{"id":27833,"date":"2015-10-06T14:56:27","date_gmt":"2015-10-06T12:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27833"},"modified":"2024-08-28T18:51:15","modified_gmt":"2024-08-28T16:51:15","slug":"eine-welt-ohne-militaer-ist-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27833","title":{"rendered":"Eine Welt ohne Milit\u00e4r ist m\u00f6glich!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin:0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151006_weber.jpg\" alt=\"Olaf Weber\" title=\"Olaf Weber\"><\/div><p>Der Erfinder des Dynamits Alfred Nobel sprach nach dem Friedenskongress 1892 in Bern zu seiner Freundin, der Friedensaktivistin Baronin Berta von Suttner: &bdquo;Meine Fabriken werden vielleicht dem Krieg noch fr&uuml;her ein Ende machen als Ihre Kongresse. An dem Tag, da zwei Armeekorps sich gegenseitig in einer Sekunde werden vernichten k&ouml;nnen, werden wohl alle zivilisierten Nationen zur&uuml;ckschaudern und ihre Truppen verabschieden.&ldquo; Leider hatte er Unrecht: Die &bdquo;zivilisierten&ldquo; Nationen sind nicht erschaudert, das Milit&auml;r wurde nicht verabschiedet. Trotz der Atomwaffen, der Raketen, Kampfbomber und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22871\">Drohnen<\/a> ist der tr&uuml;gerische Glaube an die Abschreckungskraft von R&uuml;stung noch immer intakt. Und das, obwohl der moderne Krieg die Grenzen des Ethischen l&auml;ngst &uuml;berschritten hat und die Geschichte zeigt, dass Milit&auml;r die Sicherheit nicht erh&ouml;ht, sondern vermindert. &ndash; Mit diesen Worten leitete k&uuml;rzlich <strong>Olaf Weber<\/strong> einen Beitrag &uuml;ber die von Ihm begr&uuml;ndete Initiative &bdquo;Welt ohne Waffen&ldquo; aus Weimar ein. Mit ihm sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Weber, wenn Sie eine &bdquo;Welt ohne Waffen&ldquo; fordern, ist das sicher vielen sympathisch, wird manchen jedoch gleichwohl illusorisch erscheinen: Wir sind doch alle bedroht und permanent &bdquo;in Gefahr&ldquo; &ndash; durch Russland, den Terror und so vieles mehr&hellip; Und in dieser Situation fordern Sie, die Waffen niederzulegen? <\/strong><\/p><p>Jede Waffe ger&auml;t in die falschen H&auml;nde, weil sie zum Zwecke des T&ouml;tens angefasst wird. Die Gefahr geht nicht von Russland, nicht von der T&uuml;rkei oder den USA aus, sondern vom Milit&auml;r. DAS Milit&auml;r und das milit&auml;rische Denken haben sich in Eintracht mit anderen konfliktfreudigen Kr&auml;ften selbst erm&auml;chtigt, obwohl sie gegen&uuml;ber dem sozialen, kulturellen und &ouml;kologischen Zustand der Gesellschaft nur Negativbilanzen aufzuweisen haben.  Auch in der Au&szlig;enpolitik gilt eine angebotene Hilfe als konterminiert, sobald das Milit&auml;r einbezogen wird. <\/p><p>Milit&auml;r existiert nur im Widerschein eines anderen Milit&auml;rs, lebt aber auf Kosten der Zivilgesellschaft. Die milit&auml;rischen Eliten geh&ouml;ren ein und derselben Clique an, teilen aber des Krieges wegen die immer gleichen Soldaten in Freunde und Feinde. Die eigentliche Front befindet sich also nicht zwischen den V&ouml;lkern, sondern zwischen dem Milit&auml;r und den Machtpolitikern einerseits und der zivil Gesellschaft andererseits &ndash; und das &uuml;ber den ganzen Globus hinweg. <\/p><p>Und es hat sich gezeigt, dass man das Milit&auml;r nicht wirklich einhegen kann. Es reduziert allein durch seine Existenz den Willen zu energischen diplomatischen L&ouml;sungen, es zerm&uuml;rbt den Frieden. Das ist einer der Gr&uuml;nde, weshalb Milit&auml;r nicht mehr ins 21. Jahrhundert passt. Es ist atavistisch, geh&ouml;rt abgeschafft. <\/p><p><strong>Aber bei all den &bdquo;humanit&auml;ren Katastrophen&ldquo; weltweit &ndash; da m&uuml;ssen wir, muss Deutschland doch, wie es so sch&ouml;n hei&szlig;t, &bdquo;Verantwortung &uuml;bernehmen&ldquo;&hellip; Oder etwa nicht?<\/strong><\/p><p>Verantwortung hei&szlig;t, die Menschenrechtspolitik mit dem Frieden zu verbinden. Akute Bedrohungen durch internationale Verbrecherbanden k&ouml;nnten durch eine starke UN-Menschenrechtspolizei aufgel&ouml;st werden. Dabei k&ouml;nnten Verd&auml;chtige mit Hilfe von nicht-tod-bringenden Waffen einem Gericht zugef&uuml;hrt werden &ndash; so, wie es in zivilisierten Gesellschaften &uuml;blich ist. <\/p><p>Es ist anzunehmen, dass es solche kriminellen Akte auch k&uuml;nftig geben wird. Sie bleiben aber unterhalb der Schwelle von Kriegen, wenn sie nicht durch milit&auml;rische Handlungen  wie Waffenlieferungen oder Interventionen befeuert werden.<\/p><p>Aus den Diktaturen Iraks, Saudi-Arabiens, Syriens, Jordaniens und anderen sind immer Menschen geflohen, ich kenne seit Jahrzehnten mehrere davon. Aber das war noch kein Krieg. Der v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg  der USA gegen den Irak war dann der Urknall f&uuml;r die Destabilisierung der ganzen Region. Als Hauptschuldiger dieser Menschheitskatastrophe wird sicher ein Name in die Geschichtsb&uuml;cher eingehen: Georg W. Bush. Und die britischen und die franz&ouml;sische Regierung wollten in Libyen an Dummheit und Arroganz nicht nachstehen. Die Entstehung von Al Qaida, ISIS und anderen gewaltt&auml;tigen Organisationen war zwar durch langanhaltende gesellschaftliche Verwerfungen vorbereitet, doch der Fl&auml;chenbrand mit Hunderttausenden Toten und Millionen Fl&uuml;chtlingen ist das Ergebnis  der leider wenig einf&uuml;hlsamen Politik des Westens.<\/p><p>Dazu passt auch die terroristische Art der Kriegsf&uuml;hrung gegen den Terrorismus: Mit Flugzeugen, Raketen und Drohnen wird auf Verdacht get&ouml;tet. Es werden keine Gefangenen gemacht, die sp&auml;ter vor einem anerkannten Gericht die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit erleichtern k&ouml;nnten. Somit wird auch kein k&uuml;nftiger Vers&ouml;hnungsprozess vorbereitet. <\/p><p><strong>Das bedeutet, der zunehmende Interventionismus vor allem des Westens sowie seine sogenannte &bdquo;Schutzverantwortung&ldquo; sind was genau f&uuml;r Sie?<\/strong><\/p><p>Schlechte Selbstdarstellungen. Der Raum im Norden Afrikas und des Nahen Ostens hatte des &Ouml;les wegen schon lange nichts mehr mit den sch&ouml;nen Geschichten aus &bdquo;Tausend und eine Nacht&ldquo; zu tun. Doch was macht es f&uuml;r einen Sinn, einige dieser leidenden V&ouml;lker auch noch mit Krieg zu bestrafen? Zumal solche, die trotz despotischer Regime ein relativ reiches zivilgesellschaftliches Leben entwickelt hatten und laizistische Staaten waren &ndash; wie Irak, Syrien und Libyen? <\/p><p>Es ist offensichtlich, dass die Auswahl der bek&auml;mpften Diktatoren nach Menschenrechtskriterien sehr zuf&auml;llig, aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten hingegen sehr zielgerichtet erfolgte. Ziel der NATO war es offenbar, ungeh&ouml;rige durch h&ouml;rige Despoten abzul&ouml;sen und dabei die Freundschaft zu den alten Folterregimen in Saudi-Arabien und &Auml;gypten zu festigen oder wiederherzustellen. Lediglich in Tunesien konnte das Volk einigerma&szlig;en frei von &auml;u&szlig;erer Intervention seine Revolution durchf&uuml;hren. Also: Der Versuch eines gewaltsamen Regierungswechsels durch Interventionen ist nicht ohne Grund v&ouml;lkerrechtswidrig. <\/p><p><strong>Gewalt ist also niemals eine L&ouml;sung, au&szlig;er vielleicht&hellip;?<\/strong><\/p><p>Au&szlig;er zuzeiten einer Revolution oder bei einem individuellen Tyrannenmord. Ich lehne Gewalt grunds&auml;tzlich ab, aber in einer Revolution st&uuml;rzt das Volk selber seine Regierung. Es hat daf&uuml;r seine Gr&uuml;nde, seine eigene Kultur, seine Traditionen und Ziele &ndash; und es kann selbstbestimmt &uuml;ber das Ende entscheiden. <\/p><p>Dagegen ist eine Intervention eine &auml;u&szlig;ere Gewalt, die fadenscheinige, wenn auch hehre Ziele behauptet, jedoch stets scheitert, weil sie fremd ist und eben milit&auml;risch daher kommt. Und das Schlimmste: Sie zerst&ouml;rt die Selbstheilungskr&auml;fte eines Volkes. Nur behutsame Eingriffe k&ouml;nnten nachhaltig sein und unterschiedliche Entwicklungsniveaus respektieren. <\/p><p>Und es gibt kaum einen B&uuml;rgerkrieg, an dem nicht ausl&auml;ndische Kr&auml;fte die inh&auml;rente Entwicklung zu verf&auml;lschen suchen. Stellvertreterkriege sind infame Verbrechen an einem Volke. In ihnen kommt eine verh&auml;ngnisvolle Eigenschaft von Milit&auml;r und Geheimdiensten zum Ausdruck: Sie &uuml;bersch&auml;tzen ihre M&ouml;glichkeiten und verbreiten Illusionen &uuml;ber ein schnelles gl&uuml;ckliches Ende, die dann zu Katastrophen f&uuml;hren. So wurde etwa die Destabilisierung von Irak, Libyen und Syrien verantwortungslos eingeleitet, ohne die grauenhaften Folgen einer solchen Politik in die Kalkulation einzubeziehen. Friedensfachleute h&auml;tten anders gedacht, gef&uuml;hlt und gehandelt. <\/p><p>Neben den wirtschaftlichen Hintergr&uuml;nden gibt es innenpolitische Motive f&uuml;r Interventionen. Irgendwo wird Krieg gef&uuml;hrt, um im eigenen Lande die n&auml;chste Wahl zu gewinnen. Das ist ein besonders infamer Kriegsgrund &ndash; zumal dann, wenn  die milit&auml;rische Aktion offiziell unter dem Etikett von Menschenrechten und Demokratie  gef&uuml;hrt wird. <\/p><p><strong>Weshalb Sie auch ganz grundlegend f&uuml;r eine &bdquo;Welt ohne Waffen&ldquo;, zu der Sie auch auf der Gr&uuml;ndungsveranstaltung des Petra-Kelly-Kreises <a href=\"http:\/\/www.olafweber.org\/2015\/03\/ausstieg-aus-dem-militaerkomplex-2055-beitrag-zur-gruendungsversammlung-des-petra-kelly-kreises\/\">referierten<\/a>, werben&hellip; Wie genau aber sollte das gehen &ndash; und warum vernimmt man etwa die Forderung nach einer grunds&auml;tzlichen Abschaffung des Milit&auml;rs nirgends im Land?<\/strong><\/p><p>Ich pl&auml;diere tats&auml;chlich f&uuml;r das Projekt  einer v&ouml;llig milit&auml;rfreien Welt, es ist realistisch.  Der Krieg ist im Jahrhundert der Menschenrechte v&ouml;llig deplatziert. Daf&uuml;r zwei Hauptargumente: Das Milit&auml;r steht au&szlig;erhalb unserer Zivilisation, weil es auf Verdacht t&ouml;tet, ohne dass die individuelle Schuld des Opfers nachgewiesen wurde. Es steht auch au&szlig;erhalb der ansonsten alles beherrschenden &Ouml;konomie: Die Kosten der immensen Sch&auml;den werden ihm nicht angerechnet. Zur ethischen Haltlosigkeit gesellt sich also die praktische Unvernunft. Das Milit&auml;r ist v&ouml;llig ineffizient, wenn es darum geht,  die Sicherheit zu erh&ouml;hen oder Menschenrechte durchzusetzen. Es verhindert im Krieg und st&ouml;rt im Frieden die Entwicklung der Zivilgesellschaft. <\/p><p>Dagegen k&ouml;nnen globale Systeme wechselseitiger Sicherheit unter dem Dach der Vereinten Nationen das Milit&auml;r als Sicherheitsfaktor &uuml;berfl&uuml;ssig und als Sicherheitsrisiko unsch&auml;dlich machen. Voraussetzung f&uuml;r die Einleitung eines De-Militarisierungsprozesses w&auml;re dabei die Hinwendung zum Interessenausgleich, w&auml;ren Perspektiv&uuml;bernahme und ambitionierte Verhandlungen.<\/p><p>Das ist au&szlig;erhalb des herrschenden Mainstreams eigentlich selbstverst&auml;ndlich. Die lange pazifistische Tradition und die vielen Abr&uuml;stungsinitiativen der letzten Jahrzehnte waren trotzdem nicht erfolgreich. Trotz kleiner Schritte zur R&uuml;stungskontrolle, trotz minimaler Abr&uuml;stung an dieser und jener Waffengattung und kleinen Teststopps geht die Aufr&uuml;stung frech und ungehemmt weiter. Der milit&auml;risch-industrielle Komplex legitimiert sich dabei nach jedem Einsatz neu, indem er das Gemetzel als Sieg des Guten &uuml;ber die zum B&ouml;sen stilisierten Gegner verkauft. <\/p><p>Die gr&uuml;ndliche Entmilitarisierung auch des Denkens ist daher der Hauptweg zum Frieden. Der neue Pazifismus muss aufs Ganze gehen. Deshalb schlagen wir vor, dass alle personellen, materiellen, strategischen  und ideologischen Vorhaltungen zum Kriege beseitigt werden. Der Ausstieg aus milit&auml;rischer Logik und konfrontativem Denken wird diesen irreversiblen Prozess beschleunigen, der letztlich zur milit&auml;rfreien Welt f&uuml;hren kann. <\/p><p>&bdquo;Aufs Ganze gehen&ldquo; verweist auch auf den globalen Charakter der De-Militarisierung. Sicherheit kann durch weltweite Netze verst&auml;rkt werden, doch kann Abr&uuml;stung auch regional und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten erfolgen. Abr&uuml;stung kann so zu einem gro&szlig;en kreativen und freudvollen Fest der V&ouml;lker werden. Es geht schon heute darum, die Bilder eines gerechten Friedens denen des ungerechten krieges entgegenzustellen. Was wir als &bdquo;Sicherheit&ldquo; wahrnehmen,  soll es dann nicht auf dem Friedhof, sondern im wirklichen Leben geben. <\/p><p>Der globale und ganzheitliche Ansatz eines neuen Pazifismus sollte mit einem konkreten Ausstiegsszenarium verbunden werden. &Auml;hnlich dem Ausstieg aus der Atomkraft sollte ein Endtermin verhandelt werden, zu dem Kriege allein deshalb nicht mehr stattfinden k&ouml;nnen, weil es kein Milit&auml;r mehr gibt. Ich k&ouml;nnte mir das Jahr 2055 als erstes milit&auml;rfreies vorstellen. Es macht dabei Sinn, die Abr&uuml;stung von einer Realutopie her zu denken und die konkreten n&auml;chsten Schritte aus dem Potential der unmittelbaren Gegenwart abzuleiten. <\/p><p><strong>Und wieso glauben Sie, dass das diesmal funktionieren w&uuml;rde?<\/strong><\/p><p>Der Abr&uuml;stung stehen freilich ungeheure Partikularinteressen gegen&uuml;ber. Von der R&uuml;stungsindustrie &uuml;ber Machtpolitiker bis zu allen Arten von Ganoven gibt es Leute, die von der Gewalt leben, darunter viele gewinnbringende Medien. Aber 90 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung wollen keine Kriege mehr. Ich hoffe, dass sich diese Mehrheit auch einmal in der Realpolitik verwirklichen kann. Und ich hoffe inbr&uuml;nstig, dass nicht erst eine unvorstellbare Katastrophe zum pazifistischen Umdenken f&uuml;hrt, sondern ein guter Prozess der Aufkl&auml;rung und allgemeinen Emanzipation. <\/p><p>Die De-militarisierung der Welt hat keine Zeit. Am Horizont sind schon die d&uuml;steren Wolken von Verteilungsk&auml;mpfen um Rohstoffe und Absatzm&auml;rkte bei gleichzeitig steigender Weltbev&ouml;lkerung zu erkennen. Ohne Milit&auml;r wird die Menschheit diese Probleme friedlich l&ouml;sen m&uuml;ssen und d&uuml;rfen. Und die Ersparnisse durch Abr&uuml;stung k&ouml;nnen den Problemdruck mindern. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie mit dieser Utopie im Kopf vielleicht Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine L&ouml;sung der gegenw&auml;rtigen humanit&auml;ren Krisen entwickeln? Hier und heute, in der Gegenwart&hellip;<\/strong><\/p><p>Wenn der Krieg einmal ausgebrochen ist, kann man nur auf die Bremse treten, also versuchen, die Spirale der Gewalt zur&uuml;ckzuschrauben.  Alle Beteiligten m&uuml;ssen erkennen, dass ein Setzen auf Sieg die absolute Katastrophe bedeuten w&uuml;rde. Ich w&uuml;sste auch niemanden, der ihn verdient h&auml;tte. Und auf allen Seiten gibt es gro&szlig;e Anh&auml;ngerschaften, die nicht vernachl&auml;ssigt werden d&uuml;rfen. Zum Beispiel haben die meisten Binnenfl&uuml;chtlinge erstaunlicher Weise in dem von Assad gehaltenen Gebieten Schutz gesucht. Und selbstverst&auml;ndlich geh&ouml;ren auch Anh&auml;nger des Islamischen Staates in eine Nachkriegsordnung. <\/p><p>Es gibt nur die Wahl zwischen Konfrontation oder Ausgleich. Eine De-Eskalation funktioniert nur durch energische und phantasievolle Verhandlungen. Statt weiter auf Verachtung und Dem&uuml;tigung des Gegners zu setzen, anstatt dem simplen  milit&auml;rischem Freund-Feind-Denken zu folgen, m&uuml;ssen Br&uuml;cken gebaut werden, Das Denken muss &bdquo;entfeindet&ldquo; werden. Das kann man tun, indem man genau hinschaut. Dann sind die verschiedenen Methoden des T&ouml;tens von Menschen &ndash; ob durch Macheten oder Raketen &ndash; nicht so verschieden. Dann &auml;hneln sich auch die vielen Einmischungen zugunsten dieser oder jener B&uuml;rgerkriegspartei. <\/p><p>In unseren Medien sind aber die K&auml;mpfer von ISIS die gr&ouml;&szlig;ten Verbrecher und Bomberpiloten haben die saubersten Westen. Es werden Kontraste erzeugt, die es in der Wirklichkeit des Krieges nicht gibt. Die vermeintlichen Kontraste in der Wahrnehmung der milit&auml;rischen Verbrecher abbauen, hei&szlig;t deshalb, zur Entfeindung beitragen. Und die Unterschiede zwischen den dem Westen zugeneigten und abgeneigten Diktatoren als nicht relevant betrachten hei&szlig;t, einen Kriegsgrund weniger anzuerkennen.<\/p><p>Am Verhandlungstisch sollten besser alle ihre schmutzigen H&auml;nde unter dem Tisch lassen, sonst kommt es nicht zu ernsthaften Verhandlungen. Schuldfragen sollten jetzt nicht im Vordergrund stehen, sp&auml;ter m&uuml;ssen Kriegsverbrecher und Brandstifter selbstverst&auml;ndlich bestraft werden. <\/p><p>Der soeben erfolgte Eintritt russischer Kampfbomber in den Syrienkrieg wird die Zahl der unschuldig get&ouml;teten Soldaten und Zivilisten weiter erh&ouml;hen, denn die Russen treffen nicht besser als die Amerikaner. Ich k&ouml;nnte dieser Intervention nur dann etwas Gutes abgewinnen, wenn dadurch ein irgend gearteter Endsieg verhindert und die Beteiligten zum Kompromiss gezwungen w&uuml;rden. Aber wird der Westen seine Strategie aufgeben, erst den IS, dann Assad zu besiegen? Das Festhalten an diesem Kriegsziel w&uuml;rde n&auml;mlich das Machtvakuum und das Chaos in Syrien vollenden und der angestrebte Systemwechsel  w&uuml;rde wohl zu irakischen, libyschen, oder &auml;gyptischen zust&auml;nden f&uuml;hren. Das sollte dem syrischen Volk erspart bleiben. <\/p><p>Die unakzeptable Erweiterung der Kriegsakteure k&ouml;nnte aber im hoffnungsvollen Falle bedeuten: Sofortige Verhandlungen &uuml;ber eine Zukunftsl&ouml;sung,  die Kontinuit&auml;t und Wandel in Syrien gleicherma&szlig;en enth&auml;lt. <\/p><p>Endlich reden US-Amerikaner und Russen miteinander. Es f&auml;llt ihnen aber schwer, zum wirklichen Kriegsende einzuladen. Ob sie vorhaben, den eigentlichen Souver&auml;n, das entrechtete syrische Volk, &uuml;ber seine Zukunft bestimmen zu lassen, wird sich erst erweisen. Man vernimmt schon wieder das alte Kolonialdenken vom Aufteilen.<\/p><p>Das Tragische in dieser Welt der Gewalt ist, dass hinter der aktuellen Schadensbegrenzung schon die n&auml;chste Kriegsgefahr lauert. Die Bundesregierung h&auml;lt nicht mal ihre Selbstverpflichtung ein, keine Waffen in Spannungsgebiete zu liefern. Dabei w&auml;re es geboten, schon heute die zuk&uuml;nftigen Spannungsgebiete mit Waffen zu verschonen. Statt Krise auf Krise zu setzen, statt den Katastrophen und Niederlagen hinterherzulaufen, statt immer nur die Feuerwehr zu rufen, sollten  endlich die Brandursachen untersucht und beseitigt werden. Abr&uuml;stung w&auml;re ein wesentliches Ergebnis. <\/p><p><strong>Was kann ich und k&ouml;nnen andere aktuell denn konkret tun, um Ihre Utopie zu unterst&uuml;tzen?<\/strong><\/p><p>Wir k&ouml;nnen uns selbst aufkl&auml;ren und an den Mainstream-Medien vorbei positive Bilder einer milit&auml;rfreien Welt entwerfen. Es wird allerdings notwendig sein, diese Welt mit einer Abkehr vom Wachstumsfetisch und einer neuen Demokratie zu verbinden, in der sich wieder Mehrheitsinteressen abbilden k&ouml;nnen. <\/p><p>Wir propagieren in Weimar mit unserer Initiative &bdquo;Welt ohne Waffen&ldquo; eine radikale Realutopie, die sich nat&uuml;rlich nur &uuml;ber die Machtzentren durchsetzen l&auml;sst. Aber In der Provinz und in der Beschr&auml;nkung auf eine der vielen Aspekte der Abr&uuml;stung kann sich auch ein Schein der gro&szlig;en L&ouml;sung spiegeln. <\/p><p>Viele lokale, aber vernetzte Aktionen k&ouml;nnen enorm viel ausrichten, wenn sie nicht in der Kleinheit verharren. Befreien wir St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck uns und unsere Nachbarn von Lethargie und Angst, denn wir bilden die Mehrheit. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Olaf Weber<\/strong> war von 1993 bis 2009 Professor f&uuml;r &Auml;sthetik an der Bauhaus-Universit&auml;t Weimar. Nach seiner Emeritierung will er sich zunehmend mit der Sch&ouml;nheit der Abr&uuml;stung besch&auml;ftigen. Er ist Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Frieden und Internationales der Gr&uuml;nen und Teilnehmer am Petra-Kelly-Kreis f&uuml;r Frieden und Menschenrechte. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: Olaf Weber: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.olafweber.org\/2015\/06\/fuer-eine-welt-ohne-waffen\/\">F&uuml;r eine Welt ohne Waffen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Olaf Weber: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.olafweber.org\/2015\/03\/ausstieg-aus-dem-militaerkomplex-2055-beitrag-zur-gruendungsversammlung-des-petra-kelly-kreises\/\">Ausstieg aus dem Milit&auml;rkomplex 2055<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Olaf Weber: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.olafweber.org\/2015\/01\/ueber-die-falsche-lust-intervenieren\/\">&Uuml;ber die falsche Lust am Intervenieren<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Th&uuml;ringer Landeszeitung: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tlz.de\/web\/zgt\/politik\/detail\/-\/specific\/Friedenspodium-Weimar-Welt-ohne-Waffen-ist-moeglich-321973154\">Friedenspodium Weimar: &sbquo;Welt ohne Waffen ist m&ouml;glich&lsquo;<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1cc925876c6940a29b16f69aefb23ace\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin:0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151006_weber.jpg\" alt=\"Olaf Weber\" title=\"Olaf Weber\"\/><\/div>\n<p>Der Erfinder des Dynamits Alfred Nobel sprach nach dem Friedenskongress 1892 in Bern zu seiner Freundin, der Friedensaktivistin Baronin Berta von Suttner: &bdquo;Meine Fabriken werden vielleicht dem Krieg noch fr&uuml;her ein Ende machen als Ihre Kongresse. An dem Tag, da zwei Armeekorps sich gegenseitig in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27833\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,170,209,171],"tags":[1572,1035,1426,641,1202,305,1553,1122],"class_list":["post-27833","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-friedenspolitik","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","tag-abruestung","tag-al-kaida","tag-hegemonie","tag-irak","tag-isis","tag-menschenrechte","tag-syrien","tag-waffenexporte"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27833"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120351,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27833\/revisions\/120351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}