{"id":2969,"date":"2008-02-12T08:46:51","date_gmt":"2008-02-12T07:46:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2969"},"modified":"2015-11-28T13:45:55","modified_gmt":"2015-11-28T12:45:55","slug":"12-bild-wer-arbeitet-ist-der-dumme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2969","title":{"rendered":"12. BILD: Wer arbeitet, ist der Dumme!"},"content":{"rendered":"<p>So lautete am 11.2.08 in Riesenlettern die <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/11\/arbeit-hartz-iv\/arbeit-lohnt-sich-nicht,geo=3733168.html\">Schlagzeile von BILD<\/a>. &bdquo;Immer mehr Arbeitnehmer bekommen weniger Geld als Hartz-IV-Empf&auml;nger&ldquo; und &bdquo;Ohne Arbeit h&auml;tten wir 1 Euro mehr!&ldquo; wird <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/11\/arbeit-hartz-iv\/hg\/hg-familie-beispiel,geo=3730352.html\">eine Familie aus Dortmund zitiert<\/a>. BILD st&uuml;tzt sich dabei auf eine Studie des Kieler Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft (IfW) und Vergleichsgrafiken des Bundes der Steuerzahler und nicht zuletzt schreibt Hugo M&uuml;ller-Vogg noch einen Kommentar <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/standards\/kommentar\/2008\/02\/11\/kommentar,geo=3730722.html\">&bdquo;Mehr Netto, damit sich Arbeit lohnt&ldquo;<\/a>.<br>\nWieder einmal sollen Arbeitnehmer gegen Arbeitslose ausgespielt werden. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nEs ist nichts dagegen einzuwenden, dass ein wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut die L&ouml;hne mit den Sozialleistungen nach Hartz IV vergleicht.<br>\nLeider habe ich die von BILD zitierte Studie im IfW-Internetangebot nicht gefunden, so dass ich die Aussage &ndash; &bdquo;mit Hartz IV stehen viele finanziell besser da als mit einem Vollzeitjob&ldquo; &ndash; nicht &uuml;berpr&uuml;fen kann. Solche Aussagen, dass Hartz-IV-Leistungen h&ouml;her liegen sollen als Vollzeitl&ouml;hne erscheinen ja periodisch immer wieder. So hat etwa im Mai 2006 Ulrich J&ouml;rges, der stellvertretende Chefredakteur des Stern, unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Der Kommunismus siegt&ldquo;, &bdquo;Arbeit wird verh&ouml;hnt, Nichtstun belohnt&ldquo; eine Polemik gegen den Sozialstaat und gegen Hartz IV-Empf&auml;nger geschrieben. Professorin Helga Spindler hat sich damals f&uuml;r die <a href=\"?p=1668\">NachDenkSeiten<\/a> der M&uuml;he unterzogen, dem Wahrheitsgehalt an Hand der Statistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit nachzugehen, und dabei herausgefunden, dass der von J&ouml;rges ausgerufene &bdquo;Kommunismus&ldquo; in extremen Sonderf&auml;llen, n&auml;mlich bei 147 Familien in Deutschland oder 0,1% der sog. Bedarfsgemeinschaften ausgebrochen war. (Siehe dort).<\/p><p>Aber nehmen wir einmal an, die Aussagen des Kieler Instituts (dass &bdquo;ein Paar mit drei Kindern eine Bruttoarbeitslohn von 2567,89 Euro bekommen m&uuml;sste, um netto genauso viel zu haben, wie eine vergleichbare Hartz-IV-Famlie&ldquo;)  w&auml;ren seri&ouml;s berechnet und repr&auml;sentativ, dann stellt sich die Frage, was wollen uns diese &Ouml;konomen damit sagen.<br>\nIst ihr erkenntnisleitendes Interesse etwa, dass die L&ouml;hne zu niedrig sind, um einen &bdquo;Anreiz f&uuml;r Arbeit&ldquo; zu schaffen? Oder wollen sie damit sagen, dass die Leistungen nach Hartz IV zu hoch sind, so dass es sich (&ouml;konomisch) nicht lohnt zu arbeiten?<\/p><p>Die Antwort darauf, kann man den &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Aussagen des IfW zwanglos entnehmen:<br>\nDas Kieler Institut und spezielle sein Pr&auml;sident, Prof. Dennis J. Snower sind bekannt daf&uuml;r, dass sie vehemente Anh&auml;nger der These vom Arbeitsmarkt als einem Kartoffelmarkt sind, d.h. sie vertreten die Lehre, wenn der Preis der Arbeit nur niedrig genug ist, dann wird der Arbeitsmarkt ger&auml;umt und die Arbeitslosigkeit ist beseitigt. So z.B. Pr&auml;sident Snower: &bdquo;Die j&uuml;ngsten wirtschaftspolitischen Vorschl&auml;ge &ndash; eine Verl&auml;ngerung der Bezugsdauer der Arbeitslosenunterst&uuml;tzung oder eine Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen &ndash; w&uuml;rden alle weniger statt <a href=\"http:\/\/www.uni-kiel.de\/ifw\/presse\/fokus\/2008\/fokus37_08.htm\">mehr Besch&auml;ftigungsanreize schaffen.&ldquo;<\/a><\/p><p>Die &ouml;konomische Schule von Snower, Sinn, Straubhaar und anderen vertritt den Standpunkt, dass zu hohe Hartz IV-Leistungen ein sich an der Nachfrage nach Arbeit orientiertes freies Schwanken der L&ouml;hne nach unten verhindert. Das hinter diesem &bdquo;Preismechanismus&ldquo; stehende schlichte gedankliche Konstrukt lautet: Preis (Lohn) runter, Angebot (Arbeit) auf dem Markt (Arbeitsmarkt) ger&auml;umt!<br>\n(Mit dieser eindimensionalen Denklogik habe ich mich erst <a href=\"?p=2864\">unl&auml;ngst<\/a> auseinandergesetzt und deswegen will ich meine Kritik hier nicht wiederholen.)<\/p><p>BILD liefert einen &bdquo;Finanzcheck&ldquo; &bdquo;Hartz IV oder Vollzeitjob&ldquo;: Einem Nettoverdiener von 1.200 Euro, dessen Frau einem Minijob mit 150 Euro nachgeht, kommt inklusive Kindergeld auf monatlich rund 1.500 Euro. Die vergleichbare &bdquo;Bedarfsgemeinschaft&ldquo; einer Hartz-IV-Familie bek&auml;me einen Grundanspruch von 673,30 Euro (das IfW nennt den Betrag von 624 Euro), 208 Euro Kinderzulage und &bdquo;maximal 620 Euro f&uuml;r die orts&uuml;bliche Miete und die Heizkosten&ldquo;, also auf 1501,30 Euro. &bdquo;Lohnt sich die Arbeit denn wirklich nicht mehr?&ldquo;, fragt BILD voller Mitgef&uuml;hl f&uuml;r die Mehrzahl ihrer Leserinnen und Leser.<\/p><p>Es wird dabei suggeriert, dass die &bdquo;maximal&ldquo; 620 Euro Miet- und Heizkostenzuschuss sozusagen der Normalfall und damit diese Adddition ein realistischer Vergleichswert zum Einkommen eines Lohnempf&auml;ngers w&auml;re. Dieser Maximal-Zuschuss wird allerdings &ndash; wie die schon zitierte Helga Spindler aus der Statistik entnommen hat &ndash; nur bei einer ganz geringen Zahl von Familien gew&auml;hrt. N&auml;mlich vielleicht f&uuml;r den Fall, dass die &bdquo;Bedarfsgemeinschaft&ldquo; etwa in einer Stadt wohnt, wo der Mietspiegel sehr hoch ist und keine billigere Mietalternative besteht oder angeboten werden kann. Aus den meisten Regionen wei&szlig; man jedoch, dass Hartz-IV Haushalte schon bei viel geringeren Mieten zur Kostensenkung oder zum Umzug aufgefordert werden. Ja es gibt den sogar im Fernsehen dokumentierten Fall, dass bei  einer Familie, die in einer &bdquo;zu gro&szlig;en&ldquo; Wohnung wohnte, mangels billigerer Alternativen die T&uuml;ren zu einzelnen Zimmern zugemauert wurden, damit der rechnerisch zustehende Fl&auml;chenbedarf nicht &uuml;berschritten wurde.<\/p><p>BILD vergleicht also einen Niedrigverdiener mit einem Nettostundenlohn von etwa 7,50 Euro mit einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft, die im Ausnahmefall einen maximalem Wohn- und Heizkostenzuschuss in Anspruch nehmen k&ouml;nnte. Diese Rechnung ist genau so unseri&ouml;s, wie die gleichfalls in diesem Beitrag gemachte Angabe, wonach der zitierte Arbeitnehmer von seinem Wohnort Dortmund bis zu seiner Arbeitsstelle in Wuppertal &bdquo;jeden Tag 100 Kilometer hin, 100 Kilometer zur&uuml;ck&ldquo; f&auml;hrt. Auf jeder Stra&szlig;enkarte oder auf jeder Entfernungstabelle h&auml;tte der Autor des Artikels nachschauen k&ouml;nnen, dass zwischen diesen beiden Ruhrgebietsst&auml;dten gut gerechnet etwa 50 Kilometer liegen.<br>\nAber eine solide Rechnung h&auml;tte ja die Skandalgeschichte kaputt gemacht.<\/p><p>Um die Glaubw&uuml;rdigkeit der Schlagzeile zu untermauern, druckt BILD neben einigen unbelegten Zahlen aus der IfW-Studie auch noch Vergleichsgrafiken des &bdquo;Bundes der Steuerzahler&ldquo; ab. Mit den aufgef&uuml;hrten S&auml;ulengrafiken soll z.B. belegt werden, dass eine vierk&ouml;pfige Hartz-IV-Familie gerade mal einen Euro  weniger bekommt als ein ordentlich besch&auml;ftigter Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 1.621 Euro.<br>\nAuch bei diesem Vergleich liegt die Manipulationsmasse wieder bei dem zum Regelsatz addierten Miet- und Heizungszuschuss. Rechnerisch m&uuml;ssten diese Zulagen bei dieser Grafik gleichfalls deutlich &uuml;ber 500 Euro liegen.<br>\nWie gesagt, solche F&auml;lle mag es geben, aber dies als Normalfall hinzustellen, ist eine glatte Irref&uuml;hrung.<\/p><p>Was veranlasst nun den &bdquo;Bund der Steuerzahler&ldquo; zu solchen irref&uuml;hrenden Vergleichen. Dazu muss man wissen, dass schon der Name dieses Bundes eine T&auml;uschung ist. Er ist n&auml;mlich kein Interessenvertreter bzw. kein Anwalt der Steuerzahler, sondern eine k&auml;mpferische Lobbyorganisation f&uuml;r die Steuerinteressen von Unternehmen und des gewerblichen Mittelstands. 60 bis 70 Prozent seiner Mitglieder kommen aus diesem gesellschaftlichen Bereich. Dieser Bund und sein Vorsitzender Karl Heinz D&auml;ke ziehen schon seit Jahren gegen Steuern und Sozialabgaben zu Felde. Kein Wunder, dass etwa zur letzten Unternehmenssteuersenkung mit einer Bruttoentlastung von knapp 30 Milliarden nichts Kritischeres zu h&ouml;ren war, als dass diese Senkung immer noch zu gering ausgefallen sei.<\/p><p>Der ziemlich pharis&auml;erhafte Vorsitzende D&auml;ke wird z.B. nicht m&uuml;de, etwa die Di&auml;ten der Abgeordneten zu attackieren. Dass er selbst im Glashaus sitzt und als Pr&auml;sident des BdSt <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/politik\/deutschland\/steuerzahlerbund\/050323.jhtml\">drei Geh&auml;lter von mehr als 185.000 Euro pro Jahr kassiert hat und dazu noch f&uuml;r Vortr&auml;ge Betr&auml;ge in f&uuml;nfstelliger H&ouml;he<\/a>  einsackt, scheint ihm keineswegs die Schamesr&ouml;te ins Gesicht zu treiben<\/p><p>Dem Steuerzahlerbund geht es auch nicht um Steuergerechtigkeit, sonst m&uuml;sste er den Anstieg des Anteils der Einkommensteuer am gesamten Steueraufkommen von 1950 von 18,5% auf &uuml;ber 30% (BMF) schon l&auml;ngst als &bdquo;Marsch in den Lohnsteuerstaat&ldquo; kritisiert haben. Und er d&uuml;rfte vor allem nicht gleichzeitig wohlwollend hinnehmen, dass der Anteil der Gewinn- und Verm&ouml;genssteuern von 1977 auf 2002 von 29% auf 14% gefallen ist (WSI-Info Nr. 3\/2004).<\/p><p>Der BdSt will vor allem den &bdquo;schlanken&ldquo;, um nicht zu sagen den ausgehungerten Staat, er will Privatisieren und ihm w&auml;re am liebsten, wenn statt (sozial gestaffelter) Steuern nur noch gleiche Geb&uuml;hren f&uuml;r alle f&uuml;r die Leistungen der Daseinsvorsorge bezahlt werden m&uuml;ssten.<br>\nVor allem aber geht es dem Steuerzahlerbund um die Senkung oder besser gleich Abschaffung der Sozialabgaben, <a href=\"?p=2475\">Rente, Gesundheit oder Arbeitslosigkeit sollten privat finanziert werden und am besten mit einer f&uuml;r alle gleich hohen Kopfpauschale<\/a><\/p><p>Und hier treffen die ideologischen Linien mit BILD und ihrer seit Jahren andauernden Kampagne &bdquo;Runter mit den Steuern! Runter mit den Abgaben!&ldquo; (so der Kommentar von Hugo M&uuml;ller-Vogg) zusammen.  Der BILD-Kolumnist gilt als Haus- und Hof-Berichterstatter der Bundeskanzlerin. Seine Lobeshymnen f&uuml;r Angela Merkel sind so orgiastisch, dass er von Sp&ouml;ttern und Kabarettisten gerne das &bdquo;Kanzlerinnenz&auml;pfchen&rdquo; bezeichnet wird, deswegen ist es auch nahe liegend, dass er mal wieder den Merkel-Spruch &bdquo;Mehr Netto vom Brutto&ldquo; nachplappert.<\/p><p>Selbst wenn die Berechnungen des IfW oder des Steuerzahlerbundes korrekt w&auml;ren, warum kommen beide und warum kommt BILD eigentlich ausschlie&szlig;lich auf die Idee, die Steuern und Abgaben zu senken? Warum kommen sie nicht auf den Gedanken, dass die L&ouml;hne zu niedrig sind und der Abstand der L&ouml;hne zu den Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, die ja nicht mehr als &bdquo;ein menschenw&uuml;rdiges Dasein&ldquo; sichern sollen (&sect; 1 Sozialgesetzbuch), zu gering sein k&ouml;nnten?<br>\nWeder das IfW, noch der Steuerzahlerbund und nat&uuml;rlich auch nicht BILD k&auml;men auf die Idee, darauf hinzuweisen, dass in Deutschland die Reall&ouml;hne von 1995 bis 2004 um 0,9 % gesunken sind, w&auml;hrend sie in Schweden oder in England um ein Viertel (&uuml;ber 25%) <a href=\"?p=2820\">gestiegen sind<\/a>.<\/p><p>Nein, solche Vergleiche mit den Lohnsteigerungen in den Nachbarl&auml;ndern k&ouml;nnten ja die Arbeitnehmer nur auf falsche Gedanken bringen, etwa dass ihnen mehr Lohn zusteht als sie tats&auml;chlich bekommen. Da k&ouml;nnten ja Lohnanspr&uuml;che gegen die Arbeitgeberseite angemeldet werden und wom&ouml;glich kollektiv erk&auml;mpft werden. Angesichts solcher Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit lenkt man doch lieber den Sozialneid auf diejenigen, die noch weiter unten in der sozialen Hierarchie stehen, n&auml;mlich auf die faulen  Arbeitslosen, die &bdquo;gleich im Bett liegen bleiben&ldquo;, statt sich f&uuml;r einen Hungerlohn abzuschinden. Es geh&ouml;rte eben schon immer zu den plumpsten Methoden der Herrschaftssicherung, dass die Herrschenden die Unterprivilegierten gegeneinander ausspielten.   <\/p><p>Da sich BILD, IfW und BdST angesichts der seit Anfang der neunziger Jahre von knapp 73 % auf unter 67 % abgesackten Lohnquote dann doch nicht mehr trauen offen weitere Lohnsenkungen zu fordern, bleibt als Ausweg nur noch die Forderung nach Senkung der Steuern und Abgaben. &bdquo;Damit der Lohn der Arbeit h&ouml;her ist als staatliche &acute;St&uuml;tze`&ldquo; (M&uuml;ller-Vogg)<\/p><p>Dass etwa in dem  als skandal&ouml;s dargestellten Vergleichsfall der Arbeitnehmer gar keine Lohnsteuer mehr bezahlen m&uuml;sste, mag im Steuersenkungseifer schon mal &uuml;bersehen werden. Auf die Frage, wie denn die Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung und die Rentenversicherung finanziert werden sollten, wenn nicht durch Abgaben, bleiben IfW, Steuerzahlerbund und BILD jede Antwort schuldig. Meinen sie wirklich, den Arbeitnehmern einreden zu k&ouml;nnen, dass wenn die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme noch mehr ruiniert werden als dies ohnehin schon geschehen ist, die private Absicherung das Heil bringt? M&uuml;sste denn der als Beispiel gew&auml;hlte Niedrigl&ouml;hner weniger Kosten aufbringen, wenn er seine Risiken privat versichern  und stattdessen weniger Sozialabgaben leisten m&uuml;sste, bei denen der Arbeitgeber immerhin noch die H&auml;lfte der Kosten tr&auml;gt? <\/p><p>Und wenn dann die Steuern insgesamt immer noch weiter gesenkt werden sollen, wie soll dann der Staat die Bed&uuml;rftigen noch am Existenzminimum absichern k&ouml;nnen?<\/p><p>Sowohl bei der Kampagne f&uuml;r weitere Steuersenkungen als auch bei der Senkung der sog. Lohnnebenkosten erweist sich, dass dahinter nicht blo&szlig; eine Milchm&auml;dchenrechnung sondern schiere Absicht steht: Der Staat in Deutschland mit einer Staatsquote von 44,3 % (2007), weit unter dem Durchschnitt der Euro-Zone und unter dem ach so liberalen Gro&szlig;britannien (44,6%) soll weiter ausgeblutet werden, die gesetzlichen Vorsorgesysteme sollen weiter ausgehungert werden.<br>\nWenn dann die Sozialsysteme vollends kaputt sind und der Staat (mangels Steuereinnahmen) nicht einmal mehr das Geld f&uuml;r die physische Existenzsicherung von Arbeitslosen hat, dann &ndash; so die Logik dieser Lehre &ndash; ist endlich der Zustand eingetreten, wo der Preismechanismus auf dem Arbeitsmarkt wieder funktionieren k&ouml;nnte und endlich wieder Niedrigstl&ouml;hne ohne die l&auml;stige Untergrenze der Hartz IV-Regels&auml;tze einen &bdquo;Anreiz f&uuml;r Arbeit&ldquo; schaffen k&ouml;nnten &ndash; zur Not auch unterhalb der Existenzf&auml;higkeit der Arbeitnehmer. Das Problem der Arbeitslosigkeit l&ouml;ste sich dann biologisch durch Verhungern und Fr&uuml;hableben der &bdquo;&uuml;berz&auml;hligen&ldquo; Arbeitskr&auml;fte. Auf lange Sicht g&auml;be es dann wieder ein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot. Aber wie sagte doch John Maynard Keynes schon vor langer Zeit: In the long run we are all dead. <\/p><p>Professor Sinn w&uuml;rde jetzt einwenden: Nein, so inhuman ist unsere Lehre gar nicht. Wir sind doch f&uuml;r Lohnsubventionen, falls der Lohn zum &Uuml;berleben nicht reicht. Aber, wie sollten diese Lohn-Subventionen an die Arbeitgeber f&uuml;r deren gro&szlig;herziges Angebot eines Arbeitsplatzes mit einem Lohn unter dem Existenzminimum dann noch vom Staat finanziert werden k&ouml;nnen, wenn ihm gleichzeitig durch Steuersenkungen, die Finanzierungsbasis genommen wurde?<\/p><p><em>p.s.:<\/em><\/p><p>Wenn sich jetzt <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/jobs\/arbeitsmarkt\/arbeitslosigkeit\/hartz-iv_aid_237342.html\">IfW und BdSt vorsichtig von dieser BILD-Story distanzieren<\/a> und darauf hinweisen, dass es sich um &auml;ltere Zahlen handelt, so best&auml;tigt das nur dass dieses Boulevardblatt bei seinen Kampagnen unseri&ouml;s arbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautete am 11.2.08 in Riesenlettern die <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/11\/arbeit-hartz-iv\/arbeit-lohnt-sich-nicht,geo=3733168.html\">Schlagzeile von BILD<\/a>. &bdquo;Immer mehr Arbeitnehmer bekommen weniger Geld als Hartz-IV-Empf&auml;nger&ldquo; und &bdquo;Ohne Arbeit h&auml;tten wir 1 Euro mehr!&ldquo; wird <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/11\/arbeit-hartz-iv\/hg\/hg-familie-beispiel,geo=3730352.html\">eine Familie aus Dortmund zitiert<\/a>. 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