{"id":2911,"date":"2008-01-23T09:24:44","date_gmt":"2008-01-23T08:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2911"},"modified":"2015-12-02T14:04:31","modified_gmt":"2015-12-02T13:04:31","slug":"der-bewusstseinswandel-der-bevoelkerung-im-hinblick-auf-die-freiwillige-angabe-persoenlicher-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2911","title":{"rendered":"Der Bewusstseinswandel der Bev\u00f6lkerung im Hinblick auf die freiwillige Angabe pers\u00f6nlicher Daten"},"content":{"rendered":"<p>Millionen B&uuml;rger geben in Internetplattformen v&ouml;llig sorglos Personalien, Gewohnheiten und private Fotos von sich preis. Der Trend der Konsumenten geht zur Kundenkarte, so tr&auml;gt laut Statistik jeder Deutsche heute im Durchschnitt 4,5 Kundenkarten im Portemonnaie, Tendenz steigend. Der Kunde offenbart damit automatisch detaillierte Ausk&uuml;nfte &uuml;ber sein pers&ouml;nliches Kaufverhalten und wird inzident zum Datenlieferanten und zur Zielscheibe zielgerichteter Werbung. Dies ist ein neues Ph&auml;nomen, wenn man bedenkt, welch vehemente Proteste noch die Volksz&auml;hlung in den 1980er Jahren in der Bev&ouml;lkerung ausgel&ouml;st hat, weil B&uuml;rger nicht bereit waren eine Vielzahl pers&ouml;nlicher Daten anzugeben. Der Wert des seinerzeit vom Verfassungsgericht hervorgehobene &ldquo;Recht auf informationelle Selbstbestimmung&rdquo; scheint nun vollkommen ignoriert zu werden. In den letzten 25 Jahren hat sich ein Bewusstseinswandel in der Bev&ouml;lkerung vollzogen, der nur schwer nachvollziehbar ist, Skepsis und Widerstand im Hinblick auf unkontrollierte Datenverwendung sind praktisch nicht mehr vorhanden. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>25 Jahre sp&auml;ter ist das Bewusstsein ein vollkommen anderes<\/strong><\/p><p>Der Volksz&auml;hlung sind seinerzeit heftige Proteste aus der Bev&ouml;lkerung vorausgegangen. Nach Bekanntgabe der Frageb&ouml;gen bildete sich massiver Widerstand in der Bev&ouml;lkerung. Die Ausf&uuml;hrlichkeit der Frageb&ouml;gen l&ouml;ste in der Bev&ouml;lkerung Angst vor dem &ldquo;Gl&auml;sernen B&uuml;rger&rdquo; aus. Im Gegenzug wurde von den Kritikern ein &ldquo;Gl&auml;serner Staat&rdquo; gefordert. Die Gr&uuml;nen stimmten im Bundestag gegen das Vorhaben und riefen zum Boykott auf. Nach den Bestimmungen des Volksz&auml;hlungsgesetzes war urspr&uuml;nglich geplant, 1981 eine Volksz&auml;hlung durchzuf&uuml;hren. Mit der Erfassung der Daten sollten Beamte oder Beauftragte der &ouml;ffentlichen Verwaltung die B&uuml;rger an der Haust&uuml;r befragen. Gegen dieses Vorhaben wurden mehrere Verfassungsbeschwerden erhoben. Das Bundesverfassungsgericht stellte in seinem Urteil vom 15. Dezember 1983 fest, dass zahlreiche Vorschriften des Volksz&auml;hlungsgesetzes erheblich und ohne Rechtfertigung in die Grundrechte des Einzelnen Bundesb&uuml;rgers eingreifen. Das Bundesverfassungsgericht erkannte das Recht auf informationelle Selbstbestimmung als ein Grundgesetz gesch&uuml;tztes Gut an. Dies gibt dem B&uuml;rger das Recht, grunds&auml;tzlich selbst dar&uuml;ber zu bestimmen, welche seiner pers&ouml;nlichen Daten er preisgeben m&ouml;chte. Schon mit der Formulierung &ldquo;grunds&auml;tzlich&rdquo; wird deutlich, dass es pers&ouml;nliche Daten geben kann, &uuml;ber deren Freigabe der Einzelne nicht selbst entscheiden kann. Der Einzelne muss in erster Linie davor gesch&uuml;tzt werden, dass seine pers&ouml;nlichen Daten unbegrenzt erhoben, gespeichert, verwendet und weitergegeben werden.<\/p><p><strong>Wo bleibt der Widerstand aus der Bev&ouml;lkerung?<\/strong><\/p><p>Betrachtet man den Entwicklungsverlauf welche Widerst&auml;nde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts gef&uuml;hrt haben, dann ist es mehr als verwunderlich, dass der B&uuml;rger heute anscheinend keinen Wert mehr darauf legt, dass seine pers&ouml;nlichen Daten eben nicht unbegrenzt gespeichert, verwendet und weitergegeben werden. Ganz im Gegenteil, eine steigende Zahl der B&uuml;rger ist geradezu begierig darauf, intimste Angaben &uuml;ber ihr Leben aus freien St&uuml;cken preis zu geben. Staatliche Datensammlungen unterliegen wenigstens einer gesetzlichen und demokratischen Kontrolle. Unternehmen hingegen k&ouml;nnen Daten an Dritte verkaufen oder in L&auml;nder, in denen kein oder nur ein laxer Datenschutz existiert, verarbeiten. Wo bleibt hier der Aufstand im Volk? Es geht keine Welle der Entr&uuml;stung mehr durch die Bev&ouml;lkerung, ein Gro&szlig;teil der B&uuml;rger scheint sich damit abgefunden zu haben, dass die Abfrage der Daten, sei es nur die Postleitzahl an der Kasse eines Gesch&auml;fts, mittlerweile zu unserem Leben geh&ouml;rt und gibt bereitwillig Auskunft am Telefon auf die Fragen omin&ouml;ser Institute &uuml;ber Einkommen, Familienstand oder gar Geldanlagegewohnheiten, Meinungen und Interessen.<\/p><p>&bdquo;Auskunfteien&ldquo; ermitteln wirtschaftsrelevante Daten f&uuml;r einen Auftraggeber, der eine staatliche Beh&ouml;rde, aber auch ein privater Auftraggeber sein kann. Quellen, aus welchen sie ihre Informationen beziehen, sind beispielsweise Register, Befragungen an der Haust&uuml;r oder am Telefon. Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, hat zum Thema &ldquo;Auskunfteien sammeln immer mehr Daten &uuml;ber jeden Einzelnen von uns. Welche Rechte hat der Betroffene dabei? Welche Pflichten m&uuml;ssen Auskunfteien beachten?&rdquo; Informationen ins Netz gestellt, die man abrufen kann unter: <a href=\"http:\/\/www.bfdi.bund.de\/cln_007\/nn_530640\/DE\/Themen\/WirtschaftUndFinanzen\/VerbrSchutzAuskunfteien\/Artikel\/SCHUFARechtPflicht.html\">www.bfdi.bund.de<\/a><\/p><p>Dabei geht Peter Schaar unter anderem geht er auf folgende Fragen ein:<\/p><ul>\n<li>D&uuml;rfen an die SCHUFA personenbezogene Daten nur mit Einwilligung des Betroffenen &uuml;bermittelt werden?<\/li>\n<li>Bleiben die Daten f&uuml;r immer in der SCHUFA?<\/li>\n<li>Habe ich Anspruch auf Auskunft &uuml;ber die zu mir gespeicherten Daten?<\/li>\n<li>Was ist ein Scorewert?<\/li>\n<li>Habe ich einen Anspruch gegen&uuml;ber der Auskunftei oder meiner Bank<br>\n auf Auskunft &uuml;ber meinen Score-Wert?<\/li>\n<\/ul><p><strong>Studentenverzeichnis StudiVZ<\/strong><\/p><p>Einer der erfolgreichsten Sammler von Daten einer lukrativen Gesellschaftsgruppe ist das Kommunikations-Netzwerk studiVZ (Studentenverzeichnis). Es wurde im Oktober 2005 gegr&uuml;ndet und hat eigenen Angaben zufolge im deutschsprachigen Raum ca. 4 Millionen registrierte Mitglieder. Es wurde entworfen, um Studenten kostenlos eine Austauschplattform zu bieten. Mittlerweile gibt es auch eine Plattform f&uuml;r Sch&uuml;ler, Sch&uuml;lerVZ, die rund 2 Millionen Mitglieder z&auml;hlt. Eine weitere Austauschm&ouml;glichkeit f&uuml;r junge Leute im Internet auf lokaler Ebene bietet beispielsweise die Internet-Community &ldquo;Die Lokalisten&rdquo;, deren Mitgliederzahl sich auf 1,6 Millionen beziffert. Eine Vorstellung warum jemand pers&ouml;nliches, privates oder intimes nicht preisgeben m&ouml;chte, ist immer weniger vorhanden. Die Wahrung der Privatsph&auml;re st&ouml;&szlig;t eher auf Unverst&auml;ndnis. Der soziale Druck, in einem Netzwerk Mitglied zu sein, ist gro&szlig;. Wer nicht Mitglied ist, wird zum Au&szlig;enseiter. Nach der Devise &ldquo;Ich habe nichts zu verbergen&rdquo;, gilt unter den Mitgliedern auch der Umkehrschlu&szlig;: &ldquo;Was hat jemand zu verbergen, der nicht Mitglied im Netzwerk ist?&rdquo;<\/p><p><strong>Entwicklung studiVZ<\/strong><\/p><p>Gegr&uuml;ndet wurde studiVZ von Ehssan Dariani von der Universit&auml;t St. Gallen, Dennis Bemmann von der HU Berlin und Michael Brehm von der WHU Vallendar, als Private Limited Company mit Sitz in Birmingham und einer Zweitniederlassung in Berlin. Im August 2007 wurde Marcus Riecke, ehemaliger Nordeuropachef von eBay, CEO des Netzwerks, Dennis Bemmann ist CTO geblieben. Hinzu kam der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Michael Brehm (COO), der zu diesem Zeitpunkt noch Analyst bei der Investmentbank Merrll Lynch war. Die Idee eines Studentennetzwerks ist nicht neu. Vorreiter war das US-Portal Facebook, das mittlerweile 11 Millionen Studenten als Mitglieder z&auml;hlt. Zu den Investoren von studiVZ geh&ouml;ren die Br&uuml;der Samwer, die das Internet-Auktionshaus alando.de gegr&uuml;ndet haben, das sie ein halbes Jahr sp&auml;ter an eBay verkauften. Kurz darauf stellten sie den gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Anbieter von Klingelt&ouml;nen &ldquo;Jamba&rdquo; auf die Beine, der vom US-amerikanischen Konzern VeriSign &uuml;bernommen wurde. Spiegel-Online berichtet aktuell, dass die Br&uuml;der Samwer als Investoren bei Facebook eingestiegen sind (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,528812,00.html\">www.spiegel.de<\/a>). Meist beginnen diese Art Foren als nicht kommerzielle Gemeinschaft. Bei st&auml;ndig steigenden Nutzerzahlen wird die Plattform jedoch lukrativ und und zieht potentielle Geldgeber an.<\/p><p><strong>studiVZ &ndash; Bist Du schon drin? <\/strong><\/p><p>Nach Auskunft des Unternehmens sind Daten wie Namen, Fotos, Uni f&uuml;r alle Nutzer einsehbar. Nur sensiblen Daten, wie Mobilfunknummer, Adresse und andere pers&ouml;nliche Daten seien gesch&uuml;tzte Profildaten. Der Nutzer habe die M&ouml;glichkeit, bei der Angabe der Daten die Option &ldquo;Wer darf meine Seite sehen&rdquo; zu entscheiden, wer einen Blick auf seine Seite werfen darf. Der Profilbetreiber jedoch hat die Daten und kann &uuml;ber sie verf&uuml;gen und gegebenenfalls eine Auswertung vornehmen. Die Mitteilung &uuml;ber L&uuml;cken im Sicherheitssystem und den Verkauf an die Verlagsgruppe Holtzbrinck f&uuml;r 85 Millionen Euro war dem Vertrauen der Nutzer nicht gerade dienlich, weil mit der Holtzbrinck-Gruppe ein Geldgeber eingestiegen ist, der die Daten f&uuml;r Eigeninteressen nutzen k&ouml;nnte. Ein gewisses Unwohlsein macht sich unter den Nutzern breit, denn die Daten wurden zu einer Zeit von ihnen ins Netz gestellt, als studiVZ noch nicht kommerziell war. Es bleibt abzuwarten, wie und in welchem Umfang die Daten k&uuml;nftig von den Betreibern genutzt werden. &Auml;hnlich erging es auch den Nutzern des Portals der &ldquo;Lokalisten&rdquo;, die zun&auml;chst ohne kommerziellen Hintergrund betrieben wurden.<\/p><p><strong>Die Lokalisten<\/strong><\/p><p>Dazu z&auml;hlen &uuml;berwiegend Nutzer aus dem M&uuml;nchner Raum. Die Serververwaltung und das Hosting werden vom Internet Provider SpaceNet AG unterst&uuml;tzt. Seit dem 17. Oktober 2006 ist die ProSiebenSat.1 Media AG mit 30 Prozent an den Lokalisten beteiligt. Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG, Guillaume de Posch, sagte: &ldquo;Das Social Network ist eine optimale Erg&auml;nzung unserer Online-Welt&rdquo;. Zu den Investoren der Lokalisten geh&ouml;rt die Beteiligungsgesellschaft der Br&uuml;der Samwer, die European Founders Fund GmbH, die ebenfalls Investoren von studiVZ und facebook sind. Kritisiert wird von Nutzern auch, dass seit der Beteiligung der ProSiebenSat.1 Media AG die Werbung massiv zugenommen habe. Bei den Lokalisten werden die Nutzer aufgefordert, pers&ouml;nliche Daten wie Telefonnummer, Adresse oder auch biografische Daten wie Schule, Alter, Arbeitgeber anzugeben (Lokalisten.de).<\/p><p><strong>Unilever und die Frau ab 45<\/strong><\/p><p>Auch Unilever hat den Wert eines Online-Netzwerks erkannt und bietet mit einem proage-Netzwerk Frauen ab 45 die M&ouml;glichkeit, mit Gleichgesinnten Kontakte zu kn&uuml;pfen. F&uuml;r Unternehmen und die Werbebranche bahnt sich mit der Offenheit der Kunden und dem Wunsch der Internetnutzer nach Kommunikation eine paradiesische Datenf&uuml;lle an, aus der gesch&ouml;pft werden kann. Die Nutzerinnen geben, ganz nebenbei wertvolle Informationen &uuml;ber Familienstand, Lebensumst&auml;nde, Vorlieben, Kaufkraft und vieles mehr preis, die von Marketingstrategen etwa f&uuml;r Markterhebungen genutzt werden k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Datenbank f&uuml;r Personalabteilungen, Firmen und Beh&ouml;rden und Trendforscher<\/strong><\/p><p>Online-Netzwerke sind geradezu ein Eldorado f&uuml;r Personalabteilungen, Headhunter, oder Zeitarbeitsfirmen. F&uuml;r Mitarbeiter eines Personalb&uuml;ros kann ein Blick auf ein Online-Netzwerk sehr aufschlussreich sein. Mit Hilfe der Informationen &uuml;ber Interessen und Gewohnheiten der Nutzer kann ein Profil &uuml;ber einen Bewerber erstellt werden. Ins Netz gestellte Fotos von Reisen, Festen, Demonstrationen, politischen Veranstaltungen und feucht-fr&ouml;hlichen Treffen runden dann das Bild ab. Bei einer Absage stellt der Nutzer keinerlei Zusammenhang zwischen der Internet-Plattform und der abschl&auml;gigen Antwort her. Des Weiteren k&ouml;nnte die Offenheit der Nutzer in Zukunft Konsequenzen nach sich ziehen, die heute keiner ahnt. Nicht jeder m&ouml;chte Jahre sp&auml;ter noch in Verbindung mit einer bestimmten politischen Einstellung oder der Zugeh&ouml;rigkeit einer Gruppe gebracht werden.<\/p><p><strong>Wie viel sind pers&ouml;nliche Daten wert?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Unternehmen jeder Art sind Kundendaten der Schl&uuml;ssel zu zielgerichteter Werbung, Absatzf&ouml;rderung und Kundenakquise. Kaufgewohnheiten k&ouml;nnen anhand von personalisierten Kundenprofils leicht nachvollzogen werden, und die Vernetzung mit unterschiedlichen Firmen, beispielsweise mittels einer Payback-Karte, ist eine lukrative M&ouml;glichkeit f&uuml;r Unternehmen, mit wenig Aufwand und kosteng&uuml;nstig an die gew&uuml;nschten Informationen potentieller Kunden zu kommen.<\/p><p>Fr&uuml;her gab es Rabattmarken und ein Heft dazu, in das die Marken eingeklebt wurden. Dadurch sollte eine Kundenbindung erreicht werden. Der Kunde hat sein Heft im Laden abgegeben, als es voll war und bekam daf&uuml;r einen Nachlass. Das war anonym, in den Augen der Marketingstrategen f&uuml;r Unternehmen jedoch wenig effektiv. Seit Erfindung der Kundenkarten hat sich das signifikant ge&auml;ndert. Mit Payback-Karten oder sogenannten &ldquo;Happy-Digits&rdquo; hinterlassen Kunden detaillierte Spuren, die extrem aufschlussreich sind.<\/p><p><strong>Der Wert der Daten<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den Einzelnen scheint der Wert seiner pers&ouml;nlichen Daten sehr gering. Da der Kunde meist nicht im Bilde ist, wie viel seine Daten wirklich wert sind, ist er bereit, f&uuml;r einen geringen Nachlass oder ein Kundengeschenk seine Gewohnheiten und sein Kaufverhalten offenzulegen und pers&ouml;nliche Angaben zu machen. Oft wird im Kaufhaus mit Kundenkarten geworben, und da ein verg&uuml;nstigter Einkauf im Vordergrund steht, wird der Inhalt der Allgemeinen Gesch&auml;ftsbedingungen nicht wahrgenommen. Somit ist der Kunde meist unzureichend &uuml;ber Leistungen und Hintergr&uuml;nde informiert und wei&szlig; auch nicht, ob seine Daten an Dritte weiterverkauft werden. Im Gegenzug sind aber die Unternehmen sehr wohl &uuml;ber das Kaufverhalten, nicht selten auch &uuml;ber den Familienstand und das Einkommen ihrer Kunden informiert.<\/p><p><strong>Wirtschaftliche und politische Nutzung der Informationen<\/strong><\/p><p>Die im Internet zur Verf&uuml;gung stehenden pers&ouml;nlichen Informationen kommen Datenbanken gleich, deren Inhalte f&uuml;r soziologische Studien taugen. Sie erm&ouml;glichen beispielsweise R&uuml;ckschl&uuml;sse auf das Verhalten bestimmter Schichten. Die erworbenen Kenntnisse k&ouml;nnen wirtschaftlich und politisch genutzt werden, ohne dass es den Nutzern bewusst ist. Wer die Medien beherrscht, beherrscht die Meinung, und dem kommt Macht zuteil. So werden ahnungslose Nutzer manipulierbar, denn Trends, Moden, Entwicklungen und dergleichen k&ouml;nnen im Ansatz erkannt, ausgesch&ouml;pft und in eine gew&uuml;nschte Richtung gelenkt werden. Der Leser kann kaum noch unterscheiden, woher die Informationen kommen. Es wird der Eindruck vermittelt, dass unterschiedliche Verb&auml;nde und heterogene gesellschaftliche Gruppen oder Politiker zu gleichen Schl&uuml;ssen und Ratschl&auml;gen gelangen. Bei genauerem Hinsehen jedoch wird deutlich, dass alle Informationen aus der gleichen Ecke kommen und ein und dieselben Ziele verfolgen.<\/p><p><strong>Sensible Daten k&ouml;nnen von privaten Firmen bearbeitet werden<\/strong><\/p><p>Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar beschreibt in seinem Buch &ldquo;Das Ende der Privatsph&auml;re&rdquo; folgenden Fall: Beh&ouml;rden in Deutschland haben private Unternehmen mit der Verarbeitung personenbezogener Daten, die bei der staatlichen Aufgabenerf&uuml;llung anfallen, beauftragt. Beispielsweise erteilte die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit einem Call-Center die Aufgabe, bei Arbeitnehmern Details zu ihrer Verf&uuml;gbarkeit f&uuml;r den Arbeitsmarkt abzufragen. Derartige T&auml;tigkeiten stehen immer wieder in der Diskussion, an private Anbieter abgegeben zu werden (Private Public Partnership). Die Weitergabe sensibler, pers&ouml;nlicher Daten an private Dienstleistungsunternehmen ist jedoch h&ouml;chst fragw&uuml;rdig. Der B&uuml;rger w&auml;hnt sich in der irrigen Annahme, seine Daten w&uuml;rden vertraulich von einer Beh&ouml;rde behandelt.<\/p><p>Der Schutz der Privatsph&auml;re ist immer weniger gew&auml;hrleistet. Wie kann Freiheit als elementares Prinzip unserer Gesellschaftsordnung k&uuml;nftig gelebt werden, wenn der B&uuml;rger sich selbst freiwillig, aus eigenem Antrieb, &ouml;ffentlich transparent macht? Ein unwiederbringlicher Verlust an Freiheit und an Selbstbestimmung wird die Folge dieser Entwicklung sein, wenn nicht bald ein entscheidender Bewusstseinswandel in der Bev&ouml;lkerung stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Millionen B&uuml;rger geben in Internetplattformen v&ouml;llig sorglos Personalien, Gewohnheiten und private Fotos von sich preis. Der Trend der Konsumenten geht zur Kundenkarte, so tr&auml;gt laut Statistik jeder Deutsche heute im Durchschnitt 4,5 Kundenkarten im Portemonnaie, Tendenz steigend. 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