{"id":27916,"date":"2015-10-13T13:29:53","date_gmt":"2015-10-13T11:29:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27916"},"modified":"2015-10-16T14:20:50","modified_gmt":"2015-10-16T12:20:50","slug":"rendite-mit-der-fluechtlingskrise-ein-zynischer-vorschlag-der-weltbank-will-dies-ermoeglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27916","title":{"rendered":"Rendite mit der Fl\u00fcchtlingskrise? Ein zynischer Vorschlag der Weltbank will dies erm\u00f6glichen"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur in Deutschland sind die Kosten f&uuml;r die Fl&uuml;chtlingskrise ein Politikum. Vor allem f&uuml;r Staaten wie den Libanon, Jordanien und die T&uuml;rkei stellen die Mio. Kriegsfl&uuml;chtlinge aus Syrien eine gigantische finanzielle Herausforderung dar. Noch nicht einmal die direkten Hilfsprogramme sind aktuell ausreichend finanziert. Auf den indirekten Kosten bleiben die betroffenen Staaten ohnehin sitzen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Weltbank sich einen ganz besonderen Plan ausgedacht: K&uuml;nftig sollen die betroffenen Staaten &uuml;ber die Weltbank Anleihen herausgeben, die von privaten Investoren, also Banken, Versicherungen und Fonds, erworben werden und deren R&uuml;ckzahlung von den &bdquo;Geberl&auml;ndern&ldquo; garantiert wird. Das h&ouml;rt sich nicht nur zynisch an, sondern ist auch im h&ouml;chsten Ma&szlig;e zynisch. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2202\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27916-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27916-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151014_Rendite_mit_Fluechtlingen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Alleine die T&uuml;rkei (zur Zeit 2,1 Mio. syrische Fl&uuml;chtlinge) hat bislang nach eigenen Angaben rund sechs Mrd. Dollar f&uuml;r die direkte Bew&auml;ltigung der Fl&uuml;chtlingskrise aufbringen m&uuml;ssen. Gemessen an der wirtschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit entspr&auml;che dies auf Deutschland &uuml;bertragen einer Summe von 26 Mrd. Dollar. Nicht nur was die Kosten angeht, wird die T&uuml;rkei dabei weitestgehend allein im Regen stehen gelassen. Bislang hat Ankara lediglich Beihilfen in H&ouml;he von 417 Mio. Dollar <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2015\/sep\/09\/turkey-refugee-crisis-christian-fortress-europe\">bekommen<\/a> &ndash; davon nur 165 Mio. Dollar von der EU. Noch dramatischer sieht es in den ohnehin armen Nachbarstaaten Libanon und Jordanien aus, die mit 1,1 Mio. bzw. 630.000 syrischen Fl&uuml;chtlingen am Rande ihrer Leistungsf&auml;higkeit stehen.<\/p><p>Eigentlich sollten die direkten Kosten f&uuml;r die Hilfsprogramme vor Ort &uuml;ber den &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.3rpsyriacrisis.org\">3RP-Plan<\/a>&ldquo; des Fl&uuml;chtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) finanziert werden. Von den angelaufenen Gesamtkosten in H&ouml;he von 4,5 Mrd. Dollar wurden bislang nur 1,8 Mrd. Dollar von den Geberl&auml;ndern ausgeglichen. Fast 90% davon <a href=\"http:\/\/www.3rpsyriacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/3RP-Funding-Snapshot.pdf\">kamen [PDF &ndash; 792 KB]<\/a> aus den zehn gr&ouml;&szlig;ten Geberl&auml;ndern &ndash; dies sind in Reihenfolge der Zahlungen die USA, Gro&szlig;britannien, Kuwait, Deutschland, die EU, Kanada, Japan, die Niederlande, Norwegen und Schweden. Auff&auml;llig ist hierbei, dass einige &bdquo;Verursacherstaaten&ldquo;, wie Katar und Saudi-Arabien, sich nahezu komplett vor ihren Zahlungsverpflichtungen dr&uuml;cken.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151013_010.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151013_01-small_.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nQuelle: 3RP\/UNHCR<\/p><p>Die <a href=\"http:\/\/www.3rpsyriacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/3RP-Funding-Snapshot.pdf\">j&uuml;ngste Initiative der Weltbank [PDF &ndash; 792 KB]<\/a> zielt auf genau diese Finanzierungsl&uuml;cke. Da die Weltgemeinschaft offensichtlich nicht bereit ist, die Kosten f&uuml;r die Fl&uuml;chtlingskrise in Nahost zu schultern, will die Weltbank nun private Investoren mobilisieren. Um Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften f&uuml;r die Finanzierung von Fl&uuml;chtlingslagern zu &uuml;berzeugen, ist es nat&uuml;rlich n&ouml;tig, eine ausreichende Rendite anzubieten &ndash; denn zu verschenken haben die Big Player im Finanzcasino nat&uuml;rlich nichts. Um die Renditeinteressen zu befriedigen, greift die Weltbank auf ein Konzept zur&uuml;ck, dass schon in der Eurokrise &ndash; zumindest aus Sicht der Investoren und Spekulanten &ndash; Erfolg hatte: Staaten, wie beispielsweise der Libanon, sollen &uuml;ber die Weltbank spezielle Anleihen herausgeben d&uuml;rfen, die den Investoren einen kalkulierbaren Zinsgewinn versprechen. Da Staaten wie der Libanon aber nicht sonderlich kreditw&uuml;rdig sind, sollen die Geberl&auml;nder diese Anleihen garantieren. Anstatt den UN-Hilfsorganisationen Geld zu &uuml;berweisen, sollen also Deutschland, die USA, Gro&szlig;britannien, Saudi-Arabien, Katar und Co. die Ausfallsicherheit der &bdquo;Fl&uuml;chtlingsanleihen&ldquo; von Staaten wie dem Libanon absichern. Zahlt der Libanon die Anleihe p&uuml;nktlich und in voller H&ouml;he zur&uuml;ck, freuen sich die privaten Investoren. Schafft der Libanon dies nicht, springen die genannten Geberl&auml;nder ein und zahlen ihrerseits die Anleihe zur&uuml;ck &ndash; und wieder freuen sich die privaten Investoren. Das ist ja auch das &bdquo;Sch&ouml;ne&ldquo; am Plan der Weltbank. Egal wie man es dreht und wendet, am Ende freuen sich immer die privaten Investoren, die quasi risikolos Zinsgewinne einstreichen d&uuml;rfen. <\/p><p>Doch was soll ein Staat wie der Libanon von einem solchen Modell haben? Die Weltbank preist hier die au&szlig;ergew&ouml;hnliche M&ouml;glichkeit an, Schulden zu machen, die weit unter den markt&uuml;blichen Zinss&auml;tzen f&uuml;r diese Staaten platziert werden k&ouml;nnen. Klar, wenn erstklassige Schuldner wie die USA oder Deutschland eine libanesische Anleihe garantieren, wird der Risikoaufschlag gering ausfallen. Dennoch ist es der Libanon, der die Anleihe bedienen muss und es ist der Libanon, der im Falle eines Zahlungsausfalls in Teufels K&uuml;che kommt und sich von Weltbank, IWF und den g&auml;nzlich eigenn&uuml;tzigen Geberl&auml;ndern Vorschriften diktieren lassen muss. Dieses Modell kennen wir ja aus Griechenland zu gen&uuml;ge. Und &uuml;berhaupt: Eigentlich sollten doch die Geberl&auml;nder die Kosten tragen! Getreu dem Weltbank-Modell tragen sie aber nur dann die Kosten, wenn Staaten wie der Libanon durch die Fl&uuml;chtlingskrise in den Staatsbankrott getrieben werden. Und dass sich die Geberl&auml;nder im Falle eines Staatsbankrotts ihre Abschreibungen schon wiederholen w&uuml;rden, d&uuml;rfte auch bekannt sein.<\/p><p>Das ist zynisch hoch zehn. Lassen Sie mich dieses Modell anhand eines vielleicht einfacher zu verstehenden Beispiels erkl&auml;ren: In einem kleinen Dorf leben drei Familien. Eine davon ist steinreich, die anderen beiden bitterarm. Nun z&uuml;ndet die steinreiche Familie das Haus der einen bitterarmen Familie an und sorgt daf&uuml;r, dass die Brandopfer bei der anderen bitterarmen Familie untergebracht werden. Da klar ist, dass die aufnehmende Familie die Kosten f&uuml;r die Fl&uuml;chtlingsfamilie nicht tragen kann, bietet die steinreiche ihr nun einen Kredit an, f&uuml;r den sie im Notfall auch selbst b&uuml;rgt &ndash; als Sicherheit k&ouml;nne die arme Familie ihr ja ihr Grundst&uuml;ck &uuml;berschreiben. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie diese Geschichte endet.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/1b2f5e32a5d24a1a80db10e0a8b7a746\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur in Deutschland sind die Kosten f&uuml;r die Fl&uuml;chtlingskrise ein Politikum. Vor allem f&uuml;r Staaten wie den Libanon, Jordanien und die T&uuml;rkei stellen die Mio. Kriegsfl&uuml;chtlinge aus Syrien eine gigantische finanzielle Herausforderung dar. Noch nicht einmal die direkten Hilfsprogramme sind aktuell ausreichend finanziert. Auf den indirekten Kosten bleiben die betroffenen Staaten ohnehin sitzen. Um<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27916\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,135,143],"tags":[1055,1584,1583,637,953,950,600],"class_list":["post-27916","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-finanzpolitik","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","tag-fluechtlinge","tag-jordanien","tag-libanon","tag-staatsanleihen","tag-staatsbankrott","tag-tuerkei","tag-weltbank"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27916"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27929,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27916\/revisions\/27929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}