{"id":29361,"date":"2015-12-04T12:09:07","date_gmt":"2015-12-04T11:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29361"},"modified":"2015-12-04T15:25:21","modified_gmt":"2015-12-04T14:25:21","slug":"das-maerchen-vom-heiligen-mark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29361","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen vom heiligen Mark"},"content":{"rendered":"<p>Nein, was waren wir alle ger&uuml;hrt. Am Dienstag <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/notes\/mark-zuckerberg\/a-letter-to-our-daughter\/10153375081581634\">verk&uuml;ndeten<\/a> Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan via Facebook nicht nur die Geburt ihres T&ouml;chterleins Max, sondern auch gleich noch eine vermeintlich edle Tat, die &ndash; darin sind sich die Medien einig &ndash; ihresgleichen sucht: 99% des Zuckerberg-Verm&ouml;gens, und das sind laut Zuckerberg immerhin 45 Milliarden Dollar, sollen &uuml;ber die Jahre hinweg in eine Gesellschaft namens Chan Zuckerberg Initiative gehen; eine angeblich gemeinn&uuml;tzige Stiftung, deren Ziel es sein soll, die Welt zu retten. Ach, wie herzergreifend und das kurz vor Weihnachten. Leider ist nichts davon wahr. Das M&auml;rchen vom heiligen Mark ist vielmehr eine vorweihnachtliche PR-Nummer, die ihresgleichen sucht. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3665\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-29361-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=29361-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151204_Der_heilige_Mark_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/zuckerchrist.gif\" alt=\"Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan \/ Facebook\" title=\"Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan \/ Facebook\"><\/p><p>Wer sagt denn, dass es auf SPIEGEL Online keine M&auml;rchen zu lesen g&auml;be? Unter der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/mark-zuckerberg-spendet-deutsche-unternehmer-vererben-ehrlos-kommentar-a-1065957.html\">&bdquo;Deutschlands ehrlose Erben&ldquo;<\/a> bekam man dort gestern folgendes zu lesen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Bei Familie Zuckerberg im kalifornischen Menlo Park war diese Woche schon Bescherung. Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, nahm die Geburt seines ersten Kindes zum Anlass, fast sein ganzes Verm&ouml;gen zu verschenken. Und zwar an die Allgemeinheit: 99 Prozent seiner Firmenanteile, B&ouml;rsenwert derzeit etwa 45 Milliarden Dollar, sollen in den n&auml;chsten Jahren f&uuml;r wohlt&auml;tige Zwecke ausgegeben werden. Lediglich ein Prozent beh&auml;lt Zuckerberg f&uuml;r seine Familie und T&ouml;chterchen Max zur&uuml;ck&ldquo;.<\/p><\/blockquote><p>An diesem Absatz ist so ziemlich alles falsch, sogar der Wohnsitz der Familie Zuckerberg, die eigentlich die Familie Chan-Zuckerberg ist und nicht in Menlo Park, sondern in Palo Alto lebt. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wichtiger ist, dass es beispielsweise nicht zutrifft, dass Zuckerberg &bdquo;fast sein ganzes Verm&ouml;gen verschenkt&ldquo; h&auml;tte. Er hat vielmehr zusammen mit seiner Frau eine Absichtserkl&auml;rung abgegeben, zu Lebzeiten 99% seiner Facebook-Aktien aus dem Privatverm&ouml;gen in ein Firmenverm&ouml;gen zu transferieren. Alles sch&ouml;n langsam und peu &agrave; peu. In den n&auml;chsten Jahren will er beispielsweise Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar umschichten. Die neue Verm&ouml;gensverwaltung der Chan-Zuckerbergs tr&auml;gt den Namen <em>Chan Zuckerberg Initiative LLC<\/em> &ndash; wobei das K&uuml;rzel LLC f&uuml;r Limited Liability Company steht, dem US-Pendant der deutschen GmbH. Gemeinn&uuml;tzig ist daran erst einmal nichts. Und bis Zuckerbergs Lebzeiten beendet sind, wird er nat&uuml;rlich weiterhin bestimmender Gro&szlig;aktion&auml;r von Facebook bleiben. Dabei ist es unerheblich, ob er die Aktien direkt oder indirekt &uuml;ber die LLC h&auml;lt, die er nat&uuml;rlich ebenfalls voll kontrolliert.<\/p><p>Vorteile hat diese Rochade vor allem aus steuerrechtlicher Sicht und in Sachen Steuervermeidung kennt Zuckerberg sich ja vortrefflich aus. Wenn er Teile seines Aktienpaketes in eine LLC verschiebt &ndash; und nicht &bdquo;verschenkt&ldquo; &ndash;, kommt er als Privatperson n&auml;mlich um die Kapitalertragssteuer herum. Ein Schelm, wer b&ouml;ses dabei denkt. Und wie kommen die Medien dann auf die Idee, es handele sich hierbei um eine &bdquo;Spende&ldquo;, eine &bdquo;Stiftung&ldquo; oder gar ein &bdquo;Geschenk an die Allgemeinheit&ldquo;? Nun, dass hat wohl vor allem etwas mit dem Zuckerbergschen Geschwurbel zu tun. So schreibt er in seinem als offenen Brief an seine Tochter konzipierten Beitrag, die <em>Chan Zuckerberg Initiative<\/em> habe sich zum Ziel gesetzt, &bdquo;das menschliche Potential zu erweitern und Gleichheit zu verbreiten&ldquo;. Das klingt nach einer Mischung aus Scientology und dem &uuml;blichen Silicon-Valley-Geschwafel und ist so wundervoll schwammig. Wahrscheinlich will Zuckerberg sogar &bdquo;Gutes tun&ldquo;. Aber er ist ja auch felsenfest davon &uuml;berzeugt, dass Facebook etwas &bdquo;Gutes&ldquo; ist und er als Konzernchef schon heute &bdquo;Gutes tut&ldquo;. Also kann der heilige Mark ja alles beim Alten belassen.<\/p><p>&bdquo;Zu Beginn&ldquo; wolle man sich unter anderem &bdquo;darauf fokussieren&ldquo;, &bdquo;Leute ins Internet zu bringen und starke Communities aufzubauen&ldquo; &ndash; so Zuckerberg weiter. Mit anderen Worten: Er will die Zielgruppe von Facebook erweitern und noch mehr Nutzer an den Segnungen seines Konzerns teilhaben lassen; v&ouml;llig uneigenn&uuml;tzig, versteht sich. Aber mehr noch: Man wolle mit der Initiative auch &bdquo;private Investments vornehmen und an der politischen Debatte teilnehmen&ldquo;; gerade so, als tr&auml;fe dies auf den Facebook-Konzern nicht heute schon zu. Wenn man einmal die ellenlange Selbstbeweihr&auml;ucherung und die schwammige Bessere-Welt-Rhetorik aus dem Schreiben des Ehepaars Chan-Zuckerberg herausl&auml;sst und sich auf die wenigen konkreten Aussagen konzentriert, bleibt von dem M&auml;rchen vom heiligen Mark nicht mehr viel &uuml;brig.<\/p><p>Das sehen auch amerikanische Silicon Valley-Insider, wie der ehemalige Mozilla-Chefentwickler Jamie Zawinski, so. In seinem <a href=\"https:\/\/www.jwz.org\/blog\/2015\/12\/zuckerberg-has-not-donated-anything-you-gullible-credulous-pinheads\/\">Blog schreibt er<\/a>, unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Zuckerberg hat nichts gespendet, ihr leichtgl&auml;ubigen Idioten&rdquo;: <\/p><blockquote><p>&ldquo;Wenn ein Multimilliard&auml;r per Pressemitteilung verk&uuml;ndet, dass er irgendwann einmal alles &ndash; au&szlig;er ungef&auml;hr einer Milliarde &ndash; an eine &lsquo;gemeinn&uuml;tzige Stiftung&rsquo; &uuml;berweist, die zudem vollst&auml;ndig unter seiner Kontrolle steht, dann ist das keine Spende, sondern blo&szlig; eine Geldverschiebung von einem Bankkonto auf ein anderes. Und nicht einmal das: Er k&uuml;ndigt nur an, dass er gerade im Begriff sei, sich darauf vorzubereiten, dies eines Tages zu tun. [&hellip;] Dies ist blo&szlig; die &uuml;bliche Manier, in der Milliard&auml;re Geld waschen. Es kauft ihnen gute Presse und gibt ihnen die tolle Gelegenheit, untergeordneten Spezis millionenschwere Managementgeh&auml;lter und Aufsichtsratsposten zuzuschanzen. Spart Euch Euren Applaus, bis er wirklich eine Entsalzungsanlage gebaut hat, statt eine der treibenden Kr&auml;fte der staatlich-privatwirtschaftlichen &Uuml;berwachungspartnerschaft zu bleiben.&rdquo;<br>\n&Uuml;bersetzung aus dem Englischen: Florian Cramer<\/p><\/blockquote><p>Dem ist eigentlich nichts hinzuzuf&uuml;gen. Oder doch? Mark Zuckerbergs Verm&ouml;gensverwaltungspl&auml;ne sind vor allem in Kombination mit seiner auf die Tr&auml;nendr&uuml;sen dr&uuml;ckenden Rhetorik vor allem eins: zynisch. Zuckerberg will eine bessere Welt. Eine Welt, in der alle die gleichen Chancen haben und Krankheiten sowie Armut der Kampf angesagt wird. Wollen wir das nicht alle? Kinderg&auml;rten, Schulen und Universit&auml;ten, in denen auch Kinder, deren Eltern nicht zu den Silicon-Valley-Milliard&auml;ren geh&ouml;ren, eine gute Ausbildung bekommen, kosten bekanntlich Geld. Geld, das der Staat in die Hand nehmen sollte. Und auch der Kampf gegen Krankheiten und Armut auf der Welt wird auch und vor allem durch gemeinn&uuml;tzige Organisationen finanziert, die ihrerseits vor allem durch staatliche Mittel refinanziert werden. Sehr viel Geld. Geld, dass der Staat ausgibt und &uuml;ber das Steuersystem einnimmt. Wenn Zuckerbergs Pl&auml;ne neben der reinen PR noch ein anderen Zweck haben, dann ist es der der Steuervermeidung. Eben diese Steuervermeidung, die auch der Facebook-Konzern perfektioniert hat. Zuckerberg und Co. tun also alles denkbar m&ouml;gliche, um selbst so wenig Geld wie m&ouml;glich an den Staat zu zahlen und beklagen dann &ouml;ffentlichkeitswirksam die Probleme, f&uuml;r deren L&ouml;sung der Staat kein Geld mehr &uuml;brig hat. Das ist schizophren, das ist zynisch, das ist abartig.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/27dffc1053da4b46b494c3f3c783a64a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, was waren wir alle ger&uuml;hrt. 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