{"id":29413,"date":"2015-12-08T09:47:18","date_gmt":"2015-12-08T08:47:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29413"},"modified":"2019-07-31T12:29:34","modified_gmt":"2019-07-31T10:29:34","slug":"schaeubles-schwarze-null-auf-dem-weg-in-die-geschichtsbuecher-ueber-sinn-und-zweck-staatlicher-budgetdefizite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29413","title":{"rendered":"Sch\u00e4ubles \u201eschwarze Null\u201c auf dem Weg in die Geschichtsb\u00fccher? \u2013 \u00dcber Sinn und Zweck staatlicher Budgetdefizite"},"content":{"rendered":"<p>Die Verkl&auml;rung der &bdquo;schwarzen Null&ldquo; im Bundeshaushalt, die in der letzten Woche &ndash; trotz Milliarden-Mehrausgaben aufgrund der Fl&uuml;chtlingskrise &ndash; auch f&uuml;r das Jahr 2016 im Bundestag als Ziel beschlossen wurde, nimmt hierzulande bisweilen groteske Z&uuml;ge an. So schrieb etwa Roland Tichy erst k&uuml;rzlich fast wortgleich in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/roland-tichy\/was-ist-eine-schwarze-null-wert-43310114.bild.html\">bild.de<\/a>&ldquo; und in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rolandtichy.de\/daili-es-sentials\/bundeshaushalt-warum-die-schwarze-null-wackelt\/\">Tichys Einblick<\/a>&ldquo;: &bdquo;Die schwarze Null bedeutet, dass wir erstmals seit 1969 keine neuen Schulden aufnehmen. Eine gro&szlig;artige Leistung! Damit hat Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&auml;uble sich einen Platz in den Geschichtsb&uuml;chern erobert.&ldquo; Von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29413#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\nNun k&ouml;nnte man &uuml;ber eine solche Glorifizierung eines ausgeglichenen &ouml;ffentlichen Haushalts den Kopf sch&uuml;tteln und zur Tagesordnung &uuml;bergehen, g&auml;lte nicht Roland Tichy als einer der einflussreichsten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands &ndash; er war Chefredakteur bzw. stellvertretender Chefredakteur der Magazine &bdquo;Capital&ldquo;, &bdquo;Impulse&ldquo;, &bdquo;Euro&ldquo; und zuletzt (bis September 2014) der &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo; und ist weiterhin Fernseh-Dauergast etwa im &bdquo;Presseclub&ldquo; der ARD.<\/p><p>Sehen wir einmal von der unsinnigen Gleichsetzung von &bdquo;wir&ldquo; und dem Staat in Tichys Beitrag ab[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], so stellt sich nat&uuml;rlich die Frage, warum der &bdquo;schwarzen Null&ldquo; eine so herausragende Bedeutung zukommt, dass ihr ein Eintrag in den Geschichtsb&uuml;chern sicher sei. Nach einer Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese These sucht man leider vergeblich; stattdessen sorgt sich Tichy darum, dass die Fl&uuml;chtlinge und eine m&ouml;glicherweise schw&auml;chelnde deutsche Konjunktur die gro&szlig;e Errungenschaft zu Fall bringen k&ouml;nnten, was dann andere europ&auml;ische L&auml;nder dazu verleiten w&uuml;rde, auch wieder mehr Schulden zu machen.<\/p><p>Der Artikel ist damit symptomatisch f&uuml;r den Umgang mit dem Thema &bdquo;Staatsdefizite&ldquo; und &bdquo;Staatsverschuldung&ldquo; in den deutschen Medien. Wie die meisten Beitr&auml;ge zu dieser Thematik ist er sehr einfach gestrickt und l&auml;uft letztlich auf eine schlichte Einteilung in gut und b&ouml;se hinaus: Der Tugend des Sparens steht das Laster des Schuldenmachens gegen&uuml;ber. Das ist scheinbar so unstrittig, dass es keiner weiteren Begr&uuml;ndung bedarf. Alle &Uuml;bel der &ouml;konomischen Welt gehen von den Schuldenmachern aus, gegen die sich die tugendhaften Sparer nicht durchsetzen k&ouml;nnen.<\/p><p>Gegen diese simple Sichtweise haben differenzierte Positionen kaum eine Chance. Man stelle sich nur einmal vor, ein Diskutant in einer deutschen Talkshow behaupte v&ouml;llig zu Recht, dass staatliche Haushaltsdefizite nicht nur zu hoch, sondern ebensogut zu niedrig sein k&ouml;nnten, dass staatliche Budget&uuml;bersch&uuml;sse zwar in einigen Situationen sinnvoll, unter anderen Bedingungen aber sch&auml;dlich seien und dass es aufgrund der unterschiedlichen Wirkungen unter differierenden &ouml;konomischen Konstellationen unsinnig sei, vorab irgendein Defizitziel f&uuml;r den Staatshaushalt (etwa eine Obergrenze von 3 Prozent des BIP) festzulegen. Ein Talkgast, der solche &Uuml;berlegungen &auml;u&szlig;erte, w&uuml;rde vermutlich auf v&ouml;lliges Unverst&auml;ndnis sto&szlig;en.<\/p><p><strong>Ein staatliches Defizit bedeutet einen exakt gleichen nichtstaatlichen &Uuml;berschuss<\/strong><\/p><p>Warum aber ist es so schwer, eine sachliche und vern&uuml;nftige Debatte zum Thema Schulden zu f&uuml;hren? Ein Grund, weshalb es den Verfechtern einer &ndash; vorgeblich &ndash; &bdquo;soliden Haushaltspolitik ohne Neuverschuldung&ldquo; so leicht f&auml;llt, die &Ouml;ffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen, liegt vermutlich bereits in der Begrifflichkeit. So steckt in dem Ausdruck &bdquo;Schulden&ldquo; offenkundig das Wort &bdquo;Schuld&ldquo; und der Begriff &bdquo;Defizit&ldquo; gibt laut Duden einen &bdquo;Mangel&ldquo; oder einen &bdquo;Fehlbetrag&ldquo; an. Die Aversionen wachsen noch, wenn Schulden in Kombination mit dem Staat auftreten, dem ohnehin oft mit Skepsis begegnet wird und der einer weit verbreiteten Ansicht zufolge so wenig wie m&ouml;glich in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen sollte, da er zumeist mit seinen Aktivit&auml;ten nur Sand ins Getriebe streue. Unter solchen Voraussetzungen ist in der &Ouml;ffentlichkeit eine gesamtwirtschaftlich rationale Auseinandersetzung mit dem Thema Defizite und Schulden schwierig.<\/p><p>Dabei ist die Begrifflichkeit in h&ouml;chstem Ma&szlig;e irref&uuml;hrend. So zeigt zwar der Ausdruck &bdquo;Defizit&ldquo; &ndash; bezogen auf den Staatshaushalt &ndash; buchhalterisch korrekt einen Fehlbetrag an, unterschl&auml;gt aber g&auml;nzlich den positiven Beitrag eines staatlichen Budgetdefizits f&uuml;r die Bildung von Netto-Geldverm&ouml;gen[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] auf Seiten des nichtstaatlichen Sektors, d.h. des inl&auml;ndischen Privatsektors (Haushalte und Unternehmen) und des Auslandssektors zusammengenommen.<\/p><p>Tats&auml;chlich sind Staatsdefizite die einzige Quelle des Netto-Geldverm&ouml;gens des nichtstaatlichen Sektors. Denn alle Transaktionen zwischen den wirtschaftlichen Akteuren im nichtstaatlichen Sektor gleichen sich zu Null aus.<\/p><p>Wenn der nichtstaatliche Sektor also netto sparen (d.h. in einer Periode weniger ausgeben als einnehmen, also einen Einnahmen&uuml;berschuss erzielen) m&ouml;chte[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], muss der Staat ein Budgetdefizit verzeichnen: Das staatliche Defizit ist immer gleich dem nichtstaatlichen &Uuml;berschuss. Etwas vereinfacht formuliert: Staatliche Haushaltsdefizite erh&ouml;hen das nichtstaatliche Verm&ouml;gen.<\/p><p>Bedeutende fr&uuml;here &Ouml;konomen hatten diesen Zusammenhang immer im Blick (anders als viele heutige Mainstream-&Ouml;konomen, die ihn einfach ignorieren), so beispielsweise Hyman Minsky in den USA:<\/p><p>&bdquo;Ein grundlegender Lehrsatz in der Volkswirtschaftslehre besagt, dass die Summe der realisierten Finanzierungs&uuml;bersch&uuml;sse (+) und -defizite (&ndash;) &uuml;ber alle Wirtschaftseinheiten hinweg Null ergeben muss. Dies folgt aus der einfachen Tatsache, dass jedes Mal, wenn irgendeine Wirtschaftseinheit Geld f&uuml;r den Kauf aus der gegenw&auml;rtigen Produktion zahlt, eine andere Einheit Geld erh&auml;lt. Weil die verschiedenen volkswirtschaftlichen Sektoren (z.B. Haushalte, Wirtschaftsunternehmen, Staat und Finanzinstitute) Konsolidierungen elementarer Einheiten sind, gilt diese Aussage auch f&uuml;r die verschiedenen Aggregationen. Wenn die US-Bundesregierung 73,4 Mrd. Dollar mehr ausgibt, als sie an Steuern einnimmt, wie dies im Jahr 1975 der Fall war, dann ist die Summe der &Uuml;bersch&uuml;sse und Defizite aller anderen Sektoren gleich einem &Uuml;berschuss von 73,4 Mrd. Dollar&ldquo; (Minsky 1986, S. 26f; &Uuml;bersetzung G.G.).<\/p><p>In &auml;hnlicher Weise stellt Wolfgang St&uuml;tzel f&uuml;r die fr&uuml;here Bundesrepublik Deutschland fest: &bdquo;Gibt der Fiskus in der Bundesrepublik in einem Jahr, wie z.B. 1976, 42 Milliarden Deutsche Mark mehr aus als er selbst an Steuern einnimmt, dann haben die &uuml;brigen Wirtschaftssubjekte in der Welt genau denselben Betrag an Geh&auml;ltern, Zinsen oder Liefererl&ouml;sen mehr eingenommen als sie in der gleichen Zeit selbst ausgaben. Anders gewendet: Indem der deutsche Staat 42 Milliarden DM Ausgaben&uuml;bersch&uuml;sse t&auml;tigt, haben dadurch zwangsl&auml;ufig die &uuml;brigen Sektoren in der Welt 42 Milliarden DM Einnahme&uuml;bersch&uuml;sse&ldquo; (St&uuml;tzel 1978, S. 444f).<\/p><p>Wie sieht die aktuelle Situation in Deutschland aus? Im Jahr 2014 steht hier dem Einnahmen&uuml;berschuss (Finanzierungs&uuml;berschuss) des Staates in H&ouml;he von 9 Mrd. Euro ein gleich hoher Ausgaben&uuml;berschuss (ein Finanzierungsdefizit) des nichtstaatlichen Sektors von 9 Mrd. Euro gegen&uuml;ber. Der negative Finanzierungssaldo des nichtstaatlichen Sektors in H&ouml;he von -9 Mrd. Euro setzt sich aus einem positiven Finanzierungssaldo des Privatsektors insgesamt von 218,8 Mrd. Euro und einem negativen Finanzierungssaldo des Auslands von -227,8 Mrd. Euro (das Minuszeichen bedeutet einen Leistungsbilanz&uuml;berschuss Deutschlands) zusammen.<\/p><p>Hier zeigt sich die Problematik des &bdquo;deutschen Modells&ldquo;: Wenn der Staatssektor eines Landes einen ausgeglichenen Haushalt oder sogar einen Haushalts&uuml;berschuss aufweist, kann der inl&auml;ndische Privatsektor als Ganzes nur dann sparen, wenn das Land einen entsprechenden Leistungsbilanz&uuml;berschuss erzielt, d.h. der Auslandssektor ein Defizit verzeichnet. Eine solche Konstellation ist aber niemals in allen L&auml;ndern gleichzeitig m&ouml;glich, da sich ihre Leistungsbilanzen notwendigerweise zu Null addieren (die &Uuml;bersch&uuml;sse des einen sind die Defizite eines anderen) und die Welt insgesamt folglich keine Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse aufweisen kann.<\/p><p><strong>Was ist der &bdquo;richtige&ldquo; staatliche Budgetsaldo?<\/strong><\/p><p>Die vorangegangenen &Uuml;berlegungen haben bereits gezeigt, dass staatliche Budgetdefizite besser als ihr Ruf und umgekehrt Haushalts&uuml;bersch&uuml;sse keineswegs immer gut und unproblematisch sind. Es stellt sich daher die Frage, welcher Budgetsaldo des Staates (Defizit oder &Uuml;berschuss in welcher H&ouml;he) in welcher Wirtschaftslage sinnvoll und angemessen ist.<\/p><p>Zur Beantwortung dieser Frage sind einige einfache &Uuml;berlegungen zur Funktionsweise einer monet&auml;ren Marktwirtschaft hilfreich (vgl auch Mitchell 2015, S. 187f): In einer arbeitsteiligen monet&auml;ren Marktwirtschaft werden die gesamten wirtschaftlichen Aktivit&auml;ten (Produktion und Besch&auml;ftigung) vom jeweiligen Ausgabenniveau bestimmt, wobei stets die Ausgaben des einen die Einnahmen eines anderen sind. Die Unternehmen produzieren Output und zahlen Einkommen an ihre Besch&auml;ftigten entsprechend der jeweiligen Absatzmengen. Zu jedem Zeitpunkt gibt es dabei (theoretisch) ein bestimmtes nationales Outputniveau, das gen&uuml;gend Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r alle, die arbeiten k&ouml;nnen und wollen, schafft. Wenn der nichtstaatliche Sektor seine Ausgaben- und Sparentscheidungen in einem bestimmten Zeitraum getroffen hat, kann der Staat seine fiskalischen M&ouml;glichkeiten dazu nutzen, die Gesamtausgaben in der Volkswirtschaft auf das Niveau zu bringen, das zur Vollbesch&auml;ftigung f&uuml;hrt. Die Budgetdefizite, die zur Erreichung dieses Ziels erforderlich sind, k&ouml;nnen hoch (also z.B. deutlich &uuml;ber der 3-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrages) oder niedrig sein, je nachdem, wie hoch die privaten Ausgaben und die Nettoexporte sind.<\/p><p>Typischerweise liegen die gesamten nichtstaatlichen Ausgaben unterhalb des Niveaus, das zur Realisierung eines Vollbesch&auml;ftigungsoutputs (d.h. zu der Outputmenge, die die Wirtschaft bei Vollbesch&auml;ftigung produziert) notwendig ist. Somit besteht die Aufgabe des Staates darin, diese &bdquo;Ausgabenl&uuml;cke&ldquo; mit Hilfe seiner Fiskalpolitik zu schlie&szlig;en, indem er das staatliche Budgetdefizit entsprechend ansteigen l&auml;sst.<\/p><p>Es ist wenig wahrscheinlich, dass die automatischen Stabilisatoren allein ausreichen, um die erforderliche Zunahme der &ouml;ffentlichen Ausgaben herbeizuf&uuml;hren. Folglich muss der Staat mit diskretion&auml;ren Ma&szlig;nahmen (vor allem staatlichen Ausgabenerh&ouml;hungen) daf&uuml;r sorgen, dass das strukturelle Defizit[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] steigt.<\/p><p>Weigert sich der Staat, eine auftretende Ausgabenl&uuml;cke zu schlie&szlig;en, so f&uuml;hrt dies zu steigender Arbeitslosigkeit und Unterbesch&auml;ftigung. Damit aber nimmt das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen in die zuk&uuml;nftige Wirtschaftsentwicklung weiter ab, sie k&uuml;rzen deshalb ihre Ausgaben und der wirtschaftliche Abschwung versch&auml;rft sich; mit dem Ergebnis, dass die automatischen Stabilisatoren das staatliche Budgetdefizit nach oben treiben. Allein diese Tatsache m&uuml;sste eine rational handelnde Regierung eigentlich dazu veranlassen, das strukturelle Defizit zu erh&ouml;hen und damit das Wachstum zu beleben.<\/p><p>Der grundlegende Denkfehler aller Bef&uuml;rworter von Defizitzielen resp. &bdquo;schwarzen Nullen&ldquo; liegt darin, dass sie unterstellen, der Staat k&ouml;nne nach Belieben einen gew&uuml;nschten Budgetsaldo festlegen und erreichen, wenn er nur die n&ouml;tige &bdquo;Spardisziplin&ldquo; aufbringe. Nat&uuml;rlich &uuml;ben diskretion&auml;re staatliche Ma&szlig;nahmen einen Einfluss aus, aber das letztendliche Budgetergebnis wird gr&ouml;&szlig;tenteils endogen bestimmt, d.h. es ist abh&auml;ngig von den Ausgaben- und Sparentscheidungen des nichtstaatlichen Sektors, liegt also weitgehend au&szlig;erhalb der staatlichen Kontrolle.<\/p><p><strong>Kurze volkswirtschaftliche Saldenmechanik<\/strong><\/p><p>Die bisherigen Ausf&uuml;hrungen lassen sich mit Hilfe einiger einfacher &Uuml;berlegungen zur volkswirtschaftlichen Saldenmechanik pr&auml;zisieren und dadurch vielleicht noch anschaulicher gestalten (vgl. zum Folgenden auch Mitchell 2013 sowie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18350\">hier<\/a>). Danach setzt sich von der Ausgabenseite her (man spricht auch von der &bdquo;Verwendungsseite&ldquo;) das Bruttoinlandsprodukt (Y) eines Landes wie folgt zusammen:<\/p><ol>\n<li>\n<p>Y = C + I + G + (X &ndash; M),<\/p>\n<p>wobei C den privaten Konsum, I die privaten Investitionen, G die staatlichen Konsum- und Investitionsausgaben, M die Importe und X die Exporte bezeichnen. Von der Einnahmeseite (auch &bdquo;Verteilungsseite&ldquo; genannt) her gilt:<\/p><\/li>\n<li>\n<p>Y = C + S + T,<\/p>\n<p>wobei S f&uuml;r die Ersparnis und T f&uuml;r die Steuern steht. Gleichung (2) zeigt also, dass wir unser Einkommen konsumieren (C), sparen (S) oder mit ihm Steuern zahlen (T). Die zwei Formeln f&uuml;r Y, also f&uuml;r das Bruttoinlandsprodukt, lassen sich gleichsetzen:<\/p><\/li>\n<li>\n<p>C + S + T = C + I + G + (X &ndash; M)<\/p>\n<p>Formt man Gleichung (3) um (das C &bdquo;f&auml;llt weg&ldquo;, die anderen Gr&ouml;&szlig;en stellt man etwas um), ergeben sich die Finanzierungssalden der drei gro&szlig;en volkswirtschaftlichen Sektoren, also des Privatsektors (Haushalte und Unternehmen, S &ndash; I), des Staates (T &ndash; G) und des Auslands (M &ndash; X). Diese Salden addieren sich stets zu Null, wie die Umformung zeigt:<\/p><\/li>\n<li>\n<p>(S &ndash; I) + (T &ndash; G) + (M &ndash; X) = 0<\/p>\n<p>Der Finanzierungssaldo des Auslands (M &ndash; X) entspricht hierbei dem Saldo der Leistungsbilanz, nur mit umgekehrtem Vorzeichen[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>].<\/p>\n<p>Gleichung (4) l&auml;sst sich folgenderma&szlig;en umstellen:<\/p><\/li>\n<li>\n<p>(G &ndash; T) = (S &ndash; I) &ndash; (X &ndash; M)<\/p>\n<p>Anhand dieser Gleichung kann gezeigt werden, dass eine verantwortungsvolle Fiskalpolitik sicherstellen muss, dass zwei Bedingungen erf&uuml;llt sind:<\/p>\n<p><em>Erstens<\/em> muss die diskretion&auml;re Budgetposition des Staates (Defizit oder &Uuml;berschuss) eine L&uuml;cke f&uuml;llen, n&auml;mlich die L&uuml;cke zwischen den Ersparnissen minus den privaten Investitionen (S &ndash; I) und der Differenz zwischen den Exporten und den Importen (X &ndash; M). Oder anders ausgedr&uuml;ckt: Um das Einkommen stabil zu halten, ist es erforderlich, dass das staatliche Haushaltsdefizit dem &Uuml;berschuss der Ersparnis &uuml;ber die privaten Investitionen (der heimische Nachfrage entzieht) minus dem &Uuml;berschuss der Exporte &uuml;ber die Importe (der Nachfrage hinzuf&uuml;gt) entspricht.<\/p>\n<p>Wenn die rechte Seite der Gleichung, also (S &ndash; I) &ndash; (X &ndash; M), einen &Uuml;berschuss ausweist, d.h. wenn der nichtstaatliche Sektor insgesamt spart, kann das Niveau des Volkseinkommens nur dann stabil bleiben, wenn ein staatliches Budgetdefizit diesen &Uuml;berschuss genau ausgleicht (also entsprechend auf der linken Seite G &gt; T ist).<\/p>\n<p>Ein &Uuml;berschuss auf der rechten Seite der Gleichung kann unterschiedliche Gr&uuml;nde haben. So ist es m&ouml;glich, dass der Finanzierungs&uuml;berschuss des inl&auml;ndischen Privatsektors insgesamt gr&ouml;&szlig;er ist als der Leistungsbilanz&uuml;berschuss des Landes, also (S &ndash; I) &gt; (X &ndash; M). Ebenso gut k&ouml;nnte ein Leistungsbilanzdefizit (das Nachfrage abzieht) ein Finanzierungsdefizit des Privatsektors (das Nachfrage hinzuf&uuml;gt) gr&ouml;&szlig;enm&auml;&szlig;ig &uuml;bertreffen.<\/p>\n<p><em>Zweitens<\/em> ist zu beachten, dass ein stabiles Niveau des Volkseinkommens (auf das wir uns bislang konzentriert haben) noch nicht notwendigerweise eine Vollbesch&auml;ftigungssituation beinhaltet. Eine Vollbesch&auml;ftigungssituation ist bei einem Volkseinkommen erreicht, zu dem alle Ressourcen vollst&auml;ndig entsprechend den Pr&auml;ferenzen von Arbeitnehmern, Kapitaleigent&uuml;mern etc. genutzt werden. Da die Ersparnis (S), die Steuern (T) und die Importe (M) eines Landes alle positiv mit der H&ouml;he des Volkseinkommens zusammenh&auml;ngen, l&auml;sst sich ein bestimmtes Niveau jeder dieser Stromgr&ouml;&szlig;en definieren, das bei Vollbesch&auml;ftigung gegeben ist.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p>\n<p>Im Folgenden bezeichnen wir mit S(Yf) und M(Yf) die mit einem Vollbesch&auml;ftigungseinkommen (Yf) einhergehenden Stromgr&ouml;&szlig;en S und M. Auch die Investitionen werden als abh&auml;ngig vom Volkseinkommen betrachtet (wie dies in der sog. Akzelerator-Theorie entwickelt wird, vgl. dazu ausf&uuml;hrlicher z.B. Mitchell 2012, Grass\/St&uuml;tzel 1983, S. 333-336), im Sinne, dass h&ouml;here Produktionsniveaus bei gegebener Technologie mehr Kapitalausstattung erfordern. I(Yf) w&auml;re demnach der Investitionsstrom bei Vollbesch&auml;ftigung. Wir gehen ferner aus Vereinfachungsgr&uuml;nden davon aus, dass die Exportentwicklung von der Entwicklung des Welteinkommens bestimmt wird.<\/p>\n<p>Entsprechend l&auml;sst sich die anhand der obigen Gleichung (5) ermittelte Bedingung f&uuml;r ein stabiles Volkseinkommen wie folgt erweitern, wenn zus&auml;tzlich das Ziel der Vollbesch&auml;ftigung erreicht werden soll:<\/p><\/li>\n<li>\n<p>(G &ndash; T) = S(Yf) + M(Yf) &ndash; I(Yf) &ndash; X<\/p>\n<p>Die Summe der beiden Ausdr&uuml;cke S(Yf) und M(Yf) zeigt hierbei den &ldquo;Abfluss&rdquo; an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage an, wenn in der Volkswirtschaft Vollbesch&auml;ftigung herrscht, w&auml;hrend die Summe der Ausdr&uuml;cke I(Yf) und X den &ldquo;Zufluss&rdquo; an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage (auch &ldquo;Injektionen&rdquo; genannt) bei Vollbesch&auml;ftigung angibt.<\/p>\n<p>Wenn die Abfl&uuml;sse die Zufl&uuml;sse (Injektionen) &uuml;bertreffen, ist &ndash; sofern das Volkseinkommen stabil bleiben soll &ndash; ein staatliches Haushaltsdefizit (G &gt; T) in ausreichender H&ouml;he zwingend notwendig, um diese L&uuml;cke in der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (= die Ausgabenl&uuml;cke) auszugleichen.<\/p>\n<p>Wenn das Budgetdefizit nicht ausreichend gro&szlig; ist, sinkt das Volkseinkommen und die Vollbesch&auml;ftigung geht verloren. Versucht umgekehrt die Regierung eines Staates, das Haushaltsdefizit &uuml;ber die Vollbesch&auml;ftigungsgrenze hinaus zu erh&ouml;hen, dann werden die nominalen Ausgaben die F&auml;higkeit der Volkswirtschaft &uuml;bersteigen, mit einem wachsenden realen Output zu reagieren, und es entsteht Inflation: Zwar w&auml;chst das Einkommen, aber die Einkommenssteigerung wird von der Preissteigerung aufgezehrt.<\/p>\n<p>Sollen folglich die Ziele Vollbesch&auml;ftigung und Preisstabilit&auml;t gleicherma&szlig;en erreicht werden, so ist eine disziplinierte Fiskalpolitik gefordert: Das staatliche Haushaltsdefizit darf weder zu niedrig (Verlust der Vollbesch&auml;ftigung) noch zu hoch (Inflation) sein.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Die hierzulande weit verbreitete pauschale Verurteilung staatlicher Budgetdefizite ist v&ouml;llig unangemessen. Sinnvoll und hilfreich erscheint demgegen&uuml;ber eine Differenzierung, die der australische &Ouml;konom Bill Mitchell vornimmt (Mitchell 2015, S. 316). Er unterscheidet zwischen &bdquo;guten&ldquo; und &bdquo;schlechten&ldquo; staatlichen Budgetdefiziten: Ein Defizit einer bestimmten H&ouml;he ist &bdquo;gut&ldquo;, wenn es als Ergebnis diskretion&auml;rer fiskalpolitischer Entscheidungen &ndash; unter Vorgabe der Ausgaben- und Sparentscheidungen des nichtstaatlichen Sektors &ndash; mit dem Ziel entstanden ist, die Vollbesch&auml;ftigung aufrechtzuerhalten; es ist &bdquo;schlecht&ldquo;, wenn es sich ergeben hat, weil die nichtstaatlichen Ausgaben gesunken sind, der Staat nicht (via Ausgabensteigerungen) in antizyklischer Weise interveniert hat und die automatischen Stabilisatoren zu einer Abnahme der Steuereinnahmen und zu einem Anstieg der staatlichen Ausgaben f&uuml;r Arbeitslosigkeit gef&uuml;hrt haben.<\/p><p>Wenn &ndash; wie oben erl&auml;utert wurde &ndash; das Budgetergebnis weitgehend endogen bestimmt wird und damit zum gr&ouml;&szlig;ten Teil au&szlig;erhalb der Kontrolle des Staates liegt, l&auml;sst es sich nicht einfach vorab als Ziel festlegen, d.h. die Verwendung willk&uuml;rlicher und rigider fiskalischer Regeln (also irgendwelcher Defizitobergrenzen oder einer &bdquo;schwarzen Null&ldquo;) ist widersinnig. Reduziert der Staat etwa in einem &ouml;konomischen Abschwung seine Ausgaben, um die &Uuml;berschreitung irgendeiner vorher festgelegten Haushaltsdefizit-Grenze (z.B. der 3-Prozent-Defizitgrenze des Stabilit&auml;ts- und Wachstumspaktes) zu vermeiden oder zu korrigieren, f&uuml;hrt dies wegen der R&uuml;ckkoppelungseffekte zu einer Versch&auml;rfung und Verl&auml;ngerung der Rezession, was dann mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit weitere Verletzungen der &bdquo;Stabilit&auml;tsregeln&ldquo; (und dann nochmalige Ausgabenk&uuml;rzungen) nach sich zieht. Es entsteht so die Gefahr eines &ouml;konomischen Teufelskreises von staatlichen Ausgabenk&uuml;rzungen, abnehmendem Wachstum, zunehmender Arbeitslosigkeit, sinkenden Steuereinnahmen, wachsenden Sozialausgaben, damit steigenden staatlichen Budgetdefiziten und neuen staatlichen K&uuml;rzungsprogrammen etc. Die Eurokrise liefert hier das Anschauungsmaterial.<\/p><p>Absurd ist ebenso, die allein durch die hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse Deutschlands (vgl. auch Grunert 2015) und damit auf Kosten anderer L&auml;nder (die entsprechende Defizite aufweisen) erm&ouml;glichte &bdquo;schwarze Null&ldquo; als historischen Erfolg zu feiern, wie dies Roland Tichy versucht. Eine verantwortungsvolle Fiskalpolitik sieht anders aus: F&uuml;r sie ist der staatliche Budgetsaldo nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Seine H&ouml;he richtet sich nach der Erfordernis, wichtige makro&ouml;konomische Ziele wie ein nachhaltiges Wachstum und insbesondere Vollbesch&auml;ftigung zu erreichen &ndash; nach Ber&uuml;cksichtigung der nichtstaatlichen Ausgaben- und Sparentscheidungen. Und diese Fiskalpolitik wird flankiert von einer produktivit&auml;tsorientierten Lohnpolitik, die selbst ein angemessenes Binnenwachstum erzeugt, und nicht von einer Politik des Lohndumpings wie in Deutschland, die sich zulasten der Handelspartnerl&auml;nder Marktvorteile verschafft.<\/p><p>Bei all dem soll nicht bestritten werden, dass Finanzminister Wolfgang Sch&auml;uble tats&auml;chlich &ndash; wie Roland Tichy meint &ndash; Eingang in die Geschichtsb&uuml;cher finden k&ouml;nnte, aber nicht wegen eines bedeutenden fiskalpolitischen Erfolges (der &bdquo;schwarzen Null&ldquo;), sondern als ein Hauptantreiber einer destruktiven, an sinnlosen Defizitregeln orientierten prozyklischen Politik in Europa, die von Mitchell\/Muysken (2008, S. 142) treffend als &bdquo;fiskalischer Vandalismus&ldquo; bezeichnet wird und die viele europ&auml;ische L&auml;nder in eine wirtschaftliche Katastrophe gest&uuml;rzt hat.<\/p><p><strong>Literatur:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Feigl, G.\/Marterbauer, M.<\/strong> (2014): <a href=\"http:\/\/blog.arbeit-wirtschaft.at\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/2014-04-25-Hintergrundinfo-strukturelles-Defizit.pdf\">Strukturelles Defizit: Funktionsweise &ndash; Reglementierung &ndash; Problematik<\/a>; Wien; letzter Zugriff: 28.11.2015<\/li>\n<li><strong>Grass, R.-D.\/St&uuml;tzel, W.<\/strong> (1983): Volkswirtschaftslehre, M&uuml;nchen<\/li>\n<li><strong>Grunert, G.<\/strong> (2015): <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/schaeuble-und-das-vorbild-deutschland\/\">Sch&auml;uble und das Vorbild Deutschland<\/a>, in: flassbeck-economics; letzter Zugriff: 28.11.2015<\/li>\n<li><strong>Minsky, H. P.<\/strong>  (1986): Stabilizing an Unstable Economy, New Haven and London<\/li>\n<li><strong>Mitchell, B.<\/strong> (2012): <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=20400\">Investment and profits<\/a>; letzter Zugriff: 28.11.2015<\/li>\n<li><strong>Mitchell, B.<\/strong> (2013): <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=24063\">Buffer stocks and price stability &ndash; Part 5<\/a>; letzter Zugriff: 28.11.2015<\/li>\n<li><strong>Mitchell, W.<\/strong>  (2015): Eurozone Dystopia &ndash; Groupthink and Denial on a Grand Scale, Cheltenham<\/li>\n<li><strong>Mitchell, W.\/Muysken, J.<\/strong> (2008): Full Employment Abandoned &ndash; Shifting Sands and Policy Failures, Cheltenham\/Northampton<\/li>\n<li><strong>St&uuml;tzel, W.<\/strong> (1978): Ober- und Untergrenzen der &ouml;ffentlichen Verschuldung, in: Kredit und Kapital, 11. Jahrgang, S. 429-449<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] <strong>Grunert, G&uuml;nther<\/strong>, Dr., geb. 1955, ist an den Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabr&uuml;ck am Pottgraben vor allem im Bereich Berufs- und Fachoberschule Wirtschaft t&auml;tig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Makro&ouml;konomie, internationale Wirtschaftsbeziehungen, Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Offenbar glaubt Tichy, dass &bdquo;wir&ldquo; vor Erreichen der &bdquo;schwarzen Null&ldquo; Jahr f&uuml;r Jahr neue Schulden gemacht haben. Nun sind &bdquo;wir&ldquo; aber nicht der Staat und die Aussage Tichys erg&auml;be allenfalls Sinn, wenn man sie so verst&uuml;nde, dass die gesamte deutsche Volkswirtschaft in der Summe von privatem Sektor und &ouml;ffentlichem Sektor in jedem Jahr mehr ausgegeben als eingenommen, d.h. permanente Leistungsbilanzdefizite verzeichnet und sich damit gegen&uuml;ber dem Ausland verschuldet hat (die Summe aus dem Defizit oder dem &Uuml;berschuss des Privatsektors einerseits und dem staatlichen Haushaltsdefizit oder &ndash;&uuml;berschuss andererseits ergibt die Leistungsbilanz eines Landes). Davon kann aber keine Rede sein &ndash; ganz im Gegenteil: Deutschland erzielt seit dem Jahr 2002 Jahr f&uuml;r Jahr Leistungsbilanz<em>&uuml;bersch&uuml;sse<\/em> und nicht etwa Defizite.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Unter &bdquo;Geldverm&ouml;gen&ldquo; ist der Gesamtwert der Forderungen eines Wirtschaftssubjekts oder eines Sektors (hier des nichtstaatlichen Sektors) gegen&uuml;ber der jeweiligen Umwelt zu verstehen. Zum Geldverm&ouml;gen z&auml;hlen also nicht nur Bargeld und Sichteinlagen, sondern auch Termin- und Spareinlagen, Wertpapiere (Schuldverschreibungen, Staatsanleihen etc.) usw. Bei Subtraktion der Verbindlichkeiten vom Geldverm&ouml;gen erh&auml;lt man das Netto-Geldverm&ouml;gen. Der Begriff &bdquo;Geldverm&ouml;gen&ldquo; beinhaltet eine Gl&auml;ubiger-Schuldner-Beziehung zwischen Menschen, Unternehmen (incl. Banken) oder Staaten. Wenn also jemand z.B. Eigent&uuml;mer eines Hauses ist, z&auml;hlt dieses nicht zu seinem Geldverm&ouml;gen, sondern zu seinem Sachverm&ouml;gen (keine Gl&auml;ubiger-Schuldner-Beziehung).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Unter &bdquo;Sparen&ldquo; ist hier also die Geldverm&ouml;gensbildung als Differenz zwischen den Einnahmen in einer Zeitperiode und den Ausgaben in derselben Zeitperiode zu verstehen. Gibt ein Sektor (oder Wirtschaftssubjekt) in einer Periode weniger aus, als er einnimmt, so erzielt er einen Einnahmen&uuml;berschuss, d. h. er &bdquo;spart&ldquo;. Dieser Einnahmen&uuml;berschuss (auch Finanzierungs&uuml;berschuss genannt) erh&ouml;ht dann entweder den schon vorhandenen Geldverm&ouml;gensbestand oder er erm&ouml;glicht es, den Schuldenstand zu reduzieren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Das &bdquo;strukturelle Defizit&ldquo; zeigt denjenigen Teil des staatlichen Budgetdefizits an, der nicht auf konjunkturelle Schwankungen und tempor&auml;re Effekte zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden kann. Das Messkonzept des &bdquo;strukturellen Budgetsaldos&ldquo; ist ein hypothetisches Konstrukt, bei dem der Budgetsaldo unter der Annahme von Vollbesch&auml;ftigung errechnet wird (mit den Steuereinnahmen und Ausgaben, die bei diesem Niveau &ouml;konomischer Aktivit&auml;ten vorherrschen w&uuml;rden). Der strukturelle Budgetsaldo wird allein von Politik&auml;nderungen, nicht aber von der wirtschaftlichen Lage beeinflusst.<br>\nDie Berechnung des strukturellen Saldos ist schwierig, da bereits die Definition von Vollbesch&auml;ftigung umstritten ist. Auf die damit verbundene Kontroverse soll hier nicht eingegangen werden (vgl. dazu etwa Mitchell 2015, S. 184-187 oder Feigl\/Marterbauer 2014); vielmehr wird der (an sich sinnvolle) Begriff allein verwendet, um die Effekte von aktiven Politik&auml;nderungen und automatischen Stabilisatoren auseinanderzuhalten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Etwas genauer: Da hier aus Vereinfachungsgr&uuml;nden von der Bilanz der laufenden &Uuml;bertragungen und der Bilanz der Erwerbs- und Verm&ouml;genseinkommen (Kapitalertr&auml;ge etc.) &ndash; beide sind quantitativ weniger bedeutende Teilbilanzen der Leistungsbilanz &ndash; abgesehen wird, gilt: Finanzierungssaldo des Auslands = Au&szlig;enbeitrag = Saldo der Leistungsbilanz (die beiden letzteren mit umgekehrtem Vorzeichen).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Vorausgesetzt sind hier gegebene Verhaltenspr&auml;ferenzen und &ndash;parameter, d.h. es wird davon ausgegangen, dass es zu keinen Verhaltens&auml;nderungen (z.B. zu einer erh&ouml;hten Sparneigung) kommt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verkl&auml;rung der &bdquo;schwarzen Null&ldquo; im Bundeshaushalt, die in der letzten Woche &ndash; trotz Milliarden-Mehrausgaben aufgrund der Fl&uuml;chtlingskrise &ndash; auch f&uuml;r das Jahr 2016 im Bundestag als Ziel beschlossen wurde, nimmt hierzulande bisweilen groteske Z&uuml;ge an. So schrieb etwa Roland Tichy erst k&uuml;rzlich fast wortgleich in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/roland-tichy\/was-ist-eine-schwarze-null-wert-43310114.bild.html\">bild.de<\/a>&ldquo; und in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rolandtichy.de\/daili-es-sentials\/bundeshaushalt-warum-die-schwarze-null-wackelt\/\">Tichys Einblick<\/a>&ldquo;: &bdquo;Die schwarze<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29413\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,135,156,11],"tags":[499,1151,440,325,1133,510],"class_list":["post-29413","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-finanzpolitik","category-schulden-sparen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-handelsbilanz","tag-konjunkturpolitik","tag-schaeuble-wolfgang","tag-staatsschulden","tag-tichy-roland","tag-vollbeschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29413"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53858,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29413\/revisions\/53858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}