{"id":27789,"date":"2015-10-02T09:34:38","date_gmt":"2015-10-02T07:34:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27789"},"modified":"2024-08-28T18:52:55","modified_gmt":"2024-08-28T16:52:55","slug":"netzwerk-des-todes-die-kriminellen-verflechtungen-von-ruestungsindustrie-und-staatsapparat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27789","title":{"rendered":"Netzwerk des Todes: Die kriminellen Verflechtungen von R\u00fcstungsindustrie und Staatsapparat"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151002_graesslin.jpg\" alt=\"J&uuml;rgen Gr&auml;sslin\" title=\"J&uuml;rgen Gr&auml;sslin\"><\/div><p>Der Export von Abertausenden von Sturmgewehren an korrupte und menschenrechtsverletzende Sicherheitskr&auml;fte in verbotenen Unruheprovinzen Mexikos konnte gelingen, weil deutsche R&uuml;stungsexport-Kontrollbeh&ouml;rden diese Kriegswaffentransfers geduldet und bei deren Abwicklung weggeschaut haben &ndash; und weil sie in bestimmten F&auml;llen gar an diesem Waffendeal mitgewirkt haben. Das konstatieren die Autoren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCrgen_Gr%C3%A4sslin\">J&uuml;rgen Gr&auml;sslin<\/a>, Daniel M. Harrich und Danuta Harrich-Zandberg in ihrem aktuellen Enth&uuml;llungsbuch <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Netzwerk-des-Todes-Das-Enthuellungsbuch-zum-TV-Ereignis-Toedliche-Exporte\/Juergen-Graesslin\/e492163.rhd\">&ldquo;Netzwerk des Todes. Blutiger Handel &ndash; die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Beh&ouml;rden&ldquo;<\/a>, das in dieser Woche im Heyne Verlag erschienen ist. Das Buch unterf&uuml;ttert den ARD-Themenabend <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/meisterdestodes\/-\/id=15524194\/447tym\/index.html\">&bdquo;Deutsche Waffenexporte&ldquo;<\/a> mit Fakten und hilft juristische Auseinandersetzungen gegen Heckler &amp; Koch und gegen hohe Beamte im Land vorzubereiten. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit <strong>J&uuml;rgen Gr&auml;sslin<\/strong>, dessen <a href=\"http:\/\/www.aufschrei-waffenhandel.de\/Graesslin-Schwarzbuch-Waffenh.473.0.html\">&bdquo;Schwarzbuch Waffenhandel&ldquo;<\/a> in keinem pazifistischen B&uuml;cherschrank fehlt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Gr&auml;sslin, nachdem Sie seit vielen Jahren publizistisch wie juristisch gegen die deutsche Waffenindustrie vorgehen, legen Sie und Ihre Mitautoren in Ihrem aktuellen Buch nun die Verflechtungen derselben mit deutschen Beh&ouml;rden und f&uuml;hrenden Politikern offen. Wie kommt es dazu?<\/strong><\/p><p>Erst einmal haben wir tausende Seiten vertraulicher Papiere ausgewertet, die uns von mehreren Insidern zugespielt wurden. Mit der Publikation von Schl&uuml;sseldokumenten im neuen Buch &bdquo;Netzwerk des Todes&ldquo; erm&ouml;glichen wir den Leserinnen und Lesern einen tiefen Einblick in die Machenschaften dieses Todesapparates. <\/p><p>Im Rahmen unserer aktuellen Recherchen der letzten beiden Jahre hat sich einfach immer wieder gezeigt, dass die Waffenindustrie allein niemals so m&auml;chtig w&auml;re, wie sie de facto ist. Ohne Hilfe aus h&ouml;chsten Kreisen, ohne gute Freunde von ganz oben, w&auml;re ihr vieles unm&ouml;glich gewesen. Deshalb m&uuml;ssen wir zuk&uuml;nftig nicht einzig die Waffenindustrie angehen, sondern gezielt auch die Kontrollbeh&ouml;rden Bundesausfuhramt (BAFA) in Eschborn und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Berlin. Zumal es bei den untersuchten Kriegswaffenexporten auch um kriminelle Machenschaften und Gesetzesbr&uuml;che geht&hellip;<\/p><p><strong>Was konkret haben Sie denn recherchiert?<\/strong><\/p><p>Wir haben den Transfer von bis zu 19.000 Gewehren nach Mexiko nachverfolgt, die reale Zahl muss in Anbetracht widerspr&uuml;chlicher Aussagen staatlicherseits erst noch ermittelt werden. Im Kern geht es um die Lieferung von Sturmgewehren des Typs G36 des Oberndorfer Kleinwaffenproduzenten Heckler &amp; Koch an Polizeieinheiten in weiten Teilen Mexikos. <\/p><p>Die Waffenausfuhr erfolgte &uuml;ber das mexikanische Verteidigungsministerium, die SEDENA. Polizisten machen sich seit Jahren schwerster Menschenrechtsverletzungen schuldig macht. Polizisten schie&szlig;en jetzt mit deutschen Sturmgewehren, die nachweislich intensiv in Korruption verstrickt sind und eng mit M&ouml;rderbanden der Drogenmafia zusammenarbeiten.<\/p><p>Die Folgen sind dramatisch: Zahlreiche Menschen wurden bereits jetzt durch den Einsatz der deutschen G36-Gewehre get&ouml;tet. Auch bei der Ermordung von sechs Studenten und dem Verschwindenlassen von 43 Studenten waren die H&amp;K-Gewehre im Einsatz. Angesicht schwerster Menschenrechtsbedenken des Ausw&auml;rtigen Amtes h&auml;tten die Gewehre niemals in mexikanische Unruheprovinzen gelangen d&uuml;rfen &ndash; doch genau dorthin f&uuml;hrt die Blutspur. Das belegen die Vor-Ort-Recherchen des Filmemachers Daniel Harrich und des Journalisten Wolf Dieter Vogel.<\/p><p><strong>Und dabei handelt es sich um sozusagen einen Einzelfall?<\/strong><\/p><p>Eben nicht. Denn diese Kriegswaffentransfers mit Mexiko weisen eine lange Historie auf: Beginnend im Jahr 2002 wollte Heckler &amp; Koch eine neue Generation von Maschinenpistolen und Sturmgewehren in den mexikanischen Markt bringen. Damals waren die Voraussetzungen besonders g&uuml;nstig. Immerhin waren mexikanische Polizisten und Soldaten seit Jahrzehnten mit der sogenannten &bdquo;Waffenfamilie&ldquo; von H&amp;K bestens vertraut.<\/p><p>Das Schnellfeuergewehr G3 von Heckler &amp; Koch wird immerhin seit dem Jahr 1979 bei der &bdquo;F&aacute;brica de Armas&ldquo;, der einzigen Waffenfabrik Mexikos, in Lizenz nachgebaut. Und die Maschinenpistole MP5 seit 1980. Drei Jahre sp&auml;ter folgte der Vertrag zur Fertigung des Maschinengewehrs HK21. Und im Folgejahr der Lizenzvertrag f&uuml;r die H&amp;K-Pistole P7. Also z&auml;hlen diese vier Waffentypen seit Jahrzehnten zur Standardausr&uuml;stung der mexikanischen Streitkr&auml;fte.<\/p><p><strong>Was macht Mexiko derart interessant?<\/strong><\/p><p>Naja, aus Sicht der Oberndorfer Waffenschmiede war das mittelamerikanische Land ein &auml;u&szlig;erst lukrativer Absatzmarkt. Immerhin stand Mexikos Volkswirtschaft im Jahr 2002 auf dem zehnten Platz in der Weltrangliste. Mit seiner Wirtschaftskraft ist das Land das f&uuml;hrende Land Lateinamerikas. Unter der &Auml;gide des damaligen Pr&auml;sidenten Vincente Fox sollte mit ganzer H&auml;rte gegen die Drogenkartelle und den Rauschgifthandel vorgegangen werden. Anfangs des letzten Jahrzehnts spitzte sich der landesinterne Krieg gegen die organisierte Kriminalit&auml;t sich massiv zu. Der Versuch der Niederschlagung der dortigen Drogenkartelle fand in bislang nicht dagewesener Intensit&auml;t zu.<\/p><p>Im besagten Zeitraum sollten Mexikos Streitkr&auml;fte mit topmodernen Waffen hochger&uuml;stet werden. Ein gefundenes Fressen f&uuml;r H&amp;K also, um neue Waffenverk&auml;ufe an die SEDENA, das dortige Verteidigungsministerium, in die Wege zu leiten. Zust&auml;ndig f&uuml;r Waffenimporte sowie f&uuml;r Verk&auml;ufe und die Waffenproduktion ist die staatliche Beschaffungsstelle DCAM. Diese ist ein Verkaufszentrum in der Zona Industria Militar, wo die Waffen vor dem Kauf besichtigt werden k&ouml;nnen. Staatlich ist auch die Herstellerfirma mexikanischer Waffen, die zum Verteidigungsministerium geh&ouml;rende F&aacute;brica de Armas. <\/p><p><strong>Sie werfen der mexikanischen Seite Korruption vor. Wen genau meinen Sie?<\/strong><\/p><p>Neben den mit der Drogenmafia zusammenarbeiten Polizisten muss man auch der damaligen F&uuml;hrungsspitze des Verteidigungsministeriums diesen Vorwurf machen. Das Problem ist doch, dass Korruption in Mexiko auf allen Ebenen verbreitet ist. Besagte Monopolstellung macht Ministerien und Beh&ouml;rden wie SEDENA und DCAM f&uuml;r Korruption besonders anf&auml;llig. Insofern &uuml;berraschen auch die Korruptionsvorw&uuml;rfe eines H&amp;K-Insiders gegen General Humberto Alfonso Aguilar, den Chef der Waffenbeschaffungsstelle DCAM, und gegen Heckler &amp; Koch wenig.<\/p><p>Damals ging es weniger um Direktexporte aus Oberndorf. Vielmehr reiste eine Delegation des mexikanischen Verteidigungsministeriums 2005 auf den Oberndorfer Lindenhof. Im Heckler &amp; Koch-Stammwerk lie&szlig; man sich die Waffenfabrik zeigen. Positiv bilanzierte der Abschlussbericht der Mexikaner zum Firmenbesuch in Deutschland: &bdquo;H&amp;K ist das Beste.&ldquo; Allerdings, und das war und ist spannend, wollten die Mexikaner prim&auml;r &bdquo;das G36 zum Selberbauen&ldquo;. Eine Lizenz also, statt der R&uuml;stungsexporte aus Oberndorf. Entsprechend profitabel war das Auftragsvolumen f&uuml;r H&amp;K in H&ouml;he von mehr als 60 Millionen Euro plus der Fertigwaffenverk&auml;ufe.<\/p><p>Die Anzahlung des mexikanischen Verteidigungsministeriums betrug umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Heckler &amp; Koch bestreitet den Erhalt der Anzahlung. Allerdings gestalteten sich die Verhandlungen &uuml;ber die Lizenzproduktion schwierig und auch langwierig. Letztlich scheiterten sie sogar. Und jetzt kommt der Hammer: In den Folgejahren werden dennoch Zehntausende von Sturmgewehren des Typs FX 05 mit Hilfe deutscher Techniker und wom&ouml;glich auf der Basis von H&amp;K-Knowhow in Mexiko gebaut. Wegen des Verdachts des &bdquo;nicht genehmigten Technologietransfers hat mein Rechtsanwalt am 21. Februar 2014 in meinem Namen eine entsprechende Strafanzeige gestellt, im &Uuml;brigen die zweite.<\/p><p>Soweit hierzu. Auf der anderen Seite sind wir bei unseren Recherchen zur Sache viel weiter gekommen, als wir anfangs zu hoffen gewagt hatten. Die Einblicke in h&ouml;chst vertrauliche Dokumente, die uns erm&ouml;glicht wurden, werfen zentrale Fragen auf. Fragen, die das Unternehmen wie auch bundesdeutsche Beh&ouml;rden betreffen.<\/p><p><strong>Konkret: Welche Fragen w&auml;ren das denn?<\/strong><\/p><p>Wir fragen: Wer tr&auml;gt die Verantwortung daf&uuml;r, dass Abertausende von G36-Sturmgewehren von Heckler &amp; Koch widerrechtlich in verbotene Unruheprovinzen Mexikos exportiert werden konnten? Haben die R&uuml;stungsexportkontrollbeh&ouml;rden Bundesausfuhramt (BAFA) und Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) illegale Waffentransfers durch Duldung oder gar aktives Mitwirken erm&ouml;glicht? Hat das vermeintlich r&uuml;stungsexportkritische Ausw&auml;rtige Amt (AA) bei den Waffendeals weggeschaut und damit die dunklen Machenschaften erst erm&ouml;glicht? Welche Rolle hat der Beratende Ausschuss des Bundessicherheitsrats &ndash; also die Staatssekret&auml;rsebene &ndash; gespielt? Und weitergehend fragen wir: Wie verh&auml;lt es sich mit den augenscheinlich illegalen Pistolenexporten von Sig Sauer und Carl Walther ins B&uuml;rgerkriegsland Kolumbien? Liegt der massiven Zunahmen von Kleinwaffenexporten in Krisen- und Kriegsgebiete nicht das Totalversagen des bislang so hoch gelobten deutschen R&uuml;stungsexport-Kontrollregimes zugrunde?<\/p><p>Einige dieser Fragen k&ouml;nnen politisch bewertet, andere m&uuml;ssen auf juristischer Ebene gekl&auml;rt werden. Genau deshalb habe ich beginnend am 19. April 2010 erstmals Strafanzeige gegen Heckler &amp; Koch wegen der illegalen Mexiko-Gewehrexporte gestellt. Danach folgten weitere Strafanzeigen teilweise als Einzelperson, teilweise mit Christine Hoffmann und Paul Russmann &ndash; den anderen beiden Sprechern der Kampagne &bdquo;Aktion Aufschrei &ndash; Stoppt den Waffenhandel!&ldquo; &ndash; sowie zuletzt gemeinsam meinen Rechtsanwalt. Diese Anzeigen gegen H&amp;K, die unterst&uuml;tzenden Kontrollbeh&ouml;rden BAFA und BMWi und auch gegen Carl Walther sowie Sig Sauer f&uuml;hrten in allen F&auml;llen zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Baden-W&uuml;rttemberg und in Schleswig-Holstein. Alle Strafanzeigen wurden von meinem Rechtsanwalt Holger Rothbauer aus T&uuml;bingen eingebracht.<\/p><p>Wir k&ouml;nnen bereits erste Erfolge verbuchen. Das Produktionswerk von Sig Sauer in Eckenf&ouml;rde musste nach dem daraufhin von den Kontrollbeh&ouml;rden verf&uuml;gten Exportverbot schlie&szlig;en, die Kriegswaffenproduktion wurde in Deutschland eingestellt. Die zahlreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaften dauern bis zum heutigen Tag an und sollten &ndash; so meine Hoffnung &ndash; letztlich zu Anklageerhebungen und gerechten Bestrafungen f&uuml;hren.<\/p><p><strong>Sie sprachen aber auch von Verstrickungen der Beh&ouml;rden in diese illegalen Machenschaften&hellip;<\/strong><\/p><p>Mit legalen und wom&ouml;glich illegalen Mitteln &ndash; letzteres wird das die deutsche Justiz zu kl&auml;ren haben &ndash; ist es den deutschen Kleinwaffenherstellern Heckler &amp; Koch, Sig Sauer und Carl Walther in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, den lukrativen Waffenmarkt in Mexiko und Kolumbien sowie in zahlreichen weiteren L&auml;ndern mit unz&auml;hligen Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehren zu bedienen.<\/p><p>Zentrale Voraussetzungen f&uuml;r die Exportbewilligung auf deutscher Seite war dabei die Gew&auml;hrleistung des Endverbleibs in vermeintlich &bdquo;sichere&ldquo; Regionen. Endverbleibserkl&auml;rungen f&uuml;r mexikanische Bundesstaaten wurden &ndash; das k&ouml;nnen wir aufgrund der internen Kommunikation von Heckler &amp; Koch mit den Kontrollbeh&ouml;rden beweisen &ndash; nach Gutd&uuml;nken ausgetauscht. Zum Wohle der Forma, die genau genommen niemals h&auml;tte Sturmgewehre in das Krisengebiet Mexiko liefern d&uuml;rfen. <\/p><p>Zudem war zentrale Voraussetzung f&uuml;r den Kriegswaffenexport nach Mexiko die Verschrottung von Altwaffen in gleicher Anzahl gem&auml;&szlig; dem &bdquo;Neu f&uuml;r Alt&ldquo;-Prinzip. Angesichts der mehr als 10.000 gelieferten Neuwaffen h&auml;tten in Mexiko also 10.000 Altwaffen zerst&ouml;rt werden m&uuml;ssen. Allerdings, so das Ergebnis unserer Recherchen, wurden in Mexiko lediglich in einem Fall rund 1.300 Altwaffen zerst&ouml;rt. Vor-Ort-Kontrollen seitens des AA, BAFA oder BMWi gab es nicht &ndash; ein schweres Vers&auml;umnis.<\/p><p>Und noch ein schier unglaublicher Deal des Bundesausfuhramtes und des Bundeswirtschaftsministeriums mit Heckler &amp; Koch: Im Jahr 2007, als bereits G36-Sturmgewehre in gro&szlig;er Zahl illegal in Unruheprovinzen gelangt waren, ben&ouml;tigte die mexikanische Polizei aufgrund des dortigen Waffeneinsatzes mehr Ersatzteile. H&amp;K forderte die Genehmigung an und erhielt Sonderkonditionen: Der zust&auml;ndige BMWi-Ressortleiter, Ministerialrat Claus W. urteilte: &bdquo;&hellip; die Argumentation von H&amp;K ist in der Tat &uuml;berzeugend &ndash; daher keine Bedenken im Fall von H&amp;K den Wert auf 30 % hochzusetzen&ldquo;. Heckler &amp; Koch sollte jedoch dazu verdonnert werden, diese Einzelfallentscheidung &bdquo;nicht im gro&szlig;en Kreis hinauszuposaunen&ldquo;. Ohne dass eine weitere Diskussion in den zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden stattgefunden h&auml;tte, wurde schlie&szlig;lich die &bdquo;Lex Heckler &amp; Koch&ldquo; schriftlich im Dezember 2007 genehmigt und abgezeichnet. Eine sp&auml;tere Verl&auml;ngerung um weitere drei Jahre wurde gleichsam bewilligt. Diese E-Mail-Korrespondenz, die uns wie viele weitere vorliegt, ist ein erneuter Beweis f&uuml;r die unlauteren Machenschaften zwischen den Waffenh&auml;ndlern und dem Netzwerk in deutschen &Auml;mtern und Ministerien.<\/p><p>All die Defizite und Tricksereien &ndash; die im neuen Buch umfassend aufgezeigt werden &ndash; f&uuml;hrten jedoch nicht dazu, dass weitere Gewehrlieferungen von H&amp;K an die zust&auml;ndige Abteilung DCAM. im mexikanischen Verteidigungsministerium unterbunden und bereits gelieferte Kleinwaffen von der Bundesregierung zur&uuml;ckgeordert wurden. Das w&auml;re, rechtlich gesehen, durchaus m&ouml;glich. Vielmehr verzichteten die deutschen Kontrollbeh&ouml;rden auf Vor-Ort-Kontrollen. Kaum zu glauben, sie vertrauten auf die Aussagen von H&amp;K-Mitarbeitern und belohnten die Oberndorfer R&uuml;stungsexporteure noch mit der Genehmigung weiterer Waffentransfers.<\/p><p><strong>Und halten Sie derlei Verstrickungen f&uuml;r &hellip; neu?<\/strong><\/p><p>Nein, ganz im Gegenteil. Derlei Machenschaften haben in Deutschland Tradition. Allen voran mit der Genehmigung von Kleinwaffenexporten gossen die Bundesregierungen der vergangenen Jahre in einer unausgesprochenen Koalition von CDU\/CSU\/SPD\/FDP\/Gr&uuml;nen durch ihre R&uuml;stungsexport-Genehmigungspolitik &Ouml;l ins Feuer der Kriege und B&uuml;rgerkriege vor allem in Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Lateinamerika. Sie leisteten damit Beihilfe zum Morden und zu Massenmorden in vielen menschenrechtsverletzenden und kriegf&uuml;hrenden Staaten. <\/p><p>Neu ist wohl lediglich, dass man derlei Verstrickungen nun en detail nachweisen kann. Das er&ouml;ffnet unter anderem die Chance juristisch dagegen vorzugehen. Die kommenden Monate werden extrem spannend.<\/p><p><strong>Wo ist denn der juristische Knackpunkt anzusehen? Was genau haben sich die Waffenschmieden und deutsche Politiker und Ministeriale zuschulden kommen lassen?<\/strong><\/p><p>Die blutige Realit&auml;t sieht so aus, dass in zahlreichen Empf&auml;ngerl&auml;ndern deutscher Kriegswaffen bewaffnete innere Konflikte toben. Bei Konflikten oder Kriegen an den Landesgrenzen werden vielfach deutsche Waffen eingesetzt &ndash; h&auml;ufig beiderseits der Front. Die Belieferung dieser sogenannten &bdquo;Drittl&auml;nder&ldquo; mit Waffen hat in den vergangenen Jahren ihren traurigen H&ouml;hepunkt erreicht. Rechtlich betrachtet sind Waffenexporte in diese L&auml;nder allenfalls in begr&uuml;ndeten Ausnahmenf&auml;llen zum Wohle deutscher Interessen erlaubt. Genau diesbez&uuml;glich bricht die Bundesregierung permanent deutsches Recht, indem sie den Ausnahme- zum Regelfall macht.<\/p><p>Der legale Waffenhandel wird weitgehend in regierungsamtlichen R&uuml;stungsexportberichten und neuerdings auch in Ver&ouml;ffentlichungen zu den Exportgenehmigungen des Bundessicherheitsrats bzw. des Vorbereitenden Ausschusses publiziert. Ganz anders der illegale Transfer von Kriegswaffen. Hier drohen gem&auml;&szlig; Kriegswaffenkontroll- und Au&szlig;enwirtschaftsgesetz bei Bekanntwerden mehrj&auml;hrige Haftstrafen. Kein Wunder also, dass illegale Waffendeals jenseits der &Ouml;ffentlichkeit im Verborgenen stattfinden sollen.<\/p><p>Auf den Punkt gebracht nach Analyse der vertraulichen Dokumente: Bestechungsgelder an Amtstr&auml;ger im In- und Ausland, manipulierte Endverbleibszertifikate als Voraussetzung f&uuml;r den Export deutscher Waffenschmieden, fragw&uuml;rdige Empf&auml;ngerstaaten, die der Bundesregierung garantieren, deutsche Waffen nicht weiterzuverkaufen und die sich nicht an die Abmachungen halten undundund. Wir m&uuml;ssen uns nicht wundern, dass deutsche Waffen in den H&auml;nden von Terrormilizen, Todesschwadronen, von der Mafia beeinflussten Polizisten und von Milit&auml;rs landen. <\/p><p>Nichts davon ist, was illegale Gesch&auml;fte betrifft, erlaubt &ndash; weder den Beteiligten in den Waffenschmieden noch den Beamten und Politikern. In unserem Buch legen wir grundlegende Dokumente vor, die nachdr&uuml;cklich Hinweise auf m&ouml;gliche Straftaten geben. Wir wollen, dass die zust&auml;ndigen Personen &ndash; bis in h&ouml;chste Kreise &ndash; zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht gestellt werden. <\/p><p><strong>Mit h&ouml;chsten Kreisen meinen Sie beispielsweise was oder wen?<\/strong><\/p><p>Nun, die zu beantwortende Frage lautet: Wie konnten und k&ouml;nnen Kriegswaffen ungehindert in Kriegsgebiete, in miteinander verfeindete Staaten, in L&auml;nder mit jahrzehntelangen B&uuml;rgerkriegen geliefert werden? Die Antwort liegt in einem Netzwerk von R&uuml;stungsindustrie, R&uuml;stungsexport-Kontrollbeh&ouml;rden, beteiligten Staatssekret&auml;ren und Politikern. Zu kl&auml;ren ist auch, welche Rolle der CDU\/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder gespielt hat, der gerne im Hintergrund agiert. <\/p><p>Unser Buch deckt ein System auf, das bereits &uuml;ber Jahre und Jahrzehnte hinweg die vermeintlich undurchl&auml;ssigen Grenzen f&uuml;r illegale Kriegswaffenexporte in die ganze Welt ge&ouml;ffnet hat. Dabei legen die uns vorliegende interne Protokolle und Dokumente nahe, dass Beteiligte auf allen Ebenen von den dubiosen Waffenexporten nach Mexiko wussten. Zugleich widerlegen die Akten die Annahme, R&uuml;stungsfirmen m&uuml;ssten sich problematische Ausfuhrgenehmigungen erschleichen. Im vorliegenden Fall haben nachweislich alle gemeinsame Sache gemacht: die Ministerien, die &Auml;mter und die Waffenhersteller &ndash; und letztlich sogar der Vorbereitende Ausschuss des Bundessicherheitsrats &ndash; also Staatssekret&auml;re und f&uuml;hrende Beamte.<\/p><p>Bei diesen Fakten m&ouml;chte ich es vorerst belassen. Mehr dazu im Netzwerk-des-Todes-Buch, in dem wir zuhauf Faksimiles h&ouml;chst brisanter Dokumente ver&ouml;ffentlichen. In den kommenden Monaten erreichen die Auseinandersetzungen ihre entscheidende Phase. Mehr wird alsbald folgen im Rahmen der anstehenden juristischen Auseinandersetzungen und gern auch wieder hier bei Ihnen auf den NachDenkSeiten.<\/p><p><strong>Haben Sie vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch. Und auch f&uuml;r diesen &auml;u&szlig;erst lesenswerten Thriller, der Licht ins Dunkel der Machenschaften von R&uuml;stungsindustrie, Kontrollbeh&ouml;rden &ndash; die ihrem Namen nicht gerecht werden &ndash; und der Politik bis hin zur F&uuml;hrungsebene bringt.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>J&uuml;rgen Gr&auml;sslin<\/strong> ist Sprecher der Kampagne &bdquo;Aktion Aufschrei &ndash; Stoppt den Waffenhandel!&ldquo;, Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft &ndash; Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher der Kritischen Aktion&auml;rInnen Daimler (KAD) und Vorsitzender des R&uuml;stungsInformationsB&uuml;ros (RIB e.V.). Er ist Autor zahlreicher kritischer Sachb&uuml;cher &uuml;ber R&uuml;stungsexporte sowie Milit&auml;r- und Wirtschaftspolitik, darunter internationale Bestseller. Zuletzt verfasste er das &bdquo;Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient&ldquo; (2013) und &bdquo;Netzwerk des Todes. Blutiger Handel &ndash; Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Beh&ouml;rden (September 2015). Gr&auml;sslin wurde mit mehreren Preisen f&uuml;r Frieden und Zivilcourage ausgezeichnet, u.a. mit dem &bdquo;Aachener Friedenspreis&ldquo; (2011). Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.juergengraesslin.com\">www.juergengraesslin.com<\/a>.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.swr.de\/toedliche-exporte\/-\/id=15873060\/sdop08\/index.html\">ARD: &bdquo;T&ouml;dliche Exporte: Wie das G36 nach Mexiko kam&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=e5coGgnCWrU\">Quelle II: Die Doku auf YouTube<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QeGJKGXO7Nw&amp;feature=youtu.be\">Jan van Aken, Die Linke: &bdquo;Ein Lehrst&uuml;ck in Sachen Lug und Betrug&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/weltnetz.tv\/video\/656-frieden-ist-schlecht-fuers-geschaeft\">Weltnetz.TV: &bdquo;Frieden ist schlecht f&uuml;rs Gesch&auml;ft&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ul><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/197f0bc5280b426ba1c0f11c4e23a288\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151002_graesslin.jpg\" alt=\"J&uuml;rgen Gr&auml;sslin\" title=\"J&uuml;rgen Gr&auml;sslin\"\/><\/div>\n<p>Der Export von Abertausenden von Sturmgewehren an korrupte und menschenrechtsverletzende Sicherheitskr&auml;fte in verbotenen Unruheprovinzen Mexikos konnte gelingen, weil deutsche R&uuml;stungsexport-Kontrollbeh&ouml;rden diese Kriegswaffentransfers geduldet und bei deren Abwicklung weggeschaut haben &ndash; und weil sie in bestimmten F&auml;llen gar an diesem Waffendeal mitgewirkt haben. 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