{"id":2959,"date":"2008-02-08T08:30:24","date_gmt":"2008-02-08T07:30:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2959"},"modified":"2015-11-29T13:46:00","modified_gmt":"2015-11-29T12:46:00","slug":"studie-hochschulraete-als-steuerungsinstrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2959","title":{"rendered":"Studie: Hochschulr\u00e4te als Steuerungsinstrument?"},"content":{"rendered":"<p>Die Mitglieder externer Hochschulr&auml;te werden mit jeweils einem runden Drittel aus der Wirtschaft und der Wissenschaft rekrutiert, wobei auf Seiten der Wirtschaft die Vertreter von Gro&szlig;unternehmen dominieren. W&auml;hrend an Universit&auml;ten die Gro&szlig;unternehmen eindeutig dominieren, werden insbesondere an Fachhochschulen, aber auch bei privaten und technischen Hochschulen die Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen mit regionalem Bezug wichtiger. In den Fachhochschulen, technischen Universit&auml;ten und privaten Hochschulen sind die Anteile der Wirtschaftsvertreter deutlich h&ouml;her. Ein rundes F&uuml;nftel der externen Hochschulratsmitglieder kommt aus Politik, Verwaltung oder von Interessengruppen. Nur rund ein Zehntel kommt aus sonstigen Bereichen des &ouml;ffentlichen Lebens. Gewerkschaftliche Mitglieder sind in den bundesdeutschen Hochschulr&auml;ten mit nur 3% marginal vertreten und damit ihrem gesellschaftspolitischen Stellenwert als Sozialpartner entsprechend deutlich unterrepr&auml;sentiert. Das sind die wichtigsten <a href=\"http:\/\/rubigm.ruhr-uni-bochum.de\/Projekte\/Hochschulraete.S-2007-981-5-1.pdf%20\">Ergebnisse einer Studie der Ruhruniversit&auml;t Bochum [PDF &ndash; 484 KB]<\/a> &uuml;ber die Zusammensetzung von extern (mit)besetzten Hochschulr&auml;ten an deutschen, schweizerischen und &ouml;sterreichischen Hochschulen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nIn einer von der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung gef&ouml;rderten und in Kooperation mit der Gemeinsamen Arbeitsstelle RUB\/IGM durchgef&uuml;hrte Kurzstudie der Ruhruniversit&auml;t Bochum wird u.a. Fragen nach der Stellung, der Zusammensetzung, den Kompetenzen und den Arbeitsstrukturen der Hochschulr&auml;te in der reformierten Hochschullandschaft nachgegangen. Die empirische Grundlage dieses Berichts bildet zum einen eine zwischen Juli und September 2007 durchgef&uuml;hrte postalische Befragung von Rektoren und Pr&auml;sidenten deutscher, &ouml;sterreichischer und Schweizer Hochschulen. Insgesamt wurden 231 Hochschulen befragt. Die Nettor&uuml;cklaufquote, also der Anteil der befragten Hochschulen, die den Fragebogen beantwortet und einen Hochschulrat gebildet haben, betrug 81%. Der Datensatz, mit dem gearbeitet wurde, umfasst also insgesamt 166 Hochschulen. Das in der Studie ausgewiesene erkenntnisleitende Interesse war zumindest auch, den Einfluss der Gewerkschaften und der Arbeitnehmerschaft in den Hochschulr&auml;ten zu identifizieren.<\/p><p>Das Ergebnis ist aus gewerkschaftlicher Sicht niederschmetternd: Vertreter aus Gewerkschaften sind im Vergleich zu jenen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in den neu geschaffenen Steuerungsgremien der bundesdeutschen Hochschulen mit 3%  nur marginal vertreten. In Berlin sind 5, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen jeweils 2, in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen jeweils 1 Gewerkschaftsvertreter in den Hochschulr&auml;ten vertreten. In den &uuml;brigen L&auml;ndern &ndash; vor allem in Baden-W&uuml;rttemberg und Bayern, wo schon seit 1998 bzw. 2000 Hochschulr&auml;te eingef&uuml;hrt wurden &ndash; gar keiner.  <\/p><p>In Berlin erkl&auml;rt sich die signifikant h&ouml;here Zahl dadurch, dass dort die Beteiligung von Gewerkschaftern als Sozialpartner im Hochschulgesetz festgeschrieben ist. Aber durch die in Berlin eingef&uuml;hrte &bdquo;Erprobungsklausel&ldquo;, ruhen derzeit die Kuratorien und einige der Gewerkschafter sind dort, statt im regul&auml;ren nur noch im &bdquo;Ruhenden Kuratorium&ldquo; vertreten. Die befragten gewerkschaftlichen Repr&auml;sentanten bem&auml;ngeln geschlossen, &bdquo;durch dieses Erprobungskonzept faktisch aus der aktiven Arbeit in den Hochschulr&auml;ten ausgeschlossen zu sein, (das sei) ein Widerspruch zu der urspr&uuml;nglichen Intention des Berliner Hochschulgesetzes, alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen in den Hochschulr&auml;ten zu repr&auml;sentieren.&ldquo; Von den insgesamt 14 Gewerkschaftsvertretern in Hochschulr&auml;ten an Deutschlands Hochschulen bleiben also faktisch nur noch 9.<\/p><p>Aber selbst diese Zahl besch&ouml;nigt die Repr&auml;sentanz von Arbeitnehmervertretern im obersten Leitungsgremium deutscher Hochschulen. Gewerkschafter sind tendenziell eher im Hochschulrat von Hochschulen vertreten, die &uuml;ber starke gesellschaftswissenschaftliche Fachbereiche verf&uuml;gen &ndash; auf gut deutsch also etwa an Fachhochschulen f&uuml;r Sozialarbeit. An Universit&auml;ten und vor allem an Technischen Hochschulen muss man sie mit der Lupe suchen und an privaten Hochschulen sind &uuml;berhaupt keine gewerkschaftlichen Vertreter zu finden.<\/p><p>Wie schwer es f&uuml;r Gewerkschaftsvertreter ist, in einen Hochschulrat gew&auml;hlt zu werden zeigte sich erst unl&auml;ngst in der neuen Frankfurter &bdquo;Stiftungshochschule&ldquo;, offenbar hatten die Professoren Bedenken gehabt, dass ein Gewerkschafter <a href=\"?p=2897\">&bdquo;nicht gen&uuml;gend Renommee&ldquo; f&uuml;r ein Gremium wie den Hochschulrat mitbringt.<\/a><\/p><p><em><strong>Fazit der Studie:<\/strong><br>\n&bdquo;Die gewerkschaftlichen Sozialpartner sind in den Hochschulr&auml;ten deutlich unterrepr&auml;sentiert mit der Folge, dass Zielstellungen, Erfahrungen und externer Sachverstand aus der Arbeitswelt in die T&auml;tigkeitsspektren der Hochschulr&auml;te nur am Rande eingebracht werden k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Autoren erkl&auml;ren diese Marginalisierung damit, dass ganz offensichtlich die Gewerkschaften &bdquo;in der vergangenen Dekade nicht mehr &uuml;ber die gesellschaftliche Verhandlungsposition (verf&uuml;gten), diese f&uuml;r marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaften typische Tendenz von sozialen Spaltungsprozessen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft signifikant abzulindern.&ldquo;<\/p><p>V&ouml;llig anders sieht es mit der Repr&auml;sentanz der Wirtschaft in den Hochschulr&auml;ten aus:<br>\nIhre Vertreter stellen &bdquo;rund ein Drittel&ldquo; der Mitglieder. Nach einer <a href=\"http:\/\/www.idruhr.de\/detail.php?id=22029\">Studie der Universit&auml;t Duisburg- Essen<\/a> kommen 33 Prozent aus Unternehmen oder &ndash; zu einem geringen Anteil &ndash; aus Unternehmerverb&auml;nden. Was aber noch entscheidender ist: Unter den Hochschulratsvorsitzenden liegt der Anteil der Wirtschaftsvertreter bei 47 Prozent, von diesen sind 80 Prozent Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder. Kein Wunder, dass das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/News\/printpage.aspx?_p=200050&amp;_t=ftprint&amp;_b=1335790\">Handelsblatt<\/a> ziemlich triumphierend titelte: &bdquo;Manager erobern die Kontrolle an den Unis&ldquo;.<\/p><p>Zwar sitzen laut Befragung der Bochumer Studie in zwei Dritteln der Hochschulr&auml;te &bdquo;&uuml;berraschender Weise keine Vertreter aus der Wirtschaft&ldquo;. Vor allem in Hochschulen mit einem hohen Anteil an sozial ausgerichteten Fachbereichen der jeweiligen Hochschulen sind Wirtschaftsvertreter nicht oder nur selten anzutreffen. Die Studie kommt zu dem Res&uuml;mee, dass an den Universit&auml;ten (noch) &bdquo;nicht von einer Dominanz von Wirtschaftsvertretern&ldquo; zu sprechen ist. Fachhochschulen und Technische Universit&auml;ten seien &bdquo;dagegen eindeutig wirtschaftsn&auml;her&ldquo;.<\/p><p>Ein h&ouml;herer Anteil von Drittmitteln aus der Wirtschaft gehe jedoch mit einem h&ouml;heren Anteil an Mitgliedern aus der Wirtschaft an den externen Hochschulratsmitgliedern einher.<\/p><p>Auch diese neue Studie best&auml;tigt, was ich mehrfach auf den <a href=\"?p=2405\">NachDenkSeiten<\/a> herausgearbeitet habe, n&auml;mlich dass mit den neuen Hochschulgesetzen, die einen Hochschulrat als k&uuml;nftiges wichtigstes und oberstes Entscheidungsorgan einer Hochschule vorsehen, man ehrlicherweise statt von einer &bdquo;unternehmerischen&ldquo; eher von einer von Unternehmensf&uuml;hrern gesteuerten Hochschule sprechen m&uuml;sste. Dass man jedenfalls Vertreter anderer gesellschaftlich relevanten Gruppen, etwa der Kirchen, der Sozialverb&auml;nde, der Kulturschaffenden oder gar der Gewerkschaften vergeblich suchen k&ouml;nne.<br>\nDiese Voraussage habe ich schon <a href=\"?p=115\">vor genau zwei Jahren gemacht<\/a>. <\/p><p>Auch in meiner grunds&auml;tzlichen Einsch&auml;tzung der Funktion von Hochschulr&auml;ten, als funktionelle Privatisierung &ouml;ffentlicher und staatliche finanzierter Einrichtungen, f&uuml;hle ich mich best&auml;tigt: Das konzeptionelle Vorbild vieler Hochschulr&auml;te in der Bundesrepublik werde &ndash; so die Studie &ndash; anhand der Terminologie des Baden-W&uuml;rttembergischen Hochschulgesetzes (2002) besonders deutlich: Seit 2005 hie&szlig;en die Hochschulr&auml;te dort &bdquo;Aufsichtsr&auml;te&ldquo; &ndash; und der Hochschulpr&auml;sident bzw. -rektor werde als &bdquo;Vorstandsvorsitzender&ldquo; der Hochschule bezeichnet. Es verdichte sich eine Erosion der klassischen Verb&auml;ndebeteiligung, Medienvertreter und Unternehmen w&uuml;rden in vielen Politikfeldern als neue strategische Ressourcen betrachtet.<\/p><p>Die Kompetenzen der Hochschulr&auml;te gingen zu Lasten der klassisch-parlamentarischen Repr&auml;sentation gesellschaftlicher Interessen durch das Landesparlament und die Landesregierung sowie (vor allem) zu Ungunsten der Selbstverwaltung der jeweiligen Hochschule. Studierende, akademischer Mittelbau und nichtwissenschaftliche Angestellte sind nur zu jeweils zwischen 9 und 14 % (als interne Mitglieder) vertreten.<\/p><p>Dieser Trend werde in der Politikwissenschaft mit den Stichworten Personalisierung und &bdquo;Zerfaserung&ldquo; der Staatlichkeit diskutiert: &bdquo;Man k&ouml;nnte auch von einer &bdquo;Privatisierung&ldquo; der Organisationsverantwortung sprechen&ldquo;, fasst die Studie zusammen.<\/p><p>In einer kritischen Interpretation k&ouml;nne man die externe Beschickung der Hochschulr&auml;te aber auch als Ausdruck von Misstrauen gegen&uuml;ber der Hochschulautonomie, der Freiheit von Wissenschaft und Lehre gegen&uuml;ber gesellschaftlichen Partialinteressen werten.<\/p><p>Was die Aussagen der Studie &uuml;ber die Wirkungsfunktionen der Hochschulr&auml;te anbetrifft, kann man ihr allerdings keine hohe Aussagekraft zuerkennen. Befragt wurden n&auml;mlich nur die Hochschulleitungen. Das ist, um ein Bild zu gebrauchen, als w&uuml;rde man eine Schnecke nach der Funktion ihres Hauses befragen. Das geben die Autoren der Studie von sich aus zu: &bdquo;Hinsichtlich der Befragtenauswahl liegt mit den Hochschulrektoren sicherlich eine Sichtweise vor, die nur einen eingeschr&auml;nkten Ausschnitt m&ouml;glicher Wahrnehmungsweisen wiedergibt.&ldquo;<\/p><p>In der Regel ist es n&auml;mlich so, dass die Hochschulr&auml;te die ohnehin massiv gest&auml;rkte Durchgriffsgewalt  der Hochschulleitungen nur noch mehr verst&auml;rken. D.h. die Pr&auml;sidenten oder Vorstandsvorsitzenden k&ouml;nnen mit ihrem Hochschulrat im R&uuml;cken jeden Widerstand gegen ihre top-down Entscheidungen brechen, von daher versteht sich eine grunds&auml;tzlich positive Einstellung zu den Hochschulr&auml;ten von selbst.<\/p><p>Diese Top-Down-Managmentstruktur ist durchaus gewollt: M&uuml;ller-B&ouml;ling, der Chef des Bertelsmann CHE und einer der wichtigsten Protagonisten des sog. <a href=\"?p=2405\">New Public Management, hat dies  in dankenswerter Offenheit begr&uuml;ndet.<\/a> Nur durch die Wahl des Pr&auml;sidiums durch den Hochschulrat &bdquo;erh&auml;lt die Hochschulleitung gegen&uuml;ber den hochschulinternen Gremien die Unabh&auml;ngigkeit, die sie f&uuml;r ein effektives und effizientes Management ben&ouml;tigt.&ldquo;<\/p><p>Bei Hochschulr&auml;ten, die &ndash; wie die Studie zeigt &ndash; in der gro&szlig;en Zahl der Hochschulen nur einmal viertelj&auml;hrlich zusammentreten und dann durchschnittlich allenfalls rund vier Stunden tagen, hat das hauptamtliche Pr&auml;sidium einen nicht einholbaren Informationsvorsprung und kennt die m&ouml;glichen Handlungsoptionen erheblich besser als jedenfalls die externen Mitglieder des Hochschulrates. Laut Studie bieten in 63% der F&auml;lle ausschlie&szlig;lich die Rektorate die &bdquo;Unterst&uuml;tzungsstrukturen&ldquo; f&uuml;r die Hochschulr&auml;te und nur ein Drittel verf&uuml;gt &uuml;ber einen Apparat &ndash; der allerdings sehr klein sein d&uuml;rfte. <\/p><p>Die Rektorate h&auml;tten so &bdquo;de facto die Hoheit &uuml;ber die Tagesordnung&ldquo;, hei&szlig;t es in der Studie<\/p><p>Aus eigener Erfahrung und aus Gespr&auml;chen mit Hochschulratsmitgliedern einiger Hochschulen kann ich das nur best&auml;tigen: Im wirklichen Leben sieht das n&auml;mlich so aus, dass vor entscheidenden Sitzungen des Hochschulrats der Pr&auml;sident versucht, dessen Vorsitzenden in Vorgespr&auml;chen auf seine Seite zu ziehen und der Vorschlag des Pr&auml;sidenten wird dann im Hochschulrat &bdquo;durchgewinkt&ldquo;. So kann der Pr&auml;sident jeden Widerstand oder jeden seiner Position entgegenstehenden Beschluss der hochschulinternen Gremien aushebeln.<\/p><p>Dennoch m&uuml;ssten selbst unter der Einschr&auml;nkung, dass die Hochschulleitungen die Hochschulr&auml;te eigentlich nur positiv beurteilen k&ouml;nnen, ihre Aussagen &uuml;ber die Wirkungsweise der Hochschulr&auml;te f&uuml;r ihre Erfinder eine Riesenentt&auml;uschung sein:<\/p><p>Am ehesten verwirklicht sehen die Hochschulleitungen mit 57 % den &bdquo;Gewinn an externem Sachverstand&ldquo; (das w&auml;re nun auch wirklich verwunderlich, wenn Externe nicht externen Sachverstand einbringen w&uuml;rden).<\/p><p>Nur noch 33 % sehen eine &bdquo;verbesserte Entwicklung strategischer Ziele&ldquo;, 24 % eine &bdquo;verbesserte Au&szlig;enwirkung der Hochschule&ldquo;, 21% eine &bdquo;effektive Kontrolle der Umsetzung von Entscheidungen&ldquo; und 14 % eine &bdquo;bessere Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Institutionen&ldquo; als &bdquo;weitgehend verwirklicht&ldquo; an. Die Angaben wonach diese Ziele nur &bdquo;eher verwirklicht&ldquo; seien, kann man meines Erachtens getrost eine Sch&ouml;nf&auml;rberei der Hochschulleitungen nennen, jedenfalls sagen sie kaum etwas aus.<\/p><p>Die Hoffnungen auf eine &bdquo;bessere Stellung im Wettbewerb um Sponsoren und Drittmittel&ldquo; wurden jedoch offenbar am meisten entt&auml;uscht, nur 10 % der Hochschulleitungen halten dieses Ziel f&uuml;r &bdquo;weitgehend erreicht&ldquo;. <\/p><p>Der Wettbewerb um die Einwerbung von zus&auml;tzlichen privaten Mitteln, das war doch das entscheidende Motiv f&uuml;r die neue Hochschulfreiheit vom Staat und f&uuml;r die Steuerung der Hochschulen &uuml;ber die Konkurrenz auf dem Wissenschaftsmarkt. Und gerade da wurden offenbar die Erwartungen am meisten entt&auml;uscht.<\/p><p>Dieses Eingest&auml;ndnis beweist, dass all die Verfechter der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; und am besten sogar von Unternehmern gesteuerten Hochschule, nur wenig Ahnung &uuml;ber das Funktionieren einer Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft haben.<\/p><p>Dass Unternehmen oder ihre Manager kein gro&szlig;es Interesse haben, eine Hochschule ganz allgemein und in toto finanziell zu unterst&uuml;tzen, zeigte sich schon an der chronischen Unterfinanzierung der mit viel Tamtam gegr&uuml;ndeten privaten (Unternehmens-)Hochschulen. Unternehmen werden schon aus Konkurrenzgr&uuml;nden nur solche Forschungsprojekte f&ouml;rdern, von denen sie sich technologische oder sonstige betriebswirtschaftliche Vorteile versprechen. Sie werden immer nur selektiv mit solchen Wissenschaftlern kooperieren, die f&uuml;r sie relevante Forschungsgebiete bearbeiten. Eine solche Zusammenarbeit muss sich erst aufbauen und entwickelt sich dann vielleicht im Laufe eines l&auml;ngeren Abgleich der jeweiligen wissenschaftlichen Erkenntnisinteressen. <\/p><p>Entscheidungen hierf&uuml;r Geld zu investieren, werden nicht oder nur in den seltensten F&auml;llen von denjenigen Wirtschaftsvertretern getroffen, f&uuml;r deren Ernennung nach Hochschulangaben Ihre &bdquo;Reputation&ldquo; oder ihre &bdquo;&ouml;ffentliche Wahrnehmung&ldquo; bzw. &bdquo;Medienpr&auml;senz&ldquo; oder die einfach nur die Gr&ouml;&szlig;e des Unternehmens ausschlaggebend war. Entscheidungen f&uuml;r  die Vergabe von privaten Forschungsmitteln von Unternehmen, werden von den Verantwortlichen der Forschungs- oder Entwicklungsabteilungen getroffen, die einen Bezug zur Forschung oder zu Forschern haben.<\/p><p>Das Bild von einer Hochschule als ein Bauchladen des Wissens, aus dem man nur die entsprechenden Kenntnisse herauskaufen k&ouml;nnte &ndash; so sehr es auch in den K&ouml;pfen unserer Wissenschaftspolitiker verankert sein mag &ndash; ist schlicht naiv und wissenschaftsfremd.<\/p><p>Zwar best&auml;tigt die Bochumer Studie  die Hypothese, dass ein h&ouml;herer Anteil von Drittmitteln aus der Wirtschaft mit einem h&ouml;heren Anteil an Mitgliedern aus der Wirtschaft an den externen Hochschulratsmitgliedern einher geht, es k&ouml;nne allerdings nicht davon gesprochen werden, dass der Einfluss des Drittmittelaufkommens aus der Privatwirtschaft einen starken Einfluss auf den Anteil der Hochschulratsmitglieder aus der Wirtschaft hat.<\/p><p>Das hei&szlig;t: Drittmittel aus der Wirtschaft f&uuml;r die Forschung flie&szlig;en ziemlich unabh&auml;ngig davon, ob und wie viele Vertreter der Wirtschaft in den Hochschulr&auml;ten sitzen. Jedenfalls scheinen Wirtschaftsvertreter in den Hochschulr&auml;ten keine relevanten Forschungsgelder f&uuml;r &bdquo;ihre&ldquo; Hochschule zu akquirieren. <\/p><p>Das w&auml;re auch eine geradezu l&auml;cherliche Hoffnung. Das Maximum, was da erwartbar ist, sind ein paar Spenden und wenn es hoch kommt mal ein Stiftungslehrstuhl, der nach wenigen Jahren dann wieder vom Steuerzahler weiterfinanziert werden darf. <\/p><p>Nein, das Interesse der Wirtschaft und ihrer Vertreter in den Hochschulr&auml;ten ist ein ganz anderes, ein strategisches Interesse: Die Wirtschaft m&ouml;chte wie das der Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, der den Arbeitskreis Hochschule bei der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber (BDA) leitet im schon zitierten Handelsblatt sagte, eine engere Kooperation zwischen Besch&auml;ftigungs- und Bildungssystem. In den Hochschulr&auml;ten &bdquo;kooperieren Besch&auml;ftigungs- und Bildungssystem ganz eng und ganz praktisch.&ldquo; D.h. es geht um die  Anpassung der Studieng&auml;nge an den Qualifikationsbedarf der Wirtschaft etwa auch durch Bachelor-Studieng&auml;nge f&uuml;r die Masse der Studierenden und Master-Studieng&auml;nge f&uuml;r wenige.<\/p><p>Es geht weiter um die Steuerung des Ausbaus der Forschungs- und der Studienrichtungen und der Forschungs- und Studieninhalte an die Bedarfslage der Wirtschaft auf einer ganz allgemeinen Ebene. Und es geht schlie&szlig;lich um die &Uuml;bertragung von unternehmerischen Strukturen auf eine nach wie vor weitgehend &ouml;ffentlich finanzierte Hochschule. <\/p><p>Das alles wird zwar die &bdquo;universitas litterarum&ldquo;, will sagen,  die Einheit von Lehre und Forschung und die Idee einer allseitigen humanistischen Bildung an unseren &bdquo;hohen Schulen&ldquo; zerst&ouml;ren, aber das ganze Konstrukt der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule ist derart wissenschaftsfremd und entspricht den komplexen Organisationszusammenh&auml;ngen einer Hochschule so wenig, dass auch angesichts der mangelnden Fachkompetenz der Hochschulr&auml;te &ndash; so der Schlusssatz der Studie &ndash;  eher ein &bdquo;Durchwursteln&ldquo; als ein &bdquo;Durchregieren&ldquo; zu erwarten ist.<\/p><p>Das ist schlimm genug, l&auml;sst aber auch Hoffnung auf bessere Einsichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitglieder externer Hochschulr&auml;te werden mit jeweils einem runden Drittel aus der Wirtschaft und der Wissenschaft rekrutiert, wobei auf Seiten der Wirtschaft die Vertreter von Gro&szlig;unternehmen dominieren. W&auml;hrend an Universit&auml;ten die Gro&szlig;unternehmen eindeutig dominieren, werden insbesondere an Fachhochschulen, aber auch bei privaten und technischen Hochschulen die Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen mit regionalem Bezug wichtiger.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2959\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[122,109,17],"tags":[231,235,453,986,568,565],"class_list":["post-2959","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demoskopieumfragen","category-gewerkschaften","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-che","tag-drittmittel","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-hochschulautonomie","tag-hochschulraete","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2959"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29189,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2959\/revisions\/29189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}