{"id":28855,"date":"2015-11-20T09:24:37","date_gmt":"2015-11-20T08:24:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28855"},"modified":"2024-08-22T16:31:38","modified_gmt":"2024-08-22T14:31:38","slug":"der-deutsche-filz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28855","title":{"rendered":"Der deutsche Filz"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151120-interview-mit-werner-ruegemer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>W&auml;hrend Lobbyisten im Bundestag ein- und ausgehen und das Parlament sich trotz gerichtlicher Verpflichtung hierzu dennoch <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/lobbyisten-bundestag-verweigert-herausgabe-der-namen-von-lobbyisten-1.2701866\">weigert<\/a>, deren Namen &ouml;ffentlich zu machen, werden Whistleblower, die verbrecherische, klandestine Praxen der M&auml;chtigen &ouml;ffentlich machen, als <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/08\/01\/warum-die-postdemokratie-whistleblower-zu-staatsfeinden-erklaert\/\">Staatsfeinde<\/a> verfolgt. Die Verstrickungen zwischen Macht und Politik scheinen &ndash; ebenso wie die von diesen Kreisen ausgehende <a href=\"http:\/\/www.datum.at\/artikel\/die-netzfluesterer\">Manipulation<\/a> &ndash; allgegenw&auml;rtig und umfassend zu sein. Aber geht es eigentlich nur um &bdquo;die Lobbyisten im Bundestag&ldquo;, &bdquo;den VW-Skandal&ldquo;, diese oder jene m&auml;chtige <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28184\">Stiftung<\/a>? Geht es nicht, meint <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>, der in seinem Buch &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; anhand der &bdquo;Korruptionshauptstadt K&ouml;ln&ldquo; die Allt&auml;glichkeit deutschen Filzes und deutscher Korruption ans Licht der &Ouml;ffentlichkeit bringt. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit ihm.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr R&uuml;gemer, in Ihrem Buch &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo;, das soeben in 8. Auflage erschienen ist, thematisieren Sie exemplarisch den politischen Kl&uuml;ngel nebst all seinen Machenschaften und Korruption. Wie darf man sich das vorstellen: eine korrupte Politik?<\/strong><\/p><p>Korruption kommt von lateinisch corrumpere, brechen. Korruption bedeutet die Brechung des politischen Willens der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung oder gew&auml;hlter Volksvertreter. Auch Verwaltungsbeamte, die im Auftrag gew&auml;hlter Volksvertreter oder eines gew&auml;hlten B&uuml;rgermeisters handeln, k&ouml;nnen korrumpiert werden. Korrupteure sind vor allem m&auml;chtige Leute, die &uuml;ber Macht und\/oder Geld verf&uuml;gen und sich auf heimliche und rechtswidrige Weise Vorteile verschaffen wollen. Da geht es, das ist der bekannteste Fall, um Bau- und R&uuml;stungsauftr&auml;ge oder um Auftr&auml;ge anderer Art, zum Beispiel Dienstleistungs- und Mietvertr&auml;ge, und zwar zum Schaden der Stadt, des Staates. Korruption zwischen Unternehmern und Managern gibt es nat&uuml;rlich auch, aber das lassen wir hier au&szlig;er Betracht.<\/p><p>Im Buch &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; habe ich mehrere gr&ouml;&szlig;ere Korruptionsvorg&auml;nge beschrieben &ndash; und zwar zun&auml;chst auf der kommunalen Ebene am Beispiel der Stadt K&ouml;ln. Etwa hat der Anlagenbaukonzern Steinm&uuml;ller den Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der K&ouml;lner st&auml;dtischen Abfallgesellschaft, den SPD-Fraktionsgesch&auml;ftsf&uuml;hrer und andere insgesamt mit Millionenbetr&auml;gen bestochen, damit sein Angebot zum Bau eines neuen M&uuml;llofens bevorzugt wird. Der Baukonzern Holzmann lud den Oberstadtdirektor auf sch&ouml;ne Reisen ein, um den Auftrag f&uuml;r eine neue Veranstaltungshalle zu bekommen. Die Bank Oppenheim stellte dem Oberstadtdirektor einen hochdotierten Posten in Aussicht, wenn er den Auftrag f&uuml;r eine Veranstaltungshalle und f&uuml;r das neue Rathaus an eine Banktochter durchdr&uuml;ckt, mit einem f&uuml;r die Stadt h&ouml;chst ung&uuml;nstigen 30-Jahres-Mietvertrag. Und die US-Bank First Union zahlte offiziell eine zweistellige Millionensumme, damit die Stadt ihre Kanalisation verkauft, ein rechtswidriges Gesch&auml;ft, dessen Risiken gegen&uuml;ber den Ratsmitgliedern und der &Ouml;ffentlichkeit verheimlicht wurden. Mit dabei sind bei solchen Geschehnissen in aller Regel auch ein ganzer Schwarm von Anw&auml;lten, Wirtschaftspr&uuml;fern und anderen Beratern, die sich auch gut entlohnen lassen. <\/p><p>Ich habe dargestellt, wie sich der fr&uuml;here Oberb&uuml;rgermeister Konrad Adenauer Sympathien durch Zahlungen aus einer schwarzen Kasse verschafft hat. Aber auch das Verschweigen oder die &ouml;ffentliche Besch&ouml;nigung von Korruption kann dazu beitragen, den politischen Willen in einer Stadt zu brechen &ndash; das habe ich am K&ouml;lner Erzbischof Kardinal Meisner ebenso dargestellt wie am regionalen Medienkonzern DuMont Schauberg, der den &bdquo;K&ouml;lner Stadt-Anzeiger&ldquo; herausgibt. <\/p><p>Das Ganze ist eingebettet in ein Milieu, das sich gegenseitig best&auml;tigt und wo die meisten sicherlich gar nichts von korruptiven Vorg&auml;ngen wissen. Dazu geh&ouml;ren die Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammer, Unternehmerverb&auml;nde, Rotary- und Lionsclubs, das Spitzenpersonal aus Parteien und Verwaltung. In jeder Stadt kommen ein paar Besonderheiten dazu, in K&ouml;ln sind das etwa die gro&szlig;en Karnevalsvereine, die Managern und Unternehmern offenstehen, oder etwa auch der Dombauverein. Und ich habe die Justiz geschildert, die sich sehr schwer tut, gegen Prominente vorzugehen, wenn die noch in Amt und W&uuml;rden sind. Abgehalfterte Banker wie die Oppenheims &ndash; die nimmt man sich dagegen schon mal ausgiebig vor, um das Publikum zu unterhalten. Und auf jeden Fall aber, und das ist von immenser Wichtigkeit, geh&ouml;rt zu diesem Milieu das jeweilige lokale und regionale Medienmonopol. <\/p><p><strong>Jetzt haben Sie mich aber neugierig gemacht. Sie haben dem Medienkonzern DuMont Schauberg Korruption vorgeworfen? Und das &bdquo;regionale Medienmonopol&ldquo; ist Ihrer Einsch&auml;tzung nach stets fester Bestandteil korruptiver Kl&uuml;ngel? F&uuml;hren Sie das doch bitte ein wenig aus.<\/strong><\/p><p>Man darf korruptive Beziehungen heute nicht als Kauf mit Bargeld gleichsetzen. In meinem Buch habe ich die offenen und nicht so offenen Verbindungen des Verlages und des Verlegers etwa mit der IHK, der alteingesessenen Bank Sal. Oppenheim, mit dem st&auml;dtischen Museums- und Kulturbetrieb dargestellt. Wegen dieser wurden durch Verlagsmedien sozial- und haushaltssch&auml;dliche Praktiken eben nicht angemessen thematisiert, etwa in Bezug auf den Energiekonzern RWE, die Baukonzerne Hochtief und Bilfinger Berger. <\/p><p>Die K&auml;uflichkeit eines ehemaligen Oberstadtdirektors geh&ouml;rt dazu, die Komplizenschaft der Kommunalaufsicht, die einseitige publizistische F&ouml;rderung der FDP. Und auch die exzessive Selbstdarstellung des eigenen Milieus und dessen Vorzeigefiguren manipulieren die Wirklichkeit. <\/p><p>Die Aktivit&auml;ten von Gewerkschaften, B&uuml;rgerinitiativen und von allem, was als links oder kritisch beurteilt wird, werden ausgeblendet. Deren Veranstaltungen kommen so gut wie nicht vor. Arbeitswelt? Fehlanzeige!  &ndash; w&auml;hrend allerdings etwa jeder sexistische Furz des Erzbischofs umf&auml;nglich kommentiert wird. <\/p><p>Man muss allerdings hinzuf&uuml;gen, dass die vielen gro&szlig;en Medien, die in K&ouml;ln ihren Sitz haben, sich nicht anders verhalten, so etwa der WDR mit seinen braven Lokalsendungen in K&ouml;ln wie in vielen anderen St&auml;dten in Nordrhein-Westfalen.<\/p><p><strong>Und k&ouml;nnen Sie sagen, woher es kommt, dass derlei Filz und Korruption in unseren  St&auml;dten medial so wenig Beachtung finden?<\/strong><\/p><p>Die &uuml;berregionalen Medien in Deutschland besch&auml;ftigen sich immer wieder mit ausgew&auml;hlten Formen des Filzes und der Korruption auf Bundesebene. Da waren zum Beispiel der Flick-Skandal, Kohls schwarze Kassen, die Spende eines Waffenh&auml;ndlers an den damaligen CDU-Vorsitzenden Sch&auml;uble, Bundespr&auml;sident Wulff und Ex-Kanzleramtschef Pofalla. Auch in bekannte Konzerne wie Siemens und VW und etwa in den ADAC wird mal hineingeleuchtet.  Aber das Geschehen in den St&auml;dten wird kaum beachtet. <\/p><p>Auch das hat wesentlich mit den regionalen Medienmonopolen und -monop&ouml;lchen zu tun. Solche beherrschen praktisch in allen St&auml;dten und Gro&szlig;regionen die  besch&ouml;nigende Selbstdarstellung des lokalen und regionalen Filzes. Und sie tragen auch dadurch zur einheitlichen vorherrschenden Meinungsmacht und -mache bei, indem sie ihre Redaktionen immer weiter ausd&uuml;nnen, sich auf die Bearbeitung von Meldungen der Nachrichten-Agenturen verlegen und Spiegel, F.A.Z., S&uuml;ddeutsche und BILD als Leitmedien ansehen.<\/p><p>In &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; habe ich das anhand der Medienkrake DuMont Schauberg dargestellt. Ihre vielen Arme reichen hier in die Tageszeitungen K&ouml;lner Stadt-Anzeiger, Express K&ouml;ln, Express D&uuml;sseldorf, Express Bonn, K&ouml;lner Rundschau, Bonner Generalanzeiger, in ein Dutzend lokale und regionale Anzeigenbl&auml;tter, in Szenezeitschriften wie K&ouml;lner Illustrierte. Die Mediengruppe DuMont betreibt zahlreiche regionale Rundfunk- und TV-Sender in K&ouml;ln und umgebenden St&auml;dten, Ticket-Services mit K&ouml;lnticket, Bonnticket, westticket, den Kunst- und Literaturverlag, Medien- und Vertriebst&ouml;chter, Callcenter, die DuMont Management Academy und die Westdeutsche Medienakademie, eine Immobilienplattform, die Kinderzeitung Duda. <\/p><p>Und auch das Anzeigengesch&auml;ft schafft intransparente Beziehungen &ndash; nehmen Sie nur mal die Anzeigen f&uuml;r Prostitution, Massagesalons, Damenbegleitung und Bordelle, die den Express f&uuml;llen &ndash; der auf das &bdquo;gutb&uuml;rgerliche&ldquo; Publikum orientierte Stadt-Anzeiger ist &uuml;brigens von diesen Anzeigen frei, daf&uuml;r hat er das Gesch&auml;ft mit den Todesanzeigen und die Kulturberichterstattung fest in der Hand. Ein &auml;hnliches Gespinst hat der DuMont Verlag auch im ostdeutschen Halle mit der Tochtergesellschaft Mitteldeutsche Zeitung aufgebaut. <\/p><p>Als 2002 die Erstauflage von &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; erschien, brach zuf&auml;llig der Korruptionsskandal um die M&uuml;llverbrennungsanlage auf. &Uuml;ber den hatte ich in der Szenezeitschrift &bdquo;K&ouml;lner StadtRevue&ldquo; schon Jahre zuvor berichtet &ndash; die DuMont-Presse  hatte derlei aber &uuml;ber die Jahre rigoros verdr&auml;ngt oder etwa durch Interviews mit dem Regierungspr&auml;sidenten besch&ouml;nigt. Als ich dann in einer gro&szlig;en Buchhandlung, die das Buch gut verkaufte, anfragte, ob ich eine Lesung machen k&ouml;nne, wurde mir bedeutet: Eigentlich gern, aber das k&ouml;nnen wir uns nicht leisten, wir sind auf die Ank&uuml;ndigungen unserer Veranstaltungen im K&ouml;lner Stadt-Anzeiger angewiesen. Durch eine Lesung mit Ihnen w&uuml;rden wir uns das verderben.<\/p><p><strong>Ist K&ouml;ln hier denn etwas Besonderes &ndash; oder sieht es so oder &auml;hnlich auch in anderen deutschen St&auml;dten aus?<\/strong><\/p><p>Immer wieder haben B&uuml;rger zum Beispiel aus Bonn, D&uuml;sseldorf, Hamburg, Dresden, Hannover angefragt, ob ich nicht auch ein solches Buch &uuml;ber ihre Stadt schreiben k&ouml;nne. Sie hatten Hinweise, dass es dort so &auml;hnlich wie in K&ouml;ln zugeht. Ich musste allerdings immer antworten: Eigentlich gern, aber das erfordert viel Arbeit. &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; ist ja aus einem ganzen Jahrzehnt der Besch&auml;ftigung mit den K&ouml;lner Verh&auml;ltnissen hervorgegangen, von 1990 bis 2002 etwa. In der Zeit habe ich vor allem in der K&ouml;lner StadtRevue, im K&ouml;lner Volksblatt, in der damals erscheinenden NRW-Regionalausgabe der taz und in der Neuen Rheinischen Zeitung zumindest die Erstver&ouml;ffentlichungen zum Thema K&ouml;lner Kl&uuml;ngel bestritten. Und durch die Verleumdungsklagen etwa des Oberb&uuml;rgermeisters, des Oberstadtdirektors, eines SPD-Hinterb&auml;nklers &ndash; der aber zahlreiche Aufsichtsratsmandate in st&auml;dtischen Unternehmen hatte &ndash; und des Pr&auml;sidenten des 1. FC K&ouml;ln und durch die dann folgenden Gerichtsverfahren gegen mich habe ich weitere Einblicke gewonnen. Auch die zwei Dutzend Verfahren der Bank Sal. Oppenheim gegen mich waren sehr aufschlussreich.<\/p><p>In anderen St&auml;dten sieht das Verh&auml;ltnis zwischen kleinen, kritischen Medien und der jeweiligen herrschenden &Ouml;ffentlichkeit inzwischen aber wohl &auml;hnlich oder sogar noch schlechter aus. Und das ist auch folgelogisch, denn viele Umst&auml;nde sind gleich: Erstens sind es dieselben Bau- und Energiekonzerne, Wirtschaftspr&uuml;fer, Anwaltskanzleien, Banken, die in allen gro&szlig;en St&auml;dten gleicherma&szlig;en aktiv sind. Zweitens sind es ja dieselben politischen Parteien, die wie auf Bundesebene auch in den Stadtr&auml;ten, Stadtverwaltungen und st&auml;dtischen Unternehmen die wichtigen Pl&auml;tze besetzen. Drittens finden seit zwei Jahrzehnten in allen St&auml;dten die gleichen Ma&szlig;nahmen zur &bdquo;Haushaltssanierung&ldquo; statt, wie ich sie an K&ouml;lner Beispielen bei Privatisierungen etwa in den Bereichen M&uuml;llentsorgung, Rathausbau, Messehallen, Museen und Arch&auml;ologie dargestellt habe &ndash; Bereiche, in denen die politisch &bdquo;Verantwortlichen&ldquo; wegen Schuldenbremse und K&uuml;rzungsdiktaten schlicht erpressbar sind. <\/p><p>Anhand von K&ouml;lner Beispielen habe ich im Buch das Ende der 1990er Jahre in Mode gekommene dubiose <em>Cross Border Leasing<\/em> mit der st&auml;dtischen Infrastruktur dargestellt, wo die Stadt unter Beratung der Deutschen Bank und der Kanzlei Allen &amp; Overy die Kanalisation, Messehallen und Stra&szlig;enbahnen erst an anonyme US-Investoren verkauft und dann zur&uuml;ckgemietet hat &ndash; das wurde auch in dutzenden anderen St&auml;dten Deutschlands und im europ&auml;ischen Ausland gemacht. Desgleichen beim Finanzprodukt <em>Public Private Partnership<\/em>, bei dem die St&auml;dte draufzahlen. Und viertens sind &uuml;berall dieselben Berater wie Freshfields, Price Waterhouse Coopers, Alfen Consult und die Partnerschaften Deutschland AG beteiligt. Im Untertitel hei&szlig;t mein Buch deshalb auch &bdquo;Globalisierung, Privatisierung und Korruption im Schatten des K&ouml;lner Kl&uuml;ngels&ldquo;. <\/p><p>Und nicht zuletzt beherrschen, wie schon erw&auml;hnt, lokale und regionale Medienmonopole die Selbstdarstellung des jeweiligen Filzes, dessen Teil sie selbst auch sind. Schauen Sie sich etwa die Mediengeflechte der S&uuml;dwestdeutschen Medienholding an &ndash; Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Schwarzw&auml;lder Bote, S&uuml;ddeutsche Zeitung -, die Mittelbayerische Zeitung in Regensburg und Umgebung, die Rheinische Post in D&uuml;sseldorf und Umgebung, die Westdeutsche Zeitung in der Region Wuppertal, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, kurz WAZ, im Ruhrgebiet, die Madsack-Gruppe in Hannover, die Augsburger Allgemeine, die Mainpost in W&uuml;rzburg, Bamberg und Aschaffenburg, die Rheinzeitung in Koblenz und Umgebung, die Bremer Tageszeitungen AG, das Medienhaus Nord in der Region Rostock, die S&uuml;ddeutsche Zeitung und die FAZ mit ihren Regionalausgaben, die Leipziger Volkszeitung, die Mitteldeutsche Zeitung, die Springer-Dominanz in Hamburg und Berlin usw. usf. Diese unscheinbar einflussreichen Medien-Provinzm&auml;chte und &ndash;Kl&uuml;ngel hat noch niemand genau unter die Lupe genommen, Zeit w&auml;re es aber sicherlich!<\/p><p><strong>Und warum bezeichnen Sie K&ouml;ln dann im Buch als &bdquo;Korruptionshauptstadt der Bundesrepublik&ldquo;, was gibt es Besonderes hier, wenn doch alles &auml;hnlich ist wie allerorts?<\/strong><\/p><p>Das galt ab 1945 bis in die 1960er Jahre, also in der Gr&uuml;ndungszeit des Separatstaates Bundesrepublik Deutschland. Die ersten Bundesregierungen wurden vom Bundeskanzler Konrad Adenauer gef&uuml;hrt, der gleichzeitig CDU-Vorsitzender war. Adenauer war &uuml;ber seine zweite Frau Gussie verwandt mit dem US-Hochkommissar John McCloy, einem Wall Street-Banker aus der Chase Manhattan Bank, die zum Rockefeller-Imperium geh&ouml;rte. McCloy &uuml;berwachte mithilfe seines Verwandten Adenauer die Formulierungen des Grundgesetzes, die Sicherung des Privateigentums und die Freilassung von Flick, Krupp und anderen NS-Gr&ouml;&szlig;en, sowie ab etwa 1950 auch die Vorbereitungen der Bundeswehr. <\/p><p>Bonn war die neue Bundeshauptstadt, aus der die Korrespondenten in alle Welt berichteten. Das war die Vorderb&uuml;hne mit dem Parlament, dem Bundestag. Das benachbarte K&ouml;ln aber war die Hinterb&uuml;hne, wo wichtige Entscheidungen fielen. Hier sa&szlig;en nicht nur die Botschaften der anderen Staaten, sondern auch die Industrie- und Bankenlobbyisten, allen voran die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde und der Bundesverband der deutschen Industrie &ndash; und auch die Bank Oppenheim.<\/p><p>Die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und die Commerzbank waren durch die NS-Kollaboration diskreditiert. Beim N&uuml;rnberger Kriegsverbrecher-Tribunal wurden sie jedoch noch in letzter Minute von der Liste der Angeklagten gestrichen und dann aber in Regionalbanken aufgespalten.  Deshalb &uuml;bernahm die K&ouml;lner Privatbank Sal. Oppenheim &amp; Cie eine F&uuml;hrungsfunktion. Die konnte sie umso besser spielen als sie sich als von den Nazis verfolgte Bank darstellte, obwohl sie als kriegswichtig gegolten hatte. Miteigent&uuml;mer Robert Pferdmenges wiederum war mit Adenauer befreundet, seit der bis 1933 K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeister war. Pferdmenges kam aus dem protestantischen Milieu, Adenauer war Repr&auml;sentant des katholischen Milieus &ndash; und gemeinsam gr&uuml;ndeten sie die CDU. &bdquo;Union&ldquo; bedeutet ja: Protestanten und Katholiken gemeinsam. <\/p><p>Das &bdquo;Ahlener Programm&ldquo; der CDU von 1947 mit ihrer scheinbar erstaunlichen Kritik am Kapitalismus wurde &uuml;brigens in den R&auml;umen der Bank Oppenheim schlussredigiert: Da wurde ausbaldowert, welche Formulierungen man den kritischen Gr&uuml;ndungsmitgliedern zun&auml;chst vorlegen musste, und wie man die Kritik beim n&auml;chsten Programm wieder in Vergessenheit geraten lassen k&ouml;nnte. Pferdmenges &uuml;bernahm 1946 sofort das Amt des Schatzmeisters der CDU Rheinland und finanzierte mit Unternehmensspenden die ersten Wahlk&auml;mpfe, beispielsweise f&uuml;r den NRW-Landtag. Gleichzeitig war Pferdmenges Treuh&auml;nder des in N&uuml;rnberg angeklagten NS-Profiteurs Friedrich Flick und Pr&auml;sident des Deutschen Bankenverbandes.<\/p><p>Und dann sa&szlig; in K&ouml;ln eben noch der BDI mit seinem Vorsitzenden Fritz Berg, einem unscheinbaren Mittelst&auml;ndler. Pferdmenges, Adenauer und Berg &ndash; ich bezeichne sie im Buch als <em>Trio Capitale<\/em> &ndash; schlossen 1949 vor der ersten Bundestagswahl das <em>Pyrmonter Abkommen<\/em>. Man sammelte zentralb&uuml;rokratisch Spenden bei den BDI-Mitgliedsunternehmen ein. Damit finanzierte man die Wahlk&auml;mpfe der noch finanzschwachen Parteien CDU, FDP, Deutsche Partei und Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, die bereit waren, Adenauer als Bundeskanzler zu w&auml;hlen. Sp&auml;ter entwickelten die Unternehmen weitere Instrumente zur Bespendung der kapital- und US-freundlichen Parteien. Etwa die Spendensammelstelle Staatsb&uuml;rgerliche Vereinigung K&ouml;ln e.V. und &auml;hnliche &bdquo;F&ouml;rdergesellschaften&ldquo; auf Landesebene wie in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die so gelenkten Spenden wurden zugleich als steuermindernd anerkannt und auf das BDI-Konto bei der Bank Oppenheim eingezahlt. Der CDU-Vorsitzende konnte bei der &bdquo;Adenauer-Spende&ldquo; &uuml;ber das Geld pers&ouml;nlich frei verf&uuml;gen. Einige Jahre zuvor hatte eine sehr &auml;hnliche Spendenaktion des BDI-Vorg&auml;ngers RDI noch &bdquo;Hitler-Spende&ldquo; gehei&szlig;en. Die sp&auml;teren schwarzen Kassen Kohls d&uuml;rften an die schwarzen Kassen seines Vorg&auml;ngers und Vorbilds Adenauer wohl kaum herangereicht haben.<\/p><p>So wurde K&ouml;ln zur &bdquo;Korruptionshauptstadt der Bundesrepublik&ldquo;. SPD, KPD und andere, auch konservative Bewegungen wurden verteufelt und finanziell &uuml;bertrumpft. So ist die Bundesrepublik Deutschland wohl auch der einzige Staat der Welt, dessen System der Bespendung der regierenden politischen Parteien durch Privatunternehmen bereits mit der Gr&uuml;ndung eingerichtet war.<\/p><p><strong>Durch Ihr Buch haben Sie sich in K&ouml;ln sicherlich sehr beliebt gemacht. Derlei Recherchen &uuml;ber sich selbst und ihre Machenschaften lesen die M&auml;chtigen ja besonders gern&hellip;<\/strong><\/p><p>In bestimmten Kreisen nat&uuml;rlich nicht, daf&uuml;r aber in anderen. Ich fand in K&ouml;ln f&uuml;r das Buch beispielsweise keinen Verlag. Kleine Verlage waren interessiert, f&uuml;rchteten aber jede Menge juristischen &Auml;rger. Der bekannte K&ouml;lner Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch lehnte ab, weil ihm mein Kapitel &uuml;ber den K&ouml;lner Regierungspr&auml;sidenten Franz-Josef Antwerpes nicht passte &ndash; einem Autor des Verlags. Und die gro&szlig;en Verlage der Republik lehnten ab, weil das Thema K&ouml;ln &bdquo;zu speziell&ldquo; oder &bdquo;nicht aktuell&ldquo; sei. So fand sich schlie&szlig;lich der Verlag Westf&auml;lisches Dampfboot in M&uuml;nster.<\/p><p>Die Lesungs-Absagen in gro&szlig;en K&ouml;lner Buchhandlungen habe ich ja schon erw&auml;hnt. Der Kulturausschuss des Stadtrates verh&auml;ngte sogar eine Auftrittssperre in allen K&ouml;lner Kultureinrichtungen gegen mich. &Uuml;ber die Verleumdungsklagen des Oberb&uuml;rgermeisters, des Oberstadtdirektors, der Bank Oppenheim und anderer gegen mich haben die DuMont-Medien anfangs zwar immer berichtet. Aber sie haben nie berichtet, dass zum Teil Jahre sp&auml;ter in den h&ouml;heren Instanzen alle Klagen abgewiesen oder eingestellt worden sind, dass mein Buch also &bdquo;juristisch sauber&ldquo; ist und stimmt, was hierin geschrieben steht. <\/p><p><strong>Also unkontrollierte K&ouml;lner Meinungsmacht?<\/strong><\/p><p>Ein einziges Mal hat der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger einen Artikel ver&ouml;ffentlicht, den ich geschrieben hatte, zusammen mit meinem Kollegen Erasmus Sch&ouml;fer. Die Chefredakteurin hatte ihn bei uns bestellt, weil sie unser Feature &bdquo;Der Weg allen Wassers &ndash; Aus dem Unterleib der St&auml;dte&ldquo; im WDR geh&ouml;rt hatte, das war 1996. Darin hatten wir geschildert, welche Giftstoffe aus den 40.000 K&ouml;lner Unternehmen in die st&auml;dtische Kanalisation eingeleitet werden, wie sie in den K&ouml;lner Abwasser-Kl&auml;ranlagen nicht ad&auml;quat gereinigt werden und wohin sie dann &uuml;ber die Abluft und den Kl&auml;rschlamm weiter gelangen. <\/p><p>Die Redaktion schrieb den Artikel jedoch ohne Absprache an mehreren dutzend Stellen um und verkehrte Aussagen ins Gegenteil. Die Pressekammer des K&ouml;lner Landgerichts hat uns auf unsere Klage wegen Urkundenf&auml;lschung und Rufsch&auml;digung deswegen ein Schmerzensgeld von 10.000 DM zugesprochen. Das war ein erstmaliges Urteil dieser Art. Als sich das Urteil abzeichnete, hatte uns der Verlag einen Vergleich vorgeschlagen: 7.000 DM Schmerzensgeld, verbunden mit einer Schweigeverpflichtung. Das hatten wir abgelehnt. <\/p><p>&Uuml;brigens: Der f&uuml;r die Text-Manipulationen verantwortliche Redakteur der Wochenendbeilage hatte sich offensichtlich f&uuml;r H&ouml;heres qualifiziert. Er stieg danach in die Redaktion des Magazins <em>Der Spiegel<\/em> auf.<\/p><p>Seitdem wird mein Name in den Produkten dieses Verlages jedenfalls nicht mehr erw&auml;hnt. Das ist allerdings nicht wirklich schlimm. Denn auch ohne jemals in einem DuMont-Medium erw&auml;hnt worden zu sein, erscheint nun &bdquo;Colonia Corrupta&ldquo; in der 8. Auflage. Die Leute wollen Aufkl&auml;rung und Wahrheit; und sie organisieren sie sich inzwischen oftmals auch an den gro&szlig;en Meinungsmachern und Manipulateuren vorbei. Das ist gut so. Das macht Mut.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> (Dr. phil.), interventionistischer Philosoph, ist t&auml;tig als Publizist, Berater und Lehrbeauftragter an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln. Er ist Mitglied im deutschen PEN-Club, im wissenschaftlichen Beirat von Attac und bei Business Crime Control. 2002 erhielt er den Journalistenpreis des Bundes der Steuerzahler NRW, 2008 den K&ouml;lner Karlspreis f&uuml;r kritische Publizistik. Bei transcript ist von ihm unter anderem erschienen: &bdquo;&rsquo;Heuschrecken&rsquo; im &ouml;ffentlichen Raum. Public Private Partnership&rdquo; sowie &bdquo;Die Ratingagenturen &ndash; Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart&rdquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von Jens Wernicke finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c8062620ab2f4a68b01d21187d3113e1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151120-interview-mit-werner-ruegemer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>W&auml;hrend Lobbyisten im Bundestag ein- und ausgehen und das Parlament sich trotz gerichtlicher Verpflichtung hierzu dennoch <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/lobbyisten-bundestag-verweigert-herausgabe-der-namen-von-lobbyisten-1.2701866\">weigert<\/a>, deren Namen &ouml;ffentlich zu machen, werden Whistleblower, die verbrecherische, klandestine Praxen der M&auml;chtigen &ouml;ffentlich machen, als <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/08\/01\/warum-die-postdemokratie-whistleblower-zu-staatsfeinden-erklaert\/\">Staatsfeinde<\/a> verfolgt. 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