{"id":2790,"date":"2007-11-23T16:04:22","date_gmt":"2007-11-23T15:04:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2790"},"modified":"2015-12-09T15:50:22","modified_gmt":"2015-12-09T14:50:22","slug":"grelle-zeichen-des-kulturellen-niedergangs-und-schimmer-der-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2790","title":{"rendered":"Grelle Zeichen des kulturellen Niedergangs und Schimmer der Hoffnung."},"content":{"rendered":"<p>Wer wie ich vermeiden will, dem Kulturpessimismus zu verfallen, wird in diesen Tagen auf eine harte Probe gestellt. Die Zeichen des Verfalls sind un&uuml;bersehbar: Gleichschaltung, Verschwinden kritischen Verstands bei den Medien, in Politik und Wissenschaft sowieso, antiaufkl&auml;rerische Agitation, Propaganda &uuml;berlagert nahezu jeglichen politischen Entscheidungsprozess, politische Korruption und noch einmal Korruption, der schamlose private Zugriff auf &ouml;ffentliches Verm&ouml;gen. Und Zynismus bei jenen, die sich zur Elite z&auml;hlen. N&auml;heres siehe unten.<br>\nDer Schimmer der Hoffnung in diesen Tagen: der vorl&auml;ufige Erfolg eines <a href=\"http:\/\/buergerbegehren-leipzig.de\/\">B&uuml;rgerbegehrens gegen den Ausverkauf der Stadt in Leipzig<\/a>. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Ich nenne einige Zeichen des Niedergangs. Einige, bei weitem nicht umfassend, Ihnen wird &auml;hnliches aufgefallen sein:<\/p><p><strong>Beispiel 1 Altersversorgung: <\/strong><br>\nAuch die Tagesschau schaltete sich am vergangenen Mittwoch gleich und machte brutal Werbung f&uuml;r die Finanzprodukte der Versicherungswirtschaft und gegen die Gesetzliche Rente. Brutal meint: mit der Verbreitung von nackten Unwahrheiten. In der 20:00 Uhr Sendung vom 21.11. wurde gleich zweimal verlautbart, &bdquo;dass die gesetzliche Rente k&uuml;nftig allein als Alterssicherung nicht mehr ausreicht&ldquo;. Und dann w&ouml;rtlich erg&auml;nzt: &bdquo;Nur private Vorsorge wird die Abschl&auml;ge ausgleichen k&ouml;nnen.&ldquo; Dabei bezog man sich auf den Verwalter der solidarischen, der gesetzlichen Rente, auf die Deutsche Rentenversicherung. Auch diese Einrichtung, die eigentlich f&uuml;r die gesetzliche Rente eintreten sollte, wirbt auf vielf&auml;ltige Weise f&uuml;r Privatvorsorge.<br>\nMein Fazit: die Versicherungswirtschaft und die Banken haben inzwischen nahezu alle politischen Einrichtungen voll im Griff und lassen sie f&uuml;r sich arbeiten.<\/p><p>Mit der Sache hat diese Propaganda nichts gemein. Die drohende Altersarmut, die in der Studie der Deutschen Rentenversicherung, die Gegenstand der Tagesschaumeldungen war, vorhergesagt wird, wird am aller wenigstens mit Privatvorsorge beseitigt. Wie sollte ein anderes und noch dazu ein teures privates Finanzierungssystem etwas daran &auml;ndern? Wenn man etwas dagegen tun wollte, dann m&uuml;sste man schleunigst an einer Grundsicherung f&uuml;r die Bezieher von Niedrigl&ouml;hnen arbeiten und ansonsten alle Mittel auf die gesetzliche Rentenversicherung konzentrieren und jene Untaten korrigieren, mit denen man auch im Interesse der Finanzindustrie die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente in den letzten Jahren systematisch zerst&ouml;rt hat.<\/p><p><strong>Beispiel 2: Verschleuderung &ouml;ffentlichen Eigentums. <\/strong><br>\nDer Bundesverkehrsminister wirbt f&uuml;r die Privatisierung &ouml;ffentlichen Verm&ouml;gens mit so genannten PPP-Produkten und Macht sich brutal zum B&uuml;ttel privater Interessen. Siehe die Pressemitteilung des Bundesministers f&uuml;r Verkehr, Bau und Stadtentwicklung <a href=\"http:\/\/www.bmvbs.de\/-,302.1019790\/Pressemitteilung.htm\">&bdquo;Gro&szlig;mann: PPP ist auch f&uuml;r Kommunen hoch attraktiv&ldquo;<\/a><br>\nHier geht es um die F&ouml;rderung der Privatisierung des Stra&szlig;enbaus.<\/p><p><strong>3. Klassenjustiz <\/strong><br>\nIch muss gestehen, dass ich dieses Etikett immer f&uuml;r etwas rei&szlig;erisch hielt. Die neue Wirklichkeit lehrt uns eines Besseren. In vielen Bereichen haben wir es offenbar mit Verfilzungen der Justiz mit politischen und finanziellen Interessen zu tun. Uns erreichen E-Mails, Anrufe und Briefe von Betroffenen, die wir nicht missachten wollen und k&ouml;nnen. Die eklatanteste und offen liegende Verletzung folgt aus der politischen Abh&auml;ngigkeit und Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaft und aus einer fast schon modisch erscheinenden Tendenz, Prozesse gegen Mitglieder der Spitze unserer Gesellschaft nicht zu Ende zu f&uuml;hren sondern gegen Geldzahlungen einzustellen. Der neueste Fall: das Ende des Prozesses gegen den Chef von TUI, Frenzel. &Auml;hnlich gelagert waren die F&auml;lle um die &Uuml;bernahme von Mannesmann. &ndash;<br>\nWir haben selbst schon dokumentiert, wie sich nach Meinung eines Frankfurter Professors die Justiz auf dem Feld des Verkaufs von Krediten verh&auml;lt. Siehe NachDenkSeiten: <a href=\"?p=2655\">&ldquo;Bundesfinanzminister f&ouml;rderte den unanst&auml;ndigen Kreditverkauf zulasten der Darlehnsnehmer.&rdquo;<\/a><br>\nWir wurden von Betroffenen darauf hingewiesen, dass es offenbar auch eine Verflechtung zwischen Versicherungswirtschaft, Gutachtern und der Justiz gibt, wenn &uuml;ber die Leistungen der Versicherungen nach Unf&auml;llen vor Gericht entschieden wird. <\/p><p>Das Vertrauen in die Justiz schwindet. Offenbar mit Recht. <\/p><p><strong>4. Medienfilz beim Widerstand gegen Mindestlohn. <\/strong><br>\nDie unerwartet harte Haltung der Bundeskanzlerin gegen die Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns im Bereich der Postdienstleistungen hat vermutlich einen ganz simplen Hintergrund. Die Interessen an einem m&ouml;glichst geringen Lohn sind vor allem bei den neuen Postdienstleistern verortet. Diese geh&ouml;ren in beachtlichen Ma&szlig;e einflussreichen Medienkonzernen. Wer ihnen gef&uuml;gig ist, der oder die erf&auml;hrt die notwendige Unterst&uuml;tzung bei der n&auml;chsten Bundestagswahl. Das wei&szlig; Angela Merkel, das wissen zum Beispiel die Eigent&uuml;mer von Postdienstleistern: der Springer-Konzern, der WAZ-Konzern, und so weiter.<\/p><p><strong>5. Der Zynismus im Umgang mit den sozial Schwachen.<\/strong><br>\nIn der zu Ende gehenden Woche hat sich Oswald Metzger auf &uuml;ble Weise &uuml;ber Sozialhilfeempf&auml;nger ge&auml;u&szlig;ert, &auml;hnlich auch der Professor Raffelh&uuml;schen. Die beiden sind eigentlich nicht erw&auml;hnenswert. Sie sind der Erw&auml;hnung wert, weil hier sichtbar wird, dass es offenbar keine Hemmungen mehr gibt, keine Selbstkontrolle und keine Kontrolle durch die Medien. Die &Auml;u&szlig;erungen der beiden wurden weitergereicht, im Falle Raffelh&uuml;schens unwidersprochen. Im Falle Metzgers meldet sich wenigstens seine Partei zu Wort. Das ist auch h&ouml;chste Zeit. Ob glaubhaft und nachhaltig, das kann man eher bezweifeln. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer wie ich vermeiden will, dem Kulturpessimismus zu verfallen, wird in diesen Tagen auf eine harte Probe gestellt. 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