{"id":2807,"date":"2007-12-03T09:50:21","date_gmt":"2007-12-03T08:50:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2807"},"modified":"2015-12-09T13:45:38","modified_gmt":"2015-12-09T12:45:38","slug":"knatsch-um-pisa-cdu-fordert-den-rauswurf-des-pisa-koordinators","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2807","title":{"rendered":"Knatsch um Pisa \u2013 CDU fordert den Rauswurf des Pisa-Koordinators"},"content":{"rendered":"<p>Darf Pisa-Koordinator Andreas Schleicher seine  Daten &uuml;berhaupt interpretieren? Die Daten der verschiedenen PISA-Erhebungen sind nicht vergleichbar, weil sie auf unterschiedlichen Frageb&ouml;gen und Auswertungskriterien beruhten, sagt er  angesichts der Euphorie &uuml;ber den deutschen 13. Platz im Pisa-Ranking. Vor zwei Jahren haben die CDU-Kultusminister mit genau diesem Argument Schleichers Vorwurf entkr&auml;ften wollen, die soziale Auslese in deutschen Schulen sei sch&auml;rfer geworden.  Hinter der Emp&ouml;rung der Kultusminister steckt etwas anderes.<br>\nEin Beitrag von Karl-Heinz Heinemann.<br>\n<!--more--><br>\nDie OECD als PISA-Veranstalter soll die Daten liefern, aber die Interpretationshoheit m&ouml;chten die Kultusminister selbst behalten. Andreas Schleicher, der personifizierte PISA-Test, erkl&auml;rt dagegen, er liefere nur Statistiken und Bildungsindikatoren, jede politische Einmischung sei ihm fremd. In dieser Auseinandersetzung geht es nicht nur darum, ob denn die Ref&ouml;rmchen der Kultusminister Wirkung zeigen oder ob, wie Schleicher nahe legt, ein radikalerer Umbau des deutschen Bildungswesens noch aussteht &ndash; es geht um die alte und die neue Art der politischen Steuerung.<\/p><p>Pisa steht f&uuml;r die scheinbare Entpolitisierung der Bildungspolitik: da geht es um  objektive und unangreifbare Rankings und um Outputsteuerung. Welches Land, welche Schule, welcher Unterrichtsmethode hat die h&ouml;chsten Outcomes? Das wird dann zum Ma&szlig;stab. Doch wer legt fest, welche Ergebnisse z&auml;hlen? Die OECD als die Veranstalterin von PISA , also eine Organisation zur Steigerung der Wirtschaftskraft? Die ist nur die letzte Instanz. Tats&auml;chlich ist PISA ein von gro&szlig;en internationalen Assessment- und Testing-Firmen betriebenes Unternehmen.<\/p><p>Geleitet wird PISA von ACER, einem privatwirtschaftlich arbeitenden australischen Forschungs- und Test-Institut, das weltweit operiert, mit Schwerpunkt in Indien und in der arabischen Welt. Es entwickelt Reports und Testinstrumente f&uuml;r Regierungen und internationale Organisationen. Mit im Boot sitzt ETS, der US-amerikanische Educational Testing service, in den USA der Marktf&uuml;hrer in der Test-Branche. ETS verwaltet den SAT, den scolastic Aptitude Test, der an allen namhaften US-Hochschulen als Eingangstest verwendet wird. Ein weiteres PISA-Unternehmen ist CITO, das holl&auml;ndische Testing-Institut, das auch in Deutschland eine Filiale hat und Tests vom Vorschulkind bis zum Erwachsenen verkauft.<\/p><p>PISA war der Einstieg. Mittlerweile hat die Steuerung &uuml;ber Tests die Schulen massiv ver&auml;ndert: von den Sprachtests f&uuml;r Vierj&auml;hrige &uuml;ber die regelm&auml;&szlig;igen Vergleichsarbeiten, zentrale Abschlusspr&uuml;fungen, das Zentralabitur bis hin zu Hochschulengangstests bestimmen Rankings und Tests die deutschen Bildungslandschaft. Damit wird von den drittmittelabh&auml;ngigen deutschen Forschern Geld verdient: Gerade hat das Bundesbildungsministerium zus&auml;tzliche 120 Millionen Euro f&uuml;r die Bildungsforscher bereitgestellt. Und in den Hochschulen wird auch schon kr&auml;ftig abkassiert: von den Akkreditierungsagenturen, die f&uuml;r eine Begutachtung rund 12 000 (und h&auml;ufig erheblich mehr) Euro einnehmen, und k&uuml;nftig m&uuml;ssen Studierwillige f&uuml;r einen vom ITB, einem privaten Institut entwickelten  Hochschuleingangstest rund 90 Euro bezahlen, um &uuml;berhaupt in die Auswahl um einen Studienplatz zu kommen.<br>\nTests geben Auskunft, welcher Student gut ist, welcher Sch&uuml;ler, welche Schule, welches Schulsystem. Die Kultusminister treiben scheinbar diese Testindustrie voran. Doch ihre Aufregung &uuml;ber den PISA-Koordinator Andreas Schleicher zeigt: In Wirklichkeit sind sie die getriebenen, die sich diesem neuen, sagen wir es ruhig, neoliberalen Politikstil nicht entziehen k&ouml;nnen. Das Fatale ist aber: Sie wollen auch von der staatlichen Eingriffspolitik nicht lassen. Heraus kommen nominell selbstst&auml;ndige Schulen und Hochschulen, denen sie de facto einen noch gr&ouml;&szlig;eren Wust von b&uuml;rokratischen Steuerungen auferlegen, und eben scheinbar objektive PISA-Daten,  die aber die Kultusminister mit Sperrfristen, mit Geheimhaltung und Interpretationsverboten autorit&auml;r verwalten wollen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darf Pisa-Koordinator Andreas Schleicher seine Daten &uuml;berhaupt interpretieren? Die Daten der verschiedenen PISA-Erhebungen sind nicht vergleichbar, weil sie auf unterschiedlichen Frageb&ouml;gen und Auswertungskriterien beruhten, sagt er angesichts der Euphorie &uuml;ber den deutschen 13. Platz im Pisa-Ranking. 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