{"id":28005,"date":"2015-10-20T16:40:17","date_gmt":"2015-10-20T14:40:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28005"},"modified":"2024-09-27T03:35:07","modified_gmt":"2024-09-27T01:35:07","slug":"wir-muessen-verantwortung-fuer-unsere-eigenen-handlungen-uebernehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28005","title":{"rendered":"\u201eWir m\u00fcssen Verantwortung f\u00fcr unsere eigenen Handlungen \u00fcbernehmen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit dieser Feststellung, die f&uuml;r seine eigene Entscheidung, sich aus dem m&ouml;rderischen &bdquo;Beruf&ldquo; des Drohnenpiloten zu verabschieden, wichtig war, endet das Interview mit <strong>Brandon Bryant<\/strong>, das wir am 16. Oktober mit ihm gef&uuml;hrt haben. Zum Gespr&auml;ch trafen wir uns vor der Verleihung des Whistleblower-Preises in Karlsruhe. Infos dazu siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27930\">hier<\/a>. Brandon ist w&auml;hrend seines Aufenthalts in Deutschland und am Rande seines Gespr&auml;chs im NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages mehrmals interviewt worden, so zum Beispiel von <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/drohnenpilot-101.html\">Panorama<\/a>. Eine Information des Deutschen Bundestages finden Sie <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/2015_10\/-\/391974\">hier<\/a>. Auf der Veranstaltung zur Verleihung der Preise wurde gut drei Stunden lang &uuml;ber die Preistr&auml;ger und den Gegenstand ihrer &bdquo;Handlungen&ldquo; berichtet. Darauf wird noch einmal einzugehen sein, wenn die jeweilige Laudatio vorliegt und wenn im anderen Zusammenhang &uuml;ber die Kampagnen gegen unliebsame Zeitgenossen berichtet wird. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAu&szlig;er dem Drohnen-Piloten wurde auch der Molekularbiologe S&eacute;ralini geehrt, der &uuml;ber die Auswirkungen des Einsatzes von Herbiziden, darunter des &bdquo;Unkrautvernichtungsmittels&ldquo; Glyyphosat forscht. Gegen die Ehrung dieses Wissenschaftlers wurde im Vorfeld von einflussreichen Medien unseres Landes massiv mobil gemacht. Davon an anderer Stelle. Hier folgt jetzt das &hellip;<\/p><p><strong>Interview mit Brandon Bryant &ndash; ehemaliger Drohnenpilot der USA<\/strong><\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller, NachDenkSeiten:<\/strong> Ich w&uuml;rde gerne mit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151020_playstation.jpg\">einem Foto beginnen<\/a>. Dort ist ein kleiner Junge zusehen, der mit seiner Playstation spielt. Dar&uuml;ber und darunter steht: 230 Millionen Kinder leben im Krieg, anderen bleibt, auf ihrer Playstation Krieg zu spielen. Das ist interessant. Erinnert das an die Arbeit eines Drohnen-Piloten?<\/p><p><strong>Brandon Bryant:<\/strong> Psychologisch ist es das nicht. Es gibt tats&auml;chlich eine psychologische Studie, in der Kinder, die regelm&auml;&szlig;ig Kriegsspiele spielen, 15 Minuten, nachdem sie das Spiel beendet haben, impulsiver oder hastiger werden. Weniger wahrscheinlich ist, dass Kinder, die die Entscheidungsf&auml;higkeit f&ouml;rdernde Spiele spielen, danach etwas Schlechtes oder Irrationales anstellen. Also, die These, dass Videospiele generell verbotene Handlungen verursachen, ist nicht unbedingt wahr. Es ist eine Methode, um das Gehirn und die Reaktionsf&auml;higkeit zu trainieren. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Also gibt es keinen direkten Zusammenhang?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Genau. Viele Menschen sehen einen Zusammenhang zwischen Drohnen und Videospielen. Aber man sollte sich nicht auf Ego-Shooter-Spiele konzentrieren. Spiele wie die SIMS beispielsweise, wo man kleine Menschen beobachtet. Man muss es sich so vorstellen: Man beobachtet echte Personen, die ganze Zeit. Und dann trifft man die Entscheidung, sie zu t&ouml;ten. Und man kann es nicht r&uuml;ckg&auml;ngig machen, sie sind tot, f&uuml;r immer. Hier gibt es keinen Reset-Knopf.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Also, ist es nicht &auml;hnlich?!<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Nein, es ist sehr unterschiedlich. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Es ist interessant, dass wir heute in einem Zeitalter leben, in dem solche Dinge so normal geworden sind.<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Der Begriff wurde von Peter Singer &ldquo;militainment&rdquo; genannt. Im Grunde haben wir unsere Milit&auml;rindustrie in eine Entertainment-Industrie umgewandelt. Dieses Problem hat unsere Gesellschaft kreiert.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, gab es in Deutschland den Slogan &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo;. Von deutschem Boden sollte nie wieder Krieg ausgehen. Aber in letzter Zeit scheint dieser Widerstand mehr und mehr zu verblassen. <\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Das muss ich mir notieren: &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo;.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Heute ist der Krieg nicht mehr so pr&auml;sent f&uuml;r die Leute; ich kann mich an den Krieg und die Bomben noch gut erinnern. Zur&uuml;ck zu meinen Fragen: Mit 19 Jahren sind Sie der US-Army beigetreten. Stand Ihre Familie bei dieser Entscheidung hinter Ihnen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Es war ein komisches Szenario: Sie waren f&uuml;r den Afghanistan-Krieg. Doch als ich mich entschied, in die Army einzutreten, waren sie dagegen. Weil sie wussten, dass ich get&ouml;tet werden k&ouml;nnte. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Was hat Ihre Familie gesagt, als Sie die Army verlassen haben?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich denke, dass die meisten entt&auml;uscht von mir waren. Meine Mutter und meine Geschwister stehen hinter mir, aber der Rest meiner Familie nicht.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Das ist sehr hart. <\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ja.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Und Ihre Kameraden aus der gemeinsamen Dienstzeit als Drohnenpilot? Sind sie immer noch in Nevada?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Die meisten ja. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Haben Sie keinen Kontakt mehr zu ihnen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Nein, ich wurde verbannt.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Welche amerikanische Gemeinschaft unterst&uuml;tzt Sie?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Keine. Ich habe alles alleine gemacht. Mich unterst&uuml;tzt keiner. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Gibt es irgendeinen Teil der Gesellschaft, der Ihren Austritt aus der Army unterst&uuml;tzt?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Manchmal gibt es vereinzelte Personen, die mir eine nette Nachricht schicken, aber im Gro&szlig;en und Ganzen denkt der Rest Amerikas, dass ich ein Verr&auml;ter bin. Ich bekomme viele Hassnachrichten von den Leuten. Viele denken, Edward Snowden sei ein Held und ich ein Verr&auml;ter. Der Grund daf&uuml;r wurde mir mitgeteilt: Edward Snowden hat aufgedeckt, dass unsere Regierung die Bev&ouml;lkerung ausspioniert und ich habe aufgedeckt, dass Amerika das Vertrauen einer unserer n&auml;chsten Verb&uuml;ndeten ausnutzt, wir willk&uuml;rlich Menschen t&ouml;ten und ich mit unserem Feind sympathisiere. Und das macht mich zu einem Verr&auml;ter. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Ich h&auml;tte gedacht, dass Sie und Snowden so etwas wie Freunde seien.<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich habe viele Menschen aus meinem Leben deswegen verloren. Im Grunde habe ich mein Leben daf&uuml;r geopfert. Wie Snowden ja auch. Mir macht es nichts aus, alleine zu sein. So schlimm ist es nicht.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Zur Rolle Deutschlands: K&ouml;nnen wir Deutschen nicht mehr tun, um dem zu widerstehen, was in unserem Land f&uuml;r den Drohneneinsatz geschieht? Wie haben Sie Deutschland gesehen? Haben Sie Deutschland als souver&auml;nen Staat angesehen oder als eine Art Kolonie?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich wei&szlig; es nicht. Ich dachte Deutschland w&uuml;rde mit uns zusammen arbeiten. Ich verstehe die Frage nicht so ganz&hellip;<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Die Operationen wurden via Deutschland ausgef&uuml;hrt. Wussten Sie nicht, dass es f&uuml;r uns verboten ist, an einem offensiven Krieg teilzunehmen? So steht es in unserem Grundgesetz.<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich dachte Deutschland ist eine souver&auml;ne Nation, die uns freiwillig hilft. Diese Frage ist mir nie in den Sinn gekommen. Es wurde immer davon ausgegangen, dass &ndash; auch wenn Sie keine aggressive Armee haben, um Angriffe auszuf&uuml;hren &ndash; diese Hilfe kein Versto&szlig; gegen etwas war, weil Sie sind ja ein Verb&uuml;ndeter. Aktiv sind Sie ja nicht nach drau&szlig;en, aufs Feld gezogen. Aber wie verh&auml;lt es sich damit, einen St&uuml;tzpunkt f&uuml;r den Truppeneinsatz zur Verf&uuml;gung zu stellen? Ich meine, f&uuml;r meinen Einsatz im Irak bin ich auch via Ramstein gegangen. Ist das nicht das gleiche, wie das Drehkreuz f&uuml;r den Drohneneinsatz in Ramstein zu haben?<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Es ist das gleiche. Was k&ouml;nnen wir tun um Ramstein zu stoppen? Und wie k&ouml;nnen wir die Einstellung der US-Amerikanern &auml;ndern?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ein erster Schritt w&auml;re, uns f&uuml;r unsere Taten verantwortlich machen. Das Problem sollte direkt zu den amerikanischen B&uuml;rgern getragen werden, an den politischen F&uuml;hrern vorbei. Das w&auml;re ein bedeutender Punkt. Wenn Sie sich heute die demokratische Debatte anschauen, werden Drohnen nicht erw&auml;hnt. Weder in der demokratischen noch in der republikanischen Debatte sind oder waren Drohnen bis jetzt ein Thema. Somit kann man sich auf die Politiker nicht verlassen, dass sie aktiv werden. Also m&uuml;ssen wir die Menschen erreichen. Wir m&uuml;ssen sie dazu bringen, sich daf&uuml;r zu interessieren, was die Politik in ihrem Namen macht. <\/p><p>Ich finde, wir sollten uns mehr f&uuml;r unser Ansehen in der Welt interessieren.  Vor ca. 100 Jahren waren die USA und Deutschland keine Freunde. Heute ist Deutschland an einem entscheidenden Punkt. K&ouml;nnen wir als Amerikaner weiter diesen Weg gehen und kann Deutschland mit seiner Geschichte uns das erlauben? Deutschland hat eine sehr dunkle Vergangenheit, hat diese aber &uuml;berwunden als ein ganzes Land. Nun haben Sie die M&ouml;glichkeit, einen Schritt voran zu gehen und das eigentliche Wesen dieser Ver&auml;nderung zu zeigen &ndash; das Gute zu repr&auml;sentieren.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Heutzutage gibt es keine Kriegserkl&auml;rungen mehr, aber Menschen werden trotzdem get&ouml;tet.<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ja, meine Theorie ist, dass wenn Japan beispielsweise &ndash; wie ich es in den Nachrichten gelesen habe &ndash; nun seine eigenen Drohnen bekommt, um gegen China zu k&auml;mpfen und wenn sie so einen Krieg wirklich korrekt durchf&uuml;hren wollen, dann sollten sie nicht den gleichen Fehler machen wie Amerika. Deutschland hat ein besonderes Ansehen. Dieses kann Deutschland aufrechterhalten, wenn es dagegen angeht und sagt: &bdquo;Wir haben in der Vergangenheit Fehler begangen und wir werden versuchen, dass diese Fehler nicht wieder passieren.&ldquo; Alles was daf&uuml;r n&ouml;tig ist, ist die Wahrheit zu sagen, um Menschen f&uuml;r ihre Taten verantwortlich zu machen. Macht uns verantwortlich. Wir sind verantwortlich. Dann zieht uns auch zur Verantwortung. Wir k&ouml;nnen uns nicht darauf berufen, das beste und m&auml;chtigste Land der Welt zu sein, wir k&ouml;nnen nicht f&uuml;r Freiheit stehen, wenn wir sie nicht wirklich praktizieren. Der Schl&uuml;sselpunkt von Humanit&auml;t ist unsere Vielfalt. Wie sind alle unterschiedliche V&ouml;lker. Aber jedes Volk hat Probleme, selbst Verantwortung zu &uuml;bernehmen. Wir denken, dass wir anderen gegen&uuml;ber &uuml;berlegen sind.  Wenn die V&ouml;lker nicht durch dritte Parteien zur Verantwortung gezogen werden, werden sie ihre eigenen Aktionen immer wieder rechtfertigen. Das Drohnenprogramm selbst kann nicht zur Verantwortung gezogen werden. Transparenz ist notwendig, damit andere sagen k&ouml;nnen: &bdquo;Du machst den falschen &sbquo;SHIT&rsquo;! Begradige deinen Fehler!&ldquo; Und wenn das nicht passiert, dann findet man einen anderen Weg, um sie entweder ganz aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Das ist auch ein Grund, warum ich so lange im Bundestag gesprochen habe. Der Krieg eskaliert wegen unserer Handlungen, obwohl mein Land weiterhin sagt, &bdquo;wir kommen zur&uuml;ck&ldquo;. Wenn Deutschland etwas wegen Ramstein bewegen kann, dann w&uuml;rde es wirklich einige Dinge f&uuml;r die Amerikaner verlangsamen.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Wie k&ouml;nnen wir sie bremsen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Das kann nicht eine Person allein, oder gar ich herausfinden. Und es sollte auf jeden Fall in einer nicht aggressiven Weise geschehen. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Aber die Hauptmedien in Deutschland werden durch die internationalen Beziehungen zu den USA beeinflusst&hellip;<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Oh ja, Medien, Politik, sogar der Religion kann man nicht trauen.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Ich bin Sozialdemokrat. Doch sogar in meiner Partei stehe ich mit meiner Meinung oft alleine da. Mein Nachfolger wollte in Syrien milit&auml;risch intervenieren. &hellip; Sie haben Recht, wenn Sie dazu raten, dass wir die &ouml;ffentliche Debatte nutzen sollen, um die Dinge zu verlangsamen. In wieweit ist denn der US-Pr&auml;sident involviert?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Das einzige Mal, dass ich mitbekommen habe, dass der Pr&auml;sident direkt involviert war, war, als er uns den Befehl gab, Anwar al-Awlaki zu erschie&szlig;en. Der Pr&auml;sident hat auch einen Fernseher im B&uuml;ro stehen, mit dem er sich in unsere Programme einschalten kann.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Wer genau f&auml;llt die Entscheidungen zu schie&szlig;en? Politiker? Die US Army?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich wei&szlig; es nicht. Ich w&uuml;nschte ich k&ouml;nnte es Ihnen sagen. Ich wei&szlig; nur, dass es unser &bdquo;Kunde&ldquo; ist. Wer auch immer der &bdquo;Kunde&ldquo; ist.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Nun eine technische Frage zu Japan und China: Gibt es da die M&ouml;glichkeit, Drohnen zu verwenden?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Oh ja, sie bek&auml;mpfen sich mit Drohnen. Dabei geht es um eine Insel.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Mit Drohnen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich denke ja. Es sind keine Menschen involviert. Es k&auml;mpfen nur Roboter gegen Roboter.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> W&auml;re es m&ouml;glich, mit Drohnen einen Angriff gegen Moskau zu fliegen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Nein. Russland w&uuml;rde die Drohnen abschie&szlig;en, bevor sie Russland erreichten. Das erste Mal, dass eine Drohne von einem Kampfflugzeug abgeschossen wurde, war die &bdquo;Predator&ldquo;-Drohne durch ein iranisches Flugzeug.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Sogar Iran k&ouml;nnte man nicht angreifen?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Nein. Sie w&uuml;rden sie alle abschie&szlig;en. Ihre W&auml;rmecharakteristik ist so klein, dass normale W&auml;rme suchende Raketen sie verfehlen w&uuml;rden. Aber ein Kampfflugzeug kann sie erwischen. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Kann man Drohnen noch weiter entwickeln? <\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ja. Ich glaube, sie entwickeln gerade eine Selbst-Bomber-Drohne. Aber hier gibt es noch einige Probleme was die Geschwindigkeit angeht. Wenn sie zu schnell wird, f&auml;llt sie auseinander. <\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Leben Sie in den USA, heute?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich lebe in Montana.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> Sind Sie dort sicher?<\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Dort bin ich so sicher, wie ich es jetzt gerade hier bin&hellip; glaube ich. Ich denke nicht, dass meine Regierung hinter mir her ist, weil ich denke, dass ich recht habe. Wenn sie mich vors Gericht bringen oder mich ins Gef&auml;ngnis stecken, um mich zu verklagen und zu bestrafen, dann wird sich die Unf&auml;higkeit ihres Systems offenbaren. Also, bin ich eigentlich gesch&uuml;tzt. Ich habe keine geheimen Informationen ver&ouml;ffentlicht. Ich habe nur eine Vielzahl von Informationen klargestellt, die andere Menschen sowieso schon hatten, ich habe ihr Bild nur verst&auml;ndlicher gemacht. Wenn sie mich verhaften, weil ich geheime Informationen weitergegeben habe, dann werden sie selbst zur Verantwortung gezogen, wegen ihres Versto&szlig;es gegen Deutschland sowie diverser V&ouml;lkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen. Also wegen was auch immer sie mich verklagen wollen, w&uuml;rde ich den Punkt anbringen, dass Gerechtigkeit mehr Wert ist, als geheime Informationen weiterzugeben. Es w&uuml;rde sie sogar zu mehr Verantwortung zwingen &ndash; um Gerechtigkeit zu erlangen und ihr internationales Ansehen zu st&auml;rken.<\/p><p><strong>M&uuml;ller:<\/strong> M&ouml;chten Sie noch etwas erg&auml;nzen? <\/p><p><strong>Bryant:<\/strong> Ich denke, dass individuelle Verantwortung der Schl&uuml;ssel ist. Wir k&ouml;nnen nicht l&auml;nger mit den Fingern aufeinander zeigen. Wir m&uuml;ssen Verantwortung f&uuml;r unsere eigenen Handlungen &uuml;bernehmen. Das w&auml;re der erste Schritt. Was immer danach kommt, kommt danach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dieser Feststellung, die f&uuml;r seine eigene Entscheidung, sich aus dem m&ouml;rderischen &bdquo;Beruf&ldquo; des Drohnenpiloten zu verabschieden, wichtig war, endet das Interview mit <strong>Brandon Bryant<\/strong>, das wir am 16. Oktober mit ihm gef&uuml;hrt haben. Zum Gespr&auml;ch trafen wir uns vor der Verleihung des Whistleblower-Preises in Karlsruhe. Infos dazu siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27930\">hier<\/a>. 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