{"id":27813,"date":"2015-10-05T10:17:49","date_gmt":"2015-10-05T08:17:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27813"},"modified":"2022-06-21T11:08:04","modified_gmt":"2022-06-21T09:08:04","slug":"anmerkungen-zum-impuls-papier-des-spd-parteivorstands-starke-ideen-fuer-deutschland-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27813","title":{"rendered":"Anmerkungen zum Impuls-Papier des SPD-Parteivorstands: \u201eStarke Ideen f\u00fcr Deutschland 2025\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die SPD-Spitze hat vor einigen Wochen ein &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spd.de\/linkableblob\/129600\/data\/impulspapier-perspektivdebatte.pdf\">Impulspapier<\/a>&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, das eine &bdquo;Perspektivdebatte&ldquo; anstossen und auf einem &bdquo;Perspektivkongress&ldquo; am 11. Oktober 2015 in Mainz diskutiert werden soll.<br>\nWer einen Text ver&ouml;ffentlicht, muss damit rechnen, dass er gelesen wird. Bei jedem Text muss mindestens einer sich M&uuml;he machen: der Autor, in diesem Fall wohl besser der Absender oder die Leserin und der Leser. Im Idealfall beide.<br>\nIm konkreten Fall m&uuml;ssen alle, die den Text lesen, sich grosse M&uuml;he geben, weil sie mit einer Gedankenwelt und einer Sprache zu tun haben, die neue Massst&auml;be daf&uuml;r setzt, wie man einen programmatischen politischen Text der SPD nicht schreiben sollte.<br>\nEigenlob und Selbstt&auml;uschung, Formelsprache und mangelndes Geschichtsbewusstsein, Begriffswirrwarr und blinde Flecke bei zentralen Fragen ergeben eine Mischung, die auch  hart gesottene, professionelle Leser politischer Texte herausfordert.<br>\nDieser &bdquo;Impuls&ldquo; braucht Widerspruch, damit er keinen dauerhaften Schaden anrichtet.<br>\nIch werde an Beispielen aus jedem der neun Kapitel des Impuls-Papiers deutlich machen, was aus meiner Sicht schr&auml;g ist und nicht stimmt, was fehlt und wo vernebelt statt aufgekl&auml;rt wird. Dabei versteht sich, dass der Text auch vieles Richtige enth&auml;lt. Das macht ihn aber nicht aus. Von <strong>Christoph Habermann<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27813#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4585\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27813-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151006_Impulspapier_der_SPD.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151006_Impulspapier_der_SPD.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151006_Impulspapier_der_SPD.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151006_Impulspapier_der_SPD.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27813-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151006_Impulspapier_der_SPD.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151006_Impulspapier_der_SPD.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zur &bdquo;Vorbemerkung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das &bdquo;<em>erfolgreiche Mitgliedervotum<\/em>&ldquo;, das mit Dreiviertel-Mehrheit den Eintritt der SPD in die Grosse Koalition gebilligt hat, wird charakterisiert als<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;der Beginn eines neuen Selbstverst&auml;ndnisses der SPD. Wie keine andere Partei in Deutschland ist es der SPD gelungen, die eindeutige Unterst&uuml;tzung der Mitglieder f&uuml;r die Regierungsarbeit zu gewinnen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das sind grosse Worte. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus.<br>\nDas Mitgliedervotum ging &uuml;ber den Regierungseintritt und konnte keine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die &bdquo;<em>Regierungsarbeit<\/em>&ldquo; sein, allenfalls ein Vertrauensvorschuss darauf.<br>\nUmfragen der letzten Monate deuten darauf hin, dass die Mitglieder der SPD mit der Arbeit ihres Vorsitzenden in der Regierung und in der Partei &ndash; das l&auml;sst sich bei der personellen Konstellation nicht recht auseinanderhalten &ndash; eher wenig zufrieden sind. Auch die Ergebnisse der Sonntagsfrage zeigen &uuml;ber alle demoskopischen Institute hinweg keinen Regierungs-Bonus f&uuml;r die SPD.<\/p><p>Dazu kommt ein grunds&auml;tzliches Problem des &bdquo;<em>erfolgreichen Mitgliedervotums<\/em>&ldquo;.<br>\nDie Bef&uuml;rworter und die Gegner der Regierungsbeteiligung der SPD haben unter ganz ungleichen Bedingungen f&uuml;r ihre &Uuml;berzeugung gek&auml;mpft.<\/p><p>Die ganze Spitze der SPD hat mit allen Mitteln der hauptamtlichen Organisation und der technischen M&ouml;glichkeiten f&uuml;r den Eintritt in die Grosse Koalition geworben.<br>\nVon den mailing-Aktionen der Generalsekret&auml;rin und des Vorsitzenden &uuml;ber den &bdquo;Vorw&auml;rts&ldquo;, die Leitung und die Redner\/innen bei den Regionalkonferenzen bis hin zu dem mit den Abstimmungsunterlagen verschickten Material wurden so gut wie ausschliesslich Argumente f&uuml;r die Regierungsbeteiligung verbreitet. Eine solche Praxis ist weit entfernt von tats&auml;chlicher gleichberechtigter Beteiligung und Entscheidung aller Mitglieder. <\/p><p>In Zukunft m&uuml;ssen bei einem Mitgliederentscheid Bef&uuml;rworter und Gegner auf allen Ebenen und auf allen offiziellen parteiinternen Kommunikationskan&auml;len die gleichen M&ouml;glichkeiten haben, ihre Argumente darzulegen und f&uuml;r ihre Empfehlung zu werben. Sinnvoll und notwendig w&auml;re es, in einer kleinen Brosch&uuml;re, die allen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen mit den Wahlunterlagen geschickt wird, die unterschiedlichen Positionen gleichberechtigt einander gegen&uuml;ber zu stellen. Das entspricht der Praxis bei Volksabstimmungen in der Schweiz, die weltweit am meisten Erfahrungen hat mit direkter Demokratie.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>Zehn gute Gr&uuml;nde f&uuml;r die Diskussion mit und in der SPD<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>(1) Was ist eine &bdquo;<em>emanzipierte Volkspartei<\/em>&ldquo;?<\/p><p>Von wem hat sie sich emanzipiert? Wann war das? Woran merkt man das?<br>\nWar sie bisher unterdr&uuml;ckt? Versklavt? Abh&auml;ngig? Von wem?<\/p><p>(3) &bdquo;<em>Die SPD will die moderne Gesellschaft.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Gibt es nur die eine und sonst keine? F&uuml;r modern halten sich und h&auml;lt sich vieles.<br>\nWas Mode ist und was modern, was Zeitgeist und was auf der H&ouml;he der Zeit, daf&uuml;r braucht man Massst&auml;be und Ziele. &bdquo;Die moderne Gesellschaft&ldquo; gibt es nicht. Der politische Streit geht darum, was modern ist oder sein soll.<\/p><p>(6) &bdquo;<em>Unternehmen m&uuml;ssen Geld verdienen.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Ja, das stimmt. Warum steht da aber nicht auch:<br>\n&bdquo;Arbeitnehmer m&uuml;ssen Geld verdienen&ldquo;.<br>\nDas stimmt n&auml;mlich auch.<br>\nGewinne sind Voraussetzung f&uuml;r Investitionen und Aussch&uuml;ttung.<br>\nArbeitnehmer-Einkommen sind Kosten eines Unternehmens und Nachfrage f&uuml;r alle anderen.<\/p><p>(7) &bdquo;<em>Die SPD will Einkommen erh&ouml;hen.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Was heisst das?<br>\nWill Sie die Steuern und Abgaben f&uuml;r Niedrigverdiener senken, die in Deutschland relativ gesehen &uuml;berdurchschnittlich viel bezahlen?<br>\nWill sie den Mindestlohn erh&ouml;hen?<br>\nWill Sie in St&auml;dten und L&auml;ndern, in denen Sie in politischer Verantwortung ist, Kinderbetreuerinnen und Pfleger besser bezahlen?<\/p><p>(8) &bdquo;<em>Die SPD &uuml;berwindet falsche Gegens&auml;tze und &ouml;de Glaubenskriege zwischen Industrie und Umwelt<\/em>.&ldquo;<\/p><p>Ja, die gibt es auch, und die zu &uuml;berwinden ist richtig.<br>\nIm Kern gilt aber: Was &ouml;kologisch nicht zu verantworten ist, darf &ouml;konomisch nicht profitabel sein. Das ist Aufgabe der Politik. Das ist Aufgabe der SPD. Ihre besondere Aufgabe liegt darin, die &ouml;kologische Frage so zu beantworten, dass die soziale Frage sich nicht sch&auml;rfer stellt.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>2. Sozialdemokratische Politik unter ver&auml;nderten Bedingungen<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 6 lesen wir: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Sozialdemokratie war immer ein Zukunftsprojekt. Das muss sie auch jetzt wieder werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, ja, ein Zukunftsprojekt. Wie das Leben &ndash; nach vorne gelebt und nach hinten verstanden. Bis zum Tod. Aber: Parteien m&uuml;ssen nicht sterben. Manche bringen sich selber um. Hinterm Horizont geht&rsquo;s weiter. Die Zukunft kommt, egal, wer was tut.<\/p><p>Die SPD muss ein Gegenwartsprojekt haben, wenn sie Zukunft haben will. Ein Gegenwartsprojekt f&uuml;r eine gute Zukunft f&uuml;r alle. Daf&uuml;r muss man wissen, was man will und wissen f&uuml;r wen, mit wem und gegen wen man humanen und sozialen Fortschritt durchsetzen kann und muss.<\/p><p>Auf Seite 6 lesen wir, die SPD sei die &bdquo;<em>moderne Gesellschaftspartei der Bundesrepublik<\/em>&ldquo;.<\/p><p>Was ist das, eine &bdquo;moderne Gesellschaftspartei&ldquo;?<\/p><p>In der T&uuml;rkei wurde 2005 die &bdquo;Demokratische Gesellschaftspartei&ldquo; (DTP) gegr&uuml;ndet und 2009 vom Verfassungsgericht verboten.<br>\nIn Schweden gibt es die &bdquo;Christdemokratische Gesellschaftspartei&ldquo;.<br>\nWo ist der Zusammenhang? Oder ist es so etwas wie ein modernes Gesellschaftsspiel, dass man, f&uuml;r welche Politik auch immer, neue Namen sucht: Volkspartei, Partei der linken Mitte, Partei der neuen Mitte, Gesellschaftspartei, progressive Partei, emanzipierte Volkspartei?<\/p><p>Weiter auf Seite 6 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;dass die Erwerbsbiographien der angestellten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer insgesamt weniger stabil und berechenbar geworden sind.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist doch kein Naturgesetz. Das ist das Ergebnis praktischer Politik, die sich an anderen Interessen als denen der Besch&auml;ftigten orientiert. Die SPD war an vielem massgeblich beteiligt:<br>\nDeregulierung des Arbeitsmarkts f&uuml;r mehr Leiharbeit, Werkvertr&auml;ge, sachgrundlose Befristung; Deregulierung der Finanzm&auml;rkte, Steuersenkung zugunsten der Wohlhabenden und Steuerprivilegien f&uuml;r Grossunternehmen.<br>\nBei manchem hat sie sich inzwischen eines Besseren besonnen, an anderem h&auml;lt sie leider noch immer fest.<\/p><p>Wir lesen weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Nun sind neue Instrumente der W&auml;hlerbindung gefragt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;W&auml;hlerbindung&ldquo; entsteht, wenn Parteien etwas zu bieten haben, Vertrauen wecken:<br>\nIdeen, die Zuversicht und Hoffnung vermitteln, Vorschl&auml;ge machen, Antworten geben auf Sorgen und &Auml;ngste. Es geht um praktisches Handeln im Interesse von Menschen, nicht um Instrumente. Instrumente ersetzen keine Politik.<\/p><p>Weiter lesen wir:<\/p><p><em>&bdquo;Die Aufl&ouml;sung der klassischen sozialen Milieus&ldquo;<\/em> sei <em>&bdquo;eine grosse Chance f&uuml;r die SPD, weil &uuml;berkommene Gesellschaftsstrukturen nicht mehr zementiert sind.&ldquo;<\/em><\/p><p>Unter den &bdquo;Zehn guten Gr&uuml;nden&ldquo; am Beginn des Impuls-Papiers ist die Rede davon, wie wichtig Sicherheit und der Schutz vor Risiken sind. Nicht jede Aufl&ouml;sung eines klassischen Milieus ist ein Fortschritt. Ja, es gibt falsche Sicherheit, die am Ende niemandem nutzt. Schutz vor Risiken, politische Begleitung und Abmilderung von Ver&auml;nderungen ist aber notwendig. Zementierung oder Schutz: Das ist die falsche Alternative. <\/p><p>Auf Seite 7 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Heute gibt es z.B. bekennende homosexuelle Politikerinnen und Politiker in allen politischen Lagern. Deutlicher kann sich der Fortschritt zu mehr Liberalit&auml;t und Offenheit der Gesellschaft kaum ausdr&uuml;cken.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Doch. Politiker\/innen sind nicht das Mass der Dinge. Der schwul lebende Fachverk&auml;ufer und die lesbisch lebende Mechatronikerin sind bessere Beispiele, die gewachsene Liberalit&auml;t zu charakterisieren. &Uuml;brigens: Bekannte Fussballspieler trauen sich, bis auf einen, immer noch nicht, weil sie Sanktionen f&uuml;rchten.<\/p><p>Weiter auf Seite 7:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Zukunft einer progressiven Partei liegt indes nicht in der R&uuml;ckschau auf das Erreichte oder gar im Bedauern &uuml;ber das Verschwinden ihrer Tr&auml;gerschichten. Ver&auml;nderung ist Teil ihrer Identit&auml;t.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Was ist eine &bdquo;progressive Partei&ldquo;? Wie verh&auml;lt sie sich zur &bdquo;modernen Gesellschaftspartei&ldquo;?<\/p><p>Wenn die &bdquo;Tr&auml;gerschichten&ldquo; einer Partei verschwinden, dann verschwindet auch die Partei. Die Partei verschwindet auch dann oder wird stark geschw&auml;cht, wenn sie ihre Tr&auml;gerschichten nicht mehr kennt oder nichts mehr f&uuml;r sie tut. &bdquo;Tr&auml;gerschichten&ldquo; suchen sich manchmal neue Parteien, der umgekehrte Fall ist viel seltener und noch schwieriger.<\/p><p>Weiter lesen wir auf Seite 7:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;..weil nationale Umverteilungspolitik durch Steuern l&auml;ngst ihre Grenzen gefunden hat&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, es gibt Grenzen f&uuml;r nationale Umverteilung durch Steuerpolitik, aber in Deutschland sind wir von diesen Grenzen weit entfernt:<br>\nBeim Spitzensteuersatz, bei der Besteuerung von Kapitaleink&uuml;nften, bei der Verm&ouml;gensteuer, bei der Erbschaftsteuer.<br>\nDa ist national viel Luft nach oben, wenn der politische Wille da ist. Professor Lorenz Jarass hat erst vor wenigen Tagen eine ganze Palette konkreter steuerlicher Regelungen vorgeschlagen, die Bundestag und Bundesrat beschliessen k&ouml;nnten, ohne an die Grenzen nationaler Handlungsm&ouml;glichkeiten zu stossen.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>3. Deutschland ist ein starkes Land.<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>In diesem Kapitel mischen sich Eigenlob und Selbstt&auml;uschung besonders intensiv. Schlimm, wenn eine Partei die Dinge platt, einfach, verf&auml;lschend darstellt, schlimmer, wenn sie der eigenen Propaganda glaubt, weil das die Grundlage f&uuml;r die n&auml;chsten Fehler schafft.<\/p><p>Auf Seite 8 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Das Durchschnittswachstum lag h&ouml;her als in jedem anderen grossen Euroland. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein historisches Tief gefallen. Die Schuldenquote ist gesunken. Der Staatshaushalt ist ausgeglichen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das sollen die Massst&auml;be sein, an denen gemessen Deutschland wirtschaftlich stark dasteht?<\/p><ul>\n<li>Kein Wort dazu, dass das Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt der letzten Jahre nur gering gewachsen ist, in den anderen L&auml;ndern aber noch geringer. Wenn man andere Zeitr&auml;ume w&auml;hlt und dann vergleicht, sieht die Situation noch weniger g&uuml;nstig aus.<\/li>\n<li>Kein Wort dazu, dass Deutschland Jahr f&uuml;r Jahr mehr &Uuml;bersch&uuml;sse im Aussenhandel erzielt, die spiegelbildlich andere L&auml;nder mit Defiziten bezahlen m&uuml;ssen. Das verst&ouml;sst gegen das deutsche Stabilit&auml;ts- und Wachstumsgesetz, gegen die Regeln der EU, trifft auf  scharfe Kritik des IWF und vieler international renommierter &Ouml;konomen und ist tats&auml;chlich ein auf Dauer untragbarer und nicht durchzuhaltender Zustand.<\/li>\n<li>Kein Wort dazu, dass das angebliche &bdquo;Jobwunder&ldquo; ausschliesslich auf Umverteilung der Arbeit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. 1991 lag das gesamte Arbeitsvolumen bei 60.261 Millionen Stunden, 2000 bei 57.960 Millionen Stunden und im Jahr 2014 waren es 58.461 Millionen Stunden. Das hei&szlig;t: Die Zahl der Arbeitspl&auml;tze ist dadurch gestiegen, dass es weniger Vollzeit-Arbeitspl&auml;tze und mehr Teilzeitarbeitspl&auml;tze gibt.<\/li>\n<\/ul><p>Im Jahr 2014 w&uuml;nschten sich nach den Ergebnissen der &bdquo;Arbeitskr&auml;fteerhebung&ldquo; rund 6 Millionen Menschen in Deutschland Arbeit oder mehr Arbeitsstunden.<br>\nNeben den offiziell Arbeitslosen und der sogenannten stillen Reserve wollten 14,9 Prozent, also jede(r) siebte Teilzeitbesch&auml;ftigte l&auml;nger arbeiten.<\/p><ul>\n<li>Kein Wort dazu, dass der ausgeglichene Staatshaushalt nur f&uuml;r den Bund gilt, w&auml;hrend viele L&auml;nder und vor allem Kommunen grosse finanzielle Probleme haben.<\/li>\n<li>Kein Wort dazu, dass deutlich mehr &ouml;ffentliche Investitionen &ndash; &uuml;ber die erfreulichen Fortschritte, die es gegeben hat, hinaus &ndash; notwendig sind und &uuml;ber zus&auml;tzliche Steuereinnahmen oder &uuml;ber Kredite mit Zinsen n&auml;her an 0 als ein Prozent finanziert werden k&ouml;nnten und sollten.<\/li>\n<\/ul><p>Auf Seite 8 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Kaum jemand bezweifelt heute noch, dass f&uuml;r diese beeindruckende Entwicklung unseres Landes die von der SPD vor zehn Jahren in schwierigen Zeiten durchgef&uuml;hrten Reformen eine der wesentlichen Grundlagen waren.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Doch, viele bezweifeln das. Sie haben auch gute Argumente.<br>\nViele der &bdquo;Reformen&ldquo; hatten deformierenden statt reformierenden Charakter. Viele in der SPD wussten das schon damals und waren deshalb nicht einverstanden. Andere haben es im Laufe der Zeit gelernt. Das scheint jetzt wieder verloren zu gehen.<br>\nDie Deregulierung der Finanzm&auml;rkte, die Abschaffung wichtiger Schutzregeln f&uuml;r den Arbeitsmarkt und der soziale Abstieg in die &bdquo;Grundsicherung&ldquo; bedeuteten in den vergangenen zehn Jahren f&uuml;r Millionen Menschen mehr Unsicherheit und weniger Lebenschancen.<br>\nSteuersenkung f&uuml;r die Wohlhabenden und ein grosser Niedriglohnsektor als ausdr&uuml;ckliches politisches Ziel haben zu wachsender sozialer Ungleichheit gef&uuml;hrt.<\/p><p>Viele &Ouml;konomen und Arbeitsmarktforscher weisen darauf hin, dass die im europ&auml;ischen Vergleich g&uuml;nstigere deutsche Entwicklung bei den Arbeitspl&auml;tzen stark mit dem demografisch bedingten R&uuml;ckgang der Bev&ouml;lkerung im Erwerbsalter, mit der Verteilung des Arbeitsvolumens auf mehr K&ouml;pfe und mit immer gr&ouml;sseren Export&uuml;bersch&uuml;ssen zu tun hat.<\/p><p>Weiter lesen wir auf Seite 8:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir haben die Tarifautonomie und den Fl&auml;chentarifvertrag nicht beseitigt -&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Donnerwetter! Wenn das keine Leistung ist. Nicht einmal die grundgesetzlich garantierte Tarifautonomie hat die SPD  geschleift. Wer h&auml;tte das gedacht!<br>\nWarten wir &ndash; hoffnungsvoll und sorgenvoll zugleich &ndash; ab, was das Bundesverfassungsgericht zum &bdquo;Tarifeinheitsgesetz&ldquo; sagen wird.<\/p><p>Auf Seite 9 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Deutschland hat den Aufbruch in die kulturelle Moderne vollzogen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wann war das genau?<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>4. Eine Welt voller Unsicherheiten.<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 9 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;&hellip; so wirkt Russland heute autokratisch und aussen- wie innenpolitisch aggressiv.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Stimmt es nicht, dass viele Aufgaben und Probleme in Europa und in der Welt nicht ohne Russland und erst recht nicht gegen Russland gel&ouml;st werden k&ouml;nnen?<br>\nWarnen Egon Bahr, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl und viele andere nicht zu Recht vor einer D&auml;monisierung Putins und vor einer ganz einseitigen Wahrnehmung und Darstellung der russischen Politik? Tragen EU und NATO &uuml;berhaupt keine Verantwortung f&uuml;r die Situation?<\/p><p>Auf Seite 10 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;&hellip; in der Alltagswahrnehmung verbindet sich aktuell wieder mehr und mehr das Thema Zuwanderung mit dem Import von Unsicherheit statt mit einer richtigen und planbaren Strategie zur Bew&auml;ltigung des demografischen Wandels in Deutschland.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, &Auml;ngste vor Zuwanderung wachsen, und ja, &Auml;ngste muss man auch dann Ernst nehmen, wenn man sie nicht oder nur teilweise f&uuml;r berechtigt h&auml;lt.<\/p><p>Kurzfristig sind die M&ouml;glichkeiten, die Zahl der Fl&uuml;chtlinge zu verringern, sehr begrenzt. Niemand sollte da falsche Erwartungen wecken. Genauso falsch ist es, Fl&uuml;chtlinge in erster Linie unter wirtschaftlichen Nutzen-&Uuml;berlegungen zu betrachten. Was m&uuml;ssen die Menschen in Deutschland denken, die zum Teil seit Jahren arbeitslos sind, die keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung haben? Warum k&uuml;mmert man sich nicht zuerst um sie, bevor man sich um gezielte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt k&uuml;mmert?<\/p><p>Das beste Mittel gegen &Auml;ngste vor Zuwanderung ist eine Politik des sozialen Ausgleichs, die daf&uuml;r sorgt, dass es bezahlbare Wohnungen, Kita-Pl&auml;tze, Sozialarbeiter in Schulen, Qualifizierung, &ouml;ffentlich gef&ouml;rderte Besch&auml;ftigung f&uuml;r alle gibt, die darauf angewiesen sind. Wenn der Eindruck entsteht, dass f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge Geld da ist, das<br>\ndenen, die seit vielen Jahren in schwierigen Verh&auml;ltnissen in Deutschland leben, vorenthalten worden ist und wird, dann ist das sozialer Sprengstoff.<br>\nGelingende Integration hat viel mit ausreichenden &ouml;ffentlichen Mitteln und &ouml;ffentlichen Leistungen und ihrer gerechten Verteilung zu tun.<br>\nDie wachsende Zahl von Fl&uuml;chtlingen ist ein weiteres Argument f&uuml;r mehr sozialen Ausgleich und daf&uuml;r, dass starke Schultern mehr tragen sollten als schwache.<\/p><p>Ungerechtigkeit f&uuml;hrt zu Unsicherheit, zu Angst und Wut, die zu Hass und Gewalt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Auf Seite 11 lesen wir:<\/p><p>Auch in der Innenpolitik gebe es Themen, die grosse Unsicherheit verbreiten. Genannt werden neben Alltagskriminalit&auml;t und dem wachsenden Druck auf die arbeitende Mitte unserer Gesellschaft:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Das t&auml;gliche Erleben von Menschen mit niedrigem Einkommen, dass sich ihre Lebensbedingungen trotz harter Arbeit nicht verbessern.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, das stimmt, passt aber nicht zum Hochglanzbild vom &bdquo;starken Land&ldquo; unter 3., in dem alles gut und immer besser l&auml;uft.<br>\nWas hat die SPD diesen Menschen anzubieten? Es soll offenbar m&ouml;glichst kein Geld kosten, wie immer das gehen soll.<\/p><p><em>&bdquo;Die SPD ist gut beraten, die Antwort darauf (auf die Frage, woher die Ressourcen kommen) nicht vorschnell mit dem Ruf nach h&ouml;heren Schulden oder h&ouml;heren Steuern zu geben.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ist die SPD gut beraten, die niedrigen Steuers&auml;tze f&uuml;r Spitzenverdiener, den Verzicht auf Verm&ouml;gensteuer, die Privilegierung der Eigent&uuml;mer von Unternehmen bei der Erbschaftsteuer  zum Mass aller Dinge zu erkl&auml;ren?<\/p><p>Ist es vorschnell zu &uuml;berlegen, ob Steuers&auml;tze wie in anderen L&auml;ndern oder wie zu Zeiten von Helmut Schmidt und Helmut Kohl durchaus vern&uuml;nftig und zumutbar sein k&ouml;nnten?<\/p><p>Soll es weiter so sein, dass im internationalen Vergleich Menschen mit geringem Einkommen in Deutschland durch Steuern und Sozialversicherungsbeitr&auml;ge relativ mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen als Grossverdiener?<\/p><p>W&auml;re die SPD nicht gut beraten, dar&uuml;ber nachzudenken &ndash; nat&uuml;rlich nicht vorschnell &ndash; wie das Steuersystem &ouml;kologischer gestaltet werden kann: Umweltsch&auml;dliche Subventionen und Steuerverg&uuml;nstigungen abschaffen und die Belastung von B&ouml;den, Wasser und Luft st&auml;rker belasten.<\/p><p>Steuerdumping soll bek&auml;mpft werden, aber:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Dabei geht es nicht darum, m&ouml;glichst hohe Steuern zu erheben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, es geht darum, Recht und Gesetz durchzusetzen und nicht zuzulassen, dass Konzerne, die Millionen an Steuerkanzleien zahlen f&uuml;r immer wieder neue Umgehungstatbest&auml;nde, den Staaten weiter auf der Nase rumtanzen.<\/p><p>Nein, es geht um ausreichende Steuereinnahmen, damit Br&uuml;cken und Schienen, Schulen und andere &ouml;ffentliche Geb&auml;ude nicht verkommen, damit gen&uuml;gend Menschen im &ouml;ffentlichen Dienst arbeiten und anst&auml;ndig bezahlt werden: im &ouml;ffentlichen Gesundheitswesen, im Arbeitsschutz und der Lebensmittelkontrolle, in Kindertageseinrichtungen und der Jugendarbeit, bei der Steuerfahndung und bei der Verfolgung aller Formen von Kriminalit&auml;t.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;5. Konsequenzen f&uuml;r die Politik der SPD.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 12 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Koalitionsvertr&auml;ge sind keine Ausrede f&uuml;r Nichthandeln in wichtigen Fragen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wem gilt diese &bdquo;gelbe Karte&ldquo;? Ist das eine Selbstbezichtigung?<\/p><p>Auf der Suche nach L&ouml;sungen f&uuml;r &bdquo;mehr Sicherheit in Deutschland und Europa&ldquo; sind wir <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;uns dabei bewusst, dass wir keine Bilderbuchl&ouml;sungen parat haben&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bilderbuchl&ouml;sungen?<br>\nSabine Zehnder Schlapbach aus Bern bietet einen workshop an:<br>\n&bdquo;Bilderbuchl&ouml;sungen. Zum Gebrauch von Bilderb&uuml;chern in der kreativen Kindertherapie &ndash; unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung der Mehrgenerationenperspektive&ldquo;.<br>\nOb das gemeint ist? Sind Bilderbuchl&ouml;sungen die neuen, digitalen Patentrezepte der kulturellen Moderne?<\/p><p>Auf Seite 13 lesen wir und das muss man wirklich genau lesen:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die oben genannten (Un)Sicherheitsfragen der Menschen m&uuml;ssen wir ansprechen und diskutieren (auch strittig) und ohne schon alle fertigen Antworten zu haben oder gar vorzut&auml;uschen. Es stellt sich aber die Frage, wer die F&uuml;hrung in der Debatte zu diesen Themen &uuml;bernimmt &ndash; und damit auch Verantwortung. Nicht um die Durchsetzung oder dem Werben f&uuml;r angeblich &bdquo;alternativer L&ouml;sungsans&auml;tze&ldquo;, sondern in der wertebasierten und doch gestaltbaren, unfertigen, ergebnisoffenen Debatte. Das wird eine Debatte, die in wesentlichen Passagen deutlich &uuml;ber die Legislaturperiode (auch &uuml;ber die kommende) hinausweist.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Kann man es noch genauer und noch differenzierter sagen? Fragen &uuml;ber Fragen. Wer &uuml;bernimmt die Verantwortung, unfertig, wertebasiert und zugleich strittig, auf jeden Fall aber &uuml;ber die Legislaturperiode hinaus? Wer wirbt um die Durchsetzung, ohne fertige Antworten vorzut&auml;uschen? <\/p><p><strong>Zu &bdquo;6. Deutschland 2025: Grosse Herausforderungen meistern.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 13 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Und wo gestern noch Erze, Chemikalien, &Ouml;l und Gas die Rohstoffe der wirtschaftlichen Entwicklung waren, sind es heute mehr und mehr Daten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, Daten werden immer wichtiger. Deshalb muss die Politik sich darum k&uuml;mmern, dass Daten nicht gegen die Interessen der grossen Mehrheit der Menschen eingesetzt und genutzt werden. Das ist weit mehr als Datenschutz, das ist Teil einer Industriepolitik auf der H&ouml;he der Zeit. <\/p><p>Nein, Autos und Bahnen und Flugzeuge  werden nie mit Daten fahren, die brauchen Energie.<br>\nDaten k&ouml;nnen materielle Rohstoffe nie ersetzen. In der cloud kann man h&ouml;chstens so schlafen wie auf Wolke sieben.<br>\nTats&auml;chlich geht es darum, die Ressourcenproduktivit&auml;t drastisch zu erh&ouml;hen und nicht erneuerbare Ressourcen durch erneuerbare zu ersetzen. Weit &uuml;ber die Stromerzeugung hinaus, auch und besonders in der chemischen Industrie. Auch das muss Teil einer Industriepolitik auf der H&ouml;he der Zeit sein.<\/p><p>Weiter lesen wir auf Seite 13:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir ernten heute die Fr&uuml;chte vergangener Reformen, die verschiedene Regierungen, Gewerkschaften und Unternehmer durchgef&uuml;hrt haben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, in den vergangenen Jahren gab es auf manchen Feldern Fortschritt, Schritte in die richtige Richtung. Auf zentralen Feldern aber wurden die Weichen falsch gestellt, auf kurze Sicht gedacht statt langfristig tragf&auml;hig:<br>\nDie geltende Rentenformel wird in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Rentnerinnen und Rentner in Altersarmut und aufs Sozialamt treiben. Die &bdquo;Riester&ldquo;- Rente h&auml;lt nicht, was ihre Propagandisten versprochen haben. Das Rentenniveau insgesamt steigt nicht, es sinkt. Nicht alle stehen sich besser, sondern  die meisten schlechter als mit der gesetzlichen Rente fr&uuml;her. Sie m&uuml;ssen f&uuml;r schlechtere Leistungen mehr bezahlen.<\/p><p>Deutschland lebt von der Substanz. Wir lassen zu, dass die &ouml;ffentliche Infrastruktur an immer mehr Stellen verkommt.<\/p><p>Noch immer verlassen mehr als f&uuml;nf Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss.<br>\nNoch immer machen hunderttausende junge Menschen keine berufliche Ausbildung. Das wird uns in mehr als einer Hinsicht teuer zu stehen kommen.<\/p><p>Auf Seite 14 lesen wir: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir d&uuml;rfen allerdings nicht die Illusion verbreiten, gesellschaftlicher Fortschritt und eine erfolgreiche Industriegesellschaft seien ohne jedes Risiko erreichbar. Dies ist wiederholt in der Vergangenheit formuliert worden mit der Aussage: &bdquo;Wenn wir uns alle wechselseitig die Haare schneiden, werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht sichern.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Welch ein Popanz wird da aufgebaut. Die Menschen in Deutschland setzen grosse Erwartungen in Wissenschaft, Forschung und Technik. Von Technikfeindlichkeit kann keine Rede sein. Das zeigen alle empirischen Untersuchungen der vergangenen Jahre, von den einschl&auml;gigen &bdquo;Eurobarometern&ldquo; bis zum &bdquo;Wissenschaftsbarometer&ldquo;.<\/p><p>Die Menschen wollen aber in ihrer grossen Mehrheit nicht Technik um der Technik willen.<br>\nSie unterst&uuml;tzen Grundlagenforschung und wenn es um Praxis-orientierte Forschung geht, dann haben sie klare Vorstellungen davon, was wichtig ist: Gesundheit und Ern&auml;hrung,  Klima und Energie. Sie haben grosses Vertrauen in Wissenschaftler, die an Hochschulen und in &ouml;ffentlichen Forschungseinrichtungen arbeiten, ihr Vertrauen in Wissenschaftler\/innen, die bei Unternehmen arbeiten, ist deutlich geringer, weil die Menschen da offenbar Interessenkonflikte sehen.<\/p><p>All das und noch viel mehr kann man, wenn man will, in Studien lesen, bevor man Vorurteile verbreitet.<\/p><p>Das &bdquo;wechselseitige Haare schneiden&ldquo; passt hier nicht her. Es stammt aus der Debatte &uuml;ber die Bedeutung von Industrie und Dienstleistungen. Das k&ouml;nnte man wissen.<\/p><p>Deutschland hat gut ein F&uuml;nftel Industrie-Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Die wachsende Produktivit&auml;t der industriellen Produktion sorgt daf&uuml;r, dass der Anteil der Besch&auml;ftigten in der Industrie kontinuierlich zur&uuml;ckgeht. Der allergr&ouml;sste Teil der zus&auml;tzlichen Arbeitspl&auml;tze ist in den vergangenen Jahren bei den privaten und &ouml;ffentlichen Dienstleistungen entstanden.<br>\nDie Debatte Industrie oder Dienstleistungen ist falsch. Wir brauchen beides. F&uuml;r die Arbeitspl&auml;tze sind die Dienstleistungen aber wichtiger, die produktionsbezogenen, vor allem aber die personenbezogenen.<\/p><p>Weiter lesen wir auf Seite 14:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Unsere Eltern und Grosseltern haben in der Vergangenheit Grossartiges geleistet und unser Land und Europa aufgebaut- &hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ist das die ganze Geschichte? Haben sie unser Land und Europa aufgebaut?<br>\nJa, aber nicht nur viele unserer unmittelbaren Nachbarn erinnern sich auch an anderes, davor.<\/p><p>Weiter lesen wir auf Seite 14:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;&Uuml;ber die Demografie wissen wir relativ viel, da demografische Prognosen relativ stabil zu erstellen sind.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist falsch. Man muss sich nur einmal anschauen, wie stark sich die Ergebnisse f&uuml;r die k&uuml;nftige Bev&ouml;lkerungszahl gerade auf L&auml;nderebene innerhalb weniger Jahre unterscheiden. Da wird aus Schrumpfung Zuwachs, und die Zahlen ver&auml;ndern sich erheblich.<\/p><p>Die wirklichen Kenner des Themas sind &uuml;brigens bescheidener. Sie sprechen von Bev&ouml;lkerungsvorausberechnungen. Da kommt am Ende das raus, was man vorne als Annahmen eingibt.<\/p><p>Die Annahmen sind unsicher, und deshalb sollte man nicht so tun, als sei der demografische Wandel eine Art Naturgesetz. Schon die durchschnittliche Zahl von Kindern je Frau ist h&ouml;her als in den Vorausberechnungen unterstellt. Nicht 1,3 oder 1,4, sondern die Tendenz geht in Richtung 1,5 bis 1,6 Kinder je Frau. Das Max Planck-Institut f&uuml;r Demografie in Rostock weist seit Jahren darauf hin. Das wird aber so gut wie nicht zur Kenntnis genommen, weil Fakten f&uuml;r manche Argumentationen st&ouml;rend sind.<\/p><p>Auf Seite 15 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;In den n&auml;chsten 15 Jahren wird sich die Situation versch&auml;rfen.&ldquo; Gemeint ist der R&uuml;ckgang der Bev&ouml;lkerungszahl.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die am 28. April 2015 bei einer Pressekonferenz des Statistischen Bundesamtes vorgestellte 13. Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung sagt das Gegenteil. Der R&uuml;ckgang geht auf jeden Fall langsamer vor sich als fr&uuml;her berechnet. Viele St&auml;dte und Regionen wachsen.<\/p><p>Nach den beiden Haupt-Varianten 1 und 2 geht die Bev&ouml;lkerungszahl bis 2030 um 1,6 Millionen zur&uuml;ck bzw. w&auml;chst sogar um 0,1 Millionen. Von einer Versch&auml;rfung der Situation, was immer das inhaltlich, &uuml;ber die Zahlen hinaus, heissen mag, kann keine Rede sein.<\/p><p>Auf Seite 15 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Dabei wird Europa noch mehr als heute auch ein Europa der unterschiedlichen Integrationsgrade, der &bdquo;unterschiedlichen Geschwindigkeiten&ldquo; werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ist das Beschreibung oder Programm? Will die SPD das oder ist das &bdquo;Schicksal&ldquo;? Kann man das politisch beeinflussen oder nicht? Was bedeutet das praktisch? <\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>7. Politik aus der Mitte des Alltags: Erfolgsrezept gegen wachsenden Populismus.<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 17 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Geopolitische Konflikte und Konflikte zwischen Zivilisationen, Religionen oder Kulturen sind ein gewaltiges Risiko f&uuml;r Wohlstand weltweit.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Sind Konflikte wirklich in erster Linie &bdquo;ein gewaltiges Risiko f&uuml;r Wohlstand&ldquo;? Geht es da nicht zun&auml;chst um Leib und Leben von Millionen Menschen? Geht es nicht um Freiheit und Sicherheit?<br>\nGeht es bei Konflikten zwischen Religionen und Kulturen wirklich in erster Linie um Religion und Kultur? Stecken dahinter nicht wirtschaftliche, politische Interessen, die ethnisiert oder kulturalisiert werden und religi&ouml;s verbr&auml;mt, leider oft mit Unterst&uuml;tzung religi&ouml;ser &bdquo;F&uuml;hrer&ldquo; und Fanatiker, und das beileibe nicht nur im Islam?<\/p><p>Auf Seite 18 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Denn die Populisten &ndash; links wie rechts &ndash; nehmen Stimmungen und Bewertungen auf, die in der Bev&ouml;lkerung weiter verbreitet sind als im tats&auml;chlichen W&auml;hlerverhalten sichtbar wird. Der wachsende Teil der W&auml;hlerenthaltung ist ein deutlicher Fingerzeig darauf.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ja, die Wahlenthaltung steigt und sie ist sozial sehr ungleich verteilt wie der Blick auf Stimmbezirke in &bdquo;gehobenen&ldquo; und in &bdquo;einfachen&ldquo; Wohnvierteln zeigt. Das wird immer st&auml;rker zu bewusster Wahlverweigerung mit dem Ergebnis, dass Parlamente heute viel weniger repr&auml;sentativ f&uuml;r die gesamte Bev&ouml;lkerung sind als in der Vergangenheit.<\/p><p>Stimmungen und Bewertungen darf man nicht den &bdquo;Populisten&ldquo; &uuml;berlassen. Gerade politisch Verantwortliche m&uuml;ssen dem Volks auf&acute;s Maul schauen, d&uuml;rfen aber niemandem nach dem Mund reden.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>8. Unsere Haltung: Sozial, freiheitlich und international<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 19 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Gleichzeitig zeigt ein patriotisches Selbstverst&auml;ndnis unsere Identifikation mit der Zukunft unseres Landes.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Vorsicht, vielfach vermintes Gel&auml;nde. Da muss man genau sagen, was man unter  &bdquo;patriotisch&ldquo; und &bdquo;Patriotismus&ldquo; versteht.<\/p><p>An Nationalgef&uuml;hl und Patriotismus wird meistens  dann appelliert, wenn die Innenpolitik auf &auml;ussere Feindbilder angewiesen ist, bis hin zur Vorbereitung von Krieg. Solche Appelle sind oft ein Zeichen f&uuml;r ungel&ouml;ste soziale Konflikte, von denen abgelenkt werden soll.<\/p><p>Ein stark an Emotionen gebundenes Selbstverst&auml;ndnis wie &bdquo;Patriotismus&ldquo; ist eine  sehr pers&ouml;nliche Angelegenheit.<br>\nF&uuml;r die SPD als Partei ist entscheidend, dass Vaterland und Internationalismus nicht gegeneinander gestellt werden. Wenn man sich das gesamte politische Spektrum, auch im historischen R&uuml;ckblick anschaut, geht bei vielen beides nicht zusammen. Vor denen muss man sich h&uuml;ten, weil sie gef&auml;hrlich sind, f&uuml;r andere L&auml;nder und f&uuml;r das eigene Land. <\/p><p>Ich halte es mit Johannes Rau, der gesagt hat:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterl&auml;nder der anderen verachtet.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter lesen wir auf Seite 19:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Mario Soares in Portugal, Felipe Gonzales in Spanien oder Francois Mitterrand in Frankreich folgten wie Willy Brandt einer patriotisch-liberalen Gesinnung im Ost-West-Konflikt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>So unterschiedlich diese vier M&auml;nner nach Herkunft, politischer Kampferfahrung und Sozialisation waren, einer &bdquo;patriotisch-liberalen Gesinnung&ldquo; (was immer das sein soll) folgte keiner von ihnen. (&Uuml;brigens: Warum wird hier Bruno Kreisky nicht genannt?)<\/p><p>Auf Seite 20 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die SPD war immer dann besonders erfolgreich, wenn sie fair und offen war. Fair mit Blick auf die Teilhabe am Sagen und Haben m&ouml;glichst aller in unserer Gesellschaft. Und offen mit Blick auf m&ouml;glichst grosse Freiheitsspielr&auml;ume sowohl f&uuml;r die pers&ouml;nliche Lebensgestaltung als auch f&uuml;r unternehmerisches Handeln.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die SPD war immer dann besonders erfolgreich, wenn sie klare &Uuml;berzeugungen hatte und sie auch klar vertreten hat, auch gegen den Zeitgeist. Sie war immer dann besonders erfolgreich, wenn sie Chancengleichheit  und soziale Gerechtigkeit vertreten und nicht stattdessen von &bdquo;Fairness&ldquo; geredet hat, die auch wichtig, aber etwas anderes ist. <\/p><p>Freiheit f&uuml;r die pers&ouml;nliche Lebensgestaltung darf man nicht gleichstellen mit Freiheit f&uuml;r unternehmerisches Handeln.<\/p><p>Unternehmerisches Handeln unterliegt weit strengeren Regeln als die pers&ouml;nliche Lebensgestaltung, gerade weil es so stark in die pers&ouml;nliche Lebensgestaltung von Millionen Menschen eingreift. <\/p><p>Artikel 14 unseres Grundgesetzes legt fest: &bdquo;Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.&ldquo;<\/p><p>Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums ist etwas ganz anderes als die w&uuml;nschenswerte soziale R&uuml;cksichtnahme bei der pers&ouml;nlichen Lebensgestaltung.<\/p><p>Auf Seite 20 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Dabei bekr&auml;ftigen wir die Notwendigkeit einer Haltung, die den Menschen vor der &Uuml;bermacht des Staates wie vor der &Uuml;bermacht der M&auml;rkte sch&uuml;tzen will.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Staat hat die Aufgabe, die Freiheit und die Sicherheit aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu sch&uuml;tzen, auch vor wirtschaftlichen Interessen, die die ganze Gesellschaft zum Markt machen wollen und keine B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger kennen, sondern nur Kunden.<\/p><p><strong>Zu &bdquo;<em>9. Unser Leitgedanke f&uuml;r Deutschland 2025: Sicher leben in einer offenen Gesellschaft.<\/em>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf Seite 21 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Sicher k&ouml;nnen wir auf Dauer nicht leben, wenn Deutschland sich in Europa isoliert oder sich dem Freihandel verschliesst.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Freihandel ist kein Wert an sich, sondern ein Instrument, das in vielen F&auml;llen vern&uuml;nftig ist, in anderen aber nicht. Freihandel darf nicht &uuml;ber Demokratie und Rechtsstaat stehen.<br>\nFreihandel darf mit Projekten wie TTIP weder verwechselt noch gleichgesetzt werden.<\/p><p>Auf Seite 21 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir wollen Sicherheit im Wandel erreichen, Zukunft und Gerechtigkeit verbinden. Wenn es daf&uuml;r einen zentralen und heute hochaktuellen Begriff gibt, dann ist es die offene Gesellschaft.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, dieser Begriff ist schon deshalb untauglich, weil er mit v&ouml;llig unterschiedlichen, ja gegens&auml;tzlichen Inhalten gef&uuml;llt werden kann. Passepartouts geh&ouml;ren gerahmt an die Wand, aber nicht in die Politik.<br>\nWas wir brauchen ist die Verbindung von technischem mit sozialem Fortschritt, von Innovation und Gerechtigkeit, von Leistungsbereitschaft und sozialem Ausgleich.<br>\nDie Antwort auf wachsende soziale Ungleichheit ist eine solidarische Gesellschaft.<\/p><p>Auf Seite 21 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;&hellip;Staat und Verwaltung (sollen) nicht mehr autorit&auml;r, sondern moderierend und unterst&uuml;tzend handeln&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Moderieren und unterst&uuml;tzen ist in vielen F&auml;llen vern&uuml;nftig, verfehlt aber den Kern dessen, was staatliches Handeln ausmacht und vom Handeln aller anderen unterscheidet.<\/p><p>Der demokratische und soziale Rechtsstaat setzt die Regeln f&uuml;r das gesellschaftliche Zusammenleben, die f&uuml;r alle gelten. Er muss bereit sein und auch in der Lage, diese Regeln durchzusetzen, gegen individuelles Fehlverhalten und gegen m&auml;chtige wirtschaftliche oder andere Interessen. Im Konfliktfall muss er sanktionieren.<br>\nDas gilt f&uuml;r den Arbeits- und den Umweltschutz, f&uuml;r die Verfolgung von Wohnungseinbr&uuml;chen und Geldw&auml;sche, f&uuml;r Steuerhinterziehung und Menschenhandel. <\/p><p>Auf Seite 22 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Neue Sicherheit heisst &bdquo;Null Toleranz&ldquo; bei Kriminalit&auml;t und Gewalt, aus welchen Gr&uuml;nden auch immer&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Warum fehlt der Hinweis darauf, dass die Kriminalit&auml;t in Deutschland &ndash; entgegen dem Eindruck, der durch mediale Berichterstattung erweckt wird &ndash; in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich zur&uuml;ckgegangen ist?<\/p><p>Warum wird nicht gesagt, dass es genau so wichtig ist, die Ursachen von Gewalt und Kriminalit&auml;t zu bek&auml;mpfen?<\/p><p>Auf Seite 22 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Sozialdemokraten wollen Gerechtigkeit. Fragt man, was die meisten darunter verstehen, so heisst die Antwort: Chancen- und Leistungsgerechtigkeit.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, es geht um gleiche Chancen, soweit irgend m&ouml;glich, damit nicht soziale Herkunft die individuelle Zukunft bestimmt. Gerechte Chancen gibt es nicht, und die Bezahlung in Deutschland entspricht immer weniger der Leistungsgerechtigkeit. Wenn angestellte Manager inzwischen zweihundert Mal so viel verdienen, nein, bekommen, wie eine Krankenschwester, dann ist das der  denkbar gr&ouml;sste Anschlag auf das Leistungsprinzip.<br>\nWer das nicht &auml;ndern will, soll vom Leistungsprinzip und von Leistungsgerechtigkeit schweigen.<\/p><p>Auf Seite 22 lesen wir weiter:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen die Familienleistungen und unser Steuersystem am Kompass einer von Privilegien freien, nicht diskriminierenden und durchl&auml;ssigen Gesellschaft ausrichten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nein, wir m&uuml;ssen sagen, was wir wollen, vom Spitzensteuersatz bis zum Ehegattensplitting. Da hilft kein Kompass. Der ist ein Instrument, damit man weiss, wo Norden ist. Die Richtung und das Ziel muss man schon selber bestimmen. <\/p><p>Auf Seite 23 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Deutschlands Investitionsschw&auml;che und Deutschlands Investitionsabh&auml;ngigkeit sind ein schwer zu erkl&auml;render Widerspruch.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist ein schwer zu verstehender Satz.<\/p><p>Ohne Investitionen lebt jedes Unternehmen, lebt jeder Staat, jede Stadt, von der Substanz. Deshalb h&auml;ngt ihre Zukunft von ausreichenden Investitionen ab. Wenn zu wenig investiert wird, bekommen alle ein Problem.<\/p><p>Der Widerspruch besteht nicht zwischen Schw&auml;che und Abh&auml;ngigkeit.<br>\nDer Widerspruch liegt darin, dass der Staat in Deutschland sich  aus  ideologischen Gr&uuml;nden weigert, den dringenden Bedarf an Investitionen in Br&uuml;cken, Schienen, Strassen, Schulen durch Kredite auf historisch niedrigem Zinsniveau oder durch h&ouml;here Steuereinnahmen zu decken.<\/p><p>Dieser Widerspruch ist so zu erkl&auml;ren: Es fehlt der Wille der politisch Verantwortlichen.<\/p><p>Auf Seite 24 lesen wir:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Religi&ouml;s-fanatische und separatistische Gewalt haben die staatlichen Ordnungen in Syrien und Libyen zusammenbrechen lassen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>War da nicht noch anderes: Milit&auml;rische Gewalt von aussen, &bdquo;regime change&ldquo;, &bdquo;coalition of the willing&ldquo; ohne UNO-Mandat? <\/p><p>Haben die Regierungen der gleichen L&auml;nder nicht Jahre und Jahrzehnte je nach eigener tats&auml;chlicher oder vermeintlicher Interessenlage mit den Machthabern eng und gut zusammengearbeitet? Waren die nicht hochgesch&auml;tzte Rohstofflieferanten und Abnehmer von Waffen aller Art, von &Uuml;berwachungstechnik und von vielem anderen? <\/p><p>Schlussbemerkung<\/p><p>&bdquo;Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.&ldquo;<\/p><p><strong>Georg Christoph Lichtenberg<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Christoph Habermann war u.a. stellvertretender Chef des Bundespr&auml;sidialamtes in der Amtszeit von Bundespr&auml;sident Johannes Rau, von Ende 2004 bis 2007 war er Staatssekret&auml;r im S&auml;chsischen Staatsministerium f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit und danach Staatssekret&auml;r im Ministerium f&uuml;r Arbeit, Soziales, Gesund, Familie und Frauen von Rheinland-Pfalz.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die SPD-Spitze hat vor einigen Wochen ein &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spd.de\/linkableblob\/129600\/data\/impulspapier-perspektivdebatte.pdf\">Impulspapier<\/a>&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, das eine &bdquo;Perspektivdebatte&ldquo; anstossen und auf einem &bdquo;Perspektivkongress&ldquo; am 11. Oktober 2015 in Mainz diskutiert werden soll.<br \/> Wer einen Text ver&ouml;ffentlicht, muss damit rechnen, dass er gelesen wird. Bei jedem Text muss mindestens einer sich M&uuml;he machen: der Autor, in diesem Fall wohl besser der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27813\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,123,146,191,161],"tags":[1152,1260,1022,288,312,291,340],"class_list":["post-27813","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-soziale-gerechtigkeit","category-spd","category-wertedebatte","tag-basisdemokratie","tag-groko","tag-parteiprogramm","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27813"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85022,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27813\/revisions\/85022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}