{"id":29290,"date":"2015-12-02T13:06:52","date_gmt":"2015-12-02T12:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29290"},"modified":"2015-12-02T13:32:55","modified_gmt":"2015-12-02T12:32:55","slug":"agenda-2018-der-spiegel-nippt-vom-gift-das-er-selbst-jahrelang-verspritzt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29290","title":{"rendered":"Agenda 2018 \u2013 der SPIEGEL nippt vom Gift, das er selbst jahrelang verspritzt hat"},"content":{"rendered":"<p>Dass die goldenen Zeiten beim SPIEGEL schon l&auml;ngst vorbei sind, ist in Branchenkreisen kein Geheimnis. Die Auflage des Print-SPIEGEL ist seit Jahren ebenso kontinuierlich r&uuml;ckl&auml;ufig, wie dessen Anzeigeneinnahmen. SPIEGEL Online ist zwar &ndash; rein quantitativ &ndash; ein Erfolgsmodell, kann jedoch auch nicht gen&uuml;gend Geld verdienen, um die R&uuml;ckg&auml;nge der Print-Ausgabe zu decken. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch im &bdquo;Krisenjahr&ldquo; 2014 konnte die SPIEGEL-Gruppe eine Umsatzrendite von fast 10% erzielen. F&uuml;r andere Medienunternehmen w&auml;re dies eine Erfolgsmeldung. Nicht so f&uuml;r den elit&auml;ren SPIEGEL. Dort hat man &ndash; kein Witz &ndash; offiziell die &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/medien\/agenda-2018--spiegel--streicht-150-stellen,1473342,32683374.html\">Agenda 2018<\/a>&ldquo; ausgerufen und will in den klassischen Bereichen jede f&uuml;nfte Stelle, also insgesamt 150 Vollzeitstellen, streichen. Der SPIEGEL beherzigt also &bdquo;endlich&ldquo; selbst, was er jahrelang der Gesellschaft vorgepredigt hat &ndash; den G&uuml;rtel enger schnallen und sicher geglaubte Besitzst&auml;nde aufzugeben. Doch das ist nur die halbe Story, denn der SPIEGEL ist ebenfalls ein Abbild der Gesellschaft und Mitarbeiter ist nicht gleich Mitarbeiter. So steht zu bef&uuml;rchten, dass auch beim SPIEGEL nicht die &bdquo;gro&szlig;kopferten&ldquo; Elite-Journalisten, sondern die ohnehin schon benachteiligten Mitarbeiter zweiter Klasse vor die T&uuml;r gesetzt werden. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151202_spiegel.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Um das Ph&auml;nomen SPIEGEL zu begreifen, ist es unerl&auml;sslich, sich die in der Medienbranche wohl einmaligen Besitzverh&auml;ltnisse des SPIEGEL vor Augen zu halten. SPIEGEL-Gr&uuml;nder Rudolf Augstein hatte 1974 die H&auml;lfte des Unternehmens an seine Mitarbeiter abgegeben. Seitdem h&auml;lt die Spiegel Mitarbeiter KG als nicht ganz so stiller Teilhaber des Verlags 50,5% der Anteile und hat bei allen wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Dieses Konstrukt sorgt auch daf&uuml;r, dass die rund 740 Mitarbeiter, die Mitglied der KG sind, auch zur H&auml;lfte am Gewinn beteiligt sind. In guten Jahren betrug die Gewinnbeteiligung rund 25.000 Euro pro Jahr und diese &uuml;ppige Pr&auml;mie war nur die Kirsche auf dem Sahneh&auml;ubchen eines Verg&uuml;tungs- und Privilegienmodells, das nicht nur in der Verlagsbranche einmalig ist. Die Anekdoten reichen dabei vom Porsche in der Tiefgarage bis zur Anzeige am Schwarzen Brett in den Verlagsr&auml;umen, in der SPIEGEL-Mitarbeiter ihre 13-Meter-Yachten zum Verkauf anboten, da sie f&uuml;r sich selbst ein sch&ouml;neres Modell gefunden hatten. <\/p><p>Doch diese &bdquo;standesgem&auml;&szlig;&ldquo; bezahlten Edelfedern sind selbst beim SPIEGEL nur die Oberklasse. Mit den Jahren wurden neuen Mitarbeitern peu &agrave; peu Privilegien vorenthalten &ndash; so gab es beispielsweise eine regelrechte Palastrevolution, als die Konzernspitze bei Neueinstellungen das 14te (!) Monatsgehalt zu Disposition stellte. Beim SPIEGEL griff so langsam ein Effekt, den man psychologisch durchaus nachvollziehen kann: Da &uuml;ppige Geh&auml;lter der &bdquo;Neuen&ldquo; den Gewinnanteil der &bdquo;Alten&ldquo; schm&auml;lern, sahen sich die &bdquo;Alten&ldquo; mehr und mehr als Unternehmer und nicht als Kollegen und weigerten sich, ihre eigenen Privilegien auch an die &bdquo;Neuen&ldquo; weiterzugeben. So mancher neoliberale Einpeitscherartikel des SPIEGEL w&auml;re ohne dieses Elitenverst&auml;ndnis von Teilen der Redaktion wohl so auch nie geschrieben worden. Das Sein bestimmt bekanntlich das Bewusstsein und die &bdquo;Solit&auml;re&ldquo;, die sich nicht nur ihrer eigenen Gro&szlig;artigkeit bewusst waren, sondern auch die ihnen daf&uuml;r zustehende Apanage aktiv einfordern, schauten seitdem auf den lumpigen Rest der Gesellschaft &ndash; und erst Recht der Branche &ndash; hinab. <\/p><p>Die ersten hausinternen &bdquo;Opfer&ldquo; waren die Mitarbeiter von SPIEGEL Online. Anders als die Kollegen vom Print-Magazin, der Verwaltung, dem Verlag und dem Archiv k&ouml;nnen die Onliner n&auml;mlich nicht Anteile der Mitarbeiter KG erwerben, verdienen deutlich weniger Geld und haben auch ansonsten weniger Privilegien &hellip; was angesichts der journalistischen Qualit&auml;t von SPIEGEL Online allerdings auch nicht eben ungerechtfertigt ist. <\/p><p>Nun will der SPIEGEL also 150 Mitarbeiter vor die T&uuml;r setzen, so dass die Gewinnbeteiligungen der privilegierten Mitarbeiter auch langfristig &uuml;ppig ausfallen. Dass es dabei die gro&szlig;kopferten Privilegientr&auml;ger selbst trifft, ist jedoch auszuschlie&szlig;en. Freiwillig werden sie den SPIEGEL sicher nicht verlassen und Abfindungen oder Vorruhestandsregelungen f&uuml;r tariflich bestens abgesicherte Gro&szlig;verdiener sind bekanntlich unbezahlbar. Nun d&uuml;rfen Sie dreimal raten, welche SPIEGEL-Mitarbeiter vor die T&uuml;r gesetzt werden. <\/p><p>Die Opfer der Agenda 2018 sind also durchaus vergleichbar mit den Opfern der namensgebenden Agenda der gro&szlig;en Politik. Um die Pfr&uuml;nde und die Renditen der Oberklasse zu sichern, muss der Rest den G&uuml;rtel enger schnallen. Hoffen wir doch ganz einfach, dass dies auch von den unterprivilegierten Kollegen aus dem Hause SPIEGEL so gesehen wird und diese Botschaft sich auch in den Artikeln durchsetzt. Ja, ich wei&szlig;, wahrscheinlich ist das nicht. Dass das Blatt, das nur noch durch eine Melange aus zackiger Deutscht&uuml;melei, denkfaulem Papageienjournalismus, eitler Geckenhaftigkeit und gnadenlosen Opportunismus auff&auml;llt, jemals wieder zu einem &bdquo;echten&ldquo; Nachrichtenmagazin wird, ist eigentlich auszuschlie&szlig;en &hellip; aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/36ee58b276514f959ce74d8d0e69ac15\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die goldenen Zeiten beim SPIEGEL schon l&auml;ngst vorbei sind, ist in Branchenkreisen kein Geheimnis. Die Auflage des Print-SPIEGEL ist seit Jahren ebenso kontinuierlich r&uuml;ckl&auml;ufig, wie dessen Anzeigeneinnahmen. SPIEGEL Online ist zwar &ndash; rein quantitativ &ndash; ein Erfolgsmodell, kann jedoch auch nicht gen&uuml;gend Geld verdienen, um die R&uuml;ckg&auml;nge der Print-Ausgabe zu decken. Doch das ist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29290\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,41],"tags":[374,588,420],"class_list":["post-29290","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-medienanalyse","tag-eliten","tag-personalabbau","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29290"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29290\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29292,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29290\/revisions\/29292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}