{"id":2877,"date":"2008-01-08T15:35:09","date_gmt":"2008-01-08T14:35:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2877"},"modified":"2015-12-03T11:05:52","modified_gmt":"2015-12-03T10:05:52","slug":"freiheit-statt-sozialismus-westerwelle-warnt-vor-einem-linksruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2877","title":{"rendered":"\u201eFreiheit statt Sozialismus\u201c &#8211; Westerwelle warnt vor einem Linksruck"},"content":{"rendered":"<p>Die Einlassungen des FDP-Vorsitzenden auf dem Dreik&ouml;nigstreffen der FDP k&ouml;nnte man rechts liegen lassen, weil sie von einem Realit&auml;tsverlust sondergleichen zeugen. (Siehe dazu den Auszug aus einem Bericht von SpiegelOnline im Anhang) Aber aus Erfahrung wissen wir, dass Propaganda unglaublich wirkt und auch, zumindest in gewissen Schichten, v&ouml;llig gegen die Wirklichkeit das Bild von der Wirklichkeit pr&auml;gen kann. Gehirnw&auml;sche ist heutzutage m&ouml;glich. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDie fr&uuml;here Parole der Union &bdquo;Freiheit statt Sozialismus&ldquo; hatte 1972\/1973 ff., als sie im Kampf gegen die damalige SPD eingesetzt wurde, auch keine Entsprechung in der Realit&auml;t. Die damaligen sozialdemokratischen Bundeskanzler Brandt und Schmidt waren weit weg vom Sozialismus und gef&auml;hrdeten auch nicht die Freiheit, jedenfalls nicht mehr als die damalige FDP und die Union. Dennoch hat diese Parole ihre Wirkung getan. Sie hat geholfen, die Koordinate des Denkens und der praktischen Politik nach rechts zu verschieben.<\/p><p>Die SPD selbst war schon damals nicht nach links ger&uuml;ckt, im Gegenteil, mit dem Wechsel von Brandt zu Schmidt und vorher schon in der Regierungserkl&auml;rung von Willy Brandt vom Januar 1973 war eher eine Verneigung vor der so genannten Neuen Mitte verbunden. Dennoch hat die Parole vom angeblichen &bdquo;Linksruck&ldquo; verfangen. Sie wurde von der Union und den ihr nahestehenden Medien und dann auch mehr und mehr von der FDP benutzt. Ihre Glaubw&uuml;rdigkeit wurde dadurch verst&auml;rkt, dass innerhalb der SPD der Machtkampf mit der gleichen Parole ausgetragen wurde. Die Kanalarbeiter und dann die Seeheimer benutzten den gleichen Begriff und die gleiche Denkwelt.<\/p><p>Je mehr der Linksruck als realistisch dargestellt und als Gefahr an die Wand gemalt werden konnte, umso mehr setzten sie sich mit ihren eher konservativen Vorstellungen innerhalb der SPD und im Land insgesamt durch. Die Gr&uuml;ndung der Seeheimer war &uuml;brigens mit dem Linksruck begr&uuml;ndet worden. Dagegen m&uuml;sse man etwas tun.<br>\nAuch heute hat die Parole vom Linksruck keinerlei Entsprechung in der praktischen Politik der SPD oder der Bundesregierung. Auch die Parole von der &bdquo;Sozialdemokratisierung&ldquo; der Union hat keine wirkliche Entsprechung in der Realit&auml;t. Die Mehrwertsteuer zum Beispiel wurde erh&ouml;ht und die Unternehmenssteuern wurden gesenkt. Schon daran sieht man, wie absurd die Vorstellung von Herrn Westerwelle ist, das &bdquo;Verteilen sei wieder wichtiger geworden als das Erwirtschaften&ldquo;. Die Managergeh&auml;lter und Gewinne steigen beachtlich und die Unternehmen werden steuerlich gef&ouml;rdert; die Einkommen der weniger verdienenden stagnieren nachweislich und werden obendrein mit der Mehrwertsteuer und mit steigenden Energiekosten und Geb&uuml;hren mehr belastet.<\/p><p>Die praktische Politik der SPD hat sich mit Ausnahme des Mindestlohns und der kleinen Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes I nicht nach links verschoben, im Gegenteil: beim Thema Privatisierung und in der Steuerpolitik bleibt die SPD im konservativen Lager verhaftet. Auch die Personalentscheidungen des letzten SPD Parteitages deuten keinerlei Linksruck an. In der engeren Spitze gibt es eine satte Mehrheit der sogar neoliberal gepr&auml;gten Personen: die stellvertretenden Vorsitzenden Steinmeier Steinbr&uuml;ck, Generalsekret&auml;r Hubertus Heil, die Schatzmeisterin und Kurt Beck &ndash; alles andere als links, und Andrea Nahles als Alibi.<\/p><p>Dennoch wird die Parole vom Linksruck benutzt werden, um die SPD immer wieder zu eher konservativen praktischen Entscheidungen zu dr&auml;ngen und zu veranlassen. Und auch die innere Willensbildung der Union wird mit der &auml;hnlichen Parole von der Sozialdemokratisierung gepr&auml;gt bleiben.<\/p><p>In einem k&ouml;nnte Westerwelle recht haben und das hoffen wir: in unserer Gesellschaft hat es so etwas gegeben wie einen kleinen Linksruck. Der Sinn der Menschen f&uuml;r solidarische L&ouml;sungen und f&uuml;r die Rolle des Staates scheint wieder etwas gewachsen, jedenfalls best&auml;rkt zu sein. Davor hat Westerwelle hoffentlich Angst.<\/p><p><strong>Auszug<\/strong>aus einem SpiegelOnline-Bericht vom 6.1.2007 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,526907-2,00.html\">&uuml;ber das FDP-DREIK&Ouml;NIGSTREFFEN<\/a><\/p><blockquote><p>Immer wieder brandet lauter Applaus auf, als der FDP-Chef eine auch inhaltlich fulminante Rede vortr&auml;gt: Es geht um die Mitte von Gesellschaft und Politik, den <strong>Linksruck<\/strong> aller anderen &ndash; um Jugendkriminalit&auml;t und Kindesvernachl&auml;ssigungen.<\/p>\n<p>Westerwelle gei&szlig;elt den Politikwechsel des vergangenen Jahres: Es habe einen Wandel im Denken und im F&uuml;hlen gegeben. <strong>Das Verteilen sei im Jahr 2007 wieder wichtiger geworden als das Erwirtschaften<\/strong>, der Staat wichtiger als das Private. In den vergangenen zw&ouml;lf Monaten sei das <strong>Pendel nach links<\/strong> ausgeschlagen, die b&uuml;rokratische Staatswirtschaft habe neue Anh&auml;nger gefunden bis in die Reihen der Union hinein. Seine scharfen Warnungen vor dem Wiedererstarken des Sozialismus in Deutschland seien angesichts der politischen Realit&auml;t noch untertrieben gewesen.<\/p>\n<p>Staatswirtschaft habe neue Anh&auml;nger gefunden bis in die Reihen der Union hinein. Seine scharfen Warnungen vor dem <strong>Wiedererstarken des Sozialismus in Deutschland<\/strong> seien angesichts der politischen Realit&auml;t noch untertrieben gewesen.<\/p>\n<p><strong>Der Linksruck m&uuml;sse beendet werden<\/strong>: 2008 m&uuml;sse das Jahr der politischen Wende werden: &ldquo;Neosozialismus muss wieder klein geschrieben werden und Freiheit wieder gro&szlig;!&rdquo;, so Westerwelle. Die Mitte der Union sei der FDP zu links. &ldquo;Verhindern Sie, dass Deutschland links der Mitte regiert wird, das geht nur mit uns!&rdquo;, fordert er die W&auml;hler auf. Westerwelles Stimme &uuml;berschl&auml;gt sich in diesem Moment.<\/p>\n<p>Freiheit k&ouml;nne auch unbequem sein und pers&ouml;nlichen Schmerz mitbringen, aber diese Freiheit sei ihm lieber als die Bevormundung der Menschen durch den Staat. &ldquo;Wir wollen Staatsb&uuml;rger, keine Staatskunden.&rdquo;<\/p>\n<p>Die FDP als einzige standhafte Partei, als einzige Kraft der Freiheit und der Mitte, die Liberalen als einzige Alternative zu allen anderen Parteien zu pr&auml;sentieren, ist schon seit l&auml;ngerem Strategie der FDP. In diesem Jahr, in dem vier Landtagswahlen stattfinden, verlegte sich Westerwelle au&szlig;erdem darauf, der SPD politisches Umfallen zu prognostizieren. Er sei sich sicher, dass die Sozialdemokraten in Hessen, Niedersachsen und Hamburg, um zu regieren, wenn n&ouml;tig, auch ein B&uuml;ndnis mit den Linken schlie&szlig;en w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Genau vor einem Jahr hatte Westerwelle auf dem Dreik&ouml;nigstreffen die vergessene politische Mitte diagnostiziert &ndash; der ganz gew&ouml;hnliche Mittelst&auml;ndler spielt auch in diesem Jahr wieder eine zentrale Rolle in seiner Rede. Es gebe keine bessere Politik, um den Arbeitnehmer zu st&auml;rken, als die Mittelstandspolitik der FDP. Der Mittelstand sei das R&uuml;ckgrat der Gesellschaft. &ldquo;Die Liberalen sch&uuml;tzen die Schwachen vor den Starken, aber auch vor den Faulen&rdquo;, sagt Westerwelle. Der Aufschwung m&uuml;sse endlich bei der Mitte ankommen, bevor er wieder vorbei sei. Leistung m&uuml;sse sich wieder lohnen, &ldquo;wer Leistungsgerechtigkeit vergisst, wird soziale Gerechtigkeit verlieren.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einlassungen des FDP-Vorsitzenden auf dem Dreik&ouml;nigstreffen der FDP k&ouml;nnte man rechts liegen lassen, weil sie von einem Realit&auml;tsverlust sondergleichen zeugen. (Siehe dazu den Auszug aus einem Bericht von SpiegelOnline im Anhang) Aber aus Erfahrung wissen wir, dass Propaganda unglaublich wirkt und auch, zumindest in gewissen Schichten, v&ouml;llig gegen die Wirklichkeit das Bild von der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2877\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[193,123,11],"tags":[329,920,452,359,399,240,448],"class_list":["post-2877","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fdp","category-kampagnentarnworteneusprech","category-strategien-der-meinungsmache","tag-brandt-willy","tag-dreikoenigstreffen","tag-linksrutsch","tag-parteistroemungen","tag-schmidt-helmut","tag-sozialdemokratisierung","tag-westerwelle-guido"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2877"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29325,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2877\/revisions\/29325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}