{"id":2824,"date":"2007-12-10T10:48:17","date_gmt":"2007-12-10T09:48:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2824"},"modified":"2015-12-09T13:24:50","modified_gmt":"2015-12-09T12:24:50","slug":"auszug-aus-machtwahn-zur-richtigen-wirtschaftspolitik-einschliesslich-eines-fiktiven-kanzleramtspapiers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2824","title":{"rendered":"Auszug aus \u201eMachtwahn\u201c zur richtigen Wirtschaftspolitik einschlie\u00dflich eines fiktiven Kanzleramtspapiers"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist ein einschl&auml;giger Text aus &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet&ldquo;. Dieser Text enth&auml;lt auch ein fiktives Kanzleramtspapier, das ich im Blick auf die Koalitionsverhandlungen vom September 2005 und die damalige Entscheidung zur Mehrwertsteuererh&ouml;hung um drei Punkte geschrieben habe einschlie&szlig;lich eines &bdquo;10-Punkte-Programms zur Kurskorrektur in der Wirtschaftspolitik&ldquo;. Die Bundesregierung hat jede notwendige Kurskorrektur nicht konsequent vollzogen. Siehe im Kontext auch den heutigen Beitrag &bdquo;Wir sind einfach schlecht regiert&ldquo;. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Text aus &bdquo;Machtwahn&ldquo; Seite 22 ff, erschienen im M&auml;rz 2006:<\/strong><\/p><p>&bdquo;In derselben Zeit haben unsere Partner in der Welt und in &shy;Europa eine andere Politik verfolgt. Keines der erfolgreicheren L&auml;nder, weder die USA noch Gro&szlig;britannien noch Schweden, &shy;haben es bei Reformen belassen. Jedes dieser L&auml;nder hat noch in den neunziger Jahren und bis ins erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hinein die wirtschaftliche Stagnation immer nur mit einer Kombination von sogenannten angebots&ouml;konomischen Ma&szlig;nahmen einerseits und einer expansiven Nachfragebeschleunigung andererseits &uuml;berwunden. Diese L&auml;nder haben auch zun&auml;chst jeweils eine sehr viel h&ouml;here Neuverschuldung hingenommen, als bei uns &uuml;blich: In Gro&szlig;britannien wurde 1992 und 1993 eine Neuverschuldung von 6,5 Prozent (1992) beziehungsweise fast 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geplant hingenommen, in Schweden betrug sie 1993 11,4 Prozent und 1994 9,3 Prozent, in den USA 1992 5,8 Prozent und 1993 5,0 Prozent. Kein Land hat eine tiefe Rezession &uuml;berwunden, ohne vor&uuml;bergehend kreditfinanzierte Wachstumsprogramme aufzulegen. Kein Land hat seine Schulden ohne Wachstum abgebaut.<br>\nDer amerikanische Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r Wirtschaft, Robert &shy;Solow, hat sich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche vom 9. September 2004 vornehm zur&uuml;ckhaltend &uuml;ber die deutschen &Ouml;konomen und Politiker ge&auml;u&szlig;ert, auch dazu, worauf es in unserem Land heute ankomme:<\/p><blockquote><p>Die deutsche Wirtschaft schw&auml;chelt nun schon seit einer Dekade. Wenn ich ein Manager w&auml;re, w&uuml;rde ich meine Produktion auch nicht ausweiten, solange die M&auml;rkte nicht erkennbar expandieren.<\/p><\/blockquote><p>An dieser klaren Erkenntnis gehe man in Deutschland jedoch st&auml;ndig vorbei, und zwar partei&uuml;bergreifend und angefeuert von einer &ouml;konomischen Wissenschaft und Publizistik, &uuml;ber die Solow sagte: &raquo;Klar, Makropolitik&laquo; &ndash; also die Politik zur Ankurbelung oder D&auml;mpfung einer Konjunktur &ndash; &raquo;beherrscht vermutlich niemand perfekt. Aber mir scheint offensichtlich: In Deutschland k&ouml;nnte man sie wesentlich besser machen&laquo;.<br>\nUnd Jim O&rsquo;Neill, der Chef&ouml;konom der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, riet in einem Interview mit der Zeit vom August 2004 dazu, die Binnenkonjunktur in Deutschland massiv anzuschieben und nichts zu tun, was diese Eigendynamik behindern k&ouml;nnte. Das sei schon wegen der immer gegebenen Gefahr eines Dollar-Einbruchs, die aufgrund des extrem hohen und weiter steigenden Leistungsbilanzdefizits der USA noch zunehme, und wegen des daraus dann vermutlich folgenden Exporteinbruchs dringend geboten. Der National&ouml;konom berichtete, dass seine deutschen Fachkollegen bei Konferenzen dar&uuml;ber diskutierten, es m&uuml;ssten in Deutschland die Steuern gesenkt werden, womit er grunds&auml;tzlich keine Probleme habe; aber dann stellte sich heraus, dass sie die Unternehmenssteuern senken und die Mehrwertsteuer erh&ouml;hen wollten. Das fand er absurd und sagte deshalb in dem Interview deutlich:<\/p><blockquote><p>Weil die Reichen von ihren Einkommen relativ weniger f&uuml;r Konsum ausgeben als die Armen, muss die Fiskalpolitik bei den unteren Einkommensgruppen ansetzen. Dieser Aspekt wird von vielen deutschen &Ouml;konomen und Politikern vernachl&auml;ssigt.<\/p><\/blockquote><p>In Deutschland jedoch verhallte der Rat dieser Experten ungeh&ouml;rt, und auch die OECD-Daten schien niemand zur Kenntnis zu nehmen.<br>\nWo waren da eigentlich die Spitzen der Ministerialb&uuml;rokratie? So k&ouml;nnte man als B&uuml;rger mit Recht fragen. Wir bezahlen Staatssekret&auml;re, Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter, Referatsleiter, Pressereferenten und Ghostwriter &ndash; wozu haben sie geraten, als das Scheitern der Reformen offenbar wurde? Wo waren sie in all den Jahren des Niedergangs unserer &Ouml;konomie? Die Fragen sind berechtigt. Die Eliten in den einschl&auml;gigen Ministerien m&uuml;ssten den politisch Verantwortlichen zumindest vern&uuml;nftige Ratschl&auml;ge geben.<\/p><p>Wenn der Bundeswirtschaftsminister der ersten gro&szlig;en Koalition, Professor Karl Schiller, ein Problem zu beraten hatte, wenn er zum Beispiel im M&auml;rz 1969 wissen wollte, ob er dem Bundeskabinett die Aufwertung der D-Mark vorschlagen sollte, dann konnte er &ndash; selbst Professor der National&ouml;konomie &ndash; allein in seinem K&uuml;chenkabinett neun (!) ausgebildete National&ouml;konomen zusammenholen, und zwar solche mit eigenen und durchaus divergierenden Meinungen. Wenn Bundeskanzler Helmut Schmidt, ebenfalls ein Volkswirt, sich eine Meinung zu einem &ouml;konomischen Problem bilden wollte, dann verf&uuml;gte auch er &uuml;ber einen vielf&auml;ltigen Kreis von makro&ouml;konomisch versierten Volkswirten &ndash; vom Chef des Bundeskanzleramts &uuml;ber die Leiter der Wirtschaftsabteilung und der Planungsabteilung und ihre Mitarbeiter\/-innen bis zum stellvertretenden Regierungssprecher.<\/p><p>Und heute? Als Bundeskanzler Schr&ouml;der im Lauf des Fr&uuml;hjahrs 2005 feststellte, dass seine Reformagenda der Wirtschaft nicht auf die Beine half und gescheitert war, da standen ihm als Ratgeber er selbst (ein Jurist), der Chef des Bundeskanzleramts Frank-Walter Steinmeier (ein Jurist) und der Leiter der Wirtschaftsabteilung Thomas Mirow (ein promovierter Politologe, Sozialwissenschaftler und Romanist) zur Seite.<\/p><p>Im Wirtschaftsministerium sa&szlig; zur gleichen Zeit der Jurist und Journalist Wolfgang Clement mit einem Staatssekret&auml;r, der Diplom-Ingenieur und Verwaltungswissenschaftler gelernt hatte, und einem weiteren, dem &Ouml;konom Bernd Pfaffenbach. Dieser &shy;jedoch ist dem herrschenden Hauptstrom der Meinungen schon seit Helmut Kohls Zeiten verpflichtet und geh&ouml;rt zu einer Gruppe von strammen Ideologen (siehe dazu die Bemerkungen zu den deutschen &raquo;Chicago Boys&laquo; auf S. 53 f.).<br>\nDer Dritte im Bund der f&uuml;r die Wirtschafts- und Finanzpolitik Verantwortlichen, der Finanzminister und Lehrer Hans Eichel, hatte in seinem Haus f&uuml;r &ouml;konomische Ausd&uuml;nnung und Gleichrichtung gesorgt. Die makro&ouml;konomisch versierten Mitarbeiter seines Vorg&auml;ngers Oskar Lafontaine, die Staatssekret&auml;re Heiner Flassbeck und Claus No&eacute; sowie zwei Abteilungsleiter &auml;hnlicher Denkungsart, waren in die W&uuml;ste geschickt beziehungsweise kalt&shy;gestellt worden.<br>\nSo ist es wirklich kein Wunder, dass unter Deutschlands Mini&shy;sterialeliten Gegengewichte zur herrschenden Lehre nicht mehr sichtbar und schon gar nicht mehr wirksam wurden und werden. An den Spitzen fehlt die notwendige wissenschaftliche Pluralit&auml;t.<\/p><p>Dass dies so gekommen ist, liegt nun nicht daran, dass prinzi&shy;piell die Zeiten fr&uuml;her allesamt besser gewesen w&auml;ren als heute. Es liegt an der mangelnden Ausbildung und Einsicht der han&shy;delnden Personen und an der Tendenz zu Gleichschaltung und &shy;Intoleranz. (Zur mangelnden Toleranz der herrschenden Ideologie siehe auch S. 209 f.) Au&szlig;er der herrschenden Lehre wird nichts anderes geduldet. Das ist neben dem Mangel an fachlicher Vielfalt das eigentliche Problem. Wenn es dieses Problem nicht g&auml;be, dann w&auml;re Bundeskanzler Schr&ouml;der fachlich besser beraten gewesen, und unser Land w&auml;re schon lange aus der Krise heraus.<br>\nWas die fr&uuml;here Planungsabteilung im Bundeskanzleramt dem scheidenden Bundeskanzler als Abschiedsgeschenk f&uuml;r die Be&shy;ratungen der k&uuml;nftigen Koalitionspartner aufgeschrieben h&auml;tte, wenn es sie noch g&auml;be, kann ich mir gut vorstellen. Ich nenne es &raquo;Kanzleramtspapier &ndash; revidierte Fassung&laquo; (siehe Kasten S. 27 ff.) und beziehe mich damit ausdr&uuml;cklich auf das Kanzleramtspapier vom Dezember 2002, das den &ndash; falschen &ndash; Agenda-2010-Kurs formuliert und eingeleitet hat.<br>\nIch hatte zwar nicht erwartet, dass in den Koalitionsgespr&auml;chen nach der Bundestagswahl vom 18. September 2005 eine schonungslose Analyse der Wirkungen oder der Misserfolge der bisherigen &raquo;Reformpolitik&laquo; erfolgen und dass daraus die entsprechenden Konsequenzen gezogen w&uuml;rden. Aber ich hatte doch gehofft, der eine oder andere Koalitionspartner w&uuml;rde so schlau sein, wenigstens zu begreifen, dass man jetzt die Binnenkonjunktur anschieben muss. Es h&auml;tten ja nicht gleich deutliche Korrekturen am Agenda-Kurs oder gar ein grundlegender Kurswechsel daraus folgen m&uuml;ssen, aber doch wenigstens ein pragma&shy;tischer Einsatz aller m&ouml;glichen und etwas versprechenden wirtschaftspolitischen Instrumente.<\/p><p>Auf den ersten Augenschein konnte man ein bisschen von &shy;dieser Einsicht entdecken. Da waren, wenn man es sehr wohl&shy;wollend betrachtet, einige vern&uuml;nftige Ans&auml;tze: ein 25-Milliarden-Investitionsprogramm wurde verk&uuml;ndet (inklusive einer Erh&ouml;hung der degressiven Abschreibung von 20 auf 30 Prozent f&uuml;r bewegliche Wirtschaftsg&uuml;ter), die umstrittene Mehrwertsteuererh&ouml;hung wurde nicht sofort umgesetzt, sondern erst f&uuml;r das Jahr 2007 angedroht, um so zum Kauf von Gebrauchsg&uuml;tern wie Einrichtungsgegenst&auml;nden und Pkws anzureizen. Trotz des grunds&auml;tzlichen Fehlers, die Mehrwertsteuer zu erh&ouml;hen, sah diese Terminierung noch recht professionell aus. Aber dieser optimistische Blick wurde tr&uuml;ber und tr&uuml;ber, wenn man genauer hinsah. Und hin&shy;h&ouml;rte.<\/p><p><em><strong>So h&auml;tte es sein k&ouml;nnen<\/strong><\/em><br>\n<em><strong>Kanzleramtspapier &ndash; revidierte Fassung&laquo; vom 19.9.2005 f&uuml;r den amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der und die anstehenden Koalitionsverhandlungen<\/strong><\/em><\/p><p>Herrn Bundeskanzler<br>\nBetrifft: 10-Punkte-Programm zur Kurskorrektur.<\/p><p>Die von Ihrem Vorg&auml;nger Helmut Kohl und von Ihnen betriebene Reformpolitik hat leider die erwartete wirtschaftliche Belebung und Konsolidierung der Finanzen nicht gebracht. Wir raten zu der schon fr&uuml;her vorgeschlagenen und diskutierten Kurskorrektur. Deutschland sollte praktizieren, was einige wenige Experten im eigenen Land und eine gro&szlig;e Zahl von Experten au&szlig;erhalb unseres Landes empfehlen und was andere L&auml;nder vorgemacht haben: Wir sollten uns auf die &Uuml;berwindung der wirtschaftlichen Rezession konzentrieren, wir sollten dabei alle Denkverbote zur Seite schieben und endlich undogmatisch und pragmatisch alle Instrumente der Wirtschaftspolitik einsetzen. Das hei&szlig;t: Wir sollten zum einen weiter die Wettbewerbsf&auml;higkeit unserer Unternehmen und damit auch unserer Volkswirtschaft zu verbessern suchen, zum anderen aber sollten wir zugleich endlich auch die Binnennachfrage anschieben.<br>\nDie &Uuml;berwindung der Rezession verlangt<\/p><ul>\n<li><strong>als erstes<\/strong> vor allem eine Verbesserung der Stimmung und des Vertrauens der Arbeitnehmer und der Unternehmer, der Familien und der Konsumenten in Gegenwart und Zukunft.<\/li>\n<li><strong>Zweitens<\/strong> sollten die Tarifpartner auch von den beiden Ko&shy;alitionspartnern und der k&uuml;nftigen Regierung ermuntert &shy;werden, die realen L&ouml;hne wieder &ndash; jedenfalls im Rahmen des Anstiegs der Produktivit&auml;t &ndash; steigen zu lassen, damit die Menschen wieder Geld und Mut zum Konsumieren haben und der Einzelhandel und das sonstige auf den Binnenmarkt konzentrierte Gewerbe wieder Zuversicht gewinnen und investieren.<\/li>\n<li><strong>Drittens<\/strong> sollten wir ein gro&szlig;es &ouml;ffentliches Investitionsprogramm auflegen. Es gibt schlie&szlig;lich viel Sinnvolles zu tun in unserem Land: Die Kanalisation vieler Gemeinden ist nicht in Ordnung, wir brauchen neue Verkehrswege, allein tausend Br&uuml;cken, die &uuml;ber Bahnlinien f&uuml;hren, sind marode und sanierungsbed&uuml;rftig. Es macht auch keinen Sinn, die Schulen und Universit&auml;ten verrotten und Eltern Klassenr&auml;ume streichen zu lassen, daf&uuml;r gibt es Handwerker.<\/li>\n<li>Dann w&auml;re <strong>viertens<\/strong> zu pr&uuml;fen, ob eine zeitlich begrenzte <em>Investitionszulage und\/oder h&ouml;here degressive Abschreibungen<\/em> den Aufschwung beschleunigen k&ouml;nnten.<\/li>\n<li><strong>F&uuml;nftens<\/strong> sollte man offen sein f&uuml;r eine vor&uuml;bergehende Arbeitszeitverk&uuml;rzung und<\/li>\n<li><strong>sechstens<\/strong> ein <em>Programm zur Stabilisierung gesicherter Arbeits&shy;verh&auml;ltnisse<\/em> auflegen. Das ist wichtig f&uuml;r die finanzielle Sta&shy;bilisierung der sozialen Sicherungssysteme und kommt den neuen Akzenten in der Familienpolitik entgegen. Junge Paare mit ungesicherten, prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen haben mit Recht keine Lust auf mehrere Kinder.<\/li>\n<li><strong>Siebtens<\/strong> sollte die Bundesregierung bei den Gemeinden darauf dr&auml;ngen und die finanziellen Mittel bereitstellen, damit das <em>Betreuungsangebot f&uuml;r Kleinkinder<\/em> innerhalb kurzer Frist erh&ouml;ht und verbessert werden kann.<\/li>\n<li><strong>Achtens<\/strong> sollte die Bundesregierung in jedem Fall <em>darauf verzichten, die Mehrwertsteuer zu erh&ouml;hen.<\/em> Denn das w&auml;re ein Schock f&uuml;r den angestrebten Aufschwung der Binnenkonjunktur.<\/li>\n<li><strong>Neuntens<\/strong> sollte die neue Bundesregierung darauf dr&auml;ngen, dass die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) <em>eine expansive Geldpolitik<\/em> verfolgt und in der jetzigen sensiblen Lage den Zins nicht erh&ouml;ht.<\/li>\n<li><strong>Zehntens<\/strong> ist es wichtig, in <em>Br&uuml;ssel klarzumachen: Die Bundesregierung muss in der jetzigen Situation geplant und massiv Geld ausgeben<\/em>, um die Konjunktur anzukurbeln und damit dann auf mittlere Sicht einen wirklichen Sparerfolg zu erzielen. Die bisher &uuml;bliche Methode ist absurd: Die Euro-L&auml;nder werden durch das Maastricht-Kriterium zur Versch&auml;rfung ihrer Krisen gezwungen. Am Ende haben sie nach aller Erfahrung mehr Schulden als vorher. Wir gehen diesen Weg nicht mehr weiter mit. Wir brauchen mindestens zwei, eher drei Jahre Ruhe an der Maastricht-Front, um vor&uuml;bergehend mehr Schulden machen zu k&ouml;nnen und am Ende weniger zu haben. &shy;Weder Europa noch Deutschland haben etwas davon, wenn hierzulande immer und immer wieder zu sparen versucht wird und mit dem Sparversuch dann der Sparerfolg zunichte gemacht wird. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass man eine Krise versch&auml;rft, wenn man in einer Krisensituation zu sparen versucht.<\/li>\n<\/ul><p>Die neue Koalition sollte in ihrer Politik und beim Umgang mit den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern immer bedenken: Es geht darum, den Menschen wieder Mut zu machen und ihnen Sicherheit zu vermitteln, statt ihnen &raquo;Blut und Schwei&szlig; und Tr&auml;nen&laquo; oder &raquo;Heulen und Z&auml;hneklappern&laquo; anzudrohen, wie vom hessischen Ministerpr&auml;sidenten Roland Koch zu h&ouml;ren war. Die Politik ist nicht dazu da, die Menschen zu verunsichern, die Politik ist dazu da, f&uuml;r eine hoffnungsvolle Zukunft der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu sorgen. Deshalb ist der erste Punkt so entscheidend: Eine gute Konjunkturpolitik ist zur H&auml;lfte Psychologie.&laquo;<\/p><p>Ich habe am 12. November 2005 die Bundespressekonferenz mit Angela Merkel, Franz M&uuml;ntefering, Edmund Stoiber und Mat&shy;thias Platzeck verfolgt. Es hat mir die Sprache verschlagen. Wie bei vielen anderen Gelegenheiten auch: Wenn man wirklich Mut machen und das Vertrauen in die eigene Kraft st&auml;rken wollte, durfte man doch nicht schon von Anfang an weiter ver&shy;unsichern und jammern. Der hessische Ministerpr&auml;sident Koch hatte schon vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen immer wieder davon gesprochen, es werde &raquo;Heulen und Z&auml;hneklappern&laquo; geben, und nahezu alle liefen mit sorgenvollen Gesichtern und heruntergezogenen Mundwinkeln herum. Jeden Tag wurde eine neue Horrormeldung zum Bundeshaushalt und der m&ouml;glichen Neuverschuldung verbreitet. Auf besagter Pressekonferenz zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen verk&uuml;ndete dann der bayerische Ministerpr&auml;sident, die finanzielle Lage des Staates sei &raquo;prek&auml;r&laquo;, und der Haushalt 2006 sei &raquo;nicht verfassungskonform&laquo;. Angela Merkel &auml;u&szlig;erte sich in gleicher Weise.<br>\nDas war h&ouml;chst unprofessionell. Die Bundesregierung h&auml;tte nur erkl&auml;ren m&uuml;ssen, dass es ein gesamtwirtschaftliches Ungleichgewicht gibt. &Uuml;ber 4,6 Millionen gemeldete Arbeitslose rechtfertigen diese Diagnose allemal. Dann w&auml;re auch eine Neuverschuldung, die h&ouml;her ist als die Investitionen des Bundes, verfassungskonform.<br>\nAuch das 25-Milliarden-&raquo;Investitions&laquo;-Programm entpuppte sich bei genauer Betrachtung als eher d&uuml;rftig. Zum einen l&auml;uft es &uuml;ber vier Jahre, so dass pro Jahr gerade mal gute 6 Milliarden anfallen, denen zus&auml;tzliche Ausgabenk&uuml;rzungen von 4 Milliarden Euro gegen&uuml;berstehen, zum andern sind darin Ausgaben enthalten wie zum Beispiel Steuererleichterungen f&uuml;r die Wirtschaft oder das nach Einkommen gestaffelte Elterngeld bis zu 1800 Euro monatlich, die man beim besten Willen nicht in ein Investitionsprogramm umdeuten kann.<br>\nDas ist alles leider ziemlich unseri&ouml;s. Die expansiven Impulse, die man geplant hat, reichen bei weitem nicht aus, um 2006 zum Jahr des gro&szlig;en Aufschwungs zu machen, mit dessen R&uuml;ckenwind man dann 2007 schon mittels Mehrwertsteuererh&ouml;hung und anderer Sparma&szlig;nahmen auf Konsolidierungskurs gehen k&ouml;nnte, ohne Gefahr zu laufen, den Aufschwung gleich wieder abzuw&uuml;rgen.<\/p><p><strong>Nachtrag 10.12.2007: Genau an diesem Punkt sind wir heute. Dank einer falschen Politik im Innern, nicht dank irgendwelcher widriger Umst&auml;nde.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist ein einschl&auml;giger Text aus &bdquo;Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet&ldquo;. 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