{"id":2978,"date":"2008-02-14T12:26:12","date_gmt":"2008-02-14T11:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2978"},"modified":"2015-11-28T10:47:39","modified_gmt":"2015-11-28T09:47:39","slug":"massen-altersarmut-ist-kein-schicksal-die-sorge-davor-wird-missbraucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2978","title":{"rendered":"Massen-Altersarmut ist kein Schicksal. Die Sorge davor wird missbraucht."},"content":{"rendered":"<p>&ldquo;Die Hungerrentner von morgen&ldquo; lautet die Schlagzeile eines Artikels im Spiegel dieser Woche und gestern bei SpiegelOnline. Weiter hei&szlig;t es dort: &ldquo;Langzeitarbeitslose, Geringverdiener, Solo-Selbst&auml;ndige: Millionen Babyboomern droht im Alter bittere Armut, viele werden als Rentner nur noch Leistungen auf Sozialhilfeniveau bekommen, warnen &Ouml;konomen. Gibt es Wege aus der Versorgungsfalle?&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,534505,00.html\">Spiegel-online<\/a><\/p><p>Spiegel und SpiegelOnline setzen mit diesem Artikel fort, was die Bild-Zeitung in der mit dem 28.1. beginnenden Woche angefangen hat: Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDie Altersarmut wird zum gro&szlig;en Thema gemacht, um dann zu empfehlen, sich mit Privatvorsorge dagegen zu sch&uuml;tzen. Es wird als zwangsl&auml;ufig und als nicht korrigierbar dargestellt, was in mehrerer Hinsicht politisch gewollt, jedenfalls gemacht und verschuldet worden ist:<\/p><ol>\n<li>Mit der Verweigerung einer expansiven Wirtschaftspolitik bei gleichzeitiger restriktiver Geldpolitik wird &ndash; von kleinen Unterbrechungen wie dem Einheitsboom abgesehen &ndash; seit &uuml;ber 25 Jahren ein hoher Sockel an Arbeitslosigkeit geschaffen. Das &Uuml;berangebot an Arbeitskr&auml;ften ist die Grundlage f&uuml;r den Druck auf die L&ouml;hne &ndash; statistisch nachweisbar in der Stagnation der realen L&ouml;hne in fast dem gesamten Zeitraum, bei gleichzeitiger Explosion der Spitzen- und Verm&ouml;genseinkommen. Stagnierende L&ouml;hne f&uuml;hren zu geringen Rentenanwartschaften. Hohe Arbeitslosigkeit f&uuml;hrt zu geringen Beitragseink&uuml;nften.<\/li>\n<li>Gleichzeitig hat man die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente durch eine F&uuml;lle von Ma&szlig;nahmen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt und massiv besch&auml;digt. Letzte gravierende Tat: die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Wir haben dar&uuml;ber mehrmals in den NachDenkSeiten berichtet, <a href=\"?p=2039\">zum Beispiel am 8.3.2007.<\/a><\/li>\n<li>Ausweitung des Niedriglohnsektors und der prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnisse. An der Propaganda daf&uuml;r war der Spiegel ma&szlig;geblich beteiligt, sogar mit Spiegel-Titeln. Der Niedriglohnsektor war &uuml;ber einige Zeit hinweg im Spiegel fast schon so etwas wie der deus ex machina. Jetzt schildert der Spiegel mit Tr&auml;nen in der Stimme, dass der Anteil der Niedrigl&ouml;hner, die sich mit 4 oder 5 &euro; die Stunde verdingen m&uuml;ssen, von 1995 bis heute um 43% gestiegen sei. <\/li>\n<\/ol><p>Der Fairness halber kann ich hier anmerken, dass es im Spiegel-Artikel durchaus einsichtige Anmerkungen gibt. Z.B. wird notiert, die Politik habe &bdquo;kr&auml;ftig mitgewirkt am Aufschwung &hellip; fragiler Erwerbsformen&ldquo;. Oder es wird festgehalten, dass die Reformen gerade den unteren Stufen der Einkommensskala weitere Einbu&szlig;en beschert haben. Diese richtigen Erkenntnisse bleiben aber folgenlos. Was ich z.B. weiter unten unter &bdquo;zweitens&ldquo; vorschlage, fordert der Spiegel eben nicht. Und er landet am Ende bei der Empfehlung einer &bdquo;steuerfinanzierten Grundrente, &hellip; f&uuml;r den Rest m&uuml;sste jeder selbst sorgen&ldquo;. Das ist der Traum der Versicherungswirtschaft und der Banken.<\/p><p>Der Spiegel erweckt, auch unter Berufung auf den ach so unverd&auml;chtigen Experten Miegel, den Eindruck, dass die Verarmung etwa der H&auml;lfte der Seniorenschaft auf dem Niveau der Grundsicherung unabwendbar sei. Und <\/p><p>Es ist keine Frage, dass es schwierig ist, diese Entwicklung abzuwenden. Aber selbstverst&auml;ndlich k&ouml;nnte man gegensteuern und das h&auml;tte auch Wirkung. Dazu w&uuml;rde zum Beispiel geh&ouml;ren:<\/p><p><strong>Erstens<\/strong> und das wichtigste: Aktive Makropolitik zur F&ouml;rderung der Besch&auml;ftigung, Verringerung der Arbeitslosigkeit und Steigen der L&ouml;hne.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> ein Programm zur F&ouml;rderung der Normalarbeitsverh&auml;ltnisse statt der prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnisse und der Minijobs. Wenn die Bundesregierung sich nur dazu bekennen w&uuml;rde, dass dies das Ziel ist, wenn sie den Unternehmen dazu raten w&uuml;rde und die gesicherten Arbeitsverh&auml;ltnisse als modern und erstrebenswert darstellen w&uuml;rde, w&auml;re schon viel gewonnen. Unternehmen orientieren sich auch an solchen modischen Trends.<\/p><p><strong>Drittens:<\/strong> Konzentration der F&ouml;rdermittel auf das Umlageverfahren und die gesetzliche Rente mit dem Ziel, deren Leistungsf&auml;higkeit wieder anzuheben. Wenn die &ouml;ffentlichen Mittel f&uuml;r R&uuml;rup-Rente, Riester-Rente und Betriebsrenten auf die gesetzliche Rente konzentriert w&uuml;rden, wenn gleichzeitig die Beitrags-\/Pr&auml;mienerh&ouml;hung, die heute mit der Riester-Rente de facto einhergeht, auf die gesetzliche Rente konzentriert w&uuml;rde, dann w&uuml;rde man dort auch Spielraum gewinnen, um jene Menschen besser abzusichern, die das Pech hatten, die Opfer einer ideologisch bestimmten, falschen Makropolitik zu werden, und in Arbeitslosigkeit oder Minijobs ausgelagert wurden.<br>\nDie Privatvorsorge jedenfalls bewahrt diese Menschen nicht vor Altersarmut. Sie leisten sich das nicht, weil sie es nicht k&ouml;nnen oder weil sie auf noch mehr verzichten m&uuml;ssen. So gesehen muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass jene, die jetzt die Altersarmut als Argument f&uuml;r die Privatvorsorge massiv ins Spiel bringen, eindeutig auf die besser Verdienenden zielen. Deren Bereitschaft zu riestern oder zu r&uuml;rupen soll &ndash; sozusagen &uuml;ber Bande gespielt &ndash; angestachelt werden. Diese Erkenntnis schimmert selbst in diesem Spiegelartikel durch.<\/p><p><strong>Viertens:<\/strong> Alles hilft, was die Produktivit&auml;t zu steigern hilft.<\/p><p><strong>F&uuml;nftens:<\/strong> Und alles hilft, was die Erwerbsquote zu steigern hilft.<\/p><p>Das Wichtigste steckt in Erstens: die Konjunktur muss in den n&auml;chsten Jahren &ndash; in Kombination mit viertens, der Steigerung der Produktivit&auml;t &ndash; so bef&ouml;rdert werden, dass die Arbeitnehmer wieder Alternativen haben. Nur dann werden die L&ouml;hne real steigen. Dann werden Menschen, die heute mit miserabel bezahlten Jobs vorlieb nehmen m&uuml;ssen, dazu auch Nein sagen k&ouml;nnen, weil sie eine bessere Chance haben. Das ist die beste Basis auch einer guten Altersversorgung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&ldquo;Die Hungerrentner von morgen&ldquo; lautet die Schlagzeile eines Artikels im Spiegel dieser Woche und gestern bei SpiegelOnline. Weiter hei&szlig;t es dort: &ldquo;Langzeitarbeitslose, Geringverdiener, Solo-Selbst&auml;ndige: Millionen Babyboomern droht im Alter bittere Armut, viele werden als Rentner nur noch Leistungen auf Sozialhilfeniveau bekommen, warnen &Ouml;konomen. 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