{"id":2801,"date":"2007-11-29T16:54:37","date_gmt":"2007-11-29T15:54:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2801"},"modified":"2015-12-09T14:00:09","modified_gmt":"2015-12-09T13:00:09","slug":"ergaenzung-zu-wie-kommt-man-schnell-zu-viel-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2801","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzung zu: Wie kommt man schnell zu viel Geld?"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben schon des &Ouml;fteren daraufhingewiesen, dass die riesigen Einkommensspr&uuml;nge, die wir heute beobachten, und auch erstaunliche geschlagene Kapitalrenditen von 25% auf wertsch&ouml;pfende Weise kaum zusammenkommen k&ouml;nnen. In &bdquo;Machtwahn&ldquo; hatte ich f&uuml;nf Wege beschrieben, mit denen Private meist durch Anzapfen und Pl&uuml;ndern der Allgemeinheit schnell zu viel Geld kommen. Siehe Anhang. Der Ideenreichtum ist offensichtlich unersch&ouml;pflich. Jetzt wurde in den Medien noch von zwei anderen Methoden berichtet. Zum einen, in Fortsetzung meiner Z&auml;hlung sechstens: Man tut sich mit einem Unternehmen in &ouml;ffentlicher Tr&auml;gerschaft zusammen und l&auml;sst den &ouml;ffentlich finanzierten Teil f&uuml;r den eigenen Teil arbeiten. Zum anderen, und das w&auml;re siebtens: Man l&auml;sst f&uuml;r wohlt&auml;tige Zwecke sammeln und bezieht von der sammelnden Einrichtung Beratungshonorare und Zahlungen f&uuml;r andere Auftr&auml;ge. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Fall 1: Die Berliner Zeitung berichtet am 29.11.:<\/strong><\/p><p><strong>Charit&eacute; &uuml;berl&auml;sst Helios Gro&szlig;ger&auml;te<\/strong><\/p><p><strong>Neues im Millionen-Skandal \/ Wissenschaftssenator Z&ouml;llner gab im Parlament Erkl&auml;rung ab<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/print\/berlin\/705616.html\">Berlin-online<\/a><\/p><blockquote><p>Der Millionen-Skandal an der Charit&eacute; nimmt immer gr&ouml;&szlig;ere Dimensionen an. Nach Informationen der Berliner Zeitung nutzt der Helios-Konzern im Bucher Klinikum auch Gro&szlig;ger&auml;te der Charit&eacute;, zum Beispiel Magnetresonanztomografen (MRT), Hyperthermie- sowie Bestrahlungsger&auml;te, offenbar ohne der Charit&eacute; die sich auf j&auml;hrlich mehrere 100 000 Euro belaufenden Nutzungs- und Wartungskosten zu erstatten.  &hellip;.<\/p>\n<p>Wie mehrfach berichtet, setzt das Helios-Klinikum in Buch seit 2001 Mitarbeiter der Charit&eacute; systematisch in der Krankenversorgung ein, obwohl sie aus Forschungsmitteln des Landes bezahlt werden. Helios und Charit&eacute; arbeiten in Buch zusammen: Helios ist f&uuml;r die Krankenversorgung zust&auml;ndig, die Charit&eacute; f&uuml;r die universit&auml;re Forschung. Bisher hat der private Konzern weder die Personalkosten erstattet noch die Sachkosten, etwa f&uuml;r medizinischen Bedarf oder Medikamente. Dem Land ist ein Schaden von rund 15 Millionen Euro entstanden. So zahlt die Charit&eacute; allein an Helios j&auml;hrlich eine Pauschale von knapp einer Million Euro f&uuml;r den Mehraufwand an Forschung, der im Helios-Klinikum betrieben wird. Der Charit&eacute;-Vorstand um Detlev Ganten und die Senatswissenschaftsverwaltung wissen nachweislich mindestens seit einem Jahr, dass in Buch nicht korrekt abgerechnet wird.<\/p><\/blockquote><p>Dieser Text spricht f&uuml;r sich. Vermutlich gibt es eine F&uuml;lle &auml;hnlicher Kooperationen zu Lasten der Allgemeinheit. Das Instrument der &Ouml;ffentlich-Privaten-Partnerschaft (&Ouml;PP oder PPP) l&auml;dt geradezu ein zu &auml;hnlichen Gebr&auml;uchen. Achten Sie darauf, wenn so etwas in Ihrer Region stattfindet.<\/p><p><strong>Fall 2: Der sich andeutende Missbrauch von Spendengeldern f&uuml;r UNICEF &ndash; und vermutlich &auml;hnliche F&auml;lle.<\/strong><\/p><p>Hier&uuml;ber zu berichten ist nicht angenehm, weil darunter auch das Spendenaufkommen von Organisationen leiden k&ouml;nnte, die sinnvolle Arbeit leisten, ohne dass dabei durchgesteckt wird. Dies vorweg.<\/p><p>Und nun hier der Hinweis auf einen neuen Artikel in der Frankfurter Rundschau von heute:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/top_news\/?em_cnt=1250246\">FR-online<\/a><\/p><blockquote><p><strong>Neuer Verdacht<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unicef-Aff&auml;re zieht Kreise<\/strong><\/p>\n<p><strong>VON J&Ouml;RG SCHINDLER<\/strong><br>\nIm Deutschen Komitee f&uuml;r Unicef ist offenbar noch mehr Geld auf seltsamen Wegen geflossen als bislang bekannt. Nach FR-Informationen soll das Kinderhilfswerk seit Mitte 2005 etliche Auftr&auml;ge an eine Unternehmensberatung vergeben haben, ohne dass der Vorstand davon im einzelnen informiert wurde. Allein bis Mai 2007 floss f&uuml;r die diversen Auftr&auml;ge ein Honorar in H&ouml;he von 1,3 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Nutznie&szlig;er dieser Auftr&auml;ge ist die Dastani Consulting GmbH in Gie&szlig;en-Wettenberg. Diese &ldquo;unterst&uuml;tze&rdquo; Unicef &ldquo;in verschiedenen Projekten der Bereiche Mittelbeschaffung und Gru&szlig;karten&rdquo;, hei&szlig;t es in Unterlagen, die der FR vorliegen. Zu den Leistungen von Dastani geh&ouml;rt &ldquo;allgemeine Beratung&rdquo; und die &ldquo;Analyse von Aktionen&rdquo;. Nach Angaben aus Vorstandskreisen soll es f&uuml;r diese Projekte keine Ausschreibung gegeben haben. &ldquo;Wir haben jedenfalls nie eine gesehen &ndash; es hei&szlig;t immer: Das geht alles direkt an Dastani.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Hier sind also Gelder gesammelt worden mit dem guten Namen von UNICEF und dann immerhin sechsstellige Honorare f&uuml;r Beratung gezahlt worden.<\/p><p>In die gleiche Kategorie geh&ouml;rt aus meiner Sicht das, was die <strong>Aktion Mensch<\/strong> mit Teilen des mithilfe des ZDF gesammelten Geldes veranstaltet: die Finanzierung einer Organisation, die sich &bdquo;Die Gesellschafter&ldquo; nennt, eine Reihe von sozialen Projekten mitfinanziert, ansonsten aber zur &ouml;ffentlichen Debatte beitragen will und auf vielen Kan&auml;len Werbung f&uuml;r sich betreibt. So war diese Organisation mit ihrer Banner-Werbung &uuml;ber l&auml;ngere Zeit auf den top-Pl&auml;tzen bei Spiegel Online vertreten. Aus meiner Sicht ist das eine undurchsichtige Vermischung von mit der Aktion Mensch zu vereinbarenden sozialen Anliegen und nicht zu vereinbarender Propaganda.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Auszug aus &bdquo;Machtwahn&ldquo;<\/strong><br>\nSeite 268 f.<\/p><p><strong>Wie kommt man schnell zu viel Geld?<\/strong><br>\nDie normale Art, Geld zu verdienen, erscheint unseren Eliten als ziemlich altmodisch. Sich als Arbeitnehmer mit seinen Arbeitsleistungen zu verdingen, das ist vergleichsweise brotlos. Als Unternehmer Kapital und seine unternehmerischen F&auml;hig&shy;keiten in eine Firma einzubringen, beides mit der Arbeitskraft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kombinieren und so Werte zu schaffen, das finden die Spitzen unserer Eliten viel zu alt&shy;backen, jedenfalls erscheinen ihnen die Gewinne wohl nicht &shy;ausreichend, die dabei herausspringen. Deshalb k&ouml;nnen wir nur feststellen: Was unsere Spitzen in Wirtschaft und Politik heute tun, wendet sich auch gegen die ehrliche Arbeit von mittelst&auml;ndischen Unternehmern. Wenn die Rendite des eingesetzten Kapitals bei der &uuml;blichen Kombination von Kapital und Arbeit bei 10 bis 15 Prozent liegt, ist man zwar gut bedient, aber die Gier unserer Eliten will mehr. Deshalb haben findige Eliten in Politik und Wirtschaft andere Wege zum Geld gesucht, und sie sind f&uuml;ndig geworden:<\/p><ul>\n<li><strong>Erstens:<\/strong> Man muss daf&uuml;r sorgen, dass das eigene Unternehmen beziehungsweise die Firma, f&uuml;r die man arbeitet, eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Um dies zu erreichen, braucht man gelegentlich politische R&uuml;ckendeckung gegen&shy;&uuml;ber Institutionen, die &ndash; wie das Bundeskartellamt zum Beispiel &ndash; eigentlich dazu da sind, den Wettbewerb zu sch&uuml;tzen. Das praktische Instrument daf&uuml;r ist bei uns die Ministererlaubnis f&uuml;r eine Fusion beziehungsweise eine Unternehmens&uuml;bernahme.<\/li>\n<li><strong>Zweitens:<\/strong> Man zapft den Staat direkt an und kassiert zum Beispiel &uuml;berh&ouml;hte Beratungshonorare oder Provisionen bei der Vermittlung staatlicher Hilfen und Subventionen etc.<\/li>\n<li><strong>Drittens:<\/strong> Man bewirkt die Privatisierung oder Teilprivatisierung von Staats- oder, genauer, von Volksverm&ouml;gen und verdient daran.<\/li>\n<li><strong>Viertens:<\/strong> Man hilft bei der Privatisierung von bis dahin solidarischen Sicherungssystemen und verdient am Vorgang der Privatisierung und\/oder bei jenen, die sich mit der Einf&uuml;hrung der Privatvorsorge neue M&auml;rkte verschafften.<\/li>\n<li><strong>F&uuml;nftens:<\/strong> Man partizipiert an den besonderen Gewinnen beim Handel mit Verm&ouml;genswerten.<\/li>\n<\/ul><p>Kombinationen dieser schnellen Wege zum finanziellen Gl&uuml;ck sind m&ouml;glich und &uuml;blich. Jede dieser M&ouml;glichkeiten zum Geldverdienen bringt mehr ein als die ehrliche Arbeit.<br>\nIm folgenden f&uuml;hre ich nacheinander F&auml;lle und Personen auf, bei denen ich annehmen muss, dass nur eine Interessenverflechtung ihre Entscheidungen beziehungsweise ihr &ouml;ffentliches Werben f&uuml;r bestimmte Entscheidungen erkl&auml;ren kann. Ein l&auml;ngerer Infokasten geht auf die besondere Bedeutung ein, den der Handel mit Verm&ouml;genswerten bei solchen Verhaltensweisen hat (siehe S. 282 ff.). Das betrifft vor allem den dritten bis f&uuml;nften der oben aufgef&uuml;hrten Wege zum schnellen Geld. Zum Schluss dieses Kapitels gehe ich auf die wohl massivste und zugleich un&shy;appetitlichste Korruption ein, deren Opfer wir sind: die Werbung und die begleitende politische Weichenstellung zugunsten der Privatvorsorge und zu Lasten unserer solidarischen Altersvor&shy;sorge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben schon des &Ouml;fteren daraufhingewiesen, dass die riesigen Einkommensspr&uuml;nge, die wir heute beobachten, und auch erstaunliche geschlagene Kapitalrenditen von 25% auf wertsch&ouml;pfende Weise kaum zusammenkommen k&ouml;nnen. In &bdquo;Machtwahn&ldquo; hatte ich f&uuml;nf Wege beschrieben, mit denen Private meist durch Anzapfen und Pl&uuml;ndern der Allgemeinheit schnell zu viel Geld kommen. Siehe Anhang. 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