{"id":29563,"date":"2015-12-14T17:11:40","date_gmt":"2015-12-14T16:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29563"},"modified":"2015-12-16T07:13:57","modified_gmt":"2015-12-16T06:13:57","slug":"der-spd-parteitag-und-ein-gelungenes-missverstaendnis-des-vorsitzenden-vermutlich-mit-vernichtender-tragweite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29563","title":{"rendered":"Der SPD-Parteitag und ein gelungenes Missverst\u00e4ndnis des Vorsitzenden \u2013 vermutlich mit \u201evernichtender\u201c Tragweite"},"content":{"rendered":"<p>Es stand in allen Zeitungen und lief &uuml;ber alle Bildschirme, dass der SPD-Vorsitzende Gabriel nur mit knapp 75 % der Stimmen wieder gew&auml;hlt worden ist. Er war sichtlich betroffen, obwohl er eigentlich h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass viele der Ja-Stimmen mit zusammengebissenen Z&auml;hnen abgegeben worden sind. Er wertete die Zustimmung der 74,3 Prozent als Auftrag, Politik in seinem Sinne weiterzumachen und keine R&uuml;cksicht mehr auf die Nein-Stimmen und die Unzufriedenheit vieler Mitglieder und Sympathisanten nehmen zu m&uuml;ssen. Beim Durchmarsch mit seinen Vorstellungen zum Freihandelsabkommen TTIP wurde dann am n&auml;chsten Tag gleich erfolgreich probiert, was dieses absichtliche Missverst&auml;ndnis in der Praxis bedeutet: Die Linie des F&uuml;hrungspersonals um Gabriel und Steinmeier und der anderen eher konservativen bis inhaltsleeren Sozialdemokraten wird ohne R&uuml;cksicht auf Verluste durchgehalten und in praktische Politik umgesetzt. Die harte Antwort des Sigmar Gabriels auf die kritische Anmerkung der Juso-Vorsitzenden, bei ihm gebe es eine gro&szlig;e L&uuml;cke zwischen Reden und Tun, war ein weiteres Signal f&uuml;r die harte Linie mangelnder R&uuml;cksicht auf die Vielfalt der SPD. Dieser Kurs ist geeignet, das Wahlergebnis bei der n&auml;chsten Bundestagswahl sogar noch unter die zur Zeit bei Umfragen gemessenen 25 Prozent zu dr&uuml;cken. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4271\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-29563-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=29563-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151215_Der_SPD_Parteitag_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zwischenbemerkung<\/strong> f&uuml;r NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser, die meinen, was die SPD tut und wie es ihr geht, brauche uns nicht zu interessieren. Ich kann diese Haltung verstehen, weil wir eine Kette von Entt&auml;uschungen &uuml;ber diese Partei hinter uns haben. Aber teilen kann ich sie nicht, weil ich nicht wei&szlig;, wie es ohne sie &uuml;berhaupt noch irgendwann zu einer Alternative zum konservativen Lager kommen soll. Aber ich gestehe, dass die jetzige Entwicklung mit Zustimmung zu TTIP und zum Kriegseinsatz die Hoffnung auf eine Alternative weiter schrumpfen lassen.<\/p><p>Der Parteitag und das vermutlich beabsichtigte Missverst&auml;ndnis der Vorsitzenden-Wahl durch den Vorsitzenden selbst lassen ahnen, dass wir Deutschen jedenfalls bei der n&auml;chsten Bundestagswahl keine Alternative zu Angela Merkel geboten bekommen. Wahrscheinlich wirkt sich diese trotzige Linie auch auf die Wahlergebnisse bei den vor der Bundestagswahl stattfindenden Landtagswahlen in Baden-W&uuml;rttemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt aus. <\/p><p><strong>Warum die erkennbare Strategie der SPD-F&uuml;hrung erfolglos sein wird:<\/strong><\/p><p><strong>Ohne Vielfalt und Breite bleibt eine sogenannte Volkspartei weit unter ihren M&ouml;glichkeiten und Notwendigkeiten. Geschlossenheit ist ein d&uuml;rftiges Konzept.<\/strong><\/p><p>Es ist immer wieder erstaunlich, mit anzusehen und anzuh&ouml;ren, wie primitiv die strategischen Vorstellungen vor allem der eher konservativen bzw. sogenannten pragmatischen Sozialdemokraten und spiegelbildlich der meisten Medien aussehen: Geschlossenheit, &bdquo;in die Mitte r&uuml;cken&ldquo; &ndash; das sind die Hauptforderungen und die Ideen f&uuml;r eine erfolgreiche Bewerbung um eine Mehrheit. Sigmar Gabriel hat in seiner Rede ausf&uuml;hrlich das Ziel beschworen, die Mitte und speziell die &bdquo;arbeitende Mitte&ldquo; unserer Gesellschaft erreichen zu wollen. Und er legt wie viele andere Wert auf Geschlossenheit und wird von den Medien mehrheitlich darin unterst&uuml;tzt, dass Geschlossenheit ein eigenst&auml;ndiger Wert sei.<\/p><p>Wenn diese Vorstellungen einigerma&szlig;en stimmen w&uuml;rden, dann h&auml;tte die Union nach dem offenen Konflikt zwischen Seehofer einschlie&szlig;lich des gr&ouml;&szlig;eren Teils der CSU und eines gro&szlig;en Teils der CDU auf der einen Seite und Merkel und ein paar Getreuen auf der anderen Seite in den Umfragen der letzten Wochen massiv abst&uuml;rzen m&uuml;ssen. CDU und CSU haben zusammen ein bisschen <a href=\"http:\/\/www.wahlrecht.de\/umfragen\/\">abgenommen<\/a>; vermutlich zum gr&ouml;&szlig;eren Teil deshalb, weil die AfD kr&auml;ftig zulegte. Die Union bedient heute beispielsweise mit einer atypischen Haltung der CDU-Vorsitzenden in der Fl&uuml;chtlingsfrage einen progressiven Teil der W&auml;hlerschaft und h&auml;lt mit der vergleichsweise reaktion&auml;ren Haltung von Seehofer und de Maizi&egrave;re den weit davon entfernten anderen Teil der W&auml;hlerschaft. <\/p><p>Die SPD tritt relativ geschlossen auf und hat in den Umfragen ihr Ergebnis von 2013 (25,7%) nicht &uuml;berschritten sondern unterboten. Die Ank&uuml;ndigung des Vorsitzenden, den linken Teil, der wesentlich f&uuml;r die Nein-Stimmen bei der Vorsitzenden-Wahl verantwortlich sein d&uuml;rfte, mit Missachtung zu strafen, wird dazu f&uuml;hren, dass W&auml;hlerinnen und W&auml;hler dieses Teils die Lust zu dieser Wahlentscheidung verlieren.<\/p><p>Gro&szlig;e Parteien &ndash; oder Parteien die gro&szlig; werden wollen oder bleiben wollen &ndash; m&uuml;ssen mit einer gewissen Vielfalt und Breite auftreten. Sie m&uuml;ssen ja verschiedene Menschen mit verschiedenen Interessen und verschiedenen Lebenslagen an sich binden. Eine kluge Strategie versteht sich darauf, diese Vielfalt zu zeigen.<\/p><p>Wie abstrus die g&auml;ngige Vorstellung vom &bdquo;in die Mitte r&uuml;cken&ldquo; ist, kann man schon erkennen, wenn man einigerma&szlig;en logisch vorgeht: dann f&auml;llt einem n&auml;mlich ein, dass einzelne Personen bei den verschiedenen politischen Problemen und L&ouml;sungen durchaus verschieden positioniert sein k&ouml;nnen. Nehmen wir das Beispiel des verstorbenen Helmut Schmidt: er war bei manchen der Rechtsreformen, die bei uns f&auml;llig geworden waren wie etwa bei der Reform des Abtreibungsrechtes auf fortschrittlicher, linker Position. Auch sein Pl&auml;doyer f&uuml;r Gemeinsame Sicherheit in Europa und f&uuml;r das Sich-vertragen mit Russland w&uuml;rde man als links einstufen. Seine Haltung zur Agenda 2010 wie auch seine Einstellung zur Kernkraft waren eher konservativen Zuschnitts. <\/p><p>Wenn Menschen bei verschiedenen Themen verschiedene Meinungen haben, dann macht es wenig Sinn, im Bezug auf diese Menschen vom &bdquo;in die Mitte r&uuml;cken&ldquo; zu sprechen. Wenn bei virulenten Themen eine Mehrheit von Menschen eher progressiv orientiert ist, dann kann man sie dabei durchaus mit fortschrittlichen Vorstellungen packen. Konkret: wenn die SPD konsequent auf ihre fr&uuml;here Position zur&uuml;ckgekommen w&auml;re, dass milit&auml;rische L&ouml;sungen nur im &auml;u&szlig;ersten Notfall infrage kommen und dass der Frieden der Ernstfall ist, dann h&auml;tte sie jetzt beim Konflikt um Syrien, Irak, Afghanistan und Afrika mit einem linken Thema Mehrheiten gewinnen k&ouml;nnen. Das deutsche Volk war jedenfalls fr&uuml;her und bis in die heutigen Tage &auml;u&szlig;erst skeptisch gegen&uuml;ber kriegerischen Eins&auml;tzen.<\/p><p>Gro&szlig;e Parteien, Volksparteien machen ihre Pluralit&auml;t auch &uuml;ber Personen sichtbar: Merkel steht f&uuml;r anderes als Seehofer, Helmut Schmidt stand f&uuml;r anderes als Willy Brandt, Herbert Wehner stand f&uuml;r etwas anderes als Karl Schiller, Gerhard Schr&ouml;der stand f&uuml;r anderes als Oskar Lafontaine. <\/p><p>Diese Pluralit&auml;t wurde in Wahlk&auml;mpfen auch immer ausgespielt. Hinterher wurden die Ergebnisse dann oft falsch analysiert und diese falschen Analysen waren dann die Pflastersteine auf dem Weg zur n&auml;chsten Niederlage. Hier ein paar Beispiele aus der Vergangenheit: 1969 gab es den vergleichsweise progressiven Brandt und Schiller f&uuml;r die Aufsteiger; 1976 h&auml;tte der seit 1974 als Bundeskanzler amtierende Helmut Schmidt die Wahl gegen Helmut Kohl vermutlich verloren, wenn Willy Brandt als Vorsitzender der SPD nicht den progressiven Teil bedient h&auml;tte; 1998 hat Gerhard Schr&ouml;der und die SPD plus Gr&uuml;n der Union und der FDP die Mehrheit und das Kanzleramt nur abjagen k&ouml;nnen, weil Oskar Lafontaine in der Schlussphase des Wahlkampfes intensiv den progressiven Teil bedient hat. Man kann an Umfragen des September 1998 sehen, wie Lafontaines Mobilisierung beginnend mit einem Auftritt in der Haushaltsdebatte Anfang September die Stimmung beim progressiven Teil verbesserte.<\/p><p>Hinterher wurde bei den Analysen dann gro&szlig;z&uuml;gig &uuml;ber die Wirkung dieses Doppelpacks hinweggesehen. Lafontaine wurde weggebissen. Ein strategischer Fehler, der bis heute nachwirkt.<\/p><p><strong>In den Medien wie auch in historischen Abhandlungen werden Wahl-Analysen, die die Notwendigkeit von Pluralit&auml;t belegen, selten angestellt. In die Mitte r&uuml;cken &ndash; das ist das Standardrezept hochm&ouml;gender Chefredakteure und anderer Kommentatoren. Qualit&auml;tsmedien!<\/strong><\/p><p><strong>Ohne den linken Fl&uuml;gel, ohne Menschen, die die Welt verbessern wollen, wird die Mobilisierung nicht gelingen.<\/strong><\/p><p>Die Absage Gabriels an jene, die ihn nicht gew&auml;hlt haben und an den linken Teil seiner Partei insgesamt durch Zustimmung zu TTIP und Kriegseinsatz hat noch eine andere Folge, die die SPD-F&uuml;hrung offensichtlich nicht bedenkt: der SPD-Vorsitzende &auml;u&szlig;ert sich zwar sehr kritisch zu einigen Medienschaffenden und hat wohl auch verstanden, dass er und die SPD im Vergleich zu Angela Merkel und der Union wenig Unterst&uuml;tzung von Medien bekommen und im Wahlkampf bekommen werden. Er hat aber vergessen, den n&auml;chsten Schritt zu denken: wenn die Medienlage so ist, dann bedarf es eines Ersatzes, wenn eine Medienbarriere besteht, dann m&uuml;ssen Menschen mobilisiert werden, um diese Barriere zu &uuml;berwinden: durch Argumentation, durch Gespr&auml;che mit Freunden, Bekannten, Berufskolleginnen und Kollegen. Die SPD ist auf eine Gegen&ouml;ffentlichkeit angewiesen. Aber sie tut nichts, um diese aufzubauen. Die Mobilisierung wird nicht gelingen, wenn die SPD-F&uuml;hrung auf jene Menschen verzichtet, die bereit sind, zu mobilisieren. Diese Mobilisierung setzt Idealismus voraus, den Idealismus von Menschen, die die Welt verbessern wollen.<\/p><p>Wenn ein SPD-Vorsitzender diese wichtigen Multiplikatoren-Gruppen vor den Kopf schl&auml;gt, dann wird seine Partei noch tiefer landen, als es die 23 % des Wahlergebnisses von 2009 signalisiert haben. Damals hat &uuml;brigens Steinmeier kandidiert. Er wird jetzt wieder ins Spiel gebracht. Wenn ich Stratege der Union w&auml;re, w&uuml;rde ich das auch tun und den mir nahestehenden Medien empfehlen, daraus ein Dauerthema zu machen.<\/p><p><strong>Wo ist das Profilierungs- und Konfliktthema?<\/strong><\/p><p>Sigmar Gabriel hat lange gesprochen. Ich habe mir die Rede angeh&ouml;rt und sie noch einmal durchgelesen und finde darin keinen Programmpunkt und kein Thema, die sich f&uuml;r eine nachhaltige und g&uuml;nstige Profilierung eignen w&uuml;rden. Ich fand auch kein Thema, das geeignet w&auml;re, den Konflikt mit der Union zu er&ouml;ffnen und durchzuhalten und dabei positiv zu gewinnen. Das Fl&uuml;chtlingsthema ist es nicht; das Thema soziale Gerechtigkeit ist widerspr&uuml;chlich abgehandelt; Krieg und Frieden sind als Profilierungs- und Konfliktthema aufgegeben. Das ist das eigentlich Dramatische an der jetzigen Entwicklung:<\/p><p><strong>Die als Partei des Friedens und der Entspannung erfolgreiche SPD hat dieses Thema aufgegeben. Als Kriegspartei landet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Bedeutungslosigkeit.<\/strong><\/p><p><strong>Noch etwas fehlte bei dieser Rede.<\/strong> Gabriel hat zwar elegant mithilfe seiner Tochter angek&uuml;ndigt, dass er als Kanzlerkandidat zur Verf&uuml;gung steht, aber er hat uns nicht wissen lassen, mit wessen Unterst&uuml;tzung die SPD ins Kanzleramt gelangen will. Welche Koalition strebt sie an? Ohne Angabe einer realistischen Konstellation fehlt jeglicher Drive.<\/p><p><strong>Eine gute Rede?<\/strong><\/p><p>Der Chefredakteur meiner Tageszeitung, &bdquo;Die Rheinpfalz&ldquo; meint, Sigmar Gabriel habe &bdquo;eine gute Rede gehalten&ldquo;. Wenn man nach der L&auml;nge des Applaus geht, dann ist der Eindruck vermutlich richtig. Aber die Kinderei des in langen Minuten gemessenen Klatschens sollte doch eine ernsthafte Pr&uuml;fung nicht verhindern. <\/p><p>Die SPD war einmal jene Partei, an die sich junge Interessierte Menschen wandten, wenn sie wissen wollten, was die Probleme unserer Zeit und welches die L&ouml;sungen sind. Und die Parteitagsrede des Vorsitzenden war in der Regel das Signal f&uuml;r solche Menschen. Wo ist in dieser Rede irgendeine z&uuml;ndende Idee? Sie war nicht einmal auf der H&ouml;he der Zeit. Zum Beispiel: die Digitalisierung wird als etwas neues beschrieben, auf das man sich jetzt vorbereiten m&uuml;sse. Das l&auml;uft doch schon lange. Zum Beispiel: Zuwanderung, um das demographische Problem zu l&ouml;sen. Bei diesem Parteivorsitzenden ist noch nicht angekommen, dass wir kein demographisches Problem haben. Die dauernde Wiederholung dieser Behauptung seit 20 Jahren macht aus der Analyse doch noch keine richtige Analyse. Und au&szlig;erdem widerspricht die Vorstellung, anderen V&ouml;lkern ihre gut ausgebildeten jungen Leute abzuziehen der ansonsten immer wieder beschworenen Solidarit&auml;t mit den schw&auml;cheren V&ouml;lkern der Welt. Dieser Gedanke hat den SPD-Vorsitzenden noch nicht erreicht, obwohl er die Solidarit&auml;t auch beschw&ouml;rt.<\/p><p><strong>&Uuml;berhaupt: Widerspr&uuml;che und Kl&uuml;fte zwischen Reden und Tun.<\/strong><\/p><p>Die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann hat beim Parteitag den Parteivorsitzenden nach dessen Rede kritisch hinterfragt und ihm vorgeworfen, es gebe viele L&uuml;cken zwischen Reden und Tun. Er hat sich anschlie&szlig;end dagegen verwahrt. Und Johanna Ueckermann ist auch von anderen darob heftig kritisiert worden. Mir war beim Zuh&ouml;ren und beim Nachlesen des Textes gleich aufgefallen, dass diese Rede voller Widerspr&uuml;che ist. Ein paar Beispiele seien genannt:<\/p><ul>\n<li>Gabriel beklagte die hohe Arbeitslosigkeit in anderen L&auml;ndern, vor allem im S&uuml;den und in Frankreich und nennt auch die Austerit&auml;tspolitik, ja er weist sogar darauf hin, dass die Union mit dieser Politik mitverantwortlich sei f&uuml;r das gute Abschneiden der Rechten in Frankreich. &ndash; Ich dachte, ich h&ouml;re nicht recht: Ist die Austerit&auml;tspolitik nur die Politik von Herrn Sch&auml;uble und Frau Merkel? Waren der Wirtschaftsminister Gabriel und der Au&szlig;enminister Steinmeier dagegen? Und der fr&uuml;here Finanzminister Steinbr&uuml;ck, der diesen Wahnsinn wesentlich mit betrieben hat, der geh&ouml;rt wohl zu einer anderen Partei?<\/li>\n<li>Der SPD-Vorsitzende beklagt das Auseinanderklaffen der Einkommen, der L&ouml;hne und der Spitzeneinkommen, und insgesamt sieht er Defizite bei der Verteilungsgerechtigkeit. Und dann lobt er die Agenda 2010. Hat Gabriel gar nicht mitbekommen, dass der fr&uuml;here Bundeskanzler Schr&ouml;der (SPD) sich der Schaffung des &bdquo;besten Niedriglohnsektors&ldquo; ger&uuml;hmt hat? Damit wurde die Einkommensverteilung im Sinne der beklagten Spaltung unserer Gesellschaft verschlechtert und es wurde auch die Wettbewerbsf&auml;higkeit der s&uuml;dlichen L&auml;nder, unserer Partner, beeintr&auml;chtigt.<\/li>\n<li>Gabriel behauptet auf Seite 3 seiner Rede, es h&auml;tte bei uns in Sachen Krieg und Frieden &bdquo;Nachdenklichkeit und Besonnenheit&ldquo; gegeben. Soll der Einsatz in Syrien nachdenklich und besonnen beschlossen worden sein? Dazu reichte ja nicht einmal die daf&uuml;r bereitgestellte Beratungszeit.<\/li>\n<li>Gabriel wirbt auf der gleichen Seite f&uuml;r einen respektvollen Austausch unterschiedlicher Auffassungen, &bdquo;Respekt in der Wortwahl, Respekt durch zuh&ouml;ren, Respekt vor dem Argument des anderen&ldquo;. Wenn der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister dann bei anderer Gelegenheit von &bdquo;Pack&ldquo; redet, oder jene, die den Kriegseinsatz in Syrien f&uuml;r falsch halten, &bdquo;Linkspopulisten&ldquo; nennt, dann zeigt das, dass er von seiner eigenen Warnung vor der falschen Wortwahl nichts h&auml;lt.<br>\nDie Bezeichnung &bdquo;Pack&ldquo; liegt ja auch schon im Widerspruch zu anderen &Auml;u&szlig;erungen, die durchaus zu w&uuml;rdigen sind. Gabriel meint zum Beispiel, wir sollten auf Menschen, die sich nicht mehr vertreten f&uuml;hlen, nicht einfach arrogant und abweisend reagieren. Wir sollten uns mit den Motiven dieser wachsenden Entfernung besch&auml;ftigen. Das ist richtig. Aber dann sollte er die anderen Spr&uuml;che bitte auch vermeiden.<\/li>\n<li>Gabriel polemisiert mit Recht dagegen, wir h&auml;tten Milliarden mobilisiert, um mit Rettungskrediten das europ&auml;ische Finanzsystem zu stabilisieren. Und wir seien unf&auml;hig, einer ganzen jungen Generation in den Krisenl&auml;ndern zu helfen, damit w&uuml;rde auch deren europ&auml;ischer Traum gestrichen. Denn diese jungen Leute sehen nur sinkende L&ouml;hnen und Renten bei ihren Eltern und Chancenlosigkeit  bei sich selbst. &ndash; Ja mei, da muss man sich doch fragen, wer uns in der Zeit der aufbrechenden Finanzkrise 2007-2009 regiert bzw. auf jeden Fall mit regiert hat und wer den Finanzminister gestellt hat und den Vizekanzler und Au&szlig;enminister: die SPD.\n<p>Wenn man sich daran erinnert und dann von Gabriel h&ouml;rt: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Diese soziale Frage ist der Sprengsatz, der das europ&auml;ische Haus in St&uuml;cke fliegen l&auml;sst&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>dann muss man der Juso-Vorsitzenden Recht geben. Reden und Tat haben wenig miteinander gemein.<\/p><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es stand in allen Zeitungen und lief &uuml;ber alle Bildschirme, dass der SPD-Vorsitzende Gabriel nur mit knapp 75 % der Stimmen wieder gew&auml;hlt worden ist. Er war sichtlich betroffen, obwohl er eigentlich h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass viele der Ja-Stimmen mit zusammengebissenen Z&auml;hnen abgegeben worden sind. Er wertete die Zustimmung der 74,3 Prozent als Auftrag, Politik<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29563\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,191,11,190],"tags":[423,895,401,1080,854,359,547,252,291],"class_list":["post-29563","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","category-wahlen","tag-austeritaetspolitik","tag-freihandel","tag-gabriel-sigmar","tag-kanzlerkandidat","tag-mittelschicht","tag-parteistroemungen","tag-parteitag","tag-steinmeier-frank-walter","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29563"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29563\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29580,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29563\/revisions\/29580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}