{"id":2833,"date":"2007-12-14T09:06:15","date_gmt":"2007-12-14T08:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2833"},"modified":"2015-12-06T15:50:49","modified_gmt":"2015-12-06T14:50:49","slug":"oecd-hartz-iv-ist-luxus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2833","title":{"rendered":"OECD: Hartz IV ist Luxus"},"content":{"rendered":"<p>So oder so &auml;hnlich hei&szlig;t es in der gro&szlig;en Mehrheit der Zeitungen, die &uuml;ber eine so genannte Studie der wirtschaftsnahen OECD berichten. Wir dokumentieren Ihnen dazu einfach einmal einen kleinen Teil der Schlagzeilen, die google.news-Suche reproduziert. Statt eines Kommentars zitieren wir aus einem Interview mit Professor Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation in der Frankfurter Rundschau. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li><strong>Hartz IV Arbeiten lohnt sich nicht<br>\nFocus Online &ndash; <\/strong><br>\nInnerhalb der OECD seien die Arbeitsanreize nur in Italien und Tschechien vergleichbar gering. &bdquo;Es kann f&uuml;r Arbeitslose durchaus sinnvoll sein, &hellip; <\/li>\n<li><strong>Leistungen f&uuml;r Langzeitarbeitslose liegen &uuml;ber OECD-Schnitt AFP<\/strong><\/li>\n<li><strong>Hartz IV ist Luxus Topnews<\/strong><\/li>\n<li><strong>In &Ouml;sterreich gibt es zu wenig Anreize zur Annahme schlechter &hellip; Wiener Zeitung<\/strong><br>\nund 68 &auml;hnliche Artikel &raquo;<\/li>\n<li><strong>OECD-Studie: Hartz IV ist Luxus &ndash;<br>\nim Vergleich zum Ausland Die Zeit &ndash; <\/strong><br>\nLangzeitarbeitslose erhalten in Deutschland auch nach den Hartz-Reformen h&ouml;here Transferleistungen als im OECD-Durchschnitt. Damit bleiben die finanziellen ..<\/li>\n<li><strong>Hartz-IV-Leistungen im internationalen Vergleich gut<\/strong><br>\nWELT ONLINE &ndash; <\/li>\n<li><strong>OECD: Niedriglohn-Jobs lohnen sich f&uuml;r deutsche Arbeitslose kaum<br>\n\tHandelsblatt &ndash; <\/strong><br>\nInnerhalb der OECD sind demnach die Arbeitsanreize nur in zwei weiteren L&auml;ndern vergleichbar gering. HB BERLIN. Trotz der Hartz-Reformen sind &hellip;<\/li>\n<li><strong>Deutsche Langzeitarbeitslose beziehen &uuml;berdurchschnittlich viel Geld<\/strong><br>\nSpiegel Online<br>\nDie Reformgegner werden staunen: Trotz der Einschnitte durch die Hartz-Gesetze bekommen Langzeitarbeitslose in Deutschland immer noch deutlich mehr Geld als<\/li>\n<\/ul><p>Usw. usf.<\/p><p>Die Zielrichtung dieser &bdquo;Studie&ldquo; ist klar, und entsprechend sind auch die Schlagzeilen: Arbeitslosen Hartz IV &ndash;Empf&auml;ngern gehe es verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gl&auml;nzend, und deswegen m&uuml;ssten die Regels&auml;tze weiter gesenkt werden, um entsprechende &bdquo;Anreize&ldquo; (sprich: &ouml;konomischen Druck) zur Arbeitsaufnahme aus&uuml;ben zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Dagegen eine einsame Stimme in einer kleinen Meldung der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=1258118\">Frankfurter Rundschau<\/a> Gerhard Bosch nennt die Angaben zum OECD-Durchschnitt zu den Hilfen f&uuml;r Arbeitslose &bdquo;deprimierend&ldquo;. Deutschland sollte sich nicht daran orientieren, denn zur OECD geh&ouml;rten L&auml;nder mit relativ niedrigem Wohlstandsniveau wie Ungarn und Nationen mit &ldquo;minimalistischem Sozialstaat&rdquo; wie die USA, die als Vorbilder ungeeignet seien. Er verweist darauf, dass inzwischen sogar in Gro&szlig;britannien die Hilfen mit 41 Prozent h&ouml;her seien als in Deutschland.<br>\nDass 36 Prozent des fr&uuml;heren Nettolohns keinen Arbeitsanreiz schafften, nennt Bosch &bdquo;Vulg&auml;rpsychologie&ldquo;. Die meisten Menschen wollten arbeiten, unabh&auml;ngig von staatlichen Hilfen. Zudem sei es &ldquo;absolut sinnvoll&rdquo;, wenn gut ausgebildete Leute nicht irgendeine schlecht bezahlte Stelle annehmen, auf der sie ihre Qualifikation nach und nach verlieren. &ldquo;Wir schaden uns, wenn wir einen Teil der Bev&ouml;lkerung ins Elend abst&uuml;rzen lassen&rdquo;, betont der Volkswirt.<\/p><p>Das in der OECD-Studie zugrunde gelegte Weltbild einer Senkung der &bdquo;Preise&ldquo; f&uuml;r die Arbeit entspricht der eindimensionalen Logik neoklassisch orientierter &Ouml;konomie. Sie geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt immer im Gleichgewicht w&auml;re (es also keine Arbeitslosigkeit g&auml;be), wenn nur der Preis f&uuml;r die Arbeit niedrig genug w&auml;re. Denn wenn die Arbeit zu teuer ist &ndash; so die Annahme -, werden die hergestellten Produkte des Unternehmens zu teuer und es kann sie nicht mehr auf dem Markt absetzen. Oder andersherum, solange die Arbeit zu teuer ist, ersetzt sie der Unternehmer durch den Produktionsfaktor Kapital und das schafft Arbeitslosigkeit.<br>\nDass, um die Produkte auf dem Markt absetzen zu k&ouml;nnen, auch eine entsprechende Kaufkraft der Konsumenten (also auch der Arbeitnehmer) da sein muss, interessiert diese einzelwirtschaftliche Gleichgewichtsbetrachtungsweise nicht. Sie schielt nur auf das einzelne Unternehmen und auf das Einzelinteresse eines Unternehmers.<br>\nDass die These von der Substitution der Arbeit durch Kapital der Weg in die Steinzeit und eben nicht in die Innovation ist, die neue Arbeitspl&auml;tze schafft, wird gleichfalls ausgeblendet.<\/p><p>Der Arbeitsmarkt wird in der Neoklassik eben gesehen wie der Kartoffelmarkt. So schlicht ist die Logik der &Ouml;konomen der OECD. Und gerade weil sie so schlicht ist, drucken alle unsere Wirtschaftsredaktionen diesen Unsinn kritiklos nach. So schlicht ist eben auch das &ouml;konomische Weltbild der meisten unserer Wirtschaftsredakteure und leider auch der ganz &uuml;berwiegenden Zahl unserer Wirtschaftsprofessoren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So oder so &auml;hnlich hei&szlig;t es in der gro&szlig;en Mehrheit der Zeitungen, die &uuml;ber eine so genannte Studie der wirtschaftsnahen OECD berichten. Wir dokumentieren Ihnen dazu einfach einmal einen kleinen Teil der Schlagzeilen, die google.news-Suche reproduziert. Statt eines Kommentars zitieren wir aus einem Interview mit Professor Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation in der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2833\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,140,123],"tags":[290,1506,602,288,214],"class_list":["post-2833","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-binnennachfrage","tag-bosch-gerhard","tag-oecd","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-regelsatz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2833"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29381,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2833\/revisions\/29381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}