{"id":28148,"date":"2015-10-29T13:30:36","date_gmt":"2015-10-29T12:30:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28148"},"modified":"2019-01-19T16:53:09","modified_gmt":"2019-01-19T15:53:09","slug":"eine-hilfreiche-rezension-eines-anstoessigen-buches-des-republikanischen-ideologen-robert-kagan-inkl-einiger-anmerkungen-zu-usa-und-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28148","title":{"rendered":"Eine hilfreiche Rezension eines anst\u00f6\u00dfigen Buches des republikanischen Ideologen Robert Kagan inkl. einiger Anmerkungen zu USA und Syrien"},"content":{"rendered":"<p>Das Buch mit dem Titel &bdquo;Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung&ldquo; erschien 2003, ist also vergleichsweise alt. Aber es ist hochaktuell. Deshalb ein gro&szlig;es Dankesch&ouml;n an Peter Becker, dem Co-Pr&auml;sidenten der IALANA, der das Buch des Ehemanns der f&uuml;r Europa und Asien im State Department zust&auml;ndigen Frau Nuland rezensiert hat. Siehe unten. Das Buch gibt &ndash; so der Rezensent &ndash; Aufschluss dar&uuml;ber, welche Kr&auml;fte die auf milit&auml;rische Eins&auml;tze setzende US-Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik bestimmen, nicht nur die Republikaner, auch ma&szlig;gebliche Demokraten. Man erf&auml;hrt bei der Lekt&uuml;re Interessantes zum Irakkrieg, zum Umgang der USA und der NATO mit der UNO und zum Jugoslawien Krieg. Vor allem kann man die vielen Milit&auml;reins&auml;tze von Libyen bis Afghanistan und die Strategie des Regime Changes etwas besser einordnen. Zum Jugoslawien Krieg wird &uuml;brigens die Vermutung best&auml;tigt, dass die Verhandlungen 1998 und 1999 in Rambouillet nicht ernst gemeint waren. Und besonders aktuell sind Rezension und Buch angesichts der von <a href=\"http:\/\/www.rtdeutsch.com\/35254\/international\/assange-wikilekas-vorliegende-depeschen-zeigen-plan-zur-strategischen-entvoelkerung-von-syrien-und-eu-fluechtlingskrise\/\">Wikileaks best&auml;tigten<\/a> Politik des &bdquo;Ausblutens&ldquo; Syriens. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIhre in der Sprache und in der Sache schrecklich radikalen NachDenkSeiten hatten schon am 8. Juni 2015 auf der Basis der Analyse von Bernd Buschner auf diesen Vorgang hingewiesen und seinen Appell ver&ouml;ffentlicht: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26356\">Kann das Aushungern eines Volkes ein berechtigtes Mittel zum von au&szlig;en betriebenen Regime-Wechsel sein?<\/a>&ldquo;. Wir waren dann am 3. September 2015 noch einmal auf diesen Vorgang zur&uuml;ckgekommen. Siehe hier: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27429\">&Uuml;ber die eigenartige Sonderbehandlung der syrischen Fl&uuml;chtlinge und die infame Absicht der Sanktionen: Aushungern.<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Wer es ernst meint mit der Not der Fl&uuml;chtlinge, kommt an diesen Ursachen nicht vorbei und auch nicht an der Analyse der ideologischen Hintergr&uuml;nde. Und angesichts des vielseitigen Verschweigens dieser Vorg&auml;nge in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit sind die NachDenkSeiten, siehe oben, auf die &bdquo;Propaganda&ldquo; von RT Deutsch angewiesen.<\/p><p><strong>Damit sind wir bei der Rezension von Peter Becker:<\/strong><br>\n<strong>Robert Kagan: Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, 2003<\/strong><\/p><p><strong>Neu rezensiert von Peter Becker<\/strong><\/p><p>Das zeitgleich in New York und Deutschland verlegte Buch ist wohl &auml;hnlich wichtig wie Brzezi&#324;skis <em>Die einzige Weltmacht<\/em> (1997). Robert Kagan ist einer der Chefideologen des <em>Project for the New American Century<\/em> (PNAC), das er 1997 zusammen mit Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Richard Perle, John Bolton u.a. gr&uuml;ndete. Man muss sich das Manifest des PNAC ansehen (Wikipedia), empfehlenswert ist die englische Version: Es ist die Proklamation einer US-Weltherrschaft, gest&uuml;tzt auf milit&auml;rische Macht. Der Irak-Krieg wird angek&uuml;ndigt. Geradezu herbeigefleht wird ein gro&szlig;es Ereignis wie Pearl Harbor, von dem sich der PNAC einen Aufbruch verspricht. Viele sehen darin eine Vorwegnahme von 9\/11. <\/p><p>Kagans B&uuml;chlein (121 Seiten, dazu 72 Fu&szlig;noten) ist wegen seiner klaren (der Journalist Leon Wieseltier nennt sie &bdquo;<em>brillanten<\/em>&ldquo;) Darstellung sehr, sehr aufschlussreich. Man erkennt damit die Grundlinien hegemonialen amerikanischen Denkens, das Republikaner und Demokraten bis heute eint (siehe Madeleine Albright und Hillary Clinton). Deswegen muss man sich mit Kagan besch&auml;ftigen; erneut und &ndash; angesichts der Umsetzung der Strategie in die amerikanische Praxis &ndash; immer wieder. Er ist der Ehemann von Victoria Nuland, US-Diplomatin in Br&uuml;ssel (&bdquo;<em>Fuck the EU<\/em>&ldquo;). <\/p><p><strong>Kant (Europa) contra Hobbes (USA)<\/strong><\/p><p>Schon auf der ersten Seite beschreibt Kagan seine grunds&auml;tzliche Einsch&auml;tzung des Verh&auml;ltnisses von Europa und den USA, die im Buch an zahlreichen Stellen wiederholt und illustriert wird: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Europa wendet sich ab von der Macht, oder es bewegt sich, anders gesagt, &uuml;ber diese hinaus. Es betritt eine in sich geschlossene Welt von Gesetzen und Regeln, transnationalen Verhandlungen und internationale Kooperation, ein posthistorisches Paradies von Frieden und relativem Wohlstand, das der Verwirklichung von Kants &sbquo;Ewigem Frieden&lsquo; gleichkommt. Dagegen bleiben die Vereinigten Staaten der Geschichte verhaftet und &uuml;ben Macht in einer anarchischen hobbes&rsquo;schen Welt aus, in der auf internationale Regelungen und V&ouml;lkerrecht kein Verlass ist und in der wahre Sicherheit sowie die Verteidigung und F&ouml;rderung einer freiheitlichen Ordnung nach wie vor von Besitz und Einsatz milit&auml;rischer Macht abh&auml;ngen. Aus diesem Grund entwickeln sich Amerikaner und Europ&auml;er in zentralen strategischen Fragen heute immer weiter auseinander.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Amerika und Europa h&auml;tten keine gemeinsame &bdquo;<em>strategische Kultur<\/em>&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Amerikaner als internationaler Sheriff<\/strong><\/p><p>Viele Europ&auml;er zeichneten von den USA ein &bdquo;Zerrbild&ldquo;: Sie seien von einer &bdquo;Kultur des Todes&ldquo; beherrscht und ihr bellizistisches Temperament sei die nat&uuml;rliche Folge einer durch und durch gewaltbestimmten Gesellschaft, in der jedermann eine Waffe tr&auml;gt und die Todesstrafe herrscht (S. 8). Aber Kagan best&auml;tigt diese Sicht: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Amerikaner sind &sbquo;Cowboys&lsquo;, wie die Europ&auml;er gerne sagen. Und daran ist etwas Wahres. Die Vereinigten Staaten agieren als ein vielleicht selbsternannter, aber dennoch weitgehend mit offenen Armen begr&uuml;&szlig;ter internationaler &sbquo;Sheriff&lsquo;, der sich darum bem&uuml;ht, in einer in seinen Augen gesetzeslosen Welt, in der Verbrecher oftmals mit Waffengewalt abgeschreckt oder ausgeschaltet werden m&uuml;ssen, ein gewisses Ma&szlig; an Frieden und Gerechtigkeit durchzusetzen&ldquo; (S. 43).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Triebkraft: Antikommunismus<\/strong><\/p><p>Eine zentrale Triebkraft ist der Antikommunismus, der das amerikanische Denken seit McCarthy beherrscht. W&auml;hrend des Kalten Krieges, <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;und besonders in den Jahren, die von republikanischen Pr&auml;sidenten gepr&auml;gt waren &ndash; von Nixon bis Reagan &ndash;, hatte die alles &uuml;berragende Strategie des Antikommunismus solche engen nationalistischen Regungen und Souver&auml;nit&auml;tsvorbehalte weit &uuml;berwogen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es gibt offenbar ein grundlegendes strategisches Dokument, n&auml;mlich das &sbquo;Lange Telegramm&lsquo; von George F. Kennan. Es habe die vorherrschende Sicht der strategischen Kultur Amerikas nach dem Krieg unmissverst&auml;ndlich dargelegt. Die Sowjetunion sei &bdquo;<em>taub f&uuml;r die Logik der Vernunft<\/em>&ldquo;, so Kennan, aber sie reagiere sehr empfindlich &bdquo;<em>auf die Logik der St&auml;rke<\/em>&ldquo;. Sie verst&uuml;nde, so Clark Clifford, nur die &bdquo;<em>Sprache der milit&auml;rischen St&auml;rke<\/em>&ldquo; (S. 105). <\/p><p><strong>Die au&szlig;enpolitisch-milit&auml;rische Allianz von Republikanern und Demokraten<\/strong><\/p><p>Nur ein <em>&bdquo;kleiner Teil der amerikanischen Elite sehne sich immer noch nach einer friedlichen Weltregierung&ldquo;<\/em>. F&uuml;r die Aus&uuml;bung milit&auml;rischer Macht seien hingegen <em>&bdquo;Amerikaner von Madeleine Albright bis Donald Rumsfeld, von Brent Scowcroft bis Anthony Lake&ldquo;<\/em> (S. 107). <\/p><p><strong>9\/11<\/strong><\/p><p>9\/11 habe den Kurs der weltweiten Demonstration von St&auml;rke nicht grundlegend ver&auml;ndert. Die USA h&auml;tten ihren Kurs &bdquo;<em>nur modifiziert und das Tempo erh&ouml;ht<\/em>&ldquo;. 9\/11 wird als neuer historischer Markstein gesehen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;F&uuml;r j&uuml;ngere Generationen von Amerikanern, die sich nicht an M&uuml;nchen oder Pearl Harbor erinnern, gibt es jetzt den 11. September&ldquo; (S. 107).\n<\/p><\/blockquote><p>Und es scheint einen auff&auml;lligen Zusammenhang zu geben: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als die Bush-Administration im September 2001 ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie ver&ouml;ffentlichte, reagierten viele Europ&auml;er und auch manche Amerikaner sprachlos auf den Ehrgeiz der amerikanischen Strategie. Die neue Strategie galt als eine Reaktion auf den 11. September&ldquo; (S.109).\n<\/p><\/blockquote><p>Aber es habe sich nicht um eine &bdquo;<em>neue Strategie<\/em>&ldquo; gehandelt. Vielmehr sei es nur &bdquo;<em>eine Neuformulierung alter Leitlinien der amerikanischen Politik, von denen viele 50 Jahre zur&uuml;ckreichten<\/em>&ldquo; (S. 110). Die Vereinigten Staaten seien eben die &bdquo;<em>unverzichtbare Nation<\/em>&ldquo;, in einer Weltordnung, &bdquo;<em>in deren Zentrum die USA stehen<\/em>&ldquo;. Die Amerikaner k&ouml;nnten sich auch keine Weltordnung vorstellen, &bdquo;<em>die nicht mit milit&auml;rischer Macht verteidigt wird<\/em>&ldquo; (S. 110). <\/p><p>So wie Pearl Harbor &bdquo;<em>zu einem dauerhaften amerikanischen Engagement in Ostasien und Europa f&uuml;hrte<\/em>&ldquo;, so w&uuml;rde 9\/11 &bdquo;<em>wahrscheinliche eine dauerhafte amerikanische Milit&auml;rpr&auml;senz am Persischen Golf und in Zentralasien sowie eine langj&auml;hrige Besetzung eines der gr&ouml;&szlig;ten L&auml;nder der arabischen Welt nach sich ziehen<\/em>&ldquo; (S. 112).<\/p><p><strong>Die schwachen Europ&auml;er<\/strong><\/p><p>Europa sei schwach, lehne es aber ab, viel Steuergeld in den Aufbau eines &bdquo;<em>schlagkr&auml;ftigen milit&auml;rischen europ&auml;ischen Milit&auml;rpotenzials<\/em>&ldquo; zu investieren. Also w&uuml;rden die Europ&auml;er auch gerne &bdquo;<em>den Schutz in Anspruch nehmen, den der US-Nuklearschirm bot<\/em>&ldquo; (S. 23). Daher m&uuml;ssten die Amerikaner Schutz bieten, &bdquo;<em>selbstverst&auml;ndlich unter NATO-Befehl, um die sowjetischen Armeen auf europ&auml;ischem Boden aufzuhalten [&hellip;] wobei die Europ&auml;er, nicht die Amerikaner, die gr&ouml;&szlig;ten Verluste tragen sollten<\/em>&ldquo; (S. 23). <\/p><p>In dieser Schw&auml;che liege der eigentliche Grund daf&uuml;r, dass sich die Europ&auml;er f&uuml;r das V&ouml;lkerrecht einsetzten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da die Europ&auml;er nicht in der Lage sind, entweder einzeln oder gemeinsam als &sbquo;Europa&lsquo; einseitige milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen durchzuf&uuml;hren, ist es nur nat&uuml;rlich, dass sie anderen nicht erlauben wollen, was sie selbst nicht k&ouml;nnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Zum Rang der NATO<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Kagan ist die NATO der eigentliche Inbegriff der Weltordnung. W&auml;hrend die Europ&auml;er die Institutionen EU und Vereinte Nationen &bdquo;<em>hoch sch&auml;tzten<\/em>&ldquo;, seien f&uuml;r die Amerikaner nicht die UN &bdquo;<em>der Westen<\/em>&ldquo; und erst recht nicht die EU. Nur die NATO sei &bdquo;<em>der Westen<\/em>&ldquo;, und sehr kritisch betrachtet Kagan die europ&auml;ischen Bem&uuml;hungen, eine Alternative zur NATO aufzubauen (S. 99).<\/p><p><strong>Der Jugoslawien-Krieg<\/strong><\/p><p>In der Abwehr dieser Gefahr sieht Kagan den wesentlichen Grund f&uuml;r den Jugoslawien-Krieg: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;F&uuml;r die Vereinigten Staaten war die Wahrung des Zusammenhalts und der Existenzf&auml;higkeit des B&uuml;ndnisses nicht blo&szlig; ein Mittel zu einem Zweck im Kosovo: Sie geh&ouml;rte zu den Hauptzielen der amerikanischen Intervention, so wie die Erhaltung der Allianz ein Hauptmotiv der fr&uuml;heren Intervention der USA in Bosnien gewesen war und so wie der Zusammenhalt des B&uuml;ndnisses ein Hauptziel der amerikanischen Strategie w&auml;hrend des Kalten Krieges gewesen war&ldquo; (S. 58).\n<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r die amerikanischen Vertreter &bdquo;der realistischen Schule&ldquo; h&auml;tten auf dem Balkan keine &bdquo;nationalen Interessen&ldquo; auf dem Spiel gestanden (S. 59). Vielmehr sei es darum gegangen, der milit&auml;risch versagenden EU die amerikanische St&auml;rke zu demonstrieren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der Kriegf&uuml;hrung spiegelte sich das gravierende transatlantische Ungleichgewicht wider: Die USA flogen die meisten Eins&auml;tze, fast alle Pr&auml;zisionswaffen, die in Serbien und Kosovo eingesetzt wurden, stammten aus Amerika [&hellip;] 99 Prozent aller anvisierten Ziele [stammten] von amerikanischen Nachrichtendiensten&ldquo; (S. 55).\n<\/p><\/blockquote><p>Die amerikanische Dominanz bei der Kriegf&uuml;hrung habe die Europ&auml;er irritiert und dem europ&auml;ischen Selbstwertgef&uuml;hl einen empfindlichen Schlag verpasst. Der Krieg habe &bdquo;<em>die Ohnmacht der europ&auml;ischen Streitkr&auml;fte<\/em>&ldquo; schlaglichtartig verdeutlicht.<\/p><p>Den europ&auml;ischen Bem&uuml;hungen, den Krieg noch abzubiegen, h&auml;tten die USA erfolgreich widerstanden. Diese Bem&uuml;hungen &bdquo;<em>h&auml;tten die Kriegsf&uuml;hrung beeintr&auml;chtigt und ihren erfolgreichen Abschluss hinausgez&ouml;gert<\/em>&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ob die Europ&auml;er 1999 Belgrad bombardiert h&auml;tten, wenn die Amerikaner sie nicht zum Handeln gezwungen h&auml;tten, ist eine interessante Frage&ldquo; (S. 11).\n<\/p><\/blockquote><p>Viele europ&auml;ische Staaten h&auml;tten milit&auml;rische Schl&auml;ge ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrates nicht androhen wollen. Das habe der amerikanische NATO-Oberbefehlshaber, General Wesley Clark, abgelehnt, in typisch amerikanischer Manier als &bdquo;<em>juristische Bedenkentr&auml;gerei<\/em>&ldquo; Europas (S. 57).<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Das Be&auml;ngstigende beim Lesen dieses Buches ist nicht so sehr die &ndash; allerdings unvergleichlich offene, ja arrogante und zynische &ndash; Darlegung des amerikanischen Selbstverst&auml;ndnisses. Das kannten wir irgendwie schon. Das Be&auml;ngstigende ist, dass diese Haltung von einigen Europ&auml;ern nicht nur nicht abgelehnt, sondern &ndash; vor allem von konservativen Medien wie der FAZ &ndash; gefeiert wird. Und es gibt ein interessantes strategisches Dokument, das zeigt, wie die amerikanische Weltsicht auch das deutsche sicherheitspolitische Denken pr&auml;gt. Das ist die Studie <a href=\"http:\/\/www.swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/projekt_papiere\/DeutAussenSicherhpol_SWP_GMF_2013.pdf\"><em>Neue Macht. Neue Verantwortung<\/em><\/a>, die gemeinsam von der SWP und dem German Marshall Fund of the United States erstellt wurde. <\/p><p>Die Studie ist ein Manifest der Sicherheitslogik (im Gegensatz zur Friedenslogik), bekennt sich aber immerhin zum Multilateralismus und zum V&ouml;lkerrecht. Interessant ist aber der <\/p><p><strong>Dissens: Anwendung milit&auml;rischer Gewalt ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats?<\/strong> (S. 41).<\/p><p>Deutschland bekenne sich dazu, dass kein Einsatz ohne Sicherheitsratsmandat zul&auml;ssig sei. Das ist offenbar das Verst&auml;ndnis der SWP. Der GMF ist hingegen daf&uuml;r, dass sogenannte &bdquo;<em>humanit&auml;re Interventionen ohne Erlaubnis des VN-Sicherheitsrats gestattet sein<\/em>&ldquo; sollen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bei dieser Frage blieben die Positionen innerhalb des Projekts unvereinbar&ldquo; (S. 41).\n<\/p><\/blockquote><p>Die Studie wurde vom Planungsstab des Ausw&auml;rtigen Amtes gef&ouml;rdert. Interessant ist die Teilnehmerliste am Ende. <a href=\"http:\/\/norman-paech.de\/verschiedenes\/\">Norman Paech hat das Papier kommentiert<\/a>.<\/p><p><em>[Robert Kagan, Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, Siedler Verlag, Berlin 2003, 128 Seiten, ISBN 3-88680-7940, neu 16,00 EUR, gebraucht ab 0,79 EUR]<\/em><\/p><p><em>Dr. Peter Becker<\/em><\/p><p><em>Co-Pr&auml;sident der International Association of Lawyers (IALANA)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch mit dem Titel &bdquo;Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung&ldquo; erschien 2003, ist also vergleichsweise alt. Aber es ist hochaktuell. Deshalb ein gro&szlig;es Dankesch&ouml;n an Peter Becker, dem Co-Pr&auml;sidenten der IALANA, der das Buch des Ehemanns der f&uuml;r Europa und Asien im State Department zust&auml;ndigen Frau Nuland rezensiert hat. Siehe<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28148\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171,208],"tags":[1194,1426,462,466,639,1556],"class_list":["post-28148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-rezensionen","tag-1194","tag-hegemonie","tag-jugoslawien","tag-nato","tag-uno","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28148"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48574,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28148\/revisions\/48574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}