur Unterst&uuml;tzung der Protestgruppen (zeit-online vom 13.05.2015), ebenso in einem Interview mit CNN (vom 21.04.2014). Dazu Ian Traynor in The Guardian, dessen Thesen von dem renommierten Chicagoer Professor John J. Mearsheimer geteilt werden: &bdquo;Amerika wollte einen Machtwechsel, denn es wollte Einfluss auf die Ukraine gewinnen.&ldquo;<\/p><p>Diese Macht&uuml;bernahme war illegal, weil die f&uuml;r die Neuwahl eines Staatspr&auml;sidenten in der Verfassung vorgeschriebene Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurde. Ludger Volmer bezeichnet diesen Regierungswechsel als &bdquo;klaren Putsch&rdquo; (Deutschlandfunk, 25.06.2015). <\/p><p>Zur neuen Regierung geh&ouml;rt auch Natalie Ann Jaresko, eine amerikanische Investmentbankerin, die nur wenige Tage vor ihrer Ernennung ukrainische Staatsb&uuml;rgerin wurde. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung war die Aufhebung von Russisch als regionale Amtssprache in den &ouml;stlichen und s&uuml;dlichen Regionen der Ukraine. Gouverneure wurden neu ernannt, z.B. der drittreichste Mann der Ukraine, Igor Kolomoisky, zum Gouverneur von Dneropetrowsk, Sergej Taruta, Leiter des gr&ouml;&szlig;ten Bergbaukonzerns der Ukraine, zum Gouverneur der Donezk-Region. Und Staatspr&auml;sident ist seit dem 26. Mai 2014 Petro Poroschenko, dessen Unternehmen nicht nur Schokolade, sondern auch Waffen produzieren. Der Politologe Klaus M&uuml;ller sieht in diesen Vorg&auml;ngen eine Macht&uuml;bernahme durch die Oligarchen (Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik 8\/2015), die sich dabei auf die ukrainische Rechte, Swoboda und rechter Sektor, st&uuml;tzen (ARD Panorama vom 06.03.2014). Dass die Urheberschaft der t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse auf dem Maidan seither nicht aufgekl&auml;rt wurde, h&auml;ngt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass ein Mitglied der rechten Swoboda neuer Generalstaatsanwalt wurde. Dieser Kurs wird von den USA unterst&uuml;tzt. Vor allem die Republikaner fordern Waffenlieferungen an die ukrainische Armee, die von der EU und vor allem der deutschen Regierung immer wieder nur mit M&uuml;he verhindert werden k&ouml;nnen. Nat&uuml;rlich h&auml;lt Ministerpr&auml;sident Jazenjuk an seinem Kernanliegen fest, dem Beitritt zur NATO. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund erscheint die Annexion der Krim im M&auml;rz 2014 &ndash; immerhin nach einer positiven Volksabstimmung &ndash; in einem neuen Licht. Russland musste damit rechnen, dass rund um seine in Sewastopol stationierte Flotte NATO-St&uuml;tzpunkte errichtet w&uuml;rden &ndash; machtpolitisch gesehen intolerabel und eine handgreifliche Zuspitzung der Einkreisungspolitik durch die NATO. Russland erinnert seither daran, dass es Atommacht ist. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund muss man auch die Funktion der Sanktionen gegen Russland, die die USA vorgegeben und denen sich die EU angeschlossen hat, anders bewerten. Russland leidet darunter, keine Frage. Aber den eigentlichen Schaden haben die EU und vor allem Deutschland. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, verweist darauf, dass die deutschen Exporte nach Russland per 2014 um 18 Prozent und in den ersten beiden Monaten 2015 um 34 Prozent zur&uuml;ckgingen (Deutsche Wirtschaftsnachrichten v. 24.07.2015). In der ersten Jahresh&auml;lfte waren es 31 Prozent. Trotz der Sanktionen hat der amerikanisch-russische Warenaustausch nach SPIEGEL-Informationen stark zugelegt (Spiegel online 30.05.2015). Das hei&szlig;t: Die USA n&ouml;tigen die EU und vor allem Deutschland zu Sanktionen gegen Russland, halten sich aber selbst nicht daran. <\/p><p>Man k&ouml;nnte folgende Schlussfolgerung ziehen: Die eigentlichen Kontrahenten sind nicht die USA und Russland, auch nicht die EU und Russland, sondern die USA und die EU. Die USA k&auml;mpfen mit allen Mitteln &ndash; milit&auml;rischen und &ouml;konomischen &ndash; um ihre Hegemonie in der Welt. Diese sehen sie bedroht durch die Ann&auml;herung Russlands an die EU, um die Putin im Deutschen Bundestag warb. Vor diesem Hintergrund k&ouml;nnte man TTIP ebenfalls als ein Instrument zur Vertiefung des Verh&auml;ltnisses USA-EU und zur Zerr&uuml;ttung des Verh&auml;ltnisses EU-Russland sehen. Der Ukraine-Konflikt ist in diesem Lichte in der Tat zentral: Die Ukraine ist von vielen europ&auml;ischen Politikern, voran von Frank-Walter Steinmeier, deutscher Au&szlig;enminister, als Bindeglied zwischen der EU und Russland gesehen worden. Genau diese Rolle wollen die USA mit allen Mitteln verhindern. Darum der Kampf um die Vorherrschaft in der Ukraine. <\/p><p>Die EU kann diesen Weg nicht weitergehen. Er ist einfach zu gef&auml;hrlich. Manche sehen in ihm eine Vorbereitung des Dritten Weltkriegs. Der richtige Weg sind das &bdquo;Europ&auml;ische Haus&ldquo; und die m&ouml;glichst zivile Bearbeitung der vielen Konflikte, die wir vor allem in den vollzogenen und geplanten Regime-Changes beobachten k&ouml;nnen, dem Irak, Libyen, Syrien. Unter den Folgen leiden die europ&auml;ischen Staaten. Die USA haben in den letzten vier Jahren nur 1.500 Fl&uuml;chtlinge aus Syrien aufgenommen (Zeit-online 10.09.2015). <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Peter Becker, Co-Pr&auml;sident der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Becker, Rechtsanwalt und Co-Pr&auml;sident der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen Text verfasst. 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