{"id":27935,"date":"2015-10-15T11:16:44","date_gmt":"2015-10-15T09:16:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27935"},"modified":"2019-01-04T12:30:36","modified_gmt":"2019-01-04T11:30:36","slug":"garantiert-beschissen-ein-neues-buch-ueber-den-betrug-mit-lebensversicherungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27935","title":{"rendered":"Garantiert beschissen? Ein neues Buch \u00fcber den Betrug mit Lebensversicherungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Lebensversicherung ist das beliebteste Vorsorgeprodukt der Deutschen. Rund 90 Millionen Vertr&auml;ge gibt es hierzulande. Damit h&auml;lt jeder Bundesb&uuml;rger statistisch gesehen 1,1 Policen. Wer von all den Versicherten jedoch vorhat, das neue Buch von Holger Balodis und Dagmar H&uuml;hne zu lesen, der braucht starke Nerven. Denn was die beiden K&ouml;lner Journalisten in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/garantiert-beschissen-balodis.html\">Garantiert beschissen! Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen<\/a>&ldquo; zusammengetragen haben, l&auml;sst einem die Haare zu Berge stehen. Demnach ist die Qualit&auml;t der Lebens- und Rentenversicherungen ein Desaster, &uuml;ber 80 Prozent der Kunden w&uuml;rden damit effektiv Geld verlieren, die versprochene Altersvorsorge sei nichts anderes als eine Geldvernichtungsmaschine. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27935#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7087\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-27935-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=27935-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151015_Garantiert_beschissen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die beiden Autoren wissen, wovon sie reden. F&uuml;r ARD-Magazine wie &bdquo;Monitor&ldquo;, &bdquo;Plusminus&ldquo; und &bdquo;Ratgeber Recht&ldquo; haben sie mehrere Beitr&auml;ge zu dem Thema erstellt, f&uuml;r Verbraucherzentralen Ratgeber geschrieben, 2012 das Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14947\">Die Vorsorgel&uuml;ge<\/a>&ldquo; ver&ouml;ffentlicht und 2014 f&uuml;r das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) die Studie &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.diw.de\/sixcms\/detail.php?id=diw_01.c.490110.de\">Privatrenten als (un)geeignetes Instrument der Altersvorsorge?<\/a>&ldquo; verfasst.<\/p><p>F&uuml;r das &bdquo;Desaster&ldquo; bei den Lebensversicherungen haben Balodis und H&uuml;hne gleich ein ganzes Ursachenb&uuml;ndel ausgemacht: &uuml;berzogene und versteckte Kosten, miese Renditen, wirklichkeitsfremde Langlebigkeitsprognosen, ung&uuml;nstige Sterbetafeln, verschobene &Uuml;bersch&uuml;sse, &uuml;berh&ouml;hte Provisionen, gesch&ouml;nte Stornozahlen und schlechte Beratung. Rund 80 Prozent der Vertr&auml;ge w&uuml;rden vorzeitig gek&uuml;ndigt. &bdquo;Bei den Lebensversicherungen ist die verlustreiche K&uuml;ndigung nicht die Ausnahme, sondern die Regel&ldquo;, schreiben die Autoren.<\/p><p>Das Problem auf dem Versicherungsmarkt ist das hohe Informationsgef&auml;lle zwischen Versicherern und Versicherten. Wie eine Privatrente funktioniert, wissen die meisten Kunden nicht. Was in 30 oder 40 Jahren herauskommt, k&ouml;nnen sie gar nicht wissen. Zudem ist die Qualit&auml;t der Produkte in vielen F&auml;llen gar nicht nachpr&uuml;fbar. &bdquo;Wer ein schriftliches Angebot einholt, wird von knapp 100 Seiten Buchstaben- und Zeilensalat erschlagen: Fachchinesisch und Kleingedrucktes wohin man blickt.&ldquo; Ferner haben die Autoren bei den Verbrauchern ein gewisses Ma&szlig; an Lethargie ausgemacht. Viele Kunden seien ahnungslos und h&auml;tten blindes Vertrauen in den Berater.<\/p><p>Das Informationsgef&auml;lle besteht jedoch nicht nur zwischen Kunden und Versicherern, sondern auch zwischen Versicherern und Politik. &bdquo;Weitgehend ahnungslose Politiker sind den Versicherungskonzernen auf den Leim gegangen&ldquo;, konstatieren Balodis und H&uuml;hne. Los ging das Ganze bereits im Jahr 1957, als mit der gesetzlichen Rente das Steuerprivileg f&uuml;r Lebensversicherungen eingef&uuml;hrt wurde. Dies war zugleich die Initialz&uuml;ndung daf&uuml;r, dass sich die Lebensversicherung zum beliebtesten Altersvorsorgeprodukt der Deutschen entwickeln konnte.<\/p><p>Eine neue Qualit&auml;t erreichte die Verquickung zwischen Politik und Versicherungswirtschaft Anfang des neuen Jahrtausends mit der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente durch die rotgr&uuml;ne Koalition. Der damalige AWD-Chef und Kanzler-Freund Carsten Maschmeyer schw&auml;rmte seinerzeit von einer &bdquo;riesigen &Ouml;lquelle&ldquo;, die man nur noch anbohren m&uuml;sse. Ein weiterer Coup gelang der Versicherungswirtschaft dann im vergangenen Jahr mit der Verabschiedung des Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG). Denn damit hat die Bundesregierung das 2005 vom Bundesverfassungsgericht eingeforderte Recht, die Kunden angemessen an den Bewertungsreserven zu beteiligen, einfach wieder kassiert.<\/p><p>Ein Manko des Buchs ist jedoch, dass Balodis und H&uuml;hne an vielen Stellen etwas zu dick auftragen. Oft ist von &bdquo;Beschiss&ldquo;, &bdquo;Scharlatanerie&ldquo;, &bdquo;Klau&ldquo;, &bdquo;Opfer&ldquo;, &bdquo;Beute&ldquo; und &Auml;hnlichem die Rede. Dabei bedarf es solcher Emp&ouml;rungsrhetorik eigentlich gar nicht, um auf die Missst&auml;nde in der Lebensversicherung aufmerksam zu machen. Allein die zusammengetragenen Daten und Fakten sprechen schon eine klare Sprache.<\/p><p>Nichtsdestotrotz liefert das Buch wertvolle Erkenntnisse und Einsichten. &Uuml;berraschend ist etwa, dass das gute Image der Betriebsrenten so gar nicht gerechtfertigt ist; obwohl es doch gerade Sozialdemokraten und Gewerkschaften sind, die diese Form der Altersvorsorge immer wieder gern empfehlen. Doch nicht nur das. F&uuml;r die gesunkene Attraktivit&auml;t der betrieblichen Altersversorgung machen die Autoren sogar die fr&uuml;here rotgr&uuml;ne Koalition im Bund verantwortlich: &bdquo;Es waren ma&szlig;geblich Sozialdemokraten, die die neuen Formen der Betriebsrente so richtig bef&ouml;rdert und damit der Versicherungswirtschaft und ihrem Heer an Vermittlern ein grandioses neues Gesch&auml;ftsfeld er&ouml;ffnet haben.&ldquo;<\/p><p>Interessant wird es auch dann, wenn Balodis und H&uuml;hne einen Blick hinter die Kulissen der Versicherungswirtschaft werfen. So waren die beiden Gast bei einer Roadshow des Fonds Finanz Maklerservice, dem gr&ouml;&szlig;ten Maklerpool in Deutschland. Hier schildern sie anschaulich, wie solche Treffen ablaufen: &bdquo;Prominente Redner, Szenekontakte, gutes Essen, kostenlose Drinks, Spiel und Spa&szlig; und nat&uuml;rlich auch Produktinformationen. Letztere aber nur ganz plakativ und vor allem: positiv.&ldquo; Deutlich wird dabei auch welche Tricks die Makler anwenden: &bdquo;Nie sofort konkret inhaltlich antworten, sondern im Gegenteil, zun&auml;chst ausweichen, aber den Kunden schon vorweg festnageln.&ldquo;<\/p><p>Ferner scheint die Ergo so etwas wie der &bdquo;Bad Guy&ldquo; der Branche zu sein, denn auff&auml;llig oft wird der D&uuml;sseldorfer Versicherer als Negativbeispiel f&uuml;r irgendeine Fehlentwicklung angef&uuml;hrt. So hat die Ergo Tausenden von Riester-Sparern jahrelang &uuml;berh&ouml;hte Kosten abgekn&ouml;pft, in der betrieblichen Altersversorgung vielen Kunden statt g&uuml;nstiger Kollektivvertr&auml;ge teure Individualvertr&auml;ge angedreht und in der DIW-Studie als einer der teuersten Versicherer im Bereich klassische Rentenprodukte abgeschnitten. Und dabei ist noch nicht einmal ber&uuml;cksichtigt, dass es 2006 mehr als 100 Vertreter der inzwischen in der Ergo aufgegangenen Hamburg-Mannheimer waren, die in Budapest f&uuml;r einen handfesten Sexskandal gesorgt haben.<\/p><p>Schlie&szlig;lich zeigen die Autoren Alternativen auf, wie man das Desaster rund um die Lebensversicherung beenden k&ouml;nnte. So fordern sie die gesetzliche Rentenversicherung wieder zu beleben, eine Mindestrente einzuf&uuml;hren und alle Erwerbst&auml;tigen in das Rentensystem einzahlen zu lassen. Die Riester-Rente gilt es dagegen zu stoppen, die bestehenden Vertr&auml;ge k&ouml;nnten dann privat fortgef&uuml;hrt werden. Trotz aller Kritik an den Versicherern kann der Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung sinnvoll sein. Gleiches gilt f&uuml;r die Berufsunf&auml;higkeits-Zusatzversicherung (BUZ). In punkto Geldanlage sind Indexfonds eine Alternative zur Lebensversicherung. Die Frage, ob man bereits bestehende Vertr&auml;ge k&uuml;ndigen sollte, l&auml;sst sich pauschal nicht beantworten. Im Zweifel hilft der Gang zum unabh&auml;ngigen Berater oder zur Verbraucherzentrale.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Thomas Trares ist Diplom-Volkswirt. Studiert hat er an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz. Danach war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur vwd. Seit &uuml;ber zehn Jahren arbeitet er als freier Wirtschaftsjournalist in Berlin.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8248f6c48c12470b95c626d8845875c9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lebensversicherung ist das beliebteste Vorsorgeprodukt der Deutschen. Rund 90 Millionen Vertr&auml;ge gibt es hierzulande. Damit h&auml;lt jeder Bundesb&uuml;rger statistisch gesehen 1,1 Policen. Wer von all den Versicherten jedoch vorhat, das neue Buch von Holger Balodis und Dagmar H&uuml;hne zu lesen, der braucht starke Nerven. 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