{"id":28533,"date":"2015-11-09T14:45:51","date_gmt":"2015-11-09T13:45:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28533"},"modified":"2015-11-10T13:21:58","modified_gmt":"2015-11-10T12:21:58","slug":"subsidiaerer-theaterdonner-wie-die-cdu-am-rechten-rand-fischt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28533","title":{"rendered":"Subsidi\u00e4rer Theaterdonner \u2013 wie die CDU am rechten Rand fischt"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Angeblich&ldquo; war es ja ein Alleingang, mit dem Bundesinnenminister de Maizi&egrave;re am Freitag <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/fluechtlingspolitik-der-verschwiegene-kurswechsel.720.de.html?dram%3Aarticle_id=336185&amp;utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=twitter\">via Deutschlandfunk<\/a> vorgeprescht ist: Syrer sollen demnach nur noch &bdquo;subsidi&auml;ren Schutz&ldquo; in Deutschland bekommen und &ndash; so de Maizi&egrave;re &ndash; nur noch ein einziges Jahr in Deutschland bleiben und dabei keine Familienangeh&ouml;rigen nachholen d&uuml;rfen. Zwei Tage sp&auml;ter interpretierte Fl&uuml;chtlingskoordinator Peter Altmaier die &Auml;u&szlig;erungen de Maizi&egrave;res als <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/peter-altmaier-zu-recht-auf-familiennachzug-wir-haben.868.de.html?dram:article_id=336244\">&bdquo;eine kurze Phase der Irritation&ldquo;<\/a>. Alles bleibe beim Alten. Ist die CDU wirklich derart desorientiert? Nein, die &bdquo;Phase der Irritation&ldquo; ist wohl vielmehr eine Phase des W&auml;hlerfangs am rechten Rand &ndash; Theaterdonner, der vor allem f&uuml;r das Publikum gedacht ist. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7661\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-28533-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=28533-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151110_Subsidiaerer_Theaterdonner_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Familiennachzug<\/strong><\/p><p>Kann Thomas de Maizi&egrave;re syrischen Fl&uuml;chtlingen tats&auml;chlich den Familiennachzug verbieten? Nein, das kann er nicht. Die deutschen Gesetze und Verfahren m&uuml;ssen sich n&auml;mlich an der <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:337:0009:0026:DE:PDF\">EU-Richtlinie 2011\/95\/EU [PDF]<\/a> ausrichten, die die Normen f&uuml;r die Anerkennung von Fl&uuml;chtlingen festlegt und ihrerseits auf der <a href=\"http:\/\/www.unhcr.de\/recht\/internat-fluechtlingsrecht.html\">Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention<\/a> fu&szlig;t. Demnach kann ein EU-Mitgliedsstaat den Familiennachzug nur (Art. 24, Absatz 4) &bdquo;aus Gr&uuml;nden der nationalen Sicherheit oder &ouml;ffentlichen Ordnung&ldquo; au&szlig;er Kraft setzen &ndash; beides ist in Deutschland nicht gegeben und w&uuml;rde vor Gericht nicht standhalten. Wie und wann ein Fl&uuml;chtling einen Familiennachzug beantragen kann, ist wiederum Sache der nationalen Gesetze. Wenn es um die syrischen Fl&uuml;chtlinge geht, ist die gesamte Debatte jedoch reichlich sinnlos. <\/p><p>Beim Familiennachzug geht es darum, dass der Ehepartner und minderj&auml;hrige Kinder und Geschwister automatisch den Asyl- oder Fl&uuml;chtlingsstatus des Antragsstellers zugewiesen bekommen. Nun haben die allermeisten syrischen Fl&uuml;chtlinge aber gar keinen Status, der &uuml;ber den Status hinausgeht, den jeder syrische Fl&uuml;chtling automatisch bekommt. Nur rund ein Prozent der syrischen Fl&uuml;chtlinge ist in Deutschland als Asylberechtigter anerkannt. Der Rest bekommt in fast allen F&auml;llen eine Rechtsstellung als Fl&uuml;chtling. Die bekommt jedoch jeder syrische Fl&uuml;chtling; egal, ob er bereits Familienangeh&ouml;rige in Deutschland hat oder nicht. Thomas de Maizi&egrave;res Satz ist also eine reine Augenwischerei. Er suggeriert &ouml;ffentlich, dass er durch einen Verweigerung des Familiennachzugs f&uuml;r Syrer die Zahl der Fl&uuml;chtlinge reduzieren k&ouml;nne. Das ist aber &ndash; egal wie man es dreht oder wendet &ndash; nicht der Fall und obendrein hat er dazu auch gar keine rechtliche Handhabe. Dies hindert jedoch weitere CDU-Promis nicht, diesen Unsinn <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/thomas-de-maiziere-erhaelt-zustimmung-aus-cdu-und-csu-a-1061813.html\">nachzuplappern<\/a>.<\/p><p><strong>Subsidi&auml;rer Schutz<\/strong><\/p><p>Ein wenig verdrehter ist die Frage des Fl&uuml;chtlingsstatus selbst. Thomas de Maizi&egrave;re behauptet, man wolle Syrer generell nur noch unter &bdquo;subsidi&auml;ren Schutz&ldquo; stellen und ihnen dadurch nur noch ein Jahr Aufenthaltsdauer zubilligen. Momentan werden syrische Fl&uuml;chtlinge automatisch als Fl&uuml;chtlinge gem&auml;&szlig; der Genfer Konvention anerkannt. Grundlage daf&uuml;r ist eine <a href=\"http:\/\/www.bamf.de\/DE\/Migration\/AsylFluechtlinge\/Asylverfahren\/BesondereVerfahren\/SyrienIrakEritrea\/syrien-irak-eritrea.html?nn=1363268\">Entscheidung aus dem November 2014<\/a>, nach der f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge aus Syrien ein beschleunigtes Verfahren angewendet wird. Dieses Verfahren wurde eingef&uuml;hrt, da laut Bundesamt f&uuml;r Migration und Fl&uuml;chtlinge bei syrischen Fl&uuml;chtlinge ohnehin grunds&auml;tzlich eine Fl&uuml;chtlingseigenschaft festgestellt werden m&uuml;sse. Der subsidi&auml;re Schutz greift jedoch <a href=\"http:\/\/www.bamf.de\/DE\/Migration\/AsylFluechtlinge\/Subsidiaer\/subsidiaer-node.html\">nur dann<\/a>, wenn weder das Asylrecht noch die Fl&uuml;chtlingseigenschaft Anwendung finden. Mit anderen Worten: Thomas de Maizi&egrave;re will genau die Anerkennung au&szlig;er Kraft setzen, die das Bundesamt f&uuml;r Migration und Fl&uuml;chtlinge bei syrischen Fl&uuml;chtlingen &bdquo;grunds&auml;tzlich&ldquo; feststellt. Kann er das? Nat&uuml;rlich nicht, schlie&szlig;lich handelt es sich hier um gesch&uuml;tzte individuelle Rechte. Jeder syrische Fl&uuml;chtling h&auml;tte bei einer derartigen Dienstanweisung das Recht, seinen Fl&uuml;chtlingsstatus gerichtlich feststellen zu lassen. De Maizi&egrave;re k&ouml;nnte als oberster Dienstherr des Bundesamts f&uuml;r Migration und Fl&uuml;chtlinge h&ouml;chstens die Praxis des Schnellverfahrens au&szlig;er Kraft setzen. Und dann? Da es keinen erkennbaren Grund daf&uuml;r gibt, dass die Lage in Syrien sich seit November 2014 verbessert haben k&ouml;nnte, w&uuml;rden die syrischen Fl&uuml;chtlinge auch in einem normalen Verfahren den Fl&uuml;chtlingsstatus bekommen. Der einzige Unterschied zur momentanen Praxis w&auml;re, dass die ohnehin massiv &uuml;berforderten Asylgerichte dann noch mehr zu tun h&auml;tten und die Verfahrensdauer sich noch weiter erh&ouml;hen w&uuml;rde. Ist es das, was de Maizi&egrave;re will?<\/p><p><strong>Aufenthaltsdauer<\/strong><\/p><p>Der Bundesinnenminister suggeriert in seinem Statement auch, dass er die Aufenthaltsdauer durch ein Umdeklarierung vom prim&auml;ren zum subsidi&auml;ren Status verk&uuml;rzen k&ouml;nne. Das ist freilich bezogen auf den Fall Syrien reines Wunschdenken. Sowohl anerkannte Fl&uuml;chtlinge als auch Fl&uuml;chtlinge unter subsidi&auml;ren Schutz k&ouml;nnen ihren Status verlieren, wenn sp&auml;ter festgestellt wird, dass der Grund f&uuml;r den Schutzstatus weggefallen ist. Richtig ist, dass diese Pr&uuml;fung bei anerkannten Fl&uuml;chtlingen nach drei Jahren und bei Fl&uuml;chtlingen unter subsidi&auml;ren Schutz bereits nach einem Jahr stattfindet. In puncto Syrien macht dies de facto jedoch keinen Unterschied, da der B&uuml;rgerkrieg dort weder in einem, noch in drei Jahren beendet sein wird und vollkommen unabh&auml;ngig vom jeweiligen Status eine Abschiebung in ein B&uuml;rgerkriegsland nach allen internationalen Vertr&auml;gen und nationalen wie internationalen Gesetzen nicht zul&auml;ssig ist. Auch in diesem Punkt ma&szlig;t sich Thomas de Maizi&egrave;re einen Handlungsrahmen, den er schlichtweg nicht hat.<\/p><p>Der Theaterdonner von Thomas de Maizi&egrave;re erf&uuml;llt dennoch seinen Zweck. Zwischen den Zeilen liest sich sein unausgegorener Vorsto&szlig; n&auml;mlich folgenderma&szlig;en: Abschieben, kein Nachzug, harte Hand, weniger Fl&uuml;chtlinge. Das kommt beim rechten Fl&uuml;gel unserer Gesellschaft nat&uuml;rlich gut an. Die Union hat es in den letzten Monaten ohnehin geschafft, beinahe den gesamten gesellschaftlichen Diskurs zum Thema innerhalb ihrer eigenen Reihen aufzunehmen. F&uuml;r &bdquo;Helldeutschland&ldquo; gibt es Angela Merkel und Peter Altmaier, die an die humanit&auml;re Seite appellieren und aus der Not eine Tugend machen, indem sie sich &ouml;ffentlich daf&uuml;r r&uuml;hmen, dass sie die gegebenen Gesetze befolgen. Und auf der anderen Seite gibt es die Seehofers und de Maizi&egrave;res, die f&uuml;r &bdquo;Dunkeldeutschland&ldquo; eine harte Kante vorspielen und zumindest verbal munter im braunen Sumpf fischen. Au&szlig;en vor steht die SPD, die sich das Schauspiel anschaut, als sei sie das Kaninchen vor der Schlange. Die Medien sind derweil au&szlig;er sich vor Freude, dass ihnen ein derartiges Schauspiel geboten wird. Als Teile der CDU 2002 bei der Debatte des Zuwanderungsgesetzes &auml;hnlichen Theaterdonner veranstaltet haben, lie&szlig; der damalige saarl&auml;ndische Ministerpr&auml;sident Peter M&uuml;ller das Publikum Monate sp&auml;ter wissen. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/01\/WORTE_DES_JAHRES\/seite-4\">&bdquo;Die Emp&ouml;rung hatten wir verabredet. Das war Theater, aber legitimes Theater&ldquo;<\/a>. Gut m&ouml;glich, dass sich Thomas de Maizi&egrave;re oder Peter Altmaier in einigen Monaten genau so &auml;u&szlig;ern.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/981825c1b849494088ebb2d0258b4647\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Angeblich&ldquo; war es ja ein Alleingang, mit dem Bundesinnenminister de Maizi&egrave;re am Freitag <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/fluechtlingspolitik-der-verschwiegene-kurswechsel.720.de.html?dram%3Aarticle_id=336185&amp;utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=twitter\">via Deutschlandfunk<\/a> vorgeprescht ist: Syrer sollen demnach nur noch &bdquo;subsidi&auml;ren Schutz&ldquo; in Deutschland bekommen und &ndash; so de Maizi&egrave;re &ndash; nur noch ein einziges Jahr in Deutschland bleiben und dabei keine Familienangeh&ouml;rigen nachholen d&uuml;rfen. 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