{"id":29513,"date":"2015-12-11T09:32:56","date_gmt":"2015-12-11T08:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29513"},"modified":"2015-12-11T17:44:47","modified_gmt":"2015-12-11T16:44:47","slug":"greenpeace-deckt-skeptiker-auf-die-auf-bestellung-zweifel-an-der-klimaforschung-saeen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29513","title":{"rendered":"Greenpeace deckt Skeptiker auf, die auf Bestellung Zweifel an der Klimaforschung s\u00e4en"},"content":{"rendered":"<p>Unter dieser &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2015\/dec\/08\/greenpeace-exposes-sceptics-cast-doubt-climate-science\">berichtete der Guardian<\/a> am vergangenen Dienstag von einer erfolgreichen Lockvogel-Aktion. Greenpeace war, getarnt als Berater von Firmen, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen, an Universit&auml;tsprofessoren herangetreten, die als Skeptiker in Sachen Klimawandel gelten, und hatte bei diesen erfolgreich bezahlte Studien in Auftrag gegeben, die in der &Ouml;ffentlichkeit Zweifel an der Bedrohung durch den Klimawandel s&auml;en sollten. Die Wissenschaftler hatten die Auftr&auml;ge nicht nur bereitwillig angenommen, sondern auf Nachfrage auch Wege aufgezeigt, deren Finanzierung zu verschleiern. <strong>Carsten Weikamp<\/strong> hat den Artikel f&uuml;r uns &uuml;bersetzt und zusammengefasst.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7665\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-29513-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=29513-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151211_Greenpeace_deckt_auf_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Brisant ist die Ver&ouml;ffentlichung vor allem vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen des Pariser Klimagipfels und der seit einem Monat laufenden New Yorker Ermittlungen gegen ExxonMobile und Peabody Energy, die der Irref&uuml;hrung von &Ouml;ffentlichkeit und Investoren hinsichtlich der Gefahren des Klimawandels beschuldigt werden.<\/p><p>Greenpeace hatte verdeckt insgesamt sieben renommierte Akademiker angefragt, von denen zwei auf die Angebote eingegangen seien.<\/p><p>In dem einen Fall hatte man sich als Berater eines &Ouml;l- und Gaslieferanten aus Nahost ausgegeben und den Physiker William Happer, Inhaber des Cyrus Fogg Brackett Lehrstuhls der Princeton Universit&auml;t, beauftragt, einen Report anzufertigen, der im Gegensatz zur allgemeinen Lehrmeinung den Nutzen steigender Kohlenstoffemissionen und insbesondere &bdquo;die negativen Aspekte des in Paris zu verhandelnden Klimaabkommens herausstellen&ldquo; sollte. Happer, einer der bekanntesten Klimaskeptiker und unter anderem fr&uuml;her energiepolitischer Berater des damaligen amerikanischen Pr&auml;sidenten George H. W. Bush, nahm die Anfrage gerne an und best&auml;tigte: &bdquo;Die Pariser Klimakonferenz basiert auf der Voraussetzung, dass CO2 an sich ein Schadstoff ist. Das ist v&ouml;llig falsch. Mehr CO2 w&uuml;rde der Welt nutzen.&ldquo; Er lie&szlig; sich dem von Greenpeace ver&ouml;ffentlichten Mailverkehr zufolge gar zu der Aussage hinrei&szlig;en, die &bdquo;Zur&uuml;ckschlagung des Klimaextremismus&ldquo; sei &bdquo;eine Herzensangelegenheit&ldquo; f&uuml;r ihn; es gelte, die &bdquo;hehren Ideale der Wissenschaft&ldquo; zu verteidigen, die so sehr unter dem ungerechtfertigten &bdquo;Klimawandel-Kult&ldquo; litten. Zugleich r&auml;umte er aber ein, dass eine unter Wissenschaftlern &uuml;bliche Expertenbegutachtung (&bdquo;Peer-Review&ldquo;) der von ihm zu erstellenden Studie wohl ung&uuml;nstig ausfallen w&uuml;rde, und schlug deshalb stattdessen eine reduzierte &Uuml;berpr&uuml;fung durch handverlesene Zweitgutachter vor, um das Ergebnis, das &bdquo;vermutlich auch der Auftraggeber m&ouml;chte&ldquo;, nicht zu gef&auml;hrden. Zur Rede gestellt, bestritt Happer die Sachlage nicht, war aber auch nicht bereit, weitergehende Fragen zu beantworten.<\/p><p>Im anderen Fall hatte sich Greenpeace getarnt als Wirtschaftsberater eines indonesischen Energieunternehmens an Frank Clemente, einen emeritierten Soziologieprofessor der Pennsylvania State University, mit der Bitte gewandt, einen Bericht zu verfassen, um Studien &uuml;ber die sch&auml;dlichen Auswirkungen von Kohlekraftwerken, unter anderem viele vorzeitige Todesf&auml;lle, entgegenzutreten und dabei vor allem den Nutzen der Kohlekraft deutlich herauszustellen. Clemente hatte das Thema sofort als &bdquo;in meinem Kompetenzbereich&ldquo; angenommen und, vom Guardian zur Rede gestellt, geantwortet, an &bdquo;jede einzelne Aussage&ldquo; seiner Arbeit zu glauben, gar &bdquo;stolz&ldquo; auf seine Forschungsergebnisse zur Sauberkeit der Kohlekraft zu sein. Er schreibe als &bdquo;unabh&auml;ngiger Wissenschaftler&ldquo;, das verstehe man in den USA als &bdquo;akademische Freiheit&ldquo;. Gleichzeitig gab er zu, dass seine Forschungen und Studien nicht nur von Universit&auml;ten und Beh&ouml;rden, sondern auch von &bdquo;vielen Industrien, die die menschliche Qualit&auml;t des Lebens verbessern&ldquo; unterst&uuml;tzt worden seien. So ist wenig verwunderlich, dass z. B. Peabody Energy ihn regelm&auml;&szlig;ig zitiert, wenn es darum geht, in Entwicklungsl&auml;ndern f&uuml;r die Nutzung von Kohlekraft als geeignetem Mittel zur &bdquo;Beseitigung der globalen Armut&ldquo; zu werben.<\/p><p>Greenpeace folgert, dass mit der Aktion nachgewiesen sei, wie die fossile-Brennstoff-Industrie ohne Wissen der &Ouml;ffentlichkeit bezahlte Meinungen &uuml;ber den Klimawandel in die internationale Debatte einbringen und die &Ouml;ffentlichkeit damit wom&ouml;glich derart in die Irre f&uuml;hren k&ouml;nne, dass die Beschlussfassung der Anstrengungen massiv erschwert w&uuml;rde, welche erforderlich seien, um die gef&auml;hrliche Erderw&auml;rmung zu verhindern.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus zeigten die Erkenntnisse au&szlig;erdem, wie bezahlte Informationen in die &ouml;ffentliche Diskussion eingeschleust werden k&ouml;nnten, ohne dass die dahinterstehende Finanzierung offengelegt w&uuml;rde:<\/p><p>Beide Wissenschaftler hatten ungeniert Preise von 8.000 bzw. 15.000 US$ f&uuml;r ihre Arbeiten verlangt, Meinungskommentare in Zeitungen w&auml;ren ab ca. 6.000 US$ zu haben gewesen. Auf Bitte der vermeintlichen Auftraggeber hatten die Wissenschaftler auch Wege genannt, wie die Finanzierung verschleiert werden k&ouml;nne. Happer, der Wert auf die Feststellung legt, jede pers&ouml;nliche Verg&uuml;tung f&uuml;r seine Arbeit abgelehnt zu haben, riet, das Geld als Spende an die CO2 Coalition zu &uuml;berweisen, eine Lobbygruppierung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, &bdquo;Meinungs- und Politikmacher sowie die &Ouml;ffentlichkeit aufzukl&auml;ren &uuml;ber den wichtigen Beitrag von CO2 f&uuml;r unser Leben und die Wirtschaft&ldquo;. Die CO2 Coalition wiederum h&auml;lt f&uuml;r solche Zwecke eigens einen heimlichtuerischen Finanzierungskanal mit dem Namen &bdquo;Donors Trust&ldquo; bereit.<\/p><p>Bedenklich stimmt, dass es nach US-Recht nicht untersagt ist, auf diese Weise die Finanzierung nicht &ouml;ffentlich zu machen. Darauf weist auch Clemente explizit hin: &bdquo;Es gibt in den USA keine Pflicht, die Quellen der Finanzierung offenzulegen.  Meine Forschung und Schriften sind von Regierungsbeh&ouml;rden, Handelskammern, der Universit&auml;t und privaten Firmen unterst&uuml;tzt worden und alles ist unter meinem Namen ver&ouml;ffentlicht in der Rubrik &lsquo;unabh&auml;ngiger Wissenschaftler&rsquo; &ndash; und das bin ich ja.&ldquo;<\/p><p>Lt. Naomi Oreskes, einer Wissenschaftshistorikerin der Harvard-Universit&auml;t und Autorin von &bdquo;Merchants of Doubt&ldquo; (dt.: &bdquo;Die Machiavellis der Wissenschaft&ldquo;), stehe das Geld f&uuml;r die Wissenschaftler ohnehin nicht im Vordergrund: &bdquo;Ich war immer der Meinung, dass es f&uuml;r diese Gruppe von Menschen, Physiker der &Auml;ra des Kalten Kriegs, nicht um Geld geht. Das ist ideologisch motiviert&ldquo;. Happer sei &bdquo;genau der Typ Leute, von denen wir in &lsquo;Merchants of Doubt&rsquo; geschrieben haben&ldquo;. Er &bdquo;recycle&ldquo; seine l&auml;ngst entkr&auml;fteten Behauptungen nun schon seit 20 Jahren.<\/p><p>John Sauven, der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Greenpeace UK, fasst zusammen: &bdquo;Wie viele wissenschaftliche Berichte, die in der &Ouml;ffentlichkeit den Zweifel am Klimawandel gesch&uuml;rt haben, sind &uuml;ber die Jahre wohl von &Ouml;l-, Kohle- und Gasfirmen bezahlt worden? Diese Untersuchung zeigt, wie es funktioniert. Jetzt m&uuml;ssen wir herausfinden, wann und wo sie es getan haben.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dieser &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2015\/dec\/08\/greenpeace-exposes-sceptics-cast-doubt-climate-science\">berichtete der Guardian<\/a> am vergangenen Dienstag von einer erfolgreichen Lockvogel-Aktion. 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