{"id":29364,"date":"2015-12-04T14:09:07","date_gmt":"2015-12-04T13:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29364"},"modified":"2018-03-22T10:36:07","modified_gmt":"2018-03-22T09:36:07","slug":"von-gemeinsamer-sicherheit-zum-rueckgriff-auf-militaerische-interventionenvom-ende-der-bloecke-zur-fortsetzung-der-nato-osterweiterung-vom-traurigen-wandel-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29364","title":{"rendered":"Von gemeinsamer Sicherheit zum R\u00fcckgriff auf milit\u00e4rische Interventionen,vom Ende der Bl\u00f6cke zur Fortsetzung der NATO-Osterweiterung. Vom traurigen Wandel der SPD."},"content":{"rendered":"<p>In einer Woche trifft sich die SPD in Berlin zu ihrem Bundesparteitag. Ihre Haltung zu Milit&auml;reins&auml;tzen ist heute radikal gewandelt. Ohne &Uuml;bertreibung k&ouml;nnte man sagen: von der Friedens- zur Kriegspartei. Ich will an dieser Stelle nur auf vier Dokumente hinweisen, die den Spannungsbogen zeigen: 1. Auf das Berliner Grundsatzprogramm von 1989 mit dem Bekenntnis zum Ende bei der milit&auml;rischen Bl&ouml;cke. 2. Auf einen aktuellen Beschluss des Vorstands der Demokratischen Linken DL 21, der vom Geist des Berliner Grundsatzprogramms gepr&auml;gt ist. 3. Auf &Auml;u&szlig;erungen des au&szlig;enpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion Niels Annen und 4. auf solche des fr&uuml;heren au&szlig;enpolitischen Sprechers, Markus Meckel, zur weiteren NATO Osterweiterung. Au&szlig;erdem 5. zum Abschluss ein anderes Dokument, eine Rede von Gro&szlig;ayatollah Khamenei an die Jugend. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>\n<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_01_th.jpg\" alt=\"Berliner Grundsatzprogramm 01\" title=\"Berliner Grundsatzprogramm 01\"><\/a><\/div>\n<p><strong>Das Berliner Grundsatzprogramm als Schlusspunkt einer wichtigen Wende der deutschen Politik vom Kalten Krieg zur Entspannungspolitik.<\/strong><\/p>\n<p>Die SPD hat im Lauf ihrer Geschichte eine Menge Fehler gemacht, sie hat die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Kriege mit zu verantworten. Aber sie hat in einer entscheidenden Phase nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit anderen die n&ouml;tigen Impulse f&uuml;r eine andere Politik gegeben. Weg vom kalten Krieg, hin zur Verst&auml;ndigung, zum Sichvertragen, zum Abbau der Konfrontation zwischen West und Ost und zum Konzept der Gemeinsamen Sicherheit in Europa. Diese Linie fand ihren Niederschlag in der praktischen Politik, in einer Abfolge von Vertr&auml;gen bis hin zur Gr&uuml;ndung der OSZE, und im Berliner Grundsatzprogramm vom 20. Dezember 1989.<\/p>\n<div style=\"float: left; margin: 0 25px 15px 0;\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_02_th.jpg\" alt=\"Berliner Grundsatzprogramm 02\" title=\"Berliner Grundsatzprogramm 02\"><\/a><\/div>\n<p>Dieses Programm, auf das wir auf den NachDenkSeiten schon mehrmals aufmerksam gemacht haben und dessen einschl&auml;gige Seiten hier unten wiedergegeben sind, enth&auml;lt markante S&auml;tze, die sich von der heutigen Politik der SPD deutlich unterscheiden, zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>&bdquo;Aufgabe Frieden.<br>\nDie Menschheit kann nur noch gemeinsam &uuml;berleben oder gemeinsam untergehen.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Unser Ziel ist eine gesamteurop&auml;ische Friedensordnung &hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Gemeinsame Sicherheit bewirkt Entspannung und braucht Entspannung. Gemeinsame Sicherheit will Bedrohungs&auml;ngste abbauen und die Konfrontation der Bl&ouml;cke &uuml;berwinden.&ldquo;<\/li>\n<\/ul>\n<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151204_Berliner_Grundsatzprogramm_03_th.jpg\" alt=\"Berliner Grundsatzprogramm 03\" title=\"Berliner Grundsatzprogramm 03\"><\/a><\/div>\n<ul>\n<li>&bdquo;Unser Ziel ist es, die Milit&auml;rb&uuml;ndnisse durch eine europ&auml;ische Friedensordnung abzul&ouml;sen.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Die Bundeswehr hat ihren Platz im Konzept gemeinsamer Sicherheit. Sie hat ausschlie&szlig;lich der Landesverteidigung zu dienen. Ihr Auftrag ist Kriegsverh&uuml;tung durch Verteidigungsf&auml;higkeit bei struktureller Angriffsunf&auml;higkeit. Die Struktur der Bundeswehr muss den Abr&uuml;stungsprozess unterst&uuml;tzen und f&ouml;rdern.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Unser Ziel ist es, den Export von Waffen und R&uuml;stungsg&uuml;tern zu verhindern.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Der politische Wille muss &uuml;ber Milit&auml;rstrategie, Milit&auml;rtechnik und wirtschaftliche Interessen der R&uuml;stungsindustrie herrschen, nicht umgekehrt. Friede ist eine politische, keine waffentechnische Aufgabe.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Friedenspolitik muss die Vorherrschaft milit&auml;rischer, b&uuml;rokratischer und r&uuml;stungswirtschaftlicher Interessen brechen &hellip;&ldquo;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von den in der Praxis der Entspannungspolitik erfahrenen und im Berliner Grundsatzprogramm niedergelegten Erkenntnissen sind die entscheidenden Personen der heutigen SPD meilenweit entfernt.<\/p><\/li>\n<li>\n<p>In dieser Partei gibt es noch Menschen, deren Grundeinstellung aus den fr&uuml;heren Erfahrungen gespeist ist und die sich ihre Skepsis gegen&uuml;ber der milit&auml;rischen L&ouml;sung von Konflikten dieser Welt bewahrt haben. Die Demokratische Linke, DL 21, ist eine Vereinigung, in der sich solche Menschen treffen.<\/p>\n<p><strong>Wir dokumentieren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/151204_Zur_aktuellen_Debatte_um_den_Syrieneinsatz_der_DL21.pdf\">beispielhaft die Stellungnahme des Vorstands [PDF]<\/a> der Demokratischen Linken in der SPD, der DL 21, zum Einsatz in Syrien.<\/strong> Eine der Kernaussagen dieses Papier lautet: &bdquo;Ein milit&auml;rischer Einsatz wird nicht die Ursachen und damit die Existenz des Terrors beseitigen.&ldquo;<\/p>\n<p>Das Kontrastprogramm:<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Niels Annen &ndash; er war einmal Juso-Vorsitzender &ndash; zum Syrien-Einsatz:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/mediathek\/videos\/politik\/Es-ist-kein-Kriegseinsatz-article16485436.html\">&ldquo;Es ist kein Kriegseinsatz&rdquo;<\/a> 02.12.15 &ndash; 03:19 min<\/p>\n<p>Typisch f&uuml;r das Niveau und die Tricks der Argumentation: &bdquo;Wir beteiligen uns nicht direkt an der Bombardierung. Deshalb ist es auch kein Kriegseinsatz.&ldquo;<\/p>\n<p><strong>Am 16.9.2015, also vor zweieinhalb Monaten, berichtete der Berliner Tagesspiegel &uuml;ber den gleichen Politiker folgendes:<\/strong><\/p>\n<p>Auch der SPD-Au&szlig;enpolitiker&nbsp;Niels Annen&nbsp;warnte vor einem deutschen Milit&auml;reinsatz gegen den IS in Syrien. &bdquo;Es ist ein gro&szlig;er Irrtum, dass mehr Flugzeuge und Bomben gegen den IS die Fluchtursachen bek&auml;mpfen k&ouml;nnen&ldquo;, sagte er. Die meisten gefl&uuml;chteten Syrer seien vor Assads Fassbomben, vor Chemiewaffen und der Brutalit&auml;t der Sicherheitskr&auml;fte geflohen. Deshalb gebe es &bdquo;zu einer politischen L&ouml;sung f&uuml;r den Syrien-Krieg unter Einbeziehung aller Akteure keine Alternative&ldquo;.<\/p>\n<p>Offenbar muss man flexibel sein. Und man muss sich an die im Westen g&auml;ngige Sprachregelung jener halten.<\/p><\/li>\n<li>\n<p><strong>Markus Meckel gab dem Deutschlandfunk ein Interview zur &bdquo;NATO-Einladung an Montenegro&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&ldquo;Gespr&auml;che gerechtfertigt, auch wenn Russland sich d&uuml;piert f&uuml;hlt&rdquo;<\/strong><\/p>\n<p>&hellip;<br>\n<strong>Armbr&uuml;ster:<\/strong>&nbsp;Aber das Ergebnis dieser ganzen Angelegenheit ist ja, dass Russland sich jetzt d&uuml;piert f&uuml;hlt, und da ist doch schon die Frage, ob das zum jetzigen Zeitpunkt so klug ist.<br>\n<strong>Meckel:<\/strong>&nbsp;Die Frage ist, wann Russland sich nicht d&uuml;piert f&uuml;hlt, und das kann ich f&uuml;r die letzten zehn Jahre zu keinem Zeitpunkt sehen. Von daher darf sich die NATO nicht die Beschr&auml;nkung auferlegen, dass ein anderer Staat, auch Russland kein Veto hat.<br>\n&hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/nato-einladung-an-montenegro-gespraeche-gerechtfertigt-auch.694.de.html?dram:article_id=338651\">www.deutschlandfunk.de<\/a><\/p>\n<p>Auch bei ihm spielt der Geist der alten sozialdemokratischen Entspannungspolitik keine Rolle mehr. Statt Ende beider Bl&ouml;cke, als auch der NATO, soll die Osterweiterung weitergehen. Und das mit der &uuml;blichen Berufung auf den Willen der beitretenden V&ouml;lker und der damit verbundenen Behauptung, es st&auml;nde nicht in der Macht der NATO und ihrer bisherigen Mitglieder, auf Erweiterung zu verzichten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Leserbrief eines NachDenkSeiten Lesers mit dem Text des Gro&szlig;ayatollah Khamene des Iran &ndash; zum Thema Freund\/Feind und deshalb einschl&auml;gig zu den angef&uuml;hrten Dokumenten:<\/strong><br>\n<blockquote><p>&bdquo;t&auml;glich lese ich mit Gewinn die Nachdenkseiten. Um Ihre Zeit nicht zu verschwenden halte ich mich kurz und verzichte hier auf verdientes Lob. <\/p>\n<p>Es gibt viele Analysen zu den Feldern &ldquo;clash of cultures&rdquo;, Syrien, Bundeswehreinsatz, Frieden etc. Im gesellschaftlichen Diskurs redet man gerne &uuml;ber andere, nicht mit ihnen. In diesem Sinn beherrschen alle m&ouml;glichen &ldquo;Fachleute zum Islam&rdquo; die Talkshows und Zeitungsseiten.<\/p>\n<p>Die Nachdenkseiten zeigten sich immer als Vorreiter im gesellschaftlichen Diskurs, weil sie ihren Lesern erlauben, die Alternativsicht direkt aus dem Mund &ldquo;der anderen&rdquo; zu erfahren. Zum Beispiel die russische Sichtweise aus der Perspektive Putins. Vor einer Woche etwa fand ich eine neue analytische Sichtweise zu den genannten Themen aus dem Mund des Oberhauptes des Landes Iran. Leider finde ich dazu keine einzige Nachricht in westlichen Medien, was erstaunt, wenn jedes Wort aus irgendeiner H&ouml;hle in Afghanistan nonstop eine Sondersendung f&uuml;llen kann. Also darf man annehmen, dass darin irgendwas interessantes gesagt wird, was das g&auml;ngige Freund\/Feind Schema ersch&uuml;ttert:<\/p>\n<p>&ldquo;Eineinhalb Milliarden Muslime hegen mit Gewissheit dasselbe Gef&uuml;hl und verabscheuen die Urheber dieser Trag&ouml;dien. Aber das Leid von heute muss zum Aufbau eines besseren und sichereren morgen f&uuml;hren. Ansonsten wird es nur eine bittere und nutzlose Erinnerung bleiben. Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass nur Ihr jungen Leute imstande sein werdet, aus den Wirren von heute neue L&ouml;sungen f&uuml;r die Gestaltung der Zukunft zu finden und Irrwege zu blockieren, die den Westen in die jetzige Lage versetzt haben.<\/p>\n<p>Wer auch nur einen Hauch Liebe und Menschlichkeit besitzt, den lassen solche Szenen nicht unber&uuml;hrt und erf&uuml;llen ihn mit Schmerz, ob sie sich nun in Frankreich abspielen oder in Pal&auml;stina, Irak, Libanon oder Syrien.<\/p>\n<p>Es ist richtig, dass der Terrorismus heute der gemeinsame Schmerz von uns und euch ist. Doch solltet Ihr wissen, dass die Unsicherheit und Aufregung, die Ihr bei den j&uuml;ngsten Ereignissen erlebt habt, in zweierlei Hinsicht einen gro&szlig;en Unterschied zu dem Leid aufweist, welche die Menschen im Irak, Jemen, Syrien und Afghanistan seit Jahren ertragen: Erstens ist die Islamische Welt in grundlegend weitreichenderen Dimensionen, gr&ouml;&szlig;erem Umfang und seit sehr viel l&auml;ngerer Zeit Opfer von Schrecken, Furcht und Gewalt. Zweitens wurden diese Aggressionen leider kontinuierlich seitens einiger gro&szlig;er M&auml;chte auf verschiedene Art und Weise effektiv unterst&uuml;tzt.<\/p>\n<p>Es gibt heutzutage kaum jemanden, der nicht von der Rolle der USA bei der Bildung oder St&auml;rkung und Bewaffnung der Al-Kaida, Taliban und deren &uuml;blen Nachfolger w&uuml;sste. Neben diesen direkten Hilfen befinden sich die offenen und bekannten Unterst&uuml;tzer des takfiristischen [1] Terrorismus, trotz ihrer r&uuml;ckst&auml;ndigsten politischen Systeme, stets in der Reihe der Verb&uuml;ndeten des Westens. Hingegen werden die fortschrittlichsten und offenkundigsten Ideologien in der Region, die dem lebendigen Volkswillen entspringen, erbarmungslos unterdr&uuml;ckt. Der doppelz&uuml;ngige Umgang des Westens mit der Erwachungsbewegung in der Islamischen Welt liefert ein anschauliches Beispiel f&uuml;r die Widerspr&uuml;chlichkeit der westlichen Politik.<\/p>\n<p>Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass nur Ihr jungen Leute imstande sein werdet, aus den Wirren von heute neue L&ouml;sungen f&uuml;r die Gestaltung der Zukunft zu finden und Irrwege zu blockieren, die den Westen in die jetzige Lage versetzt haben.<\/p>\n<p>Solange doppelz&uuml;ngige Kriterien in der westlichen Politik vorherrschen und solange sich der Terrorismus in den Augen seiner m&auml;chtigen Unterst&uuml;tzer in einen guten und einen schlechten aufteilen l&auml;sst und solange die Interessen von Regierungen gegen&uuml;ber den menschlichen und ethischen Werten den Vorzug genie&szlig;en, sollte man nicht woanders nach den Wurzeln f&uuml;r die Gewalt suchen. Leider sind diese Wurzeln &uuml;ber die Jahre immer tiefer in die kulturelle Politik des Westens eingedrungen und haben eine sanfte und verdeckte Invasion in Gang gesetzt. Viele L&auml;nder sind stolz auf ihre einheimische nationale Kultur. Es sind Kulturen, die nicht nur gro&szlig; und fruchtbar sind, sondern Jahrhunderte lang die menschlichen Gesellschaften bestens gen&auml;hrt haben. Die Islamische Welt bildet dabei keine Ausnahme. Doch in der heutigen Zeit versucht die westliche Welt unter Nutzung moderner Hilfsmittel beharrlich, f&uuml;r eine internationale kulturelle Gleichschaltung zu sorgen. Ich bewerte das Aufzwingen der westlichen Kultur gegen&uuml;ber den anderen V&ouml;lkern und die Abwertung unabh&auml;ngiger Kulturen als verdeckte Gewalt und halte es f&uuml;r &auml;u&szlig;erst sch&auml;dlich.<br>\n&nbsp;<br>\nZu meinem gr&ouml;&szlig;ten Bedauern muss ich feststellen, dass niedertr&auml;chtige Gruppen wie die IS-Terrormiliz die Ausgeburt solcher erfolglosen Verbindungen mit importierten Kulturen sind. H&auml;tte das Problem wirklich etwas mit der religi&ouml;sen &Uuml;berzeugung zu tun, dann h&auml;tten wir bereits vor der Kolonialisierung solche Ph&auml;nomene in der Islamischen Welt beobachtet. Aber die Geschichte bezeugt das Gegenteil. Zuverl&auml;ssige historische Belege zeugen eindeutig davon, dass die Kreuzung der Kolonialisierung mit einer radikalen, verworfenen Denkweise &ndash; obendrein eines Beduinenstamms &ndash; die Saat des Extremismus in diese Region gestreut hat. Wie sonst ist es m&ouml;glich, dass aus einer der moralischsten und humansten religi&ouml;sen Rechtsschulen der Welt, die in ihrem zugrunde liegenden Buch die T&ouml;tung eines einzigen Menschen mit der T&ouml;tung der gesamten Menschheit gleichstellt, ein Abschaum wie der IS hervorgeht?<\/p>\n<p>Andererseits muss man fragen, wieso sich jemand, der in Europa geboren ist und in der dortigen Umgebung geistig und ideologisch geformt wurde, solchen Gruppierungen anschlie&szlig;t? Kann man etwa glauben, dass Leute, die ein oder zweimal in ein Kriegsgebiet reisen, pl&ouml;tzlich derart radikalisiert werden, dass sie ihre eigenen Landsleute unter Beschuss nehmen? Gewiss darf man hierbei nicht die Wirkung eines ungesunden kulturellen Konsums in einer verschmutzten, gewaltverherrlichenden Umgebung au&szlig;er Acht lassen. In diesem Zusammenhang sind umfassende Analysen erforderlich, welche die offenen und verborgenen Verunreinigungen der Gesellschaft aufzeigen. Vielleicht haben die tiefen Hassgef&uuml;hle, die in den Jahren des industriellen und wirtschaftlichen Aufschwungs aufgrund von Ungleichheiten und etwaigen gesetzlichen und strukturellen Benachteiligungen in die Herzen von Bev&ouml;lkerungsgruppen der westlichen Gesellschaften ges&auml;t wurden, zu Minderwertigkeitskomplexen gef&uuml;hrt, die hin und wieder krankhaft auf diese Weise zum Ausdruck kommen.<\/p>\n<p>Jedenfalls seid Ihr diejenigen, die die &auml;u&szlig;eren Schalen Eurer Gesellschaft &ouml;ffnen m&uuml;ssen und die Probleme und Minderwertigkeitskomplexe zu finden sowie diese zu beseitigen haben. Gr&auml;ben sollten gef&uuml;llt und nicht vertieft werden. Ein gro&szlig;er Fehler im Kampf gegen den Terrorismus sind &uuml;berst&uuml;rzte Reaktionen, die vorhandene Kl&uuml;fte vergr&ouml;&szlig;ern. Irgendwelche emotionalen und &uuml;bereilten Handlungen, welche die in Europa und den USA zu Millionen lebenden aktiven und pflichtbewussten Muslime isolieren, sie in Angst und Schrecken versetzen, ihnen mehr denn je ihre Grundrechte verwehren und in der Gesellschaft an den Rand dr&auml;ngen, werden keine L&ouml;sung darbieten. Im Gegenteil wird dies die Kl&uuml;fte noch vertiefen und die Missstimmung steigern.<\/p>\n<p>Oberfl&auml;chliche Vorkehrungen und Reaktionen, insbesondere wenn sie vom Gesetz gedeckt werden, werden nichts anderes zur Folge haben, als dass durch verst&auml;rkte Blockbildungen zuk&uuml;nftige Krisen angebahnt werden. Gem&auml;&szlig; einigen Meldungen wurden in einigen europ&auml;ischen Staaten Bestimmungen eingef&uuml;hrt, welche die B&uuml;rger dazu anregen die Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Dies ist ein ungerechtes Vorgehen und wir alle wissen, dass das Unrecht, ob man will oder nicht, wie ein Bumerang wirkt, der zu einem selbst zur&uuml;ckkommt. Die Muslime verdienen diesen Undank nicht. Die westliche Welt kennt die Muslime seit Jahrhunderten nur zu gut. Sie haben haupts&auml;chlich nur Freundlichkeit und Geduld seitens der Muslime erlebt &ndash; sowohl in der Zeit, als Menschen aus dem Westen auf dem Territorium des Islams zu Gast waren und den Reichtum des Gastgebers bestaunten, als auch in der Zeit, in der sie selbst Gastgeber wurden und von der Arbeit und dem Denken der Muslime profitierten.&rdquo;<\/p>\n<p>Vollst&auml;ndig: <a href=\"http:\/\/german.irib.ir\/nachrichten\/revolutionsoberhaupt\/item\/294025-an-alle-jungen-menschen-in-den-westlichen-staaten\">german.irib.ir<\/a><\/p>\n<p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nB., Z&uuml;rich<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Woche trifft sich die SPD in Berlin zu ihrem Bundesparteitag. Ihre Haltung zu Milit&auml;reins&auml;tzen ist heute radikal gewandelt. Ohne &Uuml;bertreibung k&ouml;nnte man sagen: von der Friedens- zur Kriegspartei. Ich will an dieser Stelle nur auf vier Dokumente hinweisen, die den Spannungsbogen zeigen: 1. Auf das Berliner Grundsatzprogramm von 1989 mit dem Bekenntnis zum<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29364\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[170,171,191],"tags":[2134,358,466,1022,359,1122],"class_list":["post-29364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-spd","tag-berliner-programm","tag-bundeswehr","tag-nato","tag-parteiprogramm","tag-parteistroemungen","tag-waffenexporte"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29364"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29373,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29364\/revisions\/29373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}