{"id":29679,"date":"2015-12-22T09:15:06","date_gmt":"2015-12-22T08:15:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29679"},"modified":"2019-01-30T11:25:22","modified_gmt":"2019-01-30T10:25:22","slug":"eisenbergs-jahresrueckblick-von-algorithmen-erinnerung-pegida-resilienz-und-woelfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29679","title":{"rendered":"Eisenbergs Jahresr\u00fcckblick: Von Algorithmen, Erinnerung, Pegida, Resilienz und W\u00f6lfen"},"content":{"rendered":"<p>Der Sozialwissenschaftler, Publizist, Gef&auml;ngnispsychologe und regelm&auml;&szlig;ige NachDenkSeiten-Gastautor <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29679#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] wagt in diesem Jahr einen &bdquo;etwas anderen Jahresr&uuml;ckblick&ldquo;. Heute pr&auml;sentieren wir Ihnen den ersten Teil, morgen folgt der zweite Teil unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29703\">Von Laubbl&auml;sern, Smartphones, menschlicher W&uuml;rde und Mitleid im Winter<\/a>&ldquo;.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8743\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-29679-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=29679-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"151222_Eisenbergs_Jahresrueckblick_1_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>1. Januar 2015<\/strong><\/p><p>In der Silvesternacht gab es 36 Tote in Schanghai. 25 Minuten vor Mitternacht brach eine Panik aus unter den Hunderttausenden, die sich zu einer Silvesterparty an der Uferpromenade eingefunden hatten. Ausl&ouml;ser der Panik sollen nachgemachte 100 Dollarnoten gewesen sein, die pl&ouml;tzlich &bdquo;wie Schnee vom Himmel fielen&ldquo;. Sie trugen den Aufdruck &bdquo;MP 18&ldquo; und &bdquo;Neujahr 2015&ldquo;. Eine Werbeidee des luxuri&ouml;sen Clubs M 18. &bdquo;Da wird Geld geworfen&ldquo;, riefen die Leute und glaubten an einen unverhofften Dollar-Regen. Die Menschen ersticken im Gedr&auml;nge, werden zerquetscht oder totgetrampelt. <\/p><p><strong>28. Januar 2015<\/strong><\/p><p>Nikos Kotzias ist seit ein paar Tagen griechischer Au&szlig;enminister. Er hat Ende der 1960er Jahre in Gie&szlig;en studiert und war damals Sekret&auml;r der F&ouml;deration der griechischen Studentenvereinigungen in Deutschland sowie der Koordinationsstelle der gegen die Diktatur gerichteten Studentenorganisationen. Wir haben zusammen politikwissenschaftliche Seminare besucht und auch sonst im Kontext der antiautorit&auml;ren Bewegung einiges miteinander zu tun gehabt. Ich war mit Nikos Anfang der 1970er Jahre beim damaligen Bundespr&auml;sident Heinemann und dem Entwicklungshilfeminister Erhard Eppler in der Villa Hammerschmidt in Bonn zu einem Gespr&auml;ch &uuml;ber Entwicklungshilfe eingeladen. Gustav Heinemann suchte den Dialog mit der unruhigen Jugend und war bem&uuml;ht, ihre Motive zu verstehen. Mit uns war damals nicht gut Reden. Entwicklungshilfe war f&uuml;r uns&nbsp;als Unterst&uuml;tzung getarnter Imperialismus, sonst nichts. Nikos sah mit seinem dunklen Teint, seinen langen schwarzen Locken, seinem Bart und der Baskenm&uuml;tze aus wie ein Che Guevara-Double. Wir sa&szlig;en dem freundlichen Gustav Heinemann direkt gegen&uuml;ber, was unsere Angriffslust etwas milderte. Wir haben seine tollen Zigarren, mit denen wir uns die Taschen vollgestopft haben, noch wochenlang geraucht. In der Entmischung der Revolte gingen wir verschiedene Wege. Nikos schlug sich auf die Seite der &ldquo;Revisionisten&rdquo;, wie damals die Anh&auml;nger der Sowjetunion absch&auml;tzig genannt wurden, ich wurde f&uuml;r ein halbes Jahr Maoist, dann ein sogenannter Sponti. Nikos ging nach dem Ende der Milit&auml;rdiktatur nach Griechenland zur&uuml;ck und wurde Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands und Professor f&uuml;r Politikwissenschaft. Ich verlor ihn aus den Augen, habe aber gute Erinnerungen an ihn und unsere n&auml;chtlichen Besuche im <em>Scarabee<\/em>, einer Gie&szlig;ener Diskothek. Dieser Tage sah ich Nikos in der Tagesschau. Er nahm am EU-Au&szlig;enminister-Treffen in Br&uuml;ssel teil und ich staunte dar&uuml;ber, wie dick er geworden ist. Der Che von damals ist unter veritablen Fettschichten verschwunden. Fett gewordene Rock&rsquo;n Roller und Revolution&auml;re sind ein peinlicher Anblick. Au&szlig;erdem trug er, anders als sein Chef Tsipras, zum Anzug auch noch einen Schlips. Ich habe gelernt, dass man sich vor M&auml;nnern in Anz&uuml;gen und vor allem mit Schlipsen in Acht nehmen muss. Hoffentlich h&auml;lt Nikos das alte Double noch irgendwo in sich verborgen.<\/p><p><strong>Mittwoch, der 28. Januar 2015<\/strong><\/p><p>Als ein Reporter eine Pegida-Demonstrantin darauf hinweist, dass der Anteil der Muslime an der Bev&ouml;lkerung Dresdens bei 0,4 Prozent liege, erwidert diese prompt: &bdquo;Das seh ich anders.&ldquo; Da ist er mal wieder, dieser eigenartige antipositivistische Hegelianismus der Rechten: Wenn zwischen meiner Meinung und den Tatsachen Differenzen bestehen: umso schlimmer f&uuml;r die Tatsachen!  In der Talkshow von  Maybrit Illner ist mir das unl&auml;ngst schon einmal begegnet. Die AFD war anwesend in Gestalt ihres sch&ouml;nen Gesichts, Frauke Petry aus Sachsen, die in letzter Zeit in vielen Talkshows zu sehen und zu h&ouml;ren war. Sie bestritt rundweg in einem mir beinahe sympathischen Antipositivismus die Forschungsergebnisse von Wilhelm Heitmeyer &uuml;ber die Verbreitung ausl&auml;nder- und insgesamt menschenfeindlicher Einstellungen im deutschen Osten und sagte einfach: &bdquo;Das bestreite ich, das stimmt nicht mit meinen Erfahrungen &uuml;berein!&ldquo; <\/p><p>Das sind zwei Beispiele f&uuml;r die Ohnmacht des aufkl&auml;rerischen Ansatzes, der davon ausgeht, man m&uuml;ssen die Leute blo&szlig; mit den sogenannten Fakten konfrontieren und schon lie&szlig;en sie von ihren falschen Meinungen ab. Vorurteile sind keine blo&szlig;en Fehlinformationen, sondern denktechnische Verh&uuml;tungsmittel, die ihren Tr&auml;ger davor sch&uuml;tzen, sich von der Wirklichkeit aus dem Konzept bringen zu lassen. Vorurteile sind gegen die Realit&auml;t und Korrekturen durch sie perfekt abgeschottet. Vorurteilsbeladene Menschen sind immer bestrebt, ihre Meinung zu validieren. Dazu blenden sie st&ouml;rende Elemente einfach aus. Harald Welzer hat dazu in der FAS vom 25. Januar 2015 geschrieben: Vorurteile sind Orientierungsmarken und Wegweiser in einer komplexen Welt, weshalb man gern an ihnen festh&auml;lt, insbesondere dann, wenn sie den Vorteil aufweisen, die Welt widerspruchsfrei zu erkl&auml;ren.&ldquo; <\/p><p>Wenn s&auml;chsische B&uuml;rger gelegentlich eine Angst vor &bdquo;&Uuml;berfremdung&ldquo; artikulieren, kann dieses Gef&uuml;hl ja nicht auf die Anwesenheit einer verschwindend kleinen Gruppe von Muslimen zur&uuml;ckgehen. Wenn die ehemalige DDR von irgendetwas &bdquo;&uuml;berfremdet&ldquo; wurde, dann durch die nach der sogenannten Wende eingef&uuml;hrten kapitalistischen Verh&auml;ltnisse, die sich wie ein Alp auf das Leben der Menschen gelegt und es in eine eisige Gletscherlandschaft verwandelt haben. Heiner M&uuml;ller hat diesen Prozess nach der sogenannten Wiedervereinigung in einem Interview mit der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> so beschrieben: &bdquo;Eine Fahrt durch Mecklenburg: an jeder Tankstelle die Siegesbanner der &Ouml;lkonzerne, in jedem Dorf statt der gewohnten Schreibwaren McPaper &amp; Co.&ldquo;<\/p><p>Das &bdquo;Fremde&ldquo;, von dem die Menschen sich bedroht f&uuml;hlen, ist die Teufelsm&uuml;hle des Kapitals selbst, in der die einheimischen Industrien und tradierte Lebensformen zermahlen wurden. Da man aber gegen &bdquo;kapitalistische Verh&auml;ltnisse&ldquo; und undurchsichtige, anonyme finanzielle Abstraktionen nicht handgreiflich vorgehen kann, zieht man es vor, sich an &bdquo;die Fremden&ldquo; zu halten.<\/p><p><strong>12. Februar 2015<\/strong><\/p><p>Heute Morgen beim H&ouml;ren der Nachrichten wieder mein Befremden dar&uuml;ber, wie ruhig wir uns angesichts der wachsenden Kriegsgefahr verhalten. Wenn in Minsk keine praktikable Einigung erzielt wird, droht der innerukrainische Konflikt zu eskalieren und sich zu einem europ&auml;ischen Krieg auszuweiten. Und in diesem k&ouml;nnen dann auch Atomwaffen zum Einsatz kommen. Ist die Schwelle zum Krieg erst mal &uuml;berschritten, wird niemand verhindern k&ouml;nnen, dass von der unterlegenen Seite irgendwann auch Atomwaffen eingesetzt werden. Als nach dem NATO-Doppelbeschluss neue Pershing-Raketen in Europa stationiert wurden, gingen Anfang der 1980er Jahre Hunderttausende auf die Stra&szlig;e. 300 000 Menschen versammelten sich im Oktober 1981 im Bonner Hofgarten. Ich bin damals mit vielen anderen Gie&szlig;enern in einem Sonderzug nach Bonn gefahren, und wir h&ouml;rten die Ansprachen von Albertz, B&ouml;ll, Petra Kelly, Eppler und vor allem von Coretta Scott-King, der Ehefrau von Marin Luther King, der ja 1968 in Memphis ermordet worden war. Am fr&uuml;hen Morgen kehrten wir m&uuml;de, aber auch euphorisiert von dem Massenerlebnis nach Hause zur&uuml;ck. Damals existierte noch eine wie immer zersplitterte Linke, die sich auf Jahre nahezu ausschlie&szlig;lich mit Friedensthemen befasste. Die Lage heute scheint mir viel dramatischer, die Gefahr greifbarer, und gleichzeitig herrscht vollkommene Agonie, eine stupor&ouml;se Erstarrung. Oder ist es Indifferenz, Abstumpfung, Resignation oder von allem ein bisschen? <\/p><p><strong>15. Februar 2015<\/strong><\/p><p>Mein Eindruck ist: Der Karneval befindet sich auf dem absteigenden Ast. Herrschte in fr&uuml;heren Jahren rund um die Ludwigstra&szlig;e in Gie&szlig;en von Donnerstag bis Faschings-Dienstag ein zwischen ausgelassener Fr&ouml;hlichkeit und blinder Aggression schwankender Ausnahmezustand, war die Situation dieses Jahr, sieht man mal vom sonnt&auml;glichen Festzug ab, von einem normalen Wochenende kaum zu unterscheiden. Im Radio h&ouml;rte ich, dass auch in den Karnevalshochburgen am Rhein ein Schwund der n&auml;rrischen Begeisterung beobachtet wurde. Woran k&ouml;nnte das liegen? Der Karneval lebte vom Kontrast zur Strenge des normalen Alltags. F&uuml;r ein paar Tage verkehrten sich die Regeln der Macht, die gewohnte Ordnung wurde au&szlig;er Kraft gesetzt, um nach einer befristeten Entregelung und Entgrenzung zu ihr zur&uuml;ckzukehren. Inzwischen ist, etwas &uuml;berspitzt gesagt, das ganze Jahr &uuml;ber Fasching. Die Spa&szlig;- und Partygesellschaft bedarf keiner befristeten Aussetzung von Normen mehr, weil sie keine mehr kennt. W&auml;re sie auf der Suche nach ihrem Gegenteil, m&uuml;sste sie eigentlich eine Art von Antikarneval hervorbringen: f&uuml;nf Tage der Besinnung, der Askese und der Stille. F&uuml;nf Tagen m&uuml;ssten sich alle an die Regeln halten, deren Geltung den ganzen Rest des Jahres &uuml;ber ausgesetzt zu sein scheint. F&uuml;nf Tage ohne Handy, Smartphone, Facebook und Whatsapp, Tage voller gegenseitiger R&uuml;cksichtnahme und H&ouml;flichkeit.<\/p><p><strong>9. Februar 2015<\/strong><\/p><p>Bei Aldi an der Kasse legt ein Mann hinter mir eine &Uuml;berwachungskamera aufs Band. Mit seiner Frau ber&auml;t er, wo man sie am besten anbringen kann. Man scheint bereits mehrere Kameras in Betrieb zu haben und m&ouml;chte Sicherheitsl&uuml;cken schlie&szlig;en. Man r&uuml;stet nach. Es geht, so h&ouml;re ich raus, um die &Uuml;berwachung des Carports, der bisher nicht im Blickfeld der Kameras zu liegen scheint. Immer mehr Eigenheime werden zu Festungen ausgebaut. Ums Grundst&uuml;ck hohe Z&auml;une und Draht, Bewegungsmelder im Ein- und Zugangsbereich, Kameras &uuml;ber der Haust&uuml;r und zum Garten hin. Hinter der Haust&uuml;r innen stehen Tr&auml;nengas und Pfefferspray oder andere Waffen bereit. Unter der befriedeten Oberfl&auml;che des Alltags herrscht Krieg. <\/p><p><strong>16. Februar 2015<\/strong><\/p><p>Letztes Wochenende habe ich davon  gelesen, dass es Catering-Unternehmen gibt, die schmutziges Geschirr (Pfannen, T&ouml;pfe usw.) zum Buffet mitliefern, damit es f&uuml;r die G&auml;ste so aussieht, als h&auml;tte man das Essen selbst zubereitet. Man kann dann die G&auml;ste beil&auml;ufig in die K&uuml;che lotsen und sagen: &bdquo;Oh Gott, entschuldigt, dass es hier so aussieht, ich bin noch nicht dazu gekommen, den Abwasch zu machen!&ldquo;<br>\nDieses Wochenende las ich in der <em>Frankfurter Sonntagszeitung<\/em>, dass es in New York einen Sch&ouml;nheitschirurgen namens Norman Rowe gibt, der Br&uuml;ste f&uuml;r 24 Stunden vergr&ouml;&szlig;ert. F&uuml;r ein paar Stunden k&ouml;nnen Frauen dann auf einer Party oder bei einer Hochzeit einen &uuml;ppigen Busen pr&auml;sentieren, dann l&ouml;st sich der Effekt wieder in Luft auf. Er spritzt den Frauen eine Kochsalzl&ouml;sung ins Brustgewebe. &bdquo;Das ist v&ouml;llig harmlos, man scheidet die L&ouml;sung mit dem Urin wieder aus&ldquo;, erkl&auml;rte der Chirurg. Er betrachte das als Testlauf f&uuml;r eine nachfolgende chirurgische Brustvergr&ouml;&szlig;erung. Auch vollere Wangen und ein rundes Kinn kann man sich auf diese Weise stundenweise zulegen. 2500 Dollar berechnet der Chirurg f&uuml;r die Injektionen. Die Kundinnen stammen &ndash; wen wundert&lsquo;s? &ndash; aus Manhattans Oberschicht. Sumpfbl&uuml;ten der Konsumgesellschaft.<\/p><p><strong>28. Februar 2015<\/strong><\/p><p>Dating-Apps, berichtet die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> vom 28. Februar\/1. M&auml;rz 2015, treten mehr und mehr an die Stelle traditioneller Flirt- und Anmach-Praktiken. Es gibt einige, aber Tinder ist die bekannteste Dating-App der Welt, allein in Deutschland nutzen sie zwei Millionen Menschen. Das Programm kann kostenlos runtergeladen werden, die Anmeldung funktioniert nur mit einem Facebook-Profil. Aus diesem zieht sich Tinder die Daten: f&uuml;nf Profilbilder, Freundesliste, Gef&auml;llt-mir-Angaben, Alter, Geschlecht. Via GPS sucht das Programm nach passenden Kandidaten in der Umgebung. &hellip; So simpel das System, so simpel die Spielregeln. Nach links wischen hei&szlig;t &bdquo;Nein Danke, verschwinde, weg mit dir ins digitale Nirwana.&ldquo; Nach rechts wischen bedeutet &bdquo;Ja, kann was, ab in den Warenkorb.&ldquo; Das Praktische daran: Ist man nicht erw&uuml;nscht, gibt es auch keine Benachrichtigung. Wenn sich zwei Nutzer aber gegenseitig nach rechts wischen, ergibt das ein sogenanntes <em>Match<\/em> &ndash; und nur dann kann man miteinander chatten. Diese Form der Beziehungsanbahnung schafft die Furcht vor Zur&uuml;ckweisung ab, sagt der Tinder-Erfinder Sean Rad. Dating-Apps bieten eine Art von Versicherung gegen Ablehnung. Bei Amazon einkaufen, bei Tinder einen Partner suchen. So l&auml;uft das heute. Warum sollte eine Gesellschaft, die alles und jedes in eine Ware verwandelt, vor der Intimsph&auml;re halt machen? Die Mentalit&auml;t des Tausches und der Austauschbarkeit findet die ihr gem&auml;&szlig;e Technik. Und <em>Big Brother<\/em> ist nat&uuml;rlich bei diesen Treffen immer mit von der Partie, aber die Leute haben ja, wie sie beteuern, &bdquo;nichts zu verbergen&ldquo;. Leute, die nichts zu verbergen haben, tun mir leid.<\/p><p>Sch&ouml;ne neue Welt! Das Bemerkenswerteste an der sch&ouml;nen, neuen digitalen Welt ist, dass sie es fertig bringt, dass man in der H&ouml;lle lebt und diese H&ouml;lle gleichzeitig f&uuml;r den Himmel h&auml;lt. Die Leute erleben ihre Totalerfassung und &ndash;kontrolle als intimste ihrer Leidenschaften. Die Leute stehen Schlange, um ihren Kopf freiwillig unter die Guillotine zu legen, wie es bei Eggers hei&szlig;t.<\/p><p><strong>Samstag, der 7. M&auml;rz 2015<\/strong><\/p><p>Drei kleine M&auml;dchen, vielleicht Geschwister, sitzen auf einem M&auml;uerchen vor einem Kaufhaus. Wahrscheinlich warten sie auf ihre Eltern. Die &Auml;lteste der drei bl&auml;ttert in einem Buch und liest den anderen vor: &bdquo;Bei Facebook gibt es insgesamt 125 Milliarden Freundschaften.&ldquo;<\/p><p><strong>Samstag, der 14. M&auml;rz 2015<\/strong><\/p><p>Mitten in der Pegida-Diskussion und den st&auml;ndigen Appellen an die Toleranz sto&szlig;e ich auf folgende S&auml;tze von Goethe: &bdquo;Toleranz sollte eigentlich nur eine vor&uuml;bergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung f&uuml;hren. Dulden hei&szlig;t beleidigen.&ldquo; <\/p><p><strong>Sonntag, der 15. M&auml;rz 2015<\/strong><\/p><p>In der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom Wochenende (14.\/15. M&auml;rz 2015) findet sich unter der &Uuml;berschrift <em>Illusion der St&auml;rke<\/em> ein Artikel von Christina Berndt zum Thema <strong><em>Resilienz<\/em><\/strong>. Die Fehlzeiten wegen psychischer Leiden sind in Deutschland von rund drei&szlig;ig Millionen Tagen im Jahr 2001 auf zuletzt mehr als 60 Millionen angewachsen. Die Weltgesundheitsorganisation hat den Stress zu einer der gr&ouml;&szlig;ten Gefahren des 21 Jahrhunderts erkl&auml;rt. Nicht nur in der Bev&ouml;lkerung, auch bei Arbeitgebern ist das Thema Resilienz angekommen &ndash; jene faszinierende psychische Widerstandskraft, die Menschen instand setzt, Stress auszuhalten, Krisen zu &uuml;berwinden und nach Niederschl&auml;gen wieder aufzustehen. Der Boom des Themas passt auch den Wirtschaftsbossen ins Konzept. Neuerdings nutzen immer mehr Firmen Konzepte zur Steigerung der psychischen Widerstandskraft. Dabei ist das Prinzip Resilienz eigentlich nicht dazu gedacht gewesen, Menschen f&uuml;r die Arbeit fit zu machen und f&uuml;rs B&uuml;ro zu dressieren, sondern sie im Umgang mit den Herausforderungen ihres Lebens zu st&auml;rken. Die Zahl der Unternehmen w&auml;chst, die ihren Belegschaften Resilienz-Trainings anbieten. Belegschaften sollen lernen, mit immer st&auml;rkeren Belastungen umzugehen und die Produktivit&auml;t ihrer Arbeit zu steigern. Es scheint, als h&auml;tten Unternehmer die Herkunft des neuen Zauberworts zu intensiv studiert. Es stammt aus der Materialwissenschaft und beschreibt Stoffe, die auch nach extremen Verformungen wieder in ihren Ausgangszustand zur&uuml;ckkehren. Arbeiter und Angestellte sind aber kein Material, das sich von allen Schl&auml;gen, die die Chefs ihnen zuf&uuml;gen, schnell wieder zu erholen hat. Sogenannte Arbeitgeber  nutzen die Trainings nur, um ihren Leuten noch mehr aufb&uuml;rden zu k&ouml;nnen. Ihre Belastbarkeit soll erh&ouml;ht werden.<\/p><p><strong>Dienstag, der 24. M&auml;rz 2015<\/strong><\/p><p>Immer &ouml;fter begegne ich in der Stadt Gruppen von Arbeitern, die Overalls oder Jacken tragen, auf die der Name der Firma oder ihr Logo aufgedruckt ist. Mitarbeiterinnen von B&auml;ckereien und anderen Gesch&auml;ften und Kaufh&auml;usern werden in bunte Kittel gesteckt. Die Einheitskleidung soll den &bdquo;Teamgeist f&ouml;rdern&ldquo;, die Identifikation mit dem Arbeitgeber und gilt als Zeichen einer &bdquo;gemeinsam gelebten Unternehmensphilosophie&ldquo;. Die Vorteile einer einheitlichen Kleidung der Mitarbeiter f&uuml;r Unternehmen liegen auf der Hand: sie steigert den Profit. Solange der Ostblock existierte, h&auml;tte man so etwas nicht gewagt. Man h&auml;tte die Parallelen gescheut. Jetzt muss man solche Vergleiche nicht mehr f&uuml;rchten und legt Scham und Hemmungen ab. Ungeniert gibt man den Arbeitern das Aussehen von Str&auml;flingskolonnen und markiert sie als Firmeneigentum. <\/p><p><strong>Dienstag, der 14. April 2015<\/strong><\/p><p>In der FAS vom 12. April 2015 findet sich ein Artikel &uuml;ber meditierende und Yoga betreibende Banker und Manager. In Washington erregten dreihundert Banker Aufsehen, als sie zusammen mit dem Pr&auml;sidenten der Weltbank, Jim Yong Kim, dem Zen-M&ouml;nch Thich Nhat Hanh und zwanzig seiner in braune Roben gekleideten Mitbr&uuml;dern eine &bdquo;Gehmeditation&ldquo; mitten in Downtown veranstalteten. Beim World Economic Forum in Davos, bei dem jedes Jahr die M&auml;chtigsten und Reichsten der Welt zusammentreffen, stand morgens um acht eine gut besuchte Achtsamkeitsmeditation auf dem Programm, die der amerikanische Meditationslehrer Jon Kabat-Zinn leitete. Goldman-Sachs-Vorstand William George wies in Davos darauf hin, dass inzwischen Hunderte von Investmentbankern an der Wallstreet regelm&auml;&szlig;ig meditieren. Auch die Deutsche Bank und die EZB sollen mit Meditationsgruppen experimentieren. Insgesamt ist eine ganze Yoga-Industrie entstanden, die weltweit 80 Milliarden Dollar umsetzt und riesige Gewinne abwirft. In Deutschland sollen f&uuml;nf Millionen Menschen regelm&auml;&szlig;ig Yoga betreiben und daf&uuml;r viel Geld ausgeben. Marktf&uuml;hrer ist die Yogakette <em>Yoga-Vidya<\/em>, die ihren Hauptsitz in Bad Meinberg im Teutoburger Wald hat. 10 Millionen Euro setzt der Inhaber Volker Bretz j&auml;hrlich um &ndash; mit 300 Studios, CDs und einer eigenen Kosmetikserie. Es gibt Yoga-Kurse f&uuml;r alle m&ouml;glichen Zielgruppen: Es gibt Yoga f&uuml;r Schwangere, f&uuml;r Singles und junge M&uuml;tter, f&uuml;r Frauen in den Wechseljahren und Senioren, f&uuml;r M&auml;nner oder Babys, Poweryoga f&uuml;r gestresste Manager in der Mittagspause und besondere Programme f&uuml;r Paare.<\/p><p>Wie kann man das deuten? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Kapitalismus und Buddhismus? Es ist h&ouml;chste Zeit, Max Webers Studie &uuml;ber die <em>Protestantische Ethik<\/em> fortzuschreiben und zu fragen, welche Form der Religiosit&auml;t zu welcher Stufe der kapitalistischen Entwicklung passt. Die protestantische Ethik schien Weber der mentale, ideologische Treibstoff der beginnenden kapitalistischen Akkumulation zu sein, die auf Sparsamkeit setzte und den erzielten Gewinn reinvestierte. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Buddhismus und dem hochfluiden, spekulativen Kapital der Gegenwart? Wie kommt es zu der perversen Verschmelzung von Spiritualit&auml;t und Kapitalismus, die wir gegenw&auml;rtig erleben? Die Anforderungsstruktur des Finanzkapitalismus der Gegenwart scheint jedenfalls eher mit fern&ouml;stlicher Spiritualit&auml;t oder dem, was man daf&uuml;r h&auml;lt, kompatibel zu sein, als mit der puritanischen Zwangsneurose vergangener Stufen der kapitalistischen Entwicklung. <\/p><p>Die Medienunternehmerin Arianna Huffington begr&uuml;ndet die Begeisterung der Firmen f&uuml;r Yoga und Meditation so: &bdquo;Das, was f&uuml;r uns als Individuen gut ist, ist auch f&uuml;r die amerikanischen Unternehmen gut.&ldquo; Der Buddhismus treibt die Dialektik von Selbstverwirklichung und totaler Inanspruchnahme durch die Firma auf die Spitze, die in der neuen Unternehmenskultur ohnehin schon seit L&auml;ngerem angelegt ist. Dem erleuchteten Angestellten verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Leben, B&uuml;ro und Privatsph&auml;re. Bisher war das B&uuml;ro nur in die sozialen, kulturellen und psychischen Schichten der Angestellten-Person vorgedrungen, nun k&ouml;nnte es auch noch ihre metaphysische Seite erobern und sie damit vollends in Besitz nehmen. Der sogenannte Flow, englisch f&uuml;r &bdquo;Flie&szlig;en, Rinnen, Str&ouml;men&ldquo;, bezeichnet das als begl&uuml;ckend erlebte Gef&uuml;hl eines mentalen Zustandes v&ouml;lliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer T&auml;tigkeit, die wie von selbst vor sich geht und keinen Anfang und kein Ende kennt. Die Unternehmen bedienen sich fern&ouml;stlicher Spiritualit&auml;t, um ihre B&uuml;rowichtel in diesen f&uuml;r sie &auml;u&szlig;erst profitablen Zustand zu versetzen. <\/p><p><strong>Dienstag, der 14. April 2015<\/strong><\/p><p>Am Montag, am gleichen Tag wie G&uuml;nter Grass, ist der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano gestorben, aus dessen Buch <em>Die offenen Adern Lateinamerikas<\/em> meine Generation ihr Wissen &uuml;ber die Strukturen der Unterentwicklung des lateinamerikanischen Subkontinents bezog. Ich bl&auml;ttere in seinem nicht so bekannten Buch <em>Die F&uuml;&szlig;e nach oben<\/em> und sto&szlig;e auf folgende Passage unter der &Uuml;berschrift <em>F&uuml;r ein Seminar in Strafrecht<\/em>: &bdquo;Im Jahre 1986 besuchte ein mexikanischer Abgeordneter das Gef&auml;ngnis von Cerro Hueco in Chiapas. Dort traf er einen Tzotzil-Indio, der seinem Vater die Kehle durchgeschnitten hatte und zu drei&szlig;ig Jahren Haft verurteilt worden war. Der Abgeordnete fand jedoch heraus, dass der verstorbene Vater seinem gefangenen Sohn jeden Tag zum Mittagessen Tortillas und Bohnen brachte. Jener Tzotzil-Gefangene war auf Spanisch verh&ouml;rt worden, eine Sprache, die er kaum oder gar nicht verstand, und nach einer ordentlichen Tracht Pr&uuml;gel hatte er gestanden, eine Tat begangen zu haben, die man Vatermord nennt.&ldquo;<\/p><p><strong>Donnerstag, der 16. April 2015<\/strong><\/p><p>Computer und Algorithmen &uuml;bernehmen den Geld- und Finanzmarkt. Sie steuern Transaktionen in einer Geschwindigkeit, die f&uuml;r Menschen nicht mehr nachvollziehbar ist. Wertpapiere werden inzwischen nicht mehr im Sekundentakt transferiert, sondern im Nanosekundenbereich. Das Ganze hat sich vom Menschen emanzipiert, der nur noch als Zuschauer dabei ist &ndash; und irgendwann als Opfer. Damit wird die Erscheinungsweise des Geldes seinem Begriff ad&auml;quat: Sich verwertender Wert, automatischer Fetisch, Geld heckendes Geld. Experten fordern seit Langem, diesen computergest&uuml;tzten Hochfrequenzhandel zu verbieten. Er bietet gewieften Hackern ungeahnte M&ouml;glichkeiten, das System kollabieren zu lassen und damit eine Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausma&szlig;es heraufzubeschw&ouml;ren.<\/p><p><strong>Samstag, der 18. April 2015<\/strong><\/p><p>Auf dem Spielplatz am Citycenter m&ouml;chte ein zweieinhalbj&auml;hriger Junge einen gepflasterten, sanft gerundeten H&uuml;gel erklimmen, der vielleicht einen halben Meter hoch ist. Prompt st&uuml;rzt seinen Mutter herbei und ruft panisch: &bdquo;Nein, Liam, da kannst du dir wehtun!&ldquo;  Sie ergreift seine Hand und zieht ihn zur&uuml;ck vom Mount Everest in die Niederungen des weichen Sandes.<\/p><p>Jetzt d&uuml;rfen Kinder sich nicht einmal mehr wehtun, dachte ich beim Weitergehen. Kein Wunder, dass sie sp&auml;ter in ihren motorischen F&auml;higkeiten derart eingeschr&auml;nkt sind, dass man sie zur Ergotherapie schicken muss. Dazu passt die Beobachtung eines Freundes, der als Trainer in einem Turnverein t&auml;tig ist. Er stellt immer wieder erstaunt fest, dass viele Kinder kein Sensorium f&uuml;r Gefahren und Risiken besitzen und sich selbst und andere dadurch mitunter nicht unerheblich verletzen. Wenn alle St&ouml;&szlig;e und Schl&auml;ge, die das Kind beim Versuch erh&auml;lt, den Weg von der Mama weg in die objektive Ordnung der Welt einzuschlagen, immer wieder abgefedert werden, dann bleiben diese Kinder seltsam erfahrungslos. Der Widerstand der Dingwelt wird in die Watte der Verw&ouml;hnung und &Uuml;berbeh&uuml;tung gepackt, womit man den Kindern die M&ouml;glichkeit nimmt, sich an den Ecken und Kanten der Welt zu sto&szlig;en und sich in dieser Reibung am Widrigkeitskoeffizient der Dinge  zu entwickeln. Eltern sind die Chauffeure ihrer Kinder, fahren sie von Termin zu Termin. Sie bringen sie in die Schule und holen sie dort wieder ab. Sie tragen ihnen die Schultasche bis zum Eingang. Bei etwaigen Konflikten der Kinder untereinander oder mit dem Lehrpersonal treten sofort die Eltern auf den Plan und st&uuml;rzen sich f&uuml;r ihre Kinder in den Kampf, statt sie selbst nach einer L&ouml;sung suchen zu lassen. Nicht einmal auf dem Schulweg haben Kinder Gelegenheit, sich der ubiquit&auml;ren Kontrolle und F&uuml;rsorge zu entziehen und untereinander ihre Erfahrungen zu machen. Kein Wunder, dass sie keine Balance und kein K&ouml;rpergef&uuml;hl haben, dass sie nicht r&uuml;ckw&auml;rts laufen und keinen Ball fangen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Donnerstag, der 23. April 2015<\/strong><\/p><p>&ldquo;<em>Monty Python<\/em>&ldquo;-Mitglied <em>John Cleese<\/em> berichtete dieser Tage in einer Talkshow, er habe als Kind nie geweint. &bdquo;Ich hatte wohl Angst, dass meine Mutter kommt&ldquo;, sagte er zur Erkl&auml;rung. <\/p><p><strong>Sonntag, der 26. April 2015<\/strong><\/p><p>In Kempowskis <em>Sirius. Eine Art Tagebuch<\/em> auf folgende Passage gesto&szlig;en: &bdquo;Ich sitze und gucke in die Gegend. Daf&uuml;r leben wir, dass wir so dasitzen und in die Gegend gucken, das ist der erstrebenswerteste Lebenszustand. Man nennt ihn &sbquo;Mu&szlig;e&lsquo;.&ldquo; <\/p><p>Bei Herbert Achternbusch findet sich eine &auml;hnliche Formulierung: Der Mensch m&ouml;chte etwas anderes als t&uuml;chtig sein, &bdquo;n&auml;mlich nichts als seinen Kopf in die Luft zu halten&ldquo;. In seiner &bdquo;Rede zum eigenen Land&ldquo;, die er irgendwann in M&uuml;nchen gehalten hat, hat er seine Theorie des M&uuml;&szlig;iggangs in einer Liebeserkl&auml;rung an die Mongolen versteckt: &bdquo;Die Chinesen, die ich eigentlich nur r&uuml;hmend erw&auml;hnen m&ouml;chte, nennen die Mongolen die Affen. Die Mongolen schauen der selbstlosen Betriebsamkeit der Chinesen blasiert zu. Die Chinesen bauen den Mongolen Schulen und Fabriken, die die Mongolen meiden. Die Mongolen machen den Eindruck, als w&auml;ren sie mit etwas anderem besch&auml;ftigt, vielleicht mit nichts. Wenn die flei&szlig;igen Chinesen meine Achtung haben, so haben diese Mongolen mein, wie soll ich es nennen? Was soll ich ihr Eigenleben irgendwie noch bezeichnen? Sie haben mein Vertrauen. Ich bin ihnen irgendwie zu eigen. Die Mongolei ist das Land meiner inneren Emigration &hellip;&ldquo;<\/p><p>So ganz zweckfrei mag der Philosoph Josef Pieper die Mu&szlig;e nicht durchgehen lassen. Sie ist doch zu etwas nutze, denn wir verdanken ihr wichtige Erkenntnisse: &bdquo;Die gro&szlig;en, die gl&uuml;cklichen, die niemals erjagbaren Einsichten und Einf&auml;lle werden uns im Zustand der Mu&szlig;e zuteil. In solcher schweigenden  &sbquo;Ge&ouml;ffnetheit der Seele&lsquo; mag auch dem Menschen einmal geschenkt werden, zu gewahren, &sbquo;was die Welt im Innersten zusammenh&auml;lt&lsquo; &ndash; vielleicht nur f&uuml;r die Dauer eines Blitzes, so dass nachher die Einsichten dieses Augenblicks in angespannter &sbquo;Arbeit&lsquo; wieder entdeckt werden m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><p><strong>Samstag, der 2. Mai 2015<\/strong><\/p><p>In Weimar haben Nazis eine Maikundgebung der Gewerkschaften &uuml;berfallen und mehrere Menschen verletzt. Etwa 50 Neonazis haben die von 200 Menschen besuchte Veranstaltung gest&uuml;rmt, das Mikrophon an sich gerissen und ihre Parolen gebr&uuml;llt. Gerade dieser Tage, wo landauf-landab an den 70. Jahrestags des Endes des Faschismus erinnert wird, belehrt uns dieses Ereignis dar&uuml;ber, dass er keineswegs am 8. Mai 1945 untergegangen ist, sondern bis heute fortexistiert und die Gefahr keineswegs gebannt ist. &bdquo;Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, aus dem das kroch&ldquo;, warnte bereits Brecht.<\/p><p><strong>Montag, der 4. Mai 2015<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will&ldquo;, schreibt Cees Nooteboom eingangs seines Romans <em>Rituale<\/em>. Neulich las ich in Botho Strau&szlig;&lsquo; neuem Buch <em>Herkunft<\/em> den&nbsp; Satz: &bdquo;Das Ged&auml;chtnis ist eine Variable der Sehnsucht.&ldquo; Was so viel hei&szlig;t: Es ist eine ver&auml;nderliche Gr&ouml;&szlig;e, je nach Sehnsuchts- und Bed&uuml;rfnislage. Kluge hat das andersherum einmal so ausgedr&uuml;ckt: &bdquo;Die Libido hat keine Lust, sich mit der Apokalypse zu befassen.&ldquo; <\/p><p>Die Erinnerung arbeitet jedenfalls nicht wie ein Kopierger&auml;t oder ein Computer, die die Dinge und Ereignisse so festhalten, speichern und wiedergeben, wie sie sich ereignet haben. Die Erinnerung ist ein aktives Verm&ouml;gen, das in die Geschehnisse eingreift und im Interesse unseres Narzissmus umschreibt und umformt. Sie ist nicht in erster Linie an der Wahrheit interessiert, sondern verh&auml;lt sich lebensdienlich: Was mit unserem Selbstbild nicht vereinbar ist, verf&auml;llt einem gn&auml;digen Vergessen. Niemand wusste das besser als Nietzsche, in dessen Buch <em>Jenseits von Gut und B&ouml;se<\/em> es hei&szlig;t: &bdquo;&lsquo;Das habe ich getan&lsquo;, sagt mein Ged&auml;chtnis. &sbquo;Das kann ich nicht getan haben&lsquo; &ndash; sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich &ndash; gibt das Ged&auml;chtnis nach.&ldquo;&nbsp;<\/p><p><strong>Dienstag, der 5. Mai 2015<\/strong><\/p><p>Die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> brachte am Wochenende eine gro&szlig;e Reportage &uuml;ber die R&uuml;ckkehr der W&ouml;lfe nach Deutschland. Seit die Tiere Ende der 90er Jahre aus Polen eigewandert sind, existieren in Deutschland 31 Rudel und ein paar einzelne Exemplare. Sie leben vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg. Ab und zu sorgen sie f&uuml;r Schlagzeilen, wenn irgendwo Schafe oder L&auml;mmer von W&ouml;lfen gerissen werden. Aktuelle &Auml;ngste mischen sich mit archaischen vorm b&ouml;sen Wolf, den wir alle aus M&auml;rchen kennen. Um das Zusammenleben von Mensch und Wolf in geregelte Bahnen zu lenken, hat man das sogenannte Wolfsmanagement erfunden. &bdquo;Monitoring, Herdenschutz, Aufkl&auml;rung sind im Groben dessen Themen.&ldquo; Bem&auml;ngelt wird, dass jedes Bundesland sein Wolfsmanagement selbst gestalte, f&uuml;nf L&auml;nder h&auml;tten noch gar keinen solchen Plan. &bdquo;Hessen ist &uuml;berhaupt nicht vorbereitet&ldquo;, emp&ouml;rt sich die Journalistin Elli Radinger. Sie fordert ein bundesweites Wolfsmanagement, einheitliche Standards im Umgang mit dem Tier, eine zentrale Datensammlung. <\/p><p>Da gew&auml;hrt uns der Wolf die Gnade seiner R&uuml;ckkehr, nachdem wir ihm im Laufe des 19. Jahrhunderts den Garaus gemacht hatten, und wie empfangen wir ihn? Mit einem Wolfsmanagement und einheitlichen Standards! Als Wolf w&uuml;rde ich mich, wenn ich das Wort Wolfsmanagement h&ouml;rte, sofort wieder in die Karpaten oder die Weiten der russischen Steppe zur&uuml;ckziehen. Warum l&auml;sst man die W&ouml;lfe nicht einfach in Ruhe? <\/p><p><strong>Donnerstag, der 7. Mai 2015<\/strong><\/p><p>Heute vor 100 Jahren wurde das englische Passagierschiff <em>Lusitania<\/em> von einem U-Boot der deutschen Kaiserlichen Marine vor der S&uuml;dk&uuml;ste Irlands versenkt, wobei rund 1.200&nbsp;Menschen ums Leben kamen. <\/p><p>Am 7. Mai 1915 sa&szlig; Michael, das Double des Autors in Leonhard Franks autobiographischem Roman <em>Links wo das Herz ist<\/em>, in Berlin im Caf&eacute; des Westens. &bdquo;Pl&ouml;tzlich sah er, dass vorne bei der Eingangst&uuml;r, wo die B&ouml;rsenberichte und daneben die Heeresberichte hingen, grauhaarige B&ouml;rsianer einander unter Freudenausrufen umarmten. Er dachte, der Krieg sei aus. (&hellip;) Der Journalist, ein wohlmeinender Mann, der sp&auml;ter Redakteur an einer sozialistischen Zeitung wurde &ndash; nach dem Krieg -, eilte vor zu den Berichtszetteln. Als er zur&uuml;ckkam, sagte er, au&szlig;er sich vor Begeisterung: &sbquo;Wir haben die Lusitania versenkt, mit 1198 Passagieren.&lsquo; Er sagte: &sbquo;Die Versenkung der Lusitania ist die gr&ouml;&szlig;te Heldentat der Menschheitsgeschichte.&lsquo; Michael, der gen&uuml;gend Phantasie hatte, um sich vorstellen zu k&ouml;nnen, was das ist, wenn 1198 Menschen im nachtschwarzen Meer ums Leben k&auml;mpfen und hilflos versinken, verlor den letzten Rest an Selbstbeherrschung. Er stand auf und schlug dem Journalisten wortlos ins Gesicht. Ringsum schnellten alle von den St&uuml;hlen hoch.<\/p><p>Michael verlie&szlig; das Caf&eacute; durch eine Gasse feindseliger G&auml;ste. Er ging sofort heim, packte einen Handkoffer und fuhr ab, nach der Schweiz.<br>\nDen folgenden Morgen erschienen zwei Polizisten in Zivil in der Wohnung. Sie fragten Lisa nach Michael und zeigten ihr den Haftbefehl.&ldquo;<br>\nLeonhard Frank &ndash; einer der ganz wenigen Lichtblicke im Milieu deutscher Intellektueller, K&uuml;nstler und Schriftsteller, die in ihrer Mehrheit von der nationalen Hysterie erfasst wurden und in das Kriegsgeschrei einstimmten. <\/p><p><strong>Samstag, der 20. Juni 2015<\/strong><\/p><p>Es existiert neuerdings in Gie&szlig;en ein Georg B&uuml;chner-Debattierclub, dessen Motto lautet:<br>\n&bdquo;Wer reden kann ist klar im Vorteil.&ldquo;<br>\nIm Internet pr&auml;sentiert der Debattier-Club sich wie folgt: <\/p><blockquote><p><strong>Was ist Debattieren?<\/strong><br>\nWir verstehen Debattieren als ein Wortsport, bei dem das kompetitive Argumentieren unter sportlichen Gesichtspunkten einge&uuml;bt wird. Dabei geht es geht nicht darum &ldquo;herumzuphilosophieren&rdquo; oder zu &ldquo;schwafeln&rdquo;, sondern darum gemeinsam in regelm&auml;&szlig;igen Trainingssitzungen schnelle Fortschritte beim freien Reden zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Was bringt Dir das Debattiertraining bei uns?<\/strong><br>\nBei uns kannst Du lernen, wie man im &ouml;ffentlichen Raum redet und argumentiert. Professionelle Debattier- und Rhetoriktrainer f&uuml;hren Dich in die Kunst der &uuml;berzeugenden Rede ein. Der Nutzen f&uuml;r Dich liegt auf der Hand:<\/p>\n<ul>\n<li>Eventuelle <strong>Redehemmungen<\/strong> wie von selbst <strong>abbauen<\/strong>.<\/li>\n<li>Durch ausf&uuml;hrliches Feedback werden <strong>schnelle Verbesserungen beim freien Reden<\/strong> erreicht, sodass das n&auml;chste Referat oder Bewerbungsgespr&auml;ch keine H&uuml;rde mehr darstellt.<\/li>\n<li>Nebenbei lernst Du <strong>viele nette Leute aus unterschiedlichen Bereichen<\/strong> der Universit&auml;t kennen und <strong>jede Menge Spa&szlig;<\/strong> ist garantiert!<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote><p>Unter Berufung auf Georg B&uuml;chner wollen sich Studierende private Standortvorteile und eine bessere Startposition im Rattenrennen um gutdotierte akademische Stellen verschaffen. Wer in der Karriere weiterkommen will, braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch so genannte <em>Soft Skills<\/em>. Sich gut ausdr&uuml;cken und frei sprechen k&ouml;nnen geh&ouml;ren zu diesen. B&uuml;chner beschreibt die Rolle der Wissenschaft beinahe noch kritischer als die des Milit&auml;rs. Der Doktor im Woyzeck, der den einfachen Soldaten zum Objekt seiner wissenschaftlichen Experimente und seines Herrenzynismus macht, ist einem seiner Gie&szlig;ener Lehrer &ndash; dem Anatom und Physiologen Wilbrand &ndash; nachgebildet. Der Prototyp des von B&uuml;chner verachteten Wissenschaftlers ist jener Gutachter Clarus aus dem Leipziger Woyzeck-Prozess, der dem Gericht voller Abscheu und Entr&uuml;stung &uuml;ber den Menschen Woyzeck berichtet, an dessen sch&auml;ndlichem Beispiel man lernen m&ouml;ge, wohin &bdquo;Arbeitsscheu, Spiel, Trunksucht, ungesetzm&auml;&szlig;ige Befriedigung der Geschlechtslust und schlechte Gesellschaft&ldquo; zu f&uuml;hren verm&ouml;chten. Die Beweggr&uuml;nde der Niedrigen erscheinen dem Hofrat Clarus als niedrige Beweggr&uuml;nde, gegen die die Kraft des sittlichen Willens in Stellung gebracht werden muss. B&uuml;chner l&auml;sst den Woyzeck im Gespr&auml;ch mit dem Hauptmann, den er t&auml;glich rasieren muss, sagen: &bdquo;Ja, Herr Hauptmann, die Tugend, &ndash; ich hab&rsquo;s noch nit so aus. Sehn Sie: wir gemeine Leut, das hat keine Tugend, es kommt einem nur so die Natur; aber wenn ich ein Herr w&auml;r und h&auml;tt ein&lsquo; Hut und eine Uhr und eine Anglaise und k&ouml;nnt vornehm reden, ich wollt schon tugendhaft sein. Es muss etwas Sch&ouml;nes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl.&ldquo; <\/p><p>Wer sich auf B&uuml;chner beruft und sich seines Namens bedient, sollte seine Intentionen teilen. Der Revolution&auml;r B&uuml;chner w&uuml;rde sich in seinem Z&uuml;richer Grab herumdrehen, wenn er w&uuml;sste, dass sich Gie&szlig;ener Jungakademiker in seinem Namen auf ihre Karriere innerhalb der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft vorbereiten und dabei auch noch &bdquo;jede Menge Spa&szlig;&ldquo; haben wollen. &bdquo;Geld verdienen&ldquo; und &bdquo;Spa&szlig; haben&ldquo;, lautet das Lebensprogramm der heutigen Studentengeneration, die den Wissenschaftsbetrieb und ihre Rolle als Akademiker und Wissenschaftler in der sp&auml;tb&uuml;rgerlichen Gesellschaft mit keinem Wort hinterfragen. Man kann sehr wohl seinen Spa&szlig; haben, aber der Spa&szlig; geht daneben, solange er von Ohnmacht und Unterwerfung unter einen zutiefst unvers&ouml;hnten gesellschaftlichen Zustand zeugt und auf Kosten der Woyzecks unserer Tage geht, die als Paketboten den Studierenden ihre bei Amazon bestellten B&uuml;cher ins Haus tragen oder in Schlauchbooten ihrer verzweifelten Lage zu entkommen versuchen und dabei vor unseren Toren elend ersaufen. <\/p><p><em>Lesen Sie morgen auf den NachDenkSeiten den zweiten Teil von G&ouml;tz Eisenbergs &bdquo;etwas anderen&ldquo; Jahresr&uuml;ckblick<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. G&ouml;tz Eisenberg ist Sozialwissenschaftler und Publizist. Er arbeitet als Gef&auml;ngnispsychologe in der JVA Butzbach. Im Verlag Brandes &amp; Apsel ist Anfang des Jahres sein neues Buch &bdquo;Zwischen Amok und Alzheimer &ndash; Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus&ldquo; erschienen. Siehe dazu die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25005\">Rezension von Joke Frerichs auf den NachDenkSeiten<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sozialwissenschaftler, Publizist, Gef&auml;ngnispsychologe und regelm&auml;&szlig;ige NachDenkSeiten-Gastautor <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29679#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] wagt in diesem Jahr einen &bdquo;etwas anderen Jahresr&uuml;ckblick&ldquo;. Heute pr&auml;sentieren wir Ihnen den ersten Teil, morgen folgt der zweite Teil unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29703\">Von Laubbl&auml;sern, Smartphones, menschlicher W&uuml;rde und Mitleid im Winter<\/a>&ldquo;.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,165,161],"tags":[1722],"class_list":["post-29679","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-wertedebatte","tag-jahresrueckblick"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29679"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29679\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48891,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29679\/revisions\/48891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}