{"id":2922,"date":"2008-01-28T07:37:58","date_gmt":"2008-01-28T06:37:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2922"},"modified":"2015-12-02T10:32:46","modified_gmt":"2015-12-02T09:32:46","slug":"eine-erste-einschaetzung-der-landtagswahlen-in-hessen-und-niedersachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2922","title":{"rendered":"Eine erste Einsch\u00e4tzung der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen"},"content":{"rendered":"<p>Das Wahlergebnis in Niedersachsen l&auml;sst sich in nackten Zahlen so zusammenfassen:<br>\nCDU mit 42,5 % (-5,8 %) und SPD mit 30,3 % (-3,1 %) haben Stimmenanteile verloren. FDP und Gr&uuml;nen bleiben bei rund 8 % stabil, die Linke mit 7,1 % gewinnt 6,4 % dazu.<br>\nIn Hessen erreichte die CDU mit Roland Koch 36,8 %, ist also mit minus 12,2 % auf ihr schlechtestes Wahlergebnis seit 42 Jahren eingebrochen, blieb aber um Haaresbreite st&auml;rkste Partei. Die als glaubw&uuml;rdiger und sympathischer eingesch&auml;tzte Andrea Ypsilanti hat die SPD mit 36,7 % im &bdquo;sozialdemokratischen Kernland&ldquo; (Koch) um 7,8 % von ihrem schlechtesten auf ihr zweitschlechtestes Ergebnis wieder etwas hochgezogen. Die Gr&uuml;nen verlieren 2,6 % und die FDP gewinnt 1,4% dazu. Die Linke gewinnt aus dem Stand 5,1 %.<br>\nFazit: <\/p><ul>\n<li>In ganz Deutschland etabliert sich ein F&uuml;nf-Parteien-System, die Linke ist im Westen angekommen.<\/li>\n<li>In Hessen g&auml;be es eine linke Mehrheit. Ohne die Linke im Landtag h&auml;tte Koch mit der FDP die Regierungsmehrheit.<\/li>\n<li>Das Kalk&uuml;l von Koch ist nicht aufgegangen: die schweigende Mehrheit steht nicht hinter seinem ausl&auml;nderfeindlichen Populismus.<\/li>\n<li>In Niedersachsen ging der Niedergang der SPD weiter, deren Kandidat J&uuml;ttner konnte offenbar das Wahlkampfmotto &bdquo;Gerechtigkeit kommt wieder&ldquo; nicht glaubw&uuml;rdig vertreten. Die SPD kommt auf ihr schlechtestes Wahlergebnis &uuml;berhaupt.<\/li>\n<li>Schwarz-gelbe Mehrheiten sind also m&ouml;glich, wenn die SPD keine glaubw&uuml;rdige, soziale Alternative bietet.<\/li>\n<\/ul><p>Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nAndrea Ypsilantis Pfunde im hessischen Wahlkampf waren Glaubw&uuml;rdigkeit und Sympathie. Sie konnte den riesigen Vorsprung von Roland Koch zu Beginn der Kampagne von zwanzig Prozent mehr als wettmachen (letzter Vergleich: Koch: 23 \/ Ypsilanti: 27). Sie hat vor allem bei den jungen Leuten gepunktet. Bei den unter 30-J&auml;hrigen erzielte sie 42 % (+20) und bei den 30- bis 44-J&auml;hrigen immerhin noch 40% (+16). Vermutlich haben diese j&uuml;ngeren W&auml;hlergruppen auch dazu beigetragen, dass Ypsilanti und die SPD beim Thema Schule und Bildung in der Kompetenzbewertung mit 40% deutlich vor der Union mit 27% lagen. Wahrscheinlich hat die weit &uuml;ber die Studierenden hinausgehende Mobilisierung gegen die nach der hessischen Verfassung verbotenen Studiengeb&uuml;hren einen guten Teil zu diesen Zustimmungswerten beigetragen. Bei anderen Einsch&auml;tzungen, etwa bei der Kompetenz zur Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen und bei der inneren Sicherheit, lag die SPD weit hinter der CDU.<\/p><p>Zum Zugewinn an Glaubw&uuml;rdigkeit hat mit gro&szlig;er Sicherheit auch beigetragen, dass die hessischen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler erkannt haben, dass Koch die Kampagne gegen ausl&auml;ndische jugendliche Kriminelle nur als Wahlkampfthema hochgezogen hat. Ein zweites Mal wollten sich die Hessen mit ausl&auml;nderfeindlichen Motiven nicht t&auml;uschen lassen. <\/p><p>Der Einbruch von Koch ist auch eine schwere Schlappe f&uuml;r Angela Merkel, die sich voll und ganz mit der Kampagne Kochs gemein gemacht hat. Kein Wunder, dass sie sich &ndash; anders als wenn es Siege zu verk&uuml;nden gibt &ndash; am Wahlabend nicht vor den Kameras zeigte.<\/p><p>Im &Uuml;brigen: Viel zur Mobilisierung der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler scheint die Hau-drauf-Strategie von Koch nicht beigetragen zu haben: die Wahlbeteiligung blieb wie im Jahr 2003 bei &auml;u&szlig;erst m&auml;&szlig;igen 65 Prozent.<\/p><p>Zu Andrea Ypsilantis Sympathiewerten hat sicherlich viel beigetragen, dass sie als bodenst&auml;ndige Frau aus einem Arbeiterhaushalt gegen alle Widerst&auml;nde ihren kritischen Botschaften an die Bundes-SPD treu geblieben ist. Sie war von Anfang eine Kritikerin der Agenda 2010, sie war gegen die Unternehmensteuerreform. Mit Hermann Scheer in ihrem Wahlkampfteam setzte sie Zeichen gegen eine Clementsche Energiepolitik, die auf die Atom- und Kohlestromausbau-Strategie der Energieoligopole setzt. Und Scheer stand mit seiner Kritik an der Privatisierung der Bahn auch gegen die weitere Verschleuderung von Einrichtungen der Daseinsvorsorge an Spekulanten.<\/p><p>Sympathie hat Ypsilanti sicherlich auch dadurch gewonnen, dass sie vom Basta-Kanzler als &bdquo;Frau XY&ldquo; besp&ouml;ttelt wurde und Schr&ouml;der gro&szlig;spurig verk&uuml;ndete, er werde sich &bdquo;von den Ypsilantis nicht aufhalten lassen&ldquo;. Es hat ihren sog. &bdquo;weichen&ldquo; Zustimmungswerten offenbar auch nicht geschadet, dass sie von M&uuml;ntefering, Steinbr&uuml;ck oder Steinmeier als r&uuml;ckw&auml;rtsgewandt oder gar als Phantastin gescholten wurde. Nur ganz knapp mit 175 gegen 165 setzte sie sich innerhalb der Hessen-SPD bei ihrer Nominierung als Kandidatin gegen den &bdquo;Reformer&ldquo; J&uuml;rgen Walter durch. Dass der jetzige Energielobbyist und fr&uuml;here Superminister Clement ihr sogar noch in der letzten Wahlwoche in den R&uuml;cken gefallen ist, indem er in der Plasberg-Sendung &bdquo;hart aber fair&ldquo; erk&auml;rte, er w&uuml;rde Ypsilanti nicht w&auml;hlen, hat der Sympathie der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r die &bdquo;hessische S&eacute;gol&egrave;ne Royal&ldquo; offenbar auch keinen Abbruch getan.<\/p><p>Dass Ypsilanti f&uuml;r eine &bdquo;andere politische Kultur im Lande&ldquo; stehe, ist wohl die wichtigste Erkl&auml;rung f&uuml;r ihren Stimmengewinn und den Zuwachs f&uuml;r die SPD.<br>\nWenn ein euphorischer Kurt Beck am Wahlabend im Berliner Willy-Brandt-Haus von einer &bdquo;mehrheitsf&auml;higen Sozialdemokratie&ldquo; sprach und als weitere Begr&uuml;ndung anbot, dass der Zugewinn beweise, dass die SPD &bdquo;den Willen der Menschen zu mehr sozialer Gerechtigkeit&ldquo; aufgreife, so muss diese Begr&uuml;ndung bezweifelt werden:<br>\nDie SPD hat vor allem bei den Angestellten (+13 %) und bei den Selbst&auml;ndigen (+12 %) hinzugewonnen, bei den Arbeitern, bei Arbeitslosen und bei Rentnern jedoch weit unter ihrem Zugewinn von &uuml;ber 7 Prozent, n&auml;mlich jeweils nur um 1 Prozent. <\/p><p>Diese durch die Agenda-Politik der Bundes-SPD besonders betroffenen W&auml;hlergruppen d&uuml;rften eher zur Linken gewandert sein und deren Einzug in den hessischen Landtag erm&ouml;glicht haben (siehe die ziemlich unzuverl&auml;ssigen W&auml;hlerwanderungen <a href=\"http:\/\/stat.tagesschau.de\/wahlarchiv\/wid253\/analysewanderung6.shtml\">von infratest-diamap in der ARD<\/a>).<\/p><p>Es ist ein Zeichen f&uuml;r die Glaubw&uuml;rdigkeit von Andrea Ypsilanti, dass sie am Wahlabend eher bedauernd eingestanden hat, dass &bdquo;Kurt Beck auf dem Hamburger Parteitag einen Schritt in unsere Richtung gegangen&ldquo; ist. Es war eben nur ein Schritt und noch lange keine Richtungs&auml;nderung. Das beweist schon allein die Tatsache, dass Kurt Beck nichts Kl&uuml;geres einfiel, als der hessischen SPD unverbl&uuml;mt eine Ampelkoalition mit der gerade in Hessen als besonders wirtschaftsliberal hervorgetretenen FDP anzuraten. Die FDP d&uuml;rfe sich nicht &bdquo;als Wurmfortsatz&ldquo; der CDU gerieren, appellierte er auf allen Kan&auml;len.<\/p><p>&bdquo;Die SPD ist wieder da. Die Sozialdemokratie ist in der Lage Wahlen zu gewinnen&ldquo;, rief Kurt Beck vor begeisterten Anh&auml;ngern in der Parteizentrale aus. Wenn er da blo&szlig; nicht der in der SPD &uuml;blich gewordenen Sch&ouml;nrednerei von Wahlergebnissen erlegen ist. <\/p><p>Wie gesagt, die SPD hatte im seit 1946 von sozialdemokratischen Mehrheiten regierten Hessen unter der Kanzlerschaft Schr&ouml;ders und sicherlich auch durch die &bdquo;Doppel-Pass&ldquo;-Kampagne von Koch im Jahr 2003 mit 29,1 Prozent eine historisch zu nennende Niederlage einstecken m&uuml;ssen. Selbst Koch hat am Wahlabend darauf hingewiesen, dass damals viele W&auml;hlerinnen und W&auml;hler der SPD nicht zur Wahl gegangen sind. Wenn Beck jetzt die Tatsache, dass die SPD in Hessen wieder fast zur CDU aufgeschlossen &ndash; aber dennoch ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis in diesem Land eingefahren &ndash; hat, als gro&szlig;en Erfolg feiert, so l&auml;sst sich das nur damit erkl&auml;ren, dass die SPD-F&uuml;hrung schon in Verz&uuml;ckung ger&auml;t, wenn die Partei nach jahrelangen dramatischen Niederlagen und Stimmenverlusten zum ersten Mal wieder einmal deutlich &uuml;ber drei&szlig;ig Prozent erreicht.<\/p><p><strong>Das W&auml;hlervotum in Hessen ist einfach und schwierig zugleich: <\/strong><\/p><p>Rot-Rot-Gr&uuml;n h&auml;tte eine Regierungsmehrheit. Die Linke ist in den Landtag gekommen, weil ein beachtlicher Teil der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler Andrea Ypsilanti und der SPD weitere Schritte in Richtung soziale Gerechtigkeit offenbar doch nicht zutraut. Doch diese Koalition wird es wohl nicht geben, weil sowohl Beck als auch Ypsilanti diese Option ablehnten.<\/p><p>CDU und FDP haben keine Mehrheit. Die FDP hat eine &bdquo;Ampel&ldquo;-Koalition auf allen Parteiebenen zur&uuml;ckgewiesen. Die Liberalen m&uuml;ssten schon Westerwelle opfern oder gar alle Hoffnungen auf ein schwarz-gelbes Regierungsb&uuml;ndnis in Berlin aufgeben, wenn sie in Hessen &bdquo;umfallen&ldquo; w&uuml;rden. <\/p><p>Also gibt es im Hessischen Landtag keine Regierungsmehrheit, weder von Schwarz-Gelb, noch von Rot-Gr&uuml;n.<br>\nEs gibt auch keine sozialdemokratische Ministerpr&auml;sidentin, denn die CDU hat ein einziges Zehntelprozent mehr Stimmen als die SPD. Also wird Koch oder vielleicht ein anderer die Koalitionsgespr&auml;che er&ouml;ffnen. Koch bleibt ja noch im Amt, solange es keine neue Regierung gibt.<br>\nWer wei&szlig;, ob sich nicht die Gr&uuml;nen, bei aller pers&ouml;nlichen Abneigung ihres Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir gegen&uuml;ber Roland Koch, bei einem anderen CDU-Ministerpr&auml;sidentenkandidaten der &bdquo;staatspolitischen Verantwortung&ldquo; nicht entziehen m&ouml;gen und daf&uuml;r ins hessische Kabinett einziehen? Zumal die Gr&uuml;nen dann wieder mehr ins Gespr&auml;ch k&auml;men und damit die Hoffnung verbinden k&ouml;nnten, ihr schlechtes Wahlergebnis wieder aufbessern zu k&ouml;nnen.<\/p><p>K&auml;me es auch in Hessen zu einer Gro&szlig;en Koalition unter einem CDU-Ministerpr&auml;sidenten (der dann vielleicht nicht Koch hei&szlig;en w&uuml;rde), dann l&ouml;ste sich nicht nur die gewonnene Glaubw&uuml;rdigkeit von Andrea Ypsilanti in Luft auf, sondern damit w&uuml;rde die SPD der Linken vollends den roten Teppich legen und selbst zur Splitterpartei schrumpfen.<\/p><p>Wie gesagt: Eine Regierungsbildung in Hessen unter einer Sozialdemokratin als Ministerpr&auml;sidentin w&auml;re einfach, wenn nur das W&auml;hlervotum aufgegriffen w&uuml;rde. Es brauchte ja noch nicht einmal zu Rot-Rot-Gr&uuml;n kommen, wenn der Hessische Landtag mit den Stimmen der Linken Ypsilanti w&auml;hlen w&uuml;rde. Aber Andrea Ypsilanti hat am Wahlabend jede &bdquo;wie auch immer geartete Zusammenarbeit&ldquo; abgelehnt, d.h. auch ihre Wahl zur Ministerpr&auml;sidentin.<\/p><p>&Uuml;ber den ganzen Wahlabend hinweg wurde von Journalisten und Wahlforschern, dem SPD-Generalsekret&auml;r Hubertus Heil und von der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der Gr&uuml;nen, Steffi Lemke, vor allem im Hinblick auf die Hamburger Wahl die Behauptung aufgestellt, der Einzug der Linken in den hessischen Landtag habe Rot-Gr&uuml;n verhindert. Dabei ist das Gegenteil ist richtig: w&auml;ren die Linken nicht ins Parlament gekommen, w&uuml;rde Roland Koch munter die n&auml;chste Legislaturperiode weiterregieren k&ouml;nnen; CDU und FDP h&auml;tten eine, wenn auch hauchd&uuml;nne, Mehrheit.<\/p><p><strong>In Niedersachsen ist alles viel einfacher:<\/strong><\/p><p>Die CDU hat mit 42,5 % zwar 5,8 % verloren; weil die SPD jedoch ihr schlechtestes Wahlergebnis aus dem Jahr 2003 nochmals um 3,1 % unterboten hat und nur noch auf 30,3 % kommt, kann Christian Wulff nach seinem &bdquo;Wohlf&uuml;hlwahlkampf&ldquo; locker mit der ein klein wenig erstarkten FDP (8,2%, +0,1%) weiterregieren. <\/p><p>Nat&uuml;rlich hat die geringe Wahlbeteiligung zu dem nach den Umfragen v&ouml;llig unerwarteten Erfolg der Linken mit 7,1 % beigetragen. Noch vor wenigen Tagen wurden dieser Partei allenfalls 3% zugetraut. Nun sitzt sie sogar im &uuml;berwiegend l&auml;ndlichen Niedersachsen mit 11 Abgeordneten im Landtag. <\/p><p>Nachdem das Personal der nieders&auml;chsischen SPD, wie Gabriel oder Oppermann, nach Berlin abgewandert ist, um dort der &bdquo;historischen&ldquo; Mission ihres Landsmanns Schr&ouml;der zu huldigen, blieb ihr als Kandidat nur der redliche Landtagsfraktionsvorsitzende Wolfgang J&uuml;ttner. Er landete in der Beliebtheit bei der Bev&ouml;lkerung jedoch sogar noch hinter dem leichtgewichtigen Mobbing-Fachmann und Partei- und Fraktionsvorsitzenden der FDP, Philipp R&ouml;sler. <\/p><p>J&uuml;ttner mag noch so sehr f&uuml;r sein Motto &bdquo;Gerechtigkeit kommt wieder&ldquo; gek&auml;mpft haben, abgenommen haben diesen Slogan der nieders&auml;chsischen SPD offenbar nicht sehr viele W&auml;hlerinnen und W&auml;hler. J&uuml;ttner gestand am Wahlabend von sich aus ein, dass die SPD mit dem Thema soziale Gerechtigkeit &bdquo;ein St&uuml;ck Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem&ldquo; hatte. <\/p><p>Von J&uuml;ttner hatte man &ndash; anders als von Ypsilanti &ndash; nie kritische T&ouml;ne gegen seinen Landsmann Schr&ouml;der geh&ouml;rt. Der SPD sollte zu denken geben, wozu die zahlreichen Wahlkampfeins&auml;tze des Ex-Kanzlers im Ergebnis f&uuml;hrten. <\/p><p>So wurde die Niedersachsen-Wahl f&uuml;r die SPD zu einem Glied in der schon endlosen Kette von verlorenen Agenda-Wahlen: Die SPD erlebt historische Niederlagen, die Wahlbeteiligung sackt ab, weil traditionelle SPD-W&auml;hler und mangels glaubw&uuml;rdiger Alternative auch viele unentschiedene W&auml;hler gar nicht mehr zur Wahlurne gehen.<br>\nDas ist wiederum der Grund, weshalb die Linke, obwohl sie nach Einsch&auml;tzung J&uuml;ttners im Wahlkampf &bdquo;nicht stattgefunden&ldquo; hat, 7,1 % schafft &ndash; fast so viele Stimmenanteile, wie die sich aufplusternde FDP mit 8,2 % und die sich ihres h&ouml;chsten Wahlergebnis r&uuml;hmenden Gr&uuml;nen mit 8,0 %.<\/p><p>Wulff lobte sich zwar daf&uuml;r, dass schwarz-gelbe Mehrheiten auch in einem F&uuml;nf-Parteien-Parlament m&ouml;glich seien, und er mag nun als wichtigster Thronfolger von Angela Merkel hochgelobt werden. <\/p><p>Wer jedoch das Wahlergebnis mit n&uuml;chternen Augen betrachtet, sollte nicht &uuml;bersehen, dass Wulff in absoluten Zahlen 470.000 Stimmen &ndash; d.h. ein F&uuml;nftel der fr&uuml;heren W&auml;hler &ndash; verloren hat. Aber es ist ja inzwischen &uuml;blich geworden, dass Negativ-Rekorde bei Wahlbeteiligungen von 57% (gemessen an 67% im Jahr 2003) die Siegerlaunen nicht zu tr&uuml;ben verm&ouml;gen.<br>\nHauptsache, die Prozentanteile an den abgegebenen Stimmen k&ouml;nnen als Erfolg dargestellt werden. Was die weit &uuml;ber vierzig Prozent Nichtw&auml;hler denken, die in Niedersachsen erst gar nicht zur Wahlurne gegangen sind, interessiert weder die Wahlk&auml;mpfer noch die Medien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wahlergebnis in Niedersachsen l&auml;sst sich in nackten Zahlen so zusammenfassen:<br \/> CDU mit 42,5 % (-5,8 %) und SPD mit 30,3 % (-3,1 %) haben Stimmenanteile verloren. 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