{"id":28143,"date":"2015-10-29T09:58:16","date_gmt":"2015-10-29T08:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143"},"modified":"2024-08-22T16:37:46","modified_gmt":"2024-08-22T14:37:46","slug":"die-luege-von-der-green-economy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143","title":{"rendered":"Die L\u00fcge von der Green Economy"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151029_hartmann.jpg\" alt=\"Kathrin Hartmann\" title=\"Kathrin Hartmann\"><\/div><p>Angesichts der Klimakatastrophe ruhen alle Hoffnungen auf der Green Economy, die das Wirtschaften nachhaltig und sozial machen soll. Elektro-Autos statt CO2-Schleudern, Biosprit statt Benzin, Aquakultur statt &Uuml;berfischung. Subventioniert von der Politik, unterst&uuml;tzt von Umweltorganisationen, ausgezeichnet mit Nachhaltigkeitspreisen. Wirtschaftswachstum und &uuml;berbordender Konsum, so die frohe Botschaft der sogenannten dritten industriellen Revolution, sind gut f&uuml;r die Welt, solange sie innovativ und intelligent gemacht sind. Die technikbegeisterte Mittelschicht h&ouml;rt das gern. Doch auch der Rohstoffhunger des gr&uuml;nen Kapitalismus ist riesig: Selbst f&uuml;r nachhaltiges Palm&ouml;l, das in Biodiesel und Fertigprodukten steckt, werden Regenw&auml;lder gerodet und Menschen vertrieben. Und f&uuml;r Garnelen aus Zuchtbecken, die mit &Ouml;ko-Siegeln aus Bangladesch exportiert werden, werden gegen den Willen der Bev&ouml;lkerung erst Reisfelder und Mangrovenw&auml;lder zerst&ouml;rt. Um dann zwingt man ihnen gegen den eigenen Hunger Gentechnik-Saatgut auf. Zur Illusion der Green Economy sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Kathrin Hartmann<\/strong>, deren soeben erschienenes <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Aus-kontrolliertem-Raubbau\/Kathrin-Hartmann\/e459396.rhd\">Buch<\/a> eine schonungslose Abrechnung zum Thema liefert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Hartmann, soeben erschien Ihr Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Aus-kontrolliertem-Raubbau\/Kathrin-Hartmann\/e459396.rhd\">Aus kontrolliertem Raubbau<\/a>&ldquo;, in welchem Sie die Ideologie der Green Economy als eben solche entlarven. Wie kam es zu diesem Buch? Was trieb Sie an?<\/strong><\/p><p>Ich besch&auml;ftige mich schon lange mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Greenwashing\">Greenwashing<\/a>. Als ich mein erstes Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Ende-der-Maerchenstunde\/Kathrin-Hartmann\/e310527.rhd\">Ende der M&auml;rchenstunde<\/a>&ldquo; geschrieben habe, dachte ich, dass sich dieser Trend wom&ouml;glich erledigt, es ist ja einfach zu l&auml;cherlich und durchschaubar. Doch das Gegenteil ist der Fall: Je absurder die gr&uuml;nen L&uuml;gen werden, desto bereitwilliger werden sie auch geglaubt. Greenwashing ist inzwischen zur politischen Agenda der reichen L&auml;nder des Nordens geworden. <\/p><p>Und letztlich ist genau das die Ideologie der Green Economy: Dahinter steckt die Vorstellung, man k&ouml;nne Wachstum und Naturzerst&ouml;rung voneinander &bdquo;entkoppeln&ldquo;. Ein gr&uuml;nes Perpetuum mobile also, und diese Vorstellung gef&auml;llt der konsumfreudigen Mittelschicht sehr gut. Denn das hie&szlig;e, Hyperkonsum und Verschwendung w&auml;ren gut f&uuml;r die Welt. Diese zynische Mischung aus Anti-Aufkl&auml;rung und Besitzstandswahrung macht mich w&uuml;tend. Denn selbstverst&auml;ndlich brauchen Wachstum und Profit Rohstoffe, Energie und billige Arbeitskraft. Naturzerst&ouml;rung ist daher die Grundlage des gr&uuml;nen Kapitalismus und Armut seine wichtigste nachwachsende Ressource.<\/p><p><strong>Im Buch skizzieren und kritisieren Sie ja, dass all das Gerede von &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; nicht etwa Menschheit und Umwelt n&uuml;tzten, sondern diese nur weiter zerst&ouml;rten. Wie kommen Sie darauf? Und wie begr&uuml;nden Sie das?<\/strong><\/p><p>Es geht nicht darum, die Ursachen von Armut, Hunger und Zerst&ouml;rung zu &auml;ndern, sondern das per se sch&auml;dliche System zu &bdquo;verbessern&ldquo;. Mit &bdquo;nachwachsenden Rohstoffen&ldquo;, Nachhaltigkeitssiegeln f&uuml;r problematische Rohstoffe wie Palm&ouml;l und Futter-Soja, neuen Technologien, Fracking, Handel mit Verschmutzungsrechten, Biotechnologie usw. usf. Und das Hand in Hand mit Institutionen wie den Vereinten Nationen, Entwicklungsorganisationen, industriefreundlichen NGOs wie WWF und Gro&szlig;konzernen. <\/p><p>Als die EU vor zehn Jahren die Beimischungsquote f&uuml;r Biosprit ank&uuml;ndigte, sorgte das in Indonesien daf&uuml;r, dass gigantische Fl&auml;chen Regenwald abgebrannt und abgeholzt wurden, um dort Palm&ouml;lplantagen anzulegen, denn Palm&ouml;l wird f&uuml;r Biodiesel gebraucht. Daf&uuml;r wurden tausende Kleinbauern und Indigene gewaltsam enteignet und aus ihren W&auml;ldern und von ihrem Land vertrieben. Es gibt in Indonesien daher 5.000 <a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/Landkonflikt\">Konflikte wegen Landraubs<\/a> und das Land ist durch die Abholzung der drittgr&ouml;&szlig;te CO2-Emittent der Welt. <\/p><p><strong>Und das angeblich f&uuml;r den Klimaschutz&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, das ist das gr&uuml;ne Feigenblatt. In Wahrheit soll der Biosprit die Abh&auml;ngigkeit vom Erd&ouml;l verringern und das Wachstum des Verkehrs absichern. Nie ist es darum gegangen, die Mobilit&auml;t umzugestalten, sodass weniger Autos fahren und weniger Rohstoffe verbraucht w&uuml;rden. <\/p><p><strong>Da geht es also in dem Sinne gar nicht &bdquo;um uns&ldquo; und unsere Interessen, sondern vielmehr um, ja, wie soll ich sagen: Geo- und Standortpolitik? <\/strong><\/p><p>Genau. Dazu ist auch ein anderes Beispiel sehr anschaulich. Als n&auml;mlich die Folgen des Anbaus von Palm&ouml;l immer deutlicher wurden, formierte sich der &bdquo;Runde Tisch f&uuml;r nachhaltiges Palm&ouml;l&ldquo;, kurz RSPO, auf Betreiben von WWF, Unilever und der Palm&ouml;lindustrie. Das war eine reine Industrieveranstaltung, unter deren gr&uuml;nem Deckm&auml;ntelchen Menschenrechtsverletzungen und Waldzerst&ouml;rung bis heute ununterbrochen weitergehen &ndash; und zwar mit dem Segen der EU, die das RSPO-Siegel als Nachhaltigkeitsnachweis f&uuml;r nachwachsende Rohstoffe akzeptiert hat. Und auch mit jenem der Bundesregierung: Die Gesellschaft f&uuml;r internationale Zusammenarbeit hat zusammen mit WWF und Palm&ouml;l verbrauchenden Konzernen wie Henkel, Lidl, Nestl&eacute; und Unilever das Forum f&uuml;r nachhaltiges Palm&ouml;l initiiert, das diesen Konzernen helfen soll, nur noch nachhaltiges Palm&ouml;l zu verwenden &ndash; das es schlicht nicht gibt. Das ist nicht nur staatlich finanziertes Greenwashing, sondern institutionalisierte Verantwortungslosigkeit. Denn die gravierenden Missst&auml;nde in Indonesien werden so nicht nur zementiert sondern auch noch legitimiert.<\/p><p><strong>Was w&uuml;rde Nachhaltigkeit f&uuml;r Sie denn bedeuten?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; ist ein anderes Wort f&uuml;r &bdquo;Systemerhalt&ldquo;. Worum es stattdessen gehen muss, ist &ouml;kologische und soziale Gerechtigkeit. Zum Vergleich: &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo; ist, wenn es im Bio-Supermarkt eine Menge &uuml;berfl&uuml;ssiger Produkte wie Bio-T&uuml;tensuppen mit Palm&ouml;l oder importierte tropische Bio-Schrimps gibt. &Ouml;kologisch und sozial gerecht hingegen ist eine selbstbestimmte kleinb&auml;uerliche Landwirtschaft, regional, &ouml;kologisch, ohne Monokulturen, gigantische Aquakulturen, Plantagen f&uuml;r Futterpflanzen und &bdquo;nachwachsende Rohstoffe&ldquo; f&uuml;r den Export &ndash; das ist ein Schl&uuml;ssel f&uuml;r globale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Ressourcen. Das ist das Konzept der Ern&auml;hrungsunabh&auml;ngigkeit, f&uuml;r das viele Bewegungen des S&uuml;dens k&auml;mpfen, die Widerstand gegen die m&auml;chtige und gewaltt&auml;tige Agrarindustrie leisten. <\/p><p>Daf&uuml;r m&uuml;ssen wir k&auml;mpfen &ndash; nicht daf&uuml;r, dass jedes noch so absurde Produkt zu jeder Zeit bei uns in Bio-Qualit&auml;t zu haben ist. Neuerdings gibt es wegen des Smoothie-Trends sogar schon im Sommer Gr&uuml;nkohl im Bio-Supermarkt. Und im Winter Erdbeeren. Was f&uuml;r eine Idiotie! Der imperiale Lebensstil ist eben auch im gr&uuml;nen Kapitalismus nicht verhandelbar.<\/p><p><strong>Und welche Folgen genau zeitigt das f&uuml;r uns und unser &Ouml;kosystem? K&ouml;nnen Sie das vielleicht anhand des Palm&ouml;ls und ggf. noch eines Beispiels etwas konkreter skizzieren?<\/strong><\/p><p>Gern. Ich habe in Indonesien versucht, dieses &bdquo;nachhaltige Palm&ouml;l&ldquo; zu finden. Gefunden habe ich nur unvorstellbare Zerst&ouml;rung und furchtbares Leid. Wochenlang bin ich durch nichts als gigantische Palm&ouml;l-Monokulturen und abgeholzte Fl&auml;chen gefahren. Die Menschen, die ich getroffen habe, waren entweder Vertriebene, Enteignete, Gewaltopfer oder Sklaven auf Plantagen mit Nachhaltigkeitssiegel, die v&ouml;llig verarmt unter lebensgef&auml;hrlichen Bedingungen arbeiten, auch Kinder. Ich habe in Sumatra eine indigene Gemeinde besucht, die seit Jahren unter einem der brutalsten und l&auml;ngsten Landkonflikte leidet. Man hat ihnen ihren Wald weggenommen, ihre D&ouml;rfer zerst&ouml;rt, ihr Mitglieder misshandelt. Einen von ihnen, Puji, haben im M&auml;rz 2014 Milit&auml;r und Security der Palm&ouml;lfirma PT Asiatic Persada totgeschlagen. Direkt neben dieser Plantage wird der &bdquo;Wald der Hoffnung&ldquo; gesch&uuml;tzt und aufgeforstet &ndash; ein Projekt der deutschen Klimainitiative, unterst&uuml;tzt von KfW-Entwicklungsbank, Umweltministerium, Naturschutzbund. Ein Pilotprojekt, mit dem man Erkenntnisse f&uuml;r Reducing Carbon Emissions from Deforestation and Degradation sammeln will, ein UN-Programm, das auf dem Pariser Klimagipfel beschlossen werden wird. Damit sollen L&auml;nder wie Indonesien mit gesch&uuml;tzten W&auml;ldern am Emissionshandel teilnehmen k&ouml;nnen &ndash; damit sich die reichen L&auml;nder ihr Recht auf Verschmutzung kaufen k&ouml;nnen. Aber auch aus diesem Wald wurden Menschen vertrieben: Indigene m&uuml;ssen sich zu B&auml;umchenpflanzern f&uuml;r Hungerl&ouml;hne &bdquo;zivilisieren&ldquo; lassen und Kleinbauern werden als Holzdiebe kriminalisiert und verjagt. So werden die Menschen im S&uuml;den zwischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cash_Crops\">Cash-Crop-<\/a> und Nachhaltigkeitsregime zerrieben. <\/p><p><strong>Ist das ein besonders schlimmer Einzelfall oder l&auml;sst sich das verallgemeinern?<\/strong><\/p><p>&Auml;hnliches habe ich auch im S&uuml;dwesten von Bangladesch recherchiert. Dort haben Aquakulturen, in denen Garnelen f&uuml;r den Export nach Europa, Japan und USA gez&uuml;chtet werden, wo Menschen nicht einmal satt werden m&uuml;ssen von diesem Snack, die Lebensgrundlange Hunderttausender zerst&ouml;rt. Denn da, wo jetzt Salzwasserbecken sind, waren fr&uuml;her Reis- und Gem&uuml;sefelder oder Mangrovenw&auml;lder. Deshalb hat sich der Hunger verst&auml;rkt, die Armut verfestigt, die Folgen des Klimawandels sind schlimmer geworden und die Degradierung der B&ouml;den schreitet voran. <\/p><p>Das Absurde ist: Die Aquakultur wurden &ndash; mit Unterst&uuml;tzung von Weltbank, FAO und Vereinten Nationen &ndash; in Bangladesch angesiedelt, um dort den Hunger zu bek&auml;mpfen. Noch dazu sollte die Aquakultur die Meere vor der &Uuml;berfischung bewahren &ndash; ein weiterer gr&uuml;ner Irrtum, denn mittlerweile wird fast ein Drittel der gefangenen Meeresfische zur F&uuml;tterung in Aquakulturen verwendet. <\/p><p>Die n&auml;chste durchgeknallte gr&uuml;ne &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; ist &uuml;brigens, dass man auch in Aquakulturen gentechnisch ver&auml;ndertes Soja verf&uuml;ttert, f&uuml;r dessen Monokulturen in S&uuml;damerika Wald und Savannen vernichtet werden. Aber statt mit dem Irrsinn aufzuh&ouml;ren, werden sowohl die Aquakultur als auch die Soja-Monokulturen mit Nachhaltigkeitssiegeln versehen &ndash; wieder mit Hilfe der Industrie, des WWF und dem Segen der Politik.<\/p><p><strong>Und dieses Logik ist dem gesamten &bdquo;Gr&uuml;nen Kapitalismus&ldquo; immanent?<\/strong><\/p><p>Die Ideologie des Gr&uuml;nen Wachstums suggeriert, dass das wachstums- und konsumorientierte System, das f&uuml;r alle &ouml;kologischen und sozialen Sch&auml;den verantwortlich ist, v&ouml;llig in Ordnung ist und allenfalls &bdquo;Fehler&ldquo; oder &bdquo;Ausw&uuml;chse&ldquo; korrigiert werden m&uuml;ssten. Sie l&auml;sst menschengemachte Katastrophen wie Klimawandel, Armut oder Hunger wie gro&szlig;e Menschheitsr&auml;tsel erscheinen, auf deren technische L&ouml;sung gr&uuml;ne Daniel D&uuml;sentriebe eines Tages kommen werden wie auf die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist. So lange man daran glauben kann, dass wir nur einen Quantensprung entfernt sind, das Unm&ouml;gliche m&ouml;glich zu machen, muss sich ja auch strukturell nichts &auml;ndern. Diese Technikeuphorie trennt aber die &ouml;kologische von der sozialen Frage, obwohl beide untrennbar zusammenh&auml;ngen. Das andere ist, dass in der Logik des gr&uuml;nen Kapitalismus die Zerst&ouml;rer &ndash; also Elite und Wirtschaft &ndash; als Retter erscheinen. Das ist eine zynische T&auml;ter-Opfer-Umkehr.<\/p><p><strong>Ausbeutung und Umweltzerst&ouml;rung werden also vor allem unsichtbar gemacht, sch&ouml;n gelabelt und uns dann als Wohlf&uuml;hl-Kapitalismus-Update verkauft, f&uuml;r das man gleich noch die Preise erh&ouml;ht?<\/strong><\/p><p>Es geht um sehr viel mehr, als nur darum, bequemen Konsumenten f&uuml;r viel Geld ein gutes Gewissen zu verkaufen. Dem gr&uuml;nen Kapitalismus liegen geopolitische Interessen zugrunde. Solche Nachhaltigkeitsinitiativen wie der Runde Tisch f&uuml;r nachhaltiges Palm&ouml;l oder &bdquo;verantwortliches Soja&ldquo; sollen den Zugriff auf Ressourcen sichern. Es wird gerade einmal so viel Umweltschutz betrieben, dass die Expansion von Plantagen und der Nachschub von Rohstoffen gesichert ist. Die Menschen sollen gerade einmal so weit aus Armut und Hunger befreit werden, dass sie sich f&uuml;r den westlichen Wohlstand abrackern k&ouml;nnen aber immer noch arm und erpressbar genug sind, das f&uuml;r Hungerl&ouml;hne zu tun. Das ist Kolonialismus in Gr&uuml;n. <\/p><p>Und indem die Politik solche Siegel akzeptiert und unterst&uuml;tzt, schafft sie einen Pseudo-Ordnungsrahmen, der Ordnungspolitik &ndash; also Regulierung, Verbote oder Sanktionen f&uuml;r Konzerne, die innerhalb der Lieferkette Menschenrechts- und Umweltverbrechen begehen &ndash; ersetzt. Gleichzeitig w&auml;lzt die Politik ihre Verantwortung auf den B&uuml;rger ab, der dann einfach immer &bdquo;das Richtige&ldquo; einkaufen soll &ndash; eben Produkte mit solchen Siegeln. Vor allem aber soll er schweigen und kaufen &ndash; denn in der marktkonformen Demokratie ist der B&uuml;rger nur noch als &bdquo;Verbraucher&ldquo; gefragt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"336\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/z-X9RHJ2xzw\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Kathrin Hartmann: &bdquo;Aus kontrolliertem Raubbau&ldquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Und wer sind die Nutznie&szlig;er dieser Entwicklung?<\/strong><\/p><p>Es ist ein Mythos, das Wachstum f&uuml;r Gerechtigkeit sorgt. In der globalen Wirtschaft landen von jedem Dollar Wohlstand, der erarbeitet wird, 93 Cent in den Taschen des reichsten einen Prozents. Das hei&szlig;t: Auch vom gr&uuml;nen Kapitalismus profitiert die Elite, die gleichzeitig auch die meisten Ressourcen verbraucht. Der gr&uuml;ne Kapitalismus &auml;ndert nichts an diesem Machtgef&auml;lle, er erh&auml;lt es und sichert es ab. <\/p><p><strong>Und warum laufen die Umweltverb&auml;nde hiergegen nicht Sturm?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich leisten viele NGOs eine wertvolle Arbeit, vor allem, was Aufkl&auml;rung, Kampagnen und auch Mobilisierung von B&uuml;rgern betrifft. Allerdings schleicht sich bei NGOs ein gef&auml;hrlicher Pragmatismus ein, indem sie sich mit der Industrie &bdquo;an einen Tisch&ldquo; setzen und Verbesserungen innerhalb der per se sch&auml;dlichen Lieferkette zu erreichen versuchen. Dahinter steckt die irrige Annahme, wenn man &bdquo;die Gro&szlig;en&ldquo; zu mehr freiwilliger Verantwortung bringt, h&auml;tte das auch einen gro&szlig;en positiven Einfluss.<\/p><p>Der WWF etwa, der von Adeligen, Gro&szlig;wildj&auml;gern und Industriellen mitbegr&uuml;ndet wurde, wird f&uuml;r seine N&auml;he zu Konzernen schon lange kritisiert. Aber auch Greenpeace setzt sich mit Konzernen ins Benehmen. Als die franz&ouml;sische Umweltministerin S&eacute;gol&egrave;ne Royal zum Nutella-Boykott aufrief, verteidigte Greenpeace den Konzern Ferrero und lobt diesen f&uuml;r sein Versprechen, sich um die Verwendung von nachhaltigem Palm&ouml;l zu bem&uuml;hen. Greenpeace arbeitet au&szlig;erdem mit dem gr&ouml;&szlig;ten Papierkonzern der Welt, Asian Pulp&amp;Paper, kurz APP, in einem Waldschutzprojekt in Indonesien. Doch APP ist in die f&uuml;rchterlichen Waldbr&auml;nde verwickelt, die in Indonesien allein bis Ende September diesen Jahres eine Fl&auml;che so gro&szlig; wie Teneriffa vernichtet haben. Die Aktivisten, die ich vergangenes Jahr in Indonesien getroffen habe, waren alle ziemlich sauer auf Greenpeace &ndash; denn sie k&auml;mpfen nicht f&uuml;r einen netteren Kolonialismus mit &bdquo;besseren&ldquo; Lieferketten oder &bdquo;nachhaltigem&ldquo; Palm&ouml;l &ndash; sondern f&uuml;r ihr Land, ihren Wald und ein gutes Leben.<\/p><p><strong>Was k&ouml;nnten und sollten wir, die uns diese Zust&auml;nde st&ouml;ren, aktuell denn am besten tun?<\/strong><\/p><p>Wir m&uuml;ssen verstehen, dass all die Probleme &ndash; Armut, Hunger, Klimawandel, Ressourcenknappheit usw. &ndash; dieselbe Ursache haben, n&auml;mlich das wachstumsgetriebene kapitalistische System. Man kann diese Probleme daher nicht getrennt voneinander abschaffen. Um das System zu &auml;ndern, k&ouml;nnen wir nicht unsere Verantwortung auf NGOs oder &bdquo;die Politik&ldquo; abw&auml;lzen &ndash; das schaffen wir nur gemeinsam in einer sozialen Bewegung, die sich mit den Bewegungen des S&uuml;dens solidarisiert. Jean Ziegler hat daf&uuml;r den tollen Begriff der &bdquo;planetarischen Zivilgesellschaft&ldquo; gepr&auml;gt<\/p><p>So sehr mich das, was ich bei meinen Recherchen gesehen habe, ersch&uuml;ttert hat, bin ich auch mit gro&szlig;er Hoffnung heimgefahren. Die vielen Aktivisten, widerst&auml;ndigen Indigenen, die Gewerkschafter und politischen Kleinbauern, mit denen ich unterwegs war, haben mich ungeheuer beeindruckt. Sie k&auml;mpfen mit so viel Klugheit, Kraft, Liebe, Mut und Solidarit&auml;t und dem Glauben an bedingungslose Gerechtigkeit gegen das herrschende System und f&uuml;r ein gutes Leben. <\/p><p>Und alle Alternativen, die sie erk&auml;mpft und umgesetzt haben &ndash; seien es intakte Waldd&ouml;rfer, Inseln ohne Aquakultur, zur&uuml;ckeroberte W&auml;lder, eine selbstbestimmte solidarische Landwirtschaft &ndash; funktionieren ganz hervorragend! <\/p><p>Wir k&ouml;nnen von ihnen viel lernen, wenn wir uns mit ihnen solidarisieren. Daf&uuml;r gibt es keinen Rei&szlig;brettplan, aber es gibt gerechte und emanzipatorische Alternativen zum herrschenden System, die wir nur gemeinsam entwickeln k&ouml;nnen und gegen die Eliten politisch durchsetzen m&uuml;ssen. Dazu m&uuml;ssen wir wieder lernen, Ungerechtigkeit nicht zu akzeptieren, w&uuml;tend zu werden und vor allem aber: Daran zu glauben, dass Alternativen m&ouml;glich sind. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Kathrin Hartmann<\/strong>, geboren 1972 in Ulm, studierte in Frankfurt\/Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Nach einem Volontariat bei der &raquo;Frankfurter Rundschau&laquo; war sie dort Redakteurin f&uuml;r Nachrichten und Politik. Von 2006 bis 2009 arbeitete sie als Redakteurin bei &raquo;Neon&laquo;. 2009 erschien bei Blessing &ldquo;Ende der M&auml;rchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-&Ouml;kos vereinnahmt.&rdquo;, 2012 erregte ihr Buch &uuml;ber die neue Armut &ndash; &ldquo;Wir m&uuml;ssen leider drau&szlig;en bleiben&rdquo; &ndash; gro&szlig;es Aufsehen. Kathrin Hartmann lebt und arbeitet in M&uuml;nchen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterleseliste:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-138603653.html\">Nachhaltigkeits-Blabla<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/essay-gruene-maerchen-1.2622244\">Gr&uuml;ne M&auml;rchen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/panorama\/indonesien--toedliche-gier-nach-palmoel,1472782,32168884.html\">T&ouml;dliche Gier nach Palm&ouml;l<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/palmoel-aus-indonesien-das-schmutzige-geschaeft-der-produzenten-a-1011854.html\">Das schmutzige Gesch&auml;ft der Palm&ouml;l-Produzenten<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/enorm-magazin.de\/koproduktion-mit-der-natur\">Koproduktion mit der Natur<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Interview: Kathrin Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/46\/46169\/1.html\">Alle finden das toll<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: meedia.de: &bdquo;<a href=\"http:\/\/meedia.de\/2015\/09\/21\/warum-lasst-ihr-kinder-verhungern-fragnestle-wird-zum-pr-desaster\/\">&lsquo;Warum lasst Ihr Kinder verhungern?&lsquo; &ndash; #FragNestl&eacute; wird zum PR-Desaster<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von Jens Wernicke finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ef3ab49b0988474a8f3400dc72a404e1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151029_hartmann.jpg\" alt=\"Kathrin Hartmann\" title=\"Kathrin Hartmann\"\/><\/div>\n<p>Angesichts der Klimakatastrophe ruhen alle Hoffnungen auf der Green Economy, die das Wirtschaften nachhaltig und sozial machen soll. Elektro-Autos statt CO2-Schleudern, Biosprit statt Benzin, Aquakultur statt &Uuml;berfischung. Subventioniert von der Politik, unterst&uuml;tzt von Umweltorganisationen, ausgezeichnet mit Nachhaltigkeitspreisen. Wirtschaftswachstum und &uuml;berbordender Konsum, so die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,178,11,132],"tags":[1619,541,1618,1620,1311,849,336],"class_list":["post-28143","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-ressourcen","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-green-economy","tag-greenpeace","tag-hartmann-kathrin","tag-indonesien","tag-landgrabbing","tag-nahrungsmittel","tag-wwf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28143"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120074,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28143\/revisions\/120074"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}