{"id":2785,"date":"2007-11-22T15:08:47","date_gmt":"2007-11-22T14:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2785"},"modified":"2015-12-09T16:00:13","modified_gmt":"2015-12-09T15:00:13","slug":"denkfehler-nr-13-wir-sind-nicht-mehr-wettbewerbsfaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2785","title":{"rendered":"Denkfehler Nr. 13 \u201eWir sind nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Auszug aus Albrecht M&uuml;llers &bdquo;Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren&ldquo;, Denkfehler Nr. 13 &bdquo;Wir sind nicht mehr wettbewerbsf&auml;hig&ldquo;, Seite 187 ff<br>\n<!--more--><br>\nUm uns so richtig angst zu machen vor der weiteren Zukunft, wird auf die besondere &ouml;konomische Entwicklung der &raquo;kleinen Tiger&laquo; in der Europ&auml;ischen Union hingewiesen: auf &Ouml;sterreich, auf die Niederlande und besonders auf Irland. Sie h&auml;tten sich 1999 beim Bruttosozialprodukt je Einwohner vor die Bundes&shy;republik geschoben. Bewundert wird auch, dass Irland in den neunziger Jahren eine durchschnittliche reale Wachstumsrate von 6,5 Prozent erreicht habe, es liege mit seinem Pro-Kopf-Einkommen weit &uuml;ber dem europ&auml;ischen Durchschnitt und habe Deutschland hinter sich gelassen.<br>\nWer Irland kennt und wei&szlig;, was dort f&uuml;r die Menschen bleibt, der wundert sich. Zwar ist der Lebensstandard im Vergleich zu fr&uuml;her unverkennbar gestiegen, aber irgend etwas kann nicht stimmen an der Behauptung vom &Uuml;berholvorgang. Das sp&uuml;rt man, wenn man sich in Irland umh&ouml;rt und umsieht. Auf den zweiten Blick entdeckt man dann, dass Irland, einmal abgesehen von den hohen Subventionen aus der Kasse der EU, wegen seiner niedrigen Steuers&auml;tze ein besonders hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hat, denn viele ausl&auml;ndische Konzerne haben ihre Gewinne dorthin verschoben. Diese Gewinne z&auml;hlen zum Bruttoinlandsprodukt, von dem dann aber nicht die Iren etwas haben, sondern nur die multinationalen Unternehmen, die die Steuersparm&ouml;glichkeit genutzt haben.<\/p><p>&raquo;Wir haben die rote Laterne in Europa. Sie k&ouml;nnen noch soviel &shy;reden: Es gibt L&auml;nder in Europa, die stehen einfach besser da &ndash; Spanien, Gro&szlig;britannien.&laquo; Angela Merkel, 19.12.2003<br>\n&raquo;Auch Iren, &Ouml;sterreicher und Niederl&auml;nder erwirtschaften pro Kopf inzwischen mehr als die Deutschen. (&hellip;) An der globalen Handelsstatistik l&auml;sst sich ablesen, dass die zweitgr&ouml;&szlig;te Exportnation der Welt st&auml;ndig an Boden verliert und der nationale Anteil am weltweiten Warenaustausch seit 1990 von 12,2 um fast ein Viertel auf 9,5 Prozent geschrumpft ist.&laquo; Spiegel, 19.5.2003<\/p><p>Um die Stichhaltigkeit dieser These zu kontrollieren, braucht man nur zu pr&uuml;fen, wie sich die Lohnquote in Irland entwickelt hat: Sie fiel von 77 Prozent 1980 auf 53 Prozent im Jahr 2001. 17,6 Milliarden Euro des irischen Bruttoinlandsprodukts von insgesamt 114,5 Milliarden sind 2001 als Einkommen ins Ausland &uuml;berwiesen worden. Den Iren blieben noch 96,8 Milliarden. Die arbeitenden Iren haben folglich vom statistischen Aufschwung des Pro-Kopf-Einkommens in ihrem Land sehr viel weniger gehabt als die Investoren von au&szlig;erhalb. Die hohe Wachstumsrate ist das Ergebnis einer trickreichen Steuerpolitik, und sie sagt nicht sehr viel &uuml;ber den Wohlstand des irischen Volkes aus. Irland &shy;erlaubt sich zudem eine Sonderrolle, die sich ein gro&szlig;es Land wie Deutschland nicht leisten kann, denn einerseits lockt Irland mit niedrigen Steuers&auml;tzen, und andererseits empf&auml;ngt es europ&auml;ische Subventionen. Wenn wir das t&auml;ten, w&uuml;rde es nicht mehr funktionieren.<br>\nEs ist die Frage, ob die Europ&auml;ische Union solche Tricks ein&shy;zelner ihrer Mitglieder auf Dauer hinnehmen kann. Die Deutschen zahlen dabei doppelt: einmal, weil sie die gr&ouml;&szlig;ten Nettozahler in die Br&uuml;sseler Kasse sind, und dann noch einmal, wenn mit EU-Subventionen oder durch Steuerdumping im EU-Ausland die Voraussetzungen daf&uuml;r geschaffen werden, dass dort Ar&shy;beitspl&auml;tze entstehen, die aus Deutschland ausgelagert werden. &raquo;Warum ist das in Europa noch m&ouml;glich?&laquo; fragt sich nicht nur Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Hier w&auml;ren politischer Druck und eine &ouml;ffentliche Debatte wichtig, statt mit manipulativen &shy;Statistiken den Ruf des eigenen Landes zu besch&auml;digen. Ganz &shy;anders sieht das erstaunlicherweise der neue Bundespr&auml;sident, Horst K&ouml;hler. In einem Interview noch vor seiner Wahl wandte er sich gegen den Versuch, in der EU zur Vermeidung des Steuerdumping eine Mindestbesteuerung zu vereinbaren. Das w&auml;ren &raquo;regulierende Ma&szlig;nahmen&laquo;, die den Wettbewerb eind&auml;mmen, so Horst K&ouml;hler. Man reibt sich die Augen und versteht die Welt nicht mehr &hellip;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus Albrecht M&uuml;llers &bdquo;Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren&ldquo;, Denkfehler Nr. 13 &bdquo;Wir sind nicht mehr wettbewerbsf&auml;hig&ldquo;, Seite 187 ff<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[137,14,157],"tags":[380,531,552,300,1110],"class_list":["post-2785","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-und-abgaben","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-export","tag-koehler-horst","tag-lohnquote","tag-mueller-albrecht","tag-reformluege"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2785"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2785\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29467,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2785\/revisions\/29467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2785"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}