{"id":28086,"date":"2015-10-26T12:07:56","date_gmt":"2015-10-26T11:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28086"},"modified":"2015-10-28T13:08:34","modified_gmt":"2015-10-28T12:08:34","slug":"denunziation-und-denkfreiheit-was-die-politische-diskussionskultur-unserer-zeit-von-der-aufklaerung-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28086","title":{"rendered":"\u201eDenunziation und Denkfreiheit. Was die politische Diskussionskultur unserer Zeit von der Aufkl\u00e4rung lernen kann.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das ist die &Uuml;berschrift eines Essays, den der NDS-Leser S. B. uns gesendet hat. Er forscht und lehrt an einer deutschen Universit&auml;t &uuml;ber Aufkl&auml;rung. In seinem Essay beschreibt er, was die Arbeiten eines der f&uuml;hrenden Philosophen der deutschen Aufkl&auml;rung, Christian Wolff, f&uuml;r unsere heutige Debatte bedeuten k&ouml;nnten. Wolff hat seine Gedanken zur Diskussionskultur 1726 f&uuml;r die Einf&uuml;hrung seiner auf Deutsch erschienenen Schriften formuliert. Sie k&ouml;nnten den Betrachter mancher publizistischer Schlammschlachten von heute erstaunen. Mich erreichte diese Mail wenige Tage nach dem Versuch des NDR, das Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=4078\">Meinungsmache<\/a>&ldquo; mit Hitlers &bdquo;Mein Kampf&ldquo; zu verbinden. Es folgt die Passage mit dem aktuellen Bezug zur &ouml;ffentlichen Debatte und dabei zu den NachDenkSeiten. Hier ist <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/151026-ueber-denunziation-und-denkfreiheit2015.pdf\">der gesamte Essay [PDF &ndash; 127 KB]<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Auszug aus dem Essay:<\/strong><\/p><p>&hellip; Die Methode des politischen Rufmordes bezieht denn auch ihre Wirkungskraft nicht aus der Stichhaltigkeit und Belegbarkeit von Argumenten, sondern aus den beschriebenen emotionalen Reflexen, die eine n&uuml;chterne Analyse bekanntlich verhindern. Ihr trauriger Erfolg resultiert jedoch ebenso sehr &ndash; das hat Wolff sehr scharf gesehen &ndash; aus der Logik und der Autorit&auml;t der herrschenden Macht (140f.):<\/p><blockquote><p>\nDenn wer ist in der Geschichte der Gelehrten so unerfahren, da&szlig; er nicht w&uuml;ste, wie man durch die Consequentien-Macherey zu allen Zeiten der Freyheit zu philosophiren Eintrag gethan und dadurch Gelegenheit erhalten, diejenigen zu verfolgen, welche nicht in ihren Meynungen sich denen unterwerfen wollen, welche die weltliche Macht auf der Seite gehabt. Denn wer von der Sache nichts verstehet und am allerwenigsten davon zu urtheilen geschickt ist, der kan sie mit den ungereimtesten und gef&auml;hrlichsten Consequentien bel&auml;stigen.\n<\/p><\/blockquote><p>Es wird keinem Betrachter der politischen Diskussion unserer Tage schwerfallen, die Parallelen zwischen damals und heute zu ziehen. Was Wolff kritisiert und deutlich beschrieben hat und was er als Aufkl&auml;rer zu &uuml;berwinden hoffte, ist offenkundig bis heute nicht aus dem rhetorischen Arsenal verschwunden. Was uns heute allerdings not tut, sind die n&ouml;tigen Instrumente und Begrifflichkeiten, um dieses Vorgehen zu erkennen und zu benennen, wo es am Werk ist. Es ist hier nicht der Ort, um ausf&uuml;hrlicher auf die Strategien der heutigen &sbquo;Consequentien-Macher&lsquo; einzugehen. Beispiele kennt die j&uuml;ngste Vergangenheit zur Gen&uuml;ge, sie werden auf den &sbquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\">NachDenkSeiten<\/a>&rsquo; immer wieder benannt und zurecht kritisiert. Ich verweise etwa auf die dort (am 13.10.2015) dokumentierte Berichterstattung einiger Leitmedien &uuml;ber die Anti-TTIP-Demonstration in Berlin, die inzwischen auch vielfach kritisiert worden ist (unter anderem von Petra Pinzler auf Zeit online unter dem Titel &ldquo;Steckt die Hitlerkeule wieder ein&rdquo;), und, nicht zuletzt, auf die wirklich bedr&uuml;ckende Nebeneinanderstellung von Albrecht M&uuml;llers Buch &ldquo;Meinungsmache&rdquo; mit Adolf Hitlers &ldquo;Mein Kampf&rdquo; in einer Sendung des NDR. Einer derartigen Verd&auml;chtigungshermeneutik, die etwa im (f&auml;lschlich) so genannten &sbquo;Antikapitalismus&lsquo; der TTIP-Gegner Parallelen zu rechten Stammtisch-Ressentiments zu erkennen glaubt, sie damit in die Nachfolge nationalsozialistischer Propaganda gegen das Schreckgespenst einer j&uuml;dischen Hochfinanz stellt, ist nun allerdings keine noch so fundierte Gegenargumentation mehr gewachsen, weil sie von da an permanent unter Ideologieverdacht steht. Die derart Angegriffenen haben die jeweilige Diskussion, soweit davon noch die Rede sein kann, schon verloren, wenn sie sich auf dieses Spiel einlassen und sich in eine Defensive dr&auml;ngen lassen, aus der sie nicht leicht herauskommen werden. Abgesehen von der generellen Perfidie dieses Vorgehens ist dabei vor allem &auml;rgerlich, dass auf diese Weise wertvolle Zeit und Kraft verloren geht, die eigentlich in Diskussionen &uuml;ber die Sache investiert werden sollte. Auch deswegen scheint es wichtig, auf historische Parallelen hinzuweisen (und zwar dort, wo auch tats&auml;chlich welche zu finden sind). Wie weit die &Auml;hnlichkeiten und die Unterschiede reichen, muss jeder Leser f&uuml;r sich selbst entscheiden, das Material ist frei zug&auml;nglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die &Uuml;berschrift eines Essays, den der NDS-Leser S. B. uns gesendet hat. Er forscht und lehrt an einer deutschen Universit&auml;t &uuml;ber Aufkl&auml;rung. 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