{"id":28643,"date":"2015-11-12T10:34:21","date_gmt":"2015-11-12T09:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28643"},"modified":"2024-08-22T16:33:21","modified_gmt":"2024-08-22T14:33:21","slug":"die-querfront-kampagne-gegen-die-friedensbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28643","title":{"rendered":"Die Querfront-Kampagne gegen die Friedensbewegung"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151112_mcclean.jpg\" alt=\"Katrin McClean\" title=\"Katrin McClean\"><\/div><p>Haben Sie es auch schon gelesen: Auf Friedensdemonstrationen trifft man heutzutage angeblich viele Rechte an. Die meisten, die das V&ouml;lkerrecht verteidigen oder die Ausw&uuml;chse des Casino-Kapitalismus kritisieren, sind latente Antisemiten. Wer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27897\">gegen TTIP<\/a> ist, verbirgt hinter linker Attit&uuml;de vielleicht nur dumpfen Nationalismus und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27897\">Querfront-Sympathie<\/a>. Und diejenigen, die nicht gleich alles glauben, sondern auf Ungereimtheiten auch hinweisen und sich der Mehrheitsmeinung nicht per se beugen: das sollen alles Spinner sein, weil sie an &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45945\/2.html\">Verschw&ouml;rungstheorien<\/a>&ldquo; glauben. Wie schwer es bei all den aktuell g&auml;ngigen Verleumdungen, Verk&uuml;rzungen und Verdrehungen heutzutage mitunter sein kann, f&uuml;r Frieden aktiv zu sein &ndash; dar&uuml;ber sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit der Autorin <strong>Katrin McClean<\/strong>, die beim &bdquo;<a href=\"http:\/\/friedenswinter.de\/\">Friedenswinter<\/a>&ldquo; aktiv war.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau McClean, Sie sind als K&uuml;nstlerin und freie Autorin in der Friedensbewegung aktiv. Wie sch&auml;tzen Sie und wie sch&auml;tzt man in der Bewegung denn die Lage zum Thema Krieg und Frieden ein? Wie ist es diesbez&uuml;glich um die Welt im Moment bestellt?<\/strong><\/p><p>Ein langj&auml;hriger Aktivist aus der bundesdeutschen Friedensbewegung sagte mal zu mir: Seit dem Jugoslawienkrieg 1999 sei die deutsche Friedensbewegung praktisch ausgeschaltet. Ein letztes Aufb&auml;umen in Form von gro&szlig;en Demonstrationen gab es noch einmal gegen die Invasion der USA im Irak 2003. Bis 2014 ist dann aber nicht mehr viel passiert. Und das, obwohl es in den letzten Jahren immer mehr Kriege auf dieser Erde gibt, die fast alle unter Beteiligung der NATO-L&auml;nder, insbesondere der USA stattfinden. <\/p><p>Das Schwierige ist, dass sich die Art der Kriegsf&uuml;hrung &auml;ndert. Anstelle offener Angriffskriege &uuml;berwiegt die milit&auml;rische Einmischung in vorhandene Konflikte, das f&auml;ngt schon bei Waffenlieferungen in Krisengebiete an, die fr&uuml;her ein Tabu waren und geht mit sogenannten &ldquo;milit&auml;rischen Interventionen&rdquo; weiter. Unsere Medien propagieren humanit&auml;re Gr&uuml;nde und helfen, die wahren Interessen der westlichen Kriegsf&uuml;hrung zu verschleiern. Doch sp&auml;testens im Fall von Libyen, das nach dem Sturz Gaddafis im B&uuml;rgerkriegschaos versinkt, wird diese Heuchelei offensichtlich. Und mit der Ukraine-Krise und der einhergehenden antirussischen Propaganda wird der aggressive Kurs der NATO f&uuml;r immer mehr Menschen sp&uuml;rbar. <\/p><p>Insofern: Die Lage ist gut und schlecht zugleich. Gut, weil immer mehr Menschen Unbehagen empfinden. Schlecht, weil es Politik und Medien in den letzten Jahren mit einem regelrechten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44035\/1.html\">Krieg um die K&ouml;pfe<\/a>&ldquo; gelungen ist, milit&auml;rische Angriffe und Einmischungen zunehmend human erscheinen zu lassen. Besonders gef&auml;hrlich finde ich den verst&auml;rkten Hang zur Emotionalisierung und das Sch&uuml;ren von Feindbildern, sei es die Angst vorm Islam oder das Feindbild Russland bzw. &bdquo;Putin&ldquo;. Bei letzterem f&uuml;hlen sich viele Menschen zu Recht an Zeiten des Kalten Krieges erinnert.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/7JDLe8k_jHw\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center;\"><strong>NDR: Friedensaktivistin Katrin McClean &uuml;ber einseitige Berichterstattung der deutschen Medien<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Und wie geht die Friedensbewegung damit um? Wirklich viele Aktionen sieht man trotz des steigenden Unbills in der Bev&ouml;lkerung ja nicht in der &Ouml;ffentlichkeit&hellip;<\/strong><\/p><p>Die Lage hat Anfang 2014 die Leute auf die Stra&szlig;e getrieben. So entstanden die Montagsmahnwachen f&uuml;r den Frieden. Sie protestierten nicht nur gegen einzelne Kriege, sondern kritisierten auch das globale Bankensystem als Herrschaftsinstrument oder die Konsumgesellschaft der Industriel&auml;nder, die zur Ausbeutung menschlicher und nat&uuml;rlicher Ressourcen weltweit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143\">f&uuml;hrt<\/a>. Das ist meiner Meinung nach auch richtig. Die milit&auml;rische &Uuml;bermacht der NATO-L&auml;nder und ihre wirtschaftliche &Uuml;bermacht im globalen System geh&ouml;ren ja <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26641\">zusammen<\/a>.<\/p><p>Viele Besucher der Mahnwachen waren noch relativ jung und sprachen diese Themen und Probleme quasi &bdquo;aus dem Bauch heraus&ldquo; am offenen Mikrofon an. Man sp&uuml;rte ein gro&szlig;es Bed&uuml;rfnis danach, die Sorge um den Frieden mit anderen zu teilen.<\/p><p>In Spitzenzeiten gab es &uuml;ber hundert Friedensmahnwachen in Deutschland. Die erste bundesweite Mahnwache brachte es im Juli 2014 in Berlin auf immerhin 7.000 Teilnehmer. Dass man in der &Ouml;ffentlichkeit wenig davon bemerkt hat, lag daran, dass die Medien so gut wie gar nicht dar&uuml;ber berichteten, und wenn, dann taten sie das sehr <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24712\">diffamierend<\/a>.<\/p><p>In der traditionellen Friedensbewegung aber war man darauf aufmerksam geworden. Einige gingen auf den politischen &bdquo;Nachwuchs&ldquo; zu. Es kam zu verschiedenen &ouml;rtlichen Kooperationen und schlie&szlig;lich wurde eine bundesweite Aktionsphase beschlossen, der &bdquo;Friedenswinter&ldquo;, der mit einem ersten Aktionswochenende am 12. und 13. Dezember in mehreren St&auml;dten ganz erfolgreich begann. <\/p><p>Gegen diesen Zusammenschluss gab es allerdings heftigen Gegenwind in den Medien. Allerdings nicht auf breiter Ebene. In der Tagesschau hat man nie etwas vom &bdquo;Friedenswinter&ldquo; mitbekommen. Aber dort, wo eine eher linke &Ouml;ffentlichkeit liest, erschienen sehr <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24298\">diffamierende Artikel<\/a> &uuml;ber den Friedenswinter, etwa beim Spiegel und leider auch mehrmals bei der TAZ. Man musste den Eindruck bekommen, dass das linke Protestpotential gezielt angesprochen und von einer Teilnahme abgehalten werden sollte.<\/p><p><strong>Diffamierung mit der Absicht einer gezielten Spaltung? Inwiefern denn das? Mir ist &ndash; durch die Medien &ndash; nur zu Ohren gelangt, dass viele Rechte und Faschisten auf diesen Mahnwachen gewesen sind. Was dann nat&uuml;rlich die Kritik progressiver Kr&auml;fte nach sich zieht und ziehen muss&hellip;<\/strong><\/p><p>Also erst einmal, laut einer Studie waren etwa die H&auml;lfte der Teilnehmer der Mahnwachen Leute, die links gew&auml;hlt haben. Dar&uuml;ber hinaus sehr viele Nichtw&auml;hler und Anh&auml;nger von CDU oder AfD. Letztere war damals noch f&uuml;r ihre Kritik am Euro popul&auml;r. Wenn man mit &bdquo;Rechten&ldquo; Leute meint, die rechts w&auml;hlen, muss man sagen: Ja, die waren dabei. Na, und? Das sind gesetzlich legitimierte Parteien.<\/p><p>Friedensdemonstrationen fordern ein Grundrecht des Menschen ein, das Recht auf Leben. Mir war bisher nicht bekannt, dass Menschen, die CDU w&auml;hlen, ein vermindertes &Uuml;berlebensrecht h&auml;tten bzw. keine Legitimation, ihre Emp&ouml;rung &uuml;ber Kriege und ihr Mitgef&uuml;hl mit deren Opfer auf die Stra&szlig;e zu tragen. Eine Friedensdemonstration ist doch kein Parteitag der Linken! <\/p><p>Au&szlig;erdem bin ich immer wieder erstaunt &uuml;ber die Assoziationskette vieler Menschen, die sich als links verstehen und st&auml;ndig so tun, als bef&auml;nde sich jemand, der &bdquo;rechts&ldquo; einzuordnen sei auf der Vorstufe zum Faschisten. Das ist eine enorme Beleidigung f&uuml;r viele engagierte Kriegsgegner aus dem konservativen Lager.<\/p><p>Diese pauschale Abwertung erinnert mich an finsterste DDR-Zeiten, als man der Bev&ouml;lkerung den Zugang zur &bdquo;b&uuml;rgerlichen&ldquo; Kultur verwehren wollte. Ich bin 1989 auf die Stra&szlig;e gegangen, weil ich eine solche Demagogie nicht l&auml;nger ertragen wollte. Und nun begegnet sie mir in der Friedensbewegung wieder. Da muss ich mich schon fragen, wer ist hier eigentlich progressiv? <\/p><p><strong>K&ouml;nnten Sie, damit ich es besser verstehe, vielleicht ein, zwei konkrete Beispiele nennen, wer hier wann wie diffamiert, also verleumdet worden ist? Und vor allem: durch wen und wodurch?<\/strong><\/p><p>Der Diffamierungsmechanismus l&auml;uft fast immer &uuml;ber &auml;hnliche unzul&auml;ssige Kurzschl&uuml;sse wie &bdquo;konservativ ist gleich rechtsextrem&ldquo;. So ist dann Kritik an der Besatzungspolitik Israels gleich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25805\">Antisemitismus<\/a>. Und auch Kritik am internationalen Bankensystem ist angeblich Antisemitismus. Letzteres wurde ja von Jutta Ditfurth auf einer Couch des &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehens mit der Logik erkl&auml;rt: Antisemiten in Deutschland umgehen das Verbot des offenen Antisemitismus, indem sie anstelle von Juden die internationale Finanzoligarchie kritisieren. Die einstige Mitbegr&uuml;nderin der Gr&uuml;nen hat sich in letzter Zeit leider zu einer Hauptvertreterin der Diffamierungskampagne gegen die Friedensbewegung entwickelt, die sie pauschal als &bdquo;neurechts&ldquo; bezeichnet. Doch ihre Argumentation ist absurd. &Uuml;berlegen Sie mal, wie viele solide Autoren in Leitmeiden wie Spiegel oder Focus das Wirken der FED, der EZB oder der Hedgefonds als Ursache f&uuml;r den Ausbruch der Finanzkrise kritisieren. Das m&uuml;ssten nach dieser Definition ja alles Antisemiten sein. Besonders katastrophal an dieser Argumentation finde ich, dass man sich hier eben jener Gleichsetzung bedient, die aus dem dritten Reich stammt, wonach alle Juden dieser Welt f&uuml;r die Entstehung der Macht des Finanzkapitals verantwortlich gemacht wurden. Das hei&szlig;t, Jutta Ditfurth und andere zerren hier nationalsozialistisches Gedankengut in die Debatte, um es dann ihren politischen Gegnern, die bei Finanzkapitalismus auch Finanzkapitalismus und nicht etwa Judentum meinen, anzudichten. Das ist absichtlicher Rufmord. Und es ist &uuml;ble Demagogie, die Kritik der bestehenden Verh&auml;ltnisse zu verhindern sucht, denn so k&ouml;nnte man ja &uuml;ber jede Kapitalismuskritik behaupten, dass das in Wahrheit doch getarnter Judenhass sei.<\/p><p>Und dann gibt es nat&uuml;rlich noch die beiden Diffamierungsbegriffe &bdquo;anti-amerikanisch&ldquo; und &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;, letzterer &uuml;brigens aus dem <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45945\/2.html\">Arsenal der psychologischen Kriegsf&uuml;hrung<\/a>. Hier steht der Friedensaktivist von heute vor einem gro&szlig;en Problem. Die USA verf&uuml;gen fast &uuml;ber die H&auml;lfte des weltweiten Milit&auml;rbudgets und sind F&uuml;hrungsmacht der NATO. Als Friedensaktivist kommt man gar nicht umhin, gegen die US-amerikanische Au&szlig;enpolitik zu protestieren. So wenig, wie man umhin kommt, die offizielle 9\/11 Version zu hinterfragen. Diese offizielle Version galt als Begr&uuml;ndung daf&uuml;r, dass sich die USA in eine sogenannte &bdquo;Verteidigungsposition&ldquo; setzen konnten. In den darauf folgenden Kriegen im Nahen und Mittleren Osten mussten bereits weit &uuml;ber eine Million Menschen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">sterben<\/a>. Und noch immer wird im Zweifelsfall auf diesen Verteidigungsstatus gepocht. Solange es also Zweifel an der offiziellen Regierungsdarstellung gibt, und die gibt es nun einmal zuhauf, m&uuml;ssen diese auch gepr&uuml;ft und muss ihnen nachgegangen werden.<\/p><p>Kurzum, wer sich heute f&uuml;r friedenspolitische Themen einsetzen will, kommt an bestimmten Diffamierungsvorw&uuml;rfen gar nicht vorbei. Denn wie bitte soll man sich heutzutage <em>f&uuml;r<\/em> eine bessere, friedliche Welt einsetzen, wenn Kapitalismuskritik als Antisemitismus und Kritik am weltweit gr&ouml;&szlig;ten Kriegstreiber als Antiamerikanismus bezeichnet wird. Und wenn jeder, der die l&uuml;ckenlose Aufkl&auml;rung des gr&ouml;&szlig;ten Terroraktes aller Zeiten fordert, als Verschw&ouml;rungstheoretiker und Spinner verp&ouml;nt wird.<\/p><p><strong>Und wen hat es da beispielsweise getroffen &ndash; und vor allem: Wer sind diese Verleumder denn?<\/strong><\/p><p>Das Problem ist doch folgendes: Die Kritik an der milit&auml;rischen Machtpolitik der US-Administration, aber auch an der Politik einer globalen Wirtschaftselite, die sich nun mal in den USA konzentriert, muss in der Regel differenziert ausfallen. Aufkl&auml;rung hat ja auch etwas mit Nachdenken zu tun. Die Kritiker dieser Aufkl&auml;rung arbeiten dagegen mit enormer Vereinfachung. Da wird dann zum Beispiel aus einer ausf&uuml;hrlichen Darstellung der Geschichte der FED eine &bdquo;antisemitische Suada&ldquo;. <\/p><p>Und da kann man sagen: Diejenigen, die sich am st&auml;rksten um die Aufkl&auml;rung der globalen Machtaus&uuml;bung des Westens bem&uuml;hen, sind auch am st&auml;rksten von den Shitstorms der sogenannten &bdquo;Querfront-Gegner&ldquo; betroffen. Insbesondere, wenn die hegemoniale Machtpolitik aus den USA kritisiert wird, werden entsprechende Publizisten, Autoren und K&uuml;nstler an den Gesinnungspranger gestellt. Hier darf man wohl als erstes <a href=\"http:\/\/kenfm.de\/team\/ken-jebsen\/\">Ken Jebsen<\/a> nennen, der ja sowas wie eine mediale Instanz f&uuml;r den j&uuml;ngeren Teil der Friedensbewegung geworden ist.<\/p><p>Gebetsm&uuml;hlenartig wiederholen seine Gegner, dass er von Henryk M. Broder zum Antisemiten erkl&auml;rt wurde. Nun wissen wir alle, wie leichtfertig Herr Broder mit solchen Anschuldigungen um sich wirft. Wer die Online-Sendungen von <a href=\"http:\/\/kenfm.de\/\">KenFM<\/a> anschaut, kann sich allerdings schnell davon &uuml;berzeugen, dass er mitnichten von irgendwelchen antisemitischen Botschaften beseelt ist. Sein Hauptwerk besteht darin, offizielle Medienberichte zu hinterfragen und &uuml;ber die Interessen des Westens bei kriegerischen Auseinandersetzungen aufzukl&auml;ren. Anstatt sich aber damit zu besch&auml;ftigen, klebt man die Etikette Antisemit und Verschw&ouml;rungstheoretiker drauf &ndash; Ende der Diskussion! Das ist eindeutige Abschreckungstaktik, um Aufkl&auml;rung zu verhindern.<\/p><p>Dasselbe kann man bei <a href=\"http:\/\/www.danieleganser.ch\/\">Dr. Daniele Ganser<\/a> beobachten, der seit Jahren die Vorg&auml;nge zu 9\/11 untersucht. Aber auch Akteure, die nicht direkt in der Friedensbewegung engagiert sind, sich aber leidenschaftlich f&uuml;r die Aufkl&auml;rung von Kriegsgeschehen einsetzen, sind solchen Diffamierungen ausgesetzt. Etwa <a href=\"http:\/\/juergentodenhoefer.de\/\">J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer<\/a>, der wegen seiner Parteinahme f&uuml;r die zivilen Opfer des Gaza-Krieges w&uuml;tend als Antisemit beschimpft wird. Oder <a href=\"http:\/\/www.broeckers.com\/\">Matthias Br&ouml;ckers<\/a>, der eine Gegendarstellung zu den offiziellen Medienverlautbarungen im Ukraine-Konflikt geschrieben hat. Und ebenfalls Antisemiten und Neurechte sowie Verschw&ouml;rungstheoretiker sind dann automatisch auch alle, die Ken Jebsen , Daniele Ganser oder all die anderen diffamierten Publizisten gut finden. <\/p><p>Auf diese Weise entsteht eine regelrechte Gesinnungsjagd, und leider sind es eben Medien wie Spiegel oder TAZ, die hier das Podium bieten. Dabei wird auch immer deutlicher, dass Wikipedia ein besonders positives Verh&auml;ltnis zur <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28035\">Diffamierung friedensaktiver &ouml;ffentlicher Personen<\/a> hat. Zumindest erscheinen solche diffamierenden Erw&auml;hnungen mit ziemlicher Zuverl&auml;ssigkeit in den Artikeln &uuml;ber die entsprechenden Journalisten, Autoren oder K&uuml;nstler, und stehen meist in keinem Verh&auml;ltnis zum Gesamtwirken der entsprechenden Person. <\/p><p>Das ist eine sehr gef&auml;hrliche Methode. Schlie&szlig;lich handelt es sich bei diesen Personen h&auml;ufig um Freiberufler, die auf ihre Reputation angewiesen sind. Ein Rufmord auf Wikipedia kann daher schwerwiegende existenzielle Folgen haben. <\/p><p>Wer hinter dieser Querfront-Kampagne steckt, ist kaum zu sagen. In der &Ouml;ffentlichkeit haben sich daraufhin aber beispielsweise einige linke Politiker offiziell vom Friedenswinter losgesagt. Oftmals dieselben &uuml;brigens, die zeitgleich erstmals in der Geschichte der Linken einer Waffenlieferung in ein Krisengebiet zugestimmt haben. <\/p><p>Und dann gibt es da auch noch eine engagierte und angeblich linksextreme Gruppierung, die &auml;u&szlig;erst aktiv ist, was die Diffamierung der Friedensbewegung angeht. Es gibt ein ganz bestimmtes Argumentationsmuster, das geh&auml;uft in den sozialen Medien von Friedensaktivisten auftaucht und immer wieder die erw&auml;hnten Diffamierungsvorw&uuml;rfe ins Gespr&auml;ch bringt. Oftmals auf sehr aggressive, hartn&auml;ckige und geradezu verbohrte Weise. Wer sich davon ein Bild machen will, kann das Portal <a href=\"http:\/\/friedensdemowatch.blogsport.eu\/\">Friedens-Demo-Watch<\/a> besuchen. Die Leute dort konzentrieren sich einzig und allein darauf, Friedensinitiativen, Friedensaktivisten und deren Publikationen in die Mangel zu nehmen und ihnen &bdquo;Rechtslastigkeit&ldquo; nachzuweisen. Ihr Motto lautet &bdquo;Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die M&ouml;rder!&ldquo;. Ich denke, das muss man nicht weiter kommentieren.<\/p><p>Solche Leute sind aber nicht nur im Netz unterwegs, sondern sind auch real zur Stelle, sobald sich eine Demo etabliert, die gegen die Kriege der NATO auftritt, wie das zum Beispiel jeden Montag in Halle der Fall ist. Es gibt ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QlX8i_22JXo\">Video<\/a>, das zeigt, wie eine Menge solcher Gegendemonstranten eine Friedensdemonstration in Halle mit Rufen und Schreien und einem dauerhaften Sirenenton zu &uuml;bert&ouml;nen versucht. Der Gipfel ist, dass sie einen Feuerwerksk&ouml;rper in die Demonstration werfen, der &uuml;brigens bei einer Frau zu Gesichtsverletzungen f&uuml;hrte. Da ist ein Hass und Fanatismus unterwegs, vor dem man sich wirklich f&uuml;rchten muss.<\/p><p>Da fragt man sich nat&uuml;rlich ganz besonders, was das f&uuml;r Leute sind. Ich vermute mal, dass hier viele Fans von Jutta Ditfurth unterwegs sind. Aber ob das alles Mitglieder oder Anh&auml;nger ihrer neuen Partei die &bdquo;&Ouml;kologische Linke&ldquo; sind, wei&szlig; man nat&uuml;rlich nicht. <\/p><p>Es bleibt also v&ouml;llig unklar, wie sich diese ziemlich aggressiven sogenannten &bdquo;Querfront-Gegner&ldquo; organisieren. Gerade bei den Netzaktivisten wundert man sich immer wieder &uuml;ber die enorme zeitliche Pr&auml;senz. Markus Fiedler hat in seinem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wHfiCX_YdgA\">Film &uuml;ber die Wikipedia<\/a> nachgewiesen, dass manche Akteure das ganze Jahr &uuml;ber t&auml;glich bis zu 12-14 Stunden aktiv sind. Da dr&auml;ngen sich zwei Vermutungen auf. Entweder das sind v&ouml;llig fanatische Arbeitslose, oder sie werden daf&uuml;r bezahlt. Beide Vorstellungen finde ich sehr ungem&uuml;tlich. <\/p><p><strong>Sie sind ja selbst bereits als rechts und also &bdquo;gef&auml;hrlich&ldquo; diffamiert worden, wie mir Markus Fiedler im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28035\">Interview<\/a> berichtete. Was war da los? Und wer bewarf Sie da warum mit Schmutz? Kam derlei nur einmal vor oder bereist wiederholt?<\/strong><\/p><p>Ein beliebter Angriffspunkt ist eine Rede, die ich zu Beginn meines Engagements in Hamburg gehalten habe. Dabei habe ich das besondere Verh&auml;ltnis der Deutschen zu den USA als Befreiungsmacht thematisiert. Inzwischen gibt es ja immer mehr Historiker, die klarstellen, dass es f&uuml;r die verheerenden Zerst&ouml;rungen von zivilen Zielen in Deutschland von Februar bis Mai 1945 keine milit&auml;rische Notwendigkeit gegeben hat. Auf der anderen Seite erinnere ich mich noch sehr gut an die Aussage eines ostdeutschen Dichters, der im &bdquo;Spiegel&ldquo; sagte, &bdquo;den Deutschen h&auml;tte man die Nazi-Ideologie aus den K&ouml;pfen bomben m&uuml;ssen&ldquo;. Er begr&uuml;ndete damit seine Zustimmung zur Bombardierung auch ziviler Ziele im Jugoslawien-Einsatz. Das ist in meinen Augen eine gef&auml;hrliche Ideologie, denn sie versucht, Deutsche in die moralische Pflicht zu zwingen, jeden Krieg der USA respektive NATO gutzuhei&szlig;en, und <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/960596.antifa-heisst-luftangriff.html\">rechtfertigt<\/a> &uuml;berdies per se zivile Opfer. Deswegen fand ich es wichtig, in einer Rede daran zu erinnern, dass die Bombardements der Alliierten in den letzten Kriegsmonaten eben <em>keine<\/em> milit&auml;rische Notwendigkeit besa&szlig;en.<\/p><p>Aber eben genau diese Rede wurde und wird nun h&auml;ufig zitiert, wenn es darum geht, mich in die rechtsextreme Ecke zu stellen. Und sie spielte auch bei der Diskussion &uuml;ber meinen Eintrag auf Wikipedia eine gro&szlig;e Rolle. <\/p><p>Nat&uuml;rlich habe ich in dieser Rede den gesamten Verlauf des Krieges thematisiert und an die Millionen j&uuml;discher, polnischer und russischer Opfer erinnert. Von vielen Linken wurde diese Rede &uuml;brigens als durchaus sachlich und wichtig aufgenommen, und &uuml;berhaupt nicht als reaktion&auml;r oder rechts.<\/p><p>Auch sonst werde ich wegen meiner &Auml;u&szlig;erungen eher wenig angegriffen. Bei mir geht es vor allem darum, dass ich mich dem Distanzierungsdruck innerhalb der Friedensbewegung nicht unterwerfen wollte. Die Kooperation zwischen sogenannter alter und neuer Friedensbewegung verlief ja nicht reibungslos. Als Bedingung zur Zusammenarbeit wurden Forderungen an die Mahnwachen laut, sich von bestimmten Leuten zu distanzieren. Daraufhin sicherten die Mahnwachen in einem gemeinsamen Beschluss zu, keine Veranstaltungen mehr mit J&uuml;rgen Els&auml;sser zu machen, der ja bekanntlich als Rechtspopulist eingeordnet wird. <\/p><p>Nun war es aber so, dass der Friedenswinter nach seiner ersten erfolgreichen Veranstaltung im Dezember 2014 erstmal nicht mehr viel machte. Die Gefahr eines Krieges spitzte sich aber immer weiter zu. Im Februar war Minsk I gescheitert, von der Leyen hatte gerade die Entsendung einer &bdquo;Speerspitze&ldquo; Richtung Russland verk&uuml;ndet. Zu diesem Zeitpunkt organisierten einzelne ehemalige Teilnehmer der Mahnwachen in Eigenregie eine Kundgebung vor dem Bundestag, zu der sie auch J&uuml;rgen Els&auml;sser einluden, und eben auch mich. Nach langem &Uuml;berlegen sagte ich zu. Die sp&uuml;rbare Kriegsgefahr und die fortw&auml;hrende Bombardierung ziviler Ziele in der Ostukraine mit politischer Unterst&uuml;tzung unserer Regierung waren da meine oberste Priorit&auml;t. Meine Art der Distanzierung von Els&auml;sser war dann, mich vor Ort in aller Deutlichkeit gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit auszusprechen. Ich bin nicht der Meinung, dass man die B&uuml;hne einer Friedensdemo Rechtspopulisten &uuml;berlassen soll oder muss, sobald diese dort auftauchen. Im Gegenteil, ich finde, gerade dann sollte man sprechen und die M&ouml;glichkeit nutzen, <em>aktiv<\/em> auf die Meinungsbildung einzuwirken und progressive Positionen zu verbreiten. <\/p><p>Meine Rede war in Textform im Internet zug&auml;nglich und wurde im darauffolgenden Streit auch als ideologisch v&ouml;llig in Ordnung befunden. Dennoch warf mir ein f&uuml;hrender Friedensaktivist der &bdquo;alten Garde&ldquo;  vor, ich h&auml;tte mich von dieser Veranstaltung distanzieren m&uuml;ssen. Er distanzierte sich dann auch sofort von mir und gab dies sogleich der TAZ bekannt, die das umgehend dokumentierte. Eine Zeitlang war diese Geschichte dann sogar mein biografisches Hauptereignis bei Wikipedia und wurde so formuliert, dass man ein v&ouml;llig falsches und sehr negatives Bild von mir bekam.<\/p><p><strong>Und wie gehen Sie mit derlei um? Besonders Freude scheint ja nicht aufzukommen, wenn man heutzutage f&uuml;r den Frieden aktiv werden will. Friedensaktivist Pedram Shahyar berichtete sogar, man m&uuml;sse inzwischen teilweise Angst haben, <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/03\/11\/pedram-shahyar-du-hast-deinen-ruf-riskiert\/\">seinen Ruf zu riskieren<\/a> &ndash; wodurch das offenbar gro&szlig;e Interesse an einer Diskreditierung und Einsch&uuml;chterung der Bewegung letztlich ja doch umgesetzt wird; durch Einsch&uuml;chterung, Ablenkung von Friedensthemen und eben: qua Angst.<\/strong><\/p><p>Traditionelle Friedensaktivisten und Linke wissen seit vielen Jahren, dass sie mit Rufmord rechnen m&uuml;ssen, wenn sie gegen das politische Establishment protestieren. Ganz besonders, wenn es um Kritik an den USA, an der NATO und an Israel geht. Das hat der linke Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke in seinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/shop.papyrossa.de\/Gehrcke-Wolfgang-Rufmord\">Rufmord<\/a>&ldquo; ja eindr&uuml;cklich dargestellt.<\/p><p>Ich verstehe nicht, warum Linke sich hier immer noch so einsch&uuml;chtern lassen. Bei Friedensdemonstrationen geht es doch nicht um irgendwelche Meinungen, die man mal so haben kann oder eben nicht. F&uuml;r mich geht es hier um Leben und Tod. H&auml;tten wir eine machtvolle Friedensbewegung, k&ouml;nnten wir jetzt vielleicht verhindern, dass radioaktive Milan-Raketen aus Deutschland in den Irak geliefert werden, und dort daf&uuml;r sorgen, dass noch mehr M&uuml;tter missgebildete Kinder zur Welt bringen bzw. ganze D&ouml;rfer an Krebs sterben werden. Was k&uuml;mmert mich denn da mein Ruf? Wenn alle zusammen halten w&uuml;rden, dann k&ouml;nnte uns dieser Rufmord &uuml;berhaupt nichts ausmachen. <\/p><p>Gerade Pedram Shayar hat ja mehrmals versucht, durch Distanzierungserkl&auml;rungen und -forderungen der Gefahr des Rufmordes auszuweichen. Ich halte das f&uuml;r eine falsche Strategie. Wer die Friedensbewegung nicht will, wird immer wieder neue Gr&uuml;nde zur Diffamierung aller Beteiligten finden. Doch leider habe ich bei manchen Friedensaktivisten das Gef&uuml;hl, sie w&uuml;rden zwar gern in eine Schlammschlacht ziehen, haben aber zu gro&szlig;e Angst, sich schmutzig zu machen. <\/p><p>Es gibt aber auch Dinge, die Freude machen. Etwa den Zusammenhalt mit Menschen zu sp&uuml;ren, die sich nicht unterkriegen lassen. Die diesem ganzen Distanzierungsdruck standhalten und sich auf ihre eigentliche Motivation konzentrieren, also Friedens-Aktionen und -demonstrationen zu organisieren. <\/p><p>Und was die Kooperation mit sogenannten &bdquo;Rechten&ldquo; angeht, denke ich immer gern an eine Szene, die ich 1989 in Leipzig erlebt habe. Damals haben Polizisten eine Aktion von Musikern &bdquo;aufgel&ouml;st&ldquo; und die K&uuml;nstler mitsamt ihren Instrumenten auf einen Mannschaftswagen gepr&uuml;gelt. Wir Passanten standen alle v&ouml;llig hilflos rum. Bis auf eine &auml;ltere Dame, die mit einem Stock auf einen Polizisten losmarschiert ist und ihn angebr&uuml;llt hat, ob der denn sowas auch mit seinem Bruder machen w&uuml;rde. Sie erreichte sogar, dass der Polizist sein Opfer loslie&szlig; und der Mann davonlaufen konnte. Wenn diese Frau mir erkl&auml;rt h&auml;tte, dass sie etwas gegen Abtreibungen oder die Ehe von Homosexuellen h&auml;tte, das w&auml;re mir doch egal gewesen. Beziehungsweise kann man &uuml;ber so etwas auch bei anderer Gelegenheit in Ruhe sprechen.<\/p><p>Man muss doch auch all die historischen Beispiele von Kriegsgegnern anerkennen, die aus dem konservativen Lager kamen. Die Aktivisten der Wei&szlig;en Rose haben ihren Mut mit ihrem christlichen Glauben und v&ouml;llig konservativen Werten begr&uuml;ndet. W&uuml;rde man die heute als &bdquo;rechts&ldquo; beschimpfen? <\/p><p><strong>Sie pl&auml;dieren jetzt aber nicht daf&uuml;r, das eigene politische Selbstverst&auml;ndnis aufzugeben und so zu tun als g&auml;be es zwischen &bdquo;rechts&ldquo; und &bdquo;links&ldquo; keinerlei Differenz? <\/strong><\/p><p>Einmal muss man sich ja fragen, welche <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/notes\/andreas-gr%C3%BCnwald\/links-und-rechts\/975705445782015?__mref=message_bubble\">Zuverl&auml;ssigkeit<\/a> diese Begriffe in der heutigen politischen Landschaft noch haben. Etwa, wenn ausgerechnet Sozialdemokraten daf&uuml;r gesorgt haben, dass die Existenzbedingungen von Arbeitslosen in menschenunw&uuml;rdige Zust&auml;nde abgleiten.<\/p><p>Und wenn auf Die Linke nicht einmal mehr bei der Waffenlieferung in Krisengebiete Verlass ist, wird es richtig schwierig.<\/p><p>In der Friedensbewegung sollten diese Begriffe zumindest eine untergeordnete Rolle spielen. Es muss auf jeden Fall legitim sein, dass Menschen unterschiedlicher politischer Ausrichtung gemeinsam f&uuml;r Frieden auf die Stra&szlig;e gehen. Dagegen hat Extremismus auf einer Friedensdemonstration definitiv nichts zu suchen, von rechts schon mal gar nicht. Es gibt aber auch gewaltbereite Linksextremisten, die ich ebenfalls nicht auf einer Friedensdemonstration sehen will.<\/p><p>Was hingegen die gem&auml;&szlig;igten politischen Lager angeht, halte ich es generell f&uuml;r besser, <em>Gespr&auml;che und Begegnungen<\/em> zu suchen. Was soll eine Distanzierung denn auch erreichen? Der Andere wird abgelehnt und wird dadurch in der Regel seine eigene Position nur noch mehr erh&auml;rten. Positionen werden <em>in Dialogen<\/em> ver&auml;ndert und nicht dadurch, dass sich jeder mit seinen Gleichgesinnten in ein Hinterst&uuml;bchen zur&uuml;ckzieht und dort ein Positionspapier schreibt. Gemeinsame Friedensdemonstrationen sind &uuml;brigens ein wunderbares Podium, um Menschen kennenzulernen, die andere Ansichten haben, und fair mit ihnen zu diskutieren. <\/p><p>Und man kann sich ja auch von einer Meinung <em>distanzieren<\/em> ohne gleich v&ouml;llig den Kontakt zu verweigern und die Person zur <em>Persona non grata<\/em> zu erkl&auml;ren. Mit dieser Kontaktverweigerung spielt man den rechten Manipulateuren doch erst recht in die H&auml;nde. F&uuml;r die w&auml;re es der gr&ouml;&szlig;te Alptraum, wenn pl&ouml;tzlich bei jeder PEGIDA-Demonstration Hunderte aktiver Linker auftauchen w&uuml;rden, die versuchten, mit den Demonstranten zu reden und ihnen linke Positionen nahezubringen<\/p><p>Mir gef&auml;llt der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28235\">Artikel<\/a> der NachDenkSeiten, der die Linke dazu auffordert, aus ihrer ideologischen &bdquo;Echokammer&ldquo; zu kommen, und das Gespr&auml;ch mit Leuten zu suchen, die derzeit rechten Parolen hinterherlaufen. So haben es gute linke Bewegungen immer gemacht. Allerdings m&ouml;chte ich auch anmerken, dass manche Linke erst einmal <em>zuh&ouml;ren<\/em> sollten, bevor sie anfangen, zu &bdquo;belehren&ldquo;.<\/p><p><strong>Was meinen Sie denn, w&auml;re &ndash; gerade in der geschilderten gesellschaftlichen wie ideologischen Situation &ndash; friedenspolitisch aktuell am meisten vonn&ouml;ten? Was steht sozusagen an, wenn die zunehmende Militarisierung noch aufgehalten werden soll?<\/strong><\/p><p>Ich f&uuml;rchte, die Zeit f&uuml;r eine breite Massenbewegung unter einem gemeinsamen Slogan ist vorbei . Daf&uuml;r ist unsere Gesellschaft vielleicht zu pluralistisch und sind wir selbst zu individualistisch geworden. <\/p><p>Das hei&szlig;t aber nicht, dass sich gar nichts bewegen l&auml;sst. Die Montagsdemo in Halle und jetzt die regelm&auml;&szlig;ige Sonntags-Demo in Plauen zeigen sehr wohl, dass Menschen jenseits von PEGIDA Kritik an Krieg und Neoliberalismus auf die Stra&szlig;e bringen k&ouml;nnen. Je mehr solcher Demonstrationen es gibt, umso besser.<\/p><p>Ich pers&ouml;nlich glaube zum Beispiel an Maximalforderungen, wie &bdquo;Deutschland raus aus der NATO&ldquo;. Aber vielleicht brauchen andere ja das Gef&uuml;hl, friedenspolitisch Realpolitiker zu sein. Immerhin hat die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27190\">Demonstration<\/a> gegen den Drohnenkrieg via Rammstein auch ein paar Tausend Leute mobilisiert. Und Demonstrationen sind ja auch nicht die einzige M&ouml;glichkeit.<\/p><p>Man kann Protestbriefe an Abgeordnete schreiben. Oder pers&ouml;nliche Briefe an einzelne Redakteure in den Medien, das kann noch wirksamer sein als sich an Online-Foren zu beteiligen. Lehrer und Eltern k&ouml;nnen sich gegen die gef&auml;hrlich zunehmenden <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23534\">Werbe-Veranstaltungen<\/a> der Bundeswehr in Schulen stellen. <\/p><p>Werbeagenten k&ouml;nnen sich weigern, f&uuml;r die Bundeswehr zu arbeiten. Techniker k&ouml;nnen Auftr&auml;ge von R&uuml;stungsfirmen ablehnen. Das Verm&auml;chtnis von Wolfgang Borchert, sein Gedicht &bdquo;Sag nein!&ldquo;, ist heute aktueller denn je. <\/p><p>Man kann die Fl&uuml;chtlingsdebatte immer wieder nutzen, um Menschen auf die Ursachen von Kriegen hinzuweisen und friedenspolitisches Bewusstsein zu f&ouml;rdern. In einer Gesellschaft, die von Unterhaltungsformaten wie <em>Star Wars<\/em> etc. gepr&auml;gt ist, kann man generell der Gew&ouml;hnung und Bagatellisierung von Gewalt entgegentreten. Es gibt viele M&ouml;glichkeiten, etwas f&uuml;r eine friedliche Gesellschaft zu tun, und alles ist wichtig. <\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn die Kritiker des Friedenswinters endlich anfangen w&uuml;rden, an einer Friedensinitiative nach ihren Vorstellungen zu arbeiten. Das w&auml;re jedenfalls besser, als alles, was schon existiert, kaputt zu reden, ohne dem Eigenes entgegenzusetzen. Andernfalls  setzen sie sich dem Verdacht aus, sie tun das alles nur, um die Kriegstreiber vor Protest zu besch&uuml;tzen. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Katrin McClean<\/strong> schreibt Krimis f&uuml;r Erwachsene und Detektivh&ouml;rspiele f&uuml;r Kinder. Als Publizistin ist sie der Verbreitung von Feindbildern als Mittel der medialen Kriegsf&uuml;hrung auf der Spur. Als Friedensaktivistin war sie ma&szlig;geblich an der Organisation von Protest-Demonstrationen vor dem Hamburger Spiegel-Geb&auml;ude und der Hamburger Auftaktdemonstration im Rahmen des bundesweiten <a href=\"http:\/\/friedenswinter.de\/\">Friedenswinters<\/a> beteiligt.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25805\">Die Antisemitismus-Kampagne gegen links<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24581\">Wie antisemitisch ist die Linke?<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/03\/11\/pedram-shahyar-du-hast-deinen-ruf-riskiert\/\">Friedensaktivist Pedram Shahyar: &sbquo;Du hast deinen Ruf riskiert&lsquo;<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25743\">Interview mit Reiner Braun zur Kl&auml;rung einiger Fragen zur Friedensbewegung, zum Echo und zur wohlwollenden und feindseligen Kritik<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25429\">Dokumente zum Treffen der Friedensbewegung am 14. M&auml;rz in Frankfurt und zur laufenden Querfront-Kampagne<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24712\">Wird die neue Friedensbewegung mit ihrem Protest gegen die Militarisierung der Politik und konkret gegen die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine durchhalten und ein angemessenes Echo finden?<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24298\">Berichte und Kommentare zur Friedensdemonstration in Berlin waren vorher geschrieben. Deutschlands Medien steigern ihre Unglaubw&uuml;rdigkeit<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.freidenker.org\/cms\/dfv\/images\/stories\/PDF\/freidenker-15-01-hartmann.pdf\">Passend zur Kriegszeit: Breitseiten gegen die Friedensbewegung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=20523\">Zur Debatte um die &ldquo;alte&rdquo; und &ldquo;neue&rdquo; Friedensbewegung: Super! Eine Super-Querfront ist entstanden<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"https:\/\/nemetico.wordpress.com\/2014\/07\/02\/die-sehr-reale-und-faktische-querfront-von-jutta-von-ditfurth-bis-zu-den-schlachtern-von-odessa\/\">Die sehr reale und faktische Querfront von Jutta von Ditfurth bis zu den Schl&auml;chtern von Odessa<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.antifa.de\/cms\/content\/view\/1991\/32\/\">Die Einsicht, dass Antifaschismus und Antikapitalismus zusammengeh&ouml;ren, droht verlorenzugehen<\/a>&ldquo;, bestehend aus Teil 1 &bdquo;Die Umdeutung des Faschismus zur Massenbewegung der Subalternen&ldquo; und Teil 2 &bdquo;Die Antifa 2.0 und der Hass auf die Unterschichten&ldquo; <\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/04\/21\/antideutsche-pseudo-linke-ideologie\/\">Antideutsches Denken: Pseudo-linke Ideologie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Hintergrund-Analyse: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/notes\/andreas-gr%C3%BCnwald\/links-und-rechts\/975705445782015?__mref=message\">Links und Rechts? Drei interessante Zitate marxistischer Theoretiker zur Bedeutung dieser Begriffe: Marcel Hostettler, Hans Heinz Holz und Andrei Alexandrowitsch Schdanow<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von Jens Wernicke finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/8c3ece4bd3c5489eb44fd6ba080713d8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151112_mcclean.jpg\" alt=\"Katrin McClean\" title=\"Katrin McClean\"\/><\/div>\n<p>Haben Sie es auch schon gelesen: Auf Friedensdemonstrationen trifft man heutzutage angeblich viele Rechte an. Die meisten, die das V&ouml;lkerrecht verteidigen oder die Ausw&uuml;chse des Casino-Kapitalismus kritisieren, sind latente Antisemiten. Wer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27897\">gegen TTIP<\/a> ist, verbirgt hinter linker Attit&uuml;de vielleicht nur dumpfen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28643\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,170,209,123,11],"tags":[282,341,1077,1243,1120,1238,1534],"class_list":["post-28643","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-friedenspolitik","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-strategien-der-meinungsmache","tag-buergerproteste","tag-broder-henryk-m","tag-ditfurth-jutta","tag-elsaesser-juergen","tag-friedensbewegung","tag-jebsen-ken","tag-querfront"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28643"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120070,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28643\/revisions\/120070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}