{"id":28221,"date":"2015-11-04T13:10:21","date_gmt":"2015-11-04T12:10:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28221"},"modified":"2015-11-06T09:41:52","modified_gmt":"2015-11-06T08:41:52","slug":"hausgemachte-wohnungsnot-wo-der-markt-versagt-muss-der-staat-eingreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28221","title":{"rendered":"Hausgemachte Wohnungsnot \u2013 wo der Markt versagt, muss der Staat eingreifen!"},"content":{"rendered":"<p>Die Wohnungssituation im Land ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass die unsichtbare Hand des Marktes keine hinreichenden Antworten auf elementare Fragen gibt. W&auml;hrend in den boomenden Metropolregionen bezahlbarer Wohnraum ein &auml;u&szlig;erst knappes Gut ist, regiert in der Fl&auml;che ein bedrohlicher Leerstand. Die Fl&uuml;chtlingssituation droht dieses Missverh&auml;ltnis noch zus&auml;tzlich zu steigern. Dabei ist die Lage keinesfalls hoffnungslos. Die politisch gewollte Misere des Sozialen Wohnungsbaus ist bekannt und der Staat k&ouml;nnte hier ohne Probleme gegensteuern &hellip; dumm nur, dass die Politik dies gar nicht will, sondern wieder einmal marktkonforme L&ouml;sungen f&uuml;r Probleme sucht, die der Markt nun einmal nicht l&ouml;sen kann. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-28221-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=28221-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151105_Hausgemachte_Wohnungsnot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als bekennendes &bdquo;Landei&ldquo; muss ich immer wieder schlucken, wenn ich mitbekomme, welche Mieten und Immobilienpreise in den begehrten Metropolregionen verlangt und auch bezahlt werden. Dabei finden sich vor allem in den strukturschwachen Regionen doch zuhauf wirklich gute Wohnangebote zu einem mehr als erschwinglichen Preis. Nur was nutzt die preiswerteste und sch&ouml;nste Wohnung, wenn es in der Umgebung keine ad&auml;quaten Jobs gibt? Die teils groteske Verzerrung zwischen dem l&auml;ndlichen und st&auml;dtischen Wohnungsmarkt ist vor allem eine Folge des Strukturwandels. Mit der Globalisierung, dem technischen Fortschritt und der Konzentration im wirtschaftlichen Bereich verschwanden und verschwinden nun einmal viele Jobs in der Fl&auml;che und neue entstehen in den Metropolen. Die Fl&auml;che schrumpft, die Metropolregionen wachsen. Wenn wir &uuml;ber Migration sprechen, dann geht es keinesfalls nur um die grenz&uuml;bergreifende Migration. Hauptverantwortlich f&uuml;r die Schieflage am deutschen Wohnungsmarkt ist vielmehr die andauernde Binnenmigration, die vor allem die j&uuml;ngere Generation betrifft.<\/p><p>Der Markt &bdquo;l&ouml;st&ldquo; dieses Problem auf seine Weise, ganz simpel &uuml;ber Angebot und Nachfrage. Dort wo die Nachfrage gr&ouml;&szlig;er ist als das Angebot steigen die Mieten, auf dem Land fallen sie teils ins Bodenlose. &Ouml;konomen sprechen hier von einer Allokation der G&uuml;ter &uuml;ber Marktmechanismen, die am Ende einzig und allein &uuml;ber die pers&ouml;nliche Kaufkraft und Zahlungsbereitschaft ausgefochten wird. Da nun einmal mehr Menschen in Berlin Kreuzberg, M&uuml;nchen Giesing oder im Hamburger Schanzenviertel wohnen wollen, als es dort Wohnraum gibt, erh&auml;lt im freien Wohnungsmarkt der finanziell potenteste Mietinteressent den Zuschlag. Und dabei geht es nat&uuml;rlich nicht nur um &bdquo;coole&ldquo; Viertel, in die es die &bdquo;Hipster&ldquo; zieht. Meist geht es schlicht und einfach darum, eine Wohnung zu finden, die nicht all zu weit vom Arbeitsplatz entfernt ist. Und da es die Unternehmen nun einmal mehr und mehr in die Metropolregionen zieht, zieht es die Menschen auch direkt oder indirekt in die St&auml;dte und die Mieten explodieren. Im anderen Extrem k&ouml;nnen viele Vermieter in strukturschwachen Regionen noch nicht einmal eine Miete realisieren, die ausreicht, um die f&uuml;r den Erhalt n&ouml;tigen Investitionen vorzunehmen. Auf der einen Seite wird gentrifiziert, auf der anderen Seite ver&ouml;den und verfallen St&auml;dte und d&ouml;rfliche Strukturen. So funktionieren nun einmal M&auml;rkte und auch der Wohnungsmarkt z&auml;hlt dazu.<\/p><p>Einen leicht abfedernden Faktor hatte bislang die eher m&auml;&szlig;ige demographische Entwicklung. Durch die aktuellen Fl&uuml;chtlingszahlen ist dieses Korrektiv jedoch weggefallen. Um die Erstunterbringung von Fl&uuml;chtlingen ist dabei bereits eine &ndash; vor allem in den Regionen &ndash; lebhafte Debatte entstanden, die jedoch nicht sonderlich zielf&uuml;hrend ist. Nat&uuml;rlich ist es ungemein wichtig, dass die Kommunen quantitativ und qualitativ ausreichend Raum f&uuml;r Erstunterbringungen zur Verf&uuml;gung stellen. Der Winter steht vor der T&uuml;r und Zeltst&auml;dte sind auch zu warmen Jahreszeiten einfach keine menschenw&uuml;rdige Unterbringung. Struktur- und wohnungspolitisch ist diese konkrete Frage jedoch zweitrangig. Die Erstunterk&uuml;nfte sind, wie der Name ja schon sagt, schlie&szlig;lich keine Dauerwohnpl&auml;tze. Sind die Fl&uuml;chtlinge n&auml;mlich erst einmal anerkannt, haben sie nat&uuml;rlich die freie Wahl, wo sie leben m&ouml;chten. Und da der Wohnort nun einmal in der Regel unmittelbar auch &ouml;rtlich an den Arbeitsplatz gekoppelt ist, ist zu erwarten, dass es einen gro&szlig;en Teil unserer neuen Mitb&uuml;rger in die strukturstarken Regionen zieht, in denen sie Arbeit finden. Der Leerstand in der Fl&auml;che wird dadurch kaum gemildert, die Wohnungsnot in den Metropolen wird sich jedoch weiter versch&auml;rfen.<\/p><p>Es w&auml;re jedoch falsch, nun zu subsummieren, dass wir mehr Wohnungen f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge br&auml;uchten. Was uns vielmehr fehlt, ist generell bezahlbarer Wohnraum &ndash; egal ob es sich um Wohnraum f&uuml;r Neu- oder Altb&uuml;rger handelt. Die Fl&uuml;chtlingssituation ist nicht urs&auml;chlich f&uuml;r das Wohnraumproblem verantwortlich, sie versch&auml;rft vielmehr ein altbekanntes und von der Politik weitgehend ignoriertes Problem. Ginge es nach der Politik, w&uuml;rde der Markt das Wohnraumproblem durch seine unsichtbare Hand regeln. Das tut er aber nicht. Wer privat neuen Wohnraum schafft, will daf&uuml;r in der Regel auch eine gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Rendite verwirklichen. Daher sind die Mietpreise in Neubauten und bei einem Neubezug einer sanierten Altbauwohnung in der Regel auch so hoch, dass sie gerade eben nicht f&uuml;r Geringverdiener bezahlbar sind. Und ein gro&szlig;er Teil der heutigen Fl&uuml;chtlinge wird nun einmal zu den Geringverdienern von morgen geh&ouml;ren. Die Folgen sind absehbar. W&auml;hrend sich die etablierten und gut verdienenden Altb&uuml;rger um den viel zu teuren neuen Wohnraum gegenseitig ausbieten, wird der Kampf um bezahlbaren Wohnraum zwischen den schlecht verdienenden Altb&uuml;rgern und den Neub&uuml;rgern an H&auml;rte zunehmen. Politisch ist dies nat&uuml;rlich fatal, da getreu dem Prinzip &bdquo;teile und herrsche&ldquo; so zwei schwache Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und die Fl&uuml;chtlinge f&uuml;r eine Situation verantwortlich gemacht werden, f&uuml;r die sie am allerwenigsten etwas k&ouml;nnen.<\/p><p>Gibt es Alternativen? Ja und das sogar zu Hauf! Unser Nachbarland &Ouml;sterreich macht uns dabei vor, wie man den Spagat zwischen Markt und Staat hinbekommen kann und einen Sozialen Wohnungsbau verwirklicht, der diesen Namen auch verdient. Wenn in Deutschland &uuml;ber Sozialen Wohnungsbau gesprochen wird, dann schwingt dabei stets ein geh&ouml;riges Ma&szlig; an Marktkonformit&auml;t mit. Am Besten findet sich ein privater Bauherr, der mit staatlich subventionierten Krediten in Eigenregie ein Wohnprojekt baut, das dann f&uuml;r einen bestimmten Zeitraum (meist 15 bis 30 Jahre) eine Mietpreisbindung hat. Problematisch sind hier vor allem die preislichen Anreizstrukturen: Da der Besitzer seine Kosten (also auch Bau- und Kreditkosten) auf die Miete umlegen kann, hat er keinen direkten Anreiz, m&ouml;glichst preiswert zu bauen. Am Ende gewinnt hierbei vor allem die Bank, da sie ihre Kreditzinsen indirekt &uuml;ber die staatlich subventionierte Kostenmiete bezahlt bekommt. Da auch die Baukosten umlagef&auml;hig sind, gibt es zudem keinen echten Anreiz, m&ouml;glichst preiswert zu bauen. Im Ergebnis sind Wohnungen aus dem deutschen Sozialen Wohnungsbau oft viel zu teuer, was sich vor allem nach dem Wegfall des Sozialbindung auf die Mietpreise niederschl&auml;gt. In &Ouml;sterreich setzt man vereinfacht gesagt die staatlichen Zusch&uuml;sse direkt zur Baufinanzierung ein, verzichtet dabei auf teure Bankkredite und stellt die Projekte dann auch noch unter eine Gemeinn&uuml;tzigkeit. Die Wohnobjekte tragen sich also dank der niedrigen Kosten und dem Verzicht auf eine angestrebte Kapitalrendite selbst und daher kann auch die Miete viel geringer ausfallen. Ein <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5079802\/\">aktuelles Beispiel aus Salzburg zeigt beispielsweise<\/a>, dass es sehr wohl m&ouml;glich ist, einen vergleichsweise komfortablen Neubau zu projektieren, bei dem die Nettokaltmiete bei weniger als f&uuml;nf Euro pro Quadratmeter liegt. Davon kann man in Deutschland auch abseits der Metropolen nur tr&auml;umen.<\/p><p>Diese oder &auml;hnliche Modelle w&auml;ren nat&uuml;rlich auch in Deutschland realisierbar. Eine eierlegende Wollmilchsau ist der Soziale Wohnungsbau aber nat&uuml;rlich nicht. Er kann nicht alle Wohnraumprobleme l&ouml;sen, wohl aber einige Probleme entsch&auml;rfen und das w&auml;re doch schon mal ein gro&szlig;er Erfolg. Um dies zu verwirklichen, m&uuml;sste die deutsche Politik sich jedoch von ihrer unbedingten Marktkonformit&auml;t verabschieden und sich eingestehen, dass &bdquo;wir&ldquo; so manches nur dann schaffen, wenn &bdquo;wir&ldquo; es auch als Gemeinschaft in die Hand nehmen und nicht alles und jenes dem Streben nach Rendite unterordnen.<\/p><p>Einfache Antworten kann es auf diese komplexen Probleme nicht geben. Wahrscheinlich w&auml;re es ohnehin am sinnvollsten, die Wohnraumprobleme langfristig nicht direkt, sondern indirekt zu l&ouml;sen. Und zwar nicht &uuml;ber einen Eingriff in den Wohnungsmarkt, sondern &uuml;ber eine Steuerung der Nachfrage nach Wohnraum. Langfristig l&auml;sst sich die Abwanderung vom Land in die Stadt nur dadurch l&ouml;sen, indem man auch auf dem Land qualifizierte Arbeitspl&auml;tze zur Verf&uuml;gung stellt. Aber dies ist ein weiteres Thema, bei dem es einen Interessenkonflikt zwischen dem Markt und dem Allgemeinwohl gibt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/3b41dc16492a495292c9bad9a19776d7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wohnungssituation im Land ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass die unsichtbare Hand des Marktes keine hinreichenden Antworten auf elementare Fragen gibt. W&auml;hrend in den boomenden Metropolregionen bezahlbarer Wohnraum ein &auml;u&szlig;erst knappes Gut ist, regiert in der Fl&auml;che ein bedrohlicher Leerstand. Die Fl&uuml;chtlingssituation droht dieses Missverh&auml;ltnis noch zus&auml;tzlich zu steigern. 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