{"id":29570,"date":"2015-12-15T09:13:23","date_gmt":"2015-12-15T08:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29570"},"modified":"2024-08-22T16:23:39","modified_gmt":"2024-08-22T14:23:39","slug":"die-terror-indoktrination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29570","title":{"rendered":"Die Terror-Indoktrination"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151215_enders.jpg\" alt=\"Moritz Enders\" title=\"Moritz Enders\"><\/div><p>Der Islam strebt nach der Weltherrschaft und ist eine Terror-Religion? Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdr&uuml;ckung? &Uuml;berall zwischen uns leben &bdquo;Schl&auml;fer&ldquo;? In deutschen Moscheen werden Terroristen akquiriert? Muslime bedrohen &bdquo;unsere Werte&ldquo; und haben bereits qua Religion eine gef&auml;hrliche Neigung zu Gewalt? Glauben Sie etwas hiervon? Dann sind Sie wom&ouml;glich Opfer geheimdienstlicher Psychotechniken geworden. Ein Opfer, das nun in einem Weltbild gefangen ist, mit dem es kaum mehr anders vermag als den neokolonialen, kriegerischen Interessen der M&auml;chtigen emotional Folge zu leisten. Konkret also etwa die Mehrzahl der Armen der Welt pauschal als <a href=\"https:\/\/www.opendemocracy.net\/jeremy-h-keenan\/redefining-poor-as-%E2%80%9Cterrorists%E2%80%9D\">Terroristen<\/a> und einige der rohstoffreichsten L&auml;nder des Planeten als zu zivilisierende <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">Horte der Barbarei<\/a> wahrzunehmen. Das legen zumindest die Erkenntnisse des Filmemachers <strong>Moritz Enders<\/strong> nahe, dessen Dokumentation zur Verstrickung westlicher Geheimdienste in das Attentat auf Johannes Paul II. soeben im ZDF zu sehen war. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit ihm.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Enders, gerade lief auf <a href=\"https:\/\/www.zdfinfo.de\/\">ZDFinfo<\/a> eine gek&uuml;rzte Fassung der Dokumentation <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0qwk24XynIc\">&bdquo;Sch&uuml;sse auf dem Petersplatz&ldquo;<\/a>, die Sie zusammen mit Werner K&ouml;hne gedreht haben, und deren Langfassung im ersten Quartal n&auml;chsten Jahres auf arte zu sehen sein wird. Warum dieser Film? Was ist f&uuml;r Sie oder uns so wichtig &ndash; an einem &uuml;ber 35 Jahre zur&uuml;ckliegenden Attentat?<\/strong><\/p><p>Das Attentat auf Papst Johannes Paul II. ist eines der ganz gro&szlig;en politischen Verbrechen des letzten Jahrhunderts gewesen, &auml;hnlich bedeutend wie das auf John F. Kennedy. Einige haben es sogar als Jahrhundertverbrechen bezeichnet.<\/p><p>Aber Sie haben nat&uuml;rlich recht, wenn Sie fragen: Was hat das mit uns heute im Jahr 2015 zu tun? Ist es mehr als einfach ein St&uuml;ck Zeitgeschichte? Ich denke, ja. Ich denke, dass das Papstattentat exemplarisch ist f&uuml;r das Ph&auml;nomen des Terrorismus, f&uuml;r tats&auml;chliche oder vermeintliche internationale Verstrickungen in diesen sowie f&uuml;r die anschlie&szlig;ende <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28827\">propagandistische Instrumentalisierung<\/a> des jeweiligen Ereignisses. Insofern ist das Thema nach wie vor aktuell.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie bitte einmal zusammenfassen, was damals geschah, wie hier&uuml;ber berichtet wurde &ndash; und worin sich Ihre Recherchen nun von den damaligen Erkenntnissen unterscheiden? Nicht nur, aber auch, weil ich zurzeit dieses Attentates erst 4 Jahr alt war. Ich wei&szlig; sozusagen nichts davon&hellip;<\/strong><\/p><p>Was man sicher wei&szlig;, ist, dass ein Attent&auml;ter namens Mehmet Ali Agca am 13. Mai 1981 auf den Papst geschossen hat. An dem Tag hatten sich zahlreiche Gl&auml;ubige auf dem Petersplatz versammelt, um dem Pontifex zuzujubeln. Johannes Paul II. stand auf einem offenen Wagen, der langsam &uuml;ber den Platz rollte. So wirkte es, als w&uuml;rde er durch die begeisterte Menschenmenge schweben. <\/p><p>Agca gab dann die Sch&uuml;sse aus wenigen Metern Entfernung ab, allerdings aus einer ung&uuml;nstigen Schu&szlig;position, da sich vor ihm noch einige Personen befanden, &uuml;ber die er hinwegschie&szlig;en musste. Mit seiner Aktion verwundete er den Papst zwar schwer, t&ouml;tete ihn aber nicht.<\/p><p>Was man nach wie vor nicht sicher wei&szlig;, ist, wie viele Sch&uuml;sse abgegeben wurden und ob diese aus ein und derselben Waffe stammten. Die meisten unserer Interviewpartner haben von drei Sch&uuml;ssen gesprochen, doch es gibt auch Leute, die meinen, es seien vier gewesen. Zwei der entsprechenden Projektile wurden von der italienischen Polizei sichergestellt, ein drittes verblieb in Besitz des Vatikans und konnte von der italienischen Polizei nicht untersucht werden.<\/p><p>Auch sind einige Fotos aufgetaucht, die Fragen aufwerfen. Auf einem sieht man etwa einen jungen Mann vom Petersplatz fl&uuml;chten. Viele meinen, dass es sich hier um Oral Celik handelt, ein Mitglied der t&uuml;rkischen Grauen W&ouml;lfe und Verbindungsmann dieser Organisation zu westlichen Geheimdiensten. Celik wurde wohl &uuml;ber viele Jahre vom franz&ouml;sischen Geheimdienst protegiert. Hierzu haben wir stichhaltige Aussagen des Ermittlungsrichters Rosario Priore und des Anwalts Michele Gentiloni, der Celik verteidigt hat, nachdem dieser nach jahrelangem Gezerre von den franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden endlich an Italien &uuml;berstellt worden war.<\/p><p>Und ein weiteres Foto zeigt angeblich Sergej Antonov, den Leiter einer bulgarischen Airline in Rom, wenige Meter von Ali Agca entfernt. Nach einer Lesart, die in der &Ouml;ffentlichkeit viel Anklang gefunden hat, sei Antonov aber in Wirklichkeit der Chef des bulgarischen Geheimdienstes in Rom gewesen. Er habe das Attentat in Rom in Auftrag gegeben, stellvertretend f&uuml;r einen sowjetischen Geheimdienst, den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/KGB\">KGB<\/a> oder den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glawnoje_Raswedywatelnoje_Uprawlenije\">GRU<\/a>, weil der Papst in Polen, seinem Heimatland, mit der Unterst&uuml;tzung der Gewerkschaftsbewegung Solidarno&#347;&amp;cacute; zu viel Unruhe gestiftet h&auml;tte.<\/p><p><strong>Und, sind Sie dieser Spur nachgegangen? Waren die Russen bzw. war deren Geheimdienst in das Attentat verstrickt?<\/strong><\/p><p>Der Ermittlungsrichter Rosario Priore, der sich viele Jahre lang mit dem Attentat besch&auml;ftigt hat, sagte uns, dass er sich nicht vorstellen k&ouml;nne, dass heute noch jemand auf die Idee k&auml;me, diese &ldquo;bulgarische Spur&rdquo; ernsthaft zu verfolgen. <\/p><p>Die Autoren David Eisenhower und John Murray nehmen in ihrem absolut lesenswerten Buch &bdquo;Warwords &ndash; U.S. Militarism, the Catholic Right and the &sbquo;Bulgarian Connection&lsquo;&rdquo; diese sogenannte &ldquo;bulgarische Spur&rdquo; fein s&auml;uberlich auseinander. &Auml;hnliches tut die ehemalige SPIEGEL-Korrespondentin in Rom, Washington und New York Valeska von Roques in ihrem Buch &ldquo;Verschw&ouml;rung gegen den Papst&rdquo;. Die Journalisten Marco Ansaldo und Yasemin Taskin haben nachgelegt und das Werk &ldquo;Uccidete il Papa&rdquo; ver&ouml;ffentlicht. Auch ihrer Meinung nach ist die &ldquo;bulgarische Spur&rdquo; v&ouml;llig haltlos. <\/p><p>Marco Ansaldo hat Werner K&ouml;hne und mich freundlicherweise auch zu dem Ort begleitet, an dem Agca von einem Bulgaren namens Sergej Antonov mit dem Anschlag auf den Papst beauftragt worden sein will. Was genau wissen wir heute?<\/p><p>Antonov war seinerzeit festgenommen worden, nachdem Agca ausgesagt hatte, er h&auml;tte sich mit ihm und zwei weiteren Bulgaren in Antonovs Wohnung getroffen, um das Papstattentat vorzubereiten. Agca hat inzwischen mindestens hundert Varianten zu den Hintergr&uuml;nden des Verbrechens verbreitet, aber auch zu diesem relativ fr&uuml;hen Zeitpunkt konnte man ihn wohl kaum als glaubw&uuml;rdig einstufen.<\/p><p>Zudem strotzte Agcas Aussage vor Widerspr&uuml;chen. An einem bestimmten Tag will er in Antonovs Wohnung von dessen Ehefrau mit Tee und Keksen bewirtet worden sein, doch die befand sich zu dem Zeitpunkt nachweislich in Bulgarien. Agca konnte zwar viel zu Antonov sagen, etwa, dass es sein Hobby war, kleine Schnapsflaschen zu sammeln. Und von seinen angeblichen Mitverschw&ouml;rern kannte er vielleicht noch den Leberfleck auf der Nasenspitze. Er wu&szlig;te aber nicht, wie gro&szlig; oder klein sie waren. Zudem h&auml;tte man sich fragen k&ouml;nnen, in welcher Sprache der Plan zum Anschlag eigentlich ausgeheckt worden sein sollte. Denn Agca konnte seinerzeit nur T&uuml;rkisch, das Antonov aber nicht beherrschte. <\/p><p>Endg&uuml;ltig aufgeflogen ist Agcas Falschaussage aber, als ihn ein Ermittler nach der Beschaffenheit von Antonovs Wohnung befragte. Konkret ging es um eine bewegliche Trennwand, wie sie sich diese in allen Wohnungen des Geb&auml;udes befanden, nicht aber in der von Antonov. Agca tappte in die Falle und verstieg sich zu der Aussage, dass sich eine derartige Wand auch im Wohnzimmer Antonovs befunden habe. Mit anderen Worten: Agca kannte die Aufkleber der Schnapsflaschen, die Antonov gesammelt hatte, wu&szlig;te aber nicht, wie es in dessen Wohnung aussah.<\/p><p>Interessant in diesem Zusammenhang ist es, dass direkt unter Antonov der Rektor der Universit&auml;t &ldquo;Pro Deo&rdquo; wohnte, ein Mann namens Felix Morlion, der engste Kontakte zur CIA unterhielt. <\/p><p>Der Journalist Marco Ansaldo geht davon aus, dass Agca im Gef&auml;ngnis von Geheimdienstmitarbeitern f&uuml;r seine Aussage instruiert worden ist. Das w&uuml;rde auch erkl&auml;ren, warum Agca zwar die Gesichter seiner Mitverschw&ouml;rer beschreiben konnte, nicht aber ihre K&ouml;rpergr&ouml;&szlig;e kannte. Man hatte ihm offensichtlich Portraitfotos gezeigt. Man k&ouml;nnte auch vermuten, dass Felix Morlion nicht gewu&szlig;t hatte, dass ausgerechnet die Wohnung von Antonov nicht mit einer derartigen Trennwand best&uuml;ckt war wie all die anderen Wohnungen in diesem Haus.<\/p><p><strong>&hellip;aber das Foto, das Antonov angeblich auf dem Petersplatz zeigt?<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber dieses Foto ist viel diskutiert worden. Der ehemalige Senator Paolo Guzzanti, der einer parlamentarischen Untersuchungskommission vorgesessen hatte, glaubt, dass dieses Foto tats&auml;chlich Antonov zeigt. Hierf&uuml;r habe er zwei Gutachten anfertigen lassen. Viele andere meinen allerdings, es stelle einen amerikanischen Touristen dar, der Antonov nur &auml;hnele. Der habe sich dann auch bei den Beh&ouml;rden gemeldet, um das Mi&szlig;verst&auml;ndnis aufzukl&auml;ren. <\/p><p>Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, frage mich allerdings, ob jemand, der ein Verbrechen in Auftrag gibt, zur Tatzeit tats&auml;chlich am Tatort erscheinen w&uuml;rde. Dann h&auml;tte er ja kein Alibi. Und Antonov hatte f&uuml;r die Tatzeit &uuml;brigens sogar eines. Allerdings kein wasserdichtes.<\/p><p><strong>Sie haben &uuml;ber Felix Morlion gesprochen, der im gleichen Wohnhaus lebte wie Sergej Antonov und enge Kontakte zu CIA unterhielt. Spielte die CIA denn eine prominente Rolle in der Angelegenheit?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r eine aktive Verstrickung der CIA oder anderer Geheimdienste in den Anschlag haben wir keine Anhaltspunkte gefunden. Aber zumindest hat die CIA eine prominente Rolle gespielt, als er darum ging, das Attentat dem bulgarischen Geheimdienst anzuh&auml;ngen. <\/p><p>Um zu erfahren, wie sie das gemacht haben, haben wir Melvin Goodman interviewt, seinerzeit Chefanalyst f&uuml;r UDSSR-Fragen bei der CIA. Er sagte uns, dass die CIA bewusst Informationen gestreut hat, die dann von europ&auml;ischen Journalisten aufgegriffen wurden. Die stie&szlig;en dann also &ndash; allerdings nicht zuf&auml;llig &ndash; auf einige Indizien, die eine bulgarische Verstrickung nahelegten. Diese wurden zuerst in Zeitungsartikeln verarbeitet. Und dann kam die Stunde von Claire Sterling, die unter anderem f&uuml;r die New York Times und den Reader&acute;s Digest schrieb. Sie fasste das alles in einem Buch zusammen und meinte nun, die Schuld der Bulgaren endg&uuml;ltig belegt zu haben. Vielleicht nicht f&uuml;r alle &uuml;berraschend ist dabei, dass Sterling selbst enge Kontakte zur CIA unterhielt. <\/p><p>Wie dem auch sei, dieses Buch bekam William Casey, der damalige Direktor der CIA, zwischen die Finger und regte sich furchtbar dar&uuml;ber auf, dass ihn seine eigenen Analysten nicht mit so erlesenen Informationen versorgen konnten wie er sie im Buch von Claire Sterling gefunden habe. Die Analysten h&auml;tten dann M&uuml;he gehabt, ihn davon zu &uuml;berzeugen, dass es sich genau andersherum verhielt und Casey vielmehr der eigenen CIA-Propaganda auf den Leim gegangen sei. <\/p><p>Diese &ldquo;bulgarische Spur&rdquo; war &ndash; zumindest in der Form, wie sie der &Ouml;ffentlichkeit verkauft wurde &ndash; ein reines Propagandaprodukt. Darin stimmen alle der circa 20 Experten, die wir zu diesem Thema befragt haben, &uuml;berein, mit Ausnahme des ehemaligen Senators Paolo Guzzanti. Und dennoch hat sie ihren Zweck erf&uuml;llt. Denn auch, wenn fast alle Fachleute der Meinung sind, dass es die Bulgaren nicht gewesen sind, glaubt auch heute noch eine gro&szlig;e Mehrheit in der italienischen Bev&ouml;lkerung, dass die Bulgaren hinter dem Attentat stecken. Immer wieder haben wir geh&ouml;rt: &ldquo;Ach, das waren doch diese Bulgaren!&rdquo;<\/p><p><strong>Ein gutes Beispiel f&uuml;r Framing und Agenda-Setting, f&uuml;r die gezielte und hochprofessionelle Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung durch Propaganda und Geheimdienste&hellip;<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich ist die Frage, wem man nach einem politischen Verbrechen, einem Attentat oder einem Massaker die Schuld daf&uuml;r in die Schuhe schieben kann, entscheidend. Wer die &Ouml;ffentlichkeit von seiner Lesart der Dinge &uuml;berzeugen kann, hat es anschlie&szlig;end viel leichter, den gew&uuml;nschten politischen Kurs zu bestimmen. <\/p><p>Um zu erfahren, wie sich so etwas konkret bewerkstelligen l&auml;&szlig;t, sind wir nach Mailand zu Aldo Giannuli gefahren. Giannuli hat in Italien viel beachtete B&uuml;cher &uuml;ber die Geheimdienste und deren Medienmanipulationen geschrieben. <\/p><p>Die Mechanismen, die da ineinandergreifen, sind relativ komplex. Aber man kann sie vielleicht wie folgt zusammenfassen: Es kommt auf emotionalisierendes Bildmaterial an, das Unterdr&uuml;cken wichtiger Informationen und auf die richtige Montage der verbleibenden und nach M&ouml;glichkeit wahren Elemente. Man sollte also im Grunde mit der Wahrheit l&uuml;gen und die einzelnen meist wahren Informationen wie Mosaiksteine so zusammensetzen, dass sie ein v&ouml;llig anderes Bild ergeben &ndash; das sich anschlie&szlig;end dann propagandistisch verwerten l&auml;sst.<\/p><p>Wesentlich dabei sei allerdings, so Giannuli, die gew&uuml;nschten Narrative innerhalb der ersten zwei, drei Wochen zu etablieren. Dann blieben sie in der Regel im &ouml;ffentlichen Bewusstsein verankert. Nachtr&auml;gliche Enth&uuml;llungen k&ouml;nnten hieran kaum mehr etwas &auml;ndern. Ich finde, es ist wichtig, das zu verstehen, denn auch so wird Politik gemacht.<\/p><p><strong>Politik gemacht?<\/strong><\/p><p>Ja, sicher. Nehmen Sie zum Beispiel den Abschuss des Verkehrsflugzeuges MH17 &uuml;ber der Ukraine im letzten Jahr. Wir &ndash; und damit meine ich jetzt die normalen Medienkonsumenten &ndash; wissen nicht, was da passiert ist. Aber bei der Bev&ouml;lkerung soll sich der Eindruck verfestigen, daran seien &ldquo;die Separatisten und damit irgendwie die Russen schuld&rdquo;. <\/p><p>Daf&uuml;r gibt es allerdings keine Beweise und zudem werden wohl, wie ich gelesen habe, entscheidende Funkspr&uuml;che, die ja vielleicht f&uuml;r die Aufkl&auml;rung des Vorfalls hilfreich sein k&ouml;nnten, unter Verschlu&szlig; gehalten. Doch darauf kommt es nach einiger Zeit auch gar nicht mehr an. Dann hat sich die Geschichte ins kollektive Ged&auml;chtnis eingebrannt. So funktioniert Propaganda.<\/p><p><strong>F&uuml;hren Sie das doch bitte ein wenig aus&hellip; Was wird da &bdquo;wie&ldquo; genau gemacht? Welche &bdquo;Mechanismen&ldquo; psychischer Manipulation werden wie gegen unsere Vernunft in Stellung gebracht?<\/strong><\/p><p>Wie ich eben schon angedeutet habe, ist die suggestive Montage anhand von Meldungen, die fast alle, wenn nicht sogar wirklich alle, stimmen, fundamental. Ideal ist eine Mischung aus Weglassungen und Suggestionen. <\/p><p>Ich gebe Ihnen mal ein ganz plattes Beispiel: Stan und Ollie haben sich in der Wolle. Ollie haut Stan eine runter. Daraufhin haut Stan Ollie eine runter. Das ganze habe ich gefilmt. Ich kann jetzt den ersten Teil weglassen und nur zeigen, dass Stan Ollie eine runterhaut. Ich kann auch, ohne zu l&uuml;gen, sagen, dass es vorher zu Diskrepanzen zwischen den beiden gekommen ist. Das stimmt, verschweigt aber etwas ganz Wesentliches: Ollie hat auch zugeschlagen, und zwar vorher. Aber durch diese Weglassung suggeriere ich schon mal: Stan ist der Gewaltt&auml;ter und Ollie das Opfer. Jetzt zeige ich vielleicht noch, wie der ohnm&auml;chtige Ollie von der Feuerwehr auf einer Bahre abtransportiert und in einen Krankenwagen geschoben wird. Nehmen wir nun an, ich habe ein Foto von Stan, dass drei Tage vorher aufgenommen worden ist. Seine Freundin hat ihm gerade einen Kuchen gebacken und Stans Augen spr&uuml;hen vor Freude. Ich bringe jetzt ein paar Hintergrundinformationen zu Stan &ndash; etwa, dass er aus Reutlingen ist oder &auml;hnliches &ndash; und zeige dazu dieses Foto. Ohne formal zu l&uuml;gen, suggeriere ich damit nun, dass Stan sich dar&uuml;ber freut, dass er Ollie k.o. geschlagen hat. <\/p><p>Ich wei&szlig;, das klingt jetzt sehr simpel. Es ist, als s&auml;&szlig;e jemand vor einem Klavier und w&uuml;rde immer nur auf zwei der Tasten dr&uuml;cken, ohne jede Phantasie. Zum Starpianisten macht ihn das allein ganz sicher noch nicht. Dazu m&uuml;&szlig;te er schon mit mehr Virtuosit&auml;t auf der gesamten Klaviatur der propagandistischen M&ouml;glichkeiten spielen&hellip; Aber es ist eben nur ein Beispiel; und die Geheimdienste beherrschen, das kann ich Ihnen versichern, die gesamte Klaviatur virtuos. <\/p><p>Bei Ihren Manipulationen geht jedenfalls nicht darum, zu l&uuml;gen &ndash; denn L&uuml;gen k&ouml;nnen sp&auml;ter ja auffliegen -, sondern darum, entscheidende Informationen wegzulassen; um die Reihenfolge, in der Nachrichten verbreitet werden; um die Art und Weise, in der Dinge mit dem Vorfall in Zusammenhang gebracht werden, die mit ihm zwar nichts zu tun haben, dennoch aber eine gewisse Verantwortlichkeit nahelegen. Darum also, wie <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20060425_ZfKM_Schiffer_Bildethik_MuenchenDGPuK06.pdf\">Sinn indiziert [PDF]<\/a> wird. Und wichtig ist nat&uuml;rlich immer auch das Auslegen falscher Spuren&hellip;<\/p><p><strong>Falsche Spuren? Meinen Sie damit das, was ich inzwischen als &bdquo;Elefantenspuren&ldquo; bezeichne? Dass Terroristen in letzter Zeit dazu neigen, ihre Personalausweise zu Attentaten mitzunehmen und bei oder nach diesen dann zu verlieren? So etwas in der Art?<\/strong> <\/p><p>Als man Ali Agca auf dem Petersplatz festnahm, trug er keine Dokumente bei sich, nur eine Art Laufzettel, auf dem stand, was er zu tun h&auml;tte. Sp&auml;ter fand man dann einen gef&auml;lschten Reisepass, der auf einen anderen Namen ausgestellt war. Vielleicht war es damals bei Terroristen ja noch nicht in Mode, ihre Dokumente mit zu den Orten ihrer Verbrechen zu nehmen, so wie es heute der Fall zu sein scheint. <\/p><p>Zudem gab es beim Papstattentat in dem Sinne ja keine &ldquo;Elefantenspur&rdquo;, sondern stattdessen unendlich viele kleine, fast so wie nach einem verregneten Open-Air-Konzert, wo sie hunderte von Fu&szlig;abdr&uuml;cken im Schlamm vorfinden. Es gab die Einzelt&auml;ter-Hypothese, verschiedene vatikanische Spuren, eine Mafia-Spur, islamistische Spuren, Spuren, die zu verschiedenen Geheimdiensten zu f&uuml;hren schienen &ndash; und all das in verschiedenen Kombinationen.  Es wurde auch gemutma&szlig;t, dass die CIA und der KGB unter einer Decke gesteckt h&auml;tten, weil der Papst dabei war, die sogenannte Logik von Jalta durcheinanderzubringen. Und unter all diesen Spuren wurde eben auch die &ldquo;bulgarische&rdquo; gelegt, wie wir gesehen haben, mit einigem Geschick. <\/p><p>Aldo Giannuli hat uns erl&auml;utert, mit welchen Techniken man falsche Spuren legen kann. Zun&auml;chst m&uuml;sse man aber verstehen, dass es nicht nur zu den Aufgaben der Geheimdienste geh&ouml;re, Informationen einzusammeln, sondern auch, welche in Umlauf zu setzen. Vielleicht lie&szlig;en die sich ja einem Journalisten unterjubeln, der sich kaufen l&auml;sst, oder aber, wenn auch nicht notwendigerweise, selbst f&uuml;r einen Geheimdienst arbeitet.<br>\nAuf dem Schreibtisch eines Staatsanwalts k&ouml;nne man einen anonymen Brief plazieren, ein Foto oder &auml;hnliches. Und man k&ouml;nne daf&uuml;r sorgen, dass jemand bei der Polizei auf stichhaltige Indizien st&ouml;&szlig;t. Das alles w&uuml;rde sich ganz langsam zu einem Gesamtbild verdichten.<\/p><p>Laut Giannuli brauche man f&uuml;r so etwas eine gute Regie, die etwa wisse, wann man eine bestimmte Nachricht verbreiten und wann man zwei Empf&auml;nger verschiedener Nachrichten zusammenbringen m&uuml;sse, damit die sich in ihrer Meinung gegenseitig best&auml;rkten. <\/p><p>Das seien komplexe Operationen, die mit langem Atem und gro&szlig;er Akribie umgesetzt werden m&uuml;&szlig;ten. Aber genau darin seien Geheimdienste seit Jahren und Jahrzehnten &bdquo;geschult&ldquo;; das sei ihr Tagesgesch&auml;ft, das keiner so gut beherrsche wie sie.<\/p><p><strong>Und was lehrt uns das? In Summe wohl vor allem, dass man nach jedem Attentat zuerst einmal mit Ruhe und Besonnenheit &hellip; alle vermeintlichen Fakten &uuml;berpr&uuml;fen und sich nicht gleich ins Boxhorn und also Angst einjagen lassen sollte? Dieses Petitum kam unl&auml;ngst auch von Daniele Ganser im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24659\">Interview<\/a>, der zudem noch Beispiele f&uuml;r derlei &bdquo;Geheimdienst-Manipulationen&ldquo; beisteuerte, vor denen man sich h&uuml;ten solle&hellip;<\/strong><\/p><p>Auch Daniele Ganser haben wir ja f&uuml;r unsere Dokumentation interviewt. Tats&auml;chlich sollten wir uns immer klarmachen, dass die Geschichte eines Attentats &ndash; oder eines anderen politischen Verbrechens &ndash; mit dem Ereignis selbst gar nicht endet, sondern in gewisser Weise erst beginnt: Nach dem Ereignis versuchen alle m&ouml;glichen &ndash; in aller Regel m&auml;chtigen &ndash; Parteien, die Deutungshoheit hier&uuml;ber zu erlangen. Dabei kommen die eben erw&auml;hnten Methoden zum Einsatz, die uns Aldo Giannuli erl&auml;utert hat. <\/p><p>Um es mit den Worten des ehemaligen Senators Paolo Guzzanti auszudr&uuml;cken: &bdquo;Es gibt immer eine Wahrheit hinter der Wahrheit und dahinter verbirgt sich eine weitere.&ldquo; Nat&uuml;rlich kann es auch sein, dass die erste Wahrheit irgendwo stimmt &ndash; aber wie will man das genau wissen? Ja, es geht daher gerade bei Attentaten darum, &auml;u&szlig;erste Skepsis zu bewahren und nicht gleich alles zu glauben, was in den ersten Tagen &ndash; gerade, wenn die Geschichte auf &bdquo;Elefantenspuren&ldquo;, wie Sie das nennen, fu&szlig;t &ndash; berichtet wird.<\/p><p>Wir sollten uns einfach immer vor Augen halten: Eine der ureigensten Aufgaben der Geheimdienste ist es ja nicht, zu informieren, sondern zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Desinformation\">desinformieren<\/a>. <\/p><p><strong>Das klingt doch alles ein wenig nach Verschw&ouml;rungstheorie&hellip;<\/strong><\/p><p>Wir k&ouml;nnen uns nicht immer wegducken und alles als Verschw&ouml;rungstheorie abtun, was uns sonst zwingen w&uuml;rde, uns mit unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Zun&auml;chst einmal: Wenn ein politisch motiviertes Verbrechen geschieht, in das mehr als eine Person verstrickt ist &ndash; nat&uuml;rlich gibt es da auch immer wieder Einzelt&auml;ter &ndash;, handelt es sich dabei automatisch um eine Verschw&ouml;rung. Wie die genau ausgesehen hat, welche Personen darin involviert gewesen sein m&ouml;gen &ndash; dazu kann man dann Theorien entwickeln. Sinnvollerweise sollten sich diese auf nachweisbare Fakten st&uuml;tzen. Und sollte man sich bewusst sein, dass man dabei wom&ouml;glich immer auch einmal bewusst falsch gelegten Spuren folgt; so, wie ich es eben erl&auml;utert habe.<\/p><p>Gleichwohl muss man feststellen, dass gewisse Vorg&auml;nge erst in einem gro&szlig;en zeitlichen Abstand von der &Ouml;ffentlichkeit akzeptiert werden. So bestreitet heute kaum noch jemand, dass der iranische Premierminister Mossadegh unter Mitwirkung der CIA gest&uuml;rzt wurde. Und Salvador Allende in Chile auch. Auch, dass der Irak vor dem zweiten Golfkrieg keine Massenvernichtungswaffen besa&szlig;, hat sich mittlerweile ja rumgesprochen. Irgendwann d&uuml;rfen Sie solche Dinge offen aussprechen ohne als Spinner zu gelten. Wahrscheinlich ab dem Zeitpunkt, ab dem auch die Massenmedien das nicht mehr bestreiten. Aber wenn Sie Dinge hinterfragen, die noch nicht so lange zur&uuml;ckliegen, gelten Sie eben als &ldquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&rdquo;.<\/p><p>Heute wissen wir allerdings &ndash; und das haben wir zu einem gro&szlig;en Teil den Recherchen von Daniele Ganser zu verdanken &ndash;, dass es zur Zeit des Papstattentats <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29105\">NATO-Geheimarmeen<\/a> gab, die immer wieder in Terrorakte verstrickt waren und dann dazu falsche Spuren legten. Besonders aktiv waren sie in Italien und in der T&uuml;rkei &ndash; zwei L&auml;ndern, in denen links gerichtete Regierungen an die Macht h&auml;tten kommen k&ouml;nnen und die f&uuml;r die USA von gro&szlig;er geostrategischer Bedeutung gewesen sind. Viele unserer Interviewpartner haben uns gesagt, dass in dieser Zeit der Terrorismus gezielt genutzt wurde, um den Machtzuwachs linker Parteien zu verhindern.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><blockquote style=\"text-align:center\"><p>&bdquo;In einem Gespr&auml;ch mit der r&ouml;mischen Zeitung La Repubblica vor etwa zwei Wochen best&auml;tigte der Boss der sizilianischen Mafia &raquo;Cosa nostra&laquo;, Gioacchino La Barbera, die Beteiligung der Geheimdienste an Mafiamorden. Er gew&auml;hrte einen Einblick in das seit den 70er Jahren unter F&uuml;hrung der CIA und ihrer geheimen NATO-Truppe Gladio zusammen mit italienischen Geheimdiensten, der Mafia, Exponenten des Vatikans und hohen Politikern geschaffene Geflecht, in dessen Mitte die faschistische Putschloge &raquo;Propaganda due&laquo; (P2) agierte. Deren zentrale Figur war der siebenmalige Ministerpr&auml;sident Giulio Andreotti. Barbera hatte am 23. Mai 1992 auf der Autobahn A29 kurz vor der Ausfahrt Capaci in der N&auml;he Palermos eine 500-Kilo-Bombe gez&uuml;ndet, die den sizilianischen Staatsanwalt Giovanni Falcone mit seiner Frau und drei Leibw&auml;chtern t&ouml;tete. Der Mafiaermittler wurde umgebracht, weil er mit seinen Recherchen die kriminellen Verstrickungen Andreottis aufzudecken drohte. La Barbera hatte im Prozess mit der Justiz auf der Grundlage der Kronzeugenregelung zusammengearbeitet, war zu 14 Jahren Haft verurteilt worden und lebt heute nach seiner Begnadigung unter einem neuen Namen und Polizeischutz. Was er darlegte, war den Ermittlungsbeh&ouml;rden schon seit langem bekannt. Nur gingen viele Staatsanw&auml;lte und Untersuchungsrichter aus Angst, das Schicksal Falcones zu erleiden, nicht gegen die Geheimdienste und h&ouml;chste Regierungsvertreter vor. Zu den Ausnahmen geh&ouml;rte der Staatsanwalt von Palermo, Giancarlo Caselli, der im M&auml;rz 1993, gest&uuml;tzt auf die Ermittlungen Falcones, Andreotti wegen Mitgliedschaft in der Mafia anklagte. (&hellip;)<br>\nGut eineinhalb Jahre vor dem Anschlag auf Falcone, am 24. Oktober 1990, war die Existenz der geheimen Stay-behind-Truppe der NATO, die in Italien Gladio hie&szlig;, aufgedeckt worden. Damit flossen in die Ermittlungen Falcones neue Erkenntnisse ein. Denn Gladio war 1964 unter der &Auml;gide Andreottis, der damals als Verteidigungsminister amtierte, gebildet worden, um die von dem F&uuml;hrer des linken Fl&uuml;gels der Democrazia Christiana (DC), Aldo Moro, im Dezember 1963 mit den Sozialisten gebildete Regierung der Linken Mitte (Centro Sinistra) mit einem Colpo di stato (Staatsstreich) zu st&uuml;rzen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p style=\"text-align:center\"><strong>Gerhard Feldbauer: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/10-05\/002.php\">&bdquo;Um jeden Preis fernhalten&ldquo;<\/a><\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Nun ist das Thema Terror ja zurzeit aktueller denn je. Ich denke da etwa an die Attentate im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28827\">Januar<\/a> und dann wieder im <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/europa\/35620-conrad-schuhler-uber-terror-in\/\">November<\/a> in Paris. Sehen Sie denn Parallelen zwischen dem, was Sie recherchiert haben, und dem, was uns nun gerade als unabdingbare Notwendigkeit, in einen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">Krieg gegen den Terror<\/a>&ldquo; zu ziehen, verkauft werden soll?<\/strong><\/p><p>Ich denke schon, dass es da Parallelen gibt. Der Papsattent&auml;ter Ali Agca wird dem Umfeld der rechtsgerichteten Gruppierung der Grauen W&ouml;lfe zugeschrieben, auch wenn uns der ehemalige Chef der Grauen W&ouml;lfe, Musa Serdar &Ccedil;elebi, gesagt hat, dass er da von au&szlig;en eingeschleust worden sei. Die Grauen W&ouml;lfe waren seinerzeit n&auml;mlich ein Mittel, das die Amerikaner nutzten, um in der T&uuml;rkei b&uuml;rgerkriegs&auml;hnliche Zust&auml;nde herbeizuf&uuml;hren und so letzten Endes einen Milit&auml;rputsch zu erzwingen, der 1980 dann ja auch erfolgte. Und Daniele Ganser sagte uns, Agca habe der NATO-Stay-Behind-Organisation &bdquo;Gladio&ldquo; angeh&ouml;rt. <\/p><p>Der Untersuchungsrichter Rosario Priore, der ein lesenswertes Buch &uuml;ber den internationalen Terrorismus geschrieben hat &ndash; &ldquo;Intrigo Internazionale&rdquo; &ndash; sagte uns, dass der Terrorismus immer auch ein Herrschaftsinstrument der Staaten sei. Laut Priore stecken staatliche Institutionen &ndash; in der Regel in Form von Geheimdiensten &ndash; oft mit den Terroristen unter einer Decke und versuchten hierdurch, den Terrorismus zu steuern und zu instrumentalisieren. &ldquo;Operationen unter falscher Flagge&rdquo; und Staatsstreiche geh&ouml;rten ebenfalls zu ihrem Repertoire. <\/p><p>Werner K&ouml;hne und ich haben uns nun in unserer Dokumentation mit einem Ereignis besch&auml;ftigt, das sich im Jahr 1981 zugetragen hat. Unsere Recherchen haben uns haupts&auml;chlich nach Italien und &ndash; dank der Vermittlung der Journalistin Yasemin Taskin &ndash; in die T&uuml;rkei gef&uuml;hrt. Und f&uuml;r diese beiden Staaten und f&uuml;r die Zeit der siebziger und fr&uuml;hen achtziger Jahre trifft der Vorwurf einer staatlichen Verstrickung in verschiedene Terrorakte sicherlich zu.<\/p><p>Wir k&ouml;nnten jetzt nat&uuml;rlich wohlwollend unterstellen, dass das alles Geschichte ist und heute nicht mehr vorkommt. Rosario Priore allerdings sagte uns, dass es bei dem Ph&auml;nomen des Terrorismus immer auch um die Kontrolle von Bodensch&auml;tzen und die entsprechenden Handelsrouten gehe. Und wenn wir nun einen Blick auf den Nahen Osten werfen, dann stellen wir fest, dass es da &Ouml;l, Gas, B&uuml;rgerkrieg und Terrorismus gibt. Die Saudis, die T&uuml;rken, die Amerikaner und vielleicht auch andere haben hier Terroristen ausgebildet und ausger&uuml;stet, um Assad zu st&uuml;rzen &ndash; auch wenn die Amerikaner Wert darauf legen, zu betonen, dass sie vorzugsweise &ldquo;moderate Rebellen&rdquo; ausgebildet und ausger&uuml;stet h&auml;tten. <\/p><p>Ich habe gelesen, dass unter dem &ouml;stlichen Mittelmeer riesige Erdgasvorkommen vermutet werden &ndash; in einem Gebiet, das zu Syrien geh&ouml;rt &ndash; und dass der Iran und Katar ebenfalls &uuml;ber reichlich Erdgas verf&uuml;gen. Katar w&uuml;rde gern eine Pipeline durch Syrien legen, um sein Gas bis ans Mittelmeer zu pumpen &ndash; aber das geht nicht, solange Assad an der Macht ist. <\/p><p>Wom&ouml;glich aber h&auml;tte Erdgas aus Katar das Potential, die russische Stellung auf dem europ&auml;ischen Energiemarkt zu schw&auml;chen? Dann w&auml;re der auch von au&szlig;en befeuerte syrische B&uuml;rgerkrieg eben auch ein <a href=\"http:\/\/southfront.org\/foreign-policy-diary-escalation-in-syria-leads-to-a-global-war\/\">indirekter Angriff auf Russland<\/a>, der Konflikt um Syrien w&auml;re in der geopolitischen <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201503273477\/politik\/welt\/im-stellvertreterkrieg.html\">Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland<\/a> von zentraler Bedeutung. <\/p><p>Das ist sicherlich nur ein Aspekt von vielen in dieser verworrenen Situation, in der noch etliche weitere Parteien offen oder verdeckt ihr eigenes S&uuml;ppchen kochen. Jedenfalls d&uuml;rfte die eben nur sehr knapp skizzierte Gemengelage deutlich machen, dass sich der Krieg in Syrien leicht zu einem <a href=\"http:\/\/shop.papyrossa.de\/Leukefeld-Karin-Flaechenbrand\">Fl&auml;chenbrand<\/a> ausweiten kann. Hier k&auml;mpft jeder gegen jeden und seit die syrische Armee nun dabei ist, mit Unterst&uuml;tzung der Russen den sogenannten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201511193753\/politik\/welt\/islamischer-staat.html\">Islamischen Staat<\/a>&ldquo; zur&uuml;ckzudr&auml;ngen, haben es alle auf einmal eilig, da unten ebenfalls mitzumischen, aus Angst, ihnen k&ouml;nnten die Felle wegschwimmen. <\/p><p>Ich halte es f&uuml;r einen schwerwiegenden Fehler, dass sich nun auch Deutschland an diesen v&ouml;lkerrechtswidrigen Interventionen beteiligen will. Wir sollten uns ernsthaft fragen, ob wir in Deutschland das V&ouml;lkerrecht endg&uuml;ltig in die M&uuml;lltonne der Geschichte treten oder ob wir nicht besser darauf hinarbeiten sollten, dass dasselbe wieder respektiert wird, auch und vor allem von der westlichen Staatengemeinschaft. <\/p><p>Eines jedenfalls sollte uns klar sein: Den Terrorismus werden wir mit Interventionen wie der in Syrien nicht besiegen. Aber ist das aktuell &uuml;berhaupt &ndash; und wie behauptet &ndash; die Triebfeder des Handelns der westlichen Staaten? Und schlittern wir da nicht gerade in eine Situation hinein, deren Konsequenzen wir &uuml;berhaupt nicht absehen k&ouml;nnen?<\/p><p>Ich denke, hierin liegt ein entscheidender Unterschied zu dem Anschlag auf Papst Johannes Paul II. Denn 1981 hatte die Logik von Jalta noch Bestand, nach der jede der beiden damaligen Superm&auml;chte &ndash; die USA und die Sowjetunion &ndash; in ihrer eigenen Einflu&szlig;sph&auml;re weitgehend freie Hand hatte. Zwar unterst&uuml;tzten die USA in Afghanistan und Polen religi&ouml;se und politische Bewegungen, um die Position der Sowjetunion zu unterminieren. Aber trotzdem, scheint es mir, wollte man das bestehende Machtgef&uuml;ge nicht unkontrolliert zum Einsturz bringen. <\/p><p>Das Attentat, das m&ouml;glicherweise &ndash; dies vermutet zumindest Marco Ansaldo &ndash; tats&auml;chlich von Ali Agca und seinen Kumpanen, die nun allerdings wiederum enge Verbindungen zu westlichen Geheimdiensten hatten, ausgeheckt worden ist, wurde zwar propagandistisch instrumentalisiert, andererseits aber wollte man es ja &bdquo;nur&ldquo; den Bulgaren und damit nur indirekt den Sowjets in die Schuhe schieben. Und selbst dar&uuml;ber herrschte innerhalb der CIA wohl keine Einigkeit. <\/p><p>Die Zeiten des Kalten Krieges waren sicherlich auch brandgef&auml;hrlich, andererseits aber auch &uuml;berschaubarer. Der Terrorismus der Zeit &ndash; ob nun staatlich unterwandert, gesteuert oder nicht &ndash; schien politischer zu sein und &uuml;ber den sogenannten &ldquo;Clash of Civilizations&rdquo; wurde seinerzeit wohl auch noch nicht sinniert. Heute hingegen erleben wir die Herrschaft der staatlichen Willk&uuml;r. Und diese Entwicklung sollten wir schleunigst stoppen.<\/p><p><strong>Und was tun wir nun am besten angesichts dieser Erkenntnisse &ndash; mitten in einer immer weiter eskalierenden globalen Gewaltspirale? Was raten Sie?<\/strong><\/p><p>Auch wenn das Leben lebensgef&auml;hrlich ist und schon immer war: Wir sollten die Kontrolle &uuml;ber unsere Gedanken behalten und uns nicht manipulieren lassen. Wir sollten nicht &auml;ngstlich, sondern mutig sein. Oder besser: Wir sollten &auml;ngstlich und mutig sein. Denn Angst ist nicht das Gegenteil von Mut. <\/p><p>Das sind meiner Ansicht nach Unentschlossenheit und Bequemlichkeit. Seien wir also nicht zu bequem, die Dinge zu hinterfragen. Dabei geht es auch gar nicht so sehr um die Wahrheit &ndash; denn wer kennt die schon? Es geht vor allem darum, dass wir uns die F&auml;higkeit des kritischen Denkens bewahren. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Moritz Enders<\/strong>, geboren 1964 in Berlin, studierte Geschichte in Rom, lebte lange in Spanien und war dort unter anderem journalistisch t&auml;tig. Er erhielt ein Stipendium f&uuml;r die &ldquo;European Business and Management School&rdquo; in London, und ist heute haupts&auml;chlich als Rechercheur, Autor und Regisseur f&uuml;r TV-Dokumentationen t&auml;tig.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/zygPxUFOjKs\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Daniele Ganser: Die NATO und ihre Geheimarmeen<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/Pq0IFw9ZSeI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Gaby Weber: Desinformation: Ein Lehrst&uuml;ck &uuml;ber die erw&uuml;nschte Geschichte<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29392\">&bdquo;Das Terror-Tabu&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28827\">&bdquo;Die Terror-Manipulation&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24659\">&bdquo;Der Terror von Paris und die globale Gewaltspirale&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24886\">&bdquo;Terroralarm&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25067\">&bdquo;Inszenierter Terrorismus&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26060\">&bdquo;Der Terror der Geheimdienste&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26198\">&bdquo;Der Informationskrieg der Geheimdienste&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">&bdquo;Weit &uuml;ber 1 Million Opfer durch &sbquo;Krieg gegen den Terror&lsquo;&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27768\">&bdquo;Die L&uuml;ge von der Zivilisiertheit der &sbquo;westlichen Welt&lsquo;&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/5419049d902c42d6a10028a55a3f9257\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/151215_enders.jpg\" alt=\"Moritz Enders\" title=\"Moritz Enders\"\/><\/div>\n<p>Der Islam strebt nach der Weltherrschaft und ist eine Terror-Religion? Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdr&uuml;ckung? &Uuml;berall zwischen uns leben &bdquo;Schl&auml;fer&ldquo;? In deutschen Moscheen werden Terroristen akquiriert? Muslime bedrohen &bdquo;unsere Werte&ldquo; und haben bereits qua Religion eine gef&auml;hrliche Neigung zu Gewalt? Glauben Sie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29570\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,11,166],"tags":[1276,901,525,1669,1553],"class_list":["post-29570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","category-terrorismus","tag-attentat","tag-geheimdienste","tag-papst","tag-stay-behind","tag-syrien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29570"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120058,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29570\/revisions\/120058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}